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Jüdisches Volksblatt · 1899-08-25 · 28 (25.8.1899) · p. Seite 5

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
28 (25.8.1899)
Date
1899-08-25
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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4.x Nr. 28 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 25. August 1899 Seite 5 «inen gewissen Antonini. Alle Zornesausbrttche des ehemaligen Abgottes von Algier sind eindruckslos geblieben und die Regierung, die bisher mit ihm wie mit einer Macht verhandelt hcst, will nun auch nichts mehr von ihm wissen. Sic transit gloria mundi. Aus Oran kommen weniger günstige Nachrichten. Dort haben sich Soldaten und Unterofficiere der dort stationierten Truppen zu antisemitischen Ausschreitungen hinreißen lassen, ohne dass die Militärbehörde trotz wiederholter Beschwerden in einem der Fälle hat bestimmen lassen, einznschreiten. Man hat sich jetzt mit der Beschwerde an den -conmiandierenden General in Algier gewendet. ANapokko. Die jüdische Gemeinde in Mazagan befindet sich in großer Aufregung wegen der barbarischen Misshandlungen, die ein jüdischer Kaufmann namens Moses S n i c i a von dem Kaid von Ettlat hat erdulden müssen. S u i c i a hatte eine Klage gegen einen Mauren vor dem Kaid anhängig gemacht Dieser aber ließ denk Juden, ohne eine geordnete Per haydt^.ng zu gestatten, 000 Schläge auf die Fußsohlen geben so dass derselbe in einem traurigen Z istande von Mitleidigen nach Mazagan gebracht wurde. Die Inden von Mazagan fürchten sich jetzt mit gutem Grunde, den Markt von Ettlat zu besuchen. obwohl derselbe einer der besten der ganzen Gegend ist. — In Marrakesch wird jetzt ein Hospual für jüdische Arme gebaut, für das bereits ca. 14.000 Mark von verschiedeuen Seiten aufgebracht sind. Johannesburg. Präsident Krüger setzt seine Bemühungen, den Juden die Gleichberechtigung im Transvaal zu verschaffen, trotz des ablehnenden Beschlusses des Volksraad, fort. Seine neuen Vorschläge begründet er mit Citaten ans der Bibel, aus denen hervorgehen soll, dass die Gleichberechtigung den Uebertritt der Juden zum Christenthum befördern würde. "Diese Begründung ist besonders charakteristisch für den Jdeengang der Bouren von Transvaal. Neber Radbinersemmare?) Der Artikel „Ueber Rabbinerseminare", den wir in Nr. 24 unseres Blattes veröffentlichten, hat iu den betheiligten Kreisen ein allerdings berechtigtes Aufsehen erregt. Wir glauben nur unsere Pflicht als unabhängiges Organ zu erfüllen, wenn wir der Discussio.n über dieses wichtige Thema so viel als möglich Raum gewähren. Die Nedaction. Es ist das Schicksal jedes zur Discussion gestellten Themas, entweder durch Herausgreifen einer ganz nebensächlich hingeworfenen Bemerkung auf ein gar nicht beabsichtigtes Terrain hinübergeleitet zu werden, oder statt einer rein objektiven Behandlung eine persönliche zu erfahren. Inwieweit sich in beiden Dingen Herr Rabbiner Dr. I. L. Landau *) Siehe die gleichnamigen Artikel in"den Nr. 24, 26, 27.. bei seiner Erwiderung vergangen, bleibe unnntersucht, das eine aber sei festgestellt, dass er, absichtlich oder unabsichtlich, das punctum saliens des strittigen Artikels außer Acht gelassen, ja auch nicht mit einem einzigen Worte berührte. — So ist es zu erklären, dass genannter Herr Rabbiner eine Art Windmühlenkampf kämpft, wenn er, was zu bestreiten dem Artikelschreiber im ganzen und großen ferne lag, sich gleich im Beginne seiner Vertheidignngsschrift zu einer etwas exaltierten Lobeshymne auf die galizischen Hörer des Seminars fortreißen lässt, die nach ihm »als die geeignetsten Männer berufen sind, die große und moderne Aufgabe unseres Volkes zu lösen, neue Bahnen in seine Zukunft einzuzeichnen .... Die in die Anstalt ein glühendes Herz und den Opfermuth erprobter Culturkämpfer und unerschrockener Idealisten mitbringen..." u. s. w., wobei wir bei der bekannten Bescheidenheit des Herrn Rabbiners auch nicht im entferntesten daran zu denken wagen, er habe uns hiebei gelegentlich einen Abriss seiner Selbstbiographie geben wollen. — Andererseits müssen wir es Herrn Dr. I. L. Landau zu Dank wissen, dass auch er mit uns eine „Reform" des Seminars für gut befindet, doch — beeilt er sich hinzuzufügen — dürfe diese Reform nur „durch berufene Fachmänner durch gelinden Tadel und weisen Rath gefördert werden". Und darum möchte sich Herr Rabbiner Dr. I. L. L a n d a u als absolvierter Hörer der Anstalt, wie er sich selbst bezeichnet, „erkühnen, in seinen Forderungen, die er an die modernen jüdischen Rabbiner zu stellen hätte, einen Schritt weiter zu gehen", er würde „unbedingt verlangen, dass diese wenigstens einen klaren Begriff von — der neuen hebräischen Literatur haben". Doch, fern sei es von uns, ein gleiches Verschulden wie Herr Dr. I. L. L a n d a u auf uns zu laden. Unsere Absicht war es nur, um jeden ferneren Zweifel zu zerstreuen, im Anschluss au unseren Artikel in Nr. 24 nochmals zu wiederholen, dass jene, nach keiner Seite hin irgend welche Gehässigkeit noch „plumpe Beleidigungen" enthaltende Kritik über Rabbinerseminare auf folgenden,, keineswegs als unanfechtbar bezeichneten Vorschlag hinauslief: Da eine besondere Anstalt zur Heranbildung von Rabbinern dem jeden Pfaffenwesen feindlichen Geist des Judenthums widerspricht, da alle derartigen Anstalten, von gewisser Seite nicht mit Unrecht als „Rabbinerfabrik" bezeichnet, bisher nicht jene Hoffnungen zu erfüllen imstande waren, die man auf sie gesetzt, so möge denselben eine breitere Basis gegeben werden, d. h. sie mögen zu höheren Pflegestätten jüdisch-wissenschaftlicher Bildung umgestaltet werden, zu einer Art jüdisch-wissenschaftlicher Faeultät, zu der Gebildete aller Stände, Universitätshörer aller Richtungen freien Zutritt haben sollten, um sich hier mit dem wahren Geist des Judenthums vertraut zu machen. Emes. * q> * Entgegnung dem Herrn Rabbiner Dr. I. L. Landau. Wollen Sie, geehrter Herr Redaeteur, so freundlich sein und diesen Zeilen .gütigst .Raum in der nächsten Nummer Ihres geschätzten Blattes gönnen, Hamit endlich Klarheit über die . - --- .-• 1! armen Dispensrabbiner in Böhmen werde und die Angelegenheit einmal abgethan sei. Die armen Dispensrabbiner — sie wurden es zumeist ohne ihren Willen, und sträuben sich noch heute viele von ibnen dagegen, rabbinische Functionen auszuüben! Es sind unter ihnen ganz achtbare und ehrenwerte Männer, die über ein ziemliches Maß allgemeinen Wissens, als auch in hebraicis verfügen und die durch mehr als 20 Jahre alle Functionen in ibren Cultusgemeinden bis 1890—1893 ausübten. Den Titel Rabbiner hat. keiner verlangt; denn dieser Titel gebürt nur Männern, dje Zeit ihres Lebentheologische, talmudische Studien an berühmten Jeschibots gepflogen, dann von ihrem Meister nach strengen Prüfungen, nach genauer Kenntnis ihrer Frömmigkeit und-ihres lauteren Charakters durch Händeauflegen zur Würde des Rabbiners erhoben wurden. Wie viele der gegenwärtigen Herren Rabbinen — ich meine die akademisch gebildeten, verfügen über ein solches hebräisches Wissen wie seinerzeit der jüngste Bachur? Ich könnte dem Herrn Doctor Fälle aus meiner Erfahrung aufzählen, die von solcher Ignoranz in hebraicis bei den ans dem Seminar entlassenen Herren Doctores zeugen, dass er ganz andere Ansichten bekäme. Die neuen Herren Rabbinen sind nritunter tüchtige Philologen in den elastischen Sprachen, im Arabischen, Sanskrit u. dgl.; aber in Talmudicis und Religionscodices Laien der höchsten Potenz. Aber unsere Herren Cultusvorsteher und Gemeinden vermögen sich heute nicht von dem Plus oder Minus jüdischer Gelehrsamkeit zu überzeugen, ja, sie legen leider gar keinen Wert daraus — wenn sie nur ein Doctordiplom sehen, das ist für sie die Quintessenz aller Befähigungen zum Rabbinate. Die rfinn ob vom Rabbinerseminare oder irgend einem anderen Rabbiner, kommt erst in zweiter Reihe in Betracht; trotzdem verlangen sie selbe doch vom Dispensrabbiner. Dieser nun hat sich dieselbe verschafft, indem er einem Herrn Dr. Rabbiner schrieb oder sich ihm vorstellte, eine gefüllte Hand, wenn auch einen leeren Kopf reichte, und für 100—200 Gulden wurden Rabbinatsdiplome verkauft. Wer ist für diesen Verfall des Rabbinates verantwortlich? Post festum begannen die Herren Dr. Rabbinen einen Krieg aufs Messer gegen die armen Dispensrabbiner, in ihrem Vereinsorgan „Jüdische Chronik", im Rabbinerverbande, ja von der Kanzel herab, wurde gegen sie lvsgezogen. Das Gesetz kennt nur Rabbinen, gleich, ob mit oder ohne Doctordiplom. Und was sagen die Cultusgemeinden?! — Was mögen sich die Leser solcher Pamphlete, die Zuhörer solcher Predigten denken?! Wer schimpft — so schimpft — zeugt der von hoher Intelligenz?!! — Wäre es nicht schöner und jüdisch gehandelt, wenn so ein Dr. Rabbiner erklären würde: Ihr Herren Dispensrabbiner, ich werde Ihnen' im heurigen Jahre unentgeltlich 1—2mal wöchentlich Vorträge über diese oder jene Disciplin halten, damit Sie Ihr Amt gehörig ansfüllen können, mit Rath und Belehrung in strittigen Fällen an die Hand gehen — das' wäre schön und edel: " ** - 4 — „Ja, ja; er hat Geld dort verdient und es gefällt ihm jetzt hier nicht mehr; er zieht mehr in die obere Stadt". „Nun, meint Ihr nicht, das könnte etwas für Sara sein?" „Vielleicht doch — wer kann's wissen? — Ist sie Geschäftsfrau?" „Sie ist sehr tüchtig und überlegt, und ich bin überzeugt, dass sie bei irgendeinem kleinen Handel ihr Fortkommen und eine Existenz finden wird". »Alles hängt davon ab, ob sie Geschäftsfrau ist," sagte Mrs. Graff entschieden; „ich will Euch etwas sagen, Mrs. Kaufmann, glauben Sie, dass wir unser Auskommen haben würden, wenn ich nicht so dahinter wäre? Ich muss morgens die Erste sein und bin abends die Letzte, und Ihr wisst ja, mein Mann — von dem kann jedermann Geld leihen und er hat Angst, ihn ans Zurückgebeu zu mahnen". „Ich habe schon manchen Dollar zurückgelegt," fuhr Mrs. Graff nach einigem Nachdenken fort, „weil ich aufs Geschäft Acht habe und habe es meinem Manne schon oft genug gesagt, dass wir niemals dieses Haus hätten kaufen können, wenn er allein das Geschäft zu führen hätte". „Ja, Mrs. Graff, man weiß. Ihr seid eine tüchtige Geschäftsfrau, und gerade deshalb bin ich zu Euch gekommen. Ich dachte, dass Ihr der armen Sara von Nutzen sein könntet". „Welche Art Laden meint Ihr denn einzurichten?" fragte Mrs. Graff. .; 1 y „Einen Specereiladen," erwiderte Selig. „Specereien —,? nun, gar nicht übel, ich denke, ein zweiter Specerelladen hier herum wäre nicht schlecht, aber — sauber muss er sein! Morris führt nur schlechte Waren, ich kann nichts bei ihm kaufen, mein Mann wird krank, wenn er nur hört, dass er von ihm ist". So dauerte die Unterhaltung fort, der Plan wurde weiter ausgesponnen und endlich beschlossen, Sara Friedmannn sobald als möglich emen Specereihandel einzurichten. Mrs. Graff und Selig Kaufmann giengen natürlich von der Voraussetzung aus, dass Geld genug flüssig gemacht werden könnte, Sara die nöthigen Waren zu verschaffen. Das war die Hauptsache, und dass Selig in weitgehendster Weise seine Mithilfe leihen werde, verstand sich von selbst. Doch hielt er sich nicht für verpflichtet, all die Ausgaben allein zu bestreiten. Airs. Graff schlug eine Collecte vor, allein davon wollte Selig nichts hören, selbst dann nicht, als Mrs. Graff ihn versicherte, niemand werde erfahren, für wen es sei. Endlich kam man überein, dass Selig und einige Freunde, mit denen er rm Jlüeresse der armen Frau bereits gesprochen hatte, die Garantie für die Waren übernehmen sollen, ein Plan, der auch Mrs. Graff als der beste vom geschäftlichen Standpunkte einleuchtete. Zerronnen und Gewonnen. E i n e G e s ch i ch t e a u s d e m N e w - Y o r k e r G h e t t o. Aus dem Englischen von Z. Bensam. II. „Er muss doch von Eurer Ankunft gewusst haben, denn vor ungefähr vierzehn' Tagen traf ich ihn in Allenstreet, und da fragte er mich, ob ich nicht gehört hätte, dass seine Frau die Absicht geäußert, herüberzukommen. Natürlich verneinte ich, aber es schien, als glaube er mir nicht, und das nächste, was ich erfuhr, war, dass er nach dem Westen gegangen sei, auf Nimmerwiederkommen." „Auf immer?" fragte Sara erschrocken. „Ja, so wenigstens hatte er sich geäußert; ich verstehe nicht, was ihm plötzlich eingefallen ist. Als ich erfuhr, dass er Euch und den Kindern kein Geld mehr sandte, machte ich ihm Vorwürfe — aber ich bekam keine befriedigende Antwort." „Glauben Sie nicht, dass er zurückkommen wird?" „Ich vermag darüber nichts zu sagen," antwortete rr, indem er zweifelnd den Kopf schüttelte, „Ihr wisst, es gibt so viele Männer, die gar bald vergessen, dass sie ihren Frauen verschiedenes Schulden, wenn sie einmal von ihnen getrennt sind. Ich glaube, das liegt so in der amerikanischen Luft, dieses Vergessen an die Familie seitens der Ehemänner. ,. „Und was soll ich nun beginnen", fragte Sara händeringend. „Nur keine Angst", erwiderte Selig. „Es gibt eine Menge Dinge, die ein muthiges und williges Weib thun kann, Ihr braucht noch nicht zu verzagen, so sehr eilt das noch nicht, wir werden sehen, dass für Euch und Eure Kinder gesorgt wird. Vielleicht war's besser, dass er fortgegangen, da er sich ohnedies nicht so besonders gut benommen hat." . ,. c Sara rührte sich nicht. Sie stützte das Kmn tu die Hand und weinte — er war ihr doch noch etwas wert, obschon er sie verlassen hatte. 'X#'\ I

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