Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 34 (6.10.1899)
- Date
- 1899-10-06
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 6. October 1809 Nr. 34 dtagy-Süros ein bedauerlicher Vorfall. Nach herkömmlichem Brauche bitte auch der Jude Salomou Freireich eilte Laubhütte errichtet. Ein Bauer namens Karl Sarosi riss mit Hitt'e dreier anderer Individuen die Hütte nieder. Die Tbater u'urden wegen Vergehens gegen die freie Religionsausübung unter Anklage gestellt. Ausland Berlin. IN e u e s a u s P a l ä st i u a.) Ten Mittheiluugerr und Nachrichten des Deutschen Palästinavereines cntueburen wir: Der Reisende L. Bauer erzählt von seiner Reise in der P h i l i st e r e b e n e: Ueberraschend aber doch wobtthuend berührt wird das Auge des Reisenden in erster Linie b'urch die vielen I n d e n c o l o n i e n, die von einem mit sedem Jahr sich erweiternden Kranze grüner Weinberge, dunkler Oraugengärten und anderer Anpflanzungen umgeben sind. Ter Anblick der im Sonnenglanze hingebreiteten grünen Ebenen und welligen Hügel, ans deren Mitte die weißen, meist soliden Häuser sich abheben, ist eine wahre Augenweide. An einer anderen Stelle erzählt derselbe Reisende: „Das Reusen in der Ebene ist heutzutage nicht mehr so unsicher wie früher. Tie Beduinen haben an Reichthnm, Macht und Selbstständigkeit verloren. Früher, so sagte man uns, wagte niemand sich bei .'.ach: von er-ramle ans in das Gebiet der Beduinen sich zu begeben. Heute ist das anders geworden. Schreiber dieses hat voriges Jahr, als ihn von Gaza und Askalon komrnend, die Nacht überraschte, ohne irgendwelchen Unfall die Nacht aus freiem Felde, indem er das Pferd an den Arm band, angebracht. Die rastlos fortschreitende Cnltur bringt auch in diese Ebene neue Lebensformen und lässt alte Sitten und Gewohnheiten anssterben!" Lvttdoir. (Ein Jude in der R e t t n n g s m a n ns ch a f > Einem jüdischen Besucher von Teigemouty in Devonshire siel dort im Verzeichnis der Mannschaft des Rettungsbootes der jüdische Name Samuel dt a t h a n auf. Er erkundigte sich näher und erfuhr, d a s s s ch v n der B ater dieses Natt,an Mitglied der Rettungsmannschaft gewesen sei. Ter ältere Nathan hat als Matrose ans dem englischen Kriegsschiis „Tue Queen" gedient, auch auf demselben den Krimkrieg miraemachr. Ans demselben brachte er zwei Medaillen, eine englt'Ae und eine türkische Auszeichnung mit. dtach dem Kriege lies; er sich in Teigemvnth nieder, wo Vater und Sohn ihre Kenntnisse des Seewesens als Mitglieder der Besatzung des Rettungsbootes gemeinnützig verwerten. London. (Die Juden als Ursache des T r a n s v a a l k r i e g e s.) Die Inden sind nun einmal an allen! Schuld. Phil. Stanhope, einer der wenigen hiesigen Buren freunde, sagt, dass die wahren Anstifter des Vorgehens der englischen Regierung, das zum Kriege mit Transvaal führt, die jüdischen Millionäre von P i c c a d i l l y und Park Laue sind. Der Correspondent der „Times", Air. M a y p e n n y, dagegen behauptete, vor wenigen Wochen wenigstens, Präsident Krügers einzige Reformidee sei, den „nutzlosen russischen Juden" das Bürgerrecht zu geben. Wer hat nun Recht'? London. (D i e C o l o n i e B tt e i I e h u d a.) In der am 24. September abgehaltenen Sitzung des Colonisationseomirü-s der „Chovevi Zion" kam ein Bericht des Administrators Gold mann über die Colonie Bnei I e h n d a zur Sprache, der sehr günstig lautete und die Aushändigung der Kuschanas für das Land dieser Colonie in nächster Zeit ankündigte. G o l d m a n n hat einen Plan für die weitere Einrichtung der Ansiedlung entworfen und das Exeenttvcomito der „Chovevi Zion" wird sich demnächst mit der Frage befassen, wie das Geld für diesen Zweck beschafft werden soll. Auch der über die Colonie M a ch n a j i m vorliegende Bericht lautete sehr günstig. London. (Die Inden in A u st r a l i e n.) Der „Jewish Chronicle" beschäftigt sich mit einer Uebersicht über die jüdischen Politiker in Australien und kann constatieren, dass im öffentlichen Leben dieser Colonien jüdische Persönlichkeiten eine bedeutende Rolle spielen. In Ostaustralien ist Sir Julian S a l o m o n s der Führer der Opposition gegen die Föderation der australischen Colonien. In Victoria dagegen ist der Kronanwalt I. A. I s a a c s einer der bedeutendsten Förderer dieies Planes. Bemerkenswert ist auch, dass Jsaacs der Urheber der gegen den Wucher gerichteten neuen Gesetze in dieser Colonie ist. In NemSüd-Wales ist John Cohen einer der einflussreichsten Politiker und in Südaustralien V. L. Salo m o n s der Führer der Opposition und z ukünftige M i n i st e r p r ä s i d e n t! Nicht uninteressant ist, dass dieser parlamentarische Leiter ein f r v m m e r Jude ist. In Westaustralien ist wenigstens ein Jude Elias Salomo n Abgeordneter, freilich wohnen in dieser Colonie nur sehr wenig Juden. — Der katholische Erzbischof von Melbourne hat aus eigenem Antriebe einen jährlichen Beitrag für die jüdische Hilfsgesellschaft in Melbourne gezeichnet. Der hohe Kirchenfnrsr hat damit nur die vielen Unterstützungen erwidert, die Juden den katholischen Vereinen zutheil werden lassen. Woodbinc. (Ein preisgekrönter jüdischer F a r m e r.) Bei der im Bezirke von Wvodbinc kürzlich stattgefundenkn Ausstellung erhielt ein jüdischer Farmer von Woodbinc Mr. Wolchinsky den ersten Preis für Wassermelonen. Seine größte Frucht wog nicht weniger als 48 Pfund. Philadelphia. (Die United Hebrew Charitas) unserer Stadt hielten am 10. September ihre dreizehnte Generalversammluttg ab. Dem bei dieser Gelegenheit erstatteten Berichte entnehinen wir, dass circa 120.000 Mark im Berichtsjahre verausgabt worden sind, circa 10.000 Mark mehr als im Vorjahre. Fast zwei Drittel dieser Summe wurden für bare Unterstützung ausgegeben, der Rest für unentgeltliche ärztliche Hilfe, freie Medici«, Vertheilnng von Kohlen rc. New-Aork. ,'i I ü d i s ch e W o h l t h ä t i g k e i t.) In dem officiellen Berichte des New-Aorker Registerbureaus liest man, dass l 5 jüdische Anstalten, die sich mit Waisenpflege und Kindererziehnng befassen, nicht weniger als 3 Millionen Mark jährlich ausgeben, von denen nur 75.000 Mark Beitrag der Stadt New-Pork sind, der Rest durch freiwillige Beiträge jüdischer Wohlthäter aufgebracht wird. Hut ab, vor dieser Wohlthätigkeit! Rabbiner und Seminare. Von Dr. I. L. Landau. IV. Tie Culturströmnttgen, die von Deutschland nack, Galizien eingedrungen sind, haben in manchen Städten wohl befruchtend gewirkt. Eine Schar junger Talente und einige Männer, die über das Talent weit hinansragten. suchten die Kämpfe der deutschen Aufklärer nach Galizien zu verpflanzen. Zuerst traten jene literarischen Bahnbrecher auf, die den ersten Anfklärungsschimmer über das tiefe, beschämende Dunkel Galiziens verbreiteten. Sie dachten nicht im entferntesten an die Synagogen- und sonstigen Cultusreformen eines Jacobson oder Risser Ihnen waren die schlichten Räume der alten Synagoge oder des Beth-Hamivrasch mit allen ihren selbst geschmacklosen Einrichtnngeu immer noch heilig und thener, wie die jämmerliche Wohnstätte armer Eltern. Jede Verletzung oder gar Zerstörung hätte sie tief geschmerzt. Etwaige Aeuderungen im Betbuche und insbesondere solche, die das jüdische Nativnalgefühl verletzen, hätten sie gewiss mit fanatischer Schonungslosigkeit verurtheilt. Das goldene Zeitalter dieser Männer war aber viel zu kurz, als dass ihre Wirkungen eine in ihrem Geiste nachhaltige geblieben wäre. Das jüngere Geschlecht hat sich an den leeren Phrasen, die geläufig geworden sind, berauscht, und den Culturkampf nicht mehr mit den Waffen des Wissens fortgesetzt im Sinne K r o ch m a l s und R a p v a p o r t s, sondern mit theils nichtigen, theils wertlosen Veränderungen an ihren Umgangsformen, theils sinnlose Erbitterung aller Frommen, was wenig zur gewünschten Aufklärung, viel aber zur Zerklüftung der Familien führte, die zuerst manche Verbrechen, und dann die buchstäbliche Versumpfung und Verdumpfung des jüdischen Geistes zur Folge hatte. Mehr als fünfzig Jahre sind seit den großen Culturkämpfen verstrichen, an deren Spitze noch die Männer des Geistes standen — was ist tut Verlaufe eines vollen halben Jahrhunderts geleistet worden, welche positiven Resultate wurden im weiteren, innner mit großer Erbitterung geführten Aufklärnngskampfe erzielt? In der Hauptstadt Galiziens hat mehr als zwanzig Jahre eilt Verein gewirkt, der sich die stolze Aufgabe gestellt. Wissen und Aufklärung zu verbreiten. Der einzige, und scheinbar bedeutendste! Wenn dieser Verein heute genöthigt wäre, auch nachzuweisen, was er geleistet, was er angestrebt und endlich auch vollbracht, er würde von seinen Erfolgen höchst unangenehm überrascht werden. Vor fünfzig Jahren wurde die erste jüdische Schule in Lemberg, als die zweite in Galizien, begründet. Die Perl'sche in Tarnopol sollte eigenlich gar nicht in Betracht gezogen werden. Sie war ein Privatinstitut, ein Eigenthunt Perls, wie der erste Jacobson'sche Tempel ein Eigenthum seines Begründers. Gleich darauf wurde auch die jüdische Volksschule in Brody geschaffen, und in dieser Schöpfung fand der Perl'sche Anhang seinen jähen Abschluss. Fünfzig Jahre sind darnach verflossen und in ganz Galizien unter 700.000 Inden sind keine Schulen mehr ins Leben gerufen worden, bis die Baron Hirsch-Stiftung in erstaunlich kurzer Zeit mehrere hundert begründete, deren Zahl den seit Jahrzehnten gestiegenen Bedürfnissen noch immer gering erscheint. Ist es nicht ebenso beschämend als betrübend, dass mait in Galizien nach fünfzigjährigem Culturkampf keine ihrer Aufgabe gewachsenen Religivnslehrer findet und dass viele große, reiche Gemeinden seit Jahren den Rabbinerposten unbesetzt l a s s e n, . weil sich kein moralisches Bedürfnis darnach fühlbar macht! Solche Erscheinungen müssen in jedem denkenden und warmfühlenden Juden die Sorge um die Zukunft ihres ganzen Geschlechtes wachrnfen und ihn anregen, der Quelle nachzuforschen, der dieses Uebel entstammt. Für mich duldet es nicht den geringsten Zweifel, dass die Aufklärer sich selber die meiste Schuld znzuschreiben haben. Nicht nur ihre Kampfesmethode war eine falsche, auch ihre Ziele, die sie sich gesteckt haben, lagen weit von jenen Endpunkten entfernt, die anzustreben ihre erste und höchste Aufgabe hätte sein sollen, was ihnen umso leichter geworden wäre, als ja die breiten Spuren ihrer rühmlichen Vorgänger jede Verirrung auf diesem Wege unmöglich machten. Jene Spuren wurden aber grundsätzlich gemieden. Nicht die Vertiefung und Erweiterung der jüdischen Wissenschaft, nicht die Verbreitung der Kenntnis der hebräischen Sprache und eine im alten jüdischen Geiste fortgesetzte Thätigkeit war seit dem Jahre 1848 die Aufgabe jener Männer, die die Schicksale der Aufklärerpartei zu lenken hatten. Sie hatten bereits andere Sorgen und höheren Ehrgeiz. Das Jahr 1848, in dem die politische Hochflut alle hosinnngssreudigen Träumer und Hochstreber mit sich fortgerissen, gab die erste Anregung zu einer rein politischen Bethätigung der Jude», an deren Spitze damals Rabbiner Abraham K o h n stand, der als erstes Opfer verbrecherischer, fanatischer Wnth und eigener Kurzsichtigkeit fiel und seit jener Zeit ist kleinkrämerische Politik einer ihrer charakteristischen Grnndzüge. Dieses ohnmächtige Politisieren aber, das bald der Germanisiernng, bald der Polonisiernng der Juden zuneigte, wurde eine Hanptquelle jener verderblichen Einflüsse, die zur Verkümmerung des jüdischen Geistes am meisten beigetragen und häufig auch die Entrüstung uitb den Hass mächtiger politischer Factoren hervorgerufen haben, Erscheinungen, die ja bekanntlich auch in Deutschland den Antisemitismus zur Folge hatten. Den russischen Juden ist ihre politische Ohnmacht zur Quelle des Segens geworden, was wir heute an vielen Beispielen zu illustrieren vermögen. Dort waren auch deshalb die Aufklärnngsapostel zumeist und zuvörderst Männer, die atts der hebräischen Literatur herausgewachsen sind, deren Bemühungen nur vermöge ihres hebräischen Wissens, ihres glänzenden hebräischen Stiles von Erfolg gekrönt waren. Sie hatten keinen anderen Ehrgeiz und konnten auch keinen anderen haben, als die geistige Hebung der Volksmasseu, und insoferne muss man fast jenen Finsterlingen beipflichten, welche vor den Schäden der frühzeitigen Emaucipatiou gewarnt haben. Da ich nicht die Aufgabe habe, ein Cavitel galizischer Cnltnrgeschichte zrt schreiben, muss ich mich auf diese wenigen Andeutungen beschränken, die nur die Behauptung zu rechtfertigen haben, dass das Bedürfnis einer vollständigen Umgestaltung auf dem Gebiete der Erziehung, der Belehrung der Jugend sowohl in den Schulen, als der Alten im Tempel von der Kanzel herab zur höchsten, unabweisbareil Nothwendigkeit gediehen ist. Zn diesem Behufe brauchen aber die galizischen Gemeinden, die großen und die kleinen, Lehrer im Sinne des alten Jndenthnms, wohl auch Prediger, das heißt Männer, die mit klingender Phrase zu imponieren verstehen, da nun mit dem alten, in der That unberechtigten und zumeist ans Lächerliche streifenden Jargon oder sonst mangelhafter Redefertigkeit nicht segensreich gewirkt werden kann. Die Rabbiner müssen Lehrer im edelsten Sinne itnd zugleich auch Propheten, Meister des Wortes, sein. Sie müssen, um auch den Orthodoxen in Galizien erfolgreich entgegentreten zu können, mit reichem, talmndischem Wissen ausgerüstet, und um vor den modernen Halbwissern würdig zu erscheinen, auch oratorisch begabt sein. Diese müssen ferner, die wahren Apostel des cnltnrellen und nationalen Gedankens, einen inneren, mächtigen Drang zu diesem schweren, materiell wenig lohnendem Berufe fühlen; sie müssen sich nur voit oer Liebe zu ihrem Volke und ihrer Begeisterung für die Wissenschaft leiten lassen, und um endlich in jeder galizischen Gemeinde Erfolge zu erzielen, müssten sie auch die Makel- und Tadellosigkeit ihres Privatlebens nachzuweisen imstande sein. All das lässt sich aber nur in einem Institute erzielen, das, zu diesem Zwecke geschaffen, die Aufgaben übernimmt, all diesen Anforderungen gerecht zu werden. Das kann keine allgemeine Hochschule für jüdische Wissenschaften austreben, da in ihr die verschiedensten Elemente zusammenströmen, die dann, ob befugt oder nicht, in die Oeffentlichkeit hinanstreten, um im Namen des Institutes zu wirken, in dem sie einige Zeit zngebracht haben. Es würde darunter zunächst der Ruf der Anstalt stark leibeit und dann auch jene nicht seltene Gemeinde, die bei der Wahl ihres Rabbiners ihrem eigenen Urtheile und Geschmacks vertraut. Die jüdisch-theologische Lehranstalt also, die vor etwa sieben Jahren in Wien ins Leben gerufen wurde, war somit keine willkürliche, überflüssige Schöpfung. Für Galizien kam sie nicht zu früh, leider viel zu spät. Diese Anstalt ist auch mit vielem ansgestattet, was sie zur Lösung ihrer Aufgabe geeignet macht. Herr Rector Professor Dr. Schwarz ist ein Mann, der auf talmndischem Gebiete sowohl, als auch auf homiletischem Eminentes geleistet hat, was ihm nach beiden Richtungen das Recht gibt, Rabbinern für galizischen Gemeinden die Ordination zu verleihen. Ebenso geben Männer ron wissenschaftlicher Bedeutung und hohem Gelehrtenrnfe, wie llniv.-Prof. Dr. D. H. Müller, der Herr Lector Friedmann, und endlich Herr Professor Büchler das Recht, dieser Anstalt in dem oben angedeuteten Sinne zu wirken Es ist somit keine Minute auch zu zweifeln, dass dieses Institut aus den allervitalsten Bedürfnissen hervorgegangen, und dass ihre Aufgabe nach allen Richtungen hin eine eminente ist. Was ich aber zngeben muss, ja nicht unabsichtlich hier wiederhole und mit aller Schärfe betone, ist, dass manche Grundsätze, auf welchen manche Einrichtung des Seminars beruht und von welchen sich manche Lehrer noch immer leiten lassen, längst überwunden sind und mir nicht geeignet erscheinen, um die Lösung ihrer Ausgabe zu erleichtern. Dass die niaßgebenden Persönlichkeiten in den kleineren Gemeinden Galiziens, die dort angeblich für Fortschritt und Cnltur wirken, den jetzt ganz unberechtigten fanatischen Uebergriffen noch immer gleichgiltig oder ohnmächtig gegenüberstehen und nicht zumindest dafür sorgen, dass die fähigen jungen Männer aus Galizien in ihrem Heimatlande statt in der Fremde wirken, ist natürlich mit keinem Worte zu entschuldigen, und das umso weniger, da die für moderne Rabbiner geeigneten Gemeinden über diese Pflicht weit erhaben zu sein glauben. Für sie scheint diese ganze Institution veraltet, überflüssig und lächerlich. Ein verdienter Erfolg der deutschen Rabbiner- Seminare, und Aufgabe der Wiener theologischen Lehranstalt wäre es, den Gegenbeweis hievon zu erbringen, woraus die Grundlosigkeit jener Ansicht hervorzngehen hätte und wodurch das Ansehen eines jungen Rabbiners überhaupt viel gewinnen würde. Ich habe in diesem Capitel ausschließlich von Galizien gesprochen, wiewohl die anderen österreichischen Provinzen und in erster Reihe Böhmen und Mähren eine gründliche Behandlung verdienen. Dort wären meines Wissens noch weit größere Schäden nachzuweisen und zu beklagen. Ich beschränke mich aber absichtlich ans Verhältnisse, die ich ganz genau iu allen ihren dunklen und verschlungenen Einzelheiten kenne und überlasse die Besprechung jener Provinzen Männern, die dazu berufen sein mögen. Unsere kulturelle Ausgabe. Im letzten Artikel bemühte ich mich, den Beweis zu liefern, dass die hebräische Sprache und ihre Literatur das einzig berufene Organ unserer nationalen Gesammtinteressen sein könne. Ich wies nach, dass, soll nicht unsere vielgestaltige Bewegung im Meere des Polyglottenthnms untergehen, ein interterritvrielles Verstündignngsmittel gefunden werden müsse; da es jedoch nicht angehe, der Gesammtheit der unzähligen Cnltnren zugehörigett Zerstreuung eine der herrschenden Sprachen Fortsetzung auf Seite V.