Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 31 (15.9.1899)
- Date
- 1899-09-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 4- .h]i!i-e!n-s VolkshlHti 15. September 1*3'.! Nr. 31 W i rt h,il' we>'en sei, und zwar an den F ü ß e n, was ihn gehindert hat, sich an alles zu erinnern. Liun aber weiß er zu erzählen, was Jtzig ihm mitgetheilt habe, ferner weis, er, dass am Freitag tzin Bruder der Frau Prchal, bei n'elcher die Hruza in Dienst stand, zu ihm kam und ihm die Mittheilung gemacht hat, dass ein Dienstbote seiner Schwester verloren gegangen ist. „Ich", fährt der Zeuge fort, sagte zu Isin: Da hat sie sicher Euer P o l d a (Leopold, getödtet. —Bors. Wieso verfielen Sie gerade aus Leopold H ü l s n e r? — Zeuge. Er vagierte gewöhnlich in den Wäldern umher. -- Isin antwortete: Ich weis, es nicht, ich iv erde ihn fragen. (Heiterkeit). Isin sagte ferner, dass Leopold sie getödtet haben müsse» er ist. ganz verändert, er zeige Unruhe, liege entgegengesetzt seiner Gewohnheit auf der anderen Seite und bete hebräisch. — Vors. Was hat Isin weiter erzählt? — Zeuge. In der Woche, um den 20. und 30. März. wohnten bei Hülsner mehrere Juden, darunter ein Schächter ans Goltsch- Ienikau. — Vors. Wohin übersiedelten die Hülsncr? — Zeuge. Nach Groß-Meseritsch. Isin verlies, ebenfalls Polna und uv.u noch einmal zu inir und zwar in Begleitung des Untersuch ungs ichters. — Vors. Waren Sie bei ihm in G r o s, - M e s er i t sch? — Zeuge. Wir fu hr e n n u r so h i n. - Vors. W e r s i n d d i e w i r? — Zeuge. I ch, H e r r Li o v o t n y, Fabrikant i n P v l n n, und der N e d a c r e u r des „Deutschen V o l k s b l a t t". — V o r s. Was machten Sie dort. Hat Sie jemand aufgefordert, h i n z u f a h r e n? Zeug e. I ch u> e i s, n i ch t, w i e i ch d a z u k a m. E s ,v a r a b g e m acht, dass ich hin fahre, der Redacteur des „Deutschen V o l k s b l a t l" w o l l t e e s h a b e n. Wir fuhren also hi». I ch g i e u g spazieren und t r a s z u f ä l l i g d c n Isin a n. — Vor s. N ein, u i ch t z u f ü l l i g. War u in g i e n g e n S i e denn dahin? — Zeuge. Ich traf ihn zufällig. — Vors. Sie sind direct zu i h ni gegangen. — Der Zeuge will nicht z n g e b e n, dass er den I tz i g a u f g e s u ch l habe, sondern will ihn zufällig getroffen h a b e n, wie er die Pferde zur Ausfahrt einspannte. Und da sei Jtzig sofort auf ihn zugelaufen. Nun befragt ihn dcr Präsident nochmals, zu welchem Zwecke er und diese Herren nach Groß-Meseritsch gefahren seien, und nun bequemte sich der Zeuge, zu erklären, er wollte den Isin (Jtzig) erst unr 8 Uhr sprechen, habe ihn aber zufällig früher getroffen. Vors. Al'o weiter. — Zeuge: Isin führte mich iils Wohnhaus. Ich sagte zu ihm : Also I s i,i, wenn Du mit mir gehen rv i l l sr, g e b e i ch D i r K l e i d e r i ,n G a st h a u s e. A u ch w e r d e i ch D i r d o r t z u e s s e n g e b e n. — V o r s. W a s g a b e n Sie ihn, dort? — Zeuge: Eine Semmel un d drei V i e r t e t W e i n. — V o r s. W a r u m? — Z e u g e: I ch sagte i h nr, dass ich ihn besuchen k a m. — Vors. Was wollten Sie von ihm wissen? — Zen ge: O b ein g e w i s s e r B e r a n o d e r F r i e d o d e r d e r S ch ä ch t e r a u s I e n i k a u b e i i h n e n übernachtete n. — V o r s. Das war am Sonntag den 31. Juli? — Zeuge: Es war an einein Sonntage. An das Datum kann ich inich nicht erinnern. — Vors. W e r i st d e r N o v o t n y u n d d e r R e d a c t e u r des „Deutschen Volksblatt"? Was war denen daran gelegen? — Zeuge: Nowotny ist ein Fabrikant in Polna. Ich fragte Isin über dessen Verhältnisse aus und fragte ihn, ob er nicht wieder bei mir lernen möchte. — Vors. Sie haben ihn zu gewissen Aussagen verleitet uitd aufgefordert, dass er alles b elastend gegen seinen eigenen Bruder a u s s a ge — Zeuge: Das ist nicht wahr. — Vors. Haben Sie ihn über Beran befragt? — Zeuge: Ja. — Vors. Sic fragten ihn, ob Beran am 29. März bei ihnen übernachtete? — Zeuge: Jcl/kann mich nicht erinnern. Wir sprachen aber über Beran. Ich fragte ihn, ob Poloa unschuldig ist, ob er es gemacht oder nicht. Und er erzählte mir seine Beobachtungen V e r t h e i d i g e r D r. A u r e d n i c e k: Zeuge, sagen Sie m i r, wie k o m m t e s, dass Sie in der Voruntersuchung nicht Erwähnung davon thaten, dass Isin ihnen erzählte, dass sein Bruder einen unruhigen Schlaf habe, anders liege u. s. w. — Zeuge: Ich habe es gesagt. Es m u s s i m P r ot o ko ll stehen. — Verth. Es steht n ir g e n d s. — V o rs. Bitte zu protokollieren, dass Zeuge während der ganzen Untersuchung diese Angaben nicht ge,nacht hat. Der Vorsitzende verliest das Protokoll desZeugen, aus welchem hervorgeht, dass der Zeuge t h a t s ä ch l i ch in der Voruntersuchung seine heutigen Angaben nicht gemacht hat. H ü l s n e r, vom Präsidenten befragt, gibt an, er habe wohl öfters hebräische Gebete gemurmelt, da Feiertage waren, ferner, dass kein polnischer Jude bei seinen Leuten geschlafen habe. Nun beantragt der Vertheidiger, d a s s d i e N u m m e r d e s „D e u t s ch e n V o l k s b l a t t" vom 3. August verlesen werde, in welchen es heißt, dass ein Nedacteur in Groß-Meseritsch u n d P o l n a g e w e s e n w a r, d e r in Gemeinschaft mit anderen Herren denJtzig betrunken machte und sodann zur Aussage gegen seinen Bruder zwingen wollte. Dies werfe ein scharfes, charakteristisches Licht auf die Aussagen einzelner Zeugen. Der Vertreter der Privatbetheiligten Dr. Baxa verwahrt sich gegen die Verlesung und erklärt, nicht das sei maßgebend und glaubwürdig, was in jenem Blatte stehe, sondern was die Zeugen hier vor Gericht aussagen. Und wenn von gerichtlicher Seite die Untersuchung flau geführt wurde, so ist es recht, ja bürgerliche Pflicht eines jeden gewesen, dem wahren Sachverhalt nachzuforschen und beantragt die Nichtverlesung. - Dr. Aurednicek: Herr Dr. Baxa hat als Vertreter der Privatbetheiligten kein Recht, Anträge zu stellen. Er hat nur das Recht, Fragen zu stellen oder Bemerkungen zu machen. Wenn er behauptet, dass es bürgerliche Pflicht eines jeden war, auf eigene F a u st der Sache n a ch z u g e h e n, frage ich, ob es bürgerliche Pflicht war, den eigenen Bruder des Angeklagten im besoffenen Zustande zu belast e n d e n A u s s a g e n zu verleiten. Das ist eben das Gegentheil davon. Und wenn Dr. Baxa behauptet, dass seitens des Gerichtes nicht mit der wünschenswerten Intensität erforscht wurde, so behaupte ich, dass das Gericht mit großer Mühe und Aufopferung vorgegangen ist, wie selten jemand. Dr. Baxa soll sagen, wer seine Pflicht nicht gethan, er muss es sagen. Das sind Phrasen, die er herausschleudert, ohne sie z u b e g rü n d e n. Dr. Baxa: Der Untersuchung sind viele Momente entgangen, welche, wenn man sie rechtzeitig ausgeforscht, Licht in die Sache gebracht hätten. — V or s. (zu Dr. B a x a): Sagen Sie, wer hat nicht seine Pflicht gethan? — Doctor Baxa: Es wurden von allem Anfang an nicht alle jene verhaftet, welche verdächtig waren. Wenn man das gethan, wenn man energischer nächgeforscht hätte, wäre es nicht so schwierig^gewösen. (Ruse seitens des Berichter st a t t e r s d er „l?s8lcv Zajmy“ : V y b o r n 6! V b o r n 6! Protest rufe und Rufe zur Ruhe von anderer Seite.) ’ ■ Der Gerichtshof beschließt, die Verlesung deD „Deutschen Volksblatt" nicht vorzunehmen, wogegen der Vertheidiger neuerdings beantragt, den Fabrikanten Nowotny und den Nedacteur des „Deutscheil Volksblatt" Hans Arnold S ch »v e r vorzuladen. Der Bruder des Angeklagten, M o v i z .H ü l s n e r, auch Jtzig genannt, e n t s ch l ä g t sich der Zeugenaussage. Die ilächste Zeugilr ist Katharina Dwokak, die in ungemein schwatzhafter und einfältiger Weise ihre Aussage macht. Auf die Frage des Bertheidigers muss sie zugeben, n i ch t z n w i s s e n , ob Hülsner in den Wald gegangen sei, da nlan an ihrer Wohnung vorbei auch zum Katharinenberge gehen kann. Der nächste Zeuge Josef M n n k a u, Zimmermaler, wird beeidigt. Ec beschreibt den Weg, den Hülsner gegangen sei und ist der Meinung, dass Hülsner nur in den Wald gieng, sicher rveist er es nicht. Vom Vertheidiger befragt, ob es an oein Tage geregnet habe, sagt der Zeuge, es habe geregnet, doch bald wieder aufgehört: nun macht ihn der Vertheidiger aufmerksam, dass es um die Zeit schön war; dein widerspricht der Zeuge und die Discussion schließt der P r ä s i d e n t rnit der Beinerkung, es könne an einer Stelle ganz schön sein, ivährcnd es zu gleicher Zeit an einer anderen regnet. H ü l s n e r, au'gefordert, sich zu äußern, erklärt, er sei stets allein gewesen. Der nächste Zeuge ist Franz Eink aus Polna, der ebenfalls Hülsner in Gesellschaft zweier Juden gesehen hat, ivelcher erzählt, dass einer der Begleiter ein längliches Paket in einer Umhülle von Zeitungspapier getragen habe. Die Kleider des Hülsner waren nach diesem Belastungszeugen grau. Der lojährige Hugo Fried ist mit Hülsner 'flüchtig bekannt: der nächste Zeuge, Schustermeister S k a r e d a, gibt an, dass er den Berthold Fried in Polna gesehen hat, der zu dieser Zeit nachweislich im Spilale gelegen ist. Frau Johanna Vomela sah zu der kritischen Zeit einen Mann mit einem Stocke aus dem Walde kommen und wird vom Vorsitzenden aufgefordert, den Angeklagten anznschen. Die Zen g i n betrachtet den Angeklagten einige Secunden, schüttelt mehrmals den Kopf und wendet sich dann gegen den Prrisidcntcn. Mit bestinuntem Tone sagt sie daun: So hat er nicht arcsgcschaut. Das war er nicht. Dcr Mann, den ich gctrvsFn habe, hatte schwarze Augen und ein volles Gesicht. Präs. In der Voruntersuchung haben Sie gesagt, dass es dcr Hülsner war. — Zeugin. Dieser Mann da war cs nicht. P r ä s. War er so schlank wie der Hülsner? — Zeu gin. Ja. Präs. War er so groß wie der Hülsner? — Zeugin. Ja. B r ä s. Nun also, dann passt ja alles auf den Hülsner. Sie haben auch ausdrücklich gesagt, dass er wie der Hülsner ausgesehen hat. — Zeugin: Das kann ich nicht sagen. Präs. Hülsner, nehmen Sie einmal den Stock und fuchteln Sie damit herum. (Der Angeklagte thut, wie ihm befohlen.) — Zeugin. Ja, so auf diese Art hat es der Mann gemacht, aber dieser Mann war es nicht. Präs. Wissen Sie, dass auch auf den Bruder der Hruza der Verdacht der Thäterschaft gelenkt wurde? — Zeugin: Ich weiß es, aber das kann nicht sein. Nun wird der HauptbclaftnngSzeuge einveruoinmen, Schlossecmeister Peter Pechak, 4!) Jahre all. Er gibt sehr genau die Zeit an, zu der er nach Polna kam und zu der er von Polna weggieug; er hat die Zeit von der Thurmuhr abgeleseu. Er erzählt, dass er einen Mann im weißen Gewand, und zwar in dunklen Kleidungsstücken auf die Distanz von 000 Schritten gesehen und erkannt hat; er habe den Mord von dieser D i st a n z a u s ganz genau gesehen und in dem Mörder erkannle er nach Haltung, Kleidung und Größe den Angeklagten Hülsner und kan n darauf schwören. Der Zeuge hat diese doch gewiss wichtigen Uinstände erst knapp vor der Verhandlung verlautbart und darüber befragt ihn der Präsident. Zeuge. Ich arbeite bei Israeliten und bin ein armer Teufel; auch dachte ich mir, dass ich dadurch die Todte nicht zum Leben erwecken werde. Ich habe mich auch wirklich damit zugrunde gerichtet. Die Juden weichen mir jetzt alle aus und sehen mich so traurig an. (Heiterkeit.) Präs. Sie sagten. Sie fürchteten sich, die Arbeit bei den Juden zu verlieren; wie ich aber höre, 'hatten Sie von Inden gar keine Arbeit. — Zeuge. O ja, dafür werde ich Zeugen bringen. Präs. Sie sollen ja gar nicht selbständig arbelten? — Zeuge. Weil ich auch eine Wirtschaft habe, arbeite ich im Sommer nicht. Präs. Wie haben denn die zwei Begleiter des Hülsner ausgesehen? — Zeuge: Herr Präsident, ich muss meine Aussage von der Voruntersuchung abändern, denn jetzt will ich nicht lügen. Ich habe geschworen. Den Einen habe ich nicht gnt gesehen, der Andere aber war stärker und breitschulteriger als der Hülsner. Präs. Das haben Sie früher ganz anders gesagt! — Zeuge. Ja, jetzt aber sage ich die Wahrheit; denn ich will meine» Schwur nicht bemakeln. Verth. D r. Aurednicek. Haben Sie die Leute dort gesehen, wo dcr Mord geschah? — Zeuge. Nicht dort, sondern auf dem Fußwege. Verth. Dort ist ja eben der Mord geschehen. Bei welchem Juden haben Sie denn gearbeitet? —Zeuge. Daran kann ich mich nicht erinnern. Verth. Wenn Ihnen aber an der Kundschaft so viel gelegen ist, sollten Sie sich doch erinnern können. — Zeuge. Gehen Sie hin und fragen Sie. (Heiterkeit.) Präs. Geben Sie dem Herrn Vertheidiger nicht solche Antworten. Sagen Sie einfach „Nein!", wenn Sie nicht antworten wollen. Hülsner bestreitet, dass Pechak ihn gesehen habe. — Die Zeugenaussagen sind nicht von Belang, da sie alle auf dasselbe hinauslaufen. Sie haben Hülsner alle gesehen, wissen aber nicht wann und wo. Der Zeuge Franz Wessely hat zwar in der Voruntersuchung angegeben, dass er kein S ch ä ch tmesser bei Hülsner gesehen hat, nun aber weiß er es gattj genau als lang, ohne Spitze zu beschreiben. Der Zeuge gibt als Grund des Widerspruches an, dass der Untersuchungsrichter ihm Furcht (!) eingeslößt habe und so habe er (Zeuge) alles unterschrieben. Dieje Aeußerung über einen Richter wird von den antisemitischen Journalisten mit lauten Rufen begleitet, die aber vom Präsidenten nicht gerügt werden. Rach weiteren Zeugenaussagen von minderer Bedeutung schließt der Vorsitzende die Verhandlung. D o n n e r s t a g, 14. Juli. Der dritte Verhandlungstag brachte die „Pikee resistanco“ des Proeesses, die vom „Deutschen Volksblatt" so pompös angekündigte Einvernahme ihres Redactenrs Schwer, s i e v i e l kläglich ans. Am Vormittag drehte es sich um den Antrag des Bertheidigers wegen des Loealaugenscheines. Dieser wurde, trotz der energischen Einsprache des Bertheidigers, a b g e l e h n t. Dann wurde der S a ch v e r st ä n d i g e n b e f u n d verlesen und die Sachverständigen vernommen. Diese sagen m i t a l l e r Bestimmtheit aus, dass die Flecken auf der gefundenen Hose von Menschenblut herstammen, gaben jedock) zu, dass die Unterschiede der Zellengewebe von Menschen und Tbierblut sehr klein s e.i e n! Der Antrag des Bertheidigers auf Einholung eines Facultätgutachtens wird ebenfalls a bgelehnt. „ ■ Die „sensationellen" Aussagen des Redactenrs S ch w e r vom „Deutschen Volksblatt" beginnen mit dessen Erzählung über seine Recherchen in Polna. „Ich will," sagt Zeuge, „den Grund angeben, warum ich dort war. Als der Mord an der Hruza aufkäm, haben wir einen Artikel veröffentlicht, in welchem der Schächter K u rz w e i l aus Göltsch-Jenikan beschuldigt wurde, den Mord begangen zu haben. Da er uns infolge dessen klagte, mussten wir alles nufbieten, um es ihm zu beweisen. Deshalb wurde ich nach Polna geschickt, um diesbezüglich Erhebungen zu pflegen. Ich musste also alle Momente ins Auge fassen und die verschiedensten Personen einvernehmen. Immer stieß ich auf drei Namen, den Kurzweil, den Beran und den Hülsner. Das Material habe ich dem Herrn Dr. Baxa übergeben. Es klappte alles. Unter anderem ließ ich mir auch den Zeugen und seine Fran kommen, welche hier angegeben haben, dass ich sie einvernommen hätte, und befragte sie. Ueber Leopold Hülsner habe ich kein Wort gesprochen. Da ich der böhmischen Sprache nicht vollkommen mächtig bin, ersuchte ich einen Herrn, er möchte mit mir gehen, da der Herr S ch i e wieder nicht genug deutsch kann. Wir giengen also zusammen nach Groß-Meseritsch, wobei Schic nlitgieng. Schic sagte; „Mir sagt der Moriz alles, ich bin wie sein Vater. Was der mir schon alles gesagt hat!" Wir giengen also zusammen in ein Gasthaus, wo wir den Knaben ansfragten. Jtzig hat zugegeben, dass Beran bei H ü l s n e r s geschlafen habe. Wie ich dann draußen stehe, sehe ich einen Inden herankommen. Ich glaube bestimmt, es ivar Beran. P r ä s.: Also bei dieser Gelegenheit haben Sie den Burschen ausgefragt? — Z e n g e : Ich habe kein Wort mit ihm gesprochen, sondern der S ch i c hat mit ihm gesprochen. Präs.: Wer war der Herr, der mit Ihnen als Dolmetsch initgieng? — Zeuge: Das war der Fabrikant N o w o t n y. P r ä s.: Hat der Bursche Wein getrunken? — Zeuge: Ja, aber er war nicht betrunken. Er i ft ganz nüchter n w e g g e g a n g e n. Als wir weggiengen, sagte Schic: „Mir ist leid um den armen Burschen, denn er kann ja nichts dafür. Moriz schreibt mir oft, ich möchte ihn wieder zu mir nehmen, aber der Hausherr Reis mann hat es nicht gestattet." P r n s. Sie sagen. Sie haben den Beran gesehen. W i e i st d a s m ö g l i ch, er war ja e i n g e s p e r r t! — Zeuge: Ich kann Zellgen dafür anführen, dass er nicht ein ge sperrt lvar, vielleicht wurde er früher entlassen. Ich kenne noch andere Jilden, die früher entlassen wurden, als sie entlassen werden hätten solleil. Auch Zink soll deil Beran gesehen haben. Der Präsident verliest ein Telegramm des Kreisgerichtes Ghrudiln an das Bezirksgericht in Polna, in welchein ersucht wird, es möge interveniert werden, dass Beran angebe, lvo er sich im nächsten Monate befinden iverde. Dieses Telegralnm ist ill Ehrudim am 30. März allfgegebeil. Der Präsident theilt weiters mit, dass sofort '.lach Einlresfen des Telegrainnles in Polila Beran dein Bezirtsrichter aus der Haft vorgeführt wurde, woraus erhellt, dass er sich zur Verbüßung seiner zehntägigen Straft, aus der er am 30. e n t l a s s e n lv u r d e, a in 2!). u o ch i in Arreste besä n d. Zeuge. Ich kann Zellgen nennt;cift machen. Präs. Aber u m G o t t e s w i l l e n! D a i st j a d o ch eine a ln t l i ch e U r k il n d e mit g e u a u e r Unterschrif t, datiert vom 3-0. März. Wie kann der Beran i n d e r Li a ch r v o m 20. aus den 30. bei Hülsner g es ch l af e n haben, w en » er s i ch i m Arre st e befand? — Zeuge. Es i st d o ch so! Präs, (außer Fassung): Aber Herr Zeuge! Aber um G o tt e s lv i l l e n! S e l b st wenn sie dreißig Z e u g e n bringen! D a ist ja doch eine U r k u n d e, v o n einem Beamten unterschrieben, den ich kenne, e i n Herr K a r a s e k, der hier A u s c u l t a n t war! — Zeuge: Ich berufe mich auf meine Zeugen. Präs. Warum das diese Zeugen sagen, weiß ich nicht, aber ich muss dieser Urkunde glauben. Dr. Baxa. Vielleicht sollte man über die Urkunde Nachforschungen pflegen. Präs. Das ist eine Verdächtigung des Beamten K ar as ek! Dr. Baxa: Es müsste aber doch aufgeklärt werden, wie sich die Sache verhält! Präs, (barsch) So nennen Sie mir jene Zeugen, welche Beran am 29. März gesehen haben wollen! — Dr. Baxa. Ich weiß sie nicht. Präs, (zum Zeugen). Also wissen Sie sie, Herr Schwer? — Zeuge (sich langsam besinnend). Zink, Josef Eermak.... P r ä s. Eermak, wer ist das? — Zeuge. Mir scheint... Präs. Was heißt das: Ihnen scheint? — Der Zeuge verliest nun ein Verzeichnis von 27 Zeugen von einem Zettel herab, lvelche sämmtlich nussagen sollen, dass sie den Beran gesehen haben. B e r t h. Sie behaupten, Herr Zeuge, dass der Bruder des Hülsner vollkommen nüchtern war? — Zeuge Als er fortgleng, ivar er ganz nüchtern. Bert h. Stammt der Artikel im „Deutschen Volksblatt" über den Besuch in Meseritsch von Ihnen, Herr Zeuge? — Zeuge Ja. Verth, (erstaunt) In diesem Artikel haben Sie selbst gesagt : „Nach dem ersten Glase war „Jtzig" lustig, nach dem zweiten war er gesprächig, nach dem dritten angeheitert u: s. w. Dann erzählte er Sachen, dass unser Haar sich sträubte..." — Zeuge Ganz richtig. Bert h. Wie stimmt das? — Zeuge (verlegen) Sie werden ja bemerkt haben, Herr Doctor, der ganze Artikel war ja nur eine große Frozzelei. Ich habe die Leute ja nur gefrozzett! Verth. Das ist sehr traurig, dass man einen Artikel über eine so heikle Sache schreibt und n a ch t r ä g l i ch, wenn die Oeffentl i ch k e i t von d i e s e m Artikel b e e i n fl u ß t n n d ein Mensch unglücklich gemacht ist, sagt: „Es ist nur eine Frozzelei!" — — Wenn die Artikel des „Deutschen Volksblatt" alle solche Frozzeleien sind — — — (Bewegung.) Damit ist das Verhör dieses Zeugen beendet. Der Dolmetsch, Fabrikant Nowotny, gibt an, „nicht viel gehört zu haben." P r ä s.: Aber Sie mussten doch hören, wenn Sie den Dolmetsch machten! — Zeuge: Die Herren dachten, man werde hören, aber man h a t n i ch t s gehört. Präs.; Etwas aberhaben Sie doch übersetzt? — Zeuge: Der „Jtzig" erzählte, dass Beran am 29. März bei Hülsner geschlafen hat; von Kurzweil hat er es nicht zugegeben. Dann aber muss der „Jtzig" schon b e t r n n k e n g e w e s e i n s e n, denn er sagte wieder, dass Beran nicht dort geschlafen hat, dann wieder: „D er P o ldl h at es nicht gemacht; der. wer es gemacht h at, ist schon lange fort. (Bewegung.) Verth.: Herr Schwer sagte hier, Moriz Hülsner hätte erzählt, dass Kurzweil zwei Nächte bei Hülsners übernachtete. Sie sagen jetzt wieder, von Kurzweil wollte er das nicht zugeben. Zeuge: „Jtzig" hat das alles geleugnet, hat überhaupt alles durcheinander geworfen. Verth.: Nun, wenn man solch einem Burschen so viel Wein gibt! Z e u g e: I ch bitte, e r w a r n i ch t betrunken, soviel ich gesehen habe. Präs, (zum Angeklagten): Hülsner, was sagen Sie dazu? — An g ekl.: Beran war nicht bei uns. Zeuge: Jetzt erinnere ich mich noch, dass Jtzig gesagt hat: „Der Beran muss früher ans dem Arreste entlassen worden sein." (!) '«Xi.- JtälSm