Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 2 (1900)
- Issue
- 3 (19.1.1900)
- Date
- 1900-01-19
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 10. Jänner 1000 Seite 3 vor der eigenen Thüre zu kehren. Er wird es wohl nur zu gut wissen, dass auch seine Wähler, die ihn ins Parlament als Dolmetsch ihrer Wünsche entsandten, nicht für den Militarismus schwärmen und es wird ihm wohl nur zu gut bekannt sein, dass auch der deutsche Bauer seinen Sohn nur schweren Herzens von der Scholle zum Militärdienste entlässt. Der Herr Abgeordnete wird wohl auch erfahren haben, wenn sein Gesichtskreis über Kärnten hinausreicht, dass in Galizien die verhungerten polnischen und ruthenischen Bauern gerade nicht die besten Soldaten abgeben und ebenso ist es auch bei den Juden in Galizien, deren Hauptmasse in Noth und Elend verkommt. Alles begreifen, beißt alles verzeihen, aber der Herr Abgeordnete Le misch will nicht begreifen, denn sein Geschäft ist der Antisemitismus und der erheischt die Lüge. In den Kronländern Oesterreichs, wo die Juden nicht unter solch elenden Verhältnissen, wie in Halbasien, leben, dort, wo es ihnen gelungen ist, sich Luft und Licht zu verschaffen, da erfüllen sie gleich den arischen Bürgern ihre Pflichten gegen den Staat. Wenn der Abg. Lemisch sogar mit seiner Behauptung Recht gehabt hätte, so wäre das höchstens nur ein Beweis dafür gewesen, dass der größte Theil der Juden Oesterreichs in den denkbar schlechtesten Verhältnissen lebt, denn je mehr sich der Wohlstand eines Volkes hebt, desto größer wird auch die Zahl seiner wehrfähigen Söhne. Wenn schon jetzt uns die Missgunst unserer „Gastvölker" verfolgt, wie groß wird erst der Hass werden, wenn es unseren „Aermsten der Armen" gelingen sollte, eine höhere Stufe der ökonomischen Entwicklung zu erreichen? J, N. Inland. Wien. Aus der Sitzung des Vorstandes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde vom 13. Jänner 1900, unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rath Heinrich Klinge r. Im Einlaufe befinden sich: Ein in besonders warmen Worten abgefasstes Dankschreiben des zum Ehrenpräsidenten des Bethansvorjtandes ernannten Herrn Jacob B r a n d e i s, welches vollinhaltlich zur Verlesung gelangt und mit einmüthigem Beifalle zur Kenntnis genommen wird. — Eine Zuschrift des Vereines „Chewra-Beth-Hatfilah", in welcher der Verein seine besondere Befriedigung über die Neueonstituierung des Vorstandes, insbesondere über die einstimmig erfolgte Wiederwahl des Herrn kais. Rath K l i n g e r zum Präsidenten und über die Annahme der Wahl seitens desselben ausspricht, bei welchem Anlasse der Präsident bemerkt, dass ihm auch seitens anderer Corporationen mehrfach Gratulationsschreiben zugekommen seien, welche er als eine ihm erwiesene besondere Ehrung betrachtet. An Spenden sind eingelaufen: Von Herrn Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n Kr. 200.— als Beitrag zur Bedeckung für Errichtung einer Mikwah. Die Mittheilung, dass Herr Wilhelm Spitzer bei der Barmizwah-Feier seines Sohnes einen Betrag von Kr. 10.000.— zur Erziehung eines Waisenknaben gewidmet habe, wird mit Dank zur Kenntnis genommen. Der Präsident theilt mit, dass das Statuten-Revisions- Comitö seine erste Sitzung abgehalten und ein engeres Comitö, bestehend aus den Herren Dr. Steiner als Obmann, Oberfinanzrath Dr. Rappaport und Dr. Berger gewählt hat. Vor Uebergang zur Tagesordnung erfolgt die Neuconstituierung einzelner Comitös. Zum Obmanne des Bau-Comitös wird Herr Vicepräsident Dr. Alfred Stern zum Obmann-Stellvertreter Herr Oberingenieur von Mises, zum Obmanne des Koscherfleisch- Comitös Herr Bicepräsident Dr. Gustav Kohn, zum Obmanne des Altersversorgungshaus-Comitös Herr Salo Cohn, zum Obmann-Stellvertreter Herr von Mises, zum Obmanne des Spitals-Comitös Herr Dr. Josef G r ü n f e l d, zum Obmann- Stellvertreter Herr Emanuel Hoffmann gewählt. Die Verleihung der Jonas Freiherr von Königsw a rt e r'schen Stiftung an zwei Hörer der Theologie im Betrage von je Kr. 930.— wird nachträglich genehmigt. Herr Baurath St iaßny berichtet über die constituierende Sitzung des Curatoriums der von der Gemeinde Wien zu verwaltenden Josefine Königswarter'schen Kinderspitalstiftung, welchem Referent und Herr Dr. Sieger als vom Cultusvorstande delegierte Vertreter angehören. — Bei der Constituierung des genannten Curatoriums wurde Herr Baurath Stiaßny zum Obmann-Stellvertreter gewählt. Der Bericht wird zur Kenntnis genommen. Namens der 3. Section referiert Herr Baurath von Goldschmidt über die Berufung zweier Primarärzte für die nettzuerrichtende chirurgische und gynäkologische Abtheilung im Spitale der israelitischen Cultusgemeinde. Die eingehenden Special-Vorschläge der Section werden nach längerer Berathung angenommen. Herr Baurath S t i a ß n y referiert in Friedhof-Angelegenheiten, und wird nach Erledigung von Personalien die Sitzung geschlossen. Wien. (I s r a e l i t i s ch e A l l i a n z.) Die in mehreren Ortschaften Mährens gegen die Juden stattgehabten Exceffe gaben der Israelitischen Allianz zu Wien die Veranlassung, eine Hilfsaction zugunsten der durch die vorgefallenen Gewaltthätigkeiten geschädigten Glaubensbrüder einzuleiten. Das Ergebnis der Spendensammlung wurde hauptsächlich 86 Familien Geschädigter zu Holleschau zugeführt, tvobei namentlich auch auf stüche Bedacht genommen wurde, die durch den geschäftlichen Boykott in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Den Rest der Sammlung verwendet die Israelitische Allianz für die an kleineren Orten durch die Verfolgungen heimgesuchte jüdische Bevölkerung. Wien. (Tenipelbau Brigittenau.) Endlich ist man dem Ziele nahe! Ein Tempel soll gebaut werden und dadurch einenr dringenden Wunsche und Bedürfnisse der Brigittenauer Juden entsprochen werden. Die vorhandenen Schwierigkeiten wurden durch die Entscheidung eines hohen Ministeriums zugunsten des Vereines behoben und soll in kürzester Zeit mit dem Baue begonnen werden. Obwohl schon der größte Theil der veranschlagten Kosten als gesichert erscheint, mangelt es noch immer an einer bedeutenden Summe. Es ergeht nun an alle Glaubensgenossen, die ein Herz für das Judenthum haben, die dringende Bitte, dieses gottgefällige Werk unterstützen zu wollen. Spenden, welche öffentlich ansgewiesen werden, bittet man an den Obmann des Vereines Herrn Hermann E l t b o g e n, II., Rafaelgasse Nr. 12, gütigst zu senden. Ung. - Hradisch. (G e m e i n d e r a t h s w a h l e n.) Die hiesigen Gemeindewahlen wurden am 8. und 9. d. M. unter Abstinenz der Deutschen abgehalten. Am 6. fand eine Vorbesprechung der Wähler des ersten Wahlkörpers statt, bei der die Candidatenliste zusammengestellt und einzelnen bisherigen Ausschussmitgliedern das Gelöbnis abgenommen wurde, den nationalen Bestrebungen der Czechen nicht feindlich entgegenzutreten. Der dritte Wahlkörper wählte am 8. und kann das Wahlergebnis unter den herrschenden Verhältnissen als günstig bezeichnet werden, da die r a d i c a l e n E l e m e n t e unterlagen und die gemäßigte czechische Partei sich mit großer Stimmenmehrheit behauptete. Am 9. d. M. wählte der zweite Wahlkörper und machte sich hierbei gegen Dr. V y s l o u z i l wegen seines stets verhetzenden czechisch-radicalen, antisemitischen Vorgehens unter einem Theile der czechischen Bauern und Bürger eine Gegenströmung bemerkbar, die demselben sein Ausschussmandat sehr fraglich gemacht hätte, wenn nicht im letzten Augenblicke Dr. Byslouzil unter gewissen Versprechungen an die Juden herangetreten wäre, die ihm denn auch ihre Stimmen gaben. Ob sie klug gehandelt haben und Dr. Vyslouzil sich bessern wird, soll die Folge lehren. Jedenfalls möge es Herrn Dr. Vyslouzil zur Kenntnis dienen, dass für seine radicalen Saltomortales in Hradisch kein Boden ist. So siegte in allen Wahlkörpern die gemäßigte Partei und auch am 9. im ersten Wahlkörper, bei dem Herr Emanuel Fürst als Vertreter der jüdischen Wähler mit 105 Stimmen ans der Wahlurne hervorgieng. Uttg. - Hradisch. (Zu den Holleschauer E x c e s s e n.) Bei der heutigen Kreisgerichtsverhandlnng gegen den Polizei-Commissär der Holleschauer Judengemeinde, Bernhard Ehrlich, wegen des Verbrechens der schweren körperlichen Beschädigung, begangen dadurch, dass er angeblich zur Zeit der dortigen Excesse gegen die 16jährige Julie H r a d i l in feindseliger Absicht einen Schuss abgefeuert haben soll, wurde derselbe freigesprochen. Prag. (Antisemitische Ausschreitungen.) Die „PrüLke Nov." berichten aus Rokitzan, 10. d.: „In R a d n i tz wurde am 31. December dem Israeliten Jakob K u s y das Haus mit rother Farbe besudelt, und in der Nacht zum 2. d. wurden der Eisenwarenhändlerin Frau Marie R u z i c f a vier Fensterscheiben eingeworfen und die Wand des Hauses mit rother Farbe besudelt. Am 30. v. M. wurden auch dem Bürgermeister, sowie den Gemeindeausschüssen Hotelier P i n z und Karl Pick die Fenster beschmiert. Am 7. d. wurden dem Salomon Treulich sieben Fensterscheiben eingeschlagen. Die Gemeinde Radnitz ließ der Marie R u z t e f a auf Gemeindekosten die Fenster wieder Herstellen und schrieb einen Preis von 10 Kronen auf die Ausforschung des Thäters aus. Weiter wurden in Zwikowetz am 1. d. dem Israeliten Sigmund Fried und in Praschno-Aujezd dem Israeliten Wilhelm B l e i e r je zwei Fensterscheiben zertrümmert. In den beiden letzteren Fällen wurde ein Dienstbote aus Praschno- Aujezd als der That verdächtig angezeigt." Prag. („Volksbote" - Blüten.) Wenn jemand wirklich daran gezweifelt hätte, dass unsere „deutschnationale" Bewegung ziemlich identisch ist mit der christlich-socialen in Wien, dann würde ihn die letzte Nummer unseres ^Volksboten" sicherlich eines Besseren belehren. Es ist wirklich hier wie dort nur das angeborene und durch Erziehung verstärkte Brutalitätsgelüste des Bierspießers, das eben nur in der Form geschieden ist. In seiner letzten Nummer berichtet der „Volksbote" über zwei jüdische Versammlungen: Ueber einen Vortrag des Dr. Bloch im Centralvereine für jüdische Angelegenheiten, sowie über die Protestversammlung unseres hiesigen Volksvereines. Herr Dr. Bloch hat im Centralvereine, dem Filial- Casino, wieder einmal die berühmte Missionstheorie entwickelt. Dass Dr. Bloch noch immer auf seinem Standpunkte von anno dazumal steht, ist bei ihm als ehemaligem Rabbiner und altem Manne schließlich begreiflich. Dass er sich aber nicht scheut, in einem Lande, wo wir Juden von Deutschen und Czechen in gleich heftiger Weise angegriffen werden, diese hirnverbrannte Idee müßiger Casuisten und pflichtvergessener Dickwänste zu predigen, das ist schon etwas unbegreiflicher. Was soll man auch den unterschiedlichen Antisemiten antworten, wenn die bei derartigen Auswüchsen von „maßloser Arroganz" sprechen. Man denke sich doch nur die blödsinnige Ironie: In Prag, wo wir jeden Abend Gott danken müssen, dass uns nicht die Fensterscheiben eingeschlagen werden, will uns Doctvr Bloch einreden, wir seien dazu berufen, den nationalen und menschlichen Verbrüderungsgedanken unter den Völkern zu verbreiten und zur Thatsache zu machen. Verständlich wird diese Komödie erst, wenn man weiß, dass dieser Vortrag vom Centralvereine bestellt war. Die jüdisch-nationale Bewegung fängt eben an, den Herren Ober-Juden etwas unangenehm zu werden. Diese Protzen, die 10.000 fl. für ein Grabdenkmal, aber kaum 10 fl. für stille jüdische Wohlthätigkeit hergeben, ist dieses Missionsjudenthum, mit dem sie „gut deutsch", aber schlecht jüdisch bleiben können, gerade recht. Dass aber Doctor Bloch sich zu solchen Manövern hergibt, das beweist wieder einmal, was man sich von diesen „Missionären" zu erwarten hat. Jetzt fällt der „Volksbote" — und nicht der allein — in der unflätigsten Weise über „die Juden" her, und man bat weder ein Mittel, noch ein Recht, darauf zu antwort-n! Höchstens das, dass der größere, national-gesinnte Theil der Jude ischaft sich gegen die Insinuation einer derartigen „Missions-' Ethik" ebenso höflich wie entschieden verwahrt und dieselbe vom jüdischen, wissenschaftlichen und modernen Standpunkte als unjüdisch, unhistorisch und lächerlich verdammt. Für die Verschärfung des Antisemitismus aber mögen sich die armen Landjuden, wenn ihnen wieder einmal die Fenster eingeschlagen werden, beim Centralvereine und seinem ergebenen Diener Herrn Dr. B l vH bedanken. — Anders steht es mit dem Berichte über die Versammlung des Volksvereines. Nur als Beweis der eingangs angeführten Worte diene folgender Satz ans dem „Volksboten": „Die Welt drehte sich ruhig weiter, nur in der Productenbörse wurde zum Aerger der Nachbarschaft — gelüftet." Hier aber lässt sich antworten. Dass der verehrliche „Volksbote" an die Schuld des Juden — nicht des Menschen — Hülsner glaubt, ist begreiflich. Das entspricht eben seinem geistigen Hoch(?)stand. Dass er der Polna- Affaire ein Ritualmordmäntelchen umhängt, ist verständlich. Ist er doch ans Gründen der Abstammung und des Berufes verpflichtet, mit den P. P. 8. J. gemeinsame Sache zu machen. Und dass er diesen Ton anschlägt, ist schließlich erklärlich. Diese Leute sind den Gestank ihrer Gemeinheit so gewohnt, dass sie gar nicht begreifen können, wie wirkliche Menschen sich ohne Ge—ruch entrüsten können. — Wenn übrigens P. Opitz oder Vergant einen Redactionsposten frei haben sollten —> den beiden könnte geholfen werden. In der Redaction des „Volksboten" soll gute Nachkommenschaft vorhanden sein. Saaz. (S t e r b e f a l l.) Heute Mittag ist hier nach kurzem Leiden der Großkaufmann Herr Leopold L ö w y im Alter von kaum 56 Jahren gestorben. Der Verblichene, der sich vor etwa 30 Jahren auf dem hiesigen Platze etabliert hatte, wo sein Geschäft bald einen blühenden Aufschwung nahm, zählte zu den angesehensten und geachtetsten Kaufleuten unserer Stadt und erfreute sich wegen seines liebenswürdigen und anspruchslosen Wesens der größten Beliebtheit und Wertschätzung. Der Verewigte bekleidete zahlreiche Ehrenstellen. So war er seit mehreren Decennien Censor der österreichischungarischen Bank, deren Leitung wiederholt Anlass nahm, ihm für die langjährige uneigennützige und umsichtige Mühewaltung ihren Dank und vollste Anerkennung auszusprechen. Durch eine Reihe von Jahren war er Mitglied des Ausschusses der Saazer Braucommune und des Vorstandes des hiesigen Gremiums der Kaufleute. Auch der hiesigen Stadtvertretung, sowie der hiesigen Cultusgemeindevertretung gehörte er längere Zeit als Mitglied an. Alle gemeinnützigen, humanitären und nationalen Bestrebungen fanden durch ihn jederzeit die werkthätigste Förderung. Die Nachricht von dem Ableben dieses Mannes hat deshalb die lebhafteste Theilnahme hervorgerufen. Saaz. (Ist das Judenthum nur eine Religionsgenossenschaft?) Unter diesem Titel bringt unsere „Nationale" einen merkwürdigerweise ganz vernünftigen Artikel von einem gewissen Friedrich Deutsch. Der Name klingt zwar verflucht nach dem berühmten Fragezeichen — aber schließlich ist ja das gleichgiltig. Der Artikel knüpft an einen Vortrag an, den Dr. Bloch im Centralverein zu Prag gehalten haben soll, und widerlegt klar, ruhig und — was am meisten verwunderlich ist — nahezu völlig anständig die Phrase von der ausschließlichen Religionsgemeinschaft der Juden. Im weiteren Verlaufe, nachdem der Verfasser bewiesen, dass die Juden eine Nation seien, kommt er auch auf den Zionismus zu sprechen und sagt: „Gewiss wünschen die arischen Völker diesen Bestrebungen den besten Erfolg. Leider sind die Aussichten. .. sehr gering, da es den Juden unter uns ganz gut geht und gefällt und da sie nicht imstande wären, sich in ihrer ehemaligen Heimat selbst zu erhalten." Dieser Einwand ist doch — das wird der Verfasser wohl selbst zugeben — lächerlich. Der schlagendste thatsächliche Gegenbeweis sind doch die jüdischen Colonien in Palästina und Russland. Aber davon abgesehen! Ich will mir erlauben, dem Herrn Verfasser einige Fragen vorzulegen. Herr Deutsch sagt, dass die Juden eine Nation seien. Wir Jüdisch-Nationalen sagen dasselbe. Als gebildeter Mensch, der Herr Deutsch zu sein scheint, wird Herr Deutsch doch zugeben, dass einerseits jedes Volk instinctiv, aus Selbsterhaltungstrieb, darnach strebt, seine nationale Cultur und seine nationalen Rechte zu erhalten oder zu erlangen; dass es andererseits kein größeres Unrecht gibt, als ein Volk zu entnätionalisieren. Herr Deutsch wird doch ferners zugeben, dass die Errichtung des jüdischen Einheitsstaates nicht von heute auf morgen geht, soferne sie überhaupt möglich ist. Was geschieht nun inzwischen mit der — sagen wir — österreichischen Judenschaft, die doch eine Nation ist und als solche instinctiv darnach strebt, sich auszuleben? — Vielleicht ist der geehrte Herr Verfasser, der sich doch gewiss für einen echten Sohn seines „Edelvolkes" hält, bereit, diese Fragen nicht nur „edelvölkisch", sondern auch „edelmenschlich", iä est ohne Schimpfereien zu beantworten. U. A. w. g. Radnltz. (Wahlen in der Cultusgemeinde.) Der an» 31. December 1899 neugewählte Cultusvorstand constituierte sich diesen Dienstag wie folgt: Zum Cultusvorsteher wurde gewählt Herr Julius Popper, zu dessen Stellvertreter und Tempelvorsteher Herr Carl K a tz, zum Cassier Herr H. W o l l n e r, zum Schrift- und Rechnungsführer Herr Leop. Kohn, ferner die Herren Salomon F r e u l i ch, Nathan T a u s s e k, Markus Lederer, Adolf F i f ch l. In den verstärkten Vorstand die Herren Ed. P o l l a k, Richard Popper, Markus Popper, B. Lvbl, Gustav F r e u l i ch, Jak. P i s i n g e r, A. Kohn und Leopold Popper. In die Umlagseommission die Herren D. T a u s s i g, H. W o l l n e r, C. K a tz, Leopold Kohn, L. Popper, Ed. Kohn.