Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 26 (11.8.1899)
- Date
- 1899-08-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 11. August 1890 Nr. 20 wie unklug. Seither standen die Juden in dem Streit zwischen Boureu und Engländer ans Seite der ersteren, und viele von ihnen haben während des Jamesson-Aufstandes die Waffen für die Bouren-Regiernng getragen, von der sie jetzt so ungerecht behandelt werden. Sie werden es sich ein andermal wohl reiflich überlegen, ehe sie Gut und Blut für eine derartige Regierung eiusetzcn. Die Israeliten in Transvaal bilden einen recht bedeutenden Factor, denn sie zählen circa 90.000 Seelen und verstärken sich noch täglich durch neue Einwanderer. Berlin. (V o m „D r e s ch g r af e u" P ü ck l e r.) Ter mulhige Dreschgraf P ii cf I e r, der jetzt das Protectorat über die Antisemiten übernommen hat, hat in einer Berliner Versaminlnng wieder eine schone, bilderstarke Rede gehalten, in der er die ganze vernichtende Phantasie eines übergeschnappten Kainttierjägers offenbarte: Es müsse endlich einmal Ordnung geschaffen werden im Deutschen Reiche, der Boden mit eisernen Ruthen gekehrt werden. „Wir müssen zu Felde ziehen gegen die staatsgesährlichen llnistnrzparteien, wir müssen die Juden und Demokraten mächtig aufs Angesicht schlagen, bis sich das ganze vateclandslose und revolutionäre Gesindel scheu verkriecht iü die entlegensten Winkel, erschreckt und verängstigt von der rannen Kraft und den Fernblick der Germanen." (Stürmischer Beiiall.) „Möge eine heilige Begeisterung auch unsere Damenwelt ergreifen." „Schon zeigt der dentsche Löwe die gewaltigen Pranken dem niederträchtigen Judeupack" „Auf, ruft: Gott schütze den Kaiser und das Deutsche Reich, doch ihr jüdischen Schlangen hinaus mit euch!" — „Lauganhaltender, stürmischer Beiiall und Händeklatschen, Hoch- und Bravorufe durchbrausten den Saal und immer wieder musste sich der m u t h i g e Graf dankend verbeugen" — so berichtet wenigstens die „Staatsbürger-Zeitung!'. Den Antisemiten scheint der Herr Graf aber doch zu zahm gesprochen zu haben, denn der Borsitzende der Versammlung erklärte in sinniger Weise, der Herr- Graf habe seit der ersten aufgelösten Versammlung es meisterhaft erlernt, „Lieder ohne Worte" zu sprechen. Berlin. (D str G r o ß h e r z'o g von Bade n gegen den Antisemitismus.) Der Großherzog von Baden hat in St. Moritz den gleichfalls dort zur Enr weilenden Berliner Privatgelehrten Dr. A. B e r l i n e r in längerer Audienz empfangen, und bei dieser Gelegenheit äußerte sich der Großherzog sehr abfällig über d e n Antisemitismus und sprach der Partei, welche den Judenhass xuif die Fahne geschrieben, jede Existenzberechtigung ab. „Der Ant.semirismns" — sagte der Großherzog wörtlich — „wird in Deutschland nicht mehr großen Schaden anrichten, denn er hört auf und verschwindet." Mit großer Anerkennung äußerte sich der Großherzog über die Leistungen der deutschen Juden im speciellen. Bei Ueberreichung seines Werkes über „Tie Geschichte der Juden Roms", wurde Dr. Berliner vom Grvßherzog über den gegenwärtigen Stand der Palästinaforschung befragt, wobeider Großherzog sich als ausgezeichneter Kenner aus diesem Gebiete bewies. Narmrbrrrg (Von den B e r a l h u n ge n des Turntages.) Wie bekannt, machen sich in den Turnkreisen Oesterreichs Bestrebungen geltend, alle diejenigen Turnvereine auszuschließen, die nichtarische (jüdische) Turner unter ihren Mitgliedern zählen. Infolgedessen hat eine Anzahl solcher Vereine (Budweis, Jglau, Olmütz, Prag, Wien rc.) beim Ausschusse angefragt, ob sie im Falle eines solchen Ausschlusses aus dem Kreise unmittelbar Mitglieder der deutschen Turner werden können. Der Ausschuss will erst die Erklärung des Kreisausschusses des österreichischen Kreises über diesen Antrag abivarten, um dann weiter zu verhandeln. Warschau. (Z u r A r b e i t e r b e w e g u n g unter den Juden. Im Stadtgarten sind anlässlich einer Versammlung jüdischer Arbeiter ungefähr dreißig Mann verhaftet worden. Doch macht die socialistische Propaganda unter den Arbeitern jüdischen Glaubens immer mehr Fortschritte; so wurde während der jüdischen Festtage von dem Locslcomitö des „Allgemeinen jüdischen Arbeiterbundes" in sämmtlicheu Stadttheilen, welche von jüdischen Arbeitern bewohnt werden, massenhaft socialistische Literatur verbreitet. Vor kurzem standen die jüdischen Drechsler, 200 an der Zahl, im Strike und verlangten den zehnstündigen Arbeitstag, den sie auch zugesagt erhielten. Ebenfalls siegreich endete der Strike von 9000 jüdischen Schustern, welche die gleiche Forderung aufstellten und zum großen Theile auch bewilligt erhielten. — In Minsk wurde vom Localcomile des „Allgemein jüdischen Arbeiterbundes für Russland und Polen" eine eigene Zeitung herausgegeben. deren erste Nummer unter dem Titel „Einigkeit" in Hectographischer Vervielfältigung in großer Anzahl erschienen ist. Petersburg. Hiesige Blätter melden, dass auf Anordnung der Regierung in das technologi sche Institut in Petersburg j ü d i s ch e Z ö g l i n g e nicht mehr aufgenonimen werden dürfen. Witebsk. Ueber einen selbst in Russland unerhörten Vorgang wird gemeldet: Der Schlosserarbeiter Mendel Kivinson wurde für ein unbedeutendes, politisches „Vergehen" aus Witebsk nach dem benachbarten Städtchen Welisch ausgewiesen. Da er in diesenl Städtchen keine Arbeit finden konnte, kehrte er im Geheimen nach Witebsk zurück, wurde aber auf der Straße von dem Polizeispitzel Joska Padworvtnik erkannt und auf seine Anzeige festgenommen und nach dem Polizeipräsidium abgeführt. Am nächsten Morgen gieng der Vater des Verhafteten nach der Polizei und erhielt dort die Nachricht, dass sein Sohn in der vorigeuMacht gestorben sei. In der Stadt aber wurde von der Polizei das Gerücht verbreitet, dass sich der Verhaftete auf der Polizeiwache aufgehängt habe. Es hat sich jedoch herausgestellt, dass der Verhaftete auf der Polizei einer Folter unterworfen, zu Tode gequält und dann die Leiche aufgehäugt wurde. Die Polizei wendete alle Mittel au, um die Sache zu vertuschen, da die Ankunft des neuen Gouverneurs bevorsteht. Die Aerzte sind bestochen. Aber die jüdischen Arbeiter der Stadt schwiegen nicht. Sobald sich die Nachricht von dem Foltertode des Verhafteten in der Stadt verbreitet batte, sammelte sich vor der Polizei eine ungeheure Menge an. welche die Leiche nach der Gouvernements-Polizeiwache begleitete. Am nächsten Tage, Sonnabend, war seit dem frühen Morgen die Boltritschaya- Straße von jüdischen Arbeitern und Arbeiterinnen gefüllt. Gegen 5 Uhr abends waren die Smolensker- und Gefängnisvlätze vom Volke vollgepropst. Gegen 0 Uhr drängte die ganze Masse nach der naben Straße Laborowichtschina mit lauten Drohungen, an d-m Spitzel Rache zu nehmen, der den Ermordeten verhaften ließ. Da er nicht zu finden war, zertrümmerte die Menge die Wohnung. Balo erschien die Polizei, der es aber nur mit großer Mühe gelang, die Menge auseinanderzujagen. Die ganze Stadt ist wegen des Vorfalles in große ''Aufregung gebracht und man erwartet neue Ansammlungen. Stockholm. Hier ist ein früher sehr bekannter jüdischer Violinist und Componist, Siegfried S a l o m o n, im Alter von 89 Jahren verstorben. Er war mit der berühmten schwedischen Sängerin Henriette Nissen verheiratet und 1859—1.879 als Mnsiklehrer in Petersburg, seitdem aber in der schwedischen Hauptstadt. Seine Hauptwerke sind die beiden Opern „Das Diamantenkrenz" und die „Rose der Karpathen", die häufig anfgesührt worden sind. Rom. Der höchste Rang in der italienischen Armee ist die Generalswürde. Diesen hohen Posten hat jetzt ein Glaubensgenosse, der vielgenaniite Generallientenant Ottolenghi erreicht. Rach brillanter Carriere, die er 1859 als Unterlieutenant begonnen, und während der er dreimal verwundet worden war, wurde er im Jahre 1.891 zum Generallieutenant ernannt. Dann erhielt er den wichtigen Posten des Corpscommandcutteu in Turin, und jetzt ist er zn der höchsten Würde in der italienischen Armee emporgestiegen. Im Kriegsfälle gilt er für den zum Eommande der Armee gegen Frankreich bestimmten General. So bedeutend seine Position ist, hat er doch nie seine Anhänglichkeit an das Judeuthum verleugnet und erscheint oft als Beter in der Synagoge. New-Aork Jacob Schiff, einer der reichsten lind einer der wohlthütigsteil aller Juden New-Aorks hat seine Generosität wieder einmal in fürstlicher Weise gezeigt. Er hat der Harvard Universität für semitische Wissenschaften und dem damit verbundenen Museum das großartige Geschenk von 400.000 Dollars gemacht. Kimberley. Die hiesige, seit 20 Jahren bestehende jüdische Gemeinde, die „Grigualaud West Hebrew Cogregation" hat den Rev. Jsaacs aus Johannisburg als Rabbiner engagiert. Die Gemeinde befindet sich in stetem Aufschwünge, ihre Eiuiiahmen erreichen bereits 90.000 Mark pro Jahr, die Ausgaben etwas weniger. Auch einige Wohlthätigkeitsvereine und eine Chewre Kadischah verrichten ihre gemeinnützigen Arbeiten. Jerusalem. Die Gefahr, dass die Pest ans dem nahen Aegypten eingeschleppt werden könnte, ist bedrohlich nahegerückt und es ist daher nur angebracht, dass man hier mit großer Elle alle Vorsichtsmaßregeln triffc, die das Phlegma und der Fatalismus des Orientalen zulassen. Erfreulicherweise ist der Pascha wenigstens recht energisch und greift kräftig ein. Die Stadtverwaltung der Reis el Belludije an der Spitze, der sich geweigert hatte, die nöthigen kostspieligen Maßregeln zu treffen, wurde einfach abgesetzt und damit Raum für Reformen geschaffen. Alle 21 Aerzte der Heiligen Stadt wurden zusammenberufen und mussten der Regierung ihre Vorschläge unterbreiten, die im wesentlichen Annahme fanden. Zugleich ist der Coraon gegen Aegypten von Kerak bis Gaza gehörig verschärft worden, dann ist in der Stadt selbst mancher Schmutzwinkel gereinigt und endlich schier unglaublich in der Heiligen Stadt eine regelrechte Müllrc. Anfuhr organisiert worden. Jedes Haus muss seine Kehrichtkiste halten, die. am Stadtwageu geleert wird. Die Abfälle werden erst ein gehöriges Stück von der Stadt entfernt abgeladen. Diese schon ganz europäische Einrichtung ist für unsere Heilige Stadt eine ganz merkwürdige Neuerung. Für den Fall, dajs die Seuche doch ausbrechen sollte, ist die Stadr in 21 Districte getheilt worden, deren jedem ein Arzt vorsteht, ebenso ist die Anzeigepsttchl eingeführt worden. Ja, sogar Pestserum hat mau bereits beschafft. Jerusalem schreitet wahrlich vor. Ueber Rabbinerseminare. Wir erhalten auf den in unserer vorletzten Rümmer veröffentlichten Artikel gleichen Namens nachstehende Zuschrift, der wir im Interesse der Sache gerne Raum geben, ohne uns jedoch mit den darin enthaltenen Ansichten idenlistcieren zu wollen. Jedes junge Institut ist iu der erste» Zeit seiner Begründung Gegenstand einer scharfen Discussion. Männer, die alles bester zu wissen vorgeben, oder vermöge ihrer Stellung manches anders zu wünschen ein Recht zu haben glauben, treten der jungen Schöpfung mit der ganzen Wucht ihres Wissens oder ihrer Persönlichkeit entgegen, was oft zur Zerstörung derselben führt, zuweilen jedvch auch die Förderung ihres Gedeihens bewirkt. Der jüdisch-theologischen Lehranstalt in Wien ist dieses Schicksal nicht erspart geblieben. Seit ihren ersten Anfängen, ja seit dem e r st e u Tage ihrer Begründung, ist sie zur Zielscheibe der heftigsten Angriffe gemacht worden. Die meisten sind auf bittere Enttäuschung, verletzte Eitelkeit und boshafte Schadenfreude überhaupt zurückzuführen, zu welligen gab auch fortschrittlicher Ucbereifer oder obscurer Zelvtismus den Impuls. Alle aber hatten einen Charakterzug gemein» schaftlich, den der bloßen Bermuthung, alle flössen aus der Quelle trüber Hypothese. Diese waren deshalb nicht ernst zu nehmen, und so gieng mau auch über sie, die einen mit schadenfrohem Lächeln, die andern mit verächtlichem Achselzucken, hinweg. Nun aber sind vom Leben der jüdisch-thevlogischeu Lehranstalt in Wien bereits sechs Jahre abgeflossen. Aus dem Schoße dieser jungen Anstalt sind bereits zehn Männer als Rabbiner hervorgegangen, die berufen wären, Gemeinden zu leiten und neuen Generationen den Weg zu den idealen Höhen unseres Volkes zu bahnen. Und wieder erschallen die Stimmen der Streiter, die theils in edlem, theils in geheucheltem Zorn erglühen und ihre Axt erbarmungs- und rücksichtslos über dieselbe schwingen. Die Angriffe klingen jetzt nicht mehr hypothetisch. Die Anstalt sowohl als ihre Gegner weisen ans bestimmte Resultate hin. Die letzteren legen vor aller Welt eiternde Wunden bloß nnd weisen ans dieselben mit tvühlendem Finger hin. Jetzt kommt es nicht mehr darauf an. ob der Angreifer Freund oder Feind ist, ob er angesichts der klaffenden Wunde triumphiert oder seufzt, jetzt gilt es die Aufdeckung der Wahrheit, und das umsomehr, da manche jener Unzufliedeneil Hörer dieser Anstalt sind, was ja jede ihrer Zeilen veriälh. So muss endlich festgestellt werden, wo die Quelle all' dieses Unheils fließt, die wir iu der That, wenn wir den n vralischen Verfall unserer Gemeinden rechtzeitig verhüten ivvllen, möglichst bald verstopfen müssen. Gestatten Sie dah-r, sehr geehrter Herr Redacteur, dass auch ich, ein absolvierter Hörer dieser Anstalt, zu dieser Frage in Ihrem Blatte das Wort ergreife, und wird Ihnen das jüdische Publicum anfrichtigst danken, dass Sie dieser Discussion, die gewiss mehr als akademischen Wert haben wird, die Spalten ihres geschätzten Blattes frenndlichst öffnen. Wenden wir uns zunächst der Frage zu, die das „Hörermaterial" streift. Dieses, sagt der Artikelschreiber Ihres Blattes, setzt sich zumeist aus Galizianern zusammen. Das ist aber der eminente Vorzug dieser Anstalt, der sie vor allen andern auszeichuet. Verhehlen wir uns nicht, sprechen wir es einmal laut und offen aus, diese verachteten Galiläer, die beute wenige Gemeiudeil nur zu würdigen verstehen, sind die geeignetsten Männer. die die große und moderne Aufgabe unseres Volkes zu lösen berufen sind: neue Bahnen nämlich iu seine Zukunft einzuzeichnen. Diese Galiziauer waren es, die dieser Anstalt ihr nun bekanntes und prägnantes Gepräge aufgedrückt haben, die aus ihrem viel geschmähten Heiniatlaude zumeist nicht nur genügende talmudische Vorkentnisse, sondern auch das glühende Herz und den Opsermuth erprobter Culturkämpfer und unerschrockener Jdeallsteic mitbringen. Bei all dieser Würdigung ihrer Begabung und Ehrlichkeit muss denn doch zugegeben werden, dass sie ohne genügende Ausbildung in einer theologischen Lehranstalt, trotz eines Reifezeugnisses zur Leitung einer Gemeinde einerseits, und zur Fortsetzung jüdisch-wissenschaftlicher Studien andererseits ungeeignet wären. Es muss den meisten dieser jungen Leute der Weg erst gezeigt werden, den sie zu betreten und zu wandeln haben. Es' kann aber unmöglich auch die Pflicht dieser Anstalt sein, alle ihre Hörer ohne Rücksicht auf ihre größere oder geringere Begabung zu Gelehrten von klangvollem Namen auszubilden, weil eine derartige Forderung ein Nonsens wäre. Freilich kann der bittere Vorwurf nicht unterdrückt werden, dass auch manche für diesen Beruf vollständig ungeeignete Hörer den Besten ihren Platz streitig machen; dass diese — so paradox es auch klingen mag — Prüfungen machen und zuweilen, auch ohne ihre Studien vollendet zu haben, iu mancher Gemeinde Triumphe feiern. Da fällt aber das meiste Dunkel dieses Schattens nicht so sehr auf die Anstalt, als aus die betreffenden Gemeinden. Gewiss hat dis theologische Lehranstalt noch manches gut zu machen, gewi s klafft an ihr noch manche Wunde, auf die ihre Angreifer mit Fingern weisen, die sie selbst unmöglich verdecken kann und die bloßzulegen unsere Pflicht ist. Allein es wäre nicht recht und objectiv geurtheilt, wollten wir alle Fehler auf die Rechnung dieses jungen Institutes schreiben. Das jüdische Seminar hat seine Geschichte. Als die theologische Lehranstalt in Wien begründet wurde, lag es nicht in der Absicht ihrer Begründer, iu die historische Entwicklung refvrmatorisch einzu greifen. Professoren und Hörer hatten vielmehr die Ausgabe, in dce breiten ausgetretenen Spuren der längst gebahnten Straße zu treten. Da nun der herrschende Geist der jüdisch-akademischen Jugend und somit auch der im Wiener Seminar ein anderer geworden ist, da die idealen Bestrebungen der jüngere Generation weit über die der alten hiuausgeheu, zeigt sich natürlich, dass der alte Rahmen, in den man früher die Ausgaben eines jüdischen Senliuars hiyeinzup affen suchte, für die neuen Verhältnisse zu eng geworden, erscheint die alte Methode in manchen Theilen überwunden und praktisch nicht mehr haltbar. Daraus darf aber keinesfalls eiir Vorwurf gegen das Seminar iu Wien geschmiedet werden. Es wäre nur auf manche Reform zu drängen. Eine solche hat aber längst, was ■ allen Beobachtern, die mit den inneren Verhältnissen der Anstalt vertraut sind, nicht entgieng, sich geltend zu machen angefaugen und wird sie kraft ihrer inneren Berechtigung, von der nun auch die Professoren überzeugt sind, in ihrer weiteren Entwicklung nicht mehr aufznhalten sein. Allerdings wäre es ein großes Verdienst, wenn berufene Fachmänner diese Reform durch gelinden Tadel und weisen Rath rasch fördern wollten. Die leitenden Professoren dieser Anstalt sind Männer, bic auf der Höhe der jüdischen Wissenschaft stehen, in deren Händen die Schicksale eines Seminars am sichersten ruhen, und die jede plumpe Beleidigung wohl zu ignorieren, jeden gut gemeinten Rath aber $u würdigen verstehen. Rabb. Dr. I. L. Lauda u. (Schluss folgt.) Die Juden in Croatien- Slavonien. Von L. S. Während auf der ganze» Erde, wo Jude» wohnen, eine unverkennbare Wiedergeburt iu jüdisch-nationaler und religiöser Beziehung stattfiudet, während bei Ihnen in Oesterreich unter Ihrer Führung sich eine kräftige Bewegung entwickelt, die immer tiefer in die jüdische» Massen dringt, große Ber-