Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 39 (10.11.1899)
- Date
- 1899-11-10
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seit«!2 Wien, Freitag Jüdisches Voiksblatt 10. November 18.99 Nr. 39 heit vorauszuberechnenden Judenverfolgungen anlässlich von Ministerwechselnund nationalpolitischen Verschiebungen sind eine Specialität der österreichischen Neuzeit. Diese harmlosen Volksbelustigungen sind eine logisch nothwendige Folge aus den in der Handhabung der Justiz geebenen Prämissen. Das Gesetz erklärt zwar nicht ausrücklich : „Die Aufreizung zu Hass nnd Verachtung gegen Mitbürger ist strafbar, nur Juden gegenüber ist sie erlaubt." Aber in praxi gibt es iu Oesterreich eine fast unbeschränkte Rede- und Pressfreiheit nur für die antisemitischen Schmähungen. Nach dem Worte und Geiste des Gesetzes dürfte nicht eine einzige stummer dieser so zahlreichen antisemitischen Brandblätter unbeanstandet erscheinen. Muss man da nicht an ein justizministerielles Toleranzedict denken, an eine noch nicht aufgehobene Weisung an die Staatsanwaltschaften, die Kreise der Judenhetze nicht zu .stören? Und ist der süße Pöbel nach solchen Wahrnehmungen nicht zu dem Glauben berechtigt, dass er im Sinne der Regierenden handelt und straffrei bleiben muss, wenn er nur über die Juden hersällt? Es fällt schwer, ihn hinterher durch Ausuahmszusland und Fliutenkugeln vom Gegentheil zu überzeugen. Ja, ja, mir sprechen es mit vollem Bedacht aus: Die Hauptschuldigen an den Greueln und Todtenopfern von Holleschau und W s e t i n sind die Biedermänner Schneider, V e r gani, Lueger, Schwer und B a x a. Freilich war auch die ganze Führung des Kuttenberger Processes eine solche, welche eine sofortige Remedur erfordert hätte. Was thun nun die Juden angesichts einer so entarteten Sachlage? Und was sollen sie thun? Vorerst ängstigen sie sich, wenigstens in Böhmen und Mähren, und erflehen den Schutz der Behörden. Nebenbei gährt Scham und Zorn in ihnen, soweit sie denken und fühlen können. Was allein ihnen Helsen kann, ist Bethätigung der Solidarität. Längst hätten sie, nach dem Beispiele anderer, eine geringe Minorität bildender Völkerschaften Oesterreichs, sich zu einer einzigen Gemeinde zusammenthun sollen, sich ein Executiv-Gomtw schaffen polten, welches sie den Behörden gegenüber vertritt, antisemitische Lügen mit Berichtigungen und Berichtigungsklagen verfolgt und für alle die Linie des politischen Verhaltens bestimmt. Weshalb sollen sich die Juden in allen Lagern in gesonderten Partikeln zwischen Deutschen und Czechen, zwischen Schlachzizen und polnischer Plebs zerreiben lassen? Weder Deutsche noch Czechen noch Polen haben es um die Juden verdient, dass sich diese für sie ausräuchern und plündern lassen. Möge das Executiv-Comite entscheiden, ob die Gesammtheit der Juden Abstinenz treiben soll, da sie doch bei den absonderlichen Justizzuständen ihre politischen Rechte nicht ohne die äußerste Gefahr ausüben können. Wird aber doch die Parole ausgegeben, für eine Partei oder auch für die Regierung einzutreten, so dürfte das nur unter der Bedingung erwiderter Bundesfreundschaft geschehen. Do ut des. Die wichtigste Aufgabe des jüdischen Exeeutiv- Comites wäre die Durchsetzung einer objeetiven Pressjustiz, die Wind und Sonne gleich vertheilt, damit der jüdische Oesterreicher wisse, dass auch er ein Vaterland hat und Ursach', es zu lieben. Dr. I. P o l l a ch. Cierieale Maulwurfsarbeit. Die vereinigte:'.. Antisemiten und Pfaffen machen sich wieder an die Arbeit, nin ihr heiß erstrebtes Ziel, die Eroberung der Schule, zu erreichen. Vor einigen Tagen hat in Wien eine clericale Leserversammlung stattgefunden, deren Wortführer klipp und klar erklärten, man dürfe nicht ablassen von dem Bemühen, der Sprüche der Väter längst geläufig: .Besser eine Stunde der Seligkeir des Gemüthes in künftiger Welt, als alles Leben in dieser Welt; aber schöner eine Stunde der Rückkehr zu Gott und in guten Werken in dieser Welt, als das ganze Leben in der künftigen Welt'; eine herrliche und deutliche Steigerung, welche im tiefen Gedanken und naiver Beredsamkeit der Kant'schen Abweisung aller Glückseligkeits-Tbeorien aus dem Reiche der reinen Eth'.k nicht nachsteht." Von derartiger Auffassung der sittlichen Lebensaufgaben beseelt, im Bewusstsein der Erfüllung einer strengen sittlichen Pflicht, hat Lazarus sein ganzes Leben hindurch im Dienste des jüdischen Volkes gewirkt. Lediglich von inneren Motiven getrieben, har er, der Professor der Philosophie an einer deutschen Universität, an den israelitischen Synoden zu Leipzig und Augsburg auf das eifrigste mitgearbeitet. Was sich seiner wissenschaftlichen Einsicht erschlossen, das wollte er auch im praktischen Leben belhütigen. Tie Worte, die ein alter jüdischer Weiser gesprochen, „Israel lebt einig", die haben auch tu Lazarus einen überzeugten Iuterpreleu gefailven. „Das Lebei'dige überwindet das Todte; das ist die Macht des Lebens! Aber das Judenthum lebt. Im Judenthnm ist dieser Gedanke, dass seine ursprünglichen Satzungen tnftt geworden sind, niemals aufgetaucht . . „Der alte Geist des Jüoenthums, er erneuert sich von Generation zu Generation, er bat innere Einheit und C v >l t i h u i t ö t." „Alle Entwicklung, aller Fortschritt, sie treten nicht iu Gegensatz zu unseren alten Quellen, sie klären, sie vertiefeil sie nur, ohne ihr innerstes Wesen zu äildern." Diesen tiefen Ueberzeugungen von der Leoenskrasc des Judenthums und damit auch des jüdischen Volkes entsprechen die praktischen Forderungen, die Lazarus gestellt und an deren Verwirklichung er gearbeitet. „Darum sei diese Eiilheic des Jndenthums keine Phrase für uns, sondern der Ausdruck für die lebensvolle Eviltinuität. — Suchen wir die Continuität aller Juden zunächst horizontal in der Gegenwart, die Inden aus allen Ländern, aus allen Welttheilen. sie sollen alle eine endlich die L e h r e r s e m i n a r e auf einen anderen, d. h. clerial-antisemitischen Boden zu stellen. Und vor zwei Tagen brachte das clerical-antisemitische „Baterlan d" einen Artikel über das neue Ministerium, in dem es sagt, dass die Regierung die Unterstützung der katholischen Parteien nur dann finden werde, lvenn sie die religiös-sittliche Erziehung fördere. Ans dem clericalen Jargon ins Deutsche übersetzt heißt das: Verclericalisierung der Schule. Dass diese Bestrebungen ihrer baldigen Verwirklichung eutgegengehen, ist nicht mehr zu bezweifeln. Was geschieht aber dann mit den jüdischen Kindern? Die jüdischen Lehrer sind he u t e s ch o n au f den A us st e r b ee t a t g e s e tz t. Ans den Lehrerbildungsanstalten Niederösterreichs und der Alpenländer kommen clericale Antisemiten heraus, aus denen der andereir Länder nationale Antisemiteti. In Niederösterreich und Urngebung nimmt man in diese Anstalten überhaupt keine Juden mehr auf, und im Norden Oesterreichs nur in minimaler Anzahl. Wenn das so svrtgeht. wird es in einem Jahrzehnt wohl keinen j ü d i s ch e n, aber durchwegs a n t i s e m i t s ch e Lehrer in Oesterreich geben. Es ist hoch an der Zeit, dass wir an die Z u k u u f t unserer Kinder denk e u. Der Gedanke, dass arme, unschuldige Kinder die Zielscheibe des vergifteten Hasses antisemitischer Banden sein werden, ist grauenerregend. „Von Deinen Feinden sollst Du lernen!" Wtr brauchen dringendst nnd schleunigst jüdische Lehrerseminare, und es ist die erste und heiligste Pflicht derjenigen jrdrschen Kreise, die noch immer bei uns an der Macht sind, wenigstens nach dieser Richtung der unumgänglichen Nvthwendigkeit Rechnung zu tragen. Galizische Zeiten. Seit 52 Jahren erscheint in Krakau der „Cz a s" („Die Zmt"), Organ des hiesigen Stanczyken-Clnbs, alias der sogenannten „Krakauer politischen Schule". Diese alte Kirchenmaus hat dlirch das halbe Jahrhundert den offenbarsten Verrath geübt an den Traditionen ihrer Nation, und gemeinschaftlich mit gleichgesinnten Cvmplicen vom jenseitigen Grenzcordon hat sie den Freibeitsruhm des polnischen Namens geschändet, untergraben. Nach außen die Politik der berühmten Dreifaltigkeits- Loyalität, nach innen die altherkömmliche, jesuitische Schlachzizenpolitik betreibend und den kuttenhast verhüllten „taktischen" Antisemitismus (galizisch gesprochen: „Asemitismus") favorisierend, nagte diese Krakauer „Zeit" mir ihren Maulwnrfszähnen solange an dun Heiligthume des nationalen Reliquientempels, bis derselbe schließlich zu einer traurig-romantischen Schlossrnine zusammenbrach. In diesen blutigen Zeiten, wo die furchtbarsten Märchen sich verwirklichen wollen, zur Zeit, wo man wieder einmal vergeblich nach den „eigentlichen" Anstiftern, nach den „wahren" Urhebern hascht, zu dieser Zeit ist der „C z a s" der einflussreichste politische Tonangeber Galiziens, das publicistische Sprachrohr des allmächtigen Polenclubs. Es gibt eine „C lass e" von Juden, welche der „Czas" duldet nnd gedeihen lässt, das sind seine Abonnenten. Das sind aber auch alle diejenigen Inden, die den größten Percentsatz der Täuflinge liefern, zugleich die jüdischen Machthaber von heute, welche den erwünschten Einfluss auf die von ihnen abhängige Jndenschaf: ansüben und welche sich bei Gelegenheit als politische Straßenkehrer verwenden lassen; ihnen zuliebe ist der „Czas" in seiner Judenpvlitik so maßvoll heuchlerisch. Aber dieser selbe Czas hat gleichviel mit dem „Glos N a r o d u", „Ruch k a t h o l i c kt" und P. Stojalowski die vorjährige» galizischen Raubkreuzzüge auf seinem Gewissen! Man muss naturgemäß den Judenkrawallen von Holleschau und Wsetiu Verständnis- und rathlos gegenüberstehen, wenn man die galizischen Jndenplünderuugen von 1898 außer Betracht lasst, wenn man die Genesis ihrer sonderbaren Analogie zu Einheit bilden, geschart um den einen Gottesgedanken. — Aber auch vertical im Ablauf der Zeiten in der Geschichte wollen wir ebenfalls eine Continuität der jüdischen Geistesentwicklung wahrnehmen, festhalten und Pflegen." Was jedem Volke, das sein Selbstgefühl erhalten und stärken will, vor allem notthut, Kenntnis der eigenen Geschichte, das hat Lazarus immer nachdrücklich gefordert, aber auch durch seine eigenen Leistungen kräftig gefördert. „Das, was den Juden bis auf die neueste Zeit am allermeisten gefehlt hat in Bezug auf die Entwicklung, ist: „Der historische Sin n." „Deshalb. . . bedürfen wir vor allem.der historischen Erkenntnis im Volke." Historische Erkenntnis, vor allem amh der religiösen Vorschriften imb Satzungen: „Und deshalb eben kommt es vor allem uns in unseren Bestrebungen darauf an, dass eine historische Erkenntnis aller derjenigen Sätze verbreitet werde, die unser Leben regeln, ordnen, vertiefen, erheben." Wie Lazarus ein Kämpfer war „überhaupt für Idealität nnd Religiosität gegen den Materialismus, gegen das Alltägliche, gegen j e d e V e r f l a ch u n g", so war er insbesondere ein Kämpfer für die Erfüllung des p r o p h e t i s ch e n Judenthums. „Der edle Micha, der feste Maleachi, der gewaltige, hohe Jesaias, der tiefernste Jeremias, in einem sind sie alle gleich, sie betonen im Gegensätze zn aller Aeußerlichkeit des religiösen Lebens das Innere, die Gesinnung, die Sittlichkeit des Wollens und des Handelns gegenüber dem Opfer, gegeil Lippendienst, gegen alle Aeußerlichkeit und Werkheiligkeit." In diesem Sinne dringt er auf Wahrhaftigkeit der religiösen Gesinnung, ans Treue gegen uils selbst, die wir neben aller Theilriahme an der allgemeinen Eulturarbeit, neben Erfüllung der allgemeinen Bürger- und Me-ischeilpflichten auch in unseren eigenen jüdischen Angelegenheue > w.igeeii müssen, „in denen,w v rin wir s p e c i f i s ch sind und s p e c i f i s ch bleiben wollen und bleiben müssen, wenn in i r wahrhafte Treue bewahre n, T r e n e auch uns s e l b st, T r e u e d e n I d e e n, in Denen wir erlogen, von untersuchen vernachlässigt, wenn man die Enuvicklungsphasen der vom „Czas" forcierten polnisch-czechischen Solidarität nicht verfolgt und die gegenwärtigen politischen Conjuncturen in Oesterreich nicht auch von diesem Gesichtspunkte ans benrtheilt. Man müsste nt i t Blindheit g csch la gett sein, um nicht zu s e h en, d a ss dieses Feuer non d e m frischen Ost-Westwinde der „s l a v i s ch e n" Bewegung ans Galizien — beut gelobten Lande der Verfinsterung — nach der mährische c z e ch i s ch e n N a ch b a r p r o v i n z h i n ü b e r g e rv e h t worden. Ist das doch kaum der Schatten jener ftitfteten Maitage, kaum der Abglanz jener wüsten, lichterlohen Juninächte 1898, welche in mehr denn 80 galizischen Bezirken den Ausnahmezustand, in manchen auch die Verkündigung des Standrechtes, die Aufrichtung des Galgens verursacht hatten. Uuö das hat mit ihrem jesuitisch-schelmischen Singen die Stanczykött-„Zeit" gethan. Sie hat jahrelang jeden freisinnigfortschrittlichen Windhauch im Lande mit ruchloser Gehässigkett verfolgt, hintertriebeu, der Polizei hinterbracht; jahrelang hat sie die Gründung von tausenden antisemitischen Prodttettv-Genossenschasten (die sogenannte Kölka roltiic/.e), und der jesuitischen Arb.iteroereine („Frxyg'a/m") gefördert; sie hat den Getst borniertester, exclnsivster Intoleranz im ganzen Lande verbreitet nnd so systematisch jene fenerfangende Atmosphäre erzeugt, iu welcher kurz darauf die jüdischen Läden und Schenken auflodertcu. Der kosmopolltisch-clericale „Czas" ergab sich instincliv dem herrschenden Rassen-A nti se m i tis m us und entdeckte in sich den natürlichen Bundesgenossen der Czechen im allgemeinen Rassenkampfe Damals aber geschah etwas Ungeahntes, daran die jesuitischen Gelegenheitsmacher nimmer gedacht hätten. Unter das Mordgeheul: „Tod den Juden!" mischte sich hie und da der heisere Ruf einer trunkenen Braudstifterkehle: „Tod der Schlacht«!" Das war der Ruf, der im Jahre 1840 die gemeinsame Niedermetzeluug der Schlachzizen und der Juden begleitete. Da erstarrte den galizischen Satrapen das Blut aus feiger Angst, sie erkannten wieder in dem geplünderten Dorfjuden den alten ..So eins dolor is“ aus dem Zeitalter der Kosaken- und Baueruausstänoe und tu P. Stojalowski den traditionellen Verräther, der sich in dte Priestersvurane verkleidet . . . Der „Czas" schauderte zurück vor seinem eigenen Werke, wechselte plötzlich die Front gegen seine Helfershelfer, nahm die Jndut nt Schutz — veranlasse den Ausnahmezustand und . . . dre svcialisttschen, auch jüdische Vereine wurden geschlossen, iljte Organe eingestellt, das Postdebit ihnen entzogeu! Mit dieser brutalen Ausbeutung der Lage erreichte die grausaute Ironie der galizischen Zustände ihren Höhepunkt. Der „CzaS" fühlte das Bedürfnis, sich vor seiner Ocffentlichkeit wegen dieser famosen Jn-Schutznehnrung der Juden zu rechtfertigen und murmelte mit gehenchelter Resignation das zweideutige Sprichwort: „chaque pays a le juif qu’il merite . . . “ Die Ostdeutsche Rundschau aber schrieb: „Der Bauer erwacht in Galizien!" Und nun — wie perfid die Haltung des „Czas" angesichts der jüngsten Judenhetzen und des Poluaer Processes! Das Stanczyken-Organ will noch immer als „gernäßigt, unparteiisch" erscheinen. Es druckt einen sachlichwissenschaftlichen Artikel eines Rabbiners über das Bluttuärchen ab, versieht ihn aber mit der Randglosse, dass diese „strittige" Frage (sic!) „sich nicht für eine journalistische Erörterung eignet und erst wissenschastlche Untersuchungen erhetschen würde." Kurz darauf erscheint im „Czas" eine unendlich perfide, wissenschaftlich schillernde Erörterung desselben Themas von einem „katholischen Gelehrte tt". Fürwahr! Holleschau und Wsetin haben den polnisch-ezechischen Verde üdernngsknoten noch enger geschürzt. Die Polen haben dte jüdische Interpellation, diese genotyzüchtigte Interpellation unterfertigt — das geschah unter dem Drucke der Unumgänglichkeit. Man wusste doch den Hausjudeu des Polenclnbs diesen Abfertiguiigsfetzen gewähren, um ihnen wieder das Verstummen denen u n s e r Herz erwärm t, tt n s e r Geist e rl e u ch tet ist, Treue, die rt i ch i und nichts verleugnen mag". Wahrlich, wer so denkt, denkt wahrhaft national. Wahrhaft national sind auch die Ideen, die Lazarus bei seiner Thätigkeit im deutsch-jüdischen Gemeindebunde beseelten. „ ... . ein altererbter historischer Mangel ist in Israel, dass immer wieder der einzelne sich emporarbeiten muss, dass es an den z u s a m m e n h a l t e n d e n und zusammenm i r k e n d e u I n st i t u t i o n e n fehlt. Wohl haben Männer Israels wo immer sie sich niedergelassen, durch den alten Geist tauiger Angehörigkeit und inniger Zusammengehörigkeit schneller oft, als man es erwarten konnte, und mit größerer Fruchtbarkeit Gemeinden gegründet; aber diese Gemeinden waren eben als Gemeinden wiederum vereinzelt, wie Fremde, ohne Zniainmenhang in den Ländern untereinander." „Die Institutionen (des Volkes Israel) waren vorzüglich,.... wenn mtr nicht ihre Erfüllung immer auf einen einzelnen geschoben luoröm wäre, wenn die vielen, für welche die Jnstit u t iv n geschaffen ist, auch wi r k l ich a n ihr m i tarbeiteten." „...es darf nicht so bleiben, dass die fruchtbarsten, die wertvollsten, die folgenschwersten Gedankert gedacht werden und daun immer nur einzelne für ihre Erfüllung eiutreten, die große Mehrzahl aber nur zum Scheine und nur dem Namen nach an derselben sich betheiligen." Wenn Lazarus bei aller Treue und tiefen Althätiglichkeit für Judenthnm und jüdisches Volk seine Zugehörigkeit zur deutschen Nation bekannt hat. dann müssen wir dies, um es richtig und gerecht beurtheilen zu können, ans historischen Gesichtspunkten zu verstehen suchen. „Wie wir deutsch reden und denken, wie unsere Seele durch deutsche Dichtung und W-sseiischaft erfüllt und gebildet ist, also wirkeit nur mit Geist und Herz, nach dem Maße unserer Kraft, an deutschen Werkelt; die Größe, Hoheit und Macht der deutschen Nation ist dte Sehnsucht unser Gemüths." Diese Worte, die Lazarus am