Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 38 (3.11.1899)
- Date
- 1899-11-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 88 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 3. November 1809 Seite 3 Koerber: „Den erwähnten Berichten zufolge hat es den Anschein, als ob diese Demonstrationen planmäßig vorbereitet waren." Nun ist es aber ein öffentliches Geheimnis, dass die Excesse in Böhmen und Mähren von bekannter Seite organisiert und planmäßig in Scene gesetzt werden und ist es zum mindesten auffallend, warum die Negierung sich scheut, das Kind gleich beim rechten Flamen zu nennen, d. h. die Anstifter zu bezeichnen. Hier in Böhmen ist es speciell die nationale Arbeiterpartei, auch Klofac-Partei genannt, welche dieses Geschäft besorgt. Einen Beweis hierfür bilden die Excesse in Rokitzan, welche am 20. October nach einer Versammlung in n'elcher ein gewisser V o t r u b a aus Pilsen, ein Parteigänger des K l o f a c, eine Hetzrede gehalten hatte, vorgefallcn sind und bei welchem der sogenannte „dorost“ größtentheils aus Letzt-jungen bestehend, die Hauptrolle spielte. Die Behörde könnte in so manchen Fällen derartigen Ausschreitungen bei Ergreifung von Präventivinaßregeln Vorbeugen, sie brauchte bloß die Freiheit der vollstreckenden Organe jener Partei, d. i. der gewöhnlichen Gassenbuben, polizeilich ein bisschen einzuschränken. Hochachtend Al F. (Der Name des Einsenders ist der Nedaction bekannt.) * + Ein Parteigenosse stellt uns nachstehenden, an ihn gerichteten Brief zur Verfügung: W a l l. - M e s e r i t s ch, den 28. October 1899. Lieber Schwager! Wenn Du täglich die Zeitungsberichte liest, so kannst Du alles glauben. Das alles ist aber noch viel zu wenig. Unsere Situation hier ist eine sehr traurige. Es ist wohl Ruhe, aber diese ist eingetreten, weil selbe sein muss, so lange das Militär hier ist. Du kannst Dir gar nicht denken, was jeder, der vor einem Juden vorübt rgeht, ihm nur Schimpf und Spott anzuhören gibt. Das alles muss man vertragen. Was unsere Geschäfte leiden, ist schrecklich. Die jüdischen Geschäfte werden von Andersgläubigen nicht beueten, hinaus zu gehen oder am Markte zu fahren, ist nur ein Wagnis und kennen wir täglich benschen, wenn Abend wird. Der hiesige Markt, welcher immer den 13. November abgehalten wird, und einer der besten ist, wird aufgehoben, und wird dasselbe in der ganzen Gegend sein. Was thun, wenn das unser größter Nahrungszweig ist? Und obzwar vor dem lieben Gott nicht zu sorgen ist, bleibt es doch eine große Aufgabe. Das, was jetzt hier ist, war noch nicht da, und sollte es so bleiben, so müssen w i r v o n hier w e g. Aber, die Frage nur, wohin, da es überall wie hier ist. Ich wollte immer nach Holleschau, aber dieser Ort ist ja jetzt auch gesperrt, denn dort ist der Antisemitismus auch groß. Ich will und kann vor Aufregung von dieser Affaire nicht mehr schreiben. Gesund, gottlob sind wir alle hier und hoffe dasselbe von Euch zu hören. Ich bitte Dich, mir mitzutheilen, wie die Versammlung ausgefallen ist, da es mich sehr interessiert. Ich wollte diese Woche nach Holleschan fahren zur Mutter, traue mich aber nicht, da das zeitliche Fahren und späte Kommen mit Lebensgefahr verbunden ist. Es wird uns aufgelauert. Grüße mir.als auch alle Lieben, und bleibe herzlich gegrüßt und geküsst von Deinem Schwager Eine Proteftversammlnng. Im „Hotel Continental" faub Mittwoch abends eine massenhaft besuchte Protestversamnilung gegen die jüngsten Judenkrawalle in Böhmen und Mähren statt. Den Saal mit seinen Nebenlocalitäten und die Gnllerie füllten mehr als 1000 Personen. Der Andrang war ein so großer, dass die Polizei bereits um halb 8 Uhr — der Anfang der Versammlung war auf 8 Uhr festgesetzt — den weiteren Zutritt untersagen musste. In allen Reden, welche während des Abends gehalten wurden, kam der Gedanke in energischer Weise zum Ausdruck, dass die Juden als vollberechtigte Staatsbürger mit allen möglichen Pflichten nicht gewillt seien, die Bedrohungeu au Leib und Leben, die Plünderungen ihres Hab und Gut, wie es durch die jüngsten Kraivalle in Böhmen und Mähren geschehen ist, künftighin ruhig hinzunehmen. Es war ein energischer Protest, der gegen den Barbarismus des sinkenden Jahrhunderts, gegen die zertretenen Menschenrechte, aus tiefstem, bekümmertem Herzen kam. Die Versammlung sollte zeigen — wie der Leiter derselben, Dr. Leopold K a h n, sagte — dass es noch Stimmen gebe, welche es laut und energisch hinausrnfen, dass die Plünderung und Beraubung der Juden ein Verbrechen an Menschen, am Staate sei, das um Sühne schreie. In einem nach jeder Richtung hin sachlichen Referate, welches durch historische Documente und Reminiscenzen unterstützt wurde, entrollte der Referent Dr. E. Franz W e i s l ein Bild von der Lage der Inden in Böhmen und Mähren seit dem elften Jahrhundert bis zu den jüngsten Krawallen. Er schilderte die „Jndennoth", wie sie sich gegenwärtig herausgebildet, und den Ruin, welchen» Hunderte von jüdischen Fa»»»ilien anheirnfallen, »veil — die Sprachenverordnnngen aufgehoben wurden. Man müsse sich organisieren, um Kraft zu finden für einen unausbleiblichen Kampf. (Stürmischer Beifall.) Nachdem noch mehrere Redner zur Organisation der Juden gesprochen hatten, wurde .folgende Resolution angenommen: »Die im »Hotel Continental" am 1. Jänner 1899 tagende jüdische Volksversammlung spricht ihre tiefste Entrüstung ans über die Vorgänge, denen »vieder einmal in jüngster Zeit jüdisches Hab und Gut zu»n Opfer gefalle« ist, und durch »velche Hunderte von jüdischen Familien nicht nur au den Bettelstab gebracht, sondern auch an Leib und Leben bedroht wurden. Wir Versammelte erklären gleichzeitig, dass wir die einzige wahre Hilfe für die Juden in der Selbsthilfe erblicken, sowie in der Schaffung einer gesicherten Heirnstätte für alle unsere Verfolgten." Hierauf wurde die Versammlung geschlossen. Die Generalversammlung des Allgemeinen österr. Jsraelitenbundes. A»n Dienstag hat die constituirende Generalversammlung stattgefundeu. Sie hätte ebenso gut, vielleicht sogar besser, unterbleiben mögen. Den Eindruck, den jeder objective Theilnehmer empfieng, »var einfach deprimierend. Man hat die Empfindung, als ob der Bund nur dazu gemacht tvorden »värc, um die schmähliche, alt liberale Leisetreterei und Papierpolitik, die bislang von den „führenden Kreisen" der großen Genreindcn einzeln und im eigenen Rainen betrieben wurde, nunmehr von dem Bund im Namen der I u d e n s ch a f t Oesterreichs geübt werden solle. Nicht das leiseste Zeichen einer neuen Idee, einer neuen Taktik, eines Systemwechsels! Das alte Gedresche von Freiheit mrd Recht, das man jetzt schon nahezu dreißig Jahre kennt, dasselbe Gewinsel um die Gnade der Regierung, dasselbe ohnmächtige ewige Geschrei nach Staatsanwalt und Polizei! Darüber a b e r, w i e, auf welchem Wege, nt 11 welchen Mitteln tu i r unser Recht erkämpfen könnte»», darüber »v u r d e auch nicht ein Wort gesprochen. Und auf die berechtigte Anfrage eines Redners, welches Programm der Br»nd denn eigentlich habe, wurde vo»n Präsidenten rasch geantwortet: Mar» habe in dieser Hinsicht nichts vorgesehen. Diese Herren »vollen noch immer nicht einsehen, dass auch unsereRecht frage eine M a ch t frage ist. Eine Machtfrage, die von unserem geeigneten, geschlossenen, öffentlichen Vorgehen auf allen Gebieten, von der Ausnützung unserer politischen und intellectnellen Stärke abhängt. Aber dergleichen einfache, logische, gesunde Politik halten diese übergescheiten Kreise offe>.»bar für „Wahnsinn". Wozu hat eigentlich der Bund getagt? P o l n a, H o l l e s ch a u und W s e t i n hat man in einer halben Stunde mit einer windelweichen, lendenlahmen Resolution abgethan, dann hat man sich ein wenig angestrudelt, sodann hat man den Antrag, es sei eine Geffffesoorlage über die Entschädigungs- Pflicht des Staates, der Länder und Gerneinden bei Plünderungen zu veranlasse»», angenommen— auch so eine alt liberale Ueberklugheit — bann hat man eine geranrne Zeit geredet und »nieder geredet, und dann hat man sich „constitniert". Und was nun? Bis zum Jahre 1899 hat man das Judentbum im Restaurant K h u n e r, manchesmal auch in dem von R o b i t s ch e k, gerettet. Von jetzt ab wird »nan es im Sitznngssaale der Cultusgemeinde retten. Heil und Sieg! Nachstehend der Bericht: Der Vorsitzende, Gemeinderath Dr. Alfred Stern, theilt in der Eröffnungsansprache mit, dass unter dem Drucke der beklagenswerten Ereignisse der letzten Zeit dein Bunde »nehr als »50 Cultusgerneinden beigetreten seien. Die Kundgebungen des Bundes als Gesammtvertretung der Judenschaft erhallen nach außenhin weil mehr Bedeutung, als die einzelner Corporationen, und eine die Gesammtheit umfassende Solidarität thue dringend noth. Der Redner karn nun auf die Ausschreitungen in Böhmen und Mähren zu sprechen. Vor mehr als zehn Jahren, führte er aus, »vurde seitens des Wiener Cultusgemeinde-Vorstandes der Regierung eine Denkschrift überreicht, in der die jetzigen Ereignisse vorhergesagt rvurden. Besondere Divinaiion gehörte auch nicht hierzu. Die Drohungen von der „gewaltsamen Abwicklimg auf der Straße", vom „Sturm auf die Juden", haben ihre Früchte gelragen, die Leidenschaften breiter Massen »vurden in zügelloser Weise entfesselt, und schließlich zeigte es sich, rvas eine bedauerliche Verrohung zu leisten vermag. Der Vorsitzende gedachte noch all der Vorstellungen und Audienzen, die angesichts der bedenklichen Erscheinungen ein energisches Einschreiten der Behörden verlangten, würdigte die Bedeutung eines sich über ganz Oesterreich erstreckenden Bundes und gab der Erwartung Ausdruck, dass auch die Besitzenden sich den Abivehrbestrebungen ihrer chwer leidenden Volksgenossen anschließen »verden. Dr. Stern beantragte schließlich die Annahme folgender Resolution: „Die seit »5 Jahren und länger in Oesterreich betriebene Hetze gegen unsere Glaubensgenossen hat die den» positiven und dem natürlichen Rechte entsprechende Repression nicht gesunden. Eine Million österreichischer Staatsbürger jüdischen Glaubens »var all die Jahre hindurch fortwährend Beschuldigungen, Beschimpfunge»» und Schmähungen, auch materiellen Schädigungen und sonstigen schweren Angriffen ans den verschiedenen Gebieten des öffentlichen Lebens, des socialen und geschäftlichen Verkehres arrsgesetzt. Die Fortentwicklung zeigt, dass dieser feindseligen Bewegung, »velche sofort bei ihrem Auftreten mit leichten Mitteln hätte eingedämint »verden können, mchts anderes als der durch den cnlturellen Fortschritt längst über,vm»den geglaubte, jedoch zu neuen» Leben erweckte Religionshass mit allen seinen Begleiterscheinungen zugrunde liegt. Erscheint es doch kann» fassbar, »vas alles in unsere seit Jahrtausenden bestehende Relrgion — die Mutterreligion des Christenthums — hineingedichtet, »velche Fälschungen, »velche Ungereimtheiten herausgelesen, »velche nie»nals bestandenen Traditionen erfunden, »velche tausend- und tausendmal »vidersprocheneu »md »viderlegten Lügen iinmer »vieder von neuem vorgebracht »verden. Nr»n ist auch die sch»nachvollfte, gefährlichste und dabei al l er d ürnn» st e Lüge, die „Blut lüge", »vieder zu neuen» Leben er»veckt »vorbei». Sie durfte, so unglaublich dies am Schlüsse des neunzehnten Jahrhunderts erscheine»» mag, in einen» österreichischen Gerichtssaale »»»»geahndet vorgebracht »verden. Sir bildet heute eine stehende Rubrik in gewissen Journalen, ohne dass dagegen die erforderliche Repression geübt rvird, „Ritualmord" »st heute ein so geläufiges Schlag,vort ge,vorder», wie es in vergange,»en Jahrh»»nderten Hexerei und Zauberei »varen. , Die Folgen dieses unheilvollen Treibens sind »nit blutigem Griffel in der österreichischen Eulturgeschichte der Gegenwart eingetragen. All den» gegenüber erhebt nun der zu»n erstenmale zu ordentlicher Tagung znsammengetretene „A l l g e,n e t n e Oesterr e i ch i s ch - I s r a e l i t i s ch e Bund" seine »varnende Stimme. Hundertfünfzig israelitische Eultusgemeinden in Oesterreich, die große Zahl österreichischer Israeliten, »velche vermöge ihrer öffentliche»» unb Vertrauensstellungen als Repräsentanten der österreichischen Judenschafl zu erscheinen sich »vohl berechtigt fühlen dürfen, »oe,»Den sich an die maßgebenden Factoren in» Staate, an die österreichische Negierung, au die staatlichen und autonornen Verivaltungen, an die öffentlichen Vertretungskörper und überhaupt an alle anständiger», rechtlich denkenden Kreise der Bevölkerung aller Confess'ionen mit der dringe»»den Mahnung, jenem verhetzenden, u n h e i l v o l l e n Treiben mit aller Energie e n t g e g e n z u t r e t e n; es nicht »veiter zu dulden, dass eine Million österreichischer Staatsbürger um ihres Glaubens »Villen geächtet »verde, es nicht zu dulden, dass an» Schluffe des neunzehnten Jahrhunderts »»»»ser Vaterland Oesterreich unter' der glorreichen Regierung uuseres unendlich gütigen, rveisen, erhabenen Monarchen Kaiser Franz Joseph 1. der Schauplatz einer schmachvollen religiösen Verfolgung iverde." Prediger Dr. S ch rn i d l begrüßte es mit Genugthuung, dass »»»ehr als hundert Cultusgemeinden bei der Eonstituierung vertreten seien, und in wirkungsvoller Ansprache stellte er den» neuen B»»»»de ein g»»tes Prognostikon. Nachdem der Vorsitzende noch bekanntgegeben, dass die Polnaer Gerneinde zrvei Vertreter entsendet und einzelne Gemeindevorstände a»»s Böhlner» »t»»d Mähren ihr Fernbleiben unter Hiuweis auf die bedrohliche Situation in ihren Cultusge»»»ei»»den entsch»»ldigt hatten (Beivegung), »»ahn» Reichsraths-Abgeordueter Hofrath K a r e» s das Wort. „Die Ereignisse, die sich in Oesterreich abspielen", sagte er, „schänden geradezu dieses Jahrhundert. Schaudernd erleben »vir Diirge, die an die finstersten Zustände »nenschlicher Verrohung erinnern. Mangelhafte Intelligenz, eine beklage,»swerte Verderbnis der Charaktere, eine Entfesselung der niedersten Jnstincte haben zu Plünderung, Raub, Brandlegung geführt. Hand in Hand mit diesen planmäßig organisierten Raubzügen geht ein Boycott, eine schivere »virtschaftliche Schädigung jüdischer Geschäftsleute. (Rufe auswärtiger Vertreter: Der vollständige R»»ii»! Die Ausivanderung!) Man hindert die Leute daran, in jüdische Geschäfte hineinzugehen (Rufe: Man photographiert die Kunden der Inden!), und »nan erklärt vor den Augen der Behörde den Juden als vogelfrei! Die Negierung hatte im Augenblicke, »vo es galt, die Gefahr abzuwenden, sofort emschreiten »nässen, i»nd die Bezirkshauptleute »nässen ihrer Vera»»t»vortlichkeit sich vollkommen beivicsst sein. Energisch »nüsse gefordert werden, dass es »nit der bisherigen Duldung sch»nachvoller Zustände ein Ende habe." Die Resolution »vurde an genominen. Herr Siegmund Mayer beantragt sodann eine Resolution, »velche die jüdischen Abgeordneten auffordert, eine Gesetzesvorlage zu veranlassen, die subsidiär Staat, Land und Gerneinde für die bei Excessen, Plünderungen und Brandleg»»ngen entstandenen Schäden haftbar macht. Abg. T i t t i n g e r schließt sich dem Anträge an urrd beinerkt, er verrnuthe, dass von competenter Seite ein ähnlicher Ent»vurf ohnedies geplant »verde. Dr. Ascher (Böh»nen) tritt dem Anträge entgegen. Der Antrag sei zivecklos. Aussicht auf Durchführung sei keine vorhanden, er werde, »vie so viele andere Anträge, einfach begraben werden. Hofrath K a r e r s schließt sich dem Anträge an, bemerkt jedoch, es sei besser, sich damit nicht an die Vertretungskörper, sondern an die Negierung zu rv enden. Man würde n»»r »»»»nütze Debatten und unnöthige Erbitterung heraufbeschwören. (Der Herr Hofrath „österreichischer Nationalität" scheint Angst vor einer Judendebatte zu haben. Das sind unsere Abgeordneten! Die Red.) Gern.-N. L. Brunner schließt sich dem Anträge an. Mit der vorn Abg. Kareis beantragten Modificatioa »vurde die Resolution sodann einstimmig angenoinmen. Hierauf erfolgt die Wahl des Bundes-Ausschusses, der aus achtzehn Mitgliedern besteht. Der A»rsschuss »vird über Antrag des Herrn S. Heit per Acclamatioi» geivählt. Es finb in »hm vertreten die Cultusgemeinden von Wien, Prag, Linz, Graz, T r o p p a u, T e s ch e n, Pilsen, Mähr»sch - Ostrau, Lemberg, Czernowitz, Krakau und Kamnitz. Aus Wien erscheinen gewählt die Herren: Kais. Rath K l i n g e r, Dr. G. K o h n, Dr. Stern, Dr. G ü d e m a n n. Nach der »veiteren Wahl des Schiedsgerichtes entspinnt sich eine längere Debatte über Ziel »»nd Zweck des Bundes, an der sich mehrere Mitglieder betheiligen. Errvähnenswert aus der Debatte »vären lediglich die Reden der Herren Dr. Kahn und Doctor F»a l l a. Dr. Kahn entwickelte in längerer Ansprache den Gedanken der jüdisch-nationalen Politik, die von einer jüdischnationalen Organisation kräftig und entschieden in die Hand genommen »verden »nüsste. Dr. F i a l l a »veist auf die groß angelegte Abivehrpolitik der deutschen Juden hin, sorvie auf die Opser- »villigkeit derselben. Dasselbe »nüsste der B»»nd in Oesterreich veranlassen. Redner legt ferner dem Bunde die Behandlung der Boryslawer Affaire, smvie die Gründung palästinensischer Eolonisationsvereine nahe. Mit einer Ansprache des Vorsitzenden Dr. Stern rv»»rde sodann die Generalversam»»»lung gegen 9 Uhr abends geschlossen. Inland. Wien. (Zu den Studenten uurnhen.) Wir erhalten ans führenden jüdisch-nationalen Studentenkreisen folgende Zuschrift: Die Vorgänge, die sich Samstag den 28. November nach dem Uuiversitütsbummel abspiellen und die in der darauffolgenden Nacht ein Nachspiel hatten, veranlassten in verschiedenen Blättern tendenziös entstellte Berichte. Zur Aufklärung gestatten wir uns, der Oeffentlichkeit folgende wahrheitsgetreue Darstellung der Vorgänge zu geben. Die deutsch-akademische Verbindung „Hedone" besteht a n s s ch l i e ßlich ans Juden, welche nicht nur ihr Judenthnrn nicht Hochhalten, sondern vielmehr geradezu ans bent Standpunkte der Saufe stehen. Sv haben erst in der jüngsten Zeit mehrere Mitglieder der Verbindung dem Jndenthuin den Rücken gekehrt. Diese Gesellen, die von der deutsch-nationalen Stndeuteuschast ebenso zurückgestvßen werden wie wir, entblöden sich nicht, den Predigern deS Rassenantisemitismus, Schönerer und Wolf, Gefolgschaft zu leisten und uns wegen B e rd r ä n g u l» g des Dentschthu m s Genugthuung zu ver- »veigern. A»n Samstag vormittags aber erfrechten sich diese schamlosen Gesellen, uns jüdisch-nationale Studenten m i t dem Worte: „S a u j u d e" zu b e s ch i m p f e u. Wir hatten Mühe, a»n Vormittag einen förmlichen Kampf zu verhindern, eine sv maßlose Erbitterung herrschte über diese Niedrigkeit in unseren Reihen. An» Abend hatten »vir jüdisch-