Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 39 (10.11.1899)
- Date
- 1899-11-10
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3!) Wien, Freitag jüdisches Voiksbin.lt 10. November 1890 Seite 3 für u nabsehbare Zeiten zu ermöglichen. . . Dagegen aber wurde die antisemitische Meute in Galizien losaelassen: nicht gegen die conservativen, sondern blos gegen die demokratischen Genossen der jüdischen Interpellation. Ter „Czas" äußerte nämlich die Als'ch-, dir Prliicei Afsai:e sei eine „nicht polnische, rein c v n f e s s i o n e l 1 e Angelegenh e i t", die Unterzeichnung der jüdischen Interpellation sei geeignet, das Prestige und den politischen Credit des Polcnc lnb's bei den c z e ch i s ch e n B u n d e s b r ü d e r n zu beeinträchtigen . . . Unsere jüdischen Volksvertreter, Gott sei ihnen gnädig, hüteten sich, eine zweite Interpellation aus Anlass der Indenplnndcrnngen in Mähren einznbringen, sie verließen sich damit ans antisemitische Jungczcchen °, sie behüten sich wie etrvns Kostbares, wie etwas Unentbehrliches und werden sich auch ferner hüten . . . Galizien ist zum Inbegriff des politischen Bandite'.it'r.nms geworden. Galizische Zeiten sind über Oesterreich und seine Inden schuft gekommen. Die K rakauer „Zeit" hat nicht am wenigsten beigetragen, diese Zeiten zu zeitigen. Man fasse dies nicht als leichisinniges Wortspiel ans. Und wenn ein unwissender, dabei ungeduldiger Heide, wie einst zu Schamai, 511 mir käme und sagte: „Belehren Sie mich über die Lage in Oesterreich, während ich hier vor Ihnen ans einem Fuße stehe" — ich wüsste mich tncht knapper zu fassen, als in dem nackten Satz: „Galizien regiert!" Das österreichische „Slaventhnnl" aber — ich spreche ausschließlich von jenen all-slavischen Kreisen, die heute leider dre Herren sind --- bildet einen Theil jener reactionären Macht der Finsternis, welche in verschiedenen Ländern des alten Continents nüi verschiedentönenden Schlagwvrten sich bemäntelt und im Grunde gegen die Sonne der friedlichen Entwicklung das Höllenfener schürt. Krakau, anfangs November 1899. A. L. Prag. (D i e P 0 l n a e r A s f a i r e.) Professor Toetor Masaryk hat im Verlag Merei eine Broscküre herausgegcben, welche unter dem Titel „Die Nothwendigkcit der Revision des Polnaer Processes" den Nachweis zu führen sucht, dass die Agnes Hruza nicht dort, wo sie lobt aufgefunden wurde, sondern vielmehr in ihrem Geburtsorte Klein-Wesnitz crmorder wurde. Tie Staatsanwaltschaft hat sich beeilt, die Schrift durch prompte Cvnfiscation unschädlich zu machen. Ueber die Stichhülligkeit ihrer Gründe, der Inhalt greise der Processführung Öcl einer höheren Instanz vor, wird im schon überreichten Rekurse entschieden werden. Aber viel mehr interessiert uns, warum die Staatsauwaltschast nicht ebenso scharf bei der Gegeupartei zu Werte grenz. Wir müssen gleiches Recht für alle, und nicht zuletzt für uns fordern. Wenn die Broschüre Professor M a s a r y k s, dessen Antecedentien wohl nicht übergroße Judenfrenndlichkeit befürchten lassen, gar so gefährlich ist für die unbefangene und unbeeinflusste Processführung, warum durfte sich Redacteur Schwer vom „Deutschen Volksblatt" als Gegenstaatsanwalt anfspielen, warum darf das Land mit czechischen und deutschen Broschüren überschwemmt werden, deren Inhalt unseres Erachtens mindestens weniger sachlich ist, als die eben confiscicrte? Eger. (Es wird f 0 r t g e h e tz t.) Unser Antisemitenblatt bringt gleichzeitig mit seinen auswärtigen Collegen die Reclamenotiz einer Berliner Firma, der es gar zu sehr um die Aufklärung des Volkes zu thnn scheint: „Ter Polnaer Mädchenmord hat aufs neue die Frage des sogenannten Ritualmordes in den Vordergrund des Interesses gerückt. Tie Gerichtsvcrhandlnngen, die mit der Vernrtheilung des Juden Hülsuxr zum Tode durch den Strang endeten, müssen in jedem unbefangenen Leser die Ueberzeugnng erwecken, dass innerhalb des 10. Deeember 1880 gesprochen, waren zweifellos der wahre Ansdruck seiner innersten Gesinnung. Wie Auerbach und viele andere seiner Altersgenossen hat auch Lazarus geglaubt, durch freudige Theilnahme und productive Mitarbeit an dem deutschen Geistesleben, durch innige Hingabe an die Förderung der eultnrellen Interessen des deutschen Volkes sich ein Bürgerrecht im idealen Deutschthnm erworben zu haben. Dentschthum und Jndenthnm, denen sie mit gleicher Liebe und Opferwilligkeit dienten, waren diesen Männern nicht im entferntesten einander widersprechende Begriffe. Aber die Enttäuschllng sollte nicht ausbleiben; es ist bekannt, wie insbesondere Auerbach schwer unter diesem Zwiespalt gelitten. Wohl ist es zweifellos richtig, was Lazarus sagt: „Die wahre Natur und das eigentliche Wesen der Nationalität ist nur ans dem Geiste zu verstehen....," „das Volk bestimnit sich der Mensch selbst subjektiv, er rechnet sich zu ihm." Aber eben darum rechnen wir uns bei all unserer Liebe zum Vaterlande selbstbewusst zum jüdischen Volke und verachten die, die sich in fremde Kreise, die sich vor ihnen abschließen, einzudrnngen suchen und die sich Geltung verschaffen wollen, nicht durch das, was sie sind, sondern durch das, was sic scheinen möchten. Gerade wir national gesinnten Inden wissen es am besten zu würdigen, was Männer wie Lazarus ihrem Volke bedeuten. Unsere Dankbarkeit bezeugen wir dadurch am besten, dass nur für Verbreitung und Kenntnis ihrer Werke sorgen und das, was der Geist dieser Männer geschaffen, lebendig im Bewusstsein des jüdischen Volkes zu erhalten suchen. Wir wollen mit den schönen Worten schließen, die Lazarus seinem Volke zugerufen: „Treue ist die Wurzel unserer Religion, wie unsere Religion die Wurzel unserer Treue ist. Die Vorsehung hat uns als Juden geboren werden lassen, die erste Förderung an jeden Ehrenmann ist, bei der Fahne zu bleiben! Bei einer Fahne, welche 3000 Jahre getragen worden ist und es haftet kein Makel an dieser Fahne; Blut genug, aber unser eigenes! Das ist die Fahne, auf welcher geschrieben steht: „Adonaj nissi! Der Ewige ist mein Panier!" Dr. K. jüdischen Volkes ein Aberglaube verbreitet ist, der sich zu irgendwelchen Zwecken Menschenbluts bedient. Vernrtheilt ist der H n l s n e r. Ob aber die Strafe an ihm vollstreckt werden wird '? Wir bezweifeln es, wenn wir an die Morde in Lntscha, Tisza-Eszlar, Sturz und viele andere zurückdenken, die eine verzweifelte Aebnlichkeit mit der schändlichen That in Polna haben. Da thnt es noth, Aufklärung in immer weitere Kreiszu tragen, auf dass das oft künstlich hervorgerufene Dunkel, in das diese grausigen Mordthatcn gehüllt sind, gclichter wird. Als zur Ansklärnng geeignet empfehlen wir ein Schriftchen, betitelt: „Die Juden und Christenblnt." Nicht mit dem ganzen Inhalt dieses T r n ck h e f t e s möchten wir uns einverstanden erklären, sein Wert besteht für uns darin, dass es annähernd 250 Fälle mit mehr oder weniger ausführlichen Angaben znsammenstellt, in denen Inden der Ermordung von Christen theils überführt wurden, lheils dringend verdächtig waren." Wenn diese Herren schon nicht wagen, sich mit dem ganzen Inhalt einverstanden zu erklären, dann ist derselbe bezüglich seiner Wahrheit schon gerichtet. Das wird aber nicht hindern, dass geistig weniger begabte Leute, welche den Antisemitismus nicht nur wegen seines rechnungsmäßig nachweisbaren Ertrages, sondern aus schwachsinniger Ueberzengnng bctreibrn, ohne jeglichen Vorbehalt ihr Evangelium in diesem Pamphlet finden werden. Krakau. (Antisemitische Propaganda.) Tie antisemitische Partei entfallet in letzter Zeit besondere Rührigkeit. Dieselbe gilt besonders der Propaganda für das polnische Gymnasium in Teschen, der Abänderung des Krakauer Genieindestatutes und der Gründung eines Vereines zur Vertyeidigung nationaler Interessen. Das Comito wollte nun eine große Versammlung abhalten und begab sich zum Vürgernleister F r i e d l e i n, um die Ueberlassung des Gemeinderathssaales für ihre Zwecke zu erreichen. Dass der Bürgermeister der Hetzversammlnug nicht noch vfficiellen Beistand leisten wollte und das Verlangen rundweg abwies, hat ihm seitens des Sprechers M i k 0 l a j s k i sehr erregte Vorwürfe eingetragen, ohne dass er sich aber dadurch beeinflussen ließ. Lemberg. Die Gründung des Allgem. Israelit. Gcweittdebnndes hat dein „D z i e n n i k P 0 l s k i" gehörigen Schrecken eingejagt. Das ehrenwerte Blatt fürchtet, der Verein werde sein angeblich jüdisch-nationales Wirken, trotzdem er über ganz Oesterreich verzweigt sein soll, doch wohl in erster Linie nur den galizischen Inden weihen. Und daher die Augst. Wir verzeihen gerne, dass der „Dz. P." die Christen rechtzeitig gewarnt haben well, denn wir freuen uns der zwischen den Zeilen schwebenden Anerkennung der enormen Nothwendigkeit eines solchen Wirkens. Wenn wir ans der vorzeitigen Furcht des Gegners auch auf Erfolge schließen dürfen, dann soll es uns noch angenehmer sein. Gerade in Galizien, wo die Mehrzahl unserer Stammesgenossen wohnt und unter einem Elend seufzt, wie es in anderen, Kronländern gar nicht bekannt wird, wo noch die allgemeinen, wirtschaftlichen und socialen Verhältnisse in ihrer Rückständigkeit nicht wenig dazu beitragen, das Judenelend zu erhöhen, gerade da thut Hilfe an: meisten noth. Aber auch gerade hier ist der günstigste Boden für eine erfolgreiche jüdisch-nationale Organisation. Hier kann die Menge zeigen, dass sie, richtig geleitet, durch ihren Druck nach oben mindestens eben so nachdrücklich wirken kann, wie die weniger zahlreichen, aber bemittelteren Stammesgenossen in anderen Ländern. Dabei hat auch der nationale Gedanke viel überzeugtere Vertreter im Proletariat und Mittelstand, als bei den assimilierten Geldjuden, die sich höchstens erinnern, dass sie Juden sein sollten, wenn ihnen der Antisemitismus zu deutlich ins Gedächtnis ruft, dass sie doch Juden sind. Aus der Ausnahme, welche die Nachricht von der Gründung einer angeblich' jüdisch-nationalen Vereinigung bei den Gegnern gefunden hat, schließen wir nicht nur ans ihre unabweisbare Nothwendigkeit, sondern auch ans ihre unbedingte, segensreiche Wirkung, wofern sie nur die genügende Ausbreitung und Unterstützung unter den Stammesgenoffen zu finden versteht. Tornow. (Antisemitische Versa m m l u n g.) Unter den Auspicien des Pfarrers D e p 0 w s k i hat auch hierein Antisemitenhäuflein eine Versammlung abgehalten und dem Abgeordneten R u t 0 w s k i sein Misstrauen ausgedrückr, da er die Interpellation B y k und R a p 0 p 0 r t in Sachen der Polnaer Affaire mitgefertigt hat. Commentare hierzu sind wohl überflüssig. Berlin. (H a n d l n n g s r e i s e n d e nach R n s sl a n b.) Wie bekannt, bereitet die russische Regierung den ausländischen Geschäftsreisenden in Russland im allgemeinen und den jüdischen im besonderen große Schwierigkeiten. Die Regierungen Deutschlands und Oesterreich-Ungarns versuchten vergebens, Wandel zu schaffen. Nunmehr sollen die Negierungen Deutschlands, Belgiens, Frankreichs und Oesterreich-Ungarns einen gemeinsamen Schritt bei der russischen Regierung wegen der Besteuerung ausländischer Geschäftsreisender in Russland unternommen haben. In hiesigen „kaufmännischen Vereinskreisen" hat dieser Schritt eine gewisse Erregung hervorgerufen. Wenn schon diese vier Mächte gemeinsam in dieser Angelegenheit intervenieren, warum setzen sie sich nicht auch für die Erleichterung des Passwesens der jüdischen Reisenden ein? Berlin. (Die Juden in Posen.) Auffallend sind die statistischen Zahlen der Provinz Posen bezüglich der Juden. Sie beweisen, dass die Zahl der Juden in dieser Provinz sich schrecklich vermindert. Im Jahre 1827 betrug die Gesammtzahl der Einwohner Posens circa eine Million, worunter circa 70.000 Juden, während jetzt, wo die Einwohnergesammtzahl ans 1,828.000 gestiegen ist, die Zahl der Juden auf 40.000 herabgesunken ist. Als Ursache dieser Erscheinung werden die vielen Auswanderungen der Juden angegeben, welche alljährlich nach Amerika und anderswohin emigrieren. Paris. (Ein rumänischer Minister über die Juden) Der Correspondent des „Ganlois" hatte eine Unterredung mit dem rumänischen Minister Nicn Filipescu über die politische Lage. Unter anderem berührte er auch die jüdische Frage in Rumänien. Filipescu gestand, dass die Beschuldigungen gegen die Inden übertrieben seien. Der dortige Jude wäre gar nicht so schwarz, wie man ihn zeichnet. Aber — der Hass im Volke wäre eingewurzelt und es sei unmöglich, dass die Rumänen mit den Juden sich vertragen könnicn. Auf die Bemerkung des Interpellanten, dass die Regierung es sei, welche Gesetze gegen die Juden einbrächte, machte der Minister eine unschuldige Miene und meinte demüthig: „Wir regieren ja constitntionell! — Den Willen des Volkes müssen wir erfüllen." — Filipescu ist bckanntlich ein ausgesprochener Antisemit. Und die letzte Heuchelei ist nicht die erste der rumänischen Minister — wenn sie im Anslande weilen und mit Vertretern der Presse sprechen. Petersburg. (Ein großer C n l t u r v e r e i st.) Ter Verein zur Verbreitung von Bildung unter den Juden Russlands, welcher schon 25 Jahre existiert, hat unlängst seinen Jahresbericht veröffentlicht. Wir entnehmen demselben, dass der Verein gegenwärtig 2320 Mitglieder zählt. Derselbe hat im verflossenen Schuljahre 117.373 Rubel für jüdische Schuten, Bücher, Subventionen rc. verausgabt. Die Einnahmen betrugen 137.510 Rubel. Der Ueberschnss siel dem Vereinsfvnds zu. Petersburg. (Fleischn n d L i ch t st e n e r der Inden.) Wie der „Wieoomosti" erfährt, hat der Minister des Innern den Antrag, die Fleisch- und Lichtstcner, welche seit Nicvlaus l. auf den Inden lastet, abzuschaffen, abgcwiesen. Aber gewisse Reformen und Aendernngen in dieser Angelegenheit sollen dem Vernehmen nach dennoch vorgenommen werden. Bukarest. (A u ch eine A r t S 0 n n t a g s r u h e. — D i e E m i g r a r i 0 n.) Der Minister für öffentliche Aufklärung hat einen Befehl ergehen lassen, dass alle jüdischen Privatschulen und „Chadarim" des Sonntags über gesperrt bleiben müssen und darf in ihnen kein Unterricht ertheilt werden. Wie bekannt, sind die staatlichen öffentlichen Schulen für die jüdischen Kinder ganz gesperrt. Jetzt such! man auch den Unterricht in den jüdischen Privatschulen zu unterdrücken. — Kein Wunder ist es daher, dass die Emigration der Juden täglich zunimm!. Ans der Stadt Tulccza allein sind in einer kurzen Zeit 1656 jüdische Einwohner ausgewandert. Auch aus Jassy wandern fast wöchentlich viele Familien aus. Die dortigen jüdischen Fiakersleute haben sogar einen Verein gebildet, um Geld zum Zwecke der Auswanderung zu sammeln. Warschau. (Zur Situativ n.) Soeben ist in russischer Sprache ein Merk: „Warschau im Jahre 1899" erschienen, aus welchem wir folgendes hervorheben: Am 1. Jänner 1899 besaß Warschau ein Gesammteinwohner-Anzahl von 645.848 Seelen. Nach Religionsbekenntnissen geordnet, waren unter dieser Zahl 367.665 römisch-katholischen Bekenntnisses, gleich 57-3 Percent der Gesammtbevölkerung. Juden zählte man 231.678 (35'7 Percent); Protestanten 18.296 (2-7 Percent); Russisch-Orthodoxe (ohne Garnison) 27.344 (= 4*2 Percent). Demgemäß ist Warschau eine jüdische und polnische Stadt, und die hiesige jüdische Gemeinde ist die größte auf dem ganzen Erdenrnnde. Auch der größte Theil der Häuser ist im jüdischen Besitze. Ebenso ist der größte Theil der Geschäfts- und Jndustriefirmen in jüdischen Händen. Hinsichtlich des Schulwesens erweisen sich auch hier die Juden von Bedeutung. Unter den 682 Schulen, welche sich in Warschau vorsinden, sind 438 s p e c i e l l jüdische. 20 jüdische Schulen seitens der Regierung, 22 von Privaten, und 396 sogenannte „Chadarim", welch letztere aber mehr weniger schulgerecht organisiert sind. Die Zahl der Schüler und Schülerinnen betrug 42.515 im ganzen, worunter 15.083 jüdische. Auffallend ist ferner der Umstand, dass die Juden mehr die Knaben als die Mädchen studieren lassen. So sehen wir, dass unter den christlichen Kindern sich 17.782 Knaben neben 9650 Mädchen finden, während zu den 13.639 jüdischen Knaben nur 1444 Mädchen sich gesellen. In den höheren Schulen sinkt der Percentsatz der Juden infolge des Percentsatz-Gesetzes bezüglich der Aufnahme jüdischer Studierender in dieselben. Philadelphia. (Das jüdische Waisenhaus.) Der Jahresbericht von Jewish Fasler home and Orphan Asylum ist soeben erschienen. Wir geben hier einen kurzen Auszug aus den interessanten Zifferncolonnen desselben. 134 Zöglinge beherbergte das Institut, darunter 112 interne (70 Knaben, 42 Mädcken) und 22 auswärtige. 6 Knaben und 3 Mädchen haben heuer das Haus verlassen und 27 (20 Knaben, 7 Mädchen) sind hinzugekommen. Dte Gesammteinnahme machte im vergangenen Schuljahre die Summe von 27.832A2 Dollars ans. die Ausgaben während desselben erreichten die Höhe von 25.735'99 Dollars. Das Institut besteht nunmehr 44 Jahre. Pons. (Die erste jüdische Gemeinde in P 0 r t 0 r i c 0.) Bekanntlich ist die Insel Portorico, welche hunderte von Jahren im Besitze Spaniens sich befand, nun mehr in amerikanischen Besitz übergegangen. Am 3. September d. I. haben nun viele jüdische Einwanderer daselbst eine jüdische Gemeinde unter dem Namen: „Erste Amerikanischjüdische Gemeinde von Portorico" etabliert und zu ihrem Rabbiner Rev. Dr. Adolf Spiegel bestellt. An . den hohen Fei ertagen Rosch-Hoschanah und Jom-Kipur waren sämmtliche jüdischen Geschäfte gesperrt. Wie staunten da die spanischen Einwohner, welche dies zum erstenmale erlebt haben. Der Rabbiner hielt auch eine dementsprechende Predigt, in welcher er ans die Lage der Juden in Spanien vor 400 Jahren und ihre jetzige Lage unter dem Banner der Sterne und Streifen hinwies.