Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 28 (25.8.1899)
- Date
- 1899-08-25
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblaft 25. Anglist 1899 Nr. 28 einen aus -er Reihe -er Letzteren genommen habe. Den Schluss bildete eine Tennenkneipe, die in äußerst animierter Weise verlief. Prag. (N ntis k mit! s ch e s aus -er czech is ch e u r a - i c a l c it P arte i.) '-Uor kurzer Zeit wurde an die Organisation einer czechischen Versichcruiigs-Gesellschast gesch: itren, welche insbesondere der rad:c.i!en Partei zu politischen Zw cken dienen siMe und worauf die Anwesenheit der Neichsraths-Abgeordneteü I a n d a und S e h n a l im Venvaltungsrattje ebenfalls schließen ließ. Doch bald nach der Cvnstitnicrung ist diese NeugnindNÜtz -Gegenstand der heftigsten Anwürfe von Seite der Partt'iblätteo und bietet ihnen die Ernennung des Directors Herrn Köhler, der ein Jude ist und für deutschgesinnt erklärt wurde, den Anlass zu den erwähnten Necriminatirnen; es liege, schreiben diese Blätter, die Gefahr nahe, dass die Gesellschaft d e n I u d e n a u s g e l i e f e r t w e r d e. Ein neuer Beweis, wie sehr es iwth thut, dass die Inden in Böhmen sich von den Zänkereien zwischen den beiden Nationalitäten fernbalten und, auf eigener Basis uatnralisiert, fict; selbständig erhalten. Reichenberg. (D e u t s ch u a t r o u a l e R o h e i t e n.> Bei einer von Sociatdeiilokrateu einbernfenen Versammlung am 10. d. kam es zwischen den amvesendeu Soeialdemokrateu und Deutschvolklicheu, wie es schon so häufig der Fall war, wiederum zu Prügeleien. Diesmal aber mussten ausschließlich Juden, die im Saale gerade anwesend waren, die Kosten tragen. Obgleich ausschließlich nur Socialdemokraten das Wort ergriffen und sich die Juden durchaus nicht an der Debatte betheiligten, genügte ihre bloße Anwesenheit,, dass sich die Radiealeu auf sie stürzten. Die „Deutsche Volkszeitung", das Organ der Deutschradiealen, schreibt hierüber wörtlich: In dem allgemeinen Tumulte soll auch der Jude Risidskopf mit einer Tracht Prügel bedacht worden sein, und ist es nur dem taktvollen Einschreiten des Regierungsver- - trcterS zuzuschreiben, dass es bei diesem einen Denkzettel blieb. I Bemerkt sei übrigens, dass an dieser Versammlung überaus viele, Juden theilnahmen, welche selbstverständlich für die Soeialdemokraten eintraten und für dieselben in oft geradezu unglaublich frecher, die Teulschvölkischeu verhöhnender Weise Partei nahmen." Diese Begründung für die unerhörten Roheiten ist natürlich lügenhaft. Saaz. (V o r w ü r f c für b e it Bürger m e i st e r.) Tie hiesigen Radikalen finden eS als ein Verbrechen, dass der Bürgermeister — ein Dentschuatlvnaler — am Geburtstage des Kaisers deu „Judentempel" anlässlich des Festgottesdienstes besucht und der Feier augewohut bat. Nach dem Tone der Erbitterung hierüber zu schließen, halte der Bürgermeister auch gar nichts anderes zu thuu, als sciue Würde wegen des Frevels au Wuotau sofort uicdergulegcu. Es ist ualüAich, dass die Juden für diesen /.Fehltritt" verantwortlich erklärt werden und die Feier selbst-?':von den Schöuererianischen Blättern in der unverschämtesten-Weise verunglimpft wird. Nachod. Noch sind die Gefahren der inr Frühjahre begonnenen Exeesse nicht vergessen, und wiederum mehren sich in nicht minder bedrohlicher Weise die Vorzeichen neuer Ausschreitungen, so dass bereits um Militär angesucht werden musste, daS auch in beträchtlicher Stärke antraf. Eben jetzt sind auch die von Seite der durch die Plünderungen geschädigten Personen! gegen die Stadt Nachod geführten Pro e esse in ein neues Stadium getreten. Die Geschädigten hatten bekanntlich seinerzeit i durch ihren Vertreter Herrn Dr. Ludwig B e ndiene r aus Prag zur S cherung des Beweises über die Höhe des Schadens einerseits und über das Verschulden der Stadtgemeiude Nachod durch Unterlassung der nöthigen Vorkehrungen andererseits um Abhörung einer Reihe von Zeugen angesucht. Diesem Ansuchen wurde vom Bezirksgerichte Nachod zum Theile, soweit es sich nämlich um die Beweisaufnahme hinsichtlich der Feststellung der Höhe des Schadens handelt, stattgegeben, soweit jedoch die Frage des Verschutdens d.r Stadtgemeiude Nachod in Betracht kommt, keine Folge gegeben, weil die Constatieruug dieses Umstandes nicht ans den Rechtsweg gehöre. Diese Entscheidung wurde, wie seinerzeit mitgetheilt worden ist, über Berufung des Herrn Dr. Bend teuer r:m Kreisgerichte in Köuiggrätz abgeändcrt und auf die Beweisaufnahme hinsichtlich des Verschuldens der Stadtgemeiude Nachod beivilligt. Gegen diese Entscheidung hat der Vertreter der Stadtgein-einde Nachod, Herr Dr. Helle r, deu Recnrs an den Obersten Gerichtshof ergriffen. Laut des herabgelangten Erkenntnisses ist di.ser Recurs jedoch ab gewiesen worden und somit das Erkenntnis des Kreisgerichies in Rechtskraft erwachsen. Infolgedessen finden nunmehr sowohl bezüglich der Höhe des Schadens 'als auch bezüglich der Frage des Verschuldens der Gemeinde die EinveriTxihme statt, und cs sind zu diesem Zwecke die Tagfahrten auf den ä--. August und fortlaufend bis zum 3<>. September arill c räumt worden. Budapest. (Statistik der Mischehen.) Einer vom „Pester Lloyd" publicier.'cn Statistik der Mischehen zwischen Juden und Ehristeu für den Monat Juni ist zu entnehmen, dass im genannten Monate jübiich-chrisiliä)e AlischeHeu geschlossen uwrden, von welchen in 0! Fällen der Mann, in U> die Frau jüdischen Bcteuiuuiss--S war. Es ist dieS gewiss eine beträchiliche Anzahl, und wäre noch hinzuzufügen, dass bei der Verciubaruug, in welcher llietigiou die .Kinder des eheschließenden Paares erzogen werden sollten, in b Fällen die christliche, in 2«) die jüdische gewählt wurde. Budapest. In Varcstclep wurde der mit einem Kosteuausivailde von tn.olio fl. et baute neue jüdische Tempel feierlich erngeweiht. Erst nahm die Gemeinde von dem alten Gotteshause, wo der Rabbiner Tr. Franz L ö rv y eine Diebe hielt, Abschied, dwatt zog das Publicum, darunter die gesummte Intelligenz ohne Unterschied der Eonfession, in den neuen Tempel. Die Festpredigt hielt hier der Kaposvneer Rabbiner Dr. Emanuel Herzog. Abends fand ein Bankett statt, bei welchem der Abgeordnete Ludwig Psik einen sehivungvollen Toast aus die jüdische Gemeinde auSb rächte. Agram. (A u t l f e m i t i f ch e s ans E r v a t i e u.) S. Zu e iiriji Acnket erwähnte ich, dass der Antisemitismus in Croatien im vollen Niedergänge sich befindet und insbesondere haben die Schmähungen wider die Juden vollkommen anfgehürt. Nun erschien am 9. d. M. in Sissek, dem Wohn- und Wahlorte des Antisemiten G r g a T » s k a n, ein Pamphlet, wie es in croatischer Sprache biser noch keines gab. Der Verfasser nennt seinen Namen nicht, er zeichnet als ein „Freund des croatischen Volkes." Der Titel der Schmähschrift lautet: ,.Zidovstvo i njegove vjerske las ne" (Das Judenthnm und seine religiösen Mysterien.) Es ist übrigens in seinem größten Theile ein bloßes Plagiat der seinerzeit vom ungarischen Abgeordneten Onody heransgegebenen und vom Grafen K o l o m a n M a i l a t h verbreiteten Schmähschrift „Die Inden und der Tisza-Eslaer-Proeess". Ter Verfasser erzählt, wie die Juden im Alterthume schon ihrem Gotte Opfer darbrachten, wie sie hartnäckig dreimal wider die Römer kämpften und gleich weiter erzählt er, dass den Juden stets persönlicher Mnth abgienge und deshalb waren die Judenverfolgungen des Mittelalters. Fürwahr, echte Antisemitenlogik! Im zweiten Theile beschreibt er den Inden, wie er M'l gebogener Nase, krummen Fußen, ungekämmten Haaren, zerissenem Kaftan von Torf zu Torf wandert, verspottet, verachtet, nur auf Erwerb und Geld denkend! Diese Schilderung kann uns nicht viel schaden, den» sie muss nur auf Heiterkeit bei dem Christen stoßen, wenn er dieses Zerrbild mit den thatsächlichen croatischen Juden vergleicht, welche nahezu alle der Intelligenz angehören, und von großer Wohlthätigkeit und Opsersrendigkeit fürs Gesammtwohl sind. Jedoch bei den unwissenden Bauern könnten das und die nun folgenden Beschreibungen des jüdischen Lebens, worin er uns die albernsten Gebräuche, wie sie nicht einmal bei den Zigeunern sind, vorwirft und falsche, entstellte Citate aus der heiligen Schrift und dem Talmud, einen größeren Eindruck machen. Das Wichtigste ist jedoch der dritte Theil. Er erzählt, dass die Juden zu ihren Osterbroten Christenblut brauchen, erwähnt Pvlna (ihm ist es in Galizien) und erkühnt sich, Folgendes wörtlich zu schreiben: „Unlängst ermordete in einem Walde zu Pvlna ein jüdischer Schächter ein Christenmädchen. Er leugnet es, die Juden bieten für seine Befreiung Unmassen Geldes und wie alles, wird ihnen auch dieses gelingen". Ungleich nach dieser infamen Beschuldigung erwähnt er ganz ohne jeden Zusammenhang, dass wir Heuer am 14. September ein Fest haben, bei dem wir das Unglück der Christen von Gott erbitten. Es wäre wohl nach dem Gcschmacke des Autors, wenn am Bersöhnnngsfeste in Croatien Judenverfolgungen entstünden, wenn man unsere Tempel zerstörte, die Geschäfte plünderte, Jammer und Elend die Städte erfüllte. Und wenn sich die vernünftigen, besonnenen Croaten nicht aufreizen lassen, seine Schuld wird es nicht sein. Die Landesregierung, resp. der königliche Gerichtshof in P e t r i n j a hat in anerkennenswerter Schnelligkeit das Buch zwei Tage nach Erscheinen confisciert. Trotzdem wurden zum Preise von fünf Kreuzer in Sissek in diesen zwei Tagen eine große Anzahl Exemplare verkauft. Wenn es uns auch diesmal nicht viel geschadet, die Erfahrung in anderen Ländern lehrt, dass man mit Schmähschriften, auch den alvernsten, wenn sie sich wider die Inden richten, viel Unheil anrichtcn kann. Berlin. Die „Nene Preußische Zeitung", gewöhnlich „Kreuzzeitung" genannt, veröffentlichte am 16. August einen großen Leitartikel über „Jndentanfen im 19. Jahrhundert". Dieser Artikel fußt auf der Arbeit des Pastors de l e N oi, der eine statistische Uebersicht über diese Frage veröffentlicht hat. Nach diesen Aufstellungen verliert das Judenthum alljährlich an die Christenheit 5250 Personen und. zwar durch Ucbcrtritte an die evangelische Kirche 1450 Personen, „ „ katholische „ 1250 „ „ „ griechische „ 1100 endlich durch Mischehen 1450 „ Sehr bemelkenswert ist, was die „Kreuzzeitung" diesen Ziffern hinzufügt; „Danach würden allerdings die nach sehr niedriger Schätzung gewonnenen Judeutaufen dieses Jahrhunderts eine achtungsmerte Zahl darstellen. Wir wollen aber nicht vergessen hinzuzufügen: auch nur eine Zahl. Was daS Jndenthum an ihnen verloren hat, wissen wir, was die christliche Kirche an ihnen gewonnen hat, das wissen wir nicht; denn die Apostel pflegten die Taufe ernster zu nehmen, als es heutzutage leider oft genug mit den Jndentanfen der Fall ist. Wir können uns der Auffassung der „Kreuzzeitung" nur anschließen, dass die gegenwärtig geübte Praxis von den Täuflingen sehr wenig verlangt, nur einen Eid, den die ungeheuere Mehrzahl leistet, obwohl sie sich bewusst ist, um weltlicher Vorlheile halber einen falschen Eid zu schwören. So lange aber auf den Uebertritt zum Christenthum allerhand Prämien, z. B. Professorentitel, Zugang zur Officiers- und Beamten-Carrinre rc. flehen, sv lange wird die „Kreuzzeitung" Grund genug tiaöe.i, zu zweifeln, dass diese Uebertriite ans ernsthafter Ueberzengung erfolgt sind. Sie helfe uns zur Erlangung vollkommener Gleichberechtigung in Staat und Gesellschaft, kommen dann noch so viele Jndentanfen vor, dann mag sie daraus einen Schluss ans die werbende Kraft des Christenthnms ziehen. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen kann davon keine Rede sein. Paris. Eine Affaire, die eine gewisse Aehnlichkeit mit der berühmten Mvrtarageschichte hat, wird der Oeffentlichkeit durch die „Anrvre" mitgecheilt. Ein jüdischer Kaufmann G. hatte seinen dreizehnjährigen Sohn Lazare auf Veranlassung des Abbö Fecaille in der Glashütte von Clenrey rurtergebracht. Als derselbe dort einige Monate arbeitete, kam der Abbö zu dem Vater des Knaben uub verl rügte die schriftliche Zustimmung, die das Gesetz bei dem Uebertrritte eines Minderjährigen verlangt. Der Vater weigerte sich, der Abbo drohte mit der Entlassung des Knaben, er richtete indessen nichts ans und entfernte sich wuthschnanbend. Monatelang hörte der Vater nichts mehr von dieser Sache, plötzlich erfuhr er, dass sein Sohn gegen sein Wissen und gegen seinen Willen doch getauft worden sei und jetzt den Namen Louis Emile führe. Herr G. hat nun gegen diesen ungesetzlichen und deshalb nngiltigen Taufact Klage erhoben. Paris. Der Jahresbericht des jüdischen Comites de Bienfaisance ist erschienen und weist für das Jahr 1898 eine Ausgabe von mehr als einer halben Million Francs nach. Die Einnahmen betrugen 477.000 Francs, von denen aber nur rund 840.000 von jährlichen Beiträgen herrühren. —■ Der bekannte algierische Antisemit Max Negis hat sich der ' Verhaftung durch die Flucht nach Belgien entzogen. — Die kürzlich verstorbene Madame Halfan hat einer großen Anzahl von englischen Wohlthätigkeitsanstalten Legate hinterlassen im Gesammtbelrage von 160.000 Mark. Davon haben jüdische Anstalten circa 60.000 Mark erhalten, und außerdem ist das jüdische Krankenhaus in Marienbad unt 4000 Mark bedacht worden. Versailles. Die Attentäter, die seinerzeit den Rabbiner » Bloch und den Portier der Synagoge L o e b überfallen und! misshandelt haben, sind vom Znchtpolizeigericht jetzt verurtheilt worden. Der Rädelsführer erhielt zwei Monat Gefängnis und 100 Frcs. Strafe, vier andere kleinere Geld- und Gefängnisstrafen. Außerdem erhielt L o e b eine Entschädigungssumme zngesprochen. London. Vor vier Jahren hätte kaum jemand der Londoner K n a b e n b r i g a d e vvrausgesagt, wie schnell sich ihre Mitgliederzahl vergrößern würde. Jetzt ist sie schon in der Lage, ihre alljährlichen Feldübnngen in zwei gesonderten Lagern abzuhalten. Die Knaben der Londoner und Liverpovler Compagnien sind in das Lager von Deal gerückt, die ä Compagnie von Manchester dagegen in das von Lytham. Diese Feldlager sind zugleich die Feriencolonien der jungen Burschen, die in der Kuabenbrigade vereinigt sind. Wie dieselben dort den Tag ausfüllen, geht ans folgender Zeiteintheilung hervor: . Neveille 5 Uhr 30 Minuten, Parade zum Gebet 6 U. 15 M., Frühstück 7 U. 30 M., Officiers-Frühstück 8 U., Krankenparade 8 U. 15 M., Ankleiden 8 U. 30 M., Officiersparade 9 II., Antreten 10 U. 30 M,. Inspektion der Zelte 10 U. 45 M., Baden 11 U. 15 M., Mittag 12 U. 30 M., Thee 5 U. 30 M., Abendessen 7 II. 30 M., Gebetparade 9II., Lichtaus 9 U. 45 M. Für Erholungsspiele ist ebenso gesorgt, wie für j gutes und reichliches Essen und dic Knaben kehren abgehärtet! und gekräftigt nach 14 Tagen von ihrem Lagerleben zu ihren Beschäftigungen in der Stadt zurück. In dem Lager von Deal . sind zur Zeit 455, in dem von Lytham 286 Knaben. Hohe i) englische Officicre haben diese Feldlager inspiciert und ihrer f Anerkennung für den strammen Geist und die Sauberkeit der jüdischen Burschen schmeichelhaften Ausdruck verliehen. Nächstens toiib General Charles Warrens in Deal eine Parade abnehmen. Manchester. Hier hat sich eine Cooperativ-Gesellschaft gebildet, welche für gemeinsame Rechnung eine jüdische Bäckerei betreiben wird. Die Gründung ist von den jüdischen Bäcker- , gesellen ausgegangen, weiche eine jüdische BÜckerunion mit 22 Mitgliedern gebildet hatten-. Sie kamen in Streit mit den Meistern, bei denen sie arbeiteten, und da sie sich mit denj selben nicht einigen konnten, sv gründeten sie diese Cooperativf Gesellschaft mit einem Capital von 4000 Mark welches! sie zum größten Theil in ihrem eigenen Kreise aufgebracht haben. Sie haben sich jetzt an das jüdische Publicum gewendet mit der Bitte, seinen sümmtlichen Brotbedarf nur in den B.rkaufsläden der Gesellschaft zu decken. Wie es scheint, begegnet j diese neue Gründung der Sympathie des ganzen jüdischen j Pnblicnms. | Amsterdam. Das Cvnsistorium und der Oberrabbiner > von Geldern haben s-ch an den Kriegsmiuister mit der Petition | gewendet, dass dieser dafür sorgen möge, dass in allen Kasernen i geeignete Räume zu Synagogen eingerichtet werden möchten, k sobald eine genügende Anzahl jüdischer Soldaten in den bej treffenden Kasernen dienen. Dieser Wunsch wird sicher bewilligt werden. — Der kürzlich verstorben Dr. Gomez d e l a Penha hat außer anderen milden Legaten der hiesigen portugiesischen Gemeinde die Hälfte seines Vermögens hinterlassen. Dieser Theil beträgt über 100.000 fl. — Die jüdischen Religionslehrer in Holland haben einen Verein „Achaivah", der kürzlich seine Jahresversammlung abhielt. Bei dieser Gelegenheit sandte der Verein ein Telegramm an die Königin ab, die in liebenswürdigster Weise telegraphisch dankte. AdriattvPel. Der türkische Generalgouvernenr unserer Stadt, A rif Pascha, hat die Schule der „Alliance israelite" besucht. Den Mädchenclassen wendete er seine Aufmerksamkeit besonders zu, und >var er außerordentlich befriedigt von den Leistungen der Schule. Er wurde bei seinem Besuche begleitet von Robert M i z r a h i E f f e n d i, dem Direktor der politischen Angelegenheiten unseres Bezirkes, der ein guter Jude ist, und als solcher eifrigen Antheil all jüdischen Angelegenheiten si nimmt. /> Algier, 10: August. Die Ereignisse der letzten Woche jj zeigen deutlich, dass die Herrschaft von Max Negis und i seiner antisemitischen Clique hier zu Ende ist. Wohl ist der j Held der Straße wieder aus dem Gefängnis entlassen, aber i> welcher Unterschied gegen die Haftentlassung desselben Mannes im Vorjahr! Damals Straßenscenen, die in der Plünderung j des Judenquartiers ihr Ende fanden und gewaltige Militär- (' Massen zur Herstellung der Ruhe nöthig machten, diesmal nur \ eine schwächliche, friedliche Demonstration ohne Enthusiasmus. ,< Auch im Gemeinderath hat Negis seinen Einfluss eingebüßt, Zwar hatte die Negierung mit ihm einen Compromiss ge-! schlossen und seinen Candidaten für den Posten des Maire von Algier unterstützt, dennoch machten sich die ans das Programm Negis' gewählten Gemeinderäthe von diesem Terrorismus frei und wählten statt des nominierten Dr. Chevalier