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Jüdisches Volksblatt · 1899-10-13 · 35 (13.10.1899) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
35 (13.10.1899)
Date
1899-10-13
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 13. October 1809 Nr. 35 Srite 2 r-‘. Anblick, sagt der Redner, müsse jedem gläubigen Christen das Bewusstsein der Schändlichkeit des Blntritualmärchens, seine Unwahrheit und Niedertracht aufdämmern — da er den Stifter seiner Religion an dem Sedertische sieht. Doch nicht das Zeugnis non so vielen Päpsten und Kirchenfürsten möge angeführt werden, die Bibel und die Thora, jene unsterblichen Werke hohen Geistes und ivahrer Sittlichkeit, welche wir Inden der ganzen Welt geschenkt haben, verbieten nicht nur den Mord unter allen Umständen, sie kennen auch nicht den Mord als Mittel, das durch den Zweck geheiligt wird, und diese Bücher gebieten auch, den Mörder stets nnnachsichtlich zu verfolgen und auf das Strengste zu bestrafen. Wenn nnn von unseren Gegnern der Talmud als die Sittenlehre derJnden bezeichnet und gesagt wird, der Talmud gebiete den Gebrauch von Christenblut zu religiösen Zwecken, so können wir ganz beruhigt die Beweise für diese Behauptungen erwarten: —■ die Gegner können dieselben nicht erbringen, da sie dieselben nicht im Talmud vorfinden, und nur Unkenntnis des Talmud kann solche freche Lügen zeitigen. Der Redner verweist diesbezüglich auf mehrere Stellen im Talmud unter Citiernng derselben. Die Absicht der Gegner, deren Wühlen und Treiben stets mit stiller Duldung, oft auch mit günstigen Augen betrachtet wurde, war bisher verschleiert — nun tritt ihr Endziel klar zutage: Der Kamps gegen die Ehre der jüdischen Religion, gegen deren Reinheit und Erhabenheit. Dass es soweit kommen konnte, dass unsere Gegner sich an unserem Heiligsten zu vergreifen wagen durften, dass dies ungestraft geschah, daran tragen die Inden auch einen Theil der Schuld nach dem Grundsätze: Qm Uicel — eonsenlire vieletur! Der Redner schloss mit den Worten: „Ern Blutritnale zu beweisen, ist unmöglich, dagegen steht der Schwur von Rabbinen, vor denen man Achtung haben muss, dass das Blutritnale vom Gesetze nie befohlen wurde, nie geübt wurde und von den Inden in ihrer Gesammtheit, in ihren Sccten, in ihren Familien oder von einzelnen nie befohlen und geübt wi rd. Der Kampf wird uns nnn ausgedrungen; wir nehmen ihn ans, denn er ist ein Kampf um das Recht, um Gerechtigkeit und um die Wahrheit." (Stürmischer, minutenlanger Beifall und Hochrufe.) — Nachdem sich die lebhafte Zustimmung der Versammlnngstheilnehmer zu den glänzenden, mit edlem Pathos vorgetragenen Ausführungen des Herrn Rabbiners Dr. B a ch1 gelegt hatte, erlheilte der Vorsitzende dem zweiten Referenten, Herrn Richard R a p p a p o r t, das Wort. Herr Rapp a Port (lebhaft begrüßt) besprach zunächst den Gegenstand des Prvcesfes in Kattenberg. Anschließend an die von einem antisemitischen Blatte aufgeworfene Frage, warum, wenn ein Christ des Todes schuldig erkannt wurde, sich niemals noch ein hoher kirchlicher Würdenträger zu seiner Bertheidignng gefunden habe, während die gesummte Jadenschaft heißt, „ans Dienstesrücksichten" versetzt, wobei erwähnt werden muss, dass das „Deutsche Volksblatt" (Pfui-Rnfe) schon vorher Berichte aus Polna gebracht hatte, in denen angegeben wurde, dass dieser Untersuchungsrichter ein Jude oder Judensöldling sei. (Entrüstungs-Rufe.) War dies schon vor dem Processe der Fall, so kamen diese Merkwürdigkeiten bei dem Processe selbst klar znm Ausdrucke. Zwei Medicinae-Doctores sollten als Sachverständige fungieren. Es geschah etwas noch nie Dagewesenes! Die beiden Herren gaben ein von ihrer Wissenschaft total abgehendes Urtheil ab, und als der eine der Herren vom Präsi deuten befragt und vom Vertheidiger in die Enge getrieben lvnrde, musste er z n g e b e n, dass er für sein Gutachten keinen m e d i c i n i s ch e n Grund habe, er gebe dasselbe als Privatmann ab. (Ent rüstnngs-Rnfe.) Nichtsdestoweniger aber berief sich der Staats anwalt zu wiederholtenmalen auf diese „Sachverständigen Urtheile". Und null ist wohl die Frage gestattet, ob sich dies irgendwo schon ereignet hat? (Lebhafte Bewegung.) Und nun erst der Vertreter der Privatbetheiligten! (Stürmische, wiederholte Pfui-Rnfe!) Dieser Mann hatte nach der Processordnung nur das Recht, den etwaigen Schaden, welche die Mutter durch den Tod der Tochter erlitten, geltend zu machen und dessen Ersatz gerichtsordnnngsmäßig zu begehren. Ich will nicht untersuchen, ob in diesem Falle die Mutter überhaupt eiiwn Schaden erlitten hatte — es genüge, darauf hinznweisen, dass der Vertheidiger nichts davon sprach, dafür aber, trotzdem dies in der Processordniliig getviss nicht enthalten ist, eine wahre Anklagerede gegen die Juden hielt, eine Brandrede, in der er bas Blutritnale in hinterlistiger Form als bestehend hinstellte, undwelche die schwersten Verleumdungen gegen eine anerkannte Religivnsgenossenschaft enthielt. (Stürmische Entrüstungs-Rufe.) Dies alles war ihm gestattet, obgleich der Präsident Einhalt gebieten konnte, ja musste! (Bravo-Rufe.) Es wurden auch viele Zeugen vernommen. Von diesen Zeugen wurden A tl gaben gemacht, die einander tv i d e r s p r a ch e n (Sehr richtig!) sowohl iit der Angabe der Zeit, als auch des Ortes und der Kleidung des H ü l s n e r. Warn m h a t der S t a a t s a n w a l t gegen d i e j e n i g e n Z e u g e n, die einander w i d e r s p r o ch e n h a b e n, nicht die Untersuchung e i n g e l e i t e t? Freilich, wenn man weiß, in welcher Weise, mit welchem Terrorismus diese Leute schon lange vorher bearbeitet worden waren, wie kein Mittel unversucht gelassen wurde, den Leuten den Glauben an dasBlntritnale beiznbriilgen, wird man auch begreifen, dass sich die Ritnalmord bis zur Wirklichkeit entwickelte Vorstellung an den Ein Beispiel möge hier erwähnt werden. Das „Deutsche Volksblatt" — in diesem Falle ein gewiss unverdächtiger Zeuge — brachte die Mittheilung, dass eine Zeugin, welche ihrem Eide und Gewissen gemäß die Wahrheit anssagt, bei einem mF>erLlffaire Hülsner gegen das Nrtheil protestiere, ver- Gange ans den Friedhof uoit der Bevölkerung verhöhnt und wies der Redner auf die vielen M e r k w ü r d i g k e i t e n der P r o c e s s f n h r u n g gegen Leopold H n l s n e r. Sofort nach Bekannttverden der Unthat wurde von gewisser Seite der Verdacht gegen die Inden und specicll gegen Leopold Hülsner gelenkt. Gewirkt hat die Sache allerdings, denn am gleichen Tage wurden bei beit Inden tri Polna siebzig F e n st e rscheiben e i n g e s ch l a g e n. Die Erzählung hatte rasch Verbreitung gesunden. und bald bezeichnete man den Leopold «y ui 0it er als den Thater, uno er wurde «wyupet: dock) oaj sich keine wie immer gearteten Verdachtsmomente ergaben, wurde er wieder sreigelassen. Unter Vorweisung der „D rutschen Zeit» n g" vom 14. April d. I. cllievt Redner einen Brief, der von einen'. Polnaer Manne in diesem Blatte veröffentlicht wurde und an den Abgeordneten Ernst Schneider (stürmische Pfui-Rnfe) gerichtet war. In diesem Briese wurde gesagt, dass jedermann im Orte den Mörder der H r u z a genau kenne, dass man sogar wisse, wie die Thar geschah und zu welchem Zwecke sie geschehen musste. Ferner wurde vcr Abgeordnete Schneider ersucht, diese Angelegenheit zur Kenntnis des Justizrninisters zu bringen. Was geschah nnn? D i e B e v ö l t e r n n g von Polna, durch eine wahnsinnige Agitation, durch Broschüren, Bilder rc. in ihrem Hasse gegen die Inden bis zürn Parvxysmirs verhetzt, verlangte die Verhaftung d e s H iit Sn ex, n n d diese erfolgte t h a t s ä ch l i ch. Jener U n t e r s u ch nngsrichte r, welcher die Voruntersuchung gegen Hülsner geführt und dessen Enthaftung mangels tbatsächlicher Beweise verfügte, wurde, tvie es tut Amtsstile Verzweifelt passierte Moses die Straßen der Stadt, und ein neuer Gedanke tauchte in ihm auf. „Mit nr einem Lehrerpo st e n habe ich sie scholl geprüft. Ich versuche es noch mit der Thora". Gegen Abend hielt der Vorstand eine Sitzung ab und Moses begab sich hin. „Hochgeehrter israelitischer Enltnsvorstand!" tucubete er sich zu den Versammelten. , Ich wollte Eueren Mildern Religionsunterricht ertheilen. Ihr wolltet es nicht. Nunmehr bitte ich Euch, Ihr sollt die Thora als Religionsbnch für die Schulen acceptieren". Bei diesen Worten legte Moses die Thora aus den Sitzungstisch nieder. „Das können wir durchaus nicht!" riefen alle einstimmig ans. „Ans vielen Ursachen können wir daS nicht. Erstens ist die Thora viel zu groß, zuviel enthaltend. Zweitens ist sie nicht methodisch abgefasst, nicht pädagogisch. Drittens ist sie hebräisch geschrieben, in einer Sprache, welche Uni' nicht verstehen. — Nein Moses! Das Buch können wir nicht als Religivnsbllch für Schulen einführen". ^diese Nachricht mit den Worten : frage Sie nun, ist diese Stimme die Stimme ans diese l Gottes, wenn die Zeise gewährleistet beschimpft wurde, und schloss Fox populi, vox dei! Ich des Volkes auch thatsüchlich Freiheit der Zeugenaussage worden war?! (Beifall.) Was wollen wir Inden Wenn der Hülsner schuldig ist, dann.^ «,m - ln ^-ugeS wir wollen nicht, dass aus einer R e ch t s s a ch e eine N e ch t sf o nt ü b i c werde! (Stürmischer Beifall.) Aber die Herren, also? ist, W i r;L w o l l en. Recht! die über die Vernrtheilung frohlocken, jubeln zu früh. Auch ein Radical-Dentscher wäre vor' cz ech i scheu Geschworenen ebenso verurtheilt, worden wie der Jude Hülsner. Diese Rechtsprechung ist wie ein zweischneidiges Schlvert. Denn was denr Inden Hülsner vor czechischen Geschworenen geschehen ist, kann auch dem Deutschen vor C z e ch e ll, 0t u t h e n e u vor Pole n, 0t u m ä n e n vor 3t n t y e n e n und urngekehrt :sch ehen. Wenn es aber mit der Rechtsprechung, mit der Gerechtigkeit schon so weit gekommen ist, dass nationale und confcssionelle Momente sie bestirrunen, dann fällt das Letzte, was bisher hochgehalten lvnrde iu diesem Staate — d n u u fällt b i c Gerechtigke it! (Stürmischer Beifall und Händeklatschen.) Ein dentschnational-antisemitisches Blatt meinte, nur Jlldeu halten uns auf den Standpunkt stellen sollen, dass nur eine S e c t e unter den Inden das Blutritnale übe, irgendeine Seele, init der tutr nichts zu thnn habell wollen. iKioffpirfit lnÄre <** wirklick, fiii: den Molllent Ullser Bvrtheil ge- Darik! wir vielleicht wäre es tvirklich für beu ORoment ullser wesen, diese Lüge vorznbringen, aber, Gott sei sind einer solchen Gemeinheit unfähig; daS ist nicht jüdische Otrt! (Stürmischer Beifall lind Händeklatschen.) Redner bespricht sodann die VerdachtSmoinente gegen Johann Hrnza, die in Mit Wind und Sturm flog Moses zurück in den Himmel. Verzagt und entrüstet zugleich berichtete er den Propheten ch „Höret und staunet! Man lehrt dort m eine Religion. Und i ch kann dort kein Neligivnslehrer sein, und meine Thor a kein Rrligionsbuch!" h- A. verschiedenen Zeitschriften erwähnt winden oder bei dem Processe vorgekvmmen sind, und schließt folgenderniaßcn : Wenn uns der Fall voll Polna eine Lehre sein soll, so sei er es Nlls nach der Richtung, dass wir dem Beispiele folgen, das lins die Soeialdemokratie d n x ch d i e Organisationen zeigt. In einer jüdischen Versammlung, die vor zwei Wochen iil Wien stattfaild, bat ein jüdischer Arbeiter die Frage aufgeworfen, warum die Juden bei solchen Gelegenheiten nicht M a s s e n - B e r s a m in l ll ll g e n i n a l l e n Bezirken Wiens veranstalten. Meine Damen unb meine Herren! Es ist die alte Erzählung voll den sieben Stäben, die vereinzelt schwach, gebunden und geeinigt aber stark unb mächtig sind, in Ihrer aller Erinnerung. Handeln wir darnach! O r g an i s i e r e n tu t r u n s als Juden, als jüdisches Volk, dann s i ll d wir geeinigt, e i n F a e t o r, den m a ll ll i ch t ü b e r g e h e li u ti b behandeln darf iu i e bist) er, dann k ö n n e n wir de iu A it st u r m b e x Feillde d e S jüdischen Volkes Widerstand l e i st e n, d a s i st f ü r ll n s d i e Lehre von Polna. (Lauganhaltender, stets sich erneuernder Beifall unb Hochrufe.) Sodann verlas Herr Dr. Arnold Ascher die unten folgende Resolution, indem er beantragte, ans Gründen der Solidarität die gleicheEntschließnng z u f a s s e u, wiedieMonstre- Bersammlnng im großen Mnsikvereinssaale. Unter lebhaftem Beifalle gelangte diese Resolution zur e i nst i nr nr i g e n A »nah m e. Anschließend hieran, theilte Herr Fuchs-Jelensky mit, daß er heute wichtige M i t t h e i l u n g e n von einer Pörsenlichkeit, die in Böhmen einen klangvollen Namen hat, erhalten habe, die er Vorläufig geheim zn halten versprächen habe, das eine könlie er s a g e n, d a s s die Sache bald v o l l st ä n d i g e n t h ü l l t sein w e r d e. Wir sind, sagt Redner, bisher ruhig geblieben, werden ruhig bleiben und auch den weiteren Gang des Proeesses ruhig abwarten. (Stürmischer Beifall.) Der Vorsitzende, Herr Präs. E l t b o g e n, gab sodann bekannt, dass zahlreiche Begrüßungstelegramme von Gemeinden und Privaten eiltgelanfen seien, von deren Verlesung er aber mit Rücksicht mtf die übergroße Anzahl Abstand nehmen müsse. Schließlich theilte der Vorsitzende noch mit, dass in der gleichen Angelegenheit vom „Jüdischen Volks verein" eine Versammlung in B r ü n n am Donnerstag stattfiitdet, und schloss die Versammlung, indem er den Anwesenden für ihre zahlreiche ihr Interesse an dem Gehörten herzlichsten Betheiligung und Dank anssprach. dass der eine Verkann man trotz ihres Verschiedene Blätter brachten die Nachricht, „P o l i t i s ch e Volksverein" im „Hotel Continental" iammlnng abgehalten hat. Den Wiener Blätteril wiche Verwechslungen nicht übelnehmen; sie) sind, reichen Personalbestandes, infolge ihrer dentschnativilaleil Allüren verhalten, das Wörtleiu „jüdisch" öfters als unbedingt nöthig zu drucken. Dass aber das Blatt des Dr. B l v ch denselben Fehler macht, ist auffallend. Kennt Herr Dr. Bloch den Unterschied nicht, kennt er den Obmann des ..Politischen Volks- Verein" nicht genau? Oder spielt hier ein ganz klein wenig Niedertracht mit? Eine Antwort wäre uns recht erwünscht. * Mc Das „Deutsche Volksblatt" rempelt heute in unflätiger Weise Herrn Rappaport an und insinuiert ihm, dass er den Rückzug antrete. Herr Rappaport ist verreist und wir' siild nicht berufen, in seinem Ohmen zu.sprechen. So viel aber glauben wir dem „D. B." sagen zu dürfen, dass Herr Nappaport kein Jota von seinen Aenßerungen znrücknehinen und sich sowohl der gestärkten Hemdbrust des Herrn Gcegorig stellen wird, wie jeden! sonstigen Strizzi, den das „D. B." gegen ihn ins Feld stellen sollte. Die Proteftversammlnng rm großen veremssaale. Der Bice-Präses der Cnltusgemeinde, Herr Gemeinderath Dr. Alfred Stern, begrüßte die Erschienenen, besprach anknüpfend an den Protest des Wiener Cnltnsvorstandes und des Rabbmats den Gegenstand der heutigen Versammlung. Sodann ertheilte der Vorsitzende dem Oberrabbiner Dr. Gnvemann daS Wort, der vorerst das Märchen vom Blutgebranche der Inden gründlich widerlegte und dann fortftchr: „ES ist unendlich traurig für uns, aber auch für den dermaliaerr-S1g,id-j)'el:''Hmnäntt'ät und Sittlichkeit, dass außerhalb unserer Glanbensgcnossenschaft sich niemand gefunden hat, der dieser infamsten antisemitischen Beschuldigung ans freien Stücken entgegengetreten ist. Ich hätte gemeint, dass ein hoher Geistlicher oder ein Kirchenfürst, wie es ja früher vorgekommen ist, sich bewogen gefunden hätte, das christliche Volk über die Grundlosigkeit dieser Beschuldigung zu belehren. Indem man uns den Ritnalmord zuschreibt, vergießt man thatsächlich unser Blut, wogegen wohl der eine oder andere einflussreiche christliche Geistliche hätte einschreiten können und sollen, und wenn ich auch zu ihrer Entschttldigung annehme, dass ihnen die Furcht vor dem Heerbann des Antisemitismus zu vorsichtigem Schweigen Veranlassung gegeben bat, so gibt es ja genug unabhängige Christen von Intelligenz und Ansehen, die wohl für uns hätten Zeugnis abtegen können, zumal ja viele von ihnen in jüdischen Häusern verkehren und da? jüdische Leben keimen. Hellte sind wir auf uns selber angewiesen. W i r werden es a n ch allein mit d e n A n t i s e m i t e n a n s n e h m e n. Sie wollen die Blntlüge galvanisieren, aber sie galvanisieren uns. Indem sie an unseren Lebensnerv rühren, an unsere Religion, Offenen! sie mir unseren Eifer und afenteit Entschluss, tute ein Manu für unsere Religion und unser Recht einznstehen. Gestalten von solcher Größe. Ueberzengnngstrene und Opfermnth, an denen auch die Christen sich erbauen, hat das Jndenthnm anfzuweisen. Was aber hat der Antisemitismus anfzuweisen? Er ist die Düngerstätte, wo, tvie der vorliegende Fall zeigt, veraltete und verrottete Vornrtheile ausgcgraben werden und deren giftiger Hauch die Luft wie die Gesinnung verpestet. H n r r e n w t r bat) e r tu n 1 h t g n n s in der W a h r u n g n n s e r e r 0t e ch t e u n d in der tl'. a it uf) aste n Ä e r l h e i d i g n n g n n s e r e r 0i e l i g i v u, s o w erde n tv i r d n r ch diesen Kampf, b c it m a ii u n s allein überlass t, n i ch t bloß it u s, s v u d c v it a it ch d c r W a hrheit d i e ll cu, b i c kein jüdis ch e s u n b keil! christlich es Gepräge trägt, sondern nach dem s ch ö n e n Worte unserer Weisen d a s ,S i e g e l Gott e s^ i st." Otachdenl sich der stürmische Beifall, tvelchcr der mit Würde und doch mit Eindringlichkeit gehaltenen Otede Doetvr Güdemanns folgte, gelegt hatte, ergriff der Hof- und GerichtSadvvcat Herr Dr. Heinrich Sieger das Wort, um in glänzender Otede den Knttenbnrger Process vom juristischen und politischen Standpunkte zu beleuchten. Otach den glänzend begründeten Zurückweisungen der gegen die Inden erhobenen Ailschnldigiüigeu wendet sich Dr. Sieger gegen den schrankenlosen Terrorismus, der alle Gebiete des öffentlichen Lebens unheilvoll beeinslnsst. „Wir leben im Zeitalter der Judettverfolgnugen," sagte dann Dr. Sieger. „Ist es denn nicht eine Judenverfolgung, wenn gemeinnützigen Humanitären Anstalten und Vereinen die Subvention versagt wird, weil sie nicht jndenrein sind, wenn .

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