Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 25 (4.8.1899)
- Date
- 1899-08-04
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 25 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt. 4. August 1<S00 Seite 3 Redner auf die Spaltungen irr dieser Partei zu sprechen. Die jüdischen Studenten mögen abseits von derselben stehen und von jüdisch-nationalem Gefühle geleitet nur für ihr Volk und seine Zukunft arbeiten. (Andauernder Beif.) Stuck Hass (B.-K. Wien) bespricht hierauf „Unsere Thätigkeit in Galizien" auf Grund des eben angeführten Referates Schiffer. Tie Akademiker müssen sich in erster Reihe der moralischen Noth der galizischen Jndenheit annehmen, weil die Demoralisation die Mutter aller Leiden ist. Man müsse in erster Reihe darauf hinwirken, dass die Gemeindeverwaltung in bessere Hände gerathe, wo nicht nur die cvnsessivnellen, sondern auch die nationalen Bedürfnisse ihre Pflege finden. Es müssten auch Volksuniversitäten angelegt werden, damit das Volk belehrt und unterrichtet werde. Die Akademiker sollten sich ferner angelegen sein lassen, den in der Mitte der galizischen Inden so stark blühenden Aberglauben zu verscheuchen, der ihnen aus jeden Schritt und Tritt so hinderlich ist. Man müsse darnach streben, endlich als Volk überall Anerkennung zu finden: 1. durch eilt au den akademischen Senat gerichtes Memorandum behisis Anerkennung der jüdischen Rationalität; 2. durch Pflege der eigenen Literatur, hebräischer Sprache und jüdischer Geschichte. Die Akademiker müssen den jüdischen Bürgern die physische Entwicklung ihrer Kinder ans Herz legen. Wir müssen ein besonderes Organ haben, um unseren Meinungsaustausch in Continuilät halten zu tonnen, um uns gegenseitig über alles, was wir unternehmen wollen, zu verständigen. Redner schließt, dass wir nur dann auf Erfolg hoffen können, wenn wir unsere Thätigkeit dermaßen werden eingerichtet haben. (Beifall.) S ch a l i t (Haschachar-Krakan) referiert über „Organisation und Agitation". Er bittet die Cvllegen an den Parteistreitigkeiten im Zionismus keinen Antheck zu nehmen und nur für ihr Volk zu arbeiten. Alan müsse in erster Reihe nicht dem Volke, sondern sich selbst die größte Anfnierksamkeit zuwenden. Man müsse sich organisieren, so dass eine Einheitlichkeit in allen Vereinigungen vorhanden sei. Zum Zwecke der Agitation beantragt Redner die Herausgabe entsprechender Bücher für die Schuljugend, die Gründung eines Organs für die Angelegenheiten der Studenten, die Reform des jüdischen Theaters, die Ausschreibungen von Concnrsen behufs Abfassung jüdischnationaler, moderner Dramen für das jüdische Theater und schließlich die Gründung von Volksuniversitäten, das einzige Mittel, durch das man das niedrige Niveau der Massenintelligenz heben könne. (Beifall.) An die vorangegangenen Referate knüpfte sich nun eine langstündige Discussion. Margulies meint, man dürfe sich dem Volke durch crasse, allzu auffallende Unfrömmigkeit nicht entfremden. (Widerspruch.) L ö w e n h e r z empfiehlt die genaue Kenntnis des Volkes. Balaban schlägt Volksnniversitäten für Analphabeten vor. Wurzel meint, man müsse auch dem materiellen Elende des Volkes die Aufmerksamkeit zuwenden. Es geht nicht immer, ein Volk in Wissensztveigen unterrichten zu wollen, wenn es nach Brot ruft. Man soll in dieser Beziehung das Gute von der Svcialdemokratie lernen. Dr. Malz zieht eine Unterscheidungslinie zwischen den östlichen und westlichen Juden. Bei uns sei der Zionismus u i cf» t die Rückkehr zum Judenthume vor der Rückkehr ins Judenland. Hier habe der Zionismus ganz andere Zwecke zu verfolgen. Er habe in erster Reihe die Tradition zu brechen, soweit sie auf die freie Entwicklung des Judenthnms hemmend ivirkt, und dann ein neues, freies, zielbewusstes Judenthum zu schassen, das seine Geschichte fortspiunt und seine Knust schafft. Die Hauptsache der Akademiker sei also, in diesem Sinne das Volk zu cultivieren. (Redner spricht mit Begeisterung und erntet Beifall.) F. W a s ch i tz propvniert die Organisation der Handwerker durch die Akademiker, die Beeinflussung der Lehrer der Baron Hirsch-Schulen und endlich die Organisation aller galizischen Zionisten und nicht der einzelnen akademischen Verbindungen (Beifall.) Dr. Not hb lum wundert sich darüber, dass weder in dem Referat Schalit noch in den über dasselbe gehaltenen Discnssioneu auf die hebräische Sprache Rücksicht genommen wurde. Wie sich zionistische Studenten Galiziens organisieren „Schul". Düster und unheimlich brannten die Talgkerzen, sie waren denr Erlöschen nahe. Beim „Oined" (Altar) aber stand tiefgebeugt Jakob. Und auf seinem Antlitze ein seliges, verklärendes Lächeln, Stürmisch, wie wenn die Windsbraut fegt durch alles Gemäuer, erklang nun die uralte Litanei: „Unser Vater, unser König." Immer heftiger, immer drängender erbrauste das Gebet. Und nun: „Unser Vater, unser König, öffne die Pforten des Himmels . . . unserem.Gebete." Was war das? Kein Laut, keine Stimme. . . „Seht, er sinkt," so tönte es von hunderten jammeviibcu Lippen. Ja, er sank und siel hin an den Stufen des „Omed" . . . „Oessue Deine Pforten," das waren seine letzten Worte. Jakob war tobt. „Ein schöner Tod," wimmerte der alte Rabbi. „Er geht ins Himmelreich ein, versöhnt mit seinem Gotte." Gitl schluchzte laut aus: „Ich werde Dir bald, bald uachgeheu, mein Jakob." Kein Auge blieb thränenteer. Am nächsten Tage haben sie ihn bestattet. „Lehrer und Vorbeter der Gemeinde," so kündet draußen aus dem „guten Orte" fein Grabstein. Reben ihm ruht aber Gitl. Sie folgte ihm bald nach. Er hat sie in der Stille der 9lacht zu sich gerufen, und sie musste seinem Ruse folgen. Während der Schnee draußen lag ans den Gräbern, haben sie Gilt neben Jakob gebettet, „das fromme und bescheidene Weib," wie es aus ihrem Grabsteine heißt. Lauge pflege ich bei diesen Gräbern zu stehen, wenn ich mein Geburtsstädtchen besuche. Dann steigt es wieder vor meinem Auge auf, das alte Ghetto mit seinen düsteren Häuschen und seiner „Schul". Sie haben nun an ihrer Stelle eine glänzende Synagoge gebaut. Das Judenthum ist „modern" geworden, die Juden haben sich assimiliert, — so nennt man es doch. Sind sie dadurch besser geworden als Jakob und sein Weib Gitl?? I>r. M.G'd. wollen, ohne die hebräische Sprache in ihr Programm anszunchmen, wie sie agitieren wollen, ohne sich derselben als eines Hauptmittels zu bedienen, ist dem Redner ein Räthsel. Früher pflegte man noch über die Lebensfähigkeit der hebräischen Sprache zu discntieren, mit großen Phrasen die hebräische Literatur an die Seite der anderen Literaturen zu stellen, heute ist das nicht mehr nothwendig, denn der, welcher in der hebräischen Literatur lebt und arbeitet, der weiß auch, dass sie lebensfähig und lebendig ist.!Rnr der Schwache rühmt sich feiner Kraft. Die Bedeutung der hebräischen Sprache für das Judenthum ist so groß, dass Redner es für überflüssig betrachtet, über dieses Thema noch ein Wort zu verlieren. Hebräische Sprache und Judenthnm find unzertrennliche Begriffe. Redner hofft, dass die Akademiker Galiziens unsere Sprache und Literatur nicht stiefmütterlich behandeln werden. ° (Andauernder Applaus.) Hilfstein setzt die Thätigkeit der Volksuniversität auseinander. Man werde auf jeden Wissens- und Handwerkszweig Rücksicht nehmen müssen. Man müsse auch die Frauen organisieren. K r u h spricht für den intimen Verkehr mit dem Volke. Lauser beantragt die Annahme des Namens „Bar- Kochba" für alle zionistischen Vereinigungen und Verbindungen Galiziens. Dr. Brande appelliert an die Akademiker, ihre Aufmerksamkeit in erster Reihe sich selbst zuzuwenden. Sie haben noch soviel an sich selbst zu arbeiten, bis sie als Muster eines jüdischen Studenten dienen könnten. Was ist in ihnen specisisch Jüdisches? Ist unter ihnen ein einziger Typus eines echt jüdischen Studenten vorhanden? Sie müssen zuerst sich selber zu jüdischen Studenten heranbilden, bevor sie das Volk auf nationaler Basis heranbilden wollen. Die Akademiker dürfen daher ihre Kraft nicht zersplittern und in erster Reihe sich selbst organisieren. (Redner spricht begeistert. Großer Beifall.) Es wird hierauf eine fünfgliederige Commission behufs Abfassung des Organisationsprogramms gewählt. Dr. Brande und Dr. Malz werden als berathende Stimmen zugezogen. Um 8 Uhr abends ward die Sitzung geschloffen. Um 10 Uhr fand im Hotel Bristol ein feierlicher Commers statt, an dem auch Damen theilnahmen. Man trank auf die Einigkeit im zionistischen Lager, auf den Wiener Verein Bar-Kochba, der sich um das Zustandekommen des Tages das größte Verdienst erworben und blieb bis 1 Uhr morgens beisammen. Der zweite Tag. Beginn der Sitzung um halb 11. Wurzel referiert über die Arbeit der Commission. Das Hauptmotiv, das die Commission bei der Ausarbeitung des Organisationsplanes leitete, war die Ausführbarkeit desselben. Das Programm zerfällt in zwei Theile. 1. Die Arbeit nach Innen. 2. Die Arbeit nach Außen. Ad 1 a) Die Pflege der collegialen Freundschaft, b) Hebung des nationalen Selbstbewusstseins, e) Die Verpflichtung zur Pflege der hebräischen Sprache, Literatur und Geschichte, d) Pflege der national-ökonomischen Wissenschaft und Berücksichtigung der statistischen Fragen, e) Pflege der physischen Kräfte und körperlichen Entwicklung. Ad 2 a) Informierende Vorträge über jüdische Fragen und Angelegenheiten mit besonderer Bernchsichtignng der akademischen Interessen, b) Klärung und Vertiefung der jüdisch-nationalen Idee, c) Verbreitung derselben. Alle Gruppen haben dieses Programm zu genehmigen. An der Spitze aller Gruppen steht das Centralbureau. Dieses wird vom 15. Juli bis 15. October vou der Lemberger zionistischen Lesehalle, vom 15. October bis 15. Juli von dem Wiener Verein der galizischen Hochschüler Bar-Kochba geleitet. Das Centralburean ist verpflichtet, einen monatlichen Bericht an die einzelnen Gruppen ergehen zu lassen, die Beschlüsse derselben entgegenznnehmen und jeder einzelnen Gruppe mitzntheilen. Das Centralburean hat ferner die Vermittlung im Austausche der Borträge zu besorgen und ans dem jährlich abzuhaltenden Stndententage Bericht zu erstatten. Die Gruppen hingegen sind verpflichtet, dem Centralburean Vorträge, Beschlüsse und Ausrufe znkoimnen zu lassen und berechtigt, vom Centralburean jede Aufklärung über Verhältnisse und Geschehnisse in anderen Gruppen zu verlangen. Referent wendet sich zuletzt im Namen der Commission an den Redactenr der in Lemberg in polnischer Sprache erscheinenden „Przysziose“ Dr. Gabel mit der Bitte, er möge die Spalten seines Blattes den Angelegenheiten der galizischen Akademiker zur Verfügung stellen. Hieraus gibt Dr. Gabel eine Erklärung ab, dass er trotz seines besten Willens wegen des allzu beschränkten Raumes seines Blattes eine besondere Rubrik für akademische Angelegenheiten nicht eröffnen könne, dass er aber bereit sei, eine entgeltliche Beilage der „Przysziose“ beizulegen. Nach einer langen Discussion über ein Parteiorgan dringt endlich der Antrag K a n n e r durch, wonach sich jede Gruppe verpflichtete, monatlich für die Beilage der „Przysziose“ 1 fl. 50 kr. zu entrichten. In der Nachmitlagssitznng referiert Kauf über Sport- und Turnvereine. Er beweist die Nothwendigkeit derselben für die Entwicklung der physischen Kräfte im allgemeinen und für den Galiziauer insbesondere. Er setzt die verschiedenen Theorien des Turnens auseinander, um endlich das deutsche System anzuempfehlen. Dr. B r a n d e empfiehlt den Fechtunterricht, wogegen sich Löwen Herz entschieden ausspricht, weil er den Vorwurf von Seiten der Polen fürchtet, dass die jüdischen Akademiker deutsche Sitten ins Polenland importieren. Es j folgen Pro-Reden von Seiten Dr. G a b e l s und S ch r e i b e r s, und eine Contra-Rede von Löwen Herz. Endlich fasst der Cvugress die Resolution: „Der Studententag empfiehlt die Erlernung des Fechtens." Es folgt hieraus das Referat Rothb l n m s über die Creierung von Agrarstipendien für solche galizische Studenten, die nach Absolvierung ihrer Studien sich in Palästina uiederlassen wollen. R o t h b l u m verliest das Memorandum an den Baseler Zivnistenevngress, in welchem er die Nothwendigkeit solcher Stipendien klarlcgt. Er gieng von der Bedeutung des Laiidmannes und seiner Intelligenz, an der Hand der Geschichte bewiesen, aus, und besprach die Rollen, die dem absolvierten Agronom in Palästina zufallen würden. Er würde zunächst die Intelligenz der Landleute zu wahren haben, dann ihnen die modernen Mittel in die Hand drücken, die bei einer mit Erfolg zu führenden Landwirtschaft heutzutage nicht zu entbehren sind. Ihm wird ferner die Ausgabe zusallen, das Land zu bereisen und es nach allen Richtungeu hin zu untersuchen, und endlich an die Spitze der Evlonien sich zn stellen, damit nicht in Zukunft von Seiten der Colonienleiter Dinge Vorfällen, wie sie in beit letzten Jahren aus Palästina uns häufig zu Ohren kamen." Die Nothwendigkeit der Agrarstipendien und die von Rothblum vorgeschlagene Form des Memorandums werden ohne Discilssion angenommen und vom Stndententage folgende Resolution gefasst: „Der am 25. und 26. Juli 1800 in Lemberg stattsindende Stndeiitentag der zionistischen Akademiker Galiziens richtet vorilegendes Memorandum an den hohen Zionistencvngress in Basel mit dem Ersuchen, derselbe möge die Creierung von Agrarstipendien für solche Studenten, die sich nach Absolvierung ihrer Studien in Palästina uiederlassen wollen, zum Beschlüsse erheben. (Applaus.) W a s ch i tz referiert über das Memorandum an die Universitäten Galiziens behufs Anerkennung der jüdischen Nationalität. Er beweist in schwungvollen Worten die nothwendige Existenz der jüdischen Nationalität und ersucht die hohen Senate »m Anerkennung derselben. (Applaus.) Behufs Abfassung des Memorandums wird eine Commission, bestehend ans den Doctoren Brande, Korkis jun., M a l z und sind. W a s ch i tz gewählt. Dr. Brande interpelliert den Congrcss in einer scheinbar unbedeutenden, aber in der That für das Jndenthum überaus wichtigen Sache. Es ist dies der jüdische Name. Dieser änderte sich je nach den Strömungen im Judenthnm und bewegte sich immer in extremen Bahnen. Vom Mittelalter bis zur jetveiligen Assimilation machte der jüdische Name verschiedene Phasen durch, so dass wir noch heute entstellende Spuren, namentlich in Galizien, finden. Redner bittet den Cvngress, die rein biblischen und historischen Namen anzuempfehleu. (Großer Beifall.) P o m e r a n z stellt den Antrag: Der Congress möge dem Verein „Bar-Kochba" ans Wien, der sich um das Zustandekommen des Studententages oas größte Verdienst erwarb, die Anerkennung und den besten Dank aussprechen. (Geschieht per acclamationem.) Endlich wird die Resolution Schreibers angenommen, dass der Stndeiitentag die Streitigkeiten im zionistischen Lager bedauert und eine baldige Einigkeit herbeiwünscht. Der Studententag wurde 7!/,z Uhr mit dem Absingen des Liedes der Auferstehung geschloffen. Ben-Schefer. JÄlMd. An die Inden Mährens. Mäh r.-O st r a u, 1. August 1800. In Mährisch-Ostrau, nach Brünn die größte jüdische Gemeinde in Mähren, finden im Monate August die Wahlen in den Gemeinderath statt. Ostrau ist eine der Städte, wo eine deutsche Minorität mit Hilfe der jüdischen Stimmen in herrschender Stellung sich befindet. Der Wahlkampf wird zu einem erbitterten Kampfe zwischen Deutschen und Czechen werden, und von nachhaltigster Wirkung für die Juden ganz Mährens werden. Vor einigen Tagen brachte ein angesehenes czechisches Provinzblatt „Lidovenoviny“ einen Artikel über Mährisch- Ostrau, in dem nach Constatierung der erdrückenden czechischen Uebermacht von dem Ueberhandnehmen des jüdischen Elementes in Ostrau gesprochen wurde. „Während im Laufe des Monates kaum ein czechisches Geschäft gegründet wird, entsteht jeden Tag ein neues jüdisches. Es sind dies meistens galizische Juden, die sich in Ostrau einnisten." Weiters hieß es: „Wenn das so weiter fortgeht, so wird bald in Ostrau nur mehr von einer czechischen und einer jüdischen Partei die Rede sein. Die deutsche schwindet vollständig. Das ist gewiss." Der Sinn dieser Auslassung ist augenfällig. Vor den Wahlen werden die Juden daran erinnert, dass sie Juden und nicht Deutsche sind. Das ist für Mähren eine alte brennende Wunde. — Als in diesem Jahre in Mährisch- Weißkirchen-Leipnik eine Reichsrathswahl stattfand, da ereignete sich etwas Merkwürdiges. Die czechischen Wähler gaben lieber dem deutschnationalen Candidaten, dem Parteigänger Wolfs und Schönerers ihre Stimmen, als dass sie hätten den judenliberalen Candidaten aus der Wahl hervorgehen lassen. Es war dies nicht so sehr eine Demonstration gegen die Regierung, als vielmehr gegen die über alles so verhassten deutschen Juden. Die beiden angeführten Fälle sind typisch für das ganze Verhältnis zwischen Inden und Czechen in Mähren. Was sollen nun die mährischen Jrrden thun? Die Stellungnahme der Deutschliberalen zur Judenfrage besteht in einem Verschweigen derselben. Die Nationalen,den GefühlendesVolkesAusdruck verleihend, rufen klar und deutlich: „Los vou den Juden". Aus der einen Seite also kein Schutz, und auf der anderen deutliche Abwehr. Die Czechen null verlangen incht, dass wir zu ihnen übergehen. Gott bewahre! Mit Händen und Füßen wehren sie sich dagegen, so wie die Deutschen. Was sie wollen, ist allein das, dass wir uns um uris selbst kümmern, und nicht mit ihren Feinden, die uns selbst nicht wollen, gemeinsame Sache machen sollen. Wahrlich, traurig genug ist es für die Juden, dass andere ihnen sagen müssen, sie mögen sich um den eigenen, verlotterten Haushalt sorgen, statt um einen freiudeu, aus dem mau sie oft genug mir Fußtritten hinausweist! Und was erwidern die Inden darauf? Wir können einen solchen Mvrd am Dentschthnm nicht übers Herz bringen.'.'