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Jüdisches Volksblatt · 1899-07-28 · 24 (28.7.1899) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
24 (28.7.1899)
Date
1899-07-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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^eite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt Juli 18§9 NY. U i'nwffr bl-eb er zei tlebeM wieder stehen. Er hatte es langsam bis z-.lin Hofrathe gebracht, und in dieser Charge wurde er der Landesregierung in der Bukowina zngetheilt, als erster Hofrath, der dieser Verwaltungsstelle überhaupt b ei g e ge b e n. w n rd e. Die Stelle war erst damals creiert worden. So oft dann ein Wechsel im Landespräsidium euttrat, prophezeiten die Eingeweihten, dass er an die Spitze der Landesregierung werde berufen werden. Der alte Hofrath lächelte dazu immer und sagte: „Das weiß ich bester — man hat oben nicht vergessen, dass ich ein Jude bin/ Man batte es wirklich nicht vergessen. Er kam trotz seiner Anwartschaft nicht an die leitende Stelle. Vor zwei Jahren trat er als Hofrath in Pension. Brünn. (Christlich-sociale Propaganda i n d e n Brunner Schule n.) Ein christlich-socialer „Dichter", Franz Eichert ist sein Name, hat die Weltanschauung Gregvrigs in Versen verzapft, die, wenn es einen christlichästhetischen Gerichtshof gäbe, ihrem Verfasser mindestens die Ernennung zum poela laurealns des Antisemitismus eintragen würden. „W e t t e r l e n ch t e n" nennt Herr Eichert seinen gereimten Blödsinn, an dem mau, da es ja niemandem zn verwehren ist, von dem allgemein giltigen Menschenrechte, sich nach Herzenslust zu blamieren, ausgiebigsten Gebrauch zu machen, ruhig vornbergehen kann, wenn es nicht einem Brunner Religionslehrer beliebt hätte, die geschmackvollen Erzeugnisse dieses christlich-socialen Barden, der Brunner deutschen Jugend in die Hände zu spielen. Es war der Neligionslehrer Clemens Janeczek, der den Schülerinnen der dritten Classe der Mädchenbürgerschule die „Gedichte" Eicherts, die, ganz abgesehen von ihrer stümperhaften Form, der christlichen Nächstenliebe geradezu Hohn sprechen, zur Fericnlectnre mit .auf den Weg gegeben hat. „Aus presspolizeilichen Gründen" schreib! der „Tagesbote", müssen wir es uns leider versagen, hier mit einigen Stichproben der Eichert'schen Verse anfzuwarten; es sei aber constatiert, und das wird ihren Verfasser gewiss nur mit Stolz erfüllen, dass dieser Versuch, die Judenhetze in gebundener Rede zu betreiben, jeden Vergleich mit den mustergiltigsten Beispielen der Gemeinheit nnd Gemüthsroheit der antisemitischen Presse anshält. Und solche Machwerke wagt man iwcr die Schwelle der Schule zu tragen. Wir nehmen an, dass der Bezirksschulrath von der Colportage, die Herr P. Janeczek im Dienste des antisemitischen Evangeliums, das das Evangelium des Haffes ist, betreibt, keine Kenntnis hatte, wir nehinen aber aüchstän, dass der Bezirksschnlrath Mittel und Wege finden wird-rnunsere Schulen der christlichsocialen und antisemitischen Propaganda zu verschließen." Brünn. (Ein S ch n l e r l a s s.) Die dentschnationalen Blätter sind riesig aufgeregt, dass es ein Landesschnlrath-Erlass gewagt hat, den Lehrern die Verpflichtung anfzuerlegen, vom Beginne des nächsten Schuljahres an die jüdischen Kinder bei dem Gange zum Gottesdienste zu begleiten nnd demselben zur Beaufsichtigung der Kinder beizuwohnen. Diese Verordnung ziehen nun die deutschnationalen Blätter ins Lächerliche, und höhnisch fordert nun das „Deutsche Blatt" die Lehrer auf, sich „während der Ferien mit Cylinderhüten zu versehen, um die Judenkinder in die Synagoge zu geleiten". Mührisch-Oftrau. (Zu den G e m einde r athsw ah len.) Tie kommenden Gememderathswahlen werfen, ob vohl ihr Termin kaum vor den letzten Novembertagen angenommen werden kann, bereits ihren Schatten voraus. Die Wahlbewegung erstreckt sich bis jetzt auf einen recht unbedeutenden Radau der Socialdemokraten und auf eine mehr oder muider durchsichtige Minierarbeit der deutsch-nationalen Antisemiren vulgo „Deutscher Vvlksverein für Mährisch-Osttau", die am 15. d. M. die Constitniernng des deutsch-nationatnntisemitischen Wahlausschusses vornalun. Am 22. Juli abends nun im rothen Saale des Tenlschen Hauses wieder ein Evncilinm dieses Wahlausschusses unter dein Vorsitze des Herrn Tr. Khrans statt, bei welcher Gelegenheit auch eine „Wahlwcrberliste" besprochen worden sein soll. Auch iu Mährisch- Lstrau waren bisher die Inden die „Kämpfer für Deutschthnm" und sehen in der wachsenden deutsch-radicalen Bewegung nun den Dank der Deutschen für ihre Bemühungen. Tranten««.. (Gründung deutsch-völkischer Verein c.) Die Radical-Deutschen beabsichtigen, einen „Deutschvölkischen Verein für Nordost-Böhmen" mit dem Sitze in Tränte»»» zu gründen. Der Verein soll ans schönererianischer Grundlage gebildet werden; die Statuten, welche denen des „Vereines der Deutschen in der Ostmark" in Wien vollkommen . gleichen, wurden aber dieser Tage von der Statthalterei nicht genehmigt. Gjdlitz. (Gründung eines d e u t s ch-v o l k l i ch e n A r b e i t e r v e r e i n e s.) Vor kurzem wurde hier ein Arbeiterverein mit schönererianischer Tendenz gebildet. Die Socialdemvkratcn, welche dies verhindern wollten, besetzten die Localitätesi,. in denen die Gründung nebst den üblichen Ansprachen, vor sichijetjett sollte, und dadurch erhielt die Feier . erst ein merkwürdiges Gepräge. Es kani zuerst zu wüsten Beschimpfungen, bäto aber zu groben Thätlichkeiten. die mit vetschiedeuen Hinäüswürfen endeten. Aussig. Am 9. Juli fand hier die Zusammenkunft .. deutsch volkticher Schriftsteller statt, um jene Zeitungen zu be- .stimmen, welche als Partei-Organe anzusehen und mit Parteij . Muheilnugen zu v^sehep sind. Nach vierstündiger Berathung . sau den L.^.^echungen Gnade vor den Augen der strengen . Schriftsteller-'Zn, Mierken wäre, dass wohl die „Ostdeutsche .. . Rundschau" als vsficielles Partei-Organ erklärt wurde, Herrn . .... Schönerer^,„Unverfälschte Deutsche Worte" aber, auf der Liste ... nicht zu. finden, sind..77-Eine Anzahl deutschnationaler Kansleute , i at sich . kjfisr Resolution entschlvsseil, in welcher stramm ... deutsch» atinuale - Poetik als-einzig richtiges Mittel zur Hebung . der Gewerbe.anMa^jit wird. Hosfeiltttch werden diese.Herren . ihrer unverfälscht^/.nschanung auch beim Verkaufe ihrerWaren au Juden A-.svrick geben, iitoem sie es oeniieibeit, von Juden Geld zu ueh..>?n. Graz. (Eine S ch u h m a ch e r m e i st e r - Versa m m l u n g m i t antisemitischer Verbrämung.) Im Hotel „Florian" fand am 24. Juli eine Schuhmacher- Versammlung statt, in welcher über die Lage des Gewerbes berathen werden sollte, in Wirklichkeit aber recht fleißig auf die — Inden geschimpft wurde. Nachdem die Thatsache erörtert war, dass die elende Lage des Gewerbes vom Anfbören des Schuh-Exportes nach dem Oriente datiere, wodurch die großen Schuhfabriksniederlagen gezwungen waren, ihre Ware im Jnlande anzubringen, einigte man sich dahin, dass es Pflicht der Schuhmacher sei, Schuhe von Judenniederlagen in Fällen der Reparatur znrückznweisen. Leider arbeiten christliche Geschäftsleute mit ihren Gehilfen für jüdische Firmen. (Rufe: „Sehr traurig!") Wenn sämmtliche Schuhmacher einig Vorgehen und solche Reparaturen znrnckmeisen, dann werden sie auch durchdrungen. Wenn man diesen Paragraphen streng durchführt, so werde man mehr ansrichten, als der Paragraph 14. (Heiterkeit.) Auf solche Weise könnte man die Inden nach einem Jahre unschädlich machen. Ein anderer Rednererklärte, dass er einen Schuh, der von der Niederlage eines „Schuh-Juden" stamme, nicht reparieren wolle und könne, weil der Schuh ihm unter den Händen zerfalle. Ein dritter Meisterbetonte, dass es recht traurig und bedauernswert wäre, wenn Meister darauf anstehen, Judenschuhe zu reparieren. Nach diesen seinen nnd ebenso sinnigen wie lehrreichen Unterhaltungen glaubten die Herren für die Besserung ihres Gewerbes genug gethan zu haben und schlossen die Versammlung. Lemberg. (Zu den F i n a n z s c a n d a l e n.) In ungetrübt arischer Reinheit vollzieht sich die mächtige Bewegung, die mit den Unterschleifen bei der galizischen Sparcasse begonnen und nun in den unterschiedlichen größeren und kleineren Sparcasse» ihre Fortsetzung findet. Nachdem nun gegen den Director Z ima, dessen Anstellung seinerzeit bei den .berufenen Factoren der galizischen Kattfinannschaft. - auf heftigen Widerspruch stieß, die Anklage bereits fertiggestellt ist, findet man int Portefeuille der galizischen Sparcasse Wechsel mit zwar namhaften Beträgen aber gefälschter Unterschrift; dadurch sieht sich die Anstalt gezwungen, ein Rundschreiben an alle Wechselschuldner zu erlassen, mit der Bitte um Einsendung der"Unterschrift. So ganz nebenbei fand man auch einen Betrag von etwa 95.000 fl. ans gezahlt, jedoch nicht die Person des Empfängers. Diese Zustände, die sich mit dem berüchtigten Panama nicht übel vergleichen lassen, werden aber thunlichst geheim gehalten, und polnische Blätter, welche Nachrichten über neue Facten bringen, verfallen der Confiseation. Ventschau. (Ein D o p p el f e st.)Die hiesige israelitische Gemeinde begieng am 25. d. M. das Doppelfest der Einweihung ihres prachtvollen neuen Tempels und der Installation ihres neu erwählten Ober-Rabbiners Dr. Gustav L ö w p. Die Feier fand in Anwesenheit der Comitatsbehörden mit dem Obergespan Graf Zeno Czaky an der Spitze, dem Offieierscorps, sämmtlichen Beamten der Staatsämter,- sowie der Stadtvertretung statt. Am Abend wurde von der Gemeinde ein Bankett mit hundert Gedecken gegeben. Das Zustandekommen des Baues des neuen Tempelist das Verdienst des Cultus-Vorstehers Herrn Dr. Berthold Rosenzweig. Szempez. (Einb ruchsd ieb st a hl in einem Tempel.) Aus Szempcz in Ungarn —■ für Seute, bie ba§ Land schon längere Zeit kennen, sei bemerkt, dass darunter Wartberg im Pressbnrger Comitat verstanden sein soll — wird uns gemeldet, dass sich die dortige Judengemeinde infolge eines frechen Einbruchsdiebstahls in großer Aufregung befindet, der in der Nacht von Sonntag auf Montag in dem dortigen Tempel verübt wurde. Die Thäter sprengten zu einer Zeit, da sie vor Ueberraschung sicher waren, die Thür des Gotteshauses und drangen in den Betraum ein. Dort erbrachen sic die Sammelbüchsen und entwendeten den ganzen darin enthaltcneil Spendenbetrag, der gegen hundert Gulden betragen haben dürfte. Bon den Thätern hat man bis jetzt trotz eifrigen Nachforschungen keine Spur. Man vermuthet, dass ein paar Banernburscheu an dem Diebstahl betheiligt sind, die als antisemitische Taugenichtse seit langem bekannt sind. Den Tempel wird man jedenfalls jetzt schärfer bewachen müssen, um ihn vor derartigen Tempelschändern möglichst zu bewahren. Ausland Berlin. Der Cultusminister gibt in einem Erlasse bekannt, dass er bereit sei, in Fällen nachgewiesener Leistungsunfähigkeit der Synagogengemeinden solchen Schulverbänden, welche freiwillig für die ihnen überwiesenen jüdischen Kinder besonderen jüdischen Neligionsunterricht einrichten, bei eigenem Unvermögen eine Beihilfe aus den zu Beihilfen für unvermögende Schnlverbände durch den Staatshaushaltungs-Etat bereit gestellten Mitteln zu gewähren. Hanau. Ein Zeichen, wie verjudet schon die Landwirtschaft ist, ergibt der Bericht des „Hanauer Anzeiger" über die Prämiierung bei der Ausstellung dort. Es erhielten. 1. Preis: Milchkuh des Hirsch Strauß, Büdesheim, 30 Mark. 1. „ trächtige Kalbin des Julius Neuhof, Schlächtern, 30 „ 2. , Milchkuh des Sam. Rosenthal, Maurholz, 20 2. Kalbin des Peter Schäfer, Niederrodenbach, 20 „ »; l Milchkuh des Samson Solinger, Aschafsenburg. 15 n 3. „ Kalbin des Snßman Strauß, Büdesheim, 15 11 „ Kalb-ii des Seligmann Katz, Marköbel, 12 „ 4. „ Kalbin des Smlvn Moritz, Hallstein, 12 „ 5. „ Kalbin des Julius Katz, Hangen, 10 „ 5. „ R:nd des Sali Strauß, Niederrodenbach, 10 „ Alle P eieguviniier, biü auf den Peter Schäfer, sind Juden! Was werden die Anliseinilen dazu sagen, dass die Juden fitzt auch in die Landloirtschafl eiudriilgeu nnd auch da ihnen die Preise wegnchmen V St. Petersburg. Im Gouvernement Wilna steigt die Auswanderung wieder sehr erheblich, jede Wöche verlassen 30 bis 40 Fanlilien ihren Wohnort, um zu emigrieren. Meist gehen diese Lente nach Amerika. St. Petersburg. Der Unterrichts minister hat in dem Katechismus eine Verballhornung der 10 Gebote eingeführt. Darrach lautet jetzt das fünfte Gebot: „Du schuldest Ehrfurcht und Gehorsam Deinem Vater und Deiner Mutter, sowie dem Kaiser nnd seinen Beamten, damit Du glücklich seiest und lang lebest auf der Erde". Warschau. Die Stadt Dobcjks im Gouvernement Korno ist von einem furchtbaren Brande gänzlich zerstört worden. Eine jüdische Familie, ans sieben Personen bestehend, ist iir den Flamirren umgekommen. Der Schaden ist groß und die Bevölkerung, welche zur Mehrzahl ans Jliden besteht, ist im größten Elend. Bukarest. (F remde n t ax e a n den r um änischen Universitäte n.) Durch einen Regierungserlass wird für die rumänischen Uiliversitäten in Bukarest und Jassy eine Fremdentaxe von 40—90 Lei vierteljährlich eingeführt. Mit dieser Steuer bezweckt inan, die einheimischen, nicht naturalisierten Juden von dem Besuche der Universitäten abzuhalten, da diese einen nicht unbedeutenden Percentsatz der studierenden Jugend bilden und man die Steigerung dieses Percentsatzes zu verhindern sucht. Paris. Das diesmalige Nationalfest hat eine ganze Menge von Beförderungen und Auszeichnungen unserer Glaubensgenossen gebracht. Staatsrath Camille S e v ist Officier der Ehrenlegion, Director Bloch Ritter der Ehrenlegion geworden. Capilän B e r n a r d vom 134. Regiment ist zum Bataillonschef, die Lieutenants .Bleu vom 11. Jnfanterie-Negiment, Kaufmann vom lf32. Infanterie-Regiment, M. Bidal vom 6. Husaren-Regiment, B e r n a r d vom 9. Jäger-Regiment sind zu Capitänen befördert worden. Ferner sind bei der Artillerie EscadronSchef Samuel M a y e r zum Oberstlientenant, Lieutenant W e i l l zum Capitän und Lieutenant B a s ch a r a ch zum Premierlieutenant befördert worden. Unter den übrigen Auszeichnungen sei noch erwähnt, dass Ernest L e v y und Capitän Henry M a r i x Medaillen für Lebensrettung erhalten haben. Paris. Vor kurzem wurde die Synagoge, welche die Alliance israelite universelle in dem neuerbauten Hause ihrer Ecole normale errichtet hat, mit einer Einweihungsrede des Herrn Oberrabbiners Z a d o c K a l m ihrer Bestimmung übergeben. — Die neuen Bureaux des Goinite de bienfaitance israelite in der Rue Rodier 60 wurden eröffnet, wobei der Präsident, Baron Edmund Rothschild, die Entwicklung des Cvmites schilderte, in welchem sich die wachsenden Aufgaben der Juden wiederspiegeln. Die Feier schloss mit einer Huldigung für die selige Baronin Hirsch. London. Die jüdischen Schulen in England erhalten von der Negierung in anerkennenswerter Weise freigebige Unterstützung, nachdem dieselben sich zu einer Vereinigung zusammengeschlossen haben. In diesem Jahre erhielt die Vereinigung jüdischer Schulen die namhafte Summe von 57,550 Mark, welche in einer Versammlung der betheiligten Schulen vertheilt wurde. Obwohl die Summe, die vou jüdischer Seite für diese Schulen anfgewendet wird, naturgemäß ein vielfaches dieser Summe vorstellt, so ist die namhafte Erleichterung, die die Etats der jüdischen Schulen durch diese Subventionen erfahren, besonders deswegen erfreulich, weil sie gleichzeitig ein Zeichen des Entgegenkommens der englischen Regierung fit. London. Die neue Oper „Messalina" des bekannten jüdischen Componisten Isidor de Lara ist mit großem Befialle in der Londoner Oper gegeben worden. London. Dr. Carl Peters, der gegenwärtig im Aufträge einer englischen Gesellschaft in der Gegend des Zamvesi reist, veröffentlicht in den englischen Zeitungen Berichte über von ihm nenentdeckte Ruinen in dieser Gegen \ die er nach dem Vorgänge anderer Forscher für das biblische Ophir hält. Er glaubt, deutliche Spuren der jüdischen und phönicischen Ansiedlungen aus grauestem Alterthum gefunden zu haben. Iu späterer Zeit seien die Araber an Stelle der Phönieier getreten, und erst im Jahre 1693 habe ein Kaffernkönig C a m i r a diese Ansiedlungen zerstört. Peters schreibt, dass er für die Jdeittificierung seiner Entdeckung mit Ophir die umviderleglichsten Beweise erbringen könne. Man wird darauf gespannt sein dürfen, iu welcher Weise Peters diesen Beweis führen kann, denn damit würde eine der umstrittensten Fragen der Geographie des alten Testaments ihre Erledigung finden. London. Die jüdischen Zeitungen bringen einen Aufruf für die jüdische Gemeinde in Sevilla. Es hat sich dort eine Anzahl von Juden ans Tanger und anderen marokkanischen Städten niedergelassen. ES sind ca. 30 Familien mit 220 Seelen, welche sich von Handwerk und Kleinhandel mühsam ernähren. Sie haben weder eine Synagoge, noch eine Schule, noch selbst einen Begräbnisplatz. Die Kinder wachsen auf, ohne das geringste zu lernen. Schon ganz jung werden sie dazu benützt, ans den Schiffen mit Süßigkeiten und marokkanischen Pantoffeln hansieretl zu gehen; und sie erlernen dabei freilich einige Sprachen, sie reden etwas arabisch, ein schlechtes Spanisch, ein noch schlechteres Französisch und ein paar Brocken englisch nnd deutsch, aber alle übrigen Kenntnisse gehen ihnen vollkommen ab. Allen diesen Uebelstäude» abzuhelsen, haben die Jltdeu in Sevilla jetzt einen Verein gebildet, der einen Begräbnisplatz kaufen soll, sowie eine kleine Schule und Synagoge einrichten wird. Da ihnen aber die Mittel dazu fehlen, so wenden sie sich um Unterstützung an ihre reicheren Glaubensgenossen in Europa. London. Iu dem hiesigen deutschen Krankenhause, wo der dritte Tyeil aller Patienten Inden sind, bestand bisher noch keine koschere Küche. Es werden jetzt die nöthigen Anstalten daztt getroffen, und man wendet sich mit einem Aufrufe an die Oeffeutlichkeit, um die Gelder hierfür aufzubringen. Die 20.000 Mark, deren man bedarf, werden unschwer aufgebracht

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