Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1899-12-08 · 43 (8.12.1899) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
43 (8.12.1899)
Date
1899-12-08
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2432763-2432764-2432807--0374-2433951
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 43 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 8. December 1890 Seite 3 binden. An unserer inneren Festigkeit und Widerstandskraft werden alle Anschläge unserer Feinde zerschellen. Schwer ist die Aufgabe, die wir uns stellen, allerdings. Aber ungewöhnliches Leid erfordert auch ungewöhnliche Kraft zu dessen Beseitigung. Und diese ungewöhnliche Kraft werden wir erlangen, wenn wir nur wollen, wenn wir m u t h i g, unablässig und zielbewusst wollen. So wie unsere Väter uns oft und oft im Laufe unserer Geschichte das Beispiel heldenhafter Standhaftigkeit gegenüber den höchsten Gefahren und in äußerster Bedrängnis gegeben haben und im unerschütterlichen Gottvertranen die Kraft gewannen, den blutigsten Verfolgungen wie sie kein zweites Volk in der Geschichte erlitten, Trotz zu l'ieten, so werden auch wir durch höchste Anspannung unserer Kräfte aus den Kämpfen unserer Gegenwart siegreich hervorgehen. Helfen wir uns selbst, dann wird auch Gott uns helfen!! Alle Mittel, die die Judenschaft jetzt im Kampfe gegen! den Antisemitismus aufwendet, sind eitle Kraitv-^^bn'dnug. Der Antisemitismus wird erst ^löschen, entweder wenn er ich^Hüssig geworden sein y^rd, weil wir gänzlich zu Boden gestreckt sein werden, oder wenn er zwecklos geworden sein wird, weil alle seine Bemühungen an unserer eigenen Stärke zerschellen werden. Wohlan, führen wir die zweite Möglichkeit herbei, gehen wir den schwierigen, aber männlichen und ehrenvollen Weg! Wählen wir ihn zu unserem eigenen Heile, im Interesse der Zukunft unserer Kinder und um der Ehre des jüdischen Namens willen! Inland. Wien. (Eine rleine Errungenschaft.) Das Ministerium für Cultus und Unterricht hat sich endlich entschlossen, in eine der veraltetsten und rückständigsten Einrichtungen des österreichischen Schulwesens eine Bresche zu schlagen. Bislang waren die jüdischen Religionslehrer an den österreichischen Mittelschulen nicht in den Status der wirklichen Gymnasiallehrer eingereiht. Kürzlich wurden nun vier jüdische Religionslehrer zu wirklichen Religionslehrern ernannt. Es sind dies in Wien die Herren: Dr. A. W e i ß für das akademische, Dr. H. P o l l a ck für das Maximilian-Gymnasium, in Brünn die Herren: Dr. M. G r ü n f e l d für das I. deutsche und F. R e d i s ch für das II. Gymnasium. Es hat viel Mühe und langwierige Unterhandlungen gekostet, um Wnigstens diesen kleinen Erfolg zu erlangen. Aber man muss für den Anfang zufrieden sein. Hoffentlich wird das Unterrichtsministerium nicht auf halbem Wege stehen bleiben und in Bälde dieses schreiende Unrecht vollständig aus der Welt schassen. Brünn. (Wieder ein Erfolg der deutschen A n t i s e m i t e n.) Die deutsch-antisemitische Bewegung, die hier sub titula „Deutsche Volkspartei" auftritt, macht auch bei uns reißende Fortschritte. Die liberale Partei kracht in allen Fugen, trotz Wahlgeometrie, Corruption und Sparcasse verliert sie immer mehr an Boden. So schwach fühlt sie sich, dass sie es nicht einmal mehr wagt, einen Kampf mit den Antisemiten in Brünn, ihrer angestammten Hochburg, aufzunehmen. Es sind jetzt bei uns zwei Ausschussmandate für den Gemeinderath neu zu besetzen. Die „Deutschen" Brünns werden friedlich und geeinigt zur Wahl schreiten. Denn auf dem Wege des Compromisses hat die liberale Partei eines von den zwei Mandaten den Antisemiten überlassen. Das Vorgehen ist ja nicht neu, es wurde schon bei den letzten Laudtagswahlen eingeschlagen. Der Anblick wird herrlich sein! Die „deutschen" Juden Brünns H a nd in Hand m i t den Antisem iten als Wähler des Candidaten jenes Blattes, das sie täglich a u f s G e m e i n st e b e l e i d i g t u n d b esud e lt. Aber den Juden Brünns steht ihr Deutschthum höher als der Antisemitismus. Wenn man sie ansp—t, sagen sie höchstens, es regnet. Heilo! Neutitscheiu. (Zu den Ex ce s s e n in Wse tin.) Man schreibt uns unter dem 5. d. M.: Gestern hat vor einem Erkenntnissenate unter dem Vorsitze des L.-G.-R. Ehrlich die Verhandlung gegen die Wsetiner Exeedenten stattgefunden. Angeklagt erscheinen 34 Leute, die durchwegs dem' A r b e i t e r st a n d e angehöreu. Aus der Anklage, die vom StaatsanwaltP e tr z iz ek vertreten ist, ist folgende Stelle am interessautesten: „Der Untersuchung ist es nicht gelungen, die Urheber dieser Vorkommnisse zu eruieren. Es ist aber sichergestellt, dass von Außen operiert wurde und dass der Hass gegen die Israeliten von Außen in die Stadt hineingetragen wurde. Es beweisen die Aussagen einer ganzen Reihe von Zeugen, dass in W setin fremde Herren in schönen Kleidern, mit v orn e hme m Ae ußer e n auftauchten, dass diese Leute mit den plündernden Horden gesehen wurden und, sobald die Tragödie zu Ende war, verschwanden. Diese Unbekannten aber haben Spuren h i n t erla s se n und es wird der Behörde mit der Zeit gelingen, wenigstens einige von ihnen zu eruieren." Das scheinheilige Verhalten der „freisinnigen" Jilngczechen Mährens, deren Führer der getaufte Jude Dvetor S t r a n s k y ist, wird durch diese Thatsache zur Genüge illustriert. Ein Commentar dazu ist überflüssig. Troppan. (D e u t s ch n a t i o n a l e V e r lo g e nhe it.) Man schreibt uns unter dem 5.: In der eben erschienenen Nummer unseres national-antisemitischen Schmutzblattes lese ich zu meinem Erstaunen eine Berichtigung Ihres Blattes über die kecken Lügen der „Deutschen Wehr", die ich Ihnen in meiner letzten Correspvndenz mittheilte. Ihre Berichtigung ist selbstverständlich glossiert. Um Ihnen einen Begriff von dem geistigen Tiefstände dieser Kerle zu geben, die sich nicht entblüden, sich als die Vertreter von Bildung mit» Civilisation h-rauszttspielen. eitlere ich: „Dass natürlich die Berichtigung an dieser Thatsache (dass der Socialdemokrat Dr. Ellenbogen Präsident des „Jüdischen Volksvereines" sei und Ihrem Blatte nahestehe) nicht das Geringste ändert, wird ja bei der bekannten verlogenen K a m p f e s w e i s e der Juden niemand in Zweifel ziehen." Da haben Sie eine Probe „treu-deutscher Ehrlichkeit". Dieses Gesindel, dem kein wahres Wort über die Lippen kommt, wagt es, den Juden Verlogenheit vorzuwerfen. Und diese niedrigen Plebejerseelen wagen es, von „culturbildender Rasse", von „mehrwertiger Nation" zu sprechen, ohne über sich selbst zu erröthen. Wahrlich, es ist ein Wunder zu nennen, dass sie noch nicht in ihrem eigenen Schmutz erstickt sind. Prag. (Jüdisch-deutsche Schulen und Deuschnationale.) Manschreibt uns: In dem letztveröffentlichten Ausweis des böhmischen Landesausschusses findet man unter dem Abschnitte: Schulwesen die Thatsache verzeichnet, dass die „israelitischen Privatschulen" im verflossenen; Jahre yyn tzl ai.;f ß7 gesunken sind, sich also um 17 verunndert haöen. Mit diesen Schulen hat es eilt eigenes Bewandtnis. So wie in Mähren haften auch bekanntlich bei uns die Juden mit einer Zähigkeit, die einer besseren Sache würdig wäre, an dem Deutschthum fest. Um diesem Wahne zu genügen, errichteten die jüdischen Gemeinden auf dem Lande eigene Schulen, in denen überall die deutsche Unterrichtssprache eingeführt war und noch ist. Die meisten dieser Gemeinden befinden sich aber in rein czechischem Sprachgebiete, so dass sie zur Blütezeit des Liberalismus regelmäßig als die vorgeschobensten Posten des Deutschthums bezeichnet und auch demgemäß behandelt wurden. Es ist nicht zu leugnen, dass ein großer Theil des wilden Antisemitisnms', der heute das czechische Volk beherrscht, auf diese Dummheit der Juden zurückzuzuführen ist. Schon vor nahezu dreißig Jahren machte der czechischjüdische Abgeordnete B o n d y auf die wahrscheinlichen Folgen dieses verfehlten Weges aufmerksam, natürlich ohne Erfolg. Jemehr sich nun die jungczechische und deutschnationale Bewegung ^ausbreiteten, umso schlechter ergieng es den deutsch-jüdischen Schulen. Waren sie früher nur von den Czechen angegriffen worden, so ließen sie jetzt auch uoch die Deutschen im Stich. Trotzdem versuchten und versuchen die Gemeinden unter den größten Schwierigkeiten und mit schweren Opfern, ihre Schulen zu erhalten. Jemehr sie aber unter dem grausamen Drucke des „svuy krvemu“ üeraEntett, befto mehr Schulen gehen zugrunde. In gewissem Sinne ist das entschieden bedauerlich. Denn wenn diese Schulen heute auch mehr deutsch als jüdisch sind, so könnten sie doch reformiert und wirklich jüdisch werden. Die Unterrichtssprache kann den Jüdisch- Nationalen wirklich ganz gleichgiltig sein, wenn nur das Jndenthum gelehrt würde. Diese Reformation durchzuführen, vielleicht auf Grund eines jüdischen Schulvereines, wäre eine Arbeit, des Schweißes der Edlen wert, eine Arbeit, bei der sich wahrhaftig alle Juden finden könnten. — Geradezu schurkisch aber ist die Haltung, welche die Deuts chnationalen zu dieser Frage einnehmen. Das deutschnationale Organ unserer Stadt: „Der deutsche Volksbote" schreibt: „Da die größte Zahl der jüdischen Privatschuleu sich im czechischen Sprachgebiete befindet,und andiesen der Unterricht in deutscher Sprache ertheilt wird, so ergibt sich aus diesem Rückgänge wieder klipp und klar, dass die deutschen Juden ihr „deutsches Volksbewusstsein" gerade in jener Zeit am schnellsten über Bord geworfen haben, da unser deutsches Volk am schwersten kämpfte." Das Blut kocht einem, wenn man diese verlogenen, frechen Zeilen liest. Dieses Gesindel, das zuerst gegen die Juden aufgetreten ist, das den Antisemitismus über ganz Böhmen verpflanzte, das die Juden und deren Schulen auf allen Ecken und Enden verfolgte, schmähte und besudelte, dieses Gesindel wagt es, den Juden solche Vorwürfe entgegenznschleudern. O über diese Deutschnationaleu, deren Jesuitenthum nirgends so offen zutage tritt wie bei uns in Böhmen. Und da bringt es die „Gemeindezeitung" noch übers Herz, für das „Deutschthum" in Böhmen zu arbeiten. Krakan. (Die Juden von Neu-Sand ec.) In Ihrem Leitartikel von: 1. December d. I. drückten Sie, geehrter Herr Redacteur, den Wunsch aus, es möge eine umfassende jüdische Organisation gegründet werden, welche „nicht nur über die jüdischen Stimmen Mariahilfs, sondern ganz Wiens, ja ganz Oesterreichs, zumal Galiziens gebieten könnte". — Die Juden von Neu-Saudec haben sich beeilt, den Beweis zu erbringen, dass dieser Wunsch ein sehr großer — Traum ist. Die Juden von Neu-Saudec haben insgesammt ihre Stimmzettel — „diese schärfste Waffe des modernen politischen Lebens" — für einen notorischen Judenhasser, für den Protege des „Glos Narodu" und des „Czas", für Dr. Binder abgegeben. Neu- Sandec gehört zu den größten Judengemeinden Galiziens, es gibt dort 45°/0 Juden. Erwägt man, dass die christlichen Stimmen auf vier Candidaten zersplittert waren und dass jeder Candidat einen bedeutenden Anhang hatte, so liegt es auf der Hand, dass die Juden einfach ihren eigenen Candidaten aufstellen oder wenigstens in dem Wahlkampfe den für sie günstigsten Ausschlag geben konnten. Aber Dr. Binder war Regiernngs-Candidat — ergo Juden-Candidat. . . Der Bezirkshanptnlann gab den „Judenführern" den üblichen Wink, und dem Jesuitenschützling öffneten sich angelweit die Thore der Neu- Sandecer Synagoge. Da stand mm der antisemitische Reichsraths-Candidat zwischen dem „Oren-Kodesch" und dem brennenden Chanuka-Leuchter und predigte dem Judenvolke beu Selbstverrath. Eine erhebende Makkabäerfeier, welche da von den Nen- Sandecer Hellenisten veranstaltet wurde . . . Zugleich ein Daukfest für die vorjährigen Brandstiftungen und Jndenpkünderttugeu von Neu-Sandec... Diese jüdische Selbstlosigkeit wird sich unausbleiblich rächen, furchtbar rächen — aber nicht an den jüdischen Waylmäkleru, nicht au den Tempelhütern und Tempelschandern, nein — nur an dem verkauften, verblendeten jüdischen Volke! Alan muss eben an das Erwachen dieses Volkes so tief unerschütterlich glauben, wie wir daran glauben, um angesichts solcher Thatsache« von der Verzweiflung nicht gelähmt zu werden. Das ist aber jetzt Chanuka-Zeit — und die Synagogen müssen gereinigt werden! Budapest. (Dreyfs als Pathe eines n ngarisch e n Kindes.) Aus Neu-Verbüsz wird dem „Pester Lloyd" geschrieben: „Die in Ecska wohnende Frau Jda Braun hatte vor einiger Zeit erklärt sie werde, wenn ihr der Storch ein Knäblein ins Haus brächte, das Kind nach Alfred Dreyfns benennen und diesen ersuchen, bei dem Kinde Pathenstelle zu vertreten. Als nun den Eheleuten thatsächlich ein gesunder Junge geschenkt wurde, halten die Eltern nichts Eiligeres zu thun, als bei Dreyfns telegraphisch anzufragen, ob er geneigt sei, die Kundgebung warmer Sympathie zu acceptieren und die Pathenstelle anzunehmen. Dreyfus nahm die ihm angebotene Stellung dankend an, legte seine Visitkarte wie auch die seiner Frau dem Schreiben bei und schloss mit der Bemerkung, der Allsdruck so warmer Sympathien aus fernem Lande habe einen mächtigen Eindruck auf sein Herz geübt." Ausland Berlin. (Antisemitensieg in Hessen.) Bei den Landtagswahlen im Herzogthum Hessen erfocht die Antisemitenpartei einen bedeutenden Sieg, indem sie zwei neue Sitze — einen von den Nationalliberalen und einen von den Freisinnigen — eroberte. Im ganzen haben sie jetzt 10 unter insgesammt 50 Abgeordneten, also ein Fünftel des Landtages. Hiesige Blätter erklären den Sieg in Hessen gegenüber der Niederlage der Antisemiten bei den Wahlen in anderen deutschen Ländern und Provinzen dadurch, dass die hiesigen Antisemiten das Bauernvolk bloß durch ihre demokratische Gesinnung gewannen, und dass sie weniger als Judenhetzer, wie als Bauernbündlcr gewählt wurden. Allenfalls steht die Thatsache fest — mögen die Gründe welche immer sein — dass die Antisemiten im Landtage Hessens in der Stärke von 10 Mann einziehen. Und das gibt zu denken! Muttchen. (Der Polnaer Ritualmord vor deutschen Richtern.) Gegen den Antisemitenführer Ludwig Weng g, den Herausgeber des hiesigen „Deutschen Volksblatt", und gegen Schoy, den Herausgeber des bayrischen „Vaterland", verhandelte das hiesige Schöffengericht wegen groben Unfugs. Beide Redacteure haben wegen des Artikels „Ueber die Blutgreuel in Polna" Strafmandate von je 50 Mark erhalten. In den Gründen heißt es: „Der Einwand des Angeklagten, er habe nicht von den Juden im allgemeinen, sondern von den Anhängern des Ritualmordes gesprochen, sei eine leere Ausflucht. Der Artikel richte sich gegen alle Juden und hetze zu Gewaltthätigkeiten auf. Wenn schon die Antisemiten an den Ritualmord glauben, so müsse man doch auch die übrigen Personen in Betracht ziehen, die einen solchen Glauben für Wahnwitz erklären. Die Rechte der Juden würden durch den Artikel gefährdet. Ihr Recht sei aber ein verfassungsmäßiges, und gegen die Gefährdung ihrer öffentlich garantierten Rechte müsse eingeschritten werden." Frankfurta.M. (Makkabäer-Feier.)Donnerstag am 30. v. M. abends hatte die hiesige Ortsgruppe der zionistischen Vereinigung eine sehr schöne Makkabäer-Feier veranstaltet. Nachdem der Vorsitzende I. L. Goite in die Erschienenen begrüßte und aufforderte, dem Zionismus treu zu bleiben und die Chonuka-Lichter angezündet worden waren, erfolgte nun der Gipfelpunkt der Feier, die Festrede des Herrn Rabb.-Cand. Marcus aus Köln. Der mit wahrnehmbarer innerer Begeisterung sprechende Redner führte etwa aus. wie irrthümlich die Auffassung derer sei, die das Judenthum in eine bloße Confession und demgemäß gerne ein deutsches Germanenthum schaffen möchten. Die jüdische Religion ohne nationale Basis sei ein nicht wärmender, nicht erleuchtender Schatten. Wie andererseits auch die nationale Idee der religiösen nicht entbehren kann. Nationalität mit Religiösität innigst vereinigt, bildet das wahre Judenthnm. Die Schaffung einer neuen Heimstätte, wo wir unabhängig von allen äußeren Geistesnnd Socialströmungen und geschirmt vor ihnen leben könnten, ist Vorstufe zur Wiederbefestigung 'des alten Väterglaubens. Dies sei auch das Verdienst der Makkabäer gewesen, sie wandten sich gleichmäßig von den die Nationalidee preisgebenden Hellenisten, wie von den nur den religiösen Punkt betonenden Essäern ab und kämpften und siegten für eine religiöse Nationalität und nationale Religiösität. Auch die gegenwärtige Aufgabe des Zionismus bestehe darin, die nationale Idee mit der religiösen innigst zu vermählen. Denn das Krüglein unentweihten, mit dem priesterlichen Siegel versehenen Oeles, welches die göttliche Wunderwaltung die Helden Makkabis in dem Heiligthum zu Jerusalenl finden ließ, ist das Gottespfand, die Gottesbürgschaft dafür, dass das, wofür die Hasmonäer stritten und siegten, ein national-religiöses Judenthum, dem Gotte Israels wohlgefällig sei, seinem heiligen Willen entspreche. Aehnlichen Gedanken verlieh später ein Schriftsteller I. G 0 l d m a n n in hebräischer Rede Ausdruck. Nachher sprach noch Herr Rechtsanwalt Dr. Schauer-Mainz einige geistreiche Worte, wo er der Hoffnung Ausdruck gab, dass der Zionismus sein Ziel erreichen wird. — Auch der übrige Theil der Feier verlief recht angenehm, indem Herr Cantor I. Groß köpf nnd andere Herren vom hiesigen Stadttheater sowohl Declamationen, wie Gesänge zum besten gaben. Besonders großen Beifall erntete die Declamativn der „Zionide" und „Seestnrm" von Herrn A. Auerbach. Und so konnte man, nachdem Herr Marcus noch das Schlusswort in sehr geistreicher, die Meilinugsdifferenz zwischen der Schule Schamais und Hillels bezüglich der Zahl der anzuzündenden Chamika-Lichter ausdeuteuder Weise gesprochen, mit dem angenehmen Bewusstsein heimkehren, dass man einen recht vergnügten Abend genossen hat. J. W. Paris (A utis e m i tism u s bei d e m M i l i t ä r.) Hiesige Blätter verzeichnen die Thatsache, dass unter den Soldaten in den Provinzstädten das antisemitische Losungswort: „Kaust nicht bei Inden" verbreitet und befolgt wird. Es heißt aber, dass der Kriegsminister G a l l i f e t diesbezüglich ei»e

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.