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Jüdisches Volksblatt · 1899-09-01 · 29 (1.9.1899) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
29 (1.9.1899)
Date
1899-09-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wien, -Freitai/ Jüdisches Volksblatt 1. September 1899 Seite 3 ntiot, ber igt nd »lb im ter teil >en och leit Hin fen lbe >as ms Ml cht chr :en che ine en. er. rin em die ine ese >en Die oct en, ms chl ien en en :n, "3 es r'S lM nd >rt en rs ru er e. ls?! er ie ch n-;n er lr- )e ld r-;u nch ln se er :n n. n, lg unt 8ts m lassen sich aber dann nur gut überblicken und würdigen, wenn wir sie von dem Punkte aus betrachten, von dem die Begründer des ersten Seminars ausgegangen sind. Um diesen Punkt zu erreichen, müssen wir nicht all die Jahre zurnckwandern, die seit jenen Tagen dahingestrichen sind, es genügt, wenn wir uns auf den Boden irgend einer kleinen und selbst größeren Gemeinde Galiziens, Russlands n. s. w. stellen. Da finden wir auf den ersten Blick den weiten Abstand zwischen dem Einst und Jetzt unserer Cultnrfortschritte. Das ist kein Abstand geographischer, sondern astronomischer Weite, >der Abstand von Lichtmcilen. Man antworte mir nicht, die jetzigen Rabbiner verdienen keine freundlichere Ausnahme in einer der galizischen Städte, die sich heute ncch wie vor Jahrzehnten vor jedem culturellen Einflüsse verschließen. Denn wären auch alle unsere jungen Rabbiner Geigers oder Frankels, sie wären noch immer nicht imstande, jene Ghettothüren zu sprengen. Freilich muss auch die Thatsache constatiert werdeil. dass die Anforderungen, die wir heute an unsere Rabbiner stellen, sich um vieles erweitert haben. Ist ja unser Gesichtskreis ein viel weiterer geworden, da wir selbst, wie gesagt, ein gutes Stück Weges vorwärts gelangt sind, und da wir, nur eine durchgreifende Reform einzuleiten, nicht den Ausgangspunkt, sondern den ins Auge fassen, wohin wir hinaus wollen. Ich sagte deshalb in meinem früheren Artikel: „Da der herrschende Geist der jüdisch-akademischen Jugend ein anderer geworden ist, da die idealen Bestrebungen unserer jungen Generation weit über die der alten hinausgehen, zeigt sich natürlich, dass der alte Nahmen, in den man früher die Aufgaben eines jüdischen Seminars hineinzupassen suchte, für die neuen Verhältnisse zu eng geworden, erscheint die alte Methode in manchen Theilen überwunden und praktisch nicht mehr haltbar." Diese Reform muss aber innerhalb der Seminarmauern durchgeführt werden. Die jüdisch-theologische Lehranstalt kann jetzt noch unmöglich vor die Frage von Sein oder Nichtsein gestellt werden. Nur ein Idealist der lebhaftesten Phantasie, der sich in seine eigene Gedankeusphäre einspinnt, die dem wirklichen Leben des Volkes weit entrückt ist, oder ein rücksichtsloser und kurzsichtiger Reformator, der die Wirklichkeit verwünscht, partout hinwegwünscht, und deshalb sie auch ignorieren zn dürfen glaubt, kann die Behauptung ansstelleu oder rechtfertigen, dass „eine besondere Anstalt zur Heranbildung von Rabbinern dem jedem Pfaffenwesen feindlichen Geist des Jndenrhums widerspricht." Wohl ist es wahr, dass der Geist unseres Volkes, der Geist der Propheten jedem Pfaffenwesen feindlich ist. Daraus fließt aber nicht auch die apodictische Behauptung des Herrn Eines, oder derjenigen, deren Ansicht er vertritt, dass eine Rabbineranstalt diesem Geiste „widerspreche". Was gibt Herrn Emes das Recht, die Rabbiner als Pfaffen oder Priester st att als P r o p h e t e n zu behandeln? Tie vielen Beispiele etwa, die er, die wir alle kennen? Daraus folgt ja aber nur die moralische, unabweisbare Nothwendigkeit, die wiederholt angedeutete-Reform so rasch als, möglich.erfolgen, zu lassen. Ist es aber wirklich möglich, die Rabbiueranstalten anstatt in unserem Sinne weiter auszugestalten, einfach zn schließen? Fragen wir unsere Geschichte und bemühen wir uns ehrlich, auch unsere Gegenwart zu verstehen. C\. Lebens Müh und Qual ergreift uns in Peninis Werken und Gedichten auch der nationale Schmerz, bem er ausdrucksvolle Worte leiht. Unter den genannten Dichtern vermissen wir in der Broschüre ungern den Sänger zarter, elegischer Lieder: Juda Halevi. In den trüben geschichtlichen Ereignissen dieser Periode liegt die Erklärung dafür, dass der Pessimismus unter den Juden Anhänger fand. Die Kreuzzüge mit ihren wilden Wuthausbrüchen, dte Vertreibung der Juden aus Frankreich durch Philipp den Schönen hatten Plünderung, Elend und Judenmord in ihrem Gefolge und erzeugten in -den Ueberlebenden Trauer und Verzweiflung. Und doch — es ist das Merkmal, welches den jüdischen Pessimismus vom antiken und modernen unterscheidet — aus all diesen Jeremiaden weht der Hauch tröstender, versöhnender Worte. Die jüdischen Pessimisten begnügen sich nicht damit, den Menschen Lebensverachtung und Weltflucht zu predigen, ihre religiöse Innigkeit heischt die Enthaltsamkeit von irdischen Genüssen zum Zwecke einer geläuterten Sittlichkeit und der Geistessreiheit. Auf Vollständigkeit macht der Verfasser keinen Anspruch. Er zeigt in großen Umrissen die Entwicklung1 und die Ursachen des jüdischen Pessimismus, von dem er uns manch schöne Proben aus der hebräischen Literatur anführt. Doch nichts hören wir von dem mit Leidenschaft und Verzweiflung ausgestoßenen Schmerzensschrei der jüdischen Märtyrer in Spanien, vom Ach und Weh der geplünderten und niedergetretenen deutschen Juden, nichts vom herzdurchbebenden Wimmern der polnisch-jüdischen Glaubenshelden. Auch die Betrachtung des jüdischen Pessimismus selbst hat sich der Verfasser ziemlich leicht gemacht. Man erwartet, einen philosophischen Gegenstand philosophisch behandelt zu sehen und findet ihn historisch entwickelt. Die Gedankenassyciationen zwischen dem jüdischen und allgemeinen philosophischen Pessimismus zu erforschen, den Weg zu zeigen, auf welchem diese philosophische Weltidee auch in das Judenthum Eingang gefunden, wäre eine, wertvolle und dankbare Arbeit. Allerdings, im Rahmen einer nur 38 Seiten fassenden Broschüre sind solch weitausholende philosophische Conceptionen nicht leicht denkbar. Wir hoffen aber, dass Herr Dr. G ü n z i g, der nicht nur eine innige Vertrautheit ber hebräischen Literatur, sondern auch philosophische Bildung verräth, den interessanten Gegenstand, in einem späteren Werke eingehender erörtern wird. Ein solches Werk wäre ein wichtiger Beitrag zur Geschichte der Philosophie, und der Verfasser würde sich dadurch die gebildete Welt zu Dank verpflichten. Wie«. (Ein jüdischer Schulverein.) Nach langwierigen Unterhandlungen und endlosen Schwierigkeiten ist es einigen Männern gelungen, den Grundstein zu dem Ge bände zn legen, welches die jüdisch-nationale Bewegung so heiß ersehnt. Der „Jüdische S ch n l v e r e i n i m zehnten Bezirke Wiens" gedenkt sofort nach den Feiertagen eine jüdische Schule zu eröffnen. Die erste modern-jüdische Schule, die von einem jüdischen S ch u l v e r e i n ins Leben gerufen wurde! Und gerade in Wien! Man wird sich mit diesem Ereignis als einem Zeichen unseres wiedercrwachten Volksbewusstseins herzlich freuen müssen und ihm nur den einen Wunsch hinzufügen können, dass dem jüdischen Schulverein im zehnten Bezirke baldigst ein solcher für ganz O e st e r r e i ch folgen solle. Die Namen der Männer aber, die trotz aller Schwierigkeiten dieses schöne Project zu Ende führten, wird man sich merken müssen, um ihr Verdienst noch in anderer, besserer Weise würdigen zu können. Es sind dies die Herren: I. S. S t r a ß b e r g, mecl. Dr. M. Nosenthal und Herr Seligmann. Wie wir übrigens aus guter Quelle erfahren, wurde zur Leitung der Schule, die im eigenen Gebäude uutergebracht ist, Herr Dr. I. L. Landau berufen. Man kann mit dieser Wahl zufrieden sein. Herr Dr. I. L. L an d a u steht seit Jahren in der Bewegung und ist durch seine umfassende schriftstellerische Thätigkeit nicht bloß in nationalen Kreisen aufs vortheilhafteste bekannt. Man kann von ihm erwarten, dass er die Schule in ganz modern-volklichem Geiste leiten werde. II. Briirin. (Zn r M a u d a t s n i ed erle g u n g d e s D r. M e r o r e s.) Ein jüdisch-nationales Blatt, wie das „Jüdische Volksblatt", hätte wohl kaum ein Interesse daran, die Nachricht zu verzeichnen, dass ein „deutschfortschrittlichcr" Landtagsabgeordneter, der zufällig Jude ist, sein Mandat niedergelegt, wenn nicht diese Niederlegung unter Umständen erfolgt wäre, die dieselbe zu einem beachtenswerten Symptom für die Lage der mährischen Juden im allgemeinen machen. Herr Dr. M e r o r e s hat seine Resignation seinen Wählern durch ein Schreiben angezeigt, welches einige höchst bezeichnende Stellen enthält, die grelle Schlaglichter auf die dermalige Situation im Lager der mährischen Deutschen zu werfen geeignet sind. „ E r e i g n u n g e n grundsätzlicher Natur", heißt es darin, „hatten zur notwendigen Folge, dass ich mich ans der politischen Wirksamkeit zurückziehen musste. Es wird mir nicht allzuschwer, aus dem dermaligen politischen Leben zu scheiden . . ." Und weiterhin . . . „vielmehr bin ich nach wie vor von der festen Ueberzengung durchdrungen, dass die ewigen Grundsätze der Wahrheit, des Rechtes und des Fortschrittes schließlich zum Siege gelangen werden." Damit ist wohl in nicht misszuverstehender Weise angsdentet, worin die „Meinungsverschiedenheiten principieller Natur" bestehen, die sich zwischen Herrn Dr. Merores und „einigen'leitenden Persönlichkeiten" der deutschfortschrittlichen Partei in Mähren ergaben und die eben nach den Darstellungen der Organe dieser Partei seinen Rücktritt zur Folge hatten. Man geht nicht fehl, wenn man dieselben in der „Rückstellung" jener „ewigen Grundsätze" erblickt, die „dermalen" bei den Liberalen oder, wie sie sich jetzt lieber nennen, den Deutschfortschrittlichen aller Länder so beliebt ist, wenn es gilt, selbst mit Preisgebung der wesentlichen Parteiprincipien sich in der eigenen Machtstellung zn halten. Wer die Verhältnisse in Mähren kennt und die Annäherungsversuche der „Liberalen" an die Deutsch-Nationalen seit vier Jahren beobachtet hat, der wird über eine Schwenkung der liberalen Führer zu den Deutschnationalen hinüber nicht erstaunt sein. Dass die Verhältnisse der Juden in Mähren von der Aenderung der politischen Situation nicht unberührt bleiben werden, ist gewiss. Wenn die Deutschnationalen einmal ihre Herrschaft antreten werden, dürfte sich die Lage der Juden in mancher Hinsicht schlimm gestalten. Deshalb heißt es, die Augen bei Zeiten offen halten und die Vorboten der sich vorbereitenden Ereignisse nicht übersehen. Wir wollen uns deshalb demnächst mit der Lage in Mähren eingehender /beschäftigen. Den mährischen Inden können wir nicht warm genug ans Herz legen, nicht zu vergessen, dass, wie im gewöhnlichen Leben, so auch im politischen Leben Klugheit sich darin äußert, dass man von den Ereignissen nicht überrascht wird, sondern dieselben vorhersieht. Ebenso ist, wie im gesellschaftlichen Leben, so auch im politischen Leben ein gewisser Grad von jener Feinfühligkeit unerlässlich, wenn man sich schwere Deniüthigungen ersparen und nicht tief in der Achtung seiner Nebenmenschen sinken will. Derjenige ist tief zu beklagen, der erst dann zur Erkenntnis kommt, dass er in einer Gesellschaft für überflüssig erachtet wird und allen seinen Anstrengungen zum Trotz keine Sympathie sich erworben hat, wenn er aus dieser Gesellschaft mit Brachialgewalt entfernt wird. Brünn. (Aus der Schule geschwätzt.) Gelegentlich einer czechischen Versammlung wies der Holitzer Gemeindevorstand und czechische Agitator O t t a h a l auf die fortschreitende Czechisiernng von Olmütz hin, die namentlich dadurch unterstützt wird, dass Juden ihre Häuser an Czechen verkaufen; der Genannte schloss seine Ausführungen niit folgendem Passus: „Wir können uns schon ganz offen darüber aussprechen: Die Juden werden uns Olmütz in die Hände liefern und wenn wir nur Olmütz haben, mit den Juden werden wir schon fertig...." Zrraim. (R a b b i n e r - I n st a l l a t i o ».) Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Isidor K a h a n ans Waidhofen an der Thaya wurde einstimmig zum Rabbiner der hiesigen Cultusgemeinde gewählt. Holleschqu. (D er jüdisch e V etera nenverei n.) Am 18. August hielt der nenbegründete jüdische Veteraneuverein seine erste Festlichkeit ab. An derselben nahmen sämmtliche Fnnctionäre.der beiden Gemeinden, sowie die k. k. Staatsbeamten und viele Vereine theil. Der Proteetor des Vereines, der bereits 47 ordentliche Mitglieder zählt, ist der Bürgermeister der Judengemeinde Herr Z w i l l i n g, zum Com Mandanten wurde Herr Jacob Braun gewählt. Bielitz. (Ablehnung der Beschickung des christlich-socialen Gewerbetages inWi e n.) Der am 25. August in Bielitz abgehaltcne Gewerbetag deutscher Gewerbetreibender Nordmährens und Schlesiens hat es in einer sehr entschiedenen Resolution abgelehnt, ,Wl qm 9. und 10. September in Wien tagenden Gewerbetag zy beschicken. In der Motivierung des einhellig gefassten Beschlusses wird darauf hingewiesen, dass es sich nicht um ejne gewerbefreundliche Unternehmung, sondern nur um eine Demonstration im Interesse der Wiener Macher Schneider, Lueger und Cousorten handelt, die das nntergehende Schifflein der christlichsocialen Partei noch retten wollen und hiezu soll der Gewcrbestand in der Provinz seine Hand leihen und Herrn Schneider, der schon lange auf das Präsidium lauert, zu. billigen Erfolgen verhelfen. Wesentlich zur Ablehnung trugen), die wüsten Beschimpfungen, Lügen und Beschuldigungen tzft,. die Schneider in seinem Blatte „Wiener Genoffenschaftstag^Wen die Gewerbetreibenden erhob. Die deutschen Gewerbetrewenden Mährens können den Standpunkt des Herrn SchneMr, nicht theilen und lassen sich am allerwenigsten von depMärtei Luegers als Drahtpuppen missbrauchen, die unteLallerlei Vorwänden patriotischer und religiöser Gaukeleien eigen unerhörten Personencultus treibt. Diese Ausführungen fanden ungetheilten Beifall. Prag. (Die Verhandlung im Polnaer Morde.) Wie nunmehr feststeht, werden.chor dem Schwurgerichte betreffs der Polnaer Mordaffaire -am 12. September in Kuttenberg die Verhandlungen beginnen. Den Vorsitz . bei ber. Verhandlung gegen den wegen Mädchenmordes angeklagten H ü l s n e r wird der Kreisgerichtspräsident I e z e k führen, als Votanten werden die Räthe V. P e s ch e k und I. B u d e c i n s, als Ersatzrichter Secretär Tichy, als Verth,eidiger bekanntlich Dr. A u r e d n i c z e k, als Vertreter der - Privatbetheiliglen Dr. Ba xa fungieren. Der Andrang zu...der Verhandlung ist ein enormer und sind von folgenden Blättern bereits Berichterstatter angemeldet: „Narödni Listy“, „Narödni Politika", „HIös Ndröda“, „Katolicke Listy“, „Echo de Paris“, „Deutsches Volksblatt", „Reichswehr", „Bohemia“, „Prdvo Lidu", „Podvisocko Listy“, „Ohlos Doby“. Prag. (Nicht bewilligter Synagogenbau.) Die Bewilligung zum Baue einer neuen Synagoge in der Jernsalemerstraße hat der Stadtrath in einer jüngst stätgehabten Sitzung nicht ertheilt, da sich nicht nur der Sanitäts-Referent entschieden gegen den projectierten Bau aussprach, weil derselbe angeblich nicht der Bauordnung entspricht und mit den sanitären Bedingungen im Widerspruch -'stehe, sondern auch angeblich andere öffentliche Rücksichten gegm di'6 Durchführung des Baues sprechen. ' Saaz. (Deutschnationale Gemeinheite n.) Anlässlich der jüngsten Demonstrationen nahm die Behörde nachträglich Verhaftungen vor. Diese Mitnahmen wagen nun die Deutschradicalen den Juden zur LasLzu legen, indem sie die durch gar kein Moment bewiesenen Rachrichteu verbreiten, dass sich in der Menge viele Juden befanden, die „allerdings nicht bemerkt wurden", aber es verstanden, die Genoffen auf die wichtigsten Beobachtungspunkte zu stellen und ihnen Aufzeichnungen eindictierten. Man weiß wohl zur Genüge, wie sehr diese Mittheilungen ihre Lügenhaftigkeit deutlich ausgeprägt haben und welche Tendenz dieselben verfolgen. Hohenelbe. (Demonstrationen.) Die feit ber Anwesenheit Schön erers in Hohelbe ,in der Bevölkerung herrschende Aufregung fand am 27. August..wieder in großen Demonstrationen ihren Ausdruck. Einige hundert junge Leute zogen laut johlend und singend durch die Hchlptstraßen, schlugen bei der Bezirkshauptmannschaft die Fenster^ein, sodann zu den Fabriken der jüdischen Fabrikanten L ö w y^s'S ch i ck, Fl e i s ch e r und Kral, woselbst sie ebenfalls unter'" Schmährufen und Drohungen auf die Juden die Fenster mit' faustgroßen Steinen einwarfen. Die Gendarmerie musste mit gefälltem Bajonuet einschreiten, nahm Verhaftungen vor, die sie aber angesichts der drohenden Haltung der in großer Ueberzahl versammelten Menge nicht aufrechterhalten konnte. Die Gefahr Ist groß und Militär bereits eingetroffen.; Jitschin. (Das Märchen vom R i t u a l m o r d e.) Das hiesige Strafgericht hat gegen den jungczechischen Landtags-Abgeordneten Klouczek die Voruntersuchung eingeleitet, weil derselbe die angebliche Aussage Myes sterbenden Arbeiters, der mehrere Juden gesehen hqhkw wollte, wie sie ein Christenmädchen in einen Teich geworfen,hätten, in einem hiesigen Blatte veröffentlichte. Auch gegeji Hw' verantwortlichen Redacteur und den Drucker des betreffenyelQAlattes wurde die strafgerichtliche Voruntersuchung eingeleitet.; Czerrrowih. (R u m ä n i s ch e r EchM v i n i s m u s.) Aus dem rumänischen Zollamte in MamoMtza spielt sich seit einiger Zeit ein unglaublicher Fall der nationalen Unduldsamkeit ab, und zwar lässt das Zollamt n u r die Bukowinaer Grenzbewohner r ll m ä n i s ch e r NationalitätI# einen nächstgelegerren Ort Rumäniens gehen, um dort die Lebensmittel zu beziehen, welche mit Ausnahme des Fleisches billiger sind als in der Bukowina. Dagegen verwehrt die Zollbehörde den ruthenischen, vornehmlich aber den jüdischen Grenzbewohnern fceii U<>.!- tritt, beziehungsweise den Eintritt nach Rumänien, obzwar die Bukowinaer aller Nationalitäten, auch die Mischen, unbeschränkte Begüustigung zum vorübergehenden AufenIHM iil Rumänien genießen. Die Willkür der rumänischen Zollbehörden ruft unter deri Nichtrumäuen große Erregung hervor. Bei der Bukowinaer Landesregierung wurde vom Zuryner Zollamte und der Gemeinde dieses Ortes, welche unmittelbar unter dieser Willkür leiden, diesbezügliche Beschwerden eingebracht. Hoffentlich wird dadurch die ungerechte Maßregel des rumänischen Zollamtes aufgehoben werden.

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