Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 45 (22.12.1899)
- Date
- 1899-12-22
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 22. Deceinber 1899 JSr. 45 MarschaN ist eine in der Wiener höchsten Gesellschaft wohlbekannte und überaus angesehene Persönlichkeit. Er empfieng mich mit außerordentlicher Liebenswürdigkeit. In ähnlicher Weise wie im erzbischöflichen Palais legte ich auch ihm den Zweck meines Besuches dar. Monsignore M a r s ch a l l las mit großer Aufmerksamkeit das ihm überreichte Blatt; einzelne Stellen las er, wie ich bemerkte, zweimal durch. „Diese Mittheilnng ist sehr gut gemacht," bemerkte er, nachdem er die Lcctüre beendigt hatte. „Ich weiß aber nicht, ob der Erfolg, den Sic sich davon versprechen, ciutreten wird. Ich selbst bin jetzt leider derartig beschäftigt, dass ich die ganze peinliche Angelegenheit nicht verfolgen konnte. Ich glaube aber nicht, dass die Agitation eine derartige ist, dass die Inden wirklich etwas zu fürchten haben." Ich erinnerte an die Excesse in Böhmen und Mähren tuto an den Hirtenbrief des Erzbischofs Dvctor K o h n. Monsignore erwiderte darauf, dass dies zwar bedauerliche Ausschreitungen seien, dass aber dabei wohl auch politische Verhältnisse von Einfluss gewesen seien. Der Hirtenbrief des Erzbischofs dürfte denn auch zur Beruhigung der Gcmüther beigetrazen haben. Er sei übrigens ganz kurz gewesen, was sich vielleicht aus der Ekrankung des Erzbischofs erkläre. Auf meine Frage, ob denn nicht das fürslerzbischöfliche ConsistoriilM oder Seine Eminenz da beruhigend eimvirken konnten, meinte cr, dass Se. Eminenz schwerlich allein zu einem solchen Schritte sich veranlasst sehen dürfte. Anfangs November hätten in Wien Bischofsconferenzen stattgefimden. Wenn die Repräsentanz der W i e n e r I n d e n d a e i n ä h n l i ch e s Sch riftst n cf vorgelegt hätte oder d i e h v ch w ü r d i g st e n Herren für diese Angelegenheit zu interessieren v e r s u ch t hätte, dann h ä t t e v i e l l e i ch t e i n e Ku n d g e b u n g d e s Ep i s k o p a t e s in dieser Sache erfolgen ko n it e n. Jetzt fei es schwer, etwas zu thnn. Jedenfalls werde das von Sr. Eminenz dem Wiener Erzbischof gewiss nicht ohne Vorwissen der anderen Bischöfe geschehen, weil der österreichische Episkopat gewohnt sei, alle wichtigeren Schritte gemeinsam zu machen; überdies wäre: es vielleicht am besten, wenn von noch höherer kirchlicher Stelle, und eventuell nicht einmal von Oesterreich ans, diese Schritte gemacht würden. Ich erwiderte, dass eine große Anzahl jüdischer Blätter eine Reihe päpstlicher Bullen reprodnciert hätten, in denen dir damaligen Päpste in nicht zu bezweifelnder Weise den Ranalmord als Aberglauben und noch Schlimmeres bezeichnet haben. Propst Marschall erklärte, dass er selbst von einer ganzen Reih: ähnlicher Bullen Kenntnis habe/ und als ich ihm die Nummer des „Jewisb Chronic!--" vom 1. Dccember vorlegt: und ans die daselbst publicierten Texte ans diesen Bullen hinwirs, unrerzog er sich der Mühe, eine ganze Anzahl von Bnll-arien herbeiznschasfen, indem er namentlich chnf das Bullarium Benedict Xl.il. verwies, als eines der hervorragendsten und erleuchtetsten Häupter der katholischen Kirche. Uebrigens sei diese Materie (die päpstlichen Bullen) so umfangreich, dass es nur wenige wirkliche Kenner derselben gegeben hat; man müsse daher auch die Reprodnction dieser Bullen mit großer Vorsicht aufnehmen und jeden einzelnen Fall genau prüfen. Interessant war cS, I.ls der Propst die Bulle über Simon von Trient auffchlug und lächelnd meinte, das Studium dieser einzigen, übrigens auß-rordentlich großen Bulle sei leicht geeignet, die heftigsten Controversen begreiflich zu finden, die über die päpstlichen Bullen manchmal stattfinden. Auf meine Bemerkung, dass Pfarrer Deüert diese Bulle „bearbeitet" habe, antwortete Monsignore Marschall nicht direct; als rvir aber hieraus von zweite deutschthümlich, der dritte französisch u. dgl. Sie verstehen jedoch lange nicht, uns auf dem schlüpfrigen Wege auch andauernd zu erhalten, wissen nicht, dass es geradezu lebensgefährlich für einen allein ist, sich aufs Eis" zu begeben. Der erstbeste geringfügige Unfall, ein kleiner Fehlschritt und das Unglück ist fertig. Wahr ist es aber auch, dass es schon vielleicht Zeit w'ärse, vom Glatteise sich weg zu begeben. Wir „gleiten" aber schon zu lange! — Es ist schon höchste Zeit, uns auf ein'Stückchen Trockenes, ans ein bisschen Erde, auf ein kleines Bödencheu einzufinden, worauf wir geh.n können, um'nicht immer wie auf Eis gleiten zu müssen. Wir müssen endlich einmal versuchen, so zu leben wie die anderen Äollsstämme und Stationen und nicht immer der Furcht ansgesetzt fein, vielleicht werde uns jemand „den Fuß stellen" . . . Freilich, freilich! es wäre schon an der Zeit! Einstweilen jedoch müssen mir, leider Gottes, gleiten. Uns fehlt noch das Festland. Es hilft nichts. Wir befinden uns auf dem Eise und müssen „gleiten". Und wenn fchoin denn schon! Wollen wir es wenigstens wie. Juden, wie Brüder thnn! . . . Halten wir uns Hand an Hand, unterstützen wir einander, „gleiten" wir innig vereint, lassen wir leinen der Unseren fallen — und sollte es doch, Goti behüte, geschehen. Helsen wir ihm dann mit allen Kräften, sonst, ja sonst kann und wird mlch unser seinerzeitiger Sturz unausbleiblich . . . Jrrthnm, verhängnisvoller Jrrlhnm ist es, wenn der eine oder der andere vermein!, schon deshalb heldenhaft sich geberden zu sollen, weil ec im Eisläufen Künstler ist. Er vergisst, dass er auch nur auf dem Eise und der Gefahr autzgesetst ist, dass fein scheinbar bester Freund ihm nicht früher oderspäter „den Fuß stellt" . . . Für uns Jndeit ist es noch immer Winter. Unter unseren Füßen ist noch immer die trügerische Eisbahn und wir sind gezwungen, zu gleiten. Thnn wir es mit Vernunft, mit'Ueberlegung, mit gespannter Aufmerksamkeit. Halten wir zusammen und lasst uns fort und fort daran denken, das nuifte Eis zu verlassen, Boden, festen Boden zu gewinnen uub nicht einig „auf dem Eise" zu verbleiben. K. A. lt. den vielen judenfeindlichen Publicationen sprachen, meinte er lächelnd : „Lieber Doewr, Sie werden doch Zeitungen und ähnlichen Publicationen kein besonderes Gewicht beilegen? Das sind nicht Instanzen, die eine wirklich wissenschaftliche Bedeutung oder auch mir das Recht haben, als mehr zu gelten, denn als ephemere Größen. Ich erinnere mich an die Zeit, es war Ende der Sechzigerjahre, da wurden wir Geistlichen in den Wiener Blättern und in der Gesellschaft verhöhnt und insultiert. Jetzt ist die Gesellschaft fast in ihrer Gänze christlich-social. Glauben Sie, dass dies immer so bleiben wirs? Ich habe an meinem Stndiertlsche gelernt, die Dinge nicht allzu tragisch zu nehmen. Heilte ist die öffentliche Meinung voll Eifer für etwas, morgen verwirft sie es >mt noch größerem Eifer. Ich muss nochmals sagen, auch diese Agitation gegen die Inden scheint mir nicht so gefährlich wie Ihnen. Sie ist vielleicht lästig, aber da lässt sich nicht leicht eine Aendernng herbeiführen." „Doch", bemerkte ich, „es gibt, wie Monsignore gewiss wissen, eine immer mehr amvachsende Partei unter den Inden, die dieser ewigen Misere satt ist und glaubt, durch Schaffung einer gesicherten Heimstätte für alle verfolgten Inden diesem kränkenden Zustande ein Ende machen zu können." „Sie meinen die Zionisten," sagte Dr. M a r s ch a l l, „ich bin von dieser merkwürdigen Bewegung vollkommen unterrichtet und weiß, dass an ihrer Spitze geistvolle und thatkräftige Männer stehen. Es scheint mir aber, dass diese Bewegung mit den katholischen Interessen in Palästina wird mehr rechnen müssen, als sie es jetzt thnt. Uebrigens ist gerade jetzt auch Deutschland daran, seine Jnteressenspäre in Palästina gewaltig anszudehnen. Das sind Schwierigkeiten, die nicht unterschätzt werden dürfen." „Das geschieht durchaus nicht," bemerkte ich darauf, „man denkt an die Exterritorialität mancher Gebiete, uild der deutsche Kaiser ist der zionistischen Sache günstig gesinnt." „Ich weiß es," antwortete der Probst, „aber wir sind erst im Beginne. Wohl gibt es ein: Anzahl blühender jüdischer Colonien dort; ich weiß auch das, aber jede Expansion wird sorgfältig beobachtet. Jedenfalls ist es keine leichte Ausgabe, an der die Zionrsten arbeiten." Nach dieser interessanten Abschweifung kamen wir wieder auf unser eigentliches Gesprächsthema zurück. Ich bat iim Anfklärnng, wieso es eigentlich komme, dass die niedere Geistlichkeit in den Schulen so nnverantwortlich gegen die jüdischen Kinder anftrete. Propst Marschall stellte das in Abrede. Er sei ja gerade der Vorgesetzte dieser geistlichen Lehrer, es sei dies sein eigentliches Ressort, aber in seinen Acten sei kein einziger Fall von einer solchen, gewiss nicht genug zu verurtheilenden Ausschreitung enthalten. Und „ijuod non est in actis, non est in manclo“, wenigstens in diesem Falle," sagte der Propst. Und als ich erklärte, wenn es den Betreffenden nicht schaden mürbe, so könnte ich Namen angeben, da sagte der Propst, nach dem früher geäußerten Grundsätze werde ihnen gewiss nichts geschehen, wenn keine Anzeige erstattet würde. Ich nannte also einen Namen. Der Propst wies ans seinen Acten nach, dass in der That selbst über diesen craffen Fall (es war der eines Katecheten im X. Bezirke) ihm keine Relation seitens der Schulbehörde zugekommen sei. Solche Ausschreitungen werde er nicht dulden, und er sei überzeugt, dass es sich auch in diesem Falle um ein Missverständnis oder einen Tratsch der Blätter handle. Vergebens bemühte ich mich, von Monsignore ^irgendein entscheidendes Wort über seine eigene Ansicht über den Ritnalmord zu erfahren. Er lenkte immer sehr geschickt ab. Ich begriff ihn auch vollkommen. Hätte er gesprochen, fein Urtheil wäre wohl eine Kritik des Verhaltens der kirchlichen Oberen gewesen, und dazn wollte er sich offenbar mumm —»■imwawwiii Der Agitator. Es war einmal ein Jüngling, der partout für das Judenthum etwas thnn wollte. Vor zwei Jahren hatte er nach mancherlei Irrfahrten zu ihm znrückgefimben, und mm qnvll ihm Vas Herz davon über, er lechzte nach Bethätignng. Er wollte arbeiten für sein Volk. „Sein" Volk, dessen Sprache er zu seinem innigsten Leidwesen nicht verstand, von dessen Geschichte er nur dürftige Brocken kannte, von dessen Heimat er die unklarsten Vorstellungen hatte. Er hatte das alles nicht gelernt. Was cr wollte? Helsen wollte er mit seinen ganzen Kräften, di- Inden um das alte Banner zn sammeln. Und so gieng er denn hin und predigte. Einem jeden Inden, der ihm begegnete, wollte er etwas von seiner Begeisterung mittheilen, einem jeden von der Alltagssorge Gedrückten wollte er das leuchtende Ideal zeigen, das jedem erreichbar sei, Arm und Reich, Hoch und Nieder, Fromm und Unfromm, wer nur nach ihm strebte. Der erste, der ihm in beit Weg kam, war ein Genosse von ehedem, ein Socialdemokrat. Ein Mensch, der Ideale besitzt, nur nicht die richtigen, dachte sich der Jüngling. Und er erzählte ihm von dem anferstanvenen Juda, von dem Volke, das zu der alten, einzigen Wahrheit zurückstrebt. Aber überlegen entgegnete ihm der Mruschenrechtler: „Eine Jndrnfrage kenne ich nicht, mein Lieber. Mit dem Cnpitalismns wird auch der Antisemitismus verschwinden; das ist . doch sonnenklar! Und übrigens rennen mir eine jüdische Nation nicht, denn die Socialdemokratiö ist international." Für die Inden, fügte der Jüngling hinzu. Nach unnützer Aerschwendmig sehr vieler Worte zog er weiter. Und er kam zir einer „Stütze der Gesellschaft". Ein wohlhabender Kaufmann, der mehrere jüdische Ehrenstrllen innchatte. Und der Jüngling erzählte ihm von einer jüdischen Nation uitb einer eigenen Heimat. Da wies der Kaufmann ans die vieleil jüdischen Geschäfte hin und sagte : „Die jüdische Eoncurrenz ist hier fchvil nicht mehr put Anshalten. Wenn „dort" die Juden untereinander sein sollten, würde einer den anderen aufsressen." Und so gieng es fort. Bald sagte man ihm, „er solle sich lieber um feilten Berns kümmern", bald hieß es verwundert: „Ich habe über nichts zu klagen." Bald bekam er Achsel;ucken zur Antwort, bald cynische Scherze. Bis er genug hatte und beschloss, ans andere Zeiten zn warten. Und die anderen Zeiten kamen. Votkshmifen durchzogen mit tvüstem nicht Hinreißen lassen. Trotzdem nahm ich die Ueberzeugnng mit, dass dieser seinem inneren Wesen nach freisinnige Mann für das Ritnalmärchen nur ein Lächeln habe. Etwas Ephemeres, das ihm nicht einmal des Studiums wert scheint. Für ihn mag es thatsächlich nicht viel mehr sein. Dass er aber ans diesem Standpunkte verharrt, hat für die Inden nur die eine Folge, dass auch er öffentlich gegen die antijndische Agitation nichts thnn wird. Ein: höhere Stelle, meinte er. Nous verrons. Die Polmer Gerichtsarzte. Die Polnaer Gerichtsärzte haben auf die schweren Vorwürfe, die Professor Masaryk in seiner Broschüre: „Die Nothmendigkeit der Revision des Polnaer Processes" gegen sie erhob, geantwortet. Ihre Antwort, die in der czechisch-antisemitlschen Zeitschrift „Narocltti Listy“ und im „Deutschen Bolksblatt" erschien, ist ein umfangreiches Elaborat. Professor Masaryk hat ans diese Antwort eine Entgegnung verfasst, die in der letzten Nummer der Zeitschrift „Die Zeit" vom 10. d. M. erschien. Die Nesnltate der analytischen Untersuchung Professor Masaryks, aber auch die Zugeständnisse der beiden Polnaer Gerichtsärzte sind zn sensationell, als dass es nicht nolhwendig wäre, dies alles festznhalten und womöglich zu ergänzen. Professor M a s a r y k beweist, dass von den Gerichtsärzten — unter der offenbaren Suggestion des Ritnalmärchens — keine richtige Obdnction und sachgemäße Beschreibung der Leiche vorgenommen wurde. Die ausfälligsten Thatsachen, die von Professor M a s a r y k angeführt wurden, sind die: 1. In dem ärzlichen Befunde wird dafür keine Erklärung abgegeben, dass die Füße des auf dem Bauche, mit dem Gesicht zur Erde liegenden Leichnams nebeneinander liegend in den Knien im scharfen Winkel umgebogen gefunden wurde. 2. Steine Erklärung der Strangnlationssnrche. Ans diesen und noch anderen Thatsachen schließt Professor Masaryk, dass das Mädchen nicht auf dem Fundorte, sondern „in einer Behausung" ermordet und auf den Fundort überführt oder übertragen worden ist. Die Antwort der beiden Gerichtsärzte, die übrigens nicht von diesen selbst verfasst wurde, was ja auch schon daraus hervorgeht, dass darin des öfteren m i t „Ich" gesprochen wird, während sie von den beiden Gerichtsärzten unterschrieben ist, hat diese Einwürfe keineswegs entkräftet. Ganz abgesehen von der glänzenden Entgegnung Professor M a s a r y k s, in der die Unrichtigkeit der Behauptungen des neuen Gutachtens —- denn als ein solches stellt sich die Antwort der Gerichtsärzte dar — sozusagen ziffernmäßig nachgewiesen wird, lässt sich ans diesem selbst der unwiderlegliche Schluss ziehen, dass die Gerichtsärzte thatsächlich die O ü d u c t i o n ganz u n s a ch l i ch und unwissenschaftlich v o rn a h m e n und dass sie bei i h r e r E i u v e r n a h m e als Zeugen thats ä ch l i ch unter der S u gg e st i o n des Ritualmärchens st a n d e n. Man erinnere sich, wieso überhaupt das Blutmärchen bei der Polnaer Asfaire anfkam. Die Aerzte hatten die Leiche nahezu ganz blutleer gesunden. Nach ihrem G u t a ch t e u a l s S a ch verständige musste Geschrei die Straßen in Staaten und Dörfern, plündernd, uiederbrennend, verwüstend, unter Todesdrohnngen ans die Inden. Da ergriff tiefer Ernst das Gemnth des Jünglings. Und er fühlte, wie ihm De: Schmerz über das Unglück seiner Brüder das Herz stählte. Ball frohen Mnihes eilt: er hinaus, seinen Brüdern die sichere Rettung zu zeigen. — Er gieng erst zu einem, dessen Frömmigkeit und Wohlthätigkeit bekannt war, dessen graue Haare man verehrte. Und der Jüngling erzählt: ihm von dem neuen Bunde aller Inden, und wie das Unglück dieser Stadt von allen empfunden werde und der Kitt für die Verbrüderung werden sollte! Und wie sich die Jugend znrncksehnc nach ihrem alten Vaterhanse. Da sprach der Zadik: „Was sie von dem Bande sagen, das hat mir akademischen Wert. Die Interessen der Juden dieser Stadt sind andere als die jener Stadt. Um an uns zn verübendes Unrecht zu verhüten, haben sich die Cultnsgemeiiiden znsammengethan; das genügt. Den Inden aber thnt etwas anderes noth. Zn Gott sollten sie znrückkehren! Tefsilin legen sollten sie wieder lernen, und beten!" Nach einigen nichtssagenden Worten verabschiedete sich der Jüngling. Ihn fröstelte, und es war ihm, als ob er ans einer Gruft heranskäm:. Und er gieng zu den Jnngen. Die fand er nach dem ansgestandenen Schrecken munter und guter Dinge. Sie erzählten sich Schnurren und wollten nichts wissen von Ernst und Zukunft. Den Jüngling schwindelte. Da führte ihn sein Weg an einem geplünderten Laden vorüber. Draußen stand der um sein Brot gebrachte Besitzer mit gerülheten Augenlidecn und stnmpfem Blick. Theilnehmend gesellte sich der Jüngling zu ihm und erzählte chm von der großen Selbsthilfe. Aber der Geplünderte machte eine wegwerfende Handbewegnng: „Was, wir! Sobald uns Rothschild und die übrigen Großen mit ihren Millionen und ihrer Macht nicht helfen, sind wir verloren." Gebrochen kam der Jüngling nachhause und weinte bittere Thränen. Doch da zuckte ein Gedanke durch sein Hirn. Bald wurde er ruhig, und ans seinen Angen leuchtete wieder die Hosfnimg. Und er gieng put Borbeter seiner kleinen Khille und sieng mit größtem Fleiße an zu lernen: Olef, beth. Er agitierte weiter und noch intensiver als zuvor. Aber wenn er, was am hättfigsten geschah, aas Unvernünftige oder Unwürdige stieß, verzweifelte er nicht mehr. Denn immer tiefer schlug er Wurzel in einen sicheren Fels, der ihm festen Halt gab für alle Zeiten. Jecheskel luiiuiuheti.;'fy' .