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Jüdisches Volksblatt · 1899-11-03 · 38 (3.11.1899) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
38 (3.11.1899)
Date
1899-11-03
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Tolkablaft. 3. November 18W Nr. 38 von Trient. Znm Schlüsse aber kommt der Knalleffect. „Das, waS Wir üitr geschrieben haben, ist die wortgetreue Uebersttzung eines Artikels anS der „Olmützer Zeitung" vom 14. October, einem unserem hochwiirdigsten Oberhirten in Olmütz nahestehenden Blatte." Heuchlerisch wird hinzugefügt: „Und wir haben keinen anderen Wunsch, als dass der Zweck, zu welchem die ttebersetznng vorgenommen ivnrde, erreicht werde. Dieses Ziel drücken wir mit den Worten ans : 8vuj k svemu! Eine Woche nach den Holleschauer Vorgängen haben katholische Geistliche dem Volke nichts anderes zu sagen, als dass die katholische Kirche, das ganze katholische Volk beleidigt wurden, als Dr. Güdemann im Mnsikvereinssaale seine Hand znm Schwirre erhob! In Holleschan raubte uub plünderte man bei den Juden, und nichts anderes wiffen diese Herren dem Volke zu sagen, als dass bis z u m h e rr t i g e u Tage 60 Ritualmorde verübt wurden! Und wie klug sind diese Herren. Das alte Märchen von dem im Talmud gestatteten oder gebotenen Ritnalmorde wird nicht anfgewärmt. „Wir wollen nicht Stellen aus dem Talmud hernehmen", heißt es in dem ertvähnten Artikel. Die Sache wird jetzt anders angefasst. Ob der Talmud darüber schreibt oder rricht: der von Juden an Christen verübte Ritnalmord ist eine von der katholischen Kirche bestätigte Institution, und wer an die katholische Kirche glaubt, muss an den Ritualmord glauben. Das ist die Moral eines dem mährischen Fürstbischof nahe» stehenden Blattes. Es ist allerdings schwer, anzunehmen, dass dieses Treiben mit Wissen und Willen des Erzbischofs geschieht. Aber sind denn behördliche Autoritäten überhaupt noch maßgebend? In Polna tagte der Rechtsschntzvercin. In Wien üben die Antisemiten an unbequemen Gerichtserkenntnissen Kritik, und bei uns in Mähren predigen Priester der Religion der Nächstenliebe Hass gegen ein ganzes Volk. Anarchische Zustände reißen immer mehr ein, schutzlos sind wir dem ärgsten Demagogenthum preisgegeben. Schutzlos, weil wir selbst uns nicht schützen. Unser Schutz aber heißt: Organisation. Eine Organisation müssen wir haben, die klar und deutlich vor aller Augen steht, die zu allen, auch den Nicht-Juden, klar und vernehmlich spricht. Eine Organisation, die der unmittelbare Ausdruck aller österreichischen Juden ist. Der czechische Antisemitismus lässt es bei Holleschau nicht bewenden. Das angeführte Beispiel ist nur eines von vielen, viel intensiver ist noch die mündliche Agitation für die Judenvertilgung. Die Gefahr für uns ist groß, und rasches, entschiedenes Handeln thur noth. Angesichts, in Abwehr dieser Gefahr, muss der erste Schritt zur Organisation der österreichischen Juden geschehen. Alle jüdischen Gemeinden Oesterreichs müssen in einberufenen Versammlungen gleichlautende Resolutionen fassen. Es muss in diesen Versammlungen von jeder Gemeinde ein Vertreter gewählt werden, der Herz und Mund auf dem rechten Flecke hat. Diese Abgeordneten müssen sich als Maffeirdeputation nach Wien begeben, um bei berufenen Stellen als Vertreter der gesammten österreichischen Judcnschast für viele hundecttausende, alle Pflichten erfüllende Staatsbürger Recht und Schutz zu verlangen. Freiwillige vor! Es müssen sich zwei bis drei Dutzend beherzte, jüdische Männer finden, die ganz Oesterreich bereisen, von Gemeinde zu Gemeinde ziehen, um diese Organisation in kürzester Zeit herznstellen. Die gemeinsame Gefahr muss alle einigen. Einigen zum Heile der Juden, sowie ganz Oesterreichs. Sch och nur. Vom Tage. Prager Casinostreiche. Die Prager „Gemeindezeitung" beehrt uns mit einer Erwiderung unserer Glosse in der vorletzten Nummer. Sie wirft uns „Maulmurfsarbeit" vor. Ein Vorwurf, der uns innig erfreut. Er beweist uns, wie scharf die Hiebe sitzen, die wir den geehrten deutschen Stammesbrüdern israelitischer Confession versetzen. Das Prager Schmockblatt fragt, ob wir nicht wissen, dass die Juden noch heute im Zwinger schmachten würden, wenn sie nicht der großen Politik gefolgt wären, dass Goldmark, Hartmann, Kuranda, Jakob y, Lasker, in Agnes Jordan, das NM darum so verheerend, vernichtend, degenerierend wirkt, weil es nicht dem eigenen Fühlen entspricht, aus eigenem Blute stammt, ist dasselbe, das Gustav Jordan zu dem gemacht, was er ist. Und mit voller Consequenz und psychologischer Logik zu Ende entwickelt, müsste er in der Frau das Resultat zeitigen, das uns als Gustav Jordan entgegentritt. Der Gustav Jordan, den uns Hirsch selb als vollendeten Charakter vor Augen führt, schlummert im Anfangsstadium seiner psychologischen Entwicklung auch in Agnes Jordan. Aber in Agnes Jordan überwältigt die Rassencultur die Decadence. Ihr jüngerer Junge, der Ludwig, besucht sie im Hause ihrer Eltern, und in einem kleinen Zwiegespräche mit ihm findet sie ihr Ziel: die Eroberung chrer Kinder, den Kampf für dieselben. Stark und hoffnungsfroh kehrt sie in das Haus ihres Gatten zurück. Naturgemäß sollte der Schluss des Stückes den vollen Sieg der Mutter im Endresultate, in den Charakteren der beiden Söhne zeigen. Aber was Hirschfeld im fünften Acte dieses Stückes zeigt, hätte besser wegbleiben mögen. Das unvollendete, aber trotzdem große, erschütternde Bild mit dem sicheren Ausblicke auf einen vollen Muttersieg wäre menschlich und künstlerisch bedeutender gewesen, als dieser Rest von kraftloser Sentimentalität. zerrissener Stimmung und müder Resignation. Was ist das Resultat des grandiosen Kampfes, den Agnes Jordan durchgekämpft? Ihr jetzt dreiundzwanzigjähriger Ludwig, den sie in ihrer schwersten Zeit geboren, mit dem sie ihre schönsten Stunden verbrachte, hat für sein Leben nichts anderes übrig, als: „ — so lang' es Cremieux ihr ganzes Leben für die Freiheit der Juden gekämpft und gelitten haben? . . Die Frage ist wirklich zu dumm! Sie zeigt von einer solch politischen und geschichtlichen Ignoranz, dass man sich nur fragt, ob das Blatt sich nicht schämt, dergleichen niederzuschreiben. Das verehrliche Casino sammt Gemeindeblatt scheinen wirklich einfach verrückt geworden zu sein. Mit seinem zweiten Satze schlägt es nämlich ganz ungeniert den ersten aus dem Felde. Sämmtlich angeführte Personen haben so oder so in „großer Politik" gemacht Und sich national völlig assimiliert. Sämintliche wurden aber anch noch zu Lebzeiten als Juden verfolgt — rrotz der „großen Politik" und trotz der Assimilation. Sollen wir noch mehr sagen? 'Man hat in Paris, Berlin, Wien „grobe Politik" gemacht. Was hat man erreicht? Xanten, Dreyfus, Polna, Holleschau, Eger re. sind die Antwort. War nicht gerade Böhmen seit der Constitution der Herd der „großen Politik"? Und heute ist Deutschwie Czechisch-Böhmen der Herd des Antisemitismus. Aber wozu mit diesen liberalen Schmücken streiten! Wir wollen ihnen noch einmal die Wahrheit sagen und diesmal noch gründlicher. Diese Prager „Gemeindezeitnng" ist das Organ der sogenannten „deutsch-freisinnigen" Judenschaft Böhmen?. Nun hat sich eine nicht unbedeutende Anzahl von jüdischen Gemeinden Böhmens den Ezechen assimiliert. Den rein zufälligen Umstand, dass die Judenexcesse diesmal zur Abwechslung von den Czechen ausgeheu, benützt das Casinoblatt, um den Czechcn eins am Zeug zu flicken, und den Versuch zu machen, dllrch Gründung eines czechisch-jüdischen Tagblattes eine Schwächirng der czechischen Parteien und so indirect eine Stärkung der sogenannten deutsch-fortschrittlichen Partei zu bewirken. Die Herren mögen beruhigt sein. Wir wissen nicht, ob es uns gelingt, ihr schnödes Beginnen zu vereiteln. Mühe werden nur uns jedenfalls geben. Aber aus der Hut werden wir sein. Und sollten wir nur einmal den Versuch einer Deutschthümelei bemerken, daun wollen wir ihnen die Köpfe waschen, dass ihnen nur so die Haare fliegen. Wir können es, dessen mögeu sie sich überzeugt halten. Polnischer alö Pole«. Die jüdischeuReichsraths- Abgeordneten aus Galizien versuchen ihre unerhörte Nachlässigkeit und Leisetreterei rücksichlich der Vertretung jüdischer Interessen mit der Ausrede zu bemänteln, dass sie als „Volks"- Abgeordnete aus Galizien im Polen-Club sitzen müssen und daher an die Clubbeschlüsse, aus Rücksichten der Disciplin, gebunden sind. Zur Illustration dieses „Muss" diene folgende Notiz: „Die ,No\va Reforma' theilt mit, daß die Verhandlungen zwischen dem Polen-Club und den Vertretern der p o l ni sch en Volksparteien betreffs Eintrittes der letzteren in den Club gescheitert sind. Nach Abschluß der Verhandlungen übergaben nun die Abgeordneten St ap ins ki, W iako w s ki, Bojko, Krempa, Zabuda, Szponder und i£> anielak dem Abgeordneten B i l i ns kr. als Vertreter des Polen-Wubseine Erklärung folgenden Inhaltes: ,Nach den Verhandlungen mit den Vertretern des Polen-Clubs, erklären die Gefertigten, dass sie bereit gewesen wären, unter nachstehenden Bedingungen in den Club eiuzutreten: 1. Vollständige Freiheit, Interpellationen einzubringen, und das Recht, Unterschriften für dieselben auch außerhalb des Clubs zu sammeln; 2. vollständige Freiheit, Interpellationen zu unterfertigen, die von Abgeordneten eingebracht werden, welche nicht dem Club angehören; 3. vollständige Freiheit, in wirthschaftlichsocialen Fragen selbst gegen den Club das Wort zu ergreifen und zu stimmen. Die Solidarität soll nur in nationalen Angelegenheiten bindend sein/" Könnten denn unsere jüdischen Abgeordneten sich nicht ähnliche Bedingungen rücksichtlich der Vertretung rein jüdischer Interessen erkämpfen, wie die polnische Volkspartei? Was für diese sieben Abgeordneten recht ul, sollte nicht für die polnischjüdischen Abgeordneten billig sein? Zumal, wenn sie sich mit den anderen Abgeordneten vereinigen? Diese Abgeordneten mögen doch bedenken, daß sie nicht nur dem jüdischen Volke treu dienen, sondern auch ganz Oe st erreich einen Dienst erweisen würden! Jeder freiheitlich denkende Mann in Oesterreich würde ihnen für diese Schwächung des Polen-Clubs dankbar sein! Warum zögern sie, zu thun, was ihre Pflicht ist? Wollen sie wirklich warten, bis die Empörung des Volkes sie nicht nur aus dem Polen-Club, eine Kunst gibt, soll man leben." Wahrlich! Wenn Agnes Jordan ihrem Sohne nur soviel geben kann, dass er im blühendsten Jünglingsalter von solch greisenhafter Müdigkeit erfüllt ist, darin war sie nicht ganz Mittler, ihr Sieg war nur halb und ihr Ziel ist unerreicht. Mit Frühlingserwachen, Abendsonnenschetn, Clavierspiel und den citierten Worten Ludwigs schließt das Stück! Wer erinnert sich nicht an die greuliche Gefühlsduselei unserer jüdisch-decadenten Wiener Literatur, die Manche mit dem Namen einer Wiener Romantik auszustatten belieben? Hier am Schluffe hat Georg Hirsch felds Kraft versagt. Vielleicht deshalb, weil auch in i h m noch ein Theil jener ganz specifischen Decadence lebt, die dem Defect an ureigener Culturbildung der Juden entspringt, die die Judenfrage zu einer so tief complicierten Culturfrage gestalten. Agnes Jordan ist ein Stück voll starkem Talent, voll tiefer psychologischer Einsicht, an einigen Stellen voll wahrhaft bedeutender Kraft. Doch das erlösende Wort, das der Dichter, seinem Volke und damit der Menschheit spricht, hat Georg Hirschfeld noch nicht gefunden. Möglich, dass er es findet, vielleicht auch nicht. Eines hat er uns auf jeden Fall geschenkt: Er hat einer künftigen jüdischen Kunst die Bahnen ihrer Entwicklung gezeigt. Das Christenthum hat den Cultus der Jungfrau künstlerisch entwickelt und vollendet. Das neuerwachte Judenthum wird den der Mutter zeitigen. Wir müssen dankbar anerkennen, dass Georg Hirschfeld den Grundstein zu dieser Entwicklung gelegt. J. Hollitscher. 'ondern vielleicht auch von ihren Mandaten vertreiben wird? Wenn die Herren so weiter wirtschaften, wie bis jetzt, dann mögen sie sicher sein, dass es bis dahin nicht mehr allzu lange dauern wird. Zu den Judenverfolgungen. Da- „Nene Wiener Taqblatt" veröffentlicht folgende Schilderung der E x c c s s e in Wsetin. 27. October. Frau Grau s, die Gattin des völlig ailsgeplünderte» Kanfiuaunes Grans, gibt die nachfolgende Schilderung der Grenelscenen, die im Hause verübt wurden: „Als wir abends von ferne den Zuzug einer siiigenden und johlenden Menge vernahmen, schlossen wir sofort Läden und Fenster und ließen die eisernen Rollbalken herab. Nicht lange daraus flogen die ersten Steine gegen das Haus, von solchem Gewicht, dass sie durchs Fenster sausend, den Kachelofen im Zimmer zertrümmerte n, die Lampen und Möbel zerschmetterten. Plötzlich hörten wir das 5k n i r s ch e u der eisernen Rollbalken. Die Plünderer hatten sich gleich die nöthigen E i n b r u ch s w e r k z e u g e m i t g e b r a cb t und erbrachen die Rollbalken. Wir flüchteten, von Steiinvurfen verfolgt, in die .Küche, die wir eiligst velbarricadierten. Inzwischen war die Horde schon ins Gewölbe einzedrungen. Sie begnügte sich nicht mit Verwüsten und Plündern; die Leute drohten l a u t m i t M o r d, wenn sie uns e r w i s ch e n w ü r d e n. In der Angst und Verzweiflung flüchteten io i r durch das K üch e n f e n st er in den kleinen rückwärtigen Hof, nnd da tutt: anch dort kein sicheres Versteck fanden, eilteik wir, um nicht den Wahnwitzigen lebeird in die Hände zu fallen, die ganz steile Böschung, die rückwärts voll unserem Hanse zum Bache führt, hinab m»d hielten uns dort unten an der Sohle des Baches an den Weidenruthen fest, bis alles vorüber mar. Bei Tag würde jedermann Anstand nehmen, diese steile Uferböschung hinabzliklettern, wir machten beit Seg bei Nacht. Wir leben nicht etwa in einer Einöde, sondern in der lebhaften Straße einer Jndnstriestabt, rechts und lmks von Bürgern nnd Nachbarn umgeben, mit denen wir bisher in vollster Harmonie verkehrten. Nun, alle diese Nachbarn ließen uns ansranben, plündern, an Leib und Leben bedrohen, keiner rührte einen Finger, obwohl wir be» meisten von ihnen, wo wir nur konnten, Gutes und Liebes erwiesen haben . . . Als dann das Militär eingerückc und die Ruhe hergestellt war, verließen wir halbtodt unser Versteck. In welchem Zuitande fanden wir unser Heim! Im Gewölbe waren die Metfliäcke anfgeschnitten, mit Petroleum begossen, alle Waren, die nicht fortgetragerl werden konnten, wurden v e r n i ch t et, alles in kleine Stücke zerschlagen. Bor unserem Hanse sah es auf 20 Schritte aus, als ob eS geschneit hätte, sie hatten die Betten ausgeschnitten und die Federn ans oer Straße dem Winde preisgegeben. Alle Möbel, alles Geschirr zerhackt — nichts, nichts m ehr i ni Hause, kein Kleidungsstück, kein Bissen Brot, k e i n O r t, wo wir uns n i e d e r l c g e n v d e r n i e d ersetz e n konnten. Im Comptoir waren alle Geschäflsvüchcr, Briefe rc. vernichtet worden. Wir haben einige tausend Gulden Außenstände und wissen heute nicht, bei wem. Sie hatten auch versucht, die eiserne Casse zu öffiten, das war ihnen aber nicht gelungen." Die arme, unglückliche Frau konnte vor Schluchzen nicht weitersprechen. Das Leichenbegängnis der vier Erschossenen war, wie bereits nkitgetheilt, für den gestrigen Nachmittag bestinrmt. Es hatten sich zu demselben zahlreiche Menfchen eingksunden. Bor dem Friedhofe war Militär postiert. Ein Osficler verkündigte dann der Menge, dass das Leichenbegängnis noch Nicht stattfiiibeu kann, weil die gerichtliche Oboucttou der Leichen angeordnet sei. Die Leute rührten sich nicht vom Platze nnd blieben vor dem Friedhöfe angesammelt. Erst auf die energische Aufforderung des Officiers im Namen des Gesetzes, den Piatz zu räumen, giengen die Leute auseinander. Abends fand oaun bloß in Anwesenheit der nächsteil Leidtragenden das Leichenbegängnis statt." .... In dieser Woche verzeichnet die Chronik wiederum eine stattliche Reche von Jndenexcesseil. Wenn man m den Tagblüttern nur immer von ein oder zwei Orten liest, inacht das ja keinen besonderen Eindruck mehr. Mnii muss sich die Liste zusammenstellen, um zu erkennen, welch furchtbare Ausdeynung die Excesse genommen haben und wie lehr berechtigt es ist, wenn man von allgemeinen Judenverfolgungen spricht! In Klattau fand man Brandbriefe gegen dre Inden. In Czaslau wurden zwei Inden die Fenper eingeichlagen und ein Jude durch Steinwürfe an der Schläfe verwundet. In C h o tz e n und Ober-Jeleni nächtliche Beunruhigung der Juden. In H o h e n m a u t h bei drei jüdischen Familien die Fenster eingedrückt. In Neubid schow fand am 29. October ein schon a ch t u n d v i e r z i g S t u n d e n vorher a g es agt e r Exc es s um 3 U hr n ach m i t t ags st a tt, wobei eine Menge Fensterscheiben in jüdischen Häusern daraufgiengen. In Triesch wurden am 29. October allen Inden die Fenster eingeschlagen. Desgleichen in Polna am 28. October. In M ähren kam es in Nessowttz, N o z n a u, Z u b r z i und B i st r i tz zu Ausschreitungen mit der bekannten Melodie: Fensteiklirren. Angesichts dieser Thatjachen sott es Leute geben, die Oesterreich noch immer als eilten Culturstaat bezeichnen. Man wird gut thun, sich mit einem andereii Altsdrncke vertraut zu machen: O e st e r r e i ch i s ch e C i v r 1 i s a t i o n. So wte ma»t etwa von galizischer Moral spricht. * * . * Wir erhalten folgende Zuschrift: R o k i tz a n, 29. October 1899. Geehrte RedactionI In der Beantwortung der Interpellation der Abgeordneten Groß und Genossen sagte Minister von M#;• y 1

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