Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 25 (4.8.1899)
- Date
- 1899-08-04
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Seife 4 Wien. Freitag Jüdisches Volksblatt 4. August 1899 Nr. 25 Es muss endlich einmal unter den mährischen Juden mit der Vogel-Strauß-Politik aufgehört werden. Werden wir uns endlich einmal darüber klar, dass das deutsche Volk von uns nichts wissen will. Unser Heil, unsere Rettung, liegen nur in uns, bei nns selbst. Das wird keine Separation werden, sondern eine Organisation. Separiert sind wir ja heute schon, aber ohne organisiert zu sein Das birgt, besonders für den Mittelstand, schwere Gefahren in sich. Die den Liberalen nachfolgende Generation will vom Liberalismus nichts wissen. Da wird uns einmal unbarmherzig die Thüre gewiesen werden. Auf der anderen Seite aber wird die Rache der Czechen, wegen unserer Parteinahme für die Deutschen, eine furchtbare werden. Sie würde sich in erster Linie in einer Vernichtung des das Land bewohnenden jüdischen Mittelstandes, der schon heute ernst zu kämpfen hat, äußern, und ebenso würden die meisten städtischen jüdischen Existenzen, die von czechischer Kundschaft abhängen, untergraben werden. Denn ein czechischer Boykott versagt nicht. Die reichen Herren Fabrikanten und Advocaten, die in den diversen mährischen Cultusgemeinden das Regiment führen, gienge das allerdings nichts an. Die könnten, da sie ja wirtschaftlich genug stark sind, sich weiter unentwegt um das Banner des Deutschthums und des Liberalismus scharen! Der paar Landjuden wegen?! ... Die Inden in Mähren werden, wenn sie weiter wie bisher, statt die eigene Organisation anzustreben, den Deutschen sich aufdrängen werden, untereinander zerfahren und zerklüftet, und daher machtlos den Angriffen von deutscher und czechischer Seite schutzlos ausgesetzt sein. Wir müssen endlich zu der Erkenntnis kommen, und auch darnach handeln, dass wir kein Recht und auch keine Ursache haben, in den Kampf zwischen Deutschen und Czechen unseinzumengen. Dagibtesfür uns nur eineParole: Vollständige Neutralität. Der czechische Antisemitismus, der für uns mährische Juden hundertmal gefährlicher ist als der deutsche, wird keine so agressiv wirtschaftliche Form annehmen, wenn wir die czechische Nation nicht mehr bekämpfen werden, und die Deutschen werden wir dadurch in Schach halten, dass wir ihnen, wenn wir wollen, mit dem Stimmzettel bedeutenden Schaden zufügen können. Wenn uns die kleine deutsche Gesellschaft, die uns noch geöffnet ist, verschlossen werden sollte, so müssen wir uns an unserer eigenen begnügen. Nationale Arbeit aber gibt es bei uns genug zu verrichten, und anderer Lohn wartet da unser, als die Fußtritte der Deutschen, und die Todfeindschaft der Czechen. Schochaur. Wien. (Der Deutsche Schulverein als Verwalter jüdischer Stiftungen.) Der Deutsche Schulverein hat seinen Protectoren, den Deutschradicalen, schon vielfach Gefälligkeiten erwiesen, um sich deren Gunst zu erhalten. Nun hat er neuerdings ein Zeichen seiner aufrichtigen Bekehrung zum antisemitischen Standpunkte gegeben, da ihm dies durch den bekannten Beschluss aus Gründung judenreiner Ortsgruppen noch nicht genügend betont erscheint. In der Verwaltung des Deutschen Schulvereiues befindet sich die Singe r'sche S ch u l st i f r u n g, aus welcher theils Unterstützungen ä 100 Gulden an bedürftige Lehrer, theils Reisestipendien ü 800 Gulden verliehen werden. Noch niemals erhielt ein Lehrer jüdischer Nation aus dieser Stiftung, welche durch einen Juden begründet wurde, eine Unterstützung oder ein Stipendium. Mit umsomehr Aufmerksamkeit und Zuvorkommenheit werden dagegen antiseinitische Größen unter den Wiener Lehrern behandelt. In den vergangenen Jahren erhielten unter anderem der dermalige Bürgerschuldirector Herr Ferdinand K r a u t m a n n ein Iieisestipendium ä 300 Gulden. Herr Ferdinand Krautmann ist eine in schönererianischen Kreisen wohlbekannte und gern gesehene Persönlichkeit. Lange Jahre Erzieher der Kinder des Gutsherrn von Rosenau, redigierte er auch durch längere Zeit die „Unverfälschten deutschen Worte". Ueber seine antisemitische Gesinnung konnte kein Zweifel sein, umsomehr, als der Genannte es auch verstanden hat, anpassungsfähig genug zu sein, um unter der christlich-socialen Aera trotz Luegers be — rühmtem Satze — Bürgerschuldirector auf der Landstraße zu werden. Dass es der Herr nicht verschmäht hat, um ein von einem Juden gestiftetes Stipendium einzukommen und es auch zu beziehen — ist bezeichnend genug für die Toleranz des Herrn K r a u t m a n n. Ein anderer mit einer solchen Stiftung ausgezeichneter Herr ist der Bürgerschullehrer Andreas M ay er. Man könnte gewiss noch andere christlich-sociale Parteihelden nennen, die vor einigen Jahren um das „Judengeld" einkamen und es auch erhielten. Es genüge aber der Hinweis auf die Vertheilung der Heuer fälligen Reisestipendien. Es wurden die vier Stipendien a 3uo fl. an nachstehende Herren verliehen; Bürgerschullehrern I. Oman« zum Studium des Zeichenunterrichtes und 8t. Holler zur Sammlung von Volkssagen für Schulzwecke, ferner den Volksschullehrern I. Tisch und I. Strazanek zum Studium der Lehrer- und Schülerbibtiotheken. Unter diesen Herren sind Holler und Strazanek als antisemitische Parteigänger umso bekannter, als sie beide Ausschussmitglieder des „Vereines der Lehrer¬ und Schulfreunde sind, eines christlich-socialen Vereines, der besser unter dem Namen „Verein der Streber- und Schulfeinde" bekannt sein dürfte. Es zeigt von hohem Muthe und richtiger Erfassung seiner humanen Pflichten, wenn man ungescheut von Juden stammendes Geld dazu verwendet, um die Gegner der Juden damit zu betheilen — alles nur, damit man nicht in den Verdacht judenliberaler Gesinnung gelangt. Mähr -Oftrau. (Gründung eines jüdischen Turnvereines.) Am 26. Juli fand hier die constitniereiide Generalversammlung des „Jüdischen T u r n v e r e i n e s" statt. Dieselbe war sehr zahlreich besucht. Vorerst wurden die Statuten zur Verlesung gebracht; hieran knüpfte sich eilte längere Debatte und nach einigen Abänderungen wurden die Statuten genehmigt; dieselben werden nunmehr der Behörde zur Genehmigung vorgelegt und nach Bestätignttg derselben findet sodann die Hauptversammlung statt. Es haben sich bereits eine größere Anzahl von Glaubensgenossen zum Beitritte gemeldet, und es ist zu erwarten, dass dieser jüdische Verein, der im Zeichen der nationalen Bewegung gegründet wurde, recht bald über eine stattliche Mitgliederanzahl verfügen und der Unterstützung der Glaubensgenossen sich erfreuen wird. Prag. (Aus der Verwaltung und Verwendung des sogenanuten „Deutschen National sonds".) Die Radicalen haben wieder eine „Entdeckung" gemacht. Die Verwaltung des „Deutschen Nationalfonds" befindet sich näntlich noch derzeit in liberalen Händen und da ist es natürlich, dass liberale Vereine und liberale Parteigänger aus den eingegangenen Beträgen Zuweisungen erhielten. Allerdings sind auch hier nicht allzu hohe Summen den Deutschvolklichen entgangen, denn die Einnahmen betrugen im Jahre 1898 ungefähr 10.753 fl., die Ausgaben 6036 fl., und was ist das für das Bedürfnis W o l f'scher Cafsen? Immerhin aber werden die Deutschnationalen aufgefordert, weiterhin zur Kräftigung der völkischen Abwehr Spenden entweder an den „Bund der Deutschen in Böhmen" oder an den Abgeordneten Schönerer zu senden. — Es ist aber selbstverständlich, dass auch zu den Einnahmen die „deutschen Mitbürger israelitischen Bekenntnisses" — wie sic Schmeykal einmal nannte — ihr Scherflem beisteuern. Aber in den Ausgaben figuriert auch nicht ein rother Heller, der an einen Verein gegeben worden wäre, der iin Gerüche „jüdisch" zu sein steht. Wenn die Deutschnatiottaleu, die, wie sie bekennen, auch jetzt einen kleinen Theil für ihre Vereine erhalten, dem Nationalfond trotzig den Rücken wenden — wie lange wird es noch dauern, bis sich die „deutschen Inden" in Bühnten auf die traurige Nolle besinnen, die sie iu dieser Bewegung spielen. Prag. (Die Sprachen frage in der Cultusg e m e i n d e.) Aus Anlass der jüngsten Berathungen über die Abfassung eines neuen Statutes war von der Statthalterei als! Vertreter der nicht berücksichtigten böhmischen Israeliten der Prager Gemeindeverordnete Dr. Ruzieka delegiert worden. Derselbe stellte nun bei der Berathnng eine Anregung auf Einführung der sprachlichen Gleichberechtigung, welche aber von der Majorität abgewiesen wurde. Nun hat die Prager Ortsgruppe der „Ndrodni Jednota ceskozidovska“ an die k. k. Statthalterei ein Mernorandum gerichtet, in welchem um die Durchführung der sprachlichen Gleichberechtigung bei der hiesigen israelitischen Cnltusgemeinde gebeten wird. Es wird in dem Mentorandum darauf verwiesen, dass in allen Synagogen bloß deutscher Gottesdienst stattfindet, und die Amtierung im jüdischen Rathhause, sowie die Verwaltung der diversen Fonds mit Ausschluss jedweder sprachlicher Gleichberechtigung erfolgt. Prag. (Was nt an alles gegen Juden unternimmt.) Obzwar es in .den meisten Fällen vorkommt, dass christliche, bei Juden in Diensten stehende Personen trotz guter Behandlung und, man möchte fast sagen, trotz aller Zuvorkommenheit ihnen gegenüber zu ihren Dienstgebern sich dennoch feindlich verhalten, weil diese eben Inden sind, gibt es, allerdings seltener, Fälle von geradezu rührender Anhänglichkeit und Treue mancher dieser Bediensteten. Für letzteres liefert ein jüngst hier vorgekommener Vorfall den Beweis. Die Bewohner des Hauses Nr. 679 in der Vavragasse in den Königl. Weinbergen wurden in der Nacht auf den 27. Juli durch eine Gewaltthat, die unbekannte Thäter in der zur Wohnung der Witwe Epstein gehörigen Küche begiengen, in nicht geringe Aufregung versetzt. Bei der genannten Frau dient das 18jährige Dienstmädchen Julie Volak. Das hübsche Mädchen sollte bewogen werden, ans dem Dienste der Frau E p st e i n zu treten; da aber alle Bemühungen, sie zur Kündigung zu bewegen, scheiterten, schritten die Unbekannten zur That. Am 10. und 20. Juli erhielt das Mädchen Zuschriften, die sie warnten, in ihren dermaligen Diensten zu bleiben und ihr, im Falle sie ihre Stelle nicht kündigen würde, mit Unannehinlichkeiten drohten. Das Mädchen beachtete die Briefe nicht. Am 26. Juli abends gieng Frau Epstein mit ihren beiden Söhnen, den Geschäftsagenten Julius und Robert, spazieren. Nach 10 Uhr abends gieng das Mädchen zur Ruhe und schlief bald fest ein. Ein starkes Klopfen an der Thüre weckte sie plötzlich und in der Anttahme, dass ihre Dienstgeberin nachhause znrückgekehrt sei, stand die Volak auf und öffnete die Thüre. Kaum war die Thüre geöffnet, als zwei unbekannte Männer in die Küche drangen, ohne ein Wort zu sprechen das Mädchen packten, es auf die Erde warfen, und während ihr der eine die zusammengeballte Schürze an den Mund presste, um das Schreien zu verhindern, band ihr der andere Hände und Füße mit Zuckerspagat. Das Mädchen hörte noch einen der Männer, der zu ihr sagte: „Wenn Du die Juden so liebst, so musst Du anch für sie leiden!", dann verlor sie das Bewusstsein. Ohne sich dann weiter um das Mädchen zu kümmern, verließen die beiden Männer die Wohnung. Sie hatten nicht das geringste mitgenommen. Als Frau Epstein mit ihren Söhnen gegen 11 Uhr nachhause kam, fand sie das Mädchen in der obengeschilderten Situation. Nachdem man dasselbe aus seiner Lage befreit hatte, holte man die Sicherheitswache, der es aber bisher noch nicht gelang, die Thäter zu eruieren. Prag, 2. August. Hiesigen Blättern zufolge hat das Prager Oberlandesgericht das ^Ersuchen des Vertheidigers H ü l s n e r s, Dr. O u r e d n i c e k, itm die Delegierung des Prager Schwurgerichtes abschlägig beschieden. — Wie die „Nar. Pol." ans gut unterrichteter Qirelle erfahren haben will, soll die Verhandlung gegen Hülsuer erst am 3. November d. I. vor dem Kuttenberger Schwurgerichte stattfjtiden. Saaz (Turnfeste.) Atn Sonntag, den 6. August werden die Turner des Erzgebirgsgaues in Pirkenhammer ein Gauturnfest abhalten. Der Turngau ist einer der wenigen, welcher sich nicht zum „unbedingten arischen" Standpunkte bekennt, es befinden sich in demselben auch mehrere Juden. Es ist daher auch nicht zu verwundern, wenn die mit ebensoviel Dummheit wie Roheit geschriebene „Saazer Zeitung" gegen das Fest heute schon hetzt und deutschvolkliche Turner anffordert, sich am Fefiplatze einzufinden, um sich den Anblick „deutscher Turner" nicht entgehen zu lassen, damit es recht lustig hergehe. Es ist dieselbe rüde Kampfesweise, welche es anlässlich der Abhaltung des am 24. Juli stattgefnndenen Kränzchens der liberalen „Germania" anwendele, allerdings ohne den beabsichtigten Erfolg. Gger. (Gegen der: Schtteider'schen Gewerbeta g in Wien.) Die Deutschvolklichen agitieren hier sehr stark gegen die Beschickung des von den Christlich-Socialen geplanten Genossenschaftstages, welcher am 8., 9. und 10. September in Wien unter dem Präsidium des „Stampiglienerzengers" Schneider stattfinden soll. Die Organe der Deutschradicalen warnen die Gewerbetreibenden, nicht den Christlich-Socialen ans den Leim zn gehen, den diese aufstellen, in der Hoffnung, recht viele Gewerbetreibende aus der Provinz zu fangen. Die Christlich-Socialen — so schreiben hiesige Blätter — wollen nur ihren verblassten Glanz wieder auffrischen und würden es sehr gerne sehen, wenn zu Nutz und Frommen des Wiener christlich-socialen Wnrsteltheaters Geldunterstütznngen aus der Provinz kämen. — Als Gegendemonstration planen die Radicalen einen deutsch-österreichischen Gewerbetag in Graz, und soll derselbe Mitte August abgehalten werden. Teplitz. (Verweigerung des Fe st Platzes an einen deutsch-nationalen Verei tt.) Die hiesige Bnndesgruppe des Bundes d e r D e u t s ch e n i n B ö h m e n gedachte ans dem Schönauer Concertplatze ein Fest zu veranstalten. Da dasselbe jedoch nur Deutschen „arischer Abstanimung" zugänglich sein sollte, versagte der Stadtrath aus cnrörtlichen und allgemeinen Rücksichten die Bewilligung zur Benützung des Platzes, was von Seite des abgewiesenen Vereines mit neuer Beschimpfung der Fortschrittlichen beantwortet wurde. Ausland. Berlin, 29. Juli. Am Donnerstag fand hier eine Conferenz einiger angesehener Persönlichkeiten statt, zu dem Zwecke, um über ein Project, russische Inden in Cypern zn colonisieren, zu berathen. Unter den Anwesenden waren Professor Marburg, Dr. N a t h a n, Dr. Heinrich Meyer Cohn, Prof. Landau rc. Einberttfen war die Conferenz von einem Herrn Tr iesch, einem amerikanischen Israeliten, der besondere Propaganda für diese Idee macht. Er legte der Versammlung nach einem Vortrage über die Verhältnisse Cyperns im allgemeinen seine speciellen Ideen über die Colonisation der russischen Inden ans dieser Insel vor. Obwohl man allgemein der Meinung war, dass der Gedanke an sich nicht von der Hand zu weisen sei, war das informatorische Material, das Herr Triesch vvrlegen konnte, der Versammlung absolut ungenügend. Siebeschloss daher, sich an die Jewish Colonisation Association um Auskunft zu wenden mit Rücksicht darauf, dass dieselbe bereits eine Colonie auf Cypern hat. Würden die Auskünfte befriedigend lauten, so soll alsdann erwogen werden, in welcher Weise diese Colonisation unterstützt werden soll. Berlin. Zu der deutschen Bernfsstatistik ist jetzt ein Band mit Erläuterungen erschienen, es ist dies Band 111 der Statistik des Deutschen Reiches, neue Folge. Derselbe enthält eine große Anzahl von Ziffern über die Confession und auch bezüglich der Juden mancherlei neues Material. Besonders interessant sind die Tabellen, die sich mit der socialen Schichtung befassen. Die amtliche Statistik unterscheidet drei Hauptgruppen, Selbständige, Angestellte und Arbeiter. Es kann den Keinter der Verhältnisse nicht überraschen, dass die Juden viel mehr Selbständige haben, als die anderen Confessionen. Bon 100 Erwerbsihätigen sind im allgeme'nten 29 Selbständige, 3 Angestellte, 68 Arbeiter, dagegen bei den Juden sind 58 Selbständige, 11 Angestellte, 31 Arbeiter. Dennoch wird es auch die meisten Juden überraschen, zu erfahren, dass es in Deutschland 56.857 Arbeiter unseres Glaubens, ungerechnet noch 6371 Dienstboten gibt. Davon sind männlich 40.347 Arbeiter, weiblich 16.420, während die Dienstboten fast alle weiblich sind. Auch die Vertheilung auf die großen Berufe ist interessant: in der Landwirtschaft gibt es 1679 jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen, in der Industrie 16.829, im Handel 38.349, davon sind in der Landwirtschaft 893 männlich, 786 weiblich, in der Industrie 11.799 männlich, 5030 weiblich, im Handel 27.745 männlich, 10.604 weiblich. Diese Ziffern entkräften auch deutlich das Gerede von der allgemeinen Wohlhabenheit der deutschen Juden. Stuttgart. (A h l w a r d t auf Reise n.) Der Rector Ahlwardt hat am 24. Juli eine stark besuchte öffentliche Versammlung abgehalten, in welcher er gegen die Juden loszog und am Schluffe seines Vortrages noch die Versicherung abgab, er werde fortan den Schwerpunkt der antisemitischen Agitation nach Süddeutschland verlegen; trotz der großen Bethoiligung aberfand A h l w a r d t nur geringe Begeisterung unter seinen Hörern und es fanden sich nicht viel neue Anhänger seiner Ideen. London. Die christliche Missionsgesellschaft „London City Mission“ verbreitet einen Ausruf, um die Mittel zu erhalten, jüdische Kinder während der Ferien auf das Land zu schickett. Gewiss ist es ein schöner Zweck, den armen Kindern, die jahraus, jahrein in per staubigen, heißen oder nebligen Atmospähre Lyndons zubringen müssen, die Möglichkeit zu bieten, etwas Erholung zn sinden. Aber leider zeigt sich wieder der Teufelsfuß, denn die Kinder in diesen Feriencolonien erhalten christlichen Religionsunterricht, müssen christliche Predigten anhöre», geistliche Lieder lernen und singen, Traetätchen lesen rc. Vielleicht fällt der Mission so eine Seele in die weit geöffneten Arnte, aber verwerflich bleibt es doch, mit solchen Mitteln Mission zn treiben und religiöse Propaganda zn machen. — Eilte seltsame Frage musste kürzlich den Behörden unterbreitet werden. Nach strengem Rechte sind jüdische Trau-