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Jüdisches Volksblatt · 1899-08-11 · 26 (11.8.1899) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
26 (11.8.1899)
Date
1899-08-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 1J. August 1809 Seite 3 Nr. 26 i ve en ßen u;t. NI ie m )t r ). l e n n u n rief jemand: „Heut' dürfen nur Leute, die Moriz Wohl heißen, herein!" Es regnete nur io Verbalinjurien. Endlich war jedoch die Geduld der Menge zu Ende, man gieng zu Thätlichkeiten über, bei denen Herr Feichtinger, der fort nach Wache schrie, recht übel davonkam und den Saal verlassen musste. Die Versammlung fällte nun über ihn das nachstehende Verdammungsurtheil: „Die heute in der Steinfelder Bierhalle Versammelten erklären es als eine Beleidigung der ehrlichen Bevölkerung von Graz, dass sich ein Mann, wie Josef Feichtinger, der l. sich erwiesenermaßen als Antisemit von einem jüdischen Wucherer bestechen ließ, % sein Gemeinderathsmandat nur seiner Charakterlosigkeit, selbst in Zeiten der Bedrängnis der Stadt mit den Feinden der Freiheit und den Verräthern der Rechte und der Interessen des Volkes, den Clericalen, lalse Christlich-Socialen, zu paktieren, verdankt, 3. seinen politischen Anhang nicht im ehrlichen Kampfe für die Rechte und Interessen des Volkes erworben, sondern durch kannegießernde Hausiererei in Wirtshäusern re. sich erwarb, jemand anderen als seine engsten Parteifreunde zu einer Versammlung einzuladen oder zu jemand anderem als zu diesen sprechen zu wollen. Deshalb beschließt die Versammlung : Josef Feichtinger hat es verwirkt, an öffentlichen Verhandlungen, die den Zweck haben, ehrlich und rechtschaffen zu berathen, wie die Volksinteressen gewahrt und vertreten werden können, theilzunehmen; desgleichen sein intimer Freund Wilfinger, der sich, wie erwiesen, schwindelmäßig den Titel Statthaltereirath beigelegt hat und deswegen gerichtlich verurtheilt wurde." — Seit dieser Zeit wagt es Herr Feichtinger nur dann Versammlungen abzuhalten — wenn ihm der Statthalter den Schutz des Militärs zasagt. Troppau. (C h r i st l i ch - s o c i a l e Institute auf Reise n). Der Troppauer Genieinderath hatte vor kurzer Zeit über ein Ansuchen eines Wiener Versicherungs-Institutes zu entscheiden des Inhaltes, es möge der Gemeinderath die Bewilligung zur Betrauung der st ä d t i s ch e n B e a m t e n m i t V erw a l t u n g s- und A c q u i s i t i o n s - A r b e i t e n, die im Interesse des Versicherungs-Institutes zu leisten wären, ertheilen. lieber diese ebenso dumme wie freche Zumuthung wunderte man sich anfangs, sodann aber lehnte man das Ansuchen ab. Natürlich handelte es sich um die geniale Schöpfung des Dr. Lueger und seiner Gesellen, die auf dem Wege der — Bescheidenheit — der Name der Versicherungs-Gesellschaft war wohl genannt, doch nicht ihre mächtigen Protecloren — es versuchten, billige und verlässliche Acquisiteure zu erhalten. Hierauf aber entschlossen sich die edlen Herren von Wien, auf dem nicht mehr ungewöhnlichen Wege der Insertion das gewünschte Material für Mähren und Schlesien zu erhalten. Nun wäre an dem Umstande weiter nichts zu bemerken, wenn nicht die christlich-socialen Versicherungs-Techniker dieses Institutes sich seinerzeit rühmten, dass sie gerade mit der Institution der Provisionsagenten brechen würden. Aber nachdem niemand zur Gesellschaft kommt, sendet die Gesellschaft Organe zu den Leuten. Es haben sich auch schon Agenten gefunden, und es ist eine bittere Ironie des Schicksals, dass die Mehrzahl der Leute, die durch Geschäftstüchtigkeit und Ueberredungskunst der christlich-socialen Versicherungs-Gesellschaft auf die Beine helfen sollen, gerade — Jude n sind. Die Annoncen haben aber noch eine weitere Bedeutung. Die Anstalt war ursprünglich nur für Wien und Niederösterreich geplant; es scheint aber, dass die besten antisemitischen Wiener und Niederösterreicher sehr wenig Vertrauen zu den wirtschaftlichen Schöpfungen ihrer Abgötter haben, und deshalb haben sich die Leiter des Institutes um einen anderen Wirkungskreis umgesehen — der ihnen das Vertrauen entgegenbringt, welches ihnen am Platze ihrer Thätigkeit von der Bevölkerung versagt wird. Hoffentlich ist Mähren umd Schlesien nicht dieses gesegnete Land und bleibt von den christlich-socialen Schöpfungen verschont. Odra». (Antisemiten unter s i ch.) Am 7. August feierte der christlich-sociale Arbeiterverein von Odrau das Fest der Fahnenweihe. Die Deutschnationalen veranstalteten deshalb eine Gegendemonstration, zu welcher auch die benachbarten deutschnationalen Turnvereine erschienen waren. Dieselben — etwa 1500 Personen — zogen zu dem Festplatze der Christlich-Socialen, dort schlossen sich auch bie Socialdemokrateu ihuen an. Die Christlich-Socialen wurden unter den Rusen „Los von Rom!" und „Nieder mit Lueger!" empfangen und erwiderten mit dem Rufe „Hoch Lueger!". Es kam infolgedessen zu Schlägereien, bei welchen einigen Geistlichen die Cpliuderhüte ein geschlagen wurden. Abends kam es zu neuerlichen Raufereien und Gendarmerie musste einschreiten, um die Ruhe wieder herzustellen. Prag. C8 *> ni A it s cultantenta g.) Anlässlich des hier stattgefundenen Auseultantentages hatte sich auch der Abgeordnete Schneider aus Wien eiiigefnnden, um die zukünftigen Richter und Adbvcaten seiner unbegrenzten Hochachtung zu versichern, jener Hochachtung, die er den bereits im Amte befindlichen Richtern so oft schlankweg versagt. Er gab ferner namens der Chrisilich-Svcialen die ebenso unglaubliche wie naive Versicherung ab, dass dieselben stets das Ansehen der Gerichtssnnctionäre fördern wollen. Sein Auftreten war sonst ohne jeden Erfolg. Ncichcrrbcrg. (Co n sisciertc Predigten.) Wie czechische Blätter melden, verfiel ein Blatt in R e i ch e n a u an der Knerna der Cvnsiecation, lveil es einen Theil einer Predigt des Jesuiten I e m e l k o, eines bekannten clericalantisemitischen Streithahnes, wörtlich mitgetheilt hatte. Das Kreisgericht Königgrätz bestätigte diese Cvufiseativn mit der Motivierung, dass der besagte Artikel das Vergehen gegen die öffentliche Sittlichkeit nach § 5:10 des St.-G.-B. begründe. Darnach kann man sich leicht vvrstellen, wie würdig und der Kirche angemessen, der Jesuit lerne» Pflichten nachkvmmt; derselbe ist auch ob seines rüden Antisemitismus, den er überall zur Schau trägt, bekannt. Gger. (Die I n d e n f nr ch t des R ei chsr a th sa b ge v rd n e te n I r v.) Der Reichsrathsabgevrdnete J rv hatte in Geineinschaft mit beu anderen Größen der hiesigen schönererianischen Bewegung wie Dr. Reiniger und Hofer für den 3. August eine große P r o t e st v e r s a m m l n n g gegen den § 14 n n d die Z u ck e r st e n e r einbernfen, in der Einladung aber in fetten Lettern angekündigt, dass Juden und C z e ch e n keinen Zutritt haben sowie, dass, um einer allenfallsigen Ueberrumpeluug vorzubeugeu, es höchst nothwendig sei, durch Gesinnungsgenossen sehr frühzeitig den Versaunnlungsort zu besetzen. Nichtsdestoweniger wussten sich die Sveialdemokraten in großen Massen Eingang zu verschaffen und unter denselben befand sich auch e i n Jude. Als dem muthigen Knappen Schönerers diese furchtbare Thatsache bekannt wurde, und der Jude nicht gewillt war, den Saal zu verlassen, entschloss sich Herr J ro, die Versammlung nicht abznhalten, um am nächsten Tage durch die Blätter die Lüge zu verbreiten, dass die Socialdemokraten die Versammlung gesprengt hätten. Hohenelbe. (Ein Besuch Schönerers.) Zur Abhaltung einer großen Protestversammlung hatte Schönerer der Stadt Hohenelbe die Ehre seines Besuches zutheil werden lassen. Nachdem die Behörde den geplanten festlichen Empfang am Bahnhofe verboten hatte, ließen es sich die Anhänger Schönerers nicht nehmen, dem Führer zu Ehren ihre Häuser mit Fahnen in den reichs-dentschen Farben zu schmücken. Nur wenige Häuser waren nicht beflaggt und die Besitzer dieser Häuser wurden nun von den Radikalen einer Musterung unterworfen und ihnen ein schreckliches Strafgericht angedroht. Ganz besonders übel kommt hierbei die „asiatische Judengesellschaft" fort, unter lvelchem geschmackvollen Namen die „österreichische Nordwestbahn" verstanden wird. Der Gipfelpunkt der Unverschämtheit ist es aber, wenn man sogar die Inden bezeichnet, die nicht beflaggt hatten — zu Ehren Schönerers. Derselbe war übrigens in seiner Rede recht zahm, um eine Auflösung zu verhüten. Sein Naturell kam erst zur Geltung und Entfaltung, dort wo er sich am wohlsten fühlt — auf der Bierbank. Boskowitz. (Jubiläumsfeier.) Am 30. v. M. fand in den Localitäten der deutschen Volksschule eine Feier zu Ehren des vierzigjährigen Jubiläums des Lehrers und Obercantors, Herrn Adolf H a t s ch e k, veranstaltet von seinen ehemaligen Schülern, statt. Unter den zahlreich erschienenen Gästen befanden sich: Die Gemeindevertretung, der Ortsschulrath, die Cultusgemeinde, der Lehrkörper der deutschen Volksschule, die freiwillige Feuerwehr, der Turnverein und der Lese- und Geselligkeitsverein „Frohsinn". Das schöne Fest verlief in sehr animierter Stimmung und brachte dem Jubilar zahlreiche Ehrungen. Lemberg. (CulturbilderausOesterreichisch- Asien.) Es ist wohl zur Genüge bekannt, wie in Galizien, diesem östlich gelegenen und ebenso verwalteten Kronlande der Monarchie die „Pascha" die jeweiligen Wahlen zu „leiten" verstehen. Der schon ziemlich beträchtlichen Sammlung von Gesetzesverletznngen, Missbräuchen und anderen Vorkommnissen möge hier im Nachstehenden ein neuer Fall, würdig der Kenntnisnahme durch die Oeffentlichkeit, angefügt werden. Herr Turek-Niewiadomski ist Bezirkshauptmann in Zydaczow und hat es sich zur Aufgabe gestellt, dass alles in seinem Amtsbereiche nach seinem Willen geschehen müsse, gleichgiltig, ob sein Wille sich mit dem herrschenden Gesetze deckt oder nicht. Einen Beweis, dass auch das letztere unter seiner Herrschaft Vorkommen mag, bilden die jüngsten Gemeinderathswahlen in Rozdol. In diesem etwa 6000 Bewohner zählenden Städtchen bestand der Gemeinderath bisher stets ans 12 Inden und 18 Nichtjuden; die Juden des Ortes wählten zum Theile mit den Polen, zum Theile mit den Ruthenen, da ihnen unter den ausgestellten Candidaten nicht jeder genehm war und sie mehr nach der Fähigkeit als nach der Parteizugehörigkeit des Candidaten ihre Stimme abgaben; deshalb lag stets bei den jüdischen Wählern die Entscheidung über den Wahlkampf. Heuer versuchte nun die christliche Bevölkerung, aufgehetzt durch den Satrapen des Schlosses, diese Wahlen auf eigene Faust und ohne jüdische Unterstützung durchzuführen und der Erfolg war — Verlust von 5 Mandaten, und nur mit Mühe behaupteten sie den 3. Wahlkörper, indeß die Juden, obzwar durchwegs arme Teufel, doch stark besteuert, den 1. und 2. Wahlkörper vollkommen beherrschen, wenngleich sie aus Loyalität drei Mandate an sogenannte „Intelligente" freiwillig überließen. Diese Zuvorkommenheit rächte sich aber an den Juden, beim einmal gewählt, vergaßen die drei Auserkorenen rasch diese Nachsicht, strebten den Bürgermeisterposten an und geberdeten sich als schroffste Gegner der Juden. Auch Herrn Turek-Niewiadomski befriedigte dieses Wahlergebnis nicht sonderlich, und um dies zu ändern, berief er den jüdischen Biee-Bürgermeister Brüstinger, der seit dem vor etwa 2 Jahren erfolgten Tode des Bürgermeisters die Amtsgeschäfte zur allgemeinen Zufriedenheit führt, zu sich nach Zydaczow. Dort stellte der Herr Bezirkshauptmann dem Vice-Bürgermeister den Antrag, rasch zwei Juden ans dem Gemeinderathe unter allen Umständen zu entfernen und an deren Stelle einen gewesenen politischen Beamte n und einen pensionierten Haupt m a n n einzusetzen und zwar ersteren sofort mit der Anwartschaft aus den Bürgermeisterstuhl. Als Herr B r ü st i n g e r nun mit Hinweis auf die freie Wahl die Entfernung von nnbequemen Gemeiuderäthen einzig und allein als Angelegenheit der Wähler hinstellte, war der Herr Bezirkshauptmann höchst ungehalten über diesen Widerspruch und drohte im Falle der Weigerung mit Auflösung des Ausschusses und Einsetzung eines Reglern,igscvmmissärs. Und als der Ausschuss sich der Ansicht seines Oberhauptes anschlvss, begann der staatliche Beamte, da sich Ivnst kern plansibler Grund zllr Auflösung finden ließ. Unfrieden zwischen der christlichen und jüdischen Bevölkerung zu säen, vier es glücklich dahin gebracht hatte, den christlichen Gemeinderäthell begreiflich zu machen, dass ihr Heil in der Einsetzung eines Regiernngscvlnniissärs liege und dass sie dieies Ziel erreiche"' könnten, wenn sie fleißig — Obstructiv» machen, die Sitzungen nicht besuchen und so die Constitniernng des Gemeinderathes verhindern. Dieser „Rath" wurde pünktlich befolgt und Rozdol erhält einen Regierungscommissär. In ihrer Verblendung und der ihnen von außen eingeflößten Judenfurcht entäußerten sich so die christlichen Gemeinderäthe der wichtigsten Rechte und wurden so der Schemel für einige gewissenlose Streber. Allerdings tvurde ihnen auch eine andere Behandlung als den Juden in diesem Falle zugesagt un8 ihnen der Schaden vvrgestellt, wenn die Inden die Majorität erhalten und Herr Brüstinger Bürgermeister würde, obzwar es schwer wäre, unter der gesammten Einwohnerschaft einen Mann zu finden, der sich mehr Verdienste um die Stadt erworben, aufopfernder und unparteilicher seines Amtes sich angenommen härte, als dies Herr B r ü st i n g e r schon zur Genüge bewiesen hat. Der Herr Bezirkshauptmann hatte auch den Mnth, zil sagen, dass solange er Bezirkshauptmann in Zydaczow sein werde, kein Jude z n m B ü r g e r m e i st e r von Rozdol gewählt werden dürfe, ebenso drohte er, „dass Zustände wie k ü r z l i ch b e i d e n M azuren ein reißen werden u n d er werde weit weg sein." Die Mehrzahl der Einwohner wünscht ihn auch thatsächlich „weit weg". Aber weder die strengste Miene des Herrn Bezirkshauptmannes noch seine kühne Drohung sind imstande, diejenigen zu ängstigen, welche das Recht auf ihrer Seite haben. Wohl hat der Bezirkshauptmann die Macht, die Hälfte der jüdischen Häuser in Zydaczow und Rozdol für alt und baufällig zu erklären und kann deren Demolierung begehren, wohl kann er veranlassen, dass durch Hinaufschranben der Steuern insMaßlose derWeg, sein Brod ehrlich zu erwerben,Bielen erschwert werde — aber dieses Vorgehen wird auch die gute Seite haben, dass endlich die bli lt.hiMt jüdischen Massen sehend gemacht werde n, ■. dass s i e erfahren, für wen sie bei den W a h 1 e it mit Hintansetzung ihres bürgerlichen Ansehens sich aufopfern und dann wird auch der freundlichste Händedruck des Herrn Bezirkshauptmannes Turek-Niewiadomski seinen Zweck verfehlen — d i e Inden werden dann die gebärende Antwort ihren Feinden zu geben wissen! Tarnow. Erfreuliche Nachrichten kommen aus Palästina. Unsere Colonie Machnajen hat die Erlaubnis zum Häuserbau erhalten und man wird nun schnellstens daran gehen. Hoffentlich lassen uns jetzt unsere Freunde mit den nöthigen Mitteln nicht im Stiche, damit der Hänserbau schnell erledigt werden kann. Auch für eine Anzahl Boryslawer Arbeiter gibt es jetzt in Palästina Beschäftigung, so dass wir bald die ersten werden hinüberschicken können. Das ist praktischer Zionismus; Budapest. (T e m p e l w e i h e.) Der unter der Patronanz der Pester israelitischen Religionsgemeinde stehende Budapest-An gyalfölder israelitische Bethausverein 'errichtete auf der Aeußeren Waitznerstraße Nr. 23 ein ständiges, für 220 Personen berechnetes Bethaus, welches heute vormittags 10 Uhr feierlichst eingeweiht und seiner Bestimmung ' übergeben wurde. In dem mit Topfpflanzen reich geschmückten und glänzend beleuchteten Gotteshause hatten sich eingefunden: der Neupester Oberrabiner Dr. Ludwig Venetianer, dann seitens der Pester israelitischen Religionsgemeinde Tempelvorsteher Arthur Bloch, die Repräsentanten Moritz Müller und Doctor Spitzer, Secretär Dr. Ludwig Steiger und Oberbeamter Samuel Glück; seitens des Bethausvereines: Präsident Dr. Leopold D e c s i, die Vorsteher Franz Fisch, Samuel Krakauer, Ignaz Weiß und Ignaz Stahl, Religionslehrer Simon H o r o w i tz u. a. Obercantor Professor Adolf Lazarus eröffnete die Feier mit dem Absingen des Einweihungspsalmes, worauf Rabbiner Dr. Samuel K o h n das „Ewige Licht" anzündete und die Benediction verrichtete. Dann hielt er die Festrede und verrichtete als erstes Gebet im neugeweihten Gotteshause das Königsgebet und das Gebet zum Wähle des geliebten Vaterlandes. Mit - dem Absingen des „Hymnus“, vom Obercantor und dem Chorpersonal meisterhaft zur Geltung gebracht, schloss die schöne Feiert. Budapest. (Ein Priester übß'r das Judenthum.) Der clerical-antisemitische „Magyar Allam" brachte vor kurzem aus der Feder des hauptstädtischen Katecheten Andreas Csori einen Artikel über die Juden, der zumindest in seinen Hauptpunkten frei von Voreingenommenheit ist. Unter anderem sagt der Artikel ungefähr Folgendes: „Das jüdische Volk ist eines der bescheidensten, das neben den größten moralischen und geistigen Mächten der hellenischen Cnltnr und Geschichte, einen würdigen Platz einnimmt. Sem Gott! der nationale Gott wurde der Gott der Monotheisten, der Menschheit. Diese im edlen so zähe Rasse war derart bestrebt, zu bestehen, der Menschheit von Nutzen zu sein, dass weder die peinlichen Unglücksfälle, noch das ihr zutheil gewordene bittere Los, aber auch nicht die Schicksalsschläge vieler Jahrtausende imstande waren, ihre Hoffnung, ihren Glauben an eine höhere Macht zu erschüttern." Ausland Berlin. Die Vorgänge in Johannesburg verdienen auch vom jüdischen Standpunkte ans genauere Aufmerksamkeit, denn es haadclt sich dort neben den großen Fragen der Ertheilnng des Bürgert echtes an die Ausländer überhaupt auch noch um die Gleichberechngnug unserer Glaubensgenossen und der Kalholtken. Nach einer RtHe von Versammlungen, in denen die Juden Transvaals Gleichberechlignng gefvtdert hatten, entschloss man sich, eine Deputation zu dem Piäsidenten Krüger zu schicken, und seine Intervention zugunsten der Inden anznrnfen. Krüger empfieng die Deputation sehr freundlich mib legte dem Volksraad ein Gesetz vor. das die volle Gleichberechtigung der Katholiken und Inden mit den Protestanten anssprach. Der Volksraad hat aber dieses Gesetz mit dem St.lmmenvethältnis 16 zn 12 adgeleimt und damit ein bemerkenswertes Zeichen von Intoleranz abgegeben. Tie Intoleranz ist ebenso ungerecht

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