Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 34 (6.10.1899)
- Date
- 1899-10-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. U Wien, Freitag Jüdisches Volksblntt (). Oefober 1800 Seite 0 suchte. Heute aber wird in frecher Weise Hand gelegt an! unser Heiligstes, an unsere Religion, und da müssen wir, w i e unsere Väter es g e t h a n h a b e n, mit Gltt mid Blut für die Ehre und Reinheit unserer Religion eintreten, unb sie gegen den schändlichen Anwurf der Vlutbeschuldigung verlheidigen." K r a f a u, tM». September. Der slavische Journaliste»tag 31t Krakau hatte einen bedeutungsvollen Hintergrund: zum tvenigsteu drei Krisen, die ministerielle in Wien, die finanzielle in Lemberg und die — sociale in Pvlna. Wie hat er diesen schicksalsschweren Zeitpunkt ansgenützt? Nachdem er in der Königsresidcnz des alten Grvß-Polen drei Nächte getagt, drei Tage genachtet hatte, gieng er auseinander. Man muss zngeben, er verschlief mit Nichten die kostbaren drei Näcbte, er trank, er trank, er toastete und verbrüderte sich bis in die hellen drei Tage hinein; dann, nachdem man sich ausgeschlafcn, wurden die Alterthümer der Geschichte besichtigt, an ihrem Anblicke — nüchterte man sich vollends aus und sammelte Stoff und auch Kraft für weitere Trinksprüche. Manche politische Erinnerung, manch Märchen ans alten unb jüngsten Zeiten, das sonst nicht so leicht aus dem Sinne wollte, manch veraltetes Ideal wurde mitunter ertrunken und der allerletzte, der krönende Triumphschlnck, auf den man so beharrlich, so tapfer, so — selbstverleugnerisch lvstrank, war: die panslavische Verbrüderung, die slavische „Gemcinbürgschaft". Da wusste man freilich vor Begeisterung kaum mehr, war dieser allerletzte, göttliche Trunk noch edler Wein, oder gar schon plebejischer Branntwein? Es tranken da die Vertreter der slavische» öffentlichen Meinung, jedenfalls Leute, die dem hohen Berufe leben, den Deutschenhass, den Autisemitisnins und das Wasser zu predigen. Czechische, polnische, slovenische, kroatische Russophilen und Jesuiten, echte und liberale Antisemiten stavischer Herkunft schlossen hier den Bund gegen den Staat, den Fortschritt und die Juden. Diesen merkwürdigen Zusammenhang mnss nian festhalten: gegen den Staat, den Fortschritt und die Juden. So ist es bei uns im Osten, so ist es im fernen Westen, so war es immer, so bleibt es — wie lange noch, das ist die Frage. Es ist rührend und zugleich verblüffend, in wie wenigen Stunden (keine 100) in Krakau Geschichte gemacht wurde, es ist mtr fraglich, ob die Geschichte den Veranstaltern dieser slavischen Jonrnalistenmächte für den ihr unfreiwillig geleisteten Vorschub Dank wissen wird .. . Die Ruthenen, das Bauernvolk, blieben ans. Warum blieben die Ruthenen aus? Ja, die Krakauer „Slaven" meinen, die Ruthenen seien nicht russophil genug, um würdig zu sein, an dem heiligen Verbrüderurigswerke theilznnehmen. Das seien übrigens Störenfriede (so etwa wie die polnischen Inden), die wissen nur über den „angeblichen" Druck des polnischen „Bruders" zu wehklagen. Diese Verleumder und Renegaten mussten fernbleiben . .. Um vieles räthselhafter ist wohl die Frage: Warum fehlte K 0 m a r v w? Glaubte er etwa, es hieße Eulen nach Athen tragen, käme er nach Krakau, den polnischen und czechischen Journalisten das Russophilenthum zrr predigen? Er würde wohl mit seinen Polen nicht weniger, als mit seinen Czechen zufrieden sein und feststellen können, dass alle Reden (Toaste), dieser drei Journalistenmächte in das höchst löbliche und nüchterne: „Tempora mutantur et 110s Foloni mutamur in illis“ — ausklangen. Warum kam er nicht also, warlim musste er der Gastfreundschaft des Krakauer Congresscomites eine so unverdiente, so unerwartete Enttäuschung bereiten? Schon am vorjährigen Congresfe zu Prag, als dieselben Czechen und Polen gleichsam von Komarow gastlich elnpfangen wurden, musste er, während er seine Verbrüdernngstvaste hinausschallen ließ, mit hoher Genngthnung wahrnehmen, luie die anwesenden „polnischen Slaven", vom Gedankengange des russischen Bruders hingerissen, nur mit äußerster Mühe sich zurückhielten, dem wackeren Redner die Hand drücken zu dürfen. Damals wähnten sie noch, irgendwelche Rücksichten auf die daheimgebliebene öffentliche Meinung nehmen zu müssen. Nun, heute, nachdem diese öffentliche Meinung inzwischen von ihnen entsprechend bearbeitet worden ist, dürfen sie sich der Gewissheit hingeben, dass der weitaus stärkere Theil dieser Meinung treu zu den Aposteln hält, mag auch das historische Fatum das „Nene, Tekel, upharsiii“ kichernd an die Wand zeichnen ... Tie galizischen Svcialisten werden mit ihren „Hanbal“? Zwischenrufen gegen diese Lage der Dinge in Galizien nichts oder kaum etwas ansrichten, wenn sie auch noch so empört darauf Hinweisen, dass das arme Land, das arme Proletariat die Zeche für die russophilen Herren blutig wird bezahlen müssen. Am Ende bezahlt die Zeche weder ein slavisches Land, noch ein slavisches Proletariat: Die Zeche wird von beut Inden bezahlt. — Wir wissen wohl, immun nufere Svcialisten so leidenschaftlich gegen die panslavische Verbrüderung protestieren, wo sie doch sonst so leidenschaftlich für die internationale Verbrüderung die Lanzen brechen. Ach, unsere Svcialisten sind, Gott sei's geklagt, furchtbar semitisch, verjndet! . . . Das christliche Volk übersiedelt allmählich ans dem socialislischen Lager ins jesuitische, nw es sich heimischer fühlt, und die verlassenen Judcnsocialisten haben schwere Mühe, ihre Parteiexistenz als solche zu bewahren. Vom Classenkampfe, vom Collectivismns, vom eigeutüchen Socialismns hört man selten und immer seltener, und kaum noch von dein nicht mehr soeialistischeu, liberalen Programm. Alan hört vielmehr von der Krise im Marxismus. Der religiöse, nationale und der Rasft-iuamps überwuchert stetig den ökonomischen Elassenantagvnismnr und drängt irut Krystallisiernng und der Ai Socialisten geht cs an ihre das der Kampf der Rnssvphilenchnin, in Weibchen der Assimilntlonsjuden gege Was noch die galizischen Conscrvativen von den „Demokraten" und diese von den prvnvncierten Antisemiten scheidet, sind nur noch gewisse, stets mehr verschwindende Sonder traditionell oder meist unklare Conderiuteressen. Ueber den Antisemitismus gibt cs heute im politischen Galizien keine zwei Meinungen. Tic von der Seuche des Judenhasses noch unberührten Elemente sowohl der Intelligenz als auch im Volke spielen daher im öffentlichen Leben eine untergeordnete Rolle. Der Jude wird verbrannt! — Das ist die Parole. Die Veranstalter der vorjährigen Raubkrcnzzüge, der Krakauer „(1 los N a r o du“, der Lcmbcrger „D z i e n n i k p o 1 s k i“ re., sind auch die Veranstalter und Leiter der „slavischen Eongrcsse, sind die heutigen Herren von Galizien. Ter Krakauer Jonrnalistentag wurde dazu benützt, einen schändlichen Hctzartikel des „GlosNarodu“ über den „Ritnalmord" und den famosen „Gugelhupf" unter die Theilnchmer zu kolportieren, und mit welcher Genngthnung wurde dieses elende Papier gelesen, besprochen! Nachdem es in mehr als 1000 Exemplaren ausgegeben und verschickt worden, entschloss sich der Staatsanwalt die Nummer zu confiscieren. Diese slavischen Teutschhasser marschieren in Reih' und Glied mit den urdentschen Judenfressein und drucken sich gegenseitig ihre Tendcnzartikcl ab. lind ohne Zweifel besteht auch eine geistige, innige Allianz zwischen unseren Russophilen und den sranzöfischen Armreverlheidigern, Orlcanisten, Monarchisten, Antidrehfusisten. Hinter den täuschenden Larven der politischen S chlagworte entpuppt sich der Proteus des Antisemitismus jcdcm, der seine Angen offen halten will. Das aber wollen iloch nicht alle Inden. A. L. Vriimr. (C 0 nfisca t ion.) Die Brünner Staatsanwaltschaft hat die im Verlage von Anton Odehnal erschienene Broschüre „Tie Ritnalmorde bei den Juden und was davon zu denken ist" in czcchischer Sprache, verfasst von Me c i n s k h, confisciert und deren Weiterbreitnng verboten. Die Broschüre wurde in den letzten Tagen massenhaft in Böhmen und Mähren verbreitet und namentlich in Kuttenberg, Polna und Umgebung. Mähr.-Lssirnu. (Deutsch-nationaler und c z e ch r s ch e r A n t i s e m i t i s m u s.) Der letzte Mährisch- Ostrauer Markt bietet den Deutschnationolcn wieder einmal unbegründeten Vorwand, über die Inden herzufallen. Man hat angeblich den polnischen Inden und Czechen die besten Standplätze angewiesen. Diese Bevorzugung wäre an und für sich nicht glaublich. Ueberdics weiß jeder, dass die Standplätze nicht nach Nationalitäten, sondern nach Warenkategorien vertheilt werden, So kamen polnische Juden mit ihrem Stande in die Schlossgasse. Dadurch wird dieser Platz zu einem überaus günstigen gestempelt. Bei Eingeweihten gilt er aber als das Gegentheil, als abseits vom Centrum, dem Ringplatze, gelegen. Doch das Schlimmste ist, dass die polnischen Inden, durch die Coulance der Stadtvertretung und die guten Geschäfte in Ostrau verleitet, sich in diesem Orte niederlassen durften, um — polnische Propaganda zu machen. Das polnische Haus soll ja nur für sie gebaut werden. Wenn unsere Juden sich auch nicht immer nur als Inden fühlen, sondern zum Aerger der Deutschvolklichen im Deutschen Hause ihren Mittelpunkt sehen, zu dessen Erbauung sie redlich beigetragen haben, so weiß doch jedermann hier, dass sie weder czechische noch polnische Parteigänger sind. Czechische Politik mit czechischem Antisemitismus wird von den Rothschild-Gntmann'schen Etablissements bis zu denen der Nvrdbahn gemacht. Von da nach Osten treten die Polen auf. Aber nicht polnische Inden, sondern Beamte der Grafen Eugen und Heinrich Larisch. Für die ist das Polnische Hans. Natürlich sollen jetzt auch eventuell einmal einwandernde Juden, die sich übrigens kann» nach den Osiraner Antisemiten besonders sehnen dürften, für die schon lange propagierte Gründung des polnischen Nationalhauses verantwortlich sein. — Die czechischen Antisemiten suchen selbstredend noch ihre deutschen Gesinnungsgenossen zu übertreffen und verbreiteten ( ans dem Wege zwischen Mährisch- und Polnisch-Ostran hektographierte Flugblätter mit Bezug auf den Kuttenberger Prvcess. Bis jetzt ist es der Polizei trotz eifriger Nachforschungen noch nicht gelungen, die Urheber zu ermitteln. TroWau. (Wie man den Ritual m 0 r d m a ch t.) Unser Antisemitenblättchen wagt es, seinen Lesern folgendes Märchen aufzutischen: An einer mährischen Mittelschule meldete sich ein etwa 16jähriger Jude zur Ausnahme in eine höhere Clafse. Bei der Prüfung erhielt er die Frage über jenes Gebot, welches über den Todtschlag handelt. Die Frage wurde von ihm beantwortet. Als der Prüfende nun die Frage stellte: „Wann aber ist der Todtschlag gestattet, wann wird er von Gott nicht gesühnt?" platzte der Jude mit der Antwort heraus: „Beim Ritnalmorde." Bild: Riesige Verlegenheit des jüdischen Netigionslehrers und sehr merkwürdige Gesichter der ganzen Prüfnngscommissivn. — Wir können nicht annehmen, dass ein Jude so dumm geantwortet, auch nicht, dass ein jüdischer Religivnslehrer so gefragt hätte. Oder sollte es sich etwa um eine Prüfung ans der christlichen Religion gehandelt haben? Wenn letzteres nicht der Fall und die Geschichte wahr wäre, hätte man wohl die Anstalt, an der das vorgekommen ist, nennen können und hätte sie sicher auch genannt. Pilsen. (Z n r a n t i s e m i s ch e n A g i t a t i 0 n.) Die maßlose Hetze, welche von czechischen Journalen infolge des Polnaer Processes gegen das Judenthnm in Scene gesetzt wird, hat ein neuerlich offen zutage tretendes Anfleben des Antisemitismus zur Folge gehabt. Dass hierbei die hiesigen czcchischnativnalen Blätter nicht zurückblieben, ist selbstverständlich und es N'ird nicht mir die Angelegenheit Hülsners mit größter Anfhöhnendcn Zurufen und Schimpfworten sind besonders in der letzten Zeit zwei Vorfälle zu verzeichnen. In der vorigen Woche wurde der Sohn eines hiesigen Geschäftsmannes von einem czechischen Burschen mit einem Riemen blutig geschlagen, und ist seitdem in ärztlicher Behandlung. Noch cclatanter ist eine Scene, die sich am 30. September gegen 0 Uhr abends oberhalb des alten Tempels in der Nähe des neuen czechischen Theaterhanses zngetragcn hat. Zwei jüdische Familien gicngen gegen die Klattaucrstraße, als sie an der erwähnten Stelle von einem Trupp, bestehend ans ctlva 80—40 jungen Leuten auf die heftigste Art beschimpft wurden. „Ziele Itülsnorove“ und dergleichen Rufe waren die gelindesten Ausdrücke und nur der Ruhe und Kaltblütigkeit der Angegriffenen ist es zu danken, trenn es nicht 51t Thätlichkciten kam. Natürlich tvar Polizei nicht zu sehen, und so ist es geradezu ein Zufall, dass die Roheit der Burschen nur in Worten Ausdruck fand. Von beiden Fällen wurde die behördliche Anzeige erstattet. Doch diese Vorgänge bildeteir aber nur die Einleitung zn weit ernsteren Unruhen. Am 2. Oetober gegen '/.R> Uhr abends rottete sich ohne besonderen Anlass in beit Straßen eine große Volksmenge zusammen, welche in kurzer Zeit auf mehrere Tausende, meist halbwüchsige Burschen im Alter von 16—10 Jahren, anwnchs. In großen Trupps durchzog nun unter lautem Geschrei und Absingung nationaler Hctzlieder, wie „lies Slovanc“ unb dergleichen diese Menschenmenge die Hauptstraßen der Stadt und stieß Schmährufe gegen die Inden und die Deutschen ans. Bor der Vezirkshanptmam'.schaft wurden ebenfalls Ilanba-Rnfe laut, sodann gieng es über den Ringplatz zum „Pilsener Hof" und vor das „Deutsche Haus", nachher gegen den alten Tempel. Im Vorübergeben wurden die Fenster der deutschen Turnhalle ciugcschlagen. Die Polizei, welche schon die Vorzeichen beginnender Aufregung, die planmäßige Verhetzung der Bevölkerung nicht gemerkt hatte, war auch bei dieser Gelegenheit unvorbereitet. Es musste um 8 Uhr abends das Militär in den Kasernen consigniert werden und zum Schutze der bedrohten Vaulichkeiten, wie der alten und neuen Synagoge entsendet werden; die jüdischen Geschäftsleute hatten ihre Läden kurz nach Beginn der Zusammenrottung geschlossen. Nur diesen Vorkehrungen ist es zu danken, wenn es bei diesen Aufläufen und Demonstrationen verblieb und größerer Schaden verhütet wurde. — Der Stadtrath von Pilsen wandte sich mit einem Aufruf an die Bevölkerung, dieselbe zur Ruhe mahnend. Ganz besonders registriert muss aber das Verhalten der „Politik" werden. In einem total verlogenen Bericht schreibt das Blatt von „stillen Demonstrationen in Pilsen, deren Zweck nicht erkennbar war". — Wenn diesem Blatte, das „stillen Antisemitismus" treibt, der Zweck erkennbar wird, nachdem Schmährufe und Beschimpfungen der Juden, Bedrohung ihrer Geschäfte und Häuser bereits stattgefnnden haben — das ist unverkennbar. Gger. (Still eben.) Die Gesammtheit der hiesigen Juden hat sich in letzter Zeit, trotz der übelwollenden Argusaugen der „Egerer Nachrichten" nichts weiter zuschulden kommen lassen, als dass Dr. Lederer auf dem Egerthaler Fußwege radgefahren ist. Er wurde vorschriftsmäßig zn fl. 3.— Geldstrafe verurtheilt. Er fährt aber dort noch weiter, das sollte er nicht thun, damit ihn die „Egerer Nachrichten" nicht ob der eminenten, sich von Fall zu Fall steigernden Geldstrafen schon im vorhinein bedauern. Czeruowitz. (P r 0 t e st v e r s a m m l n n g.) Unser Stammesgenvsse, Neichsraths-Abgeordncter Dr. S t r a u ch e r, berief für Samstag, den 30. September eine allgemeine jüdische Volksversammlung ein, um über das schmähliche Verhalten der Antisemiten in Hinsicht auf die Ritnalmvrdlüge zn sprechen. Lange vor der angesetzten Zeit war der Magistratssaal, wo die Versamnllung stattfand, überfüllt, und Hunderte, die keinen Platz mehr fanden, mussten umkehren. Nachdem Gemeinderath M. P i n k e r zum Vorsitzenden gewählt worden war, nahm Dr. S t r a u ch e r das Wort, um in kernigen, scharfen Worten die Gemeinheit der Antisemiten und deren Presse zu geißeln. Er verglich den Polnaer Process mit dem von Tisza-Eszlar und meinte: Während aber in dem Process von Tisza-Eszlar die Behörden dieser infamen Beschuldigung strenge entgegengetreten seien und sogar der Staatsanwalt die Freisprechung der Angeklagten beantragte, giengen jetzt die Behörden schweigend über diese schamlose Hetze hinweg. Unter stürmischem Beifalle schloss Dr. S t r a u ch e r: „Wir müssen einen flammenden Protest gegen diese infame Beschuldigung der Antisemiten laut hinausschreien". Nach kurzer Debatte wurde die von Dr. Ebner vorgeschlagene Resolution einstimmig angenommen. Dieselbe verleiht dem Proteste der Judenschaft scharfen Ausdruck und gibt der Hoffnung Ausdruck, dass die Regierung thatkräftig eingreifen werde, um diesem schändlichen Treiben Einhalt zu thun. Nen-Sandee. (Polnaer Frücht e.) Auch bei uns hat die Polnaer Affaire schon böse Früchte gezeitigt. Während des Gottesdienstes im orthodoxen Tempel neben dem Militärmagazin warfen einige Gassenbuben Steine gegen die Synagoge. Darauf kamen einige jüdische Jungen heraus und es entwickelte sich eine Prügelei. Als noch einige christliche Gassenbuben znhilfe kamen, liefen die Juden in den Tempel zurück. Eine neben dem Tempel wohnende Frau Fröhlich kam hinzu und machte dem Gendarmerie-Commandv Mittheilnng, dass die Jndenjungen einen Christenknaben geraubt hätten, um Blut für Mazzes zn bekommen. Die Gendarmerie leitete die Anzeige an die Staatsanwaltschaft und die Untersuchung wurde streng dnrchgeführt. Nach Vernehmung der von Frau Fröhlich namhaft gemachten Zeugen, des damals im Militärmagazin auf Wache besindtichen Gefreiten und Corparals des 20. Jnfanterie- Negiments schlug die Staatsanwaltschaft die Untersuchung nieder. Es ist noch ein Glück, dass die Sache so klar lag und weniger widersprechende Zeugen in Betracht kamen, als bei der Polnaer Verhandlung. rüuteiinuev Gewalt zur RasseniS;chcidmlg fremder Elemente. Den — jüdische Hau:. Polnisch beißt! merksamkeit und Au.'sührlichkeit in jeder Nummer breitgetreten, einldenwkralie gegen das jefniusthe j sondern es werden auch geheimnisvolle Morde und unansgeist cs der verzweifelte den Aiitisenurismns. Bauchs klärte Fälle von früheren Jahren mit verstecktem Hinweise ans den Polnaer Mocd den Lesern aufgetischt. Abgesehen von Gireries. (R e l i g i 0 n s l e h r e r.) Anlässlich des israelitischen Lanbhütreufestes ereignete sich in der Ortschaft