Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 37 (27.10.1899)
- Date
- 1899-10-27
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Wien, Freiing Jüdisches Volksblatt d7. Gel ober 1S00 beite ct Ni. / war und jctzt simgczcch sicher Antisemit ist, excedicrten in der Judenstadt und stießen Drohungen gegen die Inden ans. Bezirkshanptinanil Dr. L o s e k wurde hiervon unterrichtet; erlegte die Uniform an, begab sich zum Gendarmerieposteu, der ans vier Mann besteht, und gab ihnen den Auftrag, zu patrouillieren. Bürgermeister Po körn y wurde angewiesen, die städtische Polizei zu consignieren, die gleichfalls vier Mann stark ist. Aber die Wachmänner M a i n k a und S ch i in a n e k g i e n g e n in i t dem H a u p t a g i t a t v r K l a b n s a y in verschiedene W i r t s h ä n s e r, wo sie z e ch t e n. Während der Excesse in der Nacht von Samstag ans Sonntag w a r k e i n e r der v i e r W a ch l e ri t e i n d e r I n d e nst a d t zu sehe ». Diese Excesse begannen, indem zwei Arbeiter namens S w v b v d a, Vater und Sohn, den Polizisten der Jndengemcinde — diese verfügt nur über einen einzigen — prügelten, als er bei einer Rauferei intervenieren wollte. Am Sonntag erschienen Placate, durch tvelche die Bevölkerung anfgesordert wurde, abends gegen d i e I n d e n l o sz n g c h e u, und im Anslagefenster des Druckers 5b l a b n s a y wurde die ganze Hülsner-Literainr ansgestellt. K l a b n s a y s Leute beschäftigten sich damit, den Landleuten, die zahlreich kamen, die Ritualmordbilder zu erklären. An allen Ecken und Enden wurde gehetzt, nicht ain wenigsten im Gasthanse des Bürgermeisters Pokorny, das sonst gewöhnlich der Versammlungsort der Beamten, der Lehrer und der besser situier terr Bürger ist. Das Eiitschlagen der Fensterscheiben begann um 4 Uhr nachmittags beim Hause des Liqnenrerzengers G r ä tz e r. Der städtische Polizist Mainka, der auf einen Nimm aufmerksam gemacht wurde, welcher den ersten Stein geworfen hatte, begnügte sich damit zu erklären, er kenne den Mann, er mochte aber keine Miene, ihn festzuuehmen. Bald darauf kam, von Erwachsenen geführt, eine große Schar von Schuljungen in die Jndenstadt und begann gleichfalls mit einem S teinbonGardement; die Erwachsenen folgten dem Beispiele der Bubcn. Zwei Vertreter der Judengemeinde, welche die Gefahr erkannten, eilten zum Vezirkshanptmann und baten ihn, Militär zu requirieren. Dr. Losek erwiderte aber, er ürge dafür, dass die Ruhe und Ordnung weiter nicht gestört werden; er w ü r d e s i ch lächerlich m a ch e n, w e tt it er militärische Hilfe v erlangte. Bald nach 5 Uhr abends begannen die P l ü n d e r u n g e n. Die Gendarmerie war zu schwach, sonst hätte nicht so arg geplündert werden können. Ansgeplündert wurden: die Brantweinbrennerei Grütze r, das Spezereiwaren-Geschäft M. u. E. Batscha auf dem Ningplatze (im Local dieser Firma sind nur noch die leeren Wände zu sehen), ferner das Schauklocal der Frau VeronikaB a ts ch a, dasManufacturwareu-Geschäft von Max Beers Sohn, von dessen Lager im Werte von 30.000 fl. gar nichts übrig geblieben ist. Die Läden wurden mit Werkzeugen a n f g e s p r e n g t, und die Excedenteu benahmen sich nne Vandalen. A u ch i n P r i v a t w o h n n u g e n drangen sie ein, verübten E r p r e s s n n g e n, forderten Geld und nah m e n m i t, was ihnen in d i e H ä n d e f i e l. Viele nahmen ans den Wohnungen der Juden Bettzeug mir und zerrissen es aus der Straße, die stellenweise anssah, als ob Schnee gefallen wäre, so dicht lagen die Federn umher. Bier Stunden h i n d u r ch dauerte d i e P l ü u b e r u n g; erst durch das Erscheineu des Militärs wurde derselben Einhalt gethan. Es gibt fein Iudenh a u s i n H o l l e s ch a n, d e s s e n F e n st e r u i ch t z e v t r ü m m c r 1 f i u d. Tie Plünderer verschonten selbst ein Haus nicht, in welchem ein Todter lag; der Verstorbene, Moses G o l d, wurde heute unter militärischer Bedeckung begraben. Der Gemeindcrath Ehrlich, der Polizei-Coutmifsär der Stücke des jüdischen Thecrterrepertoires. Der Text stammt von dem talentvollen Volksdichter Abraham G o l d f a de n. Die Musik uou Emanuel Davidsoh n. Für das Kisfaludy-Theater hat sie der Dirigent des Theaters Eduard D o ri a t h umgearbeitet. Der Liedertext ist an manchen Stellen reizend, als Liederdichter ist Goldfaden fast unvergleichlich. Es kann keiner so schlicht, so ergreifend, so volksthümlich und so musikalisch sein, wie Goldfaden in seinen Liedern. Hört niau sie singen, so träumt man süß und weint zugleich. So verstehen sie die ganze große Bergangenheit des Volkes hervorzuheben, so drücken sie all seinen großen Schmerz und sein Sehnen nach dieser entschwundenen Herrlichkeit aus. Neben dem mehr historischen Hirtenliede ist das Lied der Heldin, das sie im Zustande des Wahnsinns singt (Wahnsinns-Arie), das seelenvollste unb spontischeste dieser „Oper". Für den Ethnologen ist and) der Inhalt der „Oper" von Interesse. Eine Jungfrau — Snlamith — verirrt sich ans dem Wege nach dem Elternhause in der Wüste. Sie fühlt Durst, steigt in einen Brunnen, um zu trinken, allein durch irgendeinen merkwürdigen Zufall' kann sie nicht mehr ans dem Brunnen emporsteigen. Ihre Hilferufe hört ein Jüngling (Absalom). Er eilt herbei, will sie jedoch nur dann reuen, wenn sie seine Frau zu werden verspricht. Sie verloben sich miteinander und kehren noch dann ins Elternhaus zurück. Bevor sie voneinander scheiden, schwöret! sie einander Treue. Ihr Eid muss Zeugen haben, darum rufen sie ein zufällig vorüberlausendes Wiesel (im Theaterstücke Wildkatze) und den Brunnen, an dem sie stehen, als Zeugen all. Lange unb vergeblich harrt Snlamith in ihrem Elternhause auf ihren Geliebten, sie lveist alle Bewerber ab, sie rvird am Ende wahnsinnig. (Nach den ersten Quellen dieser Erzählung simuliert sie lnrr den Wahnsinll, als ihr besorgter Vater in sie dringt, eines Mannes Weib gu werden). Absalom dagegen hat in Zion um die Harid einer anderen Schönen Judengemeinde ist, wurde heute ans die Deuimciativn, dass er ans Exccdcnten ans seinem Hause geschossen babe, verhaftet. Mittags war er noch in Haft. * * Die Holleschancr sind vorläufig nach Wien geflüchtet, lieber eine Episode bei der Ankunft solcher Flüchtlinge erzähl! ein Flüchtling: Als ich heute abends in Wien arrf dem Nordbahnhose eintraf, ries ich mehreren Holleschanern ans dem Percon zu: „Haltet Euch zusammen, damit wir uns nicht vrrlieren Zwei elegant gekleidete Herren, die neben uns gierigen, hörten das, und der eine sagte zu seinem Begleiter, ans uns zeigend : „Ja, zilsammenhalten! Erschlagen soll man das Gesindel!" Das w a r u n s e r Empfang in W i e n. * * * Bemerkenswert ist, dass auch sehr viele intelligentere Elemente sich an den Ausschreitungen betheiligt haben sollen, selbst besser gekleidete Frauen und M ädche n. Di: Gattin eines Lehrers, sowie andere Fennen, sollen der Menge, als das Bombardement ans die Fenster begann, Steine zngetragen und zn weiteren Excessen e.r munt*.* t habe u. Die Inden mussten sich theils in den B^Mmgen, theils in der jüdischen Gemeindekanzlei verstecken, um nicht der Wnth der Excedenten znm Opfer zn fallen. Als die Excedenten zn denk Hanse des Rabbiners Dr. F r e i m a n n kamen, schrieen sie: „Das Haus müssen w i r bis auf den Grund zerstöreN und alles, was darin ist, erschlagen." Man schrie nach Leitern, man wollte vom Dache ans anfangen und keinen Stein auf dem anderen lassen. Als die Situation nun außen;, äußerst kritisch zu werden, sammelten sich die wenigen Gendarmen, und es ergieng die Ausfordernng an die Menge, sich znrückznziehen. Darauf wurde die Wache verhöhilt. Als eine nochmalige Anffordernng nichts fruchtete, gaben die Gendarmen Fener. Es war ungefähr um '/,8 Uhr, in dem Momente, als man darangieng, das Hans des Rabbiners zu demolieren. Ans Gaya, Kn tten be rg. Pilsen und Krems i e r werden Ruhestörungen und Excesse gegen die Inden gerneldet. Auch ans R o k i tz a n, I n n g b n n z l a u, K l a t t a », M ü n ch e n g r ä tz, L a u n, R e i ch e n a n, Parduvi tz, A d l e r k o st e l e tz, I i c i n k. werden Excesse mit zerbrochenen Fensterscheiben der Inden gemeldet; so etwas fällt heute nicht mehr ans, da müssen schon Menschenleben draufgehen, wenn man sich darum kümmern soll. * * * Einen solchen „bemerkenswerten" Ansgang nahm (die Demonstration in Wsetin, wo am Dienstag eine Menge von 800 Menschen die Straßen durchzog unb die Fenster einzuschlagen begann. Das Einschreiten der Gendarmerie und der Localpolizei blieb der großen Masse gegenüber erfolglos, da sie sich immer wieder theilte und nen-erdinas sanimelte. Ein Pöbelhaufen zertrümmerte nicht nur zahlreiche Fensterscheiben, sondern drang sogar i n e i n z e l n e H ä « ) e r, um hier Einrichtnngsgegenstände und Hansrath zu zerstören und ans die Gasse zn schlendern. Dann zog eine Menge vor das Privathans des Josef G l e s i n g e r, aus lvelches sie ein Steinbombaräeurent eröffnete und in das sie einzndringea versuchte. Hier trat den Eindringenoen abermals die Gendarmerie entgegen, wurde jedoch verhöhnt und in i t einem Ster nb o m b a r d e in e n t überschütte t, toobei ein Gendarm am Kopse verletzt wurde. Nunmehr gab die Abtheilung eine Salve ab. Es blieben z w e i T o d t e, zwei Schwe rv e r w n ii d e t e und f ü u f z e h u Leichtverwundete auf d e in Platze. Gegen l/.zl 2 Uhr nachts wich hierauf die Menge zurück, ohne sich aber vollständig zn zerstreuen. Es wurden auch lveiterhin ans die Gendarmerie Steine geschlendert, solvie drei Schüsse abgegeben, rvahrscheinlich ans Revolvern, gefreit. Abigcnl, eine Tochter Jerusalems, geheiratet. Er verliert jedoch bald die beiden Kinder, die ihm seine Frau geschenkt, durch einen merkwürdigen Tod. Das eine wird von dem Wiesel (oder der Wildkatze) erwürgt, das andere ertrinkt im Brunnen. Er sieht darin eine göttliche Fügung, die ihn znm Nachsinnen bringt, er scheidet von seiner Frau und kehrt zu Sulamith wieder. Der Ton, der Inhalt und das Milieu dieser Erzählung sind von idyllischem Reize. Die Erzählung hat schon ihre Geschichte. Von einem Lehrer des dritten Jahrhunderts im Talmud nur kurz angedeutet, wird sie von dem Verfasser des Aruch (um 1100) ausführlich überliefert. Sie hat der neuhebräischen Literatur unseres Jahrhunderts den Stofs zu zwei Epen geliefert. Das eine rührt von Moses L a s k i her und heißt: „Die Glaubwürdigen auf Erden", das zweite von Elieser W e r b e l und trägt den Titel: „Die glaubwürdigen Zeugen" oder „Wiesel und Brunnen". Daraus schöpft auch Goldfaden den Stoff für sein Libreto. Der Inhalt dieser Erzählung ist merkwürdig und auffallend. Merkwürdig ist nämlich, dass in einer jüdischen Erzählung Wiesel unb Brunnen als Zeugen unb als Vollstrecker der göttliä)en Gereä)tigkeit verwendet werden; ausfallend ist dann, dass in einer jüdischen Agada Liebestreue so verhimmelt wird. Erotik ist selten ein agadisches Thema. Aehnliche Sagen hat nur das schönheitstrunkeue Griechenland gedichtet und gesungen. Man vergleiche z. B. die in Griechenland verbreitete Daphurssage. In ihrer ursprünglichen Form erzählt sie der sicilische Dichter Stesichorus. Der Hirte Daphnis gewinnt die Liebe einer Nymphe, sie schließt mit ihm einen Vertrag ab, dass er keiner anderen angehören dürfe. Lange bleibt Daphnis treu, bis ihn endlich die Königstochter zum Traubruche verleitet. Dafür wird er geblendet. Mir will es scheinen, dass unsere idyllische Erzählung von Wiesel und Brunnen aus diesem hellenischen Urquell geflossen ist. Es ist ja ohne dass einer der Gandarmen getroste, r wurde. Die Gendarmerie nahm Aufstellung und ließ niemand mehr zum Hanse Glesingers vor. Erst nachdem nm 'ch 1 Uhr nachts die mit dem Bezirkshauptmcurne eingetrostene Militär-Assistenz — eine halbe Compagnie Infanterie — eingerückc war. zerstreute sich die Menge vollständig. Zwei Personen wurden hierbei verhaftet. In anderen Orten, wie C z a s l a u, N a ch o d, Battvwitz rc. kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, in L e ip ni k wurde ein Tischlergehilfe verwundet. . . Und so weiter. Die Tagesblätter brachten ja die ausführlichen Berichte über die Vorkomnisse. Wozu das ganze Elend nvch einmal erzählen? Interessanter ist es, das Verhalten unserer bernfeneu Factoren zu den Excessen zu beobachten, z. B. unseres Volks Hauses! Das Gott erbarm'! Der einzige Abgeordnete D a s z y n s k i fand Worte der Entrüstung für das Vorgehen der — Behörden! Für die geplünderten, beraubten und verjagten Juden fand niemand ein Wort' Weder unsere Wiener „Volksvertreter", noch die Socialdemokraten. Dass der Jnngczeche Zazek alle Schuld der Negierung zuschob, ist verständlich; den jnngczechischeu Lakaien handelt es sich ja um Sein oder Nichtsein. Wo aber bleiben die Antworten unserer Glaubensgenossen? Wollen sie das Antlvorten den — Liberalen überlassen? * -i- Wir erhalten über die Excesse in Mähren nachstehende Zuschrift: Löbliche R e d a c t i o n! Die Judenexcesse, wie sie jetzt im Nordosteu Mährens auf der Tagesordnung stehen, scheinen in unseren Tageszeitungen nicht jene Berücksichtigung zu finden, mit der sonst Tagesereignisse breitgetreten werden, so dass Ihnen und vielleicht auch Ihrem Leserkreise ein Bericht hierüber nicht ulierwünscht kommen wird. Als im Frühjahre 1807 nach vollzogenen Neuwahlen das Parlament zulammentrat, so befürchteten die Juden Nordmährens so manche scharfe Maßregel. Als die vielbesprochenen Sprachenverordnungen von der- Regierung erlassen wurden, und die deutschen Abgeordneten sich zum Kampfe gegen die Sprachenverordnungen zu rüsten begannen, schienen sich die Gemüther der Juden unserer Gegend beruhigt zu haben; hatte es doch sogar ein Kanzelreduer öffentlich als „ein von Gott gesandtes Glück" gerühmt, dass durch den Erlass der Sprachenverordnungen die öffentliche Aufmerksamkeit von den Juden abgeleukt wurde. So hatten sich die Juden in ihrer Vogel Straußpolitik wieder einmal gefallen, wofür sie nun,' wie in den meisten ähnliä)en Fällen, büßen müssen. Die Juden, die in dem Nationälitäteukampse zwischen Deutschen und Czechen active Mitkämpfer sein wollen und sich hierbei gewöhnlich, der herrschenden Partei — diese ist bei uns derzeit noch immer die deutsche — in die Arme werfen, sind natürlich dem zweiten Volke ein Dorn im Auge. Es ist daher kein Wunder, dass die Czechen, welche die Juden nach ihrem bisherigen Verhalten als ihre Gegnerin nationaler Hinsicht hielten, diese für die Aushebung der Sprachenverorduuugeu verantwortlich machen wollen, worunter nun auch die einsichtsvolleren Inden leiden müssen, denn Czed)en als auch Deutsche haben es bei uns noch immer nicht verstehen gelernt (leider gehören derzeit auch viele Juden zu dieser Gattung), dass die Inden auch eine eigene nationale Politik betreiben können. In den meisten Städten Nordostmährens sielen die Czechen über die Juden her, demolierten und plünderten, so weit ihre Macht reichte. In Prossnitz, Prerau, Leipnik, Krasna und Meseritsch wurden zur Nachtzeit den Juden die Fenster eingeschlagen, die Fensterrahmen zerbrochen, ihr bekannt und bewiesen, dass das Judenthum durch seinen öfteren Contakl mit dem Griechenthum nicht allein von seiner Spraä)e und Weltanschauung. sondern auch von seiner Mythologie beeinflusst wurde. Freilich musste sich das Judenthum die griechische Mythologie in seinem Geiste modificieren, und gerade diese Modificalion ist für den Ethnologen am interessantesten, denn in dem Differierenden zeigt sie ihm klar und prägnant die jüdische Volksseele. Vor allem mussten alle mythologischen Halbgötter vermenschlick)t werden, das forderte die monotheistische Weltanschauung. Aus der griechischen Nymphe wird eine Jungfrau, ohne dass sie bei ihrem Verschwinden aus der jüdischen Erzählung ihre Spuren verwischt hätte. Diese Spuren sind nämlich der bezeugende und strafende Brunnen, den die Nymphe bewohnt, und das Wiesel, mit dessen Gestalt die Nymphe in der Mythologie zusammengemachsen, so dass die neugriechische Sprache das Wiesel noch heute nymphyla (vuj^ö^/.) nennt. Die jüdische rigorose Auffassung von der Gerechtigkeit und von der Ahndung der Kinder für das Vergehen der Väter (Maß gegen Maß) hat der griechischen Sage die weiteren Züge gegeben. Wiesel und Brunnen wurden durch beu Treubruch verletzt, sie müssen darum die Bestrafung übernehmen. und zwar zur anschaulicheren Warnung an den Kindern des Eibrechers. Aber arn merkwürdigsten ist die ethische Verbrämung der Erzählung. Die erotische Pointe der griechischen Sage geht verloren, die Pointe wird eine ethische. Das griechische Schöne wird zu einem ethisch Guten veredelt, aus dem v.«/.6v wird ein An die Erzählung wird in der Agada sogar eine ethische Lehre geknüpft: Wie groß sind die Vertrauensvollen. Wenn dem auf Wiesel und Brunnen Vertrauenden solche Bewährung seines Vertrauens zutheil wird, um wieviel eher den aus Gott Vertrauenden. So pflegte sich oft noch die jüdische Sage die griechische Mythologie in ihrem ethischen. Geiste zu veredeln ulld gu verreichlichen. t'im—m mm—iw