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Jüdisches Volksblatt · 1899-11-03 · 38 (3.11.1899) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
38 (3.11.1899)
Date
1899-11-03
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 38 Wi«», FreitAR- Jüdische* TolkÄhlatt 3. November 1895 Seite 7 nur in einem ganz verschwindend kleinen Briichtheile durchgenommen werden kann. Eine gute deutsche Bibelübersetzung ist daher eine absolute Nothwendigkeit, und früher oder später wird jeder Religionslehrer die Nothwendigkeit einsehen, eine deutsche Schulbibel als Lehrbuch an den Mittelschulen einzuführen. In Deutschland ist die Auerbach'sche Schulbibel ziemlich verbreitet, in Oesterreich dürfte sie ziemlich vereinzelt anzutreffen sein. Es verdient daher eine neue deutsche Schulbibel — der Verfasser nennt sie wegen der selbst hinzugefügten Ueberschriften „Biblisches Lesebuch" — unsere Aufmerksamkeit Was dieses neue biblische Lesebuch von Prof. Dr. L. Tachau'), Direktor der Samson-Schule in Wolfeubüttel, auszeichnet, sind folgende Punkte. Fürs erste hat der Verfasser viele hebräische Stücke, die beim Gottesdienste an Festtagen zur Verlesung kommen, sowie zahlreiche hebräische Verse, die in die Liturgie übergegangen sind, in sein biblisches Lesebuch ausgenommen. Ferner ist bei der Uebersetzung der einzelnen Verse genau der Zusammenhang beachtet worden, und es wird nicht jedes wav copuJativum mit „und" übersetzt, was leider sehr häufig geschieht, was aber ebenso falsch ist, wie wenn im Griechischen jedes „* « c" mit „und" übersetzt würde. Auch sonst ist die Uebersetzung nicht nur richtig, sondern im allgemeinen auch in einein guten Deutsch wiederaegeben worden. Freilich wird man so nmnches auch anders wünschen. Für den einzelnen aber, der ein solches Werk allein aus arbeitet, ist es fast unmöglich, trotz Benützung vorhandener Uebersetzungen und Eommenlare, alle feineren Nuance» zu treffen. So hat uns beispielsweise die Uebersetzung des ll. Verses aus der Schiroh (II.B. M.Cp. 15) „Der Feind dachte: Ich will ihnen nachjagen, sie einholen, will Beute verthcileu, mich an ihnen letzen, das Schwert will ich ziehen, ausrotten soll sie meine Hand!" nicht zugesagt. Soll einigermaßen die deutsche Uebersetzung der trefflichen Zeichnung des Urtextes gerecht werden, so müßte es wohl heißen: „Es dachte der Feind: „Nachjagen, erreichen, theilen will ich die Beute, füllen soll sich mit Rache nieiue Seele, zücken will ich mein Schwert, ausrotten (vertilgen) soll sie meine Hand." Auch au manchen anderen Stellen hat der Verfasser, um dem Inhalte und dem Gedanken gerecht zu werden, zuviel umschrieben, so dass die Prägnanz des Textes leidet. Beispielweise sei Jesaia Cp. 54-, V. 17 b angeführt. Der Verfasser übersetzt: „Jeder Zunge, die sich in einen Rechtsstreit mit Dir einlässt, wirst Du ihr Unrecht beweisen können." Diese Uebersetzung ist zu prosaisch; die Anlehnung an den Urtext ergibt eine viel schönere und ebenso richtige Uebersetzung: „Jede Zunge, die gegen Dich auftritt, wirst Du schuldig sprechen." Das Wort „lumischpot“ braucht nicht übersetzt zu werden. Die für den Schüler nicht geeigneten Stellen werden mit Recht fortgelassen; doch hat der Verfasser unter Berücksichtigung der modernen Vibelkritik viele Stellen und Capitel weggelassen, womit nian nicht immer einverstanden sein wird. So hätte beispielsweise das 13. und 14. Cap., Vers 1—23 aus dem Buche Jesaia nicht fehlen sollen, wenn diese Capitel auch von einem anderen Verfasser als Jesaia herrühren. Wir hielten es, da eine Besprechung unserer Ansicht nach objectiv und gründlich sein sein soll, für unsere Pflicht, auch auf die angeführten Mängel hinzuweisen. Gleichwohl aber muss anerkannt werden, dass diese Mängel nur unbedentend sind im Vergleiche zu der großartigen und mühevollen Leistung, welche der Verfasser geboten. Wenn man bei uns in Oesterreich nicht daran gehen will, gemeinsam — es müssten mindestens 5—6 Mitarbeiter sein — eine geeignete Schulbibel herauszugeben, so dürfte es sehr am Platze sein, das Tachau'sche Biblische Lesebuch') an unseren Schulen einzuführen, freilich müsste dann der Verfasser auch die österreichische Orthographie berücksichtigen, und es wäre eine Ausgabe für Oesterreich uothwendig. Vielleicht tritt der Verband der israelitischen Religivnslehrer an den österreichischen Mittelschulen der Frage näher. B r ü x, im October 1899. Rabbiner D r. B i a ch. An unsere Leser! Wir erhalten von jeder Nummer, die wir vrdnnngsgemätz expedieren, eine Anzahl Retouren mit dem Vermerk: „Nicht angenommen" oder „Nubekannt". Gleichzeitig erhalten wir jedoch regelmäßig die Neclamationen der betreffenden Abonnenten. Es ist also kein Zweifel, dass hier entweder eine unverantwortliche Nachlässigkeit oder Böswilligkeit der Postverwaltungen vorliegt. Trotz unserer mehrfachen Beschwerden find bislang diese Nebelstände noch nicht abgcftellt. Wir ersuchen deshalb unsere Abonnenten dringendst, wenn ihnen ein Blatt nicht znkommen sollte, sofort bei derPoft schriftlich zu reklamieren. Jede Zeitnngs-Neelamation i st portofrei. Auf dem Couvert hat der Vermerk zu stehen: „Zeitnngs-Neelamation". (Verein Jordania.) In diesem Verein, dessen Local sich II., Gredlergasse 9 (vis-a-vis der Fruchtbürse) befindet, hält morgen abends 8 Uhr Herr Redactenr H ollitscher einen Vortrag über: „Politik und Wissenschaft im neunzehnten Jahrhundert". Gäste, Herren wie Damen aller Parteischattierungen herzlichst willkommen. An den Vortrag schließt sich eine Discnssion. Unserer heutigen Nummer liegt ein Prospekt der Jüd. Volksbücherei Lehmann bei. £af£ «Toset Schuch II., Obere Donaustrasse 47 (ris-fi-vis df*r Aiigsirtcnbrllcke). 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