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Jüdisches Volksblatt · 1899-12-15 · 44 (15.12.1899) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
44 (15.12.1899)
Date
1899-12-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 15. December 1899 Nr. 44 brechen, wie es scheußlicher nicht gedacht werden kann, von den Juden bei ihren religiösen Hebungen begangen wird, der müsste selbst die Ausscheidung der Juden aus der menschlichen Gesellschaft wünschen. Solche Wünsche zu erregen, waren die incriminierten Artikel bestimmt. R i ch t u m d i e E r m o r d u l> g e i n e s j u n g e n M ä d ch e n s handelte es sich, das war Nebensache. Nicht darum handelte es sich, ob der Mörder erst nach vier Tagen dingfest gemacht wurde, das war Redens a che. Die Hauptsache war, dass ein Jude als Thäter genannt wurde, und dass dies Gelegenheit gab, dem g e s a in m t e n I u d e n t h u m die T h a t d e s Einzelnen a u f z u b i n d e n. Und wenn die abgelegten Aussagen, wenn bie fetten Lettern nicht genügten, den beabsichtigten Zweck zu erreichen, dann wurde appretiert und a u s g e s ch m tt cf t." Ah! Herr Dr. B o b i e s gibt zu, weist es vielvielmehr, dass das „Deutsche Volksblatt" die Blutlüge erhoben hat, und erhebt die Anklage wegen Vergehens^ gegen die — Pressnovelle. Herr Dr. B o b i e s hat Kenntnis davon, dass das „D e u t s ch e V o l k s b l a t t" sich gegen die §§ :l02 und :’>():> des Strafgesetzes vergangen, und er erhebt die Anklage wegen des Vergehens gegen die Artikel VlI und VIII. Warum hat der Staatsanwalt nicht gethan, was seine moralische Pflicht gewesen wäre? Wie? Herr Dr. B o b i e s nennt die Blutlüge ein „Verbrechen", wie es scheußlicher nicht gedacht werden kann, und hilft st i l l s ch w e i g e n d mit, dass der Vorwurf dieses Verbrechens von dem Schweineblatt immer wieder gegen eineinhalb Millionen ö st e rr e i ch i s ch e r Staatsbürger erhoben werde? Oder ist etwa der Vorwurf des Blutrituales keine Beleidigung einer anerkannten Religionsgenossenschaft, enthält er etwa keine Aufreizung zum Hass, zur Verachtung? Wahrlich. Wie ein Faustschlag ins Gesicht muss uns diese doppelzüngige Ironie treffen! Oder sollte diese Verurtheilung nur ein B e s ch w i ch t i g u n g s b r o ck e n fein, den m a n wieder einmal den dummen Juden hinwirft? Wir danken für diesen Bissen, wir mögen ihn nicht, er ekelt uns an. Aber wir verlangen d i e Anklage, die sich nach dem Geständnisse des Staatsanwaltes mit logischer Consequenz ergibt. Nicht etwa, weil uns darnach dürstet. Schreib er oder sonst jemand aus dieser Gesellschaft im Arrest zu sehen. Bah! Die Leute mögen immerhin in Freiheit herumlaufen! Aber wir verlangen die Anklage, weil sie der einzige Weg ist, um mit der Blutlüge endlich Rest zu machen. Wir haben gleich nach dem Kuttenberger Processe unserer Meinung Ausdruck gegeben, dass uns Juden nur ein Weg übrig bleibt. Die Blutlüge ist einmal ausgebracht, sie muss auch erledigt werden, und zwar von Seite des Staates. Denn die Frage, ob in Oesterreich eine Religionsgenossenschaft oder Secte besteht, die nach ihrem Gesetze verpflichtet i st, Menschen zu s ch ä ch t e n und deren Blut zu benützen, ist einfach eine Frage des Staates. Beklagenswert die Juden Oesterreichs, deren sogenannteFührer nicht genugMuth und Energie aufbrachten, die Sache von dieser Seite aus zu packen und durchzuführen! Vielleicht, dass Dr. B o b i e s voll Verachtung über diese armseligen Schwächlinge einmal den Weg der Cultur schreitet und einem ganzen Volke Gelegenheit gibt, zu zeigen, dass es unschuldig ist. Vom Tage. Die kaisertreuen Antisemiten. Kein Tag vergeht, an dem nicht die Christlich-Socialen oder deren Organe ihre treue Liebe zum angestammten Kaiserhanse bethenern wurden. Wie diese Bande aber die Liebe anffasst, das konnte man in der Sitzung des Parlamentes am verflossenen Dienstag sehen. Die Christlich-Socialen hatten eine Interpellation über die Verurtheilung des Redactenrs Schreiber eingebracht, die mit Montag erfolgt war. An demselben Tage, an dem der K a i s e r s e i n e r E m p ö r n n g über die antisemitischen Roheiten Ausdruck gegeben hatte. Die Jnterpellations-Verlesimg wurde von den Christlich-Socialen niit einem würdigen Scandal begleitet. Es ekelt uns an, all diese unflätigen Beschimpfungen wiederzugeben. Nur ein paar Proben sollen zeigen, ans welchem Holze diese Kerle geschnitzt sind. So schrie Schneider: „Der Bo dies macht mit den Inden Geschäfte, er ist ein parteiischer Lump." Und Bielohlawek: „Hinaus mit dem Kerl! Er darf nicht mehr Staatsanwalt bleiben! Sonst können die miserablen S a u j u d e n noch mehr C h r i st e n u mb ringen!" So respectreren diese kaisertreuen Antisemiten des Kaisers Worte. In dem Lager dieser Gesellschaft soll Oesterreich sein. Wie arm muss dieses Oesterreich sein, wenn es die Bestialität dieser menschenunähnlichen Geschöpfe als dynastietreuen Patriotismus ausgeben muss. Aber diesen sogenannten Christlich-Socialen ist wie ihre Religion auch ihr Patriotismus eine Lüge. Denn auch der ist von der alten Art: Und der König absolut, wenn er unser'n Willen thut. Abermals ein Jude als Mörder. Unter diesem Titel veröffentlichte das „Deutsche Volksblatt" verflossenen Samstag einen Artikel, in welchem es von der b e v o rst e h e n d e n Verhandlung gegen den galizischen Inden Marmorosch, der angeblich ein Mädchen, mit dem er ein Verhältnis gehabt haben soll, erschoss, berichtet. Am folgenden Tage brachte das Schweineblatt unter derselben Spitzmarke eine kurze Notiz des Inhaltes, dass die Verhandlung gegen Marmorosch vertagt worden sei. Natürlich wusste das Jesuitenvrgan schon am Samstag von der Vertagung, trotzdem aber und trotzdem die Verhandlung gegen Marmorosch noch nicht einmal begonnen hatte, also auch noch kein Beweis geführt worden war, schrieb das „Deutsche Volksblatt" : „Ein Jude als Mörder." Und das will sich wehren, wenn man es ein s ch n f t i g e s L ü g enbla t t nennt! Wahrhaftig königlich aber ist der Beweis, den das „Deutsche Volksblatt" führt. Marmorosch soll das Mädchen erschossen haben, weil — das Tuch des Mädchens angebrannt war und ans dem Wege zur Hütte des Mädchens ein Revolver gefunden wurde. Und kein Wort von einer Schusswunde! Soll man da noch etwas sagen? Interessant zu wissen wäre nur, wie viele Exemplare dieser Nummer des „Deutschen Volksblatt" , nach Galizien versandt wurden. Denn der einzige Zweck diejeö schurkischen Vorgehens ist doch nur, die Richter und die Bevölkerung gehörig zu beeinflussen. U n g a r i s ch - H r a d i s ch, 12. December. Wir veröffentlichen den uns von gesch. Seite eingesandten Bericht, bemerken jedoch ausdrücklich, dass wir die Verantwortung dem Einsender, dessen Name uns bekannt ist, überlassen müssen. Die Red. Die Berichte, die man in judenfreundlichen Blättern über die Bedrückung der Juden in Mähren liest, bedürfen einer nicht unwesentlichen Ergänzung. Es ist nicht gut, wenn die öffentliche Meinung ausschließlich mit der Anfeindung, Herabsetzung, Verhöhnung und Abstoßung des Gegners beschäftigt wird, wenn das fortwährende Suchen nach dem Splitter im Auge des Feindes den Balken im eigenen Auge nicht erkennen lässt. In unseren Tagen hält sich ein jeder Jude, und wenn er auch selbst der verworfenste wäre, als den Märtyrer der antisemitischen Bewegung, und keiner wagt es, den betreffenden Schädling gehörig aufzurütteln und ihm zu zeigen, dass eigentlich er der Bacillus antisomiticus ist. Diese allgemeinen Sätze voransgeschickt, wollen wir einige Streiflichter auf das Leben der Inden in unseren Gegenden überhaupt und unserer Stadt insbesondere werfen, um daraus den Beweis zu erbringen, dass die Inden gut thäten, von ihren bisherigen Wegen abzuweichen, d e m I u d e n t h u m sich z n z n w e n d e n und darin allein das Heil der Zukunft zu erblicken. Wenn auch Ung.-Hradisch ein kleines Städtchen ist, so ist dasselbe als Mittelpunkt der Slovakei, als Kreisstadt und der Sitz vieler Behörden von großer Bedeutung für einen namhaften Theil der jüdischen Bevölkerung Mährens; was in dem Folgenden von Ung.-Hradisch gesagt wird, dürfte so ziemlich von allen mährischen Städten in von Czechen bewohnten Gegenden gelten. Der von den Wiener Antisemiten zu uns herübergetragene praktische Antisemitisinns fand bei uns einen ausgezeichnet genährten Boden darin, dass die Inden mit einer Zähigkeit, die einer besseren Sache würdig wäre, an ihrem „Deutschthum" bis in die a l l e r j ü n g st e n Tage festhielten, die deutschen Volks-, Bürger- und Mittelschulen füllten und füllen, dadurch den czechischen Gemeittden leicht zu vermeidende Auslagen verursachten, sich selbst aber im wirtschaftlichen Kampfe concurrenzunfähig machten, indem sie mit dem Publicum, das nach Bildung strebt, in seiner Sprache nicht angemessen sprechen, geschweige denn schriftlich verkehren können. Der slavische Bauer ist ein gntmüthiger, braver, anständiger, fleißiger, besonnener, ruhig denkender, unbefangener Mensch. Der czechische Agitator der Stadt hatte viel Mühe, ehe er den slavischen Bauern gegen den Inden aushetzte. Nur die ununterbrochene, mit einem Scheine von Recht erfolgte Hillweisung darauf, dass die Inden Fremdlinge seien, die Sprache des Volkes nicht sprechen, zur Bedrückung des Volkes durch Förderung des fremden Elementes — des Deutschthums — beitragen, vermochte eilte Gährnng zu erzeugen, die allerdings im Zusammenhänge mit dem in neuerer Zeit, was aber nicht vergessen werden darf: gleichfalls von den Wiener Antisemitenhänptlingen genährten und in das slavische Volk erst hineingetragenen Blutmärchen zu den bekannten bedauernswerten Ausbrüchen führte. Sehr zum Nachtheile der Juden wird diese deutschthümemde Bewegung aus mannigfachen, trüben Gewässern entspringenden Gründen von jüdischen Strebern bis zum heutigen Tage gefördert. Ung.-Hradisch selbst mit einer ausschließlich czechischen Gemeindevertretung, mit einer zum größten Theile czechischen Bevölkerung, mit einer ausschließlich czechischen Intelligenz muss eine deutsche Knabenvolksschule, eine deutsche Mädchenvolks- und Bürgerschule erhalten, ein deutsches Gymnasium subventionieren, damit die Juden sich für die Zukunft durch Aufspeichernng deutschen Wissens in dem Lande, in dem sie geboren sind, erwerbsunfähig machen und damit dieselben aus den deutschen Gegenden (allenfalls in Niederösterreich) wegen ihres Judenthnms ans allen Stellungen verdrängt, beziehnngweise in dieselben nicht hineingelassen werden. Wenn diese Scherze unsere slavische Bevölkerung kein schweres Geld kosten würden, dann gierigen sie noch an, aber Niveau ein besonders niedriges gewesen, ist ebenso logisch folgerichtig, wie aus dem Vorhandensein der Strafreden der Propheten zu folgern, dass das jüdische Volk moralisch tiefer stehe, als die Völker, die solcher Strasreden entbehren. Gerade die Aufrichtigkeit Heines ermöglicht es uns, sein Verhältnis zum Judenthum und zum jüdischen Volke in all seiner wechselnden Gestaltung richtig zn beurtheilen. Dass er ohne Spur innerer Neigung, lediglich in der Hoffnung, sich dadurch den Weg zu einer staatlichen Anstellung zu ebnen und dadurch das ihm lästige Abhängigkeitsverhältnis zu seinem Onkel lösen zu können, sich taufen ließ, hat er nie verhehlt. Wohl schrieb er einmal die Worte nieder: „Der Taufzettel ist das Entroebillet zur europäischen Cultur," niemand aber konnte mehr als er davon durchdrungen sein, dass nicht der rein äußerliche Act der Taufe, sondern eigene rüstige und beharrliche Arbeit den Juden die Culturerzeugnisse aller anderen Völker zugänglich machen und sie zu gleichwertigen Mitarbeitern an der Cnlturentwicklung der gesummten Menschheit emporheben könnten. Ganz im Gegensätze zu vielen anderen getauften Juden hat Heine offen bekannt, dass ihm die Taufe nicht nur keinen Vvrtheil gebracht, sondern ihn moralisch tief geschädigt. Den inneren Zwiespalt, in den ihn dieser Schritt gebracht, konnte er niemals überwinden. Er blieb auch nach der Taufe der Jude, der er vorher gewesen war, nicht nur im eigenen Innern, sondern auch für die christliche Welt. Er, der in seinem „Almansor" seinen ganzen Zorn über die Heuchelei der Proselyten und auch der Proselytenmacher ausgeschnttet hatte, konnte seinen eigenen Schritt im eigenen Innern nicht milder beurtheilen. Wohl hat er in seinen! Uebermuthe, als er sich zum Hellenenthm bekannte und die Menschen in zwei Gruppen schied, in lebensfreudige Hellenen und in asketische Juden, gar oft das Judenthnm verspottet. Als er aber, durch die Leiden der Matratzengrnft nachdenklich geworden, die Summe seiner Lebenserfahrungen zog, da hat er seinen Jrrthum wiederholt offen bekannt. „Gut sein ist mehr als schön sein", so lautete nun das Ergebnis der Vergleichung von Judenthnm und Hellenisnius. „Ich sehe jetzt", sagte er an anderer Stelle, „die Griechen waren nur schöne Jünglinge, die Inden aber waren immer Männer, gewaltige, unbeugsame Männer, nicht bloß ehemals, sondern bis auf den heutigen Tag, trotz achtzehn Jahrhunderte der Verfolgung und des Elends. Ich habe sie seitdem besser würdigen gelernt, und wenn nicht jeder Geburtsstolz bei den Kämpen der Revolution und ihren demokratischen Principien ein närrischer Widersvruch wäre, so könnte Schreiber dieser Blätter stolz darauf sein, dass seine Ahnen dem edlen Hause Israel «»gehörten, dass er ein Abkömmling jener Märtyrer, die der Welt einen Gott und eine Moral gegeben und auf allen Schlachtfeldern des Gedankens gekämpft und gelitten haben." Heines Dichtung trägt vielfach das Gepräge seines jüdischen Ursprunges. Er als Jude, der die Geschichte seines Volkes kannte und im Hinblicke auf seinen „Rabbi von Bacharach" sagen durfte: „Ich habe gewaltig beschworen den tausendjährigen Schmerz", konnte nicht, wie viele seiner dichterischen Zeitgenossen, für Wiederherstellung des Mittelalters schwärmen. Sein Blick war vorwärts gerichtet, der Wahrheit und Gerechtigkeit war das Schwert seines Geistes geweiht, dem Sturze mancher Götzen falschen Autoritätsglaubens, der Ueberlvindung jeder Art von Beschränktheit und Engherzigkeit.galt sein Bemühen. Aber wie er seine Geistesrichtuug dem jüdischen Geiste verdankt, so hat seine Poesie wiederum das Judenthnm verherrlicht. In der „Prinzessin Sabbath" Hot er die ganze Segensfülle, die die Sabbathfeier über das jüdische Volk ansgeschüttet, durch - empfunden, die wunderbare moralische Ausrichtung, die der Jude „in dem Abgrund seines Elends" durch die Sabbathfeier gefunden, poetisch verklärt. In „Jehnda Halevi" hat er der ewigen Sehnsucht nach Zion, die im jüdischen Volke lebt, Worte geliehen, und für die gewaltige Wirkung jenes großen Dichters ans sein Volk die Worte gefunden: „Eine mächtige Feuersänle des Gesanges, die der Schmerzenskarawane Israels vorangezogen durch die Wüste des Exils." Als solch mächtige Feuersänle des Gesanges würde Heine seinem Volke voranziehen, wenn er die Bewegung unserer Tage erlebt hätte; voranziehen, sein Volk mit Muth und Siegeszuversicht erfüllend, es zu großen Thaten anfenernd, die Mächte der Lüge und Finsternis aber mit den Waffen seines Geistes zn Boden schmetternd. (1. (Z u seinem hundertsten Geburtstag e.) Von Sigmund Wimmer. Schon seit Heines Lebzeiten bis zu dem heutigen Tage streiten gelehrte und ungelehrte Leute in ihrem dunklen Forscherdrange über die Frage, ob Heine am IN. December 1707 oder 1700 das Licht der Welt erblickte. Die Behauptung, als ob diese Frage eine völlig untergeordnete oder gar überflüssige sei, wäre gewiss von vornherein verfehlt und durch nichts begründet. Aber mich dünkt, dass dieser Streit, der, soweit inan dies vermochte*), längst als geschlichtet zu betrachten ist, denn doch einmal sein Ende haben könnte. Weitaus wichtigere Aufgaben harren trotz unzähliger, der Heine-Forschung zugehöriger Bücher und Broschüren, ihrer endlichen Losung.'Mögen jene, deren Gewissen noch immer von Scrnpeln über Heines Goburtsdatnnr beunruhigt ist, an des Dichters eigenen Worten ihr Genüge finden: „Die Hauptsache ist — dass ich überhaupt geboren wurde..." Nun. über Heines Bedeutung als Dichter und Denker ist unleugbar vieles Wertvolle gesagt worden. Man weist auch, welch eminenten und immanenten Einfluss Heine auf den politischen und dichterischen Werdegang seiner Zeit ausgeübt hat. Und man kann beruhigt hinzufüge», dass dieser Einfluss sich bis auf unsere heutige Zeit fortgepflanzt hat, ja, dass selbst hic hervorragendsten Lyriker der Moderne unter der genialen Führerschaft der tiefmarkanten Individualität Heines ihren Einzug ins Reich der Dichtkunst feierten — so sehr sie sich auch dagegen sträuben mochten. Wie vielfach aber Heine als Mensch und namentlich als Jude irrig oder unvollständig aufgefasst wurde; wie sehr — bei aller Begeisterung für seinen Wert als Dichter - - fast von aller Welt mit unglaublicher Voreingenommenheit dem Menschen, Juden und Politiker Heine begegnet wird — darüber darf man sich nur ja keiner Täuschung hingeben. Eine erasse Illustration hierzu liefern übrigens jene gedenkwürdigen Tage, da im April des Jahres l-suo tu Mainz die Idee angeregt tvnrde, dem Dichter ein Denkmal zu setzen, daS ihm die wackeren Düsseldorfer, in deren Stadl Heine geboren lvard, verweigert hatten. Wie ans Eommando erhob sich ein wahrhaft chaotisches Gekläff, das in würdiger Weise mit der Rede des Mainz'schen Oberbürgermeisters Dr. Oechsner seinen Anfang nahm. Er entfaltete eine in ihrer Art geradezu köstliche Methode, Ich zugimsten der Gewährung eines Platzes des Heine-Denkmales *) Belanntiich sind alle Heines Geburt betreffenden Doenmenle einer Feuersbrttust zum Opfer gefallen. .PAN ■>af'

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