Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 29 (1.9.1899)
- Date
- 1899-09-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 1. September 1899 Nr. 29 hohen Grad allgemeiner Bildung und durch bedeutende Rednergabe auszeichnen, dem Spotte und der Beschimpfung preiszugeben, und dies alles sieht und hört man, ohne sich der Geschmähten anzunehmen? Wird unser Judenthum nicht genug verhöhnt, muss dies auch von deu Verganis und Schneiders in unserer Mitte geschehen? Keine andere Confessio» ließe sich derartiges bieten. ' Grüne, feuchtohrige Jungen, Eltern, die in ihre Buben verliebt sind, erkühnen sich, die Ehre von wackeren Lehrern zu verletzen, welche mit He'denmuth und einer kaum zu schildernden Selbstverleugnung das schwierigste Amt an unseren Mittelschulen bekleiden. Wir drehen den Spieß um. Würde man es wagen, andere Lehrer oder die katholischen und evangelischen Katecheten anzugreifen? Ach, daran hindert die blasse Furcht, die Feigheit der bübischen Gesellen. Und doch misse.i nur und können es acteumäßig belegen, dass kein katholischer und kein evangelischer Katechet sich so um das Wohl seiner Schüler fliMsert, wie einige ausgezeichnete Vertreter des jüdischen Religibuslehrerstandes. Und gerade unter den Angegriffenen sind solche, Wir kennen jüdische Religionslehrer, denen viele jüdische Schaler ihre ganze Existenz zu danken haben, welche dlWl wit Rath und That an der Seite stehen, die aus ihrer Täsche die arme jüdische Jugend unterstützen, N'elche sich nm iHre Schüler kümmern, wenn diese längst der Schule entwachsen sind. Und dann kommt ein satter Bube, der durch seine Frechheit dem Lehrer die bösesten Stunden bereitete, und wirft ihm für seine Arbeit einen Stein nach. Und ein „Fackler" gibt sich dazu her, in seinen rothen Heften die Jauche ablagern zu' ' lassen, welche freche Buben ausspritzen. Wahrlich tief gesunken ist eine gewisse Journalistik. Tief gesunken aber bist auch du, mein Judenthum, das solche Schmarotzer und Assimilanten hervorbrinzt. „Deine Einreißer und Zerstörer werden aus dir hervorgehen", dieses Wort des Propheten, es ist tausendfältig zur Wahrheit geworden. Das sind die Früchte der unseligen Assimilation, welche viele Jünglinge unv Männer 'charakterlos gemacht hat. — Dies zur Abwehr. Mil dem'säuberen „Fackler" wollen wir weiter nicht rechten. Es ist nicht unsere Sache im Kothe zu wühlen. Das überlassen wir denen, die sich im Schmutze wohl fühlen. Die moralische Züchtigung aber, welche wir dem „Fackler" versetzen wollen, stecke er ein, wie alle anderen, welche er bereits erhalten hat. Den jüdischen Religionslehrern aber rufen wir zu: Verharret muthig auf der Bahn, die Ihr beschritten habet. Haltet kräftig Stand all den Beschimpfungen gegenüber, denen Ihr ausgesetzt seid. Erziehet unsere Jugend zu wahren Juden, erfüllet sie mit Liebe zu unserer Religion und zu unserem Volke, lasset Euch in diesem edlen Thun durch nichts erschrecken. Auch für Eure Saat winkt eine herrliche Ernte. Vorläufig aber möget Ihr Euren -Lohn finden in dem Bewusstsein treu erfüllter Pflicht. „Es wird Dir als Gerechtigkeit angerechnet werden vor dem Ewigen, Deinem Gotte". Iwri. Vom Tage. (Der Ziornsten-Congress in Basel) gibt dem „Deutschen Volksblatt" Gelegenheit, in einem drei Spalten langen Artikel allerhand faule Witze zu reißen und die Juden, die in Basel zusammenkommen, damit zu verspotten, dass sie nur eine. Bank gründen wollten, um die Christen zu bemogeln. Wir begreifen ja, dass das Finanzgenie von Mühldorf keinen Sinn für ideale Bestrebungen hat und in jedem derartigen Zuge nur das Bestreben um den Besitz eines Antisemitenhofes erblickt. Aber so viel Klugheit sollten die Pressmöpse des Herrn sondern auch eines humanen Sittengesetzes, als der Ausdruck einer liebevollen, unbedingten Hingebung an einen allgütigen, huldvollen Schöpfer eines zweckmäßig geordneten Weltalls, zeigl die jüdische Religion, insoferne sie in der Bibel zum Ausdruck kommt, einen optimistischen Charakter. Aus dem späteren hebräischen Schriftthum, schon aus den philosophischen Büchern Koheleth und Hiob, hören wir traurig-düstere Töne, die in verschiedenen Modulationen durch die ganze, lange Leidensgeschichte Israels hindurchklingen. Diesen jüdischen Weltschmerz hat Herr Doctor I. Günzig in einer jüngst erschienenen Broschüre „Der Pessimismus im Judenthum"*) zu beleuchten versucht. Nach einer einleitenden Betrachtung über den buddhistischen Pessimismus sucht Verfasser die Triebfedern der in der letzten Periode des zweiten Tempels unter den Juden umsichgreifenden' Weltflucht aufzudecken. Einerseits sollen es diebeiden mitLebensverachtung gesättigtenBücherKoheleth und Hiob, andrerseits die tristen politischen und socialen Verhältnisse gewesew sein, die das Sinnen des Menschen auf die Eitelkeit aller Lebensgüter lenkte und eine düstere, melancholische-Stimmung in den Gemüthern hervorrief. Hier der weiseKünig und der göttliche Dulder, die den Wermut des Zweifels in das Herz träufeln, da der Hader der Parteien, das unmenschliche Wütheu römischer Proconsuln, die den Genuss der Lebenswonnen trüben und vergällen — was Wunder also, dass die Menschen die Welt schwarz sahen! Neben diesen Factoren darf aber auch ein rein ideologisches Moment nicht außeracbt gelassen werden. Das Eremitenleben der jungen christlichen Gemeinden, der rege Gedankenaustausch zwischen Juden und Stoikern einerseits und den Alexandrinern andererseits mögen wohl init-dazu beigetragen haben, dass an Stelle des traditionellen Optimismus der Pessimismus trat. Was Herr Dr. G ünzig als Grund anführt, ist zugleich Folge: Koheleth und Hiob sind das Product gewisser Factoren, und die Thatsache, dass sich in ihnen Stimmungen finden, deren düsterer Ton so ganz und gar nicht zum Optimismus der Bibel passt, findet durch die vom Ve.süsser angeführten Gründe keine genügende Erklärung. *) Krakau, 18'J9, Be.lag d:s Herausgebers. Vergani doch beobachten, dass sie mit der Verspottung vvlklicher Bestrebungen anderer Völker nicht die eigene Taktik treffen. Die Erfahrungen der christlich-socialen Partei können wohl als abschreckende Lehre für andere Parteien gelten; für so dumm aber haben wir die Journalisten von der Josefsgasse nicht gehalten, dass sie das so offen eingestehen. Die Herren vergessen, dass die Verganis, Schneiders, Strobachs et tutti quanti Arier sind; so große — Genies sind in anderen Nationen nicht zu finden.... Rabbiner und Seminare. Von Dr. I. L. Landau. I. Wir halten die Rabbinerfrage, die ja mit der Seminarfrage in unlöslichen Zusammenhänge steht, für so wichtig und entscheidend, dass wir der Discnssion über dieselbe recht gerne weiteren Ranm einräumen. Wir bemerken überdies zn dem in dem heutigen Artikel enthaltenen Passus, der über die Anonymität handelt, dass die Redaction in dem Falle, als sie nach reiflicher Prüfung Artikel anonym erscheinen lässt, die Verantwortung dafür übernimmt. Die Redaction. * * * Es wird gewiss jeder aufmerksame Zuhörer oder Leser irgendwelcher Discusfionen die Erfahrung gemacht haben, dass in jeder derselben die stereotype Klage laut wurde: Jeder der Herren habe das Unglück, missverstanden worden zu sein. Es mag dies manchem sonderbar erscheinen, und doch ist nichts natürlicher und begreiflicher. Jeder der Disputanten hat den strittigen Gegenstand von einem anderen Gesichtspunkte aus betrachtet, sein Urtheil ist aus persönlichen Erfahrungen geflossen, die 'ich zumeist von denen der anderen wesentlich unterscheiden, und aus Erwägungen, die gewiss aus seinen subjectiven Wünschen und Forderungen hervorgegangen sind. Was dem einen also eminent wichtig, erscheint dem anderen wvmöglich recht irrelevant. Und so geschieht es, dass jeder vornehmlich bei demjenigen Punkte und in seinem Sinne länger verweilt, der ihm am meisten am Herzen liegt und den er besonders hervorkehren zu müssen glaubt. Ja, noch mehr. Jeder glaubt aus den Worten des anderen gerade das herauszuhören, was jener vielleicht am wenigsten sagen wollte, woran dieser aber ausschließlich denkt. So z. B. klagt der anonyme Herr Rabbiner aus Böhmen, ich hätte in meiner Anklage, die ich gegen die Gemeindevorsteher erhoben, die armen, gewiss ehrenwerten und nicht minder beklagenswerten Dispensrabbiner im Auge gehabt. Und doch lag mir nichts ferner als dieser Gedanke, und werden das gewiss alle zugeben, die jene meine Zeilen aufmerksam gelesen und keine Ursache haben, befangen zu urtheilen. Kein Tropfen aber fällt zur Erde, ohne befruchtend zu wirken. Auch-diese paar Tintetropfen des Herrn Rabbiners aus Böhmen sindqrficht umsonst geflossen. Sie haben zur Klärung unserer Frage doch etwas beigetragen. So gesteht derselbe beispielsweise ein, dass das bessere Gewissen mancher Dispensrabbiner sich gegen die an sie gestellte Zumuthung auflehnt, „und sträuben sich noch heute viele von ihnen dagegen, rabbinische Functionen auszuüben", dass sich andere ferner ihr Rabbinerdiplom um 100 oder 200 Gulden buchstäblich kaufen und dass die Herren Dispensrabbiner endlich es nöthig hätten, dass man ihnen „1—2mal wöchentlich Vorträge über diese oder jene Disciplin halte, damit sie ihr Amt gehörig ausfüllen können", diese Zeilen sprechen wohl Bände und bedürfen keines weiteren Commentars. Dass auch manche Rabbiner von Profession so unwissend sind, habe ich in meinem Artikel deutlich genug Mag auch durch sie die heitere Lebensanschauung der Bibel in eine schwermüthige verwandelt worden sein, so bleibt doch die historische Erscheinung selbst ein Räthsel, dass Bücher verfasst werden und Verbreitung finden konnten, deren Lebensauffassung in solch strictem Gegensätze zu der biblischen steht. Bedenkt man aber, dass in Koheleth und. Hiob vielfach jene Ideen — allerdings in originaler Weise judaisiert — zum Ausdrucke kommen, die sich die Juden durch ihren Umgang mit griechischen Philosophen aneigueten, so wird man den literarischen Niederschlag der in den Köpfen lebenden Gedanken nicht befremdlich finden. Diese erheischten concrete Formen und fanden sie einerseits in den literarischen Producten, andererseits in dem weltscheuen Leben mancher Seelen, wie z. B. der Essäer, die mit den Neupythagoräern solch eine durchgreifende Verwandtschaft zeigen, dass die Annahme berechtigt ist, „dieser Asketenverein sei unter dein Einflüsse der orphisch-pythagoräischen Askese entstanden". Außer den inneren Ursachen müssen auch äußere Einflüsse hier gewirkt haben, um solch eine radicale Aenderung der Denk- und Lebensweise herbeizuführen. Die Lebensverhültuisse der Juden gestalteten sich nach der hier geschilderten Periode nicht besser, sondern schlechter. Jerusalem ward eingeäschert, und die Juden giengen in die Verbannung. Die Bitternisse, die sie auf ihrem Leidenszuge kosten mussten, die grausamen Martern, die sie ertrugen, ließen den Gedanken an eine Lebensfreude nicht aufkonunen und bewirkten, dass sie den Tod dem Leben vorzogen. Solcher Gedanken finden sich im Talmud mehrere, welche zeigen, wie sehr die Leiden ihnen jede Daseinsfröhlichkeit vergällt haben. Von den vielen hierhergehörigen Citaten, die der Verfasser dem Talmud entnimmt, möge an dieser Stelle folgende herrliche Fabel reproduciert werden. Bezugnehmend auf den Vers in Hiob: „Nackt kam ich aus meiner Mutter Schoß und nackt kehre ich wieder dahin zurück", erzählt der Talmud: „Ein Fuchs wollte einst in einen Weinberg dringen, aber die hohe Mauer, die den Weinberg umgab, verwehrte ihm den Eintritt. Nur ein enges Loch war in der Mauer, aber der Fuchs war zu feist, um durch dasselbe schlüpfen zu können. Deshalb hungerte er sich drei Tage aus, wodurch khervorgehoben und scharf genug betonr. Uns soll ja all das Gesagte nicht dazu dienen, um einigen armen, geplagten und schlecht bezahlten Dispens-Rabbinern wehznthnn, sondern einzig und allein, um in manche öde und fast trostlose Gemeindeverhältnisse hineinzilleuchten, damit uns der erschreckende moralische Verfall zu positiven Leistungen zwingt, damit die wenigen, die zu handeln berufen sind, die rari nantes in gurgitc vasto sich zur That anfraffen. Ferner erkläre ich klipp und klar, damit in diesem Punkte wenigstens kein Missverständnis möglich sei, dass ich der letzte derjenigen bin, die die abnehmende Frequenz der theologischen Hörer bedauern. Ich würde diesen Rückgang viel rascher wünschen, in der Ueberzengung, dass es immer das welke Laub ist, das jeder Windstoß abschüttelt, und in der Hoffnung, dass nur diejenigen zur Geltung gelangen würden, die dem Drange ihres Herzens folgen, die sich von idealen Motiven leiten lassen. Um nun noch Herrn E m e s mit einigen Zeilen zu antworten, gestehe ich, dass er wohl das unstreitige Verdienst hat, diese Discnssion angeregt zu haben, keine Ursache aber darüber zu klagen, dass ich manche seiner Ausführungen unberücksichtigt gelassen. Diese, sagen wir z. B. der Professorengehalt, sind rein persönlicher Natur, verletzend und nicht belehrend, weshalb ich es vorzog. über sie schweigend hinwegzugehen. Sein punctum salicns endlich ist Gegenstand einer Abhandlung, aber keiner kurzen Erwiderung. Ich werde dennoch, von verschiedenen Seiten dazu anfgefordert, auch zu dieser höchst bedeutenden Frage das Wort ergreifen, möchte nur aber vor allem noch folgende Bemerkung erlauben: Artikel, die große Institutionen und Persönlichkeiten von wissenschaftlicher Bedeutung zum Gegenstände einer scharfen, schonungslosen Kritik machen, dürfen nicht anonym veröffentlicht werden. Aus diesem Grunde habe ich unter meinen Aufsatz meinen vollen Namen gesetzt. Das Publicum muss wissen, wer die Verantwortung für all das öffentlich Gesagte vollinhaltlich übernimmt. Die Redaction kann es in diesem Falle nicht sein. Diese Bemerkung mache ich nicht nur im Interesse des Publicums. sondern auch und vielmehr der betreffenden Artikel, da Pnblicationen, die volle Unterschriften tragen, bekanntlich mehr Beachtung finden, als solche, welche namenlos hinausgeschickt werden. Um endlich in medias res zn gelangen, will ich meine weiteren Ausführungen mit einem Ansspruche Grillparzers einleiteu. „Wie groß sind die Fortschritte der Menschheit", sagt dieser Dichter, „wenn wir auf den Punkt sehen, von dem sie ausgieng. und wie klein betrachten wir den Punkt, wo sie hin will." Gleich in meinem ersten Aufsätze habe ich wiederholt darauf hingewiesen, dass die Rabbinerseminare ihre Geschichte haben. Damit wollte ich keine Phrase machen, sondern in möglichster Kürze sagen, dass diese Schöpfung aus dem mächtigen Bedürfnisse der deutschen Juden herauszewachsen ist, ein Lehrinstitut zu begründen, in dem die geistigen Leiter der jüdischen Cultusgemeinden ausgebildet werden sollten. Nach den damals herrschenden Ueberzeugungen, concentrierte sich das Judenthum in seinem Cultus, oder was dasselbe ist, im Tempel. Und so galt es, eine gewisse Anzahl von Predigern zu schaffen, denen man die Lösung der großen Culturaufgabe einerseits und die Klärung der Cultusfrageu andererseits zugedacht hatte. Es hieße die Augen vor Thatsachen gewaltsam verschließen und Verdienste ungerecht schmälern, wollte man leugnen, dass die jüdisch-deutsche Culturströmung selbst in dieser Richtung viel Gedeihliches und Segenreiches gefördert, ja, dass ihr der Ausbau eines großen Theiles unserer wissenschaftlichen Literatur zu verdanken sei, da er zum Theil auf dem breiten Sockel von Seminarvortrügen und Programmarbeiten in diesem imponierenden Umfange aufgeführt wurde. Diese Verdienste und culturellen Errungenschaften er so mager wurde, dass er mit Leichtigkeit durch das Loch schlüpfen konnte. Nun that er sich an den Trauben gütlich, bis er genug hatte. Sein Bäuchlein war aber dadurch so angeschwollen, dass er nicht heraus konnte. > Er musste wieder die Hungercur durchmachen. Und als er dann wieder das Freie erblickte, rief er: ,O Weinberg! wie schön bist du und wie gut sind deine Früchte. Aber mager, wie ich war, so kam ich heraus/ So ist auch die Welt und der Mensch." In der umfangreichen Literatur des Talmud zeigt sich der als^hebräische Publicist bekannte Verfasser ebenso bewandert, wie in den schmerzreichen Liedern der mittelalterlichen jüdischen Sänger und Prediger. Von diesen führt er folgende vier namentlich an: Salornon b. Jehuda Jbn- Gebirol, Bachja b. Josef Jbn-Pakuda, Abraham Jbn- Esra und Jedaja Badaresi Peni'ni. In Jbn-Gebirols Liedern seufzt der Schmerz, klagt das Weh. Das rasche Entschwinden der Jugendfreuden, die Schalheit und Nichtigkeit sinnlicher Genüsse, die Betrachtung der erhabenen Regelmäßigkeit in der Natur, im Gegensatz dazu das gesetz- und ordnungslose Schwanken in der Menschenwelt, entlocken seiner Leier erschütternde Töne. Doch klingen alle diese Lieder in eine Erhebung der Seele, in unbedingtes Gottvertrauen aus. Sein jüngerer Zeitgenosse Bachja strebt nach Verinnerlichung des Judenthums; er predigt selbstlose Heiligkeit und strenge Askese. Das Leben der Nasiräer soll den Menschen Muster und Beispiel sein. Sie sollen sich, wie jene, durch Verachtung alles Irdischen, durch Einsamkeit und Eremitismus, durch Geringschätzung des qualvollen Lebens für den erlösenden Tod zum Eingang in das ewige Leben vorebreiten. Unverkennbar kommt bei Jbn-Pakuda der Einfluß der mönchischen Lebensweise unter den christlichen Frommen des Mittelalters zum Ausdruck. Der Kampf mit den Mächten des ihm unholden Geschickes und das Bewusstsein, gegen sie nicht aufkommen zu können, verdüstern Jbn - Esras zartes, empfindsames Gemüth. In seinen Epigrammen ringt und kämpft seine stolze Seele mit beißendem Spott und stechendem Sarkasmus, um das Weltleid in sich zu überwinden, es fehlt ihr aber die Kraft, sich zu männlicher Freiheit durchzuringen, liebst bitteren Klagen über des