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Jüdisches Volksblatt · 1899-09-15 · 31 (15.9.1899) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
31 (15.9.1899)
Date
1899-09-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seiiö 2 Wien. Fn'itag von 60 (ir.'timetev mit '-ülut bespritzt toar. Weiters fanb mau au demselben t te: Eliten braun.n Papiersack, wie er von Kanfleuten ver>ve..ort tvixw, an ver Leite aufgerissen, an der linken Ecke mit Blut besprengferner eine» fettigen Fetzet: Papier, ein Stück der ..Naroilm;.vjiitika", gleichfalls blutbefleckt, ein Stück sein grober neuer Lentmano, das derart mit Blttt befleckt war, als ob sich jeinano barin sein blutiges Messer abg tvischl hätte. 4ln derselben Stelle faub tnan lange, durch geronnenes Blttt aneinander klebeitde Frauenhaare voit berse.vcn rölhlichen Farbe, die das Haar der Tobten aufwies; endlich tut blutbeflecktes Bandenve. Än den Battinen hiengen grobe F ii D e n, an einer Stelle sogar eilt ganzes Knättei detselbe>>, w-.l.ye augenscheinlich tvte Eyarpte - - au s d e nt H e nt d e h e r a u s g e z tt v f i io a r e u. Leas outen Fasen, tvel.r,e tv.e tjjteg'.ttarlternngett an den B-inntcu gcfuitoeu ivttroeit, scheint der Weg marticn, -welchen das Dpu1; tu Die) e '.'Balde geschleppt tvnrde, ut-.b bats attch!) i e r der Wi o r 0 e r tt b t ivvroen uuu\ Bei einer stark mit Blut bedeckten Stelle, unter einer kletneu Fichte, lag etn blutiger Struck, der in der Mitte augenscheinlich zerbisse,t oder zeiifsen war; auch Frauenhaare derselben 'Art wie die des Leichnams, wurden hier gefunden. Etiva lO, Bieter südlich von dent beschriebe.tett Orte lag unter einer gegett 4 Meter hohen Fichte ein leeres Täschchen aus lchivarzeut L.eer, 6 lUieter südlicher fano mau zwei Tücher, von denen eines, groß ttud aus ge.der Wolle, Btntspurea aufnües. Fans Bieter vvit hur entserut, bemerkte tuau die Stumpfe, von denen dis zur k-etbergung des Leichnams vertveudeten. jungen Fichten abgeschntlten tvordett touren. Hier lag attch eitt weistes, tu Dei Mitte geknüpftes Schnürchen. Etwa 2-', '.bi et er nördlich von der stelle, an ivelcher der Leichnam lag. fand matt einen netten Unterrocr aus buntem Eanevas, der stark zerdrückt ivar. Der Schluss war zerrissen. Der Rock scheint dem Opfer mit Gewalt yerabgertssen ivordett zu sein. Eilt ztveiter Unterrock aus demjelbeu Materiale, schon stark getragen, war mit Blut bespritzt, wayreno etn dritter seitlich mit Koch befleckt tnar. 30 Meter nördlich fand inan unter Moos versteckt einen Tannent n ü t t e l, welcher itt der Mille und au einem Ende Bintsprcher äengle unb au der Spitze zersprungen >oar. In der Umgebung tagen überhaupt zahlreiche, avgeschnitt.-ne Stücke, deren Rinde au einzelne» Stecken frisch abgeschabt tvar. Aus den Schnitten lasst sich schließen, dajs dazu ein starkes, sehr scharfes Messer verwenoet ivordett tvar. Attch eilte roth-weiß carrierte Schürze tvurde znjatnnteitgeknnUr unter dent Moose gesunden. In diese waren Feyen Des Heindes und einzelne Fäden eingewickelt. VtachDsnt dte Formalitäten der gerichtlichen Beschatt erledigt waren und Marte Hruza in der Tobten ihre Tochter Anna agnosctert hatte, tvttrde die Leiche in einen bereilgehalteneu Sarg gelegt und^ unter Aussicht des Polnaer Gemcindevorirandes Rudolf S a d i l in die Todtenkantnter aus den Frtedhos der heiligen ^Barbara überstihrt ttnd die Leicheubeschatt noch aus denjelbett rvag für 6 Uhr nachmittags anberaumt. Bemerkenswert i}t, dass man n i cf) t soviel Kleider fanb, a l s A n u a Hruz a a m Leibe gehabt hatte; so vermisste man aus j-.ywarzer Wolle gestrickte Handschuhe, ein feines, weißes Sacktuch uitd einen kleinen weißen Rosenkranz, dessen Theile aus weißen, aus Draht befestigten Glaskugeln bestanden, und an welchem etn tteines silbernes Kreuz hieng. Dre Leichcnbsschar;. Bei der gerichtlichen Leichenbeschatt, ivelche von den Gerichtsärzten Tr. M ichalek unb Dr. P rokesch vorgenommen wurde, wurden felgende Verletzungen coustatiert. Au .Der Vorderseite des Halses eine große Wunde, welche sich von links nach rechts zieht und links beim Ohre verläuft. Die Wundehat alle Weichtheile bis zum Knorpel entblößt. U'.ller dem Kinn ist eine 8 Eentinteter lange uttv 0 (Zentimeter breite Wunde mit scharfen Rändern zu sehen, theiliveise blutig, theilweise schon eingetrocknet. Aus der Wunde am Halse ragen einige durchschnittene Sehnett hervor. Etwa in der Mitte des Halses, an der rechten Seite, zieht sich eine deutliche S t r a n g u l ie r u n g s l i n i e, etwa l(Zentimeter breit, halb eingelrocknet, namentlich gegen rückwärts zu von schwarzbrauner Färbung. Die Anklagescheist zählt sodann die übrigen zahlreichen Verletzungen aus, welche an und für sich den Tod nicht herbeiführen konnten. Es sind dies blaurothe Flecken und Abschürfungen an den Arnx.-n und Händen ttnd acht Wunden am Kopfe, die alle auf die gleiche Art erzeugt worden sein dürften und scharfe Ränder haben. Die Aerzte erklären bloß die Schnittwunde für unbedingt! rödtlich und bezeichnen die Strangulation als lebensgefährlich.! 2Vie der Mord oerübt tvnrde. j . i Der Mord wurde mit besonderer Grausamkeit und Hinterlist! verübt. Was die Zeitdauer betrifft, während welcher der Leichnam! rni Walde gelegen fern mochte, so lässt der Umstand, dass die! Leiche vor Frost steif und ganz frisch erhalten war, die Möglichkett! zu, dass es 2'F Tage waren. Bezüglich der näheren Umstände! erklären die Gerichtsärzte, dass keinerlei Anzeichen eines! Sittlich keitsdelictes vorliegett ttnd behaupten, dass! der Leichnam der Anna H r tt z a nahezu v o l l st ä tt b i g! blutleer mar, obwohl nach den aufgefunbeueit Blntspnrrn bei :oi;fer Art des Mordes eine viel größere Blutmenge vergossen tverden müsste. Endlich glauben die Aerzte mit Rücksicht ans die Umstände, unter welchen der Schnitt am Halse verfolgte, tust Sicherheit entnehmen zu können, dass der Schnitt am Halse erst vorgenommen wurde, als die Hruza schon am Boden lag tt. zw. mit dem Gesicht nach abwärts. Wäre dieser Schnitt dem Opfer in der Rückenlage beigebracht worden, so hätte die Umgebung des Thatorres, namentlich die Bäume ringsum, durch reichlich 1 vergossenes Blut befleckt werden tnüssen, während sich die Blutspuren thatsächlich auf einen kleinen und streng abgegrenzlen Raum concentrieren. Schon null) diesem Befunde und dem Gutachten der Gerichtsärzte, sowie nach verschiedenen Anzeichen und Spuren am Thcttort tnuss man annehmen, dass Anna Hruza nicht nur eitteS gewaltsamen Todes gestorben ist, sondern auch, dass der Mord auf Schächterart verübt wurde mrd mehrere Mithelfer davci octhcxligt waren. Die Berhastttitg HnlAuers. Gleich am anderen Tage nach Aussindung der Leiche verbreitete sich in Polna ttnd Umgebung das Gerücht, dass der augellagle Leopold H n l S n e v d e v M örder sei. Dieses Gerücht tuitzte sich hauptsächlich darauf, dass nach Angabe von Zeugen Leopold H u l s n e r, welcher bei seiner Mutter irn Hause Nr. l I der Boluaer Jud.usladt wohnte und ohne ständige Beschäftigung tvar, sich oft itu Walde „Brzezina" herutntrieb. Da musste er der .vruza auf ihren täglichen Wauderttngen von Klein-Viesnie nach Polna und zurück sehr oft begegnet sein und sie umso eher gekannt i; eben, als das Haus der Prchal nur tveitige Schritte von dem ckülsners entsetnt liegt. Infolge dieses Gerüchtes tiahm der Gendarmerie-Po,lensührer Josef K l e n o v e c unter Assistenz des Gstneinderathes August S e d l a k noch Borinittag und ebenso D tenstag, am 4. April, in der Wohnung Hülsners und dessen lbiutter HausDurchsuchungen vor, die aber ohne jegliches Ergebnis blieben. Trotzdem wurde Hülsner noch am 4. April verhaftet, da er behauptet halte, weder am 29., noch am 30. März im Walds getvesen zu sein, was mit zahlreichen Zeugenaussagen in Widerspruch stand. Er wurde dem Kreisgerichte Poltta eiugeliesert, tvelches noch am selben Tage über ihn die ordentliche Untersuchungshaft verhängte, da die a l l g e m eine M e t tt tt tt g .) >'«.!I'»<’ 1 0< \ >< K i ii;11 1 5. Soptoml'Gf 1 •';'() Nr. 31 i tt P o l tt a und U ntgeb tt tt g i h tt Bl ö r d e r bezeichne t ein ft i tti m i g als den Verdachtsgrmrde. Diese allgemeine Annahme hat sich als völlig begründet erwiesen, denn im Verlaufe des mit Hülsner angestellten Verhöres ergaben sich so zahlreiche und wichtige Verdachtsmomente, dass er'der Thäterschaft mit mehrerett dringend verdächtig erschien. Anßerdenx ergibt sich ans der Angabe der Marie Hruza, sowie des Vormundes der Erntordeten, Josef ist o tv a k, dass Hülstrer die Anna Hruza öfters verfolgte uttö ihr tut Walde mxchgieng, objtuav er behatiptete, sie gar tticht gekattnt zu haben. So gibt Nowak unter anderem au, dass etwa drei bis vier Wochen vor den O st e r s e i e r t a g c tt, als noch Schnee auf den Feldern lag, die Anna Hruza'zu ihm gelaufen laut und sich beschwerte, Hülsner sei ihr bis in die Nähe des K o j d l'scheit Anw e s e n s gefolgt, wo der Weg zum Marterl abbieg!. Auf die Frage, iver beim dieser Hülsner fei, habe sie geantwortet: „Das ist so e i n h ä s s l i ch e r I u d e". Sie habe hitttugesügt, er sei ein Schtxster, der ihr oft tt a ch st clle und „Gott iv c i st, tv a s" gegen s i e h a b e. Da das Äst ä d ch e n erklärte, sie fürchte sich vor H ü l s n e r, begleitete sie Nowak damals bis zu dent Bache ttnd kehrte erst mit, als er Niemand hinter ihr gehen sah. 'Attch die Mutter der Erntordeten deponierte, dass ihre > Tochter schon einmal im Marz des verflossenen Jahres sich beklagte,! Vals irgend ein Jude, desscn^N.xtne'.x Anna Hruza nannte, den I aber die Zeugin »lieber vergessen Hat, dem Mädchen nachgesiiegen! sei ttnd das von dem Hause an, in welchen es nähe, ritte längere! Strecke hindurch. Sie habe auch hinzugefügt, der Jude, tvelcher sie tticht atts dem 'Auge lasse, sei ein gelernter Schuster, arbeite jedoch nichts. N o tv a k gab iveiters au, dass etiva e i tt e Woche v o r Ostern die Marie Hruza zu ihm gekoinnteit sei mit der Bitte, er möge auf die Aunä achtgeben und a u f d e n I u d e », weil e v 11) r e Tochter verfolge. Sie habe hinzugesüqt: „Was bist Du für ein Mensch? Du bist da in der Stadt unb kenn fl diesen Menschen ntcht!" Dazu kommt noch der Unxstand, dass Leopold H ü l s tt c r vor dem Tage des Mordes atts dem Ringplatz in Polna mit den Mädchen Josefa B i t l a c t l und Anna R e i s s tu a u tt spazieren gieng ttnd ihnelt aut die Frage nach seiner früheren Geliebtett, Llitna B e xx e s ch. erklärte, er habe j e iz t ein anderes?.st ädchen atts Bi es nie. Der Schtthmachergehilfe Franz '•liefe(t), Hülsners treuester Kamerad, bemerkte, es schetue ihm, d o. s s d a s die Hruza sei. So ist denn'kein Zweifel, dass Leopold Hülsner trotz seines Leugnens die dlnua Hruza gekannt hat, dass er sich für sie sehr iuEcceffierte und ihr "öfters nuchgieng. Diesen Umstand hält die Ank'.cxge für die Benrrheilxxng der ganzen Strafsache littst erst H ü l s v. e c erklärt, dass die Zeugen Link und S k a r e d a sich im'Datum .irren. Er will an dem verhängnisvolleN Eage bis 0' Uhr u.bends auf dem Riugplatze in Polna spaziereit gegangen fc.tn ttnb sici, dann in die Synagoge begeben haben. Aus dem Ringplutze I)abe er noch ben Vincenz Zull i tx g e r, spater den Anton D w o r z a c e k und Rudosi L e t r n c r getroffen und diesem fein neues Arbeitsbuch gezeigt, ivöbei er ihnen erzählte, er ivolle nach Salzburg gehen und dort in einer Ziegelei Arbeit sucheix. Gegen 6 Uhr habe er noch die Gtttdetttett Max B r e t i s ch und Hxtgo Fried getroffen. Um 6'/, Uhr habe er sich in die Syitagoge begeben und sei dort bis 7 Uhr abends geblieben, was der Cantor Ludwig Steiner, der Ternpeldiener Alexander Basch und der Kaufmann Jakob Lustig bezeugen. Die Zeugen Z a l l i n g e r, L e i x >x e r und Dxvorzacek erklären demgegenüber mit Bestimmtheit, Hülsner an diesem Tage nicht tveiter gesehen zu haben. D iv orzaeek bemerkt noch, dass H ü l s u e r ihm am ^!>. März ein neues Arbeitsbuch schon deshalb nicht zeigen koiuxte, weil er sich dasselbe erst am 31. März 189!) auf dem Gemeindeamte in Polna behob, xvas auch der Gemeiudeschreiber Karl Kindl festgestellt hat. Hülsner hat also atxch hier umvahre Angaben gemacht und sein Alibi nicht nachgewxesen. Sehr belastend ist der Umstand, dass Hülsner am °2'. ein zweitesnxal den Anzug wechselte, was er allerdings bestreitet und angibt, nur seinen blauen Anzug getragen zu haben. Die Zengiu Johanna Bomel war am 29. März nach Polna gekommen, um Eittkätxfe zu besorgen. Ettva um Uhr istach'.txittag gieng sie von dort nach Klein-Viesnie zurück und zwar auf dem Fahrwege am Rande des Waldes. Da die ^Frau kränklich, dauerte es ekxva eine halbe Stunde, bis sie zur Stelle! kam, wo die Leiche der Anna Hruza aufgefundeu tvurde. Bon! kies,',' (111.3 >11.'1,0 CU» mit hum rin' 'Stuhl. ') tvi h. ig. Aus dem Angeführten geht hervor, dass Leopold Hü ls XX e v nicht nur g e w XX s s t l) a t, um welche Z e ist d H r u z a d e s A b e n d § P o l n a v e r l i e st, sondern a tt ch ben Weg kannt e, den sie e i n s ch l u g. Beweis- und ALibi-Zeugeu. An dem verhäugnisvollerx -.9. Ästarz verließ die Anna Hruza die Näherei schon um ä'Z Uhr Abends, also eine Viertelstunde vor der gewöbulichen Zeit, da die Prchal Dine A-beit mehr für sie hatte. Die Kocmanu begleitete sie, nsie angegeben, ein Stückchen, um */,6 Uhr tvurde sie noch bei den „Aiabokrty" vom Schtxster H o r ä c e k gesehen. Vor der' Stelle, ivo Horacek die Hruza zum leizteunxale sah, bis zur Stelle, tvo der Mord sich absptelte, ist es eine Viertelstunde Weges, ss^dass die Hruza um o3/« Uhr dort eingetrofsen sein muss. Auf dem Wege durch den Jungwald muss sie überfallen und eine Strecke iveit ins Gebüsch geschleppt ivordett sein. Der Mord muss also an dieser Stelle zwischen ö3/, und O'/j Uhr verrübt worden sein. Wie bereits angeführt, leugnete Leopold H ü l s tt e r an dem verhängnisvollen Tage, um 6 Uhr Abexto inx Walde „Brzezina" gefundene Weste. WeiterS erhärten die Zeugen Auton D iv o r z a k, Rudolf Leixner, Vincenz L o h i n g e r ttnd Wenzel S o b o k k a, dass, als sie auf einem Hügel nächst dem Friedhofe Karten spielten, um 2 Uhr i Nachmittag Hülsner zu ihnen gekommen sei und sie aufforderte, mit ihm in den Wald „Brzezina" ztx^gehen. Da sie nicht mitl giengen, verlor sich Hülsner eine stunde später allein in den Wald. Hülsner gibt dieses Zusanxtnentreffen ztt, leugnet aber, damals allein in den Wald gegangen zu sein und will auf einem anderen Wege nach Polna zurückgekehrl sein. Adolf Muzirar desiät-gt zwar, dass sich Hülsner 'Nachmittag nach Polna zurückbegab. Er traf ihn zwischen 4'Z und o Uhr Nachmittag am Ningplaize beim Geschäfte der Frau K l a d i k. Hülsner trug damals nicht mehr seinen besseren dunkelblauen Aixzug, tu welchem matt ihn Vormittag gesehen hatte, sondern er tvar mit einem grauen Werktaganzug bekleidet. Etwazehn Minuten später wurde H tx l s u er vott den Zeugen Franz Link ttnd Josef Skaredä gesehen, tvie er in Begleitung zweier fremder und u n b e k a u n t e r Va g a n t e xx i xx g r o st e n S p r ü n g e tt d e tn W alde Brzezina zu lies. Es sind dies Aussagen von großer Wichtigkeit, istach der weiteren Aussage des Josef Link führte er am bezeirhneten Tage Nachmittag Stroh. Eben als es fünf Uhr schlug, laugte er mit der Fuhr am Ringplcitze an. Etwa zehn Minuten später sah er den ihm gut bekannten H n l s xx e r, seinen zroei Kumpanen in großen Sprüngen voratxslaufen. Der eine Fremde verbarg gerade einen länglichen, in Papier etngewickellen Gegenstand im Jmtern seines 'Rockes. i>lls H ü ls tt er bei der Sxrcchfuhre vorbeigieng, sagte er zu seinen beiden Kameraden: „Gebt es aus dem Mund, ivir könnten sonst dafür eins auf den Mund kriegen." Die drei Männer hielten nämlich brennende Cigaretten inx Muxxde. Die beiden Unbekannten hat Zeuge in Polna überhaupt nie früher gesehen. Der eine von beiden ivar mittelgroß, voll im Gesichte, hatte einen etwa 14 Tage allen, schtvarzen Bollbarl und zeigte einen ausgesprochen jüdischen Typus. Der Barl unter der Nase tvar schlecht'rasiert. Der Mann schien 20 Jahre alt und hatte sogenannte „X-'-Füste, wie die Bäcker, der Gang war schleppend. Der Manu trug graue Kleider und zwar eilten laug bis über die Linie rcichetxdrtt' Uederzieher. Er war es, tvelcher das Paket in der Tasche verbarg. Besonders auffallend an dem Fremden waren die wulstigen Lippen, sein Mund schien förnxlich aus dem Gesichte herausgewachsen. Der z w e i t e F r e in d e war kleiner. Er trug einen ordinären, schwärzlichen Anzug und sah sehr schäbig aus. Der Zeug nicht beschreiben, wie der Manu im Gesichte aussah, da er den größeren betrachtet hatte. Zeuge tvill diesen ztveiten Begleiter Hülsners schon zwei Tage früher in Polna gesehen haben. Die Beschreibung des Link passt geuart auf eittetl jurtgen Juden, welchen die Zexxgitt Julie P e s ch a k am bezeichneten Lage um . . elf Uhr vormittags bei dem jüdischen Tentpel gesehen hatte, xuo j itub 3 (Zentimeter breites, glät ihm der istabbiner ein Almosen gab. Beide B e g l e i l er i bei sich trug. Die Josefa B i dieser Stelle aus gieng sie atts "dem Fußwege zur Siadt. Oll; sie nahe am Fuße des Wcxldes nur, hörte sie auf einmal hinter sich ein Geräusch, als ob jemand in den Wald springen würde. Sie blickte sich um unb erschrack heftig, als sie etwa vier Schritte weit einen jungen Menschen sah, welcher einen geschälten weißen Knüttel in der'Hand trug. Als er sie erblickte, sprang er in schwerfälligen Sprüngen gegen das Feld zu, lief ihr einige Schritte voraus, sah ihr i'.ts Gesicht und sagte: „Guten Tag! Wohin gehen Sie?" — Darauf b.ummte er: „Dort ist eine Fichte. "Ich gehe dieser Fichte zu!" und verschwand wieder im Dickicht des Wildes. Die Zeugtu sah den Ätaun tut Scxireckett nur flüchtig au. Sie schildert ihn, ungefähr zwanzig Jahre alt, grauer 'Anzug, ein nahezu bartloses Gesicht. Bei der Consronlatiou mit Hülsner la'.ttt sie in ihm nicht mit Sicherheit den Mann aus dem Walde erkennen. Die Ästerkmato, die sie angibt, passen jedoch vollkommen auf H ü l s u e r. Der meiste Rock wurde später atts dent Thatorte gefunden. Mehrere Zeugen Pehaupten auch, dass Hülsner einen solchen Gang hatte, tote ihn die V o mel an dern Manne beobachtete. Da Oie Bomel von derselben Statur wie die ermordete Hruza ist und atu 29. März einen ähnlichen Rock tvie die H r tt z a trug, würde sich daraus das auffallende Verhalten des Fremden erklären. Die Bomel glaubt, H ülsner fei der Fre m d e, kann es aber nicht des ch w ö r e tt. Der Kleiderwechsel H ü l S u e r s, der Vormittag seinen guten blaxren Anzug, Abend "den schlecht« grauen trug, ist deshalb beachtenZivert, weil er nach seiner Ansjage am Abend beim Gottesdienste in der Synagoge gewesen sein will,^ wozu er unzweifelhaft in seinen Festkleidern geblieben wäre. Hülsner behauptet jedoch, dass er den ganzen Tag über seinen blauen Anzug getragen habe, überhaupt keinen grauen Anzug bezitze. Dies steht aber mit den angeführten ZPtgenans.'agen tut vollständigen Widerspruche. Ueberdies erhärten Der Gendarmerie- Wachtmeister Josef Klenovee und Gemeinderath August S e dlak, dass bei der am 2. April, das ist am Tage nach der Auffindung der Leiche der Anna H r u z a, vorgenommenen Hausdurchsuchung sich unter den Kleidern des H ü t s n e r thatsächlich ein paar alter grauer Beinkleider vorfanden. Bei den Hausdurchsuchungen am 13. und 14. April tmirde noch eine neue'graue Weste gefunden, ivelche die alte Frau Hülsner, die mittleriveile nach Groß-Meserttsch übersiedelt war, als Eigenthmn ihres Sohnes bezeichneke. Ein Beinkleiv von dentselben Stoffe, wie diese Weste, konnte trog genanester Durchsuchung nicht gefundru werden. Erst Moriz H ü l s u e r, Zcr jüttgere Bruder des Brschuloigteu, tvelcher bei öettt Schlosserxtteiiter Franz Schic in Polna tu der Lehre stand, sagte bei seinem Verhöre aus, dass sein Bruder „Polder" (Leopold) vor zivei Jahren graue Hosen zum Geschenke erhalten habe, welche sich in einem Koffer in der Altnenschule in Grost-Meierirsch, der Wohnung der Mutter, befättden. Hier fand man thatsächlich auch ein paar graue Hosen aus demselben Stoffe, tvie Oie auf- WlrrtflcckLn. Wie ans dem Protokoll über diese nenerttche Hansda.rchsuchung, welcher die Sachverständigen Carl Fiala und Josef Sypaeek beiwohnten, hervorgeht, fanden sich diese Beinkleider in einem kleinen .Koffer, versteckt unter Franenkleidern, vor. An einigen Stellen derselben waren r o t h b r a u n e F l e ck e tt z tt sehe n. Besonders eine dieser Stellen tv a r r e ch t ausfallend durch eins gewisse Feuchtigkeit, während die anderen Flecken trocken waren. Ein Hosenkaopf war mit grünlichem Schimntel überzogen und feucht. Die Beinkleider wttrden sofort nach Prag geschickt, wo sie von den Sachverständigen Professor Dr. R ei tx 3 b e r g und Docent Dr. S t a v i k chemisch, mikroskopisch ittib spectroskopisch untersucht wurden. Diese Unlersuchnng stellte zweifellos fest, dass die Flecken an H ü l s xx er s Hose von B ln t, utx d z tv a r v o n Mensch ettb'lnl, Herr uhren. Die Untersttchnng war dadurch erschwert, dass bereits versucht worden war, die Flecke mit Wasser wegznwaschen. I ifolgedessen tvar es allerdings unmöglich, auf speelroskopischem Wege Haenxoglobitx zu constalieren. Nutx ist es klar, tvarnltt Leopold Hülsner und dessen Mutter gerade diese Beinkleider so eifrig verbargen, ja deren Besitz überhaupt zu leugnen suchten. Bei Auffindung der Hose musste .H tt l § tt c r schließlich selbst zügelten, dass sie ihm gehöre und dass er sie schotx im Vorjahre bei der Arbeit getragen habe. Ec gibt drr Bernxnthnng Ausdruck, dass die Flecten von Ziegelstaub herrühren, da er sich nie verwundet habe, so dass Blut nicht als Provenienz gelten könne. Mit Rücksicht atts alle diese Uuiftänbe und besonders unter Berücksichtigung des Sachverstaitdigen-Gntachtons muss man nothtvendig anttehmen, dass die ve'rtvaschetxett Flecken auf der H o se H tt lsners mit d e m an der 4l nn a H r tt z a v e r ü btetx M orde z n s a tu m e u h äuge xx, dass er sich bei dem Morde diese Blutflecken zugezogen habe, und dass d xher Centn H ‘i lsne r selb st de r M ö r'd e r o d e r z u nx ux i xx d e st e n einer der H a u p t h e l f e r an dem Morde sei. Die Mordwaffe? Mehrere Zeugen xvxssen auch atxzugebext, dass H t'x fpif fäiiiiever Aeit ein o roß es. etmo 40 Eentinteter Hülsners sind b i s z u tu heutigen Tage tu ch t c rxn i 11 c U tu o v b e tt. Sehr wichtig ist die i)lnssage der Marie Sobotka. Sie will am kritischen Tage bei Sottnetttuttergang den H tt lsne r in der Richtung des Waldes „Brzezina" gesehen haben. Sie gibt an, Hülsner habe sich wiederholt nach rechts und links geneigt, ass wollte er nach beideit Setten ausspucken. lsner schon seit längerer Zeit ein großes, etwa 40 Eentinteter langes ' " " " - ----- ' " - r f scharfes Messer 28. März spät glänzendes und sehr 'tlacil will am abends den Hülsner bei einem Wirtshanse gesehen haben, wo er sie fragte, ob sie sich nicht fürchte. Sie verneinte die Frage unb gab sie zurück. H ü l s n e r lintwortete, er fürchte sich nicht« tv e i l e r s e i n e W e h r b e i s i ch habe. Bei diesen Wor'tetx zog er aus der inneren Rocktasche ein großes M e s s e r mit B e i xx g r i f f, das sehr scharf schien. Beim Lateruenschein tvill die Zeugin auch gesehen haben, dass ein zu dent Messer

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