Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 23 (21.7.1899)
- Date
- 1899-07-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 21. Juli 1800 Seite 3 andererseits kein Geheimnis ist, dass die „O e ste r r e i ch i s ch e Wochenschrift" ausschließlich die in derCultusgemeinde gemachten und von derselben eingesandten Finanzausweise ohne ein Wort der Kritik veröffentlicht, eine Form, die in Ursache und Wirkung nur zu sehr dit die berüchtigte Wirtschaft in dem „ökonomischen" Theile unserer Tagespresse erinnert. Es ist geradezu haarsträubend: ich glaube beschwören zu können, dass nicht fünf Procent der Cultuswähler je eine ordentliche Bilanz der Wiener Cultnsgemeinde zu Gesicht bekommen haben. Jeder simple Verein gibt seinen Mitgliedern einen geordneten Rechenschaftsbericht in die Hand. Der Wiener Cnltnsvorstand, der viele Tausende öffentlicher Steuergelder verwaltet, findet es nicht einmal der Mühe wert, in einer Zeitung eine geordnete Bilanz zu veröffentlichen. Dieser ebenso unklugen, wie volksfeindlichen Wirtschaft muss endlich ein Ende gemacht werden, und meine Ausführungen sollen lediglich den Zweck haben, zur Erreichung dieses Zieles etwas beizutragen. Ich werde die Finanzlage der Wiener Cnltnsgemeinde ausschließlich an der Hand des öffentlichen Quellenmateriales — das sind die periodischen Rechenschaftsberichte der Gemeinde und die Auszüge in der „O e st e r r e i ch i s ch e n Woche ns ch r i f t" — besprechen. Ich bin mir vollständig der qualitativen und quantitativen Unzulänglichkeit dieser Quellen, der Unsicherheit des Grundes, auf dem ich baue, bewusst. Ich bin mir nicht minder bewusst, dass ich vielleicht zu gewagten, ja sogar zu völlig unmöglichen Folgerungen gelangen werde. Allein gerade das soll mir und vielen meiner Stammesgenossen, die nunmehr wie ich denken, das willkommenste sein. Denn wenn ich Nachweisen kann, dass auf Grund der einem Wiener Cultuswähler normaliter einzig und allein zur Verfügung stehenden Veröffentlichungen die ä r g st e n V e r m u t h u n g e n mehr als berechtigt erscheinen, Vermuthungen, an deren thatsächliche Möglichkeit ich ebenso wenig wie ein anderer auch nur im Traume denke, daun, glaube ich, wird man im Gemeindehause in der Seitenstettengasse - im a l l e r e i g e n st e n Interesse mit der heutigen Art der öffentlichen Rechnungslegung ebenso rasch wie energisch Rest machen. Diese Einleitung hielt ich für nothwendig, um jedes absichtliche oder unabsichtliche Missverständnis von allem Anbeginn umnöglich zu machen. (Fortsetzung folgt.) Inland. Wien. (Im Namen Seiner....) In den Wiener Gerichtssälen können Juden immerhin noch recht erbauliche Geschichten erleben. Es geht dort nichts über einen antisemitelnden Richter. Themis, die Göttin der Gerechtigkeit, wird blind — vor Hass. Wenn es gut geht, stellt sie nächstens noch ihr Schwert in den Dienst der blutroth gefärbten Pläne des Herrn Abgeordneten Schneider, der sich schließlich auch wird bewegen lassen, den Namen für sein Juden s ch u s s geld entsprechend zu modificieren. Es wird ihm' auch ein Schtvert thun müssen- und schließlich kann man ja auch mit dem Henker gut Freund sein, wenn's gegen die Juden geht.Aber heute handelte es sich um einen bloßen Civilrechtsfall, bei dem der Richter sich nicht enthalten konnte, die ganze Weisheit seines Urtheils in ein dem Jargon des deutschen Volksblattes entlehntes gesprochenes A u s r u f u n g s z e i ch e n (!) zusammenzufassen. Zwei Brüder hatten einem Schneidermeister je fünf Gulden Angabe auf einen Anzug gegeben. Als ihr Vater Concurs anmeldete, weigerte sich der Schneider, die beiden Anzüge zu liefern und bestand darauf, die ihm von dem jünger» Bruder als Angabe übergebenen fünf Gulden als Abschlagzahlung auf den Anzug des älteren Bruders anzusehen. Der um seine fünf Gulden gebrachte jüngere Bruder klagte nun auf Rückgabe des Betrages. — Man kann wohl sagen, dass dieser Fall selbst für das Auge des Laien nicht ganz undurchdringlich ist. Den rechtsgelehrten Richter haben die Darlegnngen der Parteien, die ja an juristischer Präcision manches mögen zu wünschen übrig gelassen haben, zu dem classischen Ausspruch veranlasst: „Da soll sich ein M e n s ch au s k e nn e n! Das i st ja die r e i n st e I u d e n w i r t s ch a f t." Der Vorfall hat sich Dienstag, den 18. Juli im Verhandlnngssaal 4 im ersten Stockwerk des Leopoldstädter Bezirksgerichtes in der Donaustraße abgespielt. — Die Partei, die sich am Nachmittag nach dem Namen des freundlichen Herrn erkundigte, hat ihn nicht eruieren können. Das ist auch so eine Art Specialität, dass man nicht einmal weiß, von w e m man abgeurtheill worden ist. Aber nach der Schilderung seines Exterieurs — schwarzer Vollbart, dunkle Augen — scheint — und das wäre dann freilich ein Hauptspass — der liebenswürdige Antisemit selber ein Jude zu sein. Wien. (Erweiterung des Rothschild- Spitales.) Baron Albert Rothschild hat schon seit längerer Zeit eine Erweiterung des Rothschild-Spitales geplant. Gegen dieses Project verhielten sich jedoch Stadtrath, Gemeinderath und Bezirksausschuss ablehnend. Um diese Ablehnungen zu motivieren, hatte man eine regelrechte Agitation unter den in der Umgebung des Spitales wohnhaften Personen entfaltet, die sich mit vollkommen ungerechtfertigten Beschwerden an die Behörden wendeten, um die Erweiterung des Spitales, welche sich als eine unbedingte Nothivendigkeit erwies, zn hintertreiben. Der Stadtrath hat auch seine ablehnende Entscheidung auf die eingebrachten Beschwerden der Anrainer des Spitales gestützt. Gegen diese Entscheidung wurde der Recurs an das Ministerium des Innern ergriffen, und nunmehr hat diese Behörde diesem Recnrse Folge gegeben imb die Vergrößerung des Spitales wird demnächst erfolgen. Zunächst sotten in dem Spitale, welches bisher nur einen Belegraum für hundert Kranke hatte, sechzig neue Betten und ein neuer Operationssaal errichtet werden. Krems. (S ch ön e r er in der Klemm e.) Herr Georg Schönerer ist mit der „Losvon Rom-Bewegung" für seine Person in eine recht üble Situation gekommen. Während er im Anfänge in den tönendsten Phrasen verkünden ließ, er wolle als „der Zehntausendste" den Uebertritt vollziehen, macht er trotz wiederholter Mahnung der verschiedensten Blätterstimmen noch keine Anstalten, seinen „Uebertritt" zu vollziehen. Während Wolf in seiner „Ostdeutschen Rundschau" ganze Spalten über die „machtvolle Bewegung" schreibt, ist Herr Schönerer in seinen „Unverfälschten deutschen Worten" recht kleinlaut geworden, jammert und winselt über die Studentenschaft, denen Familie und zukünftige Stellung höher als Deutschthum steht, und da Wolf ihm gleichsam mit einem freundschaftlichen Rippenstöße versichert, man steure schon munter dem zweiten Zehntausend der Uebertretenen zu und Herr Schönerer möge sich sputen, verlegt sich der edle Schlossherr von Rosenau trotz der sonstigen Abneigung gegen alles, was als „jüdische Schlauheit" aufgefasst werden könnte, auf talmudische Künste. Er erklärt in der jüngsten Nummer seines Blattes, nur dann, wenn 9990 sich bei ihm selbst schriftlich gemeldet, den Uebertritt zu vollziehen; einstweilen seien es nur etwa 3000. Wenn Schönerer der Wahrheit die Ehre geben wollte, müsste er sagen, dass seine Frau ihm den Uebertritt nicht gestattet und sich im Falle seiner Widerspenstigkeit von dem edlen Ritter scheiden ließe. Straßrritz. (Leichenfeier. — Schulschluss.) Unter allgemeiner Theilnahme der Bevölkerung wurde der langjährige Bürgermeister und Cultnsvorsteher der israelitischen Gemeinde, Herr Max Reis, am Freitag den 14. d. M. zu Grabe getragen. Die Vertretung der Stadtgemeinde, die Schlossnnd Auspitz'schen Beamten u. s. w. hatten sich eingesnnden, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Auch die Schuljugend nahm in Begleitung des Lehrkörpers an dem Leichenbegängnisse theil. Herr Rabbiner Dr. F r i e d m a n n schilderte das Leben und Wirken des Verblichenen in tiefergreifender Rede. Auch Herr Dr. Josef R o b i t s ch e k gab am offenen Grabe als langjähriger Freund des Verewigten seinen schmerzlichen Gefühlen beredten Ausdruck. Zu bemerken ist, dass innerhalb vier Monaten auch die beiden jüngeren Brüder des Verstorbenen, Georg und Josef Reis, von derselben Krankheit dahingerafft wurden, die Max Reis den Seinen entrissen hat. — Der Schlussfeier des Schuljahres 1898—99 wohnten Vertreter der Gemeinde und des Ortsschülrathes und zahlreiche andere Gäste bei. Nach dem Vortrage einiger Gedichte und patriotischer Lieder hielt Herr Oberlehrer Binder die Schlussrede. Er gedachte des Ablebens der Kaiserin, des Regierungs- Jubiläums des Kaisers und des 30jährigen Bestandes des Reichsvolksschulgesetzes. Er gedachte ferner des Ablebens der große» Wohlthäterin Baronin Hirsch-Gereuth. Nach Absingung der Volkshymne wurde dem verewigten Bürgermeister Herrn Max Reis ein ehrender Nachruf gehalten, dem das Absingen des Mendelssohn'schen Liedes „Gottes Rath und Scheiden" folgte. Mit der Vertheilung der Schulhefte und Schulnachrichten schloss die Feier. Ungarisch-Hradisch. (Nationaltrau er.) In erhebender Weise wurde bei uns die Erinnerung an den Verlust unserer nationalen Selbständigkeit und an unsere zweitausendjährige Schmach am 9. Ab begangen. In dem schönen Garten des Deutschen Casinos feierten wir „mit deutschem Gruß und Handschlag" ein Fest z u g u n st e n des Deutschen Schulvereins. Die Söhne des Herrn Cultusgemeinde- Vorstehers sammt Frauen, zahlreiche hohe Staatsbeamte deutscher Nation, mosaischen Glaubensbekenntnisses, viele Mitglieder des Ausschusses der Israelitischen Cnltnsgemeinde Ungarisch-Hradisch sammt Familienangehörigen, der Obmann der Ortsgruppe „Zion" sammt Gemahlin, kurz alles, was darauf Anspruch hat, zur guten Gesellschaft gezählt zu werden, lauschte den verlockenden Tönen des „Deutschen Liedes" bei Speise und Trank, und reizende jüdische Frauen und Jungfrauen verkauften in niedlichen Verkaufsbuden allerhand Esswaren zugunsten des großen nationalen Zweckes. Recht nett machte es sich, dass gegenüber dem Casinogarten in einer schmalen Gasse sich der israelitische Tempel befindet, aus welchem vereinzelte Klagetöne rückständiger Werkheiliger und bezahlter Domestiken der Cnltnsgemeinde die herrlichen Walzerklänge störten, die Männlein und Weiblein zum lieblichen Reigen führten. Unser jüdisch-nationaler Herr- Rabbiner war leider verhindert, das deutsche Fest durch seine Anwesenheit zu verherrlichen, weil der Untercantor sich weigerte, das Mincha-Gebet um 1 Uhr zu verrichten, da er — fastete. Prag, 20. Juli. Wie die hiesigen Blätter melden, soll die Verhandlung gegen den des Mädchenmordes in Polna angeklagten Hüls»er nicht in Kuttenberg, sondern bei dem hierzu delegierten Prager Schwurgerichte und zwar wahrscheinlich am 11. September d. I. stattfinden. — Die „Nar. Listy“ und die „Nur. Politika“ veröffentlichen unter dem Schlagworte: „Zum räthselhaften Tode der Agnes Hruza in Polna" folgende Zuschrift ans Kuttenberg: Das Kreisgericht fahndet nach zwei Juden, n. zw. nach dem 21 Jahre alten, nach Polna zuständigen Berthold Fried, und nach dem 27 Jahre alten, nad) Pledhov bei Chotebor zuständigen Ignaz Beran, welche beide im Verdachte stehen, wenn schon nicht Theilnehmer an dem an der Agnes Hruza verübten Morde zn sein, so doch wenigstens Kenntnis über die näheren Umstände bei der Verübung des Mordes haben zu müssen. Dieselben sind ausznforschen und dem Kreisgerichte in Kattenberg zum Zwecke ihres Verhöres vorznführen. Es folgt nun die Personsbeschreibung der beiden. Der Bericht schließt: Diese beiden Personen sind für den Process sehr wichtig und infolgedessen stellt die Gendarmerie und die Polizeibehörde die eifrigsten Nachforschungen nach denselben an. Prag, 20. Juli. Verflossenen Sonntag nachmittags erregte ein voni Baron Rothschild aus Frankfurt a. M. gelenkter Motorwagen auf dem Marktplatze in Pilsen nicht geringes Aufsehen. Der Baron setzte von Pilsen, woselbst der Benzinvorrath des Motorwagens ergänzt wurde, seine Reise nach Marienbad fort. Prag, 20. Juli. Vorgestern abends wurde Berthold Fried in Prag wegen Unterstandslosigkeit und Vagabundage von einem Wachmanne angehalten und dem Sicherheitsdepartement eingeliefert, da er der Theilnahme an dem Mädchenmorde in Polna dringend verdächtig ist. Er wird ehethunlichst dem Kreisgerichte Kuttenberg eingeliefert werden. Trantenatt. (Verein der Deutschen in Südb ö h m e n und der Deutsche S ch u l v e r e i n.) Die Radical-Nationalen sind um das bisschen Verstand gekommen, da die Stadt Trautenan den Bundestag der Deutschen Südböhmens nicht officiell begrüßt, die Stadt selbst nicht beflaggt wurde. Diese Unterlassung geschah angeblich, weil die Vertretung der Stadt Trautenan, die dentschfortschrittlich ist, erklärt habe, dass sie diesen Verein nicht begrüßen könne, da er die confesswnelle Unduldsamkeit propagiere. Nun drohen die Schönererianer und ziehen Vergleiche mit dem Deutschen Schulvereine. Nicht mit Unrecht verweisen die Deutschnationalen auf die Jnconseqnenz der Liberalen. Genau so wie hier die Liberalen sich demüthigen mussten und im Falle des Deutschen Schulvereines „arische" und „liberale" Gruppen bilden ließen, genau so werde es ihnen mit der Propaganda zugunsten der Juden in Böhmen ergehen. Wenn die Liberalen noch ans die Juden sich stützen, so werden sie bald zur Erkenntnis kommen, dass sie auf diese Hilfe nicht rechnen können. Hoffen wir, dass diesmal die Schönererianer Recht behalten — allerdings im Sinne der endlichen Erweckung des Nationalbewusstseins unter den Juden in Böhmen. Eger. (Deuts ch-v ölkische Tapferkeit.) Unsere Stadtvcrtretung hat das Ersuchen eines socialdemokratischen Vereines um Ueberlassung der Sängerhalle zur Abhaltung einer Versammlung abgewiesen. Die Begründung dieser Entscheidung geht dahin, dass dentschradicale Gemeinden niemals für die jüdische Internationale Entgegenkommen zeigen dürfen und dass speciell in Eger — die Polizei zu schwach ist, um die Deutschen genügend zu schützen. Die Schönererianer von Eger hinter den Polizisten zum Schutze vor der „jüdischen" Socialdemokratie ist ein erhebender Anblick. Diwischan. (63 Jahre Arzt in einer Gern e i n d e.) Am 9. d. ist hier der jüdische Gemeindearzt Jacob G r ü n b e r g im Alter von 88 Jahren gestorben. Seit seinem 23. Lebensjahre versah er bis fast zu seinem Tode ununterbrochen den ärztlichen Dienst in der Gemeinde und deren Umgebung. Er war mit dem goldenen und silbernen Verdienstkreuz mit der Krone ausgezeichnet und Ehrenbürger der Stadt. Sein Leichenbegängnis gab Zeugnis von der außergewöhnlichen Verehrung, deren sich dieser Arzt bei der dortigen Bevölkerung erfreute und ein erhebendes und wohlthuendes Bild von dem einträchtigen Zusammenwirken der Bevölkerung. Sowohl die katholische Geistlichkeit und die Schuljugend unter Führung der Lehrer, sowie sämmtliche Vereine und die Stadtvertretung nahmen an der Leichenfeier theil. Am offenen Grabe sprachen Vertreter der Gemeinde und der ärztliche Verein, den Verstorbenen als Muster und nachahmenswertes Beispiel wahrer Menschenliebe preisend. Grünberg starb, ohne irgendein Vermögen zu hinterlassen; seine einzige Freude war, Wvhlthaten zu üben. Krakau. (Revanche für den Durchfall bei der Bürgermeisterwahl.) Die vor kurzem stattgefundene Bürgermeisterwahl ergab als Resultat die Wiederwahl des bisherigen Bürgermeisters, Tuchhändler F r i e d l e i n. Nachdem nun die jüdischen G e m e i n d e r ä t h e, deren es 14 gibt, die Entscheidung herbeiführten, suchte der durchgefallene Gegencandidat Graf P o t o c k i, ein antisemitischer Feudalherr, sein Müthchen an den hiesigen Juden zu kühlen, indem er in einer Stadtraths-Sitznng den Antrag stellen ließ, dass man behufs Regulierung der Jakobsgasse, welche an den alten israelitischen Friedhof grenzt, einen Theil dieser geweihten Stätte durchschneide. Bezeichnend für die Moral des edlen Grafen ist, dass er nicht persönlich den Antrag einbrachte, sondern dies durch einen Freund besorgen ließ. Jedoch war die Tendenz zn durchsichtig, um unbemerkt zu bleiben. Der Cultusvorstand protestierte durch fettteit hiezu berufenen Vertreter gegen diesen Act pietätloser Handlung und in der Folge wurde auch der Antrag mit 26 gegen 4 Stimmen endgiltig abgelehnt. Lemberg. (T out com m e che z n 0 u s.) Man schreibt uns aus Lemberg unterm 18. Juli: Frl. Josefine Goldblatt-Kammerling, welche vor einigen Jahren in Rzeszow die Gymnasial-Matura mit allgemeinem Vorzüge bestand, frequentierte dann die Universität in Zürich und in Wien, wo sie im März v. I. die Prüfung als Gymuasiallehreriu bestand und ihr Befähigungszeugnis erhielt. Trotz alldem fanden ihre bisherigen Bewerbungen um eine Lehrerinstelle keine Berücksichtigung, nnd ungeachtet dessen, dass in Galizien ein erheblicher Mangel an Lehrkräften herrscht, konnte Frl. Kammerling wegen ihres Geburtsfehlers keine Anstellung finden, und sah sich deshalb veranlasst, auf eigene Faust ein Privat- Mädchen-Gymnasinm zu errichten. Wir unsererseits wünschen dem Frl. Kammerling vom Herzen bestes Gedeihen zu ihrem Unternehmen und bemerken, dass die Prosperierung dieses Unternehmens von vornherein gesichert wäre, wenn unsere wohlhabenden Glanbettsgenossen in Ostgalizien ihre Töchter an dieser Anstalt ansbilden ließen, anstatt ein sehr kostspieliges Pensionat im Auslande oder in Wien anfzusuchen, wo die „polnische Jüdin" bloß geduldet und über die Achsel angesehen wird. Hoffen wir, dass unsere Anregung bei der Bevölkerung Ostgaliziens Beachtung findet. Malaezka (Brand einer Synagoge.) Mittwoch nachts ist die von Banrath Stiaßny erbaute hiesige Synagoge ein Opfer der Flammen geworden. Der Brand kam im Sitzmigssaale des Gebäudes im ersten Stock zum Ausbruch und trotzdem die freiwillige Feuerwehr kurz nach Entstehung des Brandes erschien, konnte sie wegen nicht genug rascher Wasserzusichr der Flammen nicht Herr werden, so dass das schöne Gebäude bis auf die Grundmauern niederbrannte. Die Ursache des Brandes ist unbekannt, der Schaden beträgt 20.000 fl.