Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1899-11-10 · 39 (10.11.1899) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
39 (10.11.1899)
Date
1899-11-10
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2432763-2432764-2432803--0347-2433904
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 4- ^’ien, Freitag Yollvsblatt 10. November 1800 Nr. 30 Ein Process. Wir erbaltcu folgende Zuschrift: B r n n n, im Octvber. In diesen dusteren Tugen, in welchen das blutige Gespenst der mittelalterlichen Ritnalmordlüge wieder drobend gegen uns sich erbebt und die Aushebung der „Sprachenverordnnngen" damit gefeiert wird, dass sowohl im „goldenen Prag" als auch in unterschiedlichen mährischen Städten zur höheren Ehre des süßen Pöbels den Inden die Scheiben eingeschlagen werden, in dieser traurigen Zeit, die nun für uns berangebrochen ist, wollen wir uns nicht verhehlen, dass das Werk unserer äußeren Feinde mächtig gefördert und gestützt wird durch die Feinde des Jndenthnms in seinem Innern. Feinde, die theils alles Indische gänzlich von sich abgestreift haben, tbeils in, Indenttjum ein Hindernis für ihre Carriere sehen. Diese haben jede Selbstachtung, jedes jüdische Gefühl ans ihrem Herzen entfernt und tragen nichr ivenig zur Entweihung und zur Zerstörung des uns allen Heiligen bei. Oder wie sollte man es anders bezeichnen, wenn Lehrer mosaischen Bekenntnisses an unseren Mittelschulen, und zwar in Gegenwart ihrer katholischen Collegen, unter deneir sich auch der katholische Katechet befindet, erklären, lieber vom Iudenthnm abfallen zu wollen, als dass sie die religiösen Verrichtungen der Jugend ihres Bekenntnisses in der Synagoge beaufsichiigen? Doch dies nur nebenbei. Hier will ich vielmehr den zahlreichen Lesern des „Indischen Bolksblatt" von einem Ereignisse berichten, das sich in einer großen Stadt Mährens in den verflostenen Wochen zutrng und das ein sonderbares Licht wirft auf die Gerechtigkeitsliebe jener Partei, welche glaubt, die Wahrheit gepachtet zu haben und die man in verlogener Weise als „Jndenschutztruppe" bezeichnet. Ich will keine Namen nennen, nicht anklagen, sondern nur berichten und die Angelegenheit der Beurtheilung eines großen Pnblicnms anheimgeben. In der Stadt Mährens stirbt also ein geachteter, redlicher Geschäftsmann. Es ist bekant, dass er trotz seines ehrlichen Srrebens viele Unannehmlichkeiten im Leben und der Familie hatte. Sein Tod trat plötzlich ein, ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Das Leichenbegängnis sollte st.ntstnden. Der Prediger, nebenbei bemerkt ein Mann, der sich in der ganzen Gemeinde wegen seines taktvollen Wesens großer Sympathien erfreut, nimmt sich vor, am Grabe nicht zu sprechen, sondern nur ein frommes Gebet zu sagen, um so nicht vielleicht zu unangenehmen Redereien Anlass zu geben. Er kennt eben seine Leute. Von den Vorstehern eines Vereines aber, dem der Verstorbene angehört hatte, anfgefordert. rühmt der Prediger die kaufmännischen Tugenden des Todteu und sagt zum Schlüsse, der Mann sei „im Kampfe mit den Widerwärtigkeiten des Schicksals erlegen, doch Gott werde ihm ein gerechter Richter sein, nach dem Worte des Schriftabschnittes des kommenden Sabbaths (das Leichenbegängnis fand in der zweiten Iuliwoche statt) „das Gericht rft Gottes" (V B. Mos. I, 17.) — Sollte man es für denkbar halten, dass diese Worte, begründet auf k>er heiligen Schrift, zu einem Prveesse führen, welchen die Witwe des Verstorbenen gegen den Prediger anstrengt?! Der gesunde Menschenverstand begreift dres nicht, dafür gewisse Leute. Bei dem Leichenbegängnisse waren auch ewige der socialdemokratischen Partei angehörende junge Leute aus dem Handelsftande anwesend. Diesen scheint das Judenthum schon lange etwas Unangenehmes zu sein. Der bewusste Prediger, bekannt durch feine Begeisterung für die jüvstche Sache, schien nun ein willkommenes Object für eine regelrechr gegen ihn infcenierte Hetze. Zunächst erschien in dem socialdemokrauschen Wochenblättchen der Stadl eine Notiz, welche den „Pfaffen" in der unflätigsten Weise beschimpfte und ihm mit der Klage von Seite der Witwe drohte. Wer den Prediger kennt, loeiß, wie sehr ihm alles Pfäffische fremd ist. Doch ans die „Pfaffen" muss ge,chimpft rverden, besonders wenn sie jüdisches Gefühl haben. Nebenbei bemerken wir, dass das in der Stadt erscheinende deutsch-nationale Blatt so anständig war, sich zu der Heye rucht herzugeben. Diese blieb unserer „ Schutztruppe" (dass sich Gott erbarm) Vorbehalten. Die Drohung mit der Klage wurde verwirklicht. Leicht scheint die Sache nicht getvesen zn sein. Endlich fand sich ein czechischer Advocat (die Stadt zählt einige achtzig Bertheidiger), der sich des Schmerzenskindes annahm, knapp innerhalb der gesetzlichen Frist die Klage einreichte, in welcher die Worte des Predigers ui einer Werse verballhornt werden, wie dies eben nur von Seite solcher Leute geschehen kann, die keine Ahnung habell von dem, was der Prediger sagen soll und fagen wollte. Um nur eines hervorzuheben, machten die Ankläger, man sieht wohl, wo sie zu suchen sind, die sonderbareil „Bolkssreunde", ans dem Gotte des Gerichtes einen „Gott der Rache", diese banale Phrase passte ihnen gut, um das Judenthnm zu treffen. Doch siehe, knapp vor der Verhandlung tritt mein czechischer Advocat zurück, legt die Vertheidigung nieder; der Mann schänue sich, eine solche Sache zu vertreten. Nun tritt aber cui Vertheidiger ans den Plan, welcher der Partei angehört, die für Wahrheit und Recht und Freiheit schwärmt. Natürlich ist er, sowie die übrigen Ankläger jüdischen Stammes, iiiin aber nichts als „Mensch". Wir bemerken nebenbei wieder, da,s dieser Nechtsverlheidiger ehemals ein Schüler des Predigers getvesen und auch sonst von diesem nichts Schlechtes, sagen wir Gutes, erfahren hat. „Dank, Dank".rc. Der Tag des Gerichtes kommt. Und siehe, im Gerichtssaale erscheilir als Ankläger der czechische Eoucipieut eines getauften jüdischen Advvcaten, welcher als Jungczechenführer, Vertheidiger in Slrafsacheic und Abgeordneter öfters in den Zeitungen genannt tvird, uitb ihm zur Seite der volksfrenitditu)e Vertheidiger jüdischen Stammes, welcher die „Pfaffen" vernichten mnss. Man kann sich denken, tvelches Kesseltreiben gegen den unschuldigen Prediger (er tvnrde nrich, wie nicht anders denkbar, denn er hatte ja nichts Schlechtes gesagt oder gethan, freigesprochen) mui veranstaltet tvnrde von jenen Volsfrennden [ des jüdischen Stammes! Das war eine Gelegenheit, die Religion und Nation in ihren Vertretern z,l treffen! So etwas darf man sich nichr entgehen lassen! Gottlob, wir haben aber auch wackere Inden, welche in diesen finsteren Tagen die Ehre des Jndcnthutns Hochhalten. Einige hochgeachtete jüdische Bürger dieser Stadt treten ivirklich für die Wahrheit ein, und ein nneigeimütziger edler Rechtsanwalt und Menschenfreund, dessen Wvhllhätigkeitssiiin tveit über die Marken der Stadt bekannt ist, der zivar nicht von der Svcialdemokratie lebt, aber im edelsten, menschlichen Sinne wirkt, spricht in begeisterten und begeisternden Worten für den schuldlos Angeklagten und erwirbt ein freisprechendes Urtheil. Das socialdemvkratische Wochenblättchen der Stadt hat nun wieder Stofs znm Berichten. Dies ist der Sachverhalt. Und nun einige Fragen. Wie nennt inan ein solches Vorgehen gegen einen nnbebescholtenen Menschen, tvelcher das zweifelhafte Malheur hat. gewissen Volksfrcnnden und Volksbeglückern nicht zu gefallen? Wodurch unterscheidet sich das Vorgehen dieser Volksfrennde von dem der Chrlstlich-Socialen? War es am Platze, einen so traurigen Anlass zum Genenstande von Stadtgesprächen zn machen, wäre es nicht besser gewesen, ans die Betheiligten beruhigend zu wirken? Was wäre menschlicher gewesen? Oder wollte man, koste es, was es koste, die verhassten jüdischen Pfaffen treffen und schien da jedes Mittel erlaubt und paffend? Znm Schlüsse: Schaden nur Lueger und Genossen dem Judenthulne oder nicht auch andere Genossen? Die Beantwortung der Fragen wird nicht erwartet, sie ist auch nicht nöthig! Eingesendet. Jüdischer Cultns und Nationalismus. Wir erhalten von der Leitnng des „Jüdischen Volksvereins" nachstehende Zuschrift des Vereines „Adass I e s ch u r u n" zur Veröffentlichung : An den v e r e h r l i ch e n Vorstand des „Jüdischen V o l k s v e r e i n", Wien. In unserer jüngsten Sitzung wurde beschlossen, unseren religiösen Standpunkt und unsere Bestrebungen näher auseinanderzusetzen und zur Kenntnis des „Jü d i s ch e n Volksv er eins" zu bringen, damit der löbliche Vorstand des „Jüdischen Volksvereins" prüfen könne, ob es möglich sei, unsere beiderseitigen Interessen miteinander zu vereinigen. Die Basis unserer Vereinigung und aller ihrer, sei es in der nächsten Zeit, sei es in späterer Zukunft, zu treffenden Einrichtungen ist der Boden des conservativen Judenthums. Das Ziel unseres Strebens ist, eine Andachts- und Lehrstätte für die Pflege religiösen Fühlens und Wissens zu schaffen, wo ein Jude, dem die von den Ahnen ererbten religiösen Ueberlieferungen heilig sind, für das Erbannngsbedürfnis seiner Seele und für deren Verlangen nach Belehrung über das Gesetz Gottes Befriedigung gewinnen kann. Wer diesen unseren Standpunkt und dieses unser Streben zn seinem eigenen macht, ist uns willkommen, dessen Anschluss erhoffen wir und werden wir freudigst begrüßen. Ob seine Verhältnisse ihm die Möglichkeit gewähren oder ihn behindern, gemäß den Gesetzen Gottes zn leben, hat er mit seinem eigenen Gewissen a b z u m a ch e n. Uns gilt als Hauptsache, dass jedes Mitglied nuferes Vereiues und insbesondere unseres Bereinsvorstandes die Tendenz unseres Vereines Hochhalte und deren Verbreitung und Förderung sich angelegen sein lasse. Einem verehrlichen Vorstände vom „Jüdischen Volksvereine", einem Vereine, der die Pflege des jüdischen Nationalbewusstseins und die jüdische Organisation anstrebt, möchten wir aber insbesondere hier darlegen, wie beide Momente in keiner Vereinigung besser gewahrt werden können, als in der unseren, dem hochdeutsch-orthodoxen B e l h a u s - V e r e i ne „A d a s s - I e s ch u r u n". Denn wir brauchen nur daran zn erinnern, dass jeder ernste Prüfer der jüdischen Geschichte nirgends in derselben eine Trenn uu g von jüdischer Nationalität und jüdischer N e li g i o n gewahren wird. Ganz im Gegensätze zn anderen Völkern, die bei ihrer Religion dieser Trennung stattgaben, sind beim Iudenthnm die Begriffe „jüdische Nationalität" und „jüdische Religion" derart eng miteinander vereinigt, dass eines ohne das andere nicht bestehen kann, ja, dass man fast sagen könnte, es sei überhaupt ein Begriff; mit Naturnvthwendigkeit muss sich nämlich das eine zn dem anderen ergänzen. Bon Vorneherein, gleich bei seinem Eintritte in die Geschichte, ward ja Israel seine geschichtliche Sendung deutlich vorgezeichnet durch das Wort des jüdischen Gottes, der sich zugleich auch König der Welt nennt: „Ihr sollt mir ein Reich von Priestern sein und ein heilig Volk." Israel erhielt die Mission, ein selbständiges Volk für ewige Zeiten zn bilden, aber ein solches Volk, welches Wahrer und Künder jener göttlichen Wahrheiten, die ihm Gott durch seinen treuen, ehrlichen Vermittler Moses überliefern ließ. Der jüdische Staat konnte nur bestehen, solange Israel dieser seiner Sendung treu geblieben. Mit dem Zusammenstürze des jüdischen Staates hat aber mitnichten die jüdische Nation und darum auch nicht die jüdische Sendung anfgehört. Im Gegentheile, in der Leidensschule der Diaspora sollte Israel erst lernen, seine geschichtliche Bernfnng besser zn erfassen und zu bethätigen. Die Inden bilden ein Volk! Was ist nun der Kitt, der die z. B. österreichischen, territorial zerstrenten Inden zu einer Nation verbindet? Was anderes, als das Gesetzbuch ihres genteinsamert, göttlichen Königs! Was anderes, als der Pentateuch, die Bibel, dieses einzige Nationalgnt, welches dein jüdischen Volke nicht genommen werden konnte, welches unsere Ahne l ans den Trümmern des znsammenstürzenden Staates sich gerettet, niit welchem sie durch die Golnth-Jahrhnnderte eines namenlos-n Elends gewandert sind von Volk zn Volk, von einem Reiche ins andere. Es hat uns geschützt vor einer Versenkung in das bloß Materielle, es hat den Erniedrigten über den Sumpf der Erniedrigung gehalten, es hat ihn Himinelsfrenden kosten lassen zu einer Zeit, wo die Erde nichts des Erfreulichen ihm bot. Und das Gesetzbuch des jüdischen Gottes ist es auch in der trüben Gegenwart, was in diesen Tagen wiedererwachten und sich breitmachenden mittelalterlichen Wahnes und Vornrtheiles uns den Muth nicht sinken lässt, aber uns mahnt zur Sammlung und Cvnsolidiernng, und jene große Bewegung n m ) o mehr erstarken lässt, die, den Blick ostwärts g e w c n d e t. v o n d v r t, v o n Z i o n. das Heil des jüdischen Volkes erhofft. Indem wir nun die Pflege des jüdischen Gesetzbuches ans unsere Fahne geschrieben und uns rcn Gottesdienst so einrichten wollen, dass er wahrhaft jüdiswes Empfinden bei den Theilnehmern an demselben wecke uu.< kräftige, dienen w i r zugleich auch am besten der auf Hebung des jüdischen N a t i o n a l i t ä t s - b e w u s s t s e i n s gerichteten Bestrebung des „Jüdischen V o l k s v e r e i n e s". Und was die Organisatlonsbestrebungen des „Jüdischen Volksvereins" betrifft, so kann auch dieser wohl keine Vereinigung bessere Dienste leisten, als ein Bethans, das t a g t ä g l i ch ein Minjan veranstaltet, wo keine bezahlten Creaturen hinkommen. sondern gläubige Stammesbrüder. Denn durch diese t a g t ä g l i ch e n Zusammenkünfte zu gemeinsamer Andacht bildet sich von selbst mit der Zeit bei jedem einzelnen der Theilnehmer ein Gemeinsinn, der viel wirksamer in seinen Folgeerscheinungen sein muss als bei jeder sonstigen Vereinigung, die nicht täglich, sondern etwa jede Woche einmal Znsamnlenküiifte veranstaltet. Heißt doch die Synagoge ans hebräisch „Beth Hakneffeth", Bersammlungshaus, Haus der Geselligkeit. Der wahre Berührungspunkt, die Stätte wahrer Sanlmlung und Verbrüderung und Berathung in Leidenszeiten ist daher die Synagoge. O, dass doch die Männer, die die österreichischen Juden ins Parlament schickten, aus einer solchen Synagoge hervorgegangen wären! Wie ganz anders würde der Eifer beschaffen sein, mit welchem die jüdischen Abgeordneten die Interessen des jüdischen Volkes verträten! Welch ganz anderen Geist würde die Interpellation geathmet haben, die sie neulich in der Polnaer Affaire iin Parlamente eingebracht haben! Wir glauben, durch diese unsere Darlegung den Nachweis geliefert zu haben, dass der „Jüdische Bolksverein" und „Adass Jeschurun" eigentlich ihren Bestrebungen nach verwandte Vereine sind, die Hand in Hand miteinander gehen könnten und sollten, und dass die Mitglieder der beiden Vereine durch gegenseitigen Beitritt nur deren eigenen Bestrebungen die besten Dienste leisten würden. Wir empfehlen diese unsere Ausführung Ihrer geneigten Aufmerksamkeit und stellen es Ihrem weisen Ermessen anheim, dieselbe in Ihrer geschätzten Zeitschrift, im „Jüdischen Bolksblatt", zu veröffentlichen, damit die darin entwickelte Anschauung zugleich im Interesse der Organisation und Hebung des Nationalitätsbeivusstseins in möglichst weite Kreise Eingang fände. Mit vorzüglicher Hochachtung der Vorstand des hochdeutsch-orthodoxen Bethaus-Vereines „Adass-Jeschurun". Wir erhalten folgende Zuschrift: Geehrte R e d a c t i o n! In Ihrer Nummer vom 27. October veröffentlichen Sie eine von Budapest datierte, „Uebertritt zum Katholicismus" überschriebene Notiz, welche nicht verfehlen wird, in antisemitischen Kreisen freudiges Aufsehen zu erregen, und dürfte ein späterer Historiograph vvm Schlage Rohlings, der im Erfinden jüdischer Rabbiner bis nun den höchsten Record erzielte, Ihre als in einem, jüdischen Volksinteressen dienenden Blatte, enthaltene Mittheilung als classisches Beweismaterial für die Apostasie jüdischer Rabbiner verwerten. Ich bitte darum, im Interesse der Reputation des Judenthums folgenden Zeilen in Ihrem geschätzten Blatte vollinhaltlich Raum zu geben. Ich bin in der Lage, über diesen „ungarischen Rabbiner Dr. P. Tischmann" genauere Auskünfte zu geben. Im März l. I. kam ein Mann im Alter von 28—30 Jahren hier au, stellte sich unserem Oberrabbiner vor. Er heißt Achemias Tischmann, ist aus Russisch-Polen, Sohn eines dortigen frommen Rabbiners, wurde mit vier anderen Collegen und Altersgenossen im Alter von 12 Jahren aus der „Klaus", wo er lernte, durch seinen Lehrer Rabbiuvvicz nach Rom entführt, dort der Propaganda fidei überliefert, gewaltsam getauft, für das Missionswesen ausgebildet, zum Geistlichen geweiht und soll später als Missionär in Europa, Asien und Afrika in Verwendung gestanden sein. Zur Milleniumsfeier kam er angeblich in Begleitung einer durch die Curie nach Ungarn entsendeten Abordnung nach Ungarn. Hier habe er viel mit Juden verkehrt, so dass er sich entschlossen habe, den Rücktritt zum Iudenthnm zu bewerkstelligen, unb soll er seinen Rücktritt in Besztereze bewerkstelligt haben. Der Herr Rabbiner wies den Mann an mich. Er erzählte nur, er habe als P. Paulus Ejugere gewirkt, will nun laut Beschluss des Beszterczeer Nabbinats ein Jahr Buße thun und hier in Abgeschiedenheit leben, da ihm verboten wurde, von seinem beträchtlichen V e r m ö g e n, w e l ch e s in Nag yv a ro s b ei Herr» U ll m a nn v erwa hrt ist, im Verlaufe eines Jahres etwas zn genießen. Der Maml erzählte uns ein Langes und Breites von seinen Erlebnissen, aus denen ich es bald heraus hatte, dass ich einem raffinierten Schwindler gegeuüberstehe. Nichtsdestolveniger lud ich ihn öfters 51t Tische, veranstaltete für ihn eine Sammlung, auch der Herr Rabbiner unterstützte ihn, mittlerweile jedoch ließ ich über ihn recherchieren. Als die einlangenden Berichte ihn mehr uub mehr zn entlarven begannen und ich wa'jj. :

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.