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Jüdisches Volksblatt · 1899-10-13 · 35 (13.10.1899) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
35 (13.10.1899)
Date
1899-10-13
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Si ite 4 Wien. Freitag Jüdisches Volksblatt 13. Oclober 1899 Nr. 35 wirren, ist das Streben der anständigen Presse gegenüber diesem Falle. Anch ein Versuch, das Urtheil als revisionsbedürftig darzustellen, wäre höchst übcrstüssig, da die vielen im Processverfahren vorgekommcnen Gesetzesverletzungen eine Annullierung des Urtheiles durch den Cassationshof zweifellos erscheine-l lassen. Wenn aber das „Deutsche Volksblatt" besonderen Nachdruck ans die Einstimmigkeit des Urtheiles legt und glaubt — oder sich wenigstens den Anschein gibt, zu glauben — dass diese Einstimmigkeit ein Beweis für die Richtigkeit des Urtheiles sei, so wollen wir das ehrenwerte Blatt belehren, dass die Einstimmigkeit nur beweist, dass im besten Falle alle Richter die subjective Ueberzeugung von der Schuld des Angeklagten hatten, dass aber subjektive Ueberzeugung und o b j e c t i v e Wahrheit zwei grundverschiedene Dinge sind. Nachdem wir wiederholt Inden citiert haben, wollen wir nun anch einen Arier citieren, den das „Deutsche Volksblatt" hoffentlich gelten lassen wird. Der deutsche Philosoph L e i b n i tz sagt: „Wer die Wahrheit erkennen will, darf die Stimmen nicht zählen." Die Stimmen müssen gewogen, nicht aber gezählt werden. Die subjective Ueberzeugung muss genau auf ihre Entstehungswelse geprüft werden, mau muss tvissen. v,'ie weit Leidenschaften, Stimmungen, Wünsche bei Frei- Bildung mitgewirkt haben, ehe man dieselben zur Feststellung objectiver Wahrheit heranziehen darf. Sind aber selbst feststehende, unerschütterliche U e b erz e ugu n g en nur von relativem Werte für die Auffindung der Wahrheit, um wieviel mehr gilt dies für bloße Behauptungen. Aus der Thatsache, dass Hüls »er ein Geständnis abgelegt hat, geht also nicht hervor, dass er wirklich am Morde betheiligt war, sondern höchstens nur, dass er behauptet hat, am Morde beiheiligt gewesen zu sein. Mögen nur alle, die am „Deutschen Volksblatt" Mitarbeiten, ins eigene Herz blicken und sie werden bekennen müssen, dass zwischen Behauptung und Wahrheit ein himmelweiter Unterschied besteht. Gleich die Behauptung, dass d,e Kriminalgeschiche keinen Fall kenne, dass ein Unschuldiger sich selbst des Mordes beschuldigt hätte, kann als treffendes Beispiel für das Gesagte dienen. Diese Behauptung mag vielleicht die a n t i s e m i t i s ch e Psychologie bereichern, mit der allgemein geltenden, wissenschaftlichen Psychologie steht dieselbe in crasfem Widerspruch. Statt concrete Falle anznführen,^ die in Hülle und Fülle vorhanden sind, seien einige Sätze aus Hofmanns Lehrbuch der gerichtlichen Mediciu angeführt, die das „Deutsche Volksblatt", dem ja, wie seine Hetzartikel gegen die jüdischen Aerzte beweisen, ein ganzer Stab gelehrter, speciell ärztlicher Mitarbeiter zur Seite steht, jederzeit controliereu kann.JndemgeuanuteuLehrbuche (6. Aust. Wien 1893,S. 986 u. ff. heißt es: „Besondere Vorsicht ist gegenüber spontanen Angaben von geisteskranken Personen uothwendig, durch welche sich letztere selbstbegangener Verbrechen anklagen oder andere solcher be- 'MÄgdll-,da- - solche - Fehlern der Reproductionstreue re. beruhen können." — „Ins- Hesöndere bei der sogenannten Besessenheit. Jnstructive Fälle dieser Art, wo die Betreffenden sich sogar auf den Scheiterhaufen brachten, lieferten die mittelalterlichen Hexenprocesse. S. Leubuscher, „Der Wahnsinn in den vier letzten Jahrhunderten. Halle 1848." „Eine solche Vorsicht ist auch gegenüber Kindern angezeigt, die mitunter die schwersten Anklagen gegen sich oder andere Vorbringen, ohne dass dieselben objectiv begründet wären. Die pathologische Grundlage solcher Angaben ist manchmal schwer oder gar nicht nachweisbar." „Bei Melancholischen können Selbstanrlagen anch als indirecter Selbstmordversuch Vorkommen, d. h. in der Absicht geschehen, um hingerichtet zu werden." Aus dem angeführten Buche können die Herren überhaupt nähere Belehrung schöpfen; sie können dort eine Reihe von Fällen verzeichnet finden, die Personen betreffen, welche sich selbst fälschlich des Mordes^ beschuldigten, rmd können auch erfahren, dass nicht gerade eine Geistesstörung im engeren Sinne die Voraussetzung solcher falschen Selbstbeschuldigungen bildet, sondern dass solche Fälle bei Personen., die infolge schwerer, fieberhafter Krankheiten geschwächt waren, oder in traumhaften Zuständen constatiert sind. Die wenigen Sätze und Angaben, auf die wir uns beschränkt haben, zeigen schon, dass es sich um geistig geschwächte oder von Haus aus schwache Personen handelt oder um solche, die unter schwerem Drucke stehen, ob dieser nun von anderen Personen geübt uni'b oder im eigenen Gemüthe ■— etwa in Angstzuständen wurzelt. Die Herren vom „Deutschen Volksblatt", die so tiefgehende Einsichten in das Seelenleben verrathen, dürften doch auch schon etwas von „Suggestion" gehört haben. Sie dürften also wissen, dass es möglich ist, durch Einwirken auf einen Menschen, durch „Einreden" in demselben bestimmte Gedanken wachzurufen und denselben zu bestimmten Handlungen zu veranlassen. Derartige Suggestionen gelingen umso leichter, je mehr überlegen das beeinflussende Individuum dem beeinflussten ist, je uiehr die Besonnenheit des letzteren durch Leiden aller Art, durch Sorgen, Kummer, Angst ist. DZs bekannte humoristische Gedicht von Theodor Körner Der Äerltichöpfer", in welchem dargestellt wird, wie ein Schulknabe, devauf die Frage des Pfarrers, wer die Welt erschaffen habe, Echt zu antworten weiß, endlich auf mehrfache, in drohendem Toncs erfolgte Wiederholungen der Frage in lveinendem Tone in-das Geständnis ausbricht: „Ich will's ja cestehen, ich bin's '-gewesen und will es nimmer wieder thun," fieses Gedicht enthält eine tiefe psychologische Wahrheit. Durch Einschüchterungen ist schon mancher arme Teufel dazu gebracht worden, die Urheberschaft einer That auf sich zn nehmen, von der er vielleicht kaum vonr Hörensagen etwas lvusste. Wie viel von den „Geständnissen" Hülsners zu halten ist, erhellt ans den bekannten Umständen, unter denen er sie abgelegt hat. All die angeführten Leistungen des „Deutschen Volkst-latt" werden aber übertrosfen durch das Seiltänzerstückchen, Mittels dessen es aus den Geständnissen Hülsners die Unmöglichkeit beweisen will, dass der Bruder der Ermordeten der Thäter gelvesen sei. (Nebenbei bemerkt, die Annahme, dass der Bruder der Ermordeten thatsächlich der Mörder sei, wurde vom Gerichte ebensowenig mit zwingenden Gründen ausgeschlossen, als die ' Thüterschaft des Hülsner mit zwingenden Gründen bewiesen 1 wurde.) Die Argumentation des „Deutschen Bolksblatt" besagt nichts anderes als folgendes: Wäre der Bruder thalsächlich , der Mörder, daun hätte Hülsner durch sein Geständnis eine : That von ganz unglaublicher Selbstverleugnung geübt, indem er als Jude das Verbrechen eines ihm überdies persönlich ganz ilubekauilteu Christen aus sich nahm: eine so ungeheure Selbstverleugnung hätte triftige Gründe haben müssen, und da das „Deutsche Volksblatt" solche Grüiwe nicht siudet, kann der Bruder unmöglich der Thäter sein. Das „Deutsche Volksblatt" hat also in Hülsners Seele gelesen; es weiß bestimmt, dass, wenn Hülsuer der Tsiiter nicht ist, er aus alle Fälle den wirklichen Thäter kennen muss; es hat ferner die Vorgänge in Hülsners Seele, die dem Geständnisse voransgiengen, genau beobachtet uuo gesehen, dass das Gestänouis nicht etwa der Rettungsverslkch eines von Todesangst getriebene!! und seiner klaren Veruuust beraubten, ohnehin geistig tiefstehenden Menschen gewesen sei, sondern das Ergebnis kühlen, nüchternen Nachdenkens und gsnanen Aowägens der Gründe und Gegengründe. Weil eben die Herren die Gesetze des logischen Denkens so streng befolgen, so ist es ihnen ganz unfassbar, dass ein Mensch in seiner Todesangst andere Sorgen haben könne als die peinlichst genaue Beobachtung eben dieser Gesetze. Das „Deutsche Bolksblatt" gäbe noch viel mehr Stoff zn ähnlichen Betrachtungen, und die Sache wäre sehr lustig, wenn sie nicht gar so..traurig wäre. Der Berns des Richters ist. wie wir oben sagten, ein erhabener, und es ist eines der kostbarsten Rechte der Staatsbürger, wenn sie zur Tgeilnahme an der Rechtsprechung berufen werden. Aber Recht sprechen werden sie in Wahrheit nur daun, wenn sie sich der ganzen Schwierigkeit, der ganzen sittlichen Verantwortlichkeit dieses Berufes bewusst sind; sonst üben sie die Macht, nach Belieben das Verbiet „schuldig" oder „uichtschuloig" aozugeben, aber sie sprechen kein Recht. Werden nun diejenigen unserer Mitbürger, die ihre sittlichen und rechllichen Anschauungen einzig und allein aus dem „Deutschen Volksblatt" schöpfen, imstande sein, SMjt zu sprechen? W:r bezweifeln cs. Es ist aber auch gar Berganis Sache, seine Leser sittlich und geistig zn heben. Denn dadurch erwirbt mar sich keine Häirser. Dr. K. Prag (D i e Folgen des Knttenberger Processes.) Um eines Haares Breite hätte man in Prag wiederum eine Plünderung der jüdischen Läden erlebt, wie sie noch aus den Decembertagen des Jahres 1897 in aller Erinnerung sind." Ungefähr zweihundert Mann stgxt. zog einTrnM xinhDufeUrRecruten in schwer berauschtem Zustande gröhlend und johlenv unter Belästigung der Passanten ' und Verübung von allerlei Unfug, durch ziemlich belebte Straßen der Stadt. Von der Sicherheitswache — es folgten dem immer neuen Zuwachs erhaltenden Hansen fünf Sicherheitswachmänner — in ihrem sinnlosen Treiben nicht gestört, da man „nach alter Sitte" gegen excedierende Recruten nachsichtiger zu sein pflegt, wurden sie anch immer toller in ihren Ausschreitungen. Es zeigte sich aber bald, dass Nachsicht zn einer Zeit, wo durch nationale und confessionelle Hetzereien der Pöbel der Straße ohnehin übermäßig aufgeregt ist, einen schweren Fehler bildet. Auf dem Ringplatz: ertönten plötzlich laute Rufe: „Gehen wir auf die Juden!" Sofort schwenkte der ganze Zug, der durch die bekannten unsauberen Elemente, einer besonderen Prager Specialität, verstärkt worden war, in die naheliegende Jndenstadt, und bald war in der Goldenen Gasse, woselbst hauptsächlich die jüdischen Trödler ihre Geschäfte besitzen, ein ohrenbetäubendes Geheul zn hören. Die meisten Besitzer schlossen, von Angst erfüllt, rasch ihre Läden, und denen dies nicht rasch genug gelang, waren dem Anstürme der Trunkenbolde ausgesetzt und wurden von ihnen unter Beschimpfungen und Ausrufen: „Ihr Hülsners! Ihr müsst alle hin werden! Erschlagt sie!" misshandelt. Bald wirbelten Kleider, Stiefel, Hüte, wie sie die Trödler vor ihren Läden anfzuhängen pflegen, in der Lust herunl, ein Stuhl wurde ans einem Laden hervorgeholt und zertrümmert. Die bedrohliche Situation zwang auch die Leute in den Nachbarstraßen, ihre Häuser und Geschäfte zn schließen. Endlich kam im Laufschritt Wache herbeigeeilt, der es nur mit aller Energie, durch Säbelhiebe und Faustschläge, sowie Arretierungen gelang, die sich wie toll geberdenden Leute aus der engen Gasse herauszndrängen. Nur diesen: Umstande ist es zn danken, wenn die bedrohten Inden mit dem Schrecken und verhältnismäßig geringem Schaden davonkamen. — Wie der durch die c z e ch i s ch e P r e s s e g e n ä h r t e A n t i s e m i t i smus immer weitere Kreise zieht und einen großen Theil der czechischen Jugend ergreift, zeigt folgender Vorfall. Einem Händler mit ausländischen Briefmarken, namens Max H e l l e r, der neben dem czechischen Gymnasium etabliert ist, wurden unter den: neuesten Schlachtrufe: „Pojd’mo na Hilsnera“ (Gehen wir gegen Hülsner) die Fenster seiner Anslagekasten zertrümmert, und nur durch rasches Absperren der Laden war es ihm möglich, sich von den weiteren Wirkungen der Bethütignng edler Gefühle dieser „Blüte der Nation" zu schützen. Wohl wurde dem Kanfmanne durch einen Burschen, den er als Thäter erkannte, der Schaden ersetzt — doch erst später eonstatierte Herr Helle r, dass ihn: anch mehrere wertvolle Briefmarken von diesem jugendlichen Helden entwendet wurden. Prag. (Apres le dal.) Das Pack, das sich vertragen hat, schlägt sich wieder. Die einstimmige, wenn auch nicht einsprachige Stellungnahme der czechischen und deutschen Antisemiten anlässlich der Pol'naer Affaire hat nur die Vernrtheilung Hülsners, nicht aber die endgiltige Erledigung der Angelegenheit erlvarten können, und die „Närodrü Listy“ beeilen sich, ihren todfeindlichen Alliierten den schuldigen Dank für die neidlose Bnndesgenvssenschaft ansznsprechen. „Als die czechischen Geschworenen," so schreibt das Blatt der Nitnalmord-Gedankenlosigkeiten, „in Kattenberg den Inden Leopold Hülsner wegen Mordes zum Tode durch den Strang vernrtheilten, da nannten uns die deutschen Judenfresser sofort geliebte Brüser, Helden der Intelligenz und Wahrheitsliebe, Beschützer der arischen Rasse, und fanden auf einmal, daß die Risse, die sie früher nur mit einem nurpinen Haaschiere verglichen, bildschöne Mädchen zeuge. Es genügte die Vernrtheilung eines Inden, dass wir in die deutsche Walhalla ausgenommen werden. Selbstverständlich stehen wir nicht im geringsten um diese problematische Ehre. W:r constatieren dies nur ans den: Grunde, damit klar weroe, über was für einen Fonds politischer Ehre und Consequenz der deutsche Antisemitismus disponiert." Das ist so ziemlich wahr und schön ansgedrückt. Es fehlt nur noch, dass jetz: anch die deutschen Antisemiten ebenso off:it ihre Meinung über ihre czechischen gelegentlichen Kampfgenossen anssprechen, damit alle bisher befangeueil Zuschauer durch den nach einer einfachen Sabtraction zwischen den beiderseitigen Anklagen der feindlichen Brüder übrigbleibenden Rest zum objeetiven Schlüsse gelangen, dass anch die zur Berurtheilnug eines Mensch::: und Verleumdung seiner zahlreichen Religionsgenossen anfgewendeten Hilfsmittel ans ebenso lauteren Quellen stammen. Brünn. Die „Moravska Orlice“ meldet ans Prag, dass für das nächste erledigte Reichsrathsmandat Dr. Baxa, der Führer der radical-nationalen Partei, candidieren werde, und dass die übrigen Parteien ihn: keinen Gegencandidaten gegennberstellen wollen, damit alle czechischen Parteien im Reichsrath: vertreten seien. Dr. Bara hat zur Complettiernng des österreichischen Parlamentes noch gefehlt. Pilsen. (Nachträgliches zn den antisemitischen Hetzen.) Ueber den sonntägigen Excess in Pilsen wird von dvrtner gemeldet, dass nachmittags acht israelitische Schüler der deutschen Haiwelsschule im Parke des Verguüguugsortes Lochotin bei Pilsen von etwa füinzehu jungen Leuten, dem Anscheine nach Mittelschülern, mit Stöcke: unter antisemitischen Ansrufen verfolgt wurden. Als die Handelsschüler den Verfolgern auszuweichen versuchten, riesen letztere mittelst Sigwls noch circa zwanzig Burschen herbei. Die Handelsschüler, die die Flucht ergriffe,:, wurden mit Steinen beworfen, einer derselben blutig verletzt und, angeblich noch am Boden liegend geschlagen. Ctrrlsbad. (Antisemitisches.) Wie weit die Carlsbader ihre Cnrgäste zn schätzen wissen, von denen doch die gesummte Bevölkerung lebt, zeigt folgender Auszug ans dem „Carlsbader B.adeblatt" : „En: großes Pins von Cnrgästen gegen das Vorjahr sandte uns Galizien. V.erhnndert gelockte Kaftanträger mehr als im Vorjahre, eine gewiss respeetable Fcegnenzsteigernng pro Saison! Hierbei ist jenes Contingent nicht mitgerechnet, das sich in den Vororten niederlässt, um der Bezahlung der Cnrtaxe ans dem Weg; zn gehen. Speciell über diesen Freqnrnzzuwachs dürfte nun getheilte Freude herrschen, denn wenn diese'Sorte Cnrgäste durch die Verordnungen des Stadtrgthes auch-hinsichtlich-Reinlichkeit strenge beaufsichtigt wird, so haben sich in den letzten Jahren'anZEdiesen anfänglichen galizianischen I Cnrgästen sehr raffinierte Geschäftsleute entpuppt, die mit ihrem! Eier-, Geflügel- und Weinhandel den hiesigen Geschäftsleuten! empfindliche Concnrrenz machen." Unseres Wissens ist es weder! curnoch gesetzwidrig, derartigen Handel in Carlsbad zn treiben, das „C. B." sollte sich also schon stichhältigere Vorwürfe anssuchen, als es da findet. Krakau. Unser Pressgesetz bietet anerkanntermaßen übereifrigen Auslegern leider zu oft Gelegenheit, die Presse unnöthig zn chicanieren und jede freie Meinungsäußerung zu verunmöglichen. So räthselhaft anch oft das überstramme Vorgehen der Staatsanwaltschaft erscheinen mag, für ihre Duldung strasgesetzwidriger Hetzereien finden wir noch weniger Verständnis. Die mindestens geschmacklosen Anffordernngen: „Kauft nur bei Christen" rc. können ja dem Richter keinen Anlass zum Amts- Handeln bieten, wenn aber ein Blatt wie die „Obrona ludii“ in schmntzstarrender Schreibweise eine ganze Classe von Mitbürgern in ihrer Ehre kränkende und in ihrer wirthschaftlichen Position arg gefährdende verleumderische Connnentare daran knüpft, dann sollten die zuständigen Behörden denn doch für die ihnen obliegende Reinigung nach Gebür sorgen. Ist derartige Ansdrucksweise nach galizischer Rechtspraxis gestattet? In Oesterreich ist es wenigstens für die anderen Kronländer! vom Gesetze verboten, derartige unbegründete Anklagen unter! den leichtgläubigen Lesern zn verbreiten. „Obrona Indu“ schreibt! wörtlich: „Warum wir immer anfforderu: Kauft nicht bei Jude»!! Deshalb, weil erstens der schwer erworbene Groschen in jüdische»! Taschen verschwindet. Und wenn er sich dort befindet, ist er ver! fallen, selbst mit den Zähnen bringt ihn niemand mehr heran« Dann deshalb, dass es doch besser ist, wenn unser Bruder un» christlicher Nächster ein Stückchen Brot von uns bekommt, al» der Gegner. Kein Vernünftiger wird doch eine Natter nähre»! damit sie ihn nachher beißt. Weiters rufen wir deshalb: Kau» nicht bei Inden, weil fast jeder jüdische Kaufmann den Christel« betrügt. So schreibt man uns z. B. ans Chrzanow, dass di» Inden in die Kleie Gips, Asche, gemahlene Sägespäne u. s. UM mischen. Wem: man solche Kleie den Schweinen zu fressen gib» müssen sie krank werden. Deshalb dürfen wir nicht bei Jude« kanfen. Wir fordern anch unaufhörlich auf: Trinkt keine:: Schnap! beim Inden, trinkt kein Bier beim Inden — Weshalb? Weil wir wissen, dass Schnaps und Bier der Juden mit Kal« Pottasche und anderen Giften gefälscht sind. Weil wir wisse« dass die Inden ihre kranken Füße i>: Schnaps baden und diese! Schnaps dann den Katholiken verkaufen, weil wir Beweise habe! dass die Inden in das Bier spucken und es dann den „Gojii«! zu trinken geben. Wenn Euch also solches Bier schmeckt -! so trinkt es — aber wir lassen nicht ab zn rufen: trinkt nich! bei Inden, esst nichts bei Inden, kaust nichts bei Juden! -w Mit solchen Mitteln ans das leichtgläubige Volk zn wirken, i! doch nicht erlaubt. Di e Inden, die hier alle in einen To! geworfen werden, sollten sich gegen derartige, vor Gericht «! für die Gesammtheit der Kanflente zn beweisende Anwür! energisch wehren. Es bedarf eben einer Organisation, die si! dainit befasst. I

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