Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 38 (3.11.1899)
- Date
- 1899-11-03
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 3. November 1899 Nr. 38 nationalen Studenten gemeinsamen Convent und waren, wie immer nach dem Convent, in unser Stainmcafe „Jägerhof" gegangen. Als wir das Cafe verließen, trafen wir zufällig die aus ihrer „Stammkneipe" kommende „Hedone". Es ist begreiflich, dass nach der vormittags gefallenen Beschimpfung es nunmehr zu Reibereien kam, die bald in eine Schlägerei ausarteten. Von den jüdischen Studenten betheiligten sich jedoch nur jene an der Schlägerei, die am Vormittag von der „Hedone" beschimpft worden waren. Es i st also unrichtig, dass die j ü d i s ch e u S t u o e u t e n der ,H e d o n e" a n f g e l a u e r t und dieselbe mit U e b e rm a ch t überfallen hätten. Dies bitten wir Sie zur Aufklärung der Oeffentlichkeit in Ihrem geschätzten Blatte zu veröffentlichen. Wir sind mit dem Ausdrucke bester Hochachtung ergebenst E. W. Wien. (Ein Jude sub a u s p i c i i s.) Morgen Samstag promoviert Herr med. Arthur Schüller aus Brünn zum Doctor med. sub auspiciis imperatoris. Wien. (D i e Strafanzeige wider Ober- Rabbiner D r. G ü o e m a n n.) In der am 7. v. M. im Musikvereinssaale abgelaltenen Protestversammlung gegen die an die Poluaer Mordasfaire geknüpften Beschuldigungen des Blutrituales hatte bekanntlich der Ober-Rabbiner von Wien, Dr. N. Güdemanu, in einer sehr energischen Rede diese Angriffe zurückgewiesen. In den den Fall Simons von Trient betreffenden Stellen der Rede hatte ein Redacreur des „Deutschen Volksblatt" eine Verletzung feines religiösen Gefühles als Katholik erblickt und gegen Dr. Güdemanu die Strafanzeige nach § 303 erstattet. In den Spalten des genannten Blattes wurde täglich die Werbetrommel gerührt, um Unterschriften für diese Anzeige zu sammeln. Die mit so viel Geschrei in Scene gesetzte Action ist, wie nicht anders zu erwarten war, bald in ein lächerliches Nichts zerfallen. Der erste Staatsanwalt v. K l e e b o r n hat Samstag den 28. October den Anzeiger verständigt, dass er die Anzeige nach § 90 St.-P.-O. zurückgelegt habe. Boskowitz. (Wegen der Sprachen Verordnungen.) Das friedliche Einvernehmen, das in unserem Srädtchcn jederzeit zwischen Czechen und Juden geherrscht hatte, ließ keineswegs vorausseheu, dass die anlässlich der Aufhebung der Sprachenverordnungen seitens der czechischen Bevölkerung veranstaltete Demonstration von Haus aus einen schroff antisemitischen Charakter annehmen würde und in Ermangelung von deutschen Einwohnerin die Juden unserer Gemeinde den Sieg des deutschen Volkes wurden büßen müssen. In der durch die Poluaer Affaire. bereits genugsam erregten Bevölkerung wurden allerlei Lügen verbreitet, wie.- die Juden hätten durch eine Deputation beim Kaiser erwirkt, dass in Hinkunft der Gebrauch der czechischen Sprache verboten sei, und so erfüllte sich schließlich der Wunsch der schon lange an der Arbeit gewesenen Rädelsführer: unter den üblichen Schmährufen fand das in unseren Gegenden sich immer mehr einbürgernde „Scheibenschießen" auf jüdische Häuser statt. Trotz der Wachsamkeit der Vertreter der Jsraelitengemeinde konnte nicht verhütet werden, dass der durch aufreizende Reden erregte Mob auch in diese einbrach und hier die Fenster der Volksschule, des Gemeindehauses, sowie der den Aermsten unter den Juden hier gehörigen Häuschen in vandalischer Weise zerstörte. Glücklicherweise ist es in kurzer Frist durch rasche Herbeiziehung von Gendarmerie und Verhaftung der Hauptacteure gelungen, die Erregung zu beschwichtigen, die Menge von schweren Verbrechen zurückzuhalten und die Juden vor Schaden an Leib und Gut zu bewahren. Prag. (Die Urheber der Excesse.) Bis jetzt suchte man vergeblich nach den wirklichen Anstiftern der Raubzüge, von welchen die jüdischen Gemeinden im czechischen Sprachgebiete heimgesucht wurden. Wie imurer haben sie sich, nachdem sie die taktischen Anordnungen tropfenweise geraume Zeit hindurch dem Pöbel eingegeben hatten, vorsichtig von den verhetzten Massen zurückgezogen, auf deren Jnstinct sie sich nun verlassen konnten. Der „Politik" ist es nun gelungen, herauszubringen, „wie man Demonstrationen künstlich hervorruft". Sie lässt sich nämlich aus Uugarisch-Ostra berichten: „Ein sehr instructives Beispiel dafür hat einer unserer drei Bürgermeister (unsere Stadt besteht nämlich aus drei Gemeindeil: der Christenstadt, der Judenstadt und der Vorstadt) gegeben. Am Samstag etwa um 10 Uhr abends machten drei Betrunkene aus dem Heimwege Lärm und schlugen in der Judenstadt einige Feilster ein, wurden aber von der Gendarmerie bald ausfindig gemacht und verhaftet. Damit wäre wohl alles vorbei gewesen, wenn es einem unserer Bürgermeister, Herrn Salomon Adler, nicht gefallen hätte, für die nothweudige Erregung zu sorgen. Ohne dass das mindeste Anzeichen von Unruhen vorhanden wäre, berief Herr Adler am Sonntag Militärassistenz. Der Einzug der Soldaten verfehlte nicht, Aufsehen zu erregen, die Leute liefen zusammen, mn zu sehen, was es da gebe, und da sie nichts erfahren konnten, machten sie sich auf den Weg, um es zu erfahren. Ehe man es sich versah, durchzog eine große Menschenmenge, nationale Lieder singend, die Straßen, ohne jedoch irgendwelche Excesse zu begehen, so dass das Militär nicht in die Lage kam, einzuschreiten." So etwas wagt man nach den jüngsten Ereignisseil zu sagen! Also die Juden setzen mit Absicht sich und ihre Familienmitglieder den Misshandlungen des zu Bestien verhetzten Pöbels aus, veranlassen Excesse, nach denen ihre Frauen und Kinder noch wochenlang beim geringsten Geräusch zu zittern und zu fürchten beginnen, lassen ihre Habe zum Raube des Mobs werden. Ebenso triftig wäre ja die Beweisführung, die Juden sind au allem schuld, denn, wenn es keine Juden gäbe, könnte man sie nicht misshandeln und plündern. Es wäre sicher nicht so weit gekommen, wenn überall, wo Excesse stattfanden, Militär zur Stelle gewesen wäre. Wie weit ein Bürgermeister die Ruhe erhalten oder stören tarnt, weiß die „Politik", wenn sie aufrichtig ist, ebenso gut wie wir. Sie braucht gar nicht weit zu geben, um zu sehen, was alles unter dem duldsamen Regime des Poluaer Bürgermeisters möglich ist. Dort hat ma» es schon zu seltsamer Technik in Judenkrawallen gebracht, die selbst über die österreichische Gemüthlichkeit geht. Der Volks- Haufen führte dort einen Munitisnswagen mit und warf in die Wohnung des Rabbiners Dr. Goldberger fünf Kilogramm schwere Steine. Wenn der Poluaer Amtscollege des Ungarisch-Ostraer Bürgermeisters ebenso vorsichtig gewesen wäre wie dieser, wären die Excedenten beim Anblicke rdchtzeitig herbeigerufenen Militärs auch nur — neugierig geworden und hätten nationale Lieder gesungen. Aber der Bürgermeister von Pvlna zettelt keine Excesse an, er ist dazu zu guter Antisemit. Graslitz. (Germanisches Rindvieh.) Das „Graslitzer Volksbllm" veröffentlicht in seiner letzten Nummer folgendes „Eingesendet": „Schon zu wiederholteumalen wurde darauf aufmerksam gemacht, dass es in Graslitz immer noch Fleischhauer gibt, die mit dem Falkenauer Viehjnven Geschäfte machen. Viehjude Läppert scheint die Absicht zu haben, in Graslitz eine Filiale seines Geschäftes zu gründen, weil er in letzterer Zeit zu öftereumalen in Graslitz mit seinen Kühen gesehen wurde. Auch im Laufe der vorigen Woche ist es feiner jüdischen Schlauheit gelungen, einen größeren Viehtransporc von 30 Stück an hiesige Fleischhauer zum Abverkanfe zu bringen. Die nationale Pflicht gebietet es nun, die hiesige deutsche Bevölkerung auf folgenden Umstand aufmerksam zu machen. Der Viehjude Läppert kauft das von ihm zum Verkaufe gebrachte Schlachtvieh in den Deutschen Oesterreichs feindlich gesinnten Ländern, in Croatien und Slavouien, von jüdischen Gutspächtern. In der gegenwärtigen Zeit, in welcher der Deutsche in Oesterreich um sein erbgesesseues Recht, um Erhaltung seines Dentschthums, so verzweiflungsvoll kämpft, ist es für uns eine nationale Pflicht, unsere Einkäufe nur bei Deutschen (Christen) zu besorgen. Dieser Mahnruf gilt auch in diesem Falle. Mau unterstütze deutsche Viehhändler, die das Schlachtvieh vom deutschen Bauern kaufen. Gleich dem „Svuj k svetnu“ der Czechen zu handeln, ist für uns Deutsche in diesem gewaltigen Sprachenkampfe heilige nationale Pflicht." Diese Germanen, welche in dem verschwundenen Blute der Agnes H r u z a ivohllüftig hecumplätscherten, wie ihnen von den Schöpfern des „Svuj k svetnu“ commandiert wurde, können jetzt nicht einmal mehr mit Rindvieh in Berührung kommen, das ein Jude aus deutschfeindlichen Gegenden einführt. Das ist leicht begreiflich, denn Ritualmvrdmäccheu stad das Geschäft dieser Presse und Viehhandel das Geschäft des anonymen Einsenders. Horodenka. (Protest gegen d a s B lutmär ch e n.) Zu den „modernen Waffen" griffen auf Veranlassung des hiesigen israelitischen Culturvorstandes und des Rabbiners M. Aschkenazy, der bei jeder, wenn auch nicht rein religiösen Frage reges Interesse bekundet, auch wir^ um in Worten der Entrüstung und des Entsetzens für die uns zugefügte Schmach in der Poluaer-Affaire, welche mehr eine Vorurtheilung als ein Verurtheilung war, uns Luft zu machen. Vor einer überaus massenhaften Volksversammlung wies der Rabbiner durch verschiedene Citate nach, dass den Juden nicht nur der Gebrauch des Meuschenblutes, sondern auch der des thierischen strengstens versagt ist, und dass diese niederträchtige Beschulvigung weder vom religiösen, noch vom moralischen Standpunkte gerechtfertigt ist. Zum Schluffe unterbreitete Herr Aba Pineles eine Resolution, die einstimmig angenommen wurde. Londoner Kries. Wie gerne möchte man einmal seinen ganzen Zorn von der Leber herab fluchen — wenn man dürfte, wenn man nicht ein Sclave des „guten Tons" wäre. Wir müssen die Zähne zusammenbeißen und ruhig bleiben — immer ruhig und sachlich. Man könnte verzweifeln. Wo man hinblickt im jüdischen Lager, überall Elend und Elend. Da ziehen alltäglich vor meinem Fenster neue Scharen galizischer und russischer Juden vorüber, Auswanderer, die mit Weib und Kind, mit Sack und Pack nach London kommen. Nicht vor Freude und Wohlleben verlassen sie ihre Heimat, sie werden wohl andere Gründe haben, und was wollen sie hier beginnen? Sie vermehren nur die Masse des jüdischen Proletariats in England. Das ist alles. — Heute brachte die Post das „Jüdische Volksblatt". Auf jeder Seite wieder Schilderungen von Unglück und Schmach, dass es einem wie Eis über den Rücken gleitet und das Herz zusammenschnürt. — Und erfasst einen die teuflische Lust, einmal einen Blick in die Seelen unserer „Reichen" zu werfen, so wird mau empört über den unerntesslichen Reichthum au Charakterschwäche und kleinlicher Furcht. — Soll das ewig so gehen? „Was schiert mich der coutineutale Plunder!" denkt der englische Jude. Er macht sein Geschäft, trinkt seinen Whisy und liest seine Zeitung-was giebt's Neues in Transvaal? — Er stutzt — hm, — was heißt das? — Da steht nämlich, dass jüdische goldgierige Speculanteu den Krieg heraufbeschworen hätten. Er lacht und hält die Nachricht für einen Witz. Wir aber, die wir in der Weltgeschichte studiert haben, wissen, was das bedeutet. Mau beginnt sich ein Hinterpförtchen ins Kriegsgebäude auszuhanen. Wird der Krieg gewonnen, denkt man — gut, wenn nicht, so können die Inden für den Schaden verantwortlich gemacht werden. Eine Logik, die sich immer noch bewährt hat. Wir haben ja bisher stets die Kriegskvsten gezahlt, lvenu sich die Natiorlen Europas schlugen, sei es um Länder oder Constitutionen oder Sprachenverordnnngen oder dgl. Und so kann man denn getrost prophezeien: Wird England geschlagen, so werden die Juden dieser Insel dafür büßen, wird es siegreich sein, so werden unsere Brüder in Südafrika zu leiden haben. Die Juden nämlich sind schuld am Kriege — verstehen Sie? — Die Juden. Dass 600 Deutsche in den Reihen der Boeren kämpfen, haben die Engländer dem deutschen Volke verziehen, „weil sich auch Engländer stets activ betheiligten, wenn andere Völker in Streit lagen". Aber als sie hörten, dass Juden auf Seiten der Boeren fochten, da ward man doch müthend; selbst die sonst liberale „Daily Mail" erwähnte diese Thalsache iu einer bemerkenswerten Verstimmung. Sv mögen wohl auch die Blätter in Transvaal ungnädig geworden sein, als sie vernahmen, dass sich in der feindlichen Armee Inden befinden. So eifersüchtig war man sonst nie um unseretwillen. Und doch verlangt man hier, dass alle Juden der Welt England lieben, dort will mau sie afrikanderisch haben. Die Deutschen sind entsetzt, wenn irgendwo ans Erden ein Jude es wagt, antideutsch gesinnt zu sein. In Oesterreich sollen sie den Polen, Böhmen, Mähren, Ruthenen oder auch allen miteinander angehören. Wenn sich aber nur die handvoll eingeborener Juden in ihrem Laude als Staatsbürger geberdet, da will man sie nicht, und die Leute sagen, dass sie nicht von ihrer Art seien, dass sie Juden sind, nichts als Juden. Wohlan denn! Heraus ans dem Dilemma! Die jüdischen Zeitungen hier sind mm natürlich bemüht, nachzuweisen, dass die Israeliten Englands loyale Bürger sind und dass sie auch einen gehörigen Percentsatz ins Schlachtfeld geschickt haben. Das zu betonen ist ihr gutes Recht, und man muss zugeben, dass die hiesigen Juden wirklich Patrioten sind und dass ihre Liebe zur englischen Heimat in dem Maße wächst als sie erfahren, wie traurig es ihren Stammesgenossen in den anderen Ländern ergeht. Mit der Erklärung dieses ihres unanfechtbaren Standpunktes hätten sie sich begnügen sollen. Aber ihre prophylaktische Abwehr des Antisemitismus gerieth in die alten Ghettobahuen: So oft eine Nachricht vom Kriegsschauplätze eiutrifft, sucht mau nach jüdischen Todten, und wenn mau eine» gefunden hat, frohlockt man, und mau setzt ihn im Geiste aus ein hohes Ross und lässt ihn durch alle Zeitungen führen und vor ihm ausrufen: Das ist der Mann, der unseren Patriotismus beweist. Hurrah! — Ist das nicht Leichenschändung? Die Schamröthe sollte uns bis iu die Haarspitzen dringen angesichts so trostloser Verkommenheit. Wo alle Völker der Erde ihre Todten beweinen, müssen wir jauchzen; wir müssen jubeln, wenn ein Jüngling unseres Stammes ins Grab sinkt, wir m üsseu dem Himmel dankbar sein für dieses Documeut unserer V aterlandsliebe und beten: Gib uns noch Todte, mehr Todte. Geuügt's denn nicht, dass die I lden die größten Summen für die Refngees zeichneten, für die Witwen und Waisen der Gefallenen, für den Fonds des rothen Kreuzes. Sind das nicht Summen, die in dieser Höhe für jüdische Dinge nie zu haben ivaren? Und ich meine, unter den Inden giebt's genug Refugeers, Juden befinden sich stets auf der Flucht! Indessen, wir freuen uns über die jüdischen Spenden, da die Wohlthätigkeit zu unseren Traditionen gehört. Aber wenn sie nicht genügen, wenn die ganze Vergangenheit der englischen Juden nicht hinreicht, ihren Patriotismus außer Frage zu stellen, dann werden es ein paar todte Juden nicht ändern können. Im Interesse unserer Brüder hier oder da möchte nian den utopistischen Wunsch äußern, dass beide siegen, England und Transvaal. Max I u n g m a n n. Berlin. (Auswandernde Jude n). Die Emigration der Juden, besonders aus Russland und Rumänien, ist wieder stark geworden. Die meisten kommen hierher. Ob sie hier bleiben oder weiter wandern? Sie erregen Aufmerksamkeit. Aus Russland kommen zum größten Theile junge Studierende, welche, laut den herrschenden Gesetzen, in ihrem Gebtirtslande ihre Studien nicht fortsetzen konnten, weil die Aufnahme in die höheren Schulen nur laut Percentsatz erfolgt. Sie kommen und bleiben in allen Universitätsstädten. Ganz anders sehen die Auswanderer aus Rumänien aus. Die fahren! Wohin? Das wissen sie selbst nicht! Sie wissen nur, dass sie in Rumänien nicht bleiben können und eine neue Heimstätte, sei es Amerika, sei es Canada, ja sei es selbst Afrika, suchen müssen. Die verzweifelte Lage dieser Leute ist mit Worten schwer zu schildern. London. Unter dem nach Afrika gesendeten Militär beftuöeu sich eine ganze Anzahl von jüdischen Soldaten. Der „Jewish Chronicle" veröffentlicht eine Liste von solchen, die bereits verschifft sind, und zählt dabei auf: Major G. F. Leverson von den Royal Engineers, Capitain E. S. Goldschmidt vom WelshMegiment, Lieutenants H. I. Stern von dem 13. Husaren-Regiment und F. G. Cunnot vom Generalstab, sowie 57 Gemeine und Unterofficiere. Diese letzteren vertheilen sich auf alle Waffengattungen und Regimenter, sogar unter den Schotten und der Garde finden sich jüdische Soldaten, ebenso unter den Lanciers und Husaren, die nach Afrika abgegangen siitd. Auch unter den Freitvilligen ans den Colonien, die an dem südafrikanischen Kriege theilnehmen, befinden sich eine ganze Anzahl jüdischer Officiere und Soldaten. So stehen bei den Natal Carabiniers die Lieutenants H. M. Landsberg, F. O. Stiebel und I. Abrahams und bei den Cap-Hochläudern Lieutenant F. H. Golomens. Viele andere jüdische Soldaten und Officiere mögen unter diesen Truppen stehen, ohne dass man davon weiß, denn bei dem englischen Militär frägt inan nicht nach der Religion der Soldaten. Wenn mau indessen auch nur die oben genannte Zahl von 4 Officieren und 57 Soldaten unseres Glaubens in Betracht zieht und bedenkt, dass in England nur y4 Percent der Bevölkerung Juden sind, so ist die Betheiligung der Juden im englischen Heeresdienste um so bedeutsamer, als dieselbe bekanntlich hierzulande eine ganz freiwillige ist. Literatur. Gin neues „Biblisches Lesebitch". Man hat mit Recht in der neueren Zeit dem jüdischen Religionsunterrichte eine erhöhte Aufmerksamkeit -ugeweiidet, kann ja nur durch einen gediegenen Unterricht in diesem Gegenstände der religiöse Jndiffereutisinus gebrochen werden. Dass vie Bibel, das „Erziehungsbuch der ganzen Menschheit", wie es Goethe mit Recht nennt» die Grundlage hierfür bildet, ist selbstverständlich. Eberlso selbstverständlich ist es aber auch, dass bei dein geringen Zeitausmaße — Stunden wöchentlich — die Bibel im Urtexte