Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 22 (14.7.1899)
- Date
- 1899-07-14
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 22 Wien, Freitag .Tiutisclies Volksblatt 14. .tuii 1S«H) Seife 3 gesucht habe. Von dieser Zeit au wurde die Angelegenheit vergesse» «uo erst vvr einigen Tage» durch ciueu eigene» Zufall wieder in Erinnerung gebracht. Zu Wildenschwert liegt nämlich ein Arbeiter namens Albin Nob am Todtenbette. Der zwischen Lebe» nnd Tod schwebende Kranke äußerte den Wunsch, mau solle zu ihm eine» Züchter bringen, da er im Herzen ein Geheimnis trage, das er nicht mit sich ins Grab nehmen »volle. Dem Wunsche des Sterbenden luitrbc willfahrt. Be: dem Krankenlager desselben erschien der Gerichtsadjnnet Herr Dr. D r i z a. Was der Arbeiter R o b dem Richter gegenüber anssagte, können wir nicht niittheilen, bemerken aber, dass seine Aussage für den Fall, als sie sich bewahrheiten sollte, auf die Spur des Verbrechens führen würde, dem die anmuthige Marie R u t h zum Opfer fiel. In der Stadt verbreitete sich alsbald die Kenntnis über das Verhör N o b s nnd im Zusammenhänge damit eienlierten vielfach übertriebene Gerüchte, welche in gewissen Elassrn der Bewohnerschaft eine solche Gährnng hervorrieke», dass zur Anfrechterhaltnng der Ordnung die Gendarmerie auch von den umliegenden Posten einberufen wurde. — Den .. Namstni bisty“, welche einen eigenen Berichterstatter nach Wildenschwert entsandten, ist aus einem fast meterlangen Berichte vom 9. d. M. Folgendes über jenes Geheimnis zu entnehmen: . . . Die Leiche wurde — wie gesagt — am 4. Juni v.J. ans dem Flusse aufgefischt. Ein Jahr daraus, Ende Juni d. I., erkrankte der 20jährige Arbeiter in einer Wildenschwerter 'Weberei, namens Albin Nob. Dieser Tage wurde der Arme, der längere Zeit hindurch kränkelte, ernstlich krank. Und vielleicht in der Voraussetzung eines baldigen Endes, legte er stete Unruhe an den Tag. Stets schwebte ihm etwas Unausgesprochenes auf den Lippen. Schließlich rief er seine alte Mutter ans Lager und bat sie mit leiser Stimme, ihm seinen letzten Wunsch zu erfüllen. Er wünschte vor seinem Tode noch eine Unterredung mit der Mutter des verstorbenen Mädchens, Frau Maria Ruth. Letzten Donnerstag früh wurde um dieselbe gesandt. Er theilte ihr mit, er wisse, unter welchen Umständen ihre Tochter Marie zugrunde gegangen sei. Er sei, so erzählte er, im Frühjahr vorigen Jahres — an das Datum könne er sich nicht erinnern — um 11 Uhr nachts aus Kerhärtitz nach Wildenschwert auf der Hauptstraße längs des Flusses gegangen und habe plötzlich am jenseitigen Ufer der Adler das momentane Anfblitzen eines Lichtes tvahrgenommen, worauf das durch das Fallen eines schweren Körpers ins Wasser erzeugte Geräusch folgte. Beim Aufblitzen des Lichtes habe er zwei Männer erblickt, welche sofort nach dem Erlöschen des Lichtes verschwunden seien. Er habe sie zunächst für Fischer gehalten, habe diesem Vorfälle keine weitere Bedeutung beigemessen, und erst als er den Rand des Wiesenplanes erreicht und die beiden Personen, welche deutsch sprachen, von Angesicht zu Angesicht erbljMe, schöpfte er Verdacht. Er begab sich bis an jenen Ort, wo nach seinem Ermessen der Fall ins Wasser erfolgt war, allein dort herrschte vollkommene Stille. Nob gieng nach Hause. Hier erzählte er seiner Mutter den nächtlichen Vorfall, dessen er später niemals Erwähnung that. Erst auf seinem Todtenbctte und in der festen Meinung, mit dem Gerichte in keine weiteren Verwicklungen zu gerathen, theilte er der Mutter der Marie Ruth mit, er habe in den zwei erwähnten Personen zwei bekannte Wildenschwerter Juden erkannt. Am Schlüsse des Berichtes der „Nur. L.“ heißt es, dass die beiden Israeliten, die Agenten G. und Z., auf freiem Fuße belassen wurden. Der Gendarmerieposten sei verstärkt. In der Stadt herrsche jedoch Ruhe. Der Wildenschwerter Vorfall verdiene eine gründliche Untersuchung, nicht nur im Interesse des Factnms selbst, sondern auch im Interesse der Oeffentlichkeit. — Die „Nar. Politika“ meldet zu der Affaire unter dem 10. d. M. aus Wildeuschwert: Die Untersuchung über den räthselhaften Tod der Marie Ruth schreitet fort. Heute weilte hier die Untersuchnngseommissivn des Kreisgerichtes Chrudim, um den Loealaugenschein anfznnehmen und ordnete gleichzeitig die Exhumierung nnd die Obduction der Leiche an. Die beiden hiermit betrauten Gerichtsärzte aus Chrudim dürften kaum, wie das Blatt hinzufügt, bei der Leiche, welche lange Zeit inr Wasser lag und erst nach einem halben Jahre exhumiert wird und sich daher in einem hochgradigen Zersetznugszustande befinden dürfte, irgendwelche Zeichen finden, die auf einen gewaltsamen Tod Hinweisen würden. R v b ist, wie das Blatt weiter meldet, zwei Tage nach seinen Enthüllungen, also am 7. Juli, gestorben und am 9. Juli wurde er beerdigt. Anlässlich seines Begräbnisses wurden umfassende Sicherheitsvvrkehruugen getroffen, da mau antisemitische Ausschreitungen erwartete, welche jedoch dank der ruhigen Ueberlegnng der Bürgerschaft unterblieben, so dass nicht der geringste Anlass zum Einschreiten der bewaffneten Macht vorlag. Prag, 12. Juli. „Nnroclni Politika.“ meldet gns Wildenschwert: Am 10. d. M., also 10 Monate nach ihrer Beerdigung, wurde die Leiche der Marie N u t h exhumiert und von den Äerichtsärzten obdnciert. Wie voranszusehen war, war es rmmöglich, au der seit 19 Monaten bestatteten, in hochgradige Verwesung übergegangenen Leiche, welche nach dem Gutachten der Aerzte vordem zwei Monate im Wasser gelegen war, zu coustatieren, ob es sich um einen gewaltsamen Tod handle. — Der Jude G. — so meldet das Blatt weiter —■ welcher durch die Angaben des verstorbenen Nob in diese räthselhafte Angelegenheit verwickelt sei, sei nach Prag abgereist, um Schutz gegen Angriffe zu suchen, welchen er seitens der Wildenschwerter Bevölkerung ausgesetzt sei. Es sei jedoch bemerkt, dass trotz der großen Aufregung, in welcher sich unsere Bevölkerung infolge der Enthüllung des verstorbenen Arbeiters seit sechs Tagen befindet, die öffentliche Ruhe nnd Ordnung bisher nicht gestört wurde. Inland. Mährisch - Qftrau. (Z n d e n G e m e i n d c w a h l e u. Zu den bevorstehenden Gemeindewahlen ist der hiesige d e n t s ch n a t i v n a l - a n t i s e m i t i s ch c Volk sverein als erster in die Wahlbewegung eingetreten und hat für die Wahlen bereits ein eigenes Wahlcvmitck eingesetzt. Daraus geht hervor, dass dieser Verein ganz selbständig Vorgehen will und seinen Tendenzen gemäss ein Zusammengehen mit den jüdischen Wählern perhorrescicrt. Ta die jüditchen Wähler sowohl im ersten als auch im zweiten Wahlkörper nahezu ein Drittel der gesammten Stimmen ausmachen und die Zahl der deutschnativnalcn Wähler in diesem Wahlkörper eine sehr kleine ist, so dürfte das selbständige Vorgehen der deutsch nationalen Partei in den beiden Wahlkörpern ohne jede Aussicht sein. Strasjmch. (T od e s f a l l.) Unsere Cultusgemeinde hat einen schweren Verlust erlitten durch den Tod des Cnltusvorstehers nnd Bürgermeisters der Judengemeinde Herrn Max R e i ß. Derselbe erfreute sich allgemein der größten Wertschätzung und Achtung; er starb im besten Maunesalter, noch nicht 40 Jahre alt. Karlsbad. (U eberfü h run g der Leiche D r. D a v i d K a n f m a n n s.) Am 9. Juli fand hier das Leichenbegäuguis des vor einigen Tagen verstorbenen Dr. David Kau f m a n n stakt. Zahlreiche zur Zeit hier weilende jüdische Curgäste ans Ungarn wohnten der Leichenfeier bei. Seitens der Familie war Herr Ludwig König, Director der Budapester Elisabeth - Dampsmühle, ein Schwager des Verblichenen, anwesend: ferner der Präsident der Budapester israelitischen Religiousgemeinde Siegmund Ko Huer, Rabbiner Doctor K a h s e r l i n g, A. v. S t e r n t h a l, Professor Jonas Büro n, Dr. S. G I ü ck, Hoflieferant S. Be vn st e i n, Eduard Fleischman n, dann die Herren Moriz Heller, D. Kall m a it n, Adolf Weiner, Jacob M e s s i n g e r, Leopold V e l v a r t nnd noch viele andere Budapester Herren. Der Karlsbader Rabbiner Dr. Stern, der selbst ein Schüler des Verstorbenen gewesen ist, hielt eine ergreifende Trauerrede, worauf auch der Budapester Rabbiner, Herr Dr. Kayserli n g. dem Dahingeschiedenen einen sehr warmen Nachruf widmete. Der Leichnam wurde sodann von einer sehr großen Anzahl Budapester und Karlsbader Gemeindemitglieder unter Führung des Präsidenten der Karlsbader Cultusgemeinde, Herrn Moser, zum Staatsbahnhofe geleitet, um nach Budapest überführt und dortselbst zur ewigen Ruhe beigesetzt zu werden. Eger, 11. Juli. (Schnorrer Schönere r.) Wehrschatz oder Nationalfonds? Was ist das für ein Fonds, der der Nation gehört, und was der Schatz, mit dem man sich wehren will? Die Antwort auf diese Fragen erhalten wir durch die „Egerer Nachrichten" und die Leser des „Jüdischen Volksblatt" werden gewiss dankhar für die Gelegenheit sein, ihr Wissen nach jener Richtung hin zu erweitern. „Was ist das für ein Fonds?" so fragt also das Egerer Blatt. „Wer verwaltet ihn? Wer führt ihn seiner Bestimmung zu? Zn welchen Zwecken wird er verwendet?" Diese Fragen sind leider nicht in befriedigender Weise zu beantworten. Die „Teplitzer Zeitung" meldet, dass der Fonds vom stockliberalen Teplitzer Bürgermeister Siegmnnd „verwaltet" wird. Jnsgesanimt sollen st. 19.014 übersandt sein, st. 6.063 Ausgaben, kein Wort dringt nach außen, auf welche jndenliberale Wahlagitationen, Wahlmanöver diese Gelder vertheilt werden. . . . Um den liberalen Krückengänger zu stützen, dazu hat das d e u t s che Volk wahrhaftig kein Geld, das besorgt schon die jüdische Haute llnance. Die einzige und r i ch t i g e Adresse kann für jeden Deutsch b ew n s st eu nur die sein: „Deutschvölkischer Wehrschatz", verwaltet vom Reichsrathsabgeordneten Georg Schönerer in Krems an der Donau". — Ob der Herr Neichsrathsabgeordnete G e o r g S ch ö n e r e r das „Verwalten" wohl besser versteht, wie der stockliberale Bürgermeister Siegmund in Teplitz, und ob wohl von seiner „Vertheilung" der Gelder genauere Daten nach außen dringen?? Die Sache gibt zu denken. Saaz, 12. Juli. (Wir unter uns.) Die „National- Zeitnug" schreibt: „Einen festlichen Empfang für den Abg. Zeller verlangt die „Mistgabel" („ Vnlgo-Nachrichten") in der letzten Nummer ihres Blattes. „Denn wenn man Wolf, der sein Mandat den Trautenaner Inden verdankt, einen prunkvollen Empfang bereitet, so wird auch der Abg. Zeller, der doch für Saaz gewählt ist, in feuriger Weise seitens der Stadtgrößen empfangen werden. Nun — so bemerkt weiter die verehrliche „Mistgabel" muss er sich diese Rosinen vorläufig aus dem Kopf schlagen, denn noch ist die Gemeindevertretung von Saaz deutschnational re. re." — Diese Juden! In Trautenan werden sie geprügelt — wenn auch nur bildlich — weil sie die Häuser nicht schmücken, und in Saaz weiß mau, dass Wolf sein Trautenaner Mandat den Juden zu verdanken hat. „Erkläret mir, Graf Oerindnr. . ." Tranteirari, 10. Juli. (D euts ch vo lkl iche s.) „An die deutsche Bewohnerschaft Tranteuaus" richtet sich ein in der heutigen Nummer unseres Wolf-Blattes erlassener öffentlicher Dank für die schöne Durchführung des in voriger Woche hier abgehalteuen Bnndes-Festes. ES findet sich darin folgende bezeichnende Stelle: „Und es muss hier festgestellt werden, dass nur die natürlichen Feinde des deutschen Volkes, die Czechen und Vaterlandslosen (lies Juden) es waren, welche durch ihr Thnu mid Unterlassen sich bemühten, eine Arbeit und ein Fest, gethan und gehalten zum Nutz unb Frommen des ganzen deutschen Volkes, die Stadtvertretuug Tranteuaus und ihr Anhang den traurigen Muth besaßen." Im Festberichte findet sich dann die folgende nichts weniger anheimelnde Stelle: „Der Bundestagung, der Feststimmung und der zukunftssicheren Arbeitsfrendigkeit der Tausende, die da unter dem deutschen Banner in Trantenau zusammenströmten, that die judenliberale Tücke keinerlei Eintrag. Standen auch die städtischen Gebäude schmucklos da, gleich den Häusern der Inden und Jndengenossen, so grüßte doch flatternd von den Gipfeln vieler Häuser die heilige Dreifarbe Schwarz-roth-gold." Dass die Herren Wolf, Schönerer e! tnlli rjimnli, welche die „Juden nnd Jndengenossen" das ganze Jahr aufs gemeinste bcschimvfe», verlangen, dass sie ihnen zu Ehren die Häuser schmücken dieses kann nur im Gehirn eines Charakterlosen, von sich aus andere schließenden Deutschvolklichen, entstehen. Oder —-: suhlt das Trautenaner Blättchen, dass es dock» „Nichts ist mit der Bewegung, trotz Sonnemvcndfener nnd ,Los-vvn-Ronck w. .»'.?" Bekanntlich ist es ja auch dem zum Tode Bcrnrtheilten gestaltet, auf seine Henker nnd auf Gott und die Welt zu schimvsen . . . Vöhnusä) - ^eipa. (Jüdisches Stn deute nh e i in.) In Böhmisch-Leipa wurde von Herrn Rabbiner Dr. Wiese n, Religivuslehrcr an den k. k. Staats-Mittelschulen daselbst, ein allen zeitgemäßen Anforderungen entsprechendes Studentenheim für Gymnasiasten und Realschüler errichtet. Es befindet sich in großem, comfortable eingerichtetem Gebäude mit ausgedehnten Gartenanlagen und enthält alle erforderlichen Räumlichkeiten (Speisesaal, Mnsikzimmer, Studiersaal, Schlafränme n. s. w.4 Der Zweck des Institutes ist, den ihm anvertranten Zöglingen ein vertrauenswürdiges Heim zu bieten, ihre Verpflegung nnd häusliche Erziehung zu übernehmen und dieselben unter pädagogischer Aufsicht in den obligaten Lehrgegenständen zu fördern. Äußer dem Leiter sind noch fachmännisch gebildete Präfecten an dem Institute thätig. Tie lebhaften Sympathien, welche von hervorragenden Capacitäten, wie auch insbesondere von den Herren Directoren und Professoren in Böhmisch-Leipa demselben entgegengebracht werden, vermögen .den P. T. Ellern die beste Garantie zu bieten. Leipa ist in gesunder, gebirgsreicher Gegend (böhmische Schweiz) gelegen und genießt mit seinen schönen Parkanlagen, Jugendspielplätzen u. s. w. den Ruf einer berühmten Schulstadt. Herr Rabbiner Dr. Wiesen, sowie die Herren k. k. Gymnasialdirector E. T o m a n e k nnd k. k. Realschuldirector R. W a I b a ertheilen nähere Auskünfte. Pribram. (I s r a e li t i s ch e Cultusgemeinde.) In den Vorstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde wurden gewählt: vom ersten Wahlkörper zu Mitgliedern die Herren MUDr. Albert Wiener, Mühlenbesitzer Hermann Langer, Kaufmann Heinrich Freund, Kaufmann Bernard Lövy und Advocat JUDr. Heinrich Steiner, sämmtliche aus Pribram; zu Ersatzmännern die Herren k. k. Thierarzt Hermann S ch ö n h a u s e r und Fabrikant Karl Reichner; vom zweiten Wahlkörper zu Mitgliedern die Herren Liqneurfabrikant Max K o h n, Handscknchfactorei-Jnhaber, Kaufmann Karl P i ck, Kaufmann Gottlieb R e i n i s ch und Kaufmann Emil Singer, sämmtliche aus Pribram; zu Ersatzmännern die Herren Hermann Glücklich aus Birkenberg und Kaufmann Josef Lövy in Pribram. Graz, 11. Juli. (Gemüthliches aus dem G e m e i n d e r a t h e.) F e i ch t i n g e r, unser Feichtinger, polemisiert gegen Oberranz meyer. Und wenn Feichtinger polemisiert, dann amüsiert sich das Plenum und die Gallerie. Feichtinger nennt Oberranzmeyer „meinen Co liegen". „Leider!" ruft dieser dazwischen und erweckt allgemeines Gelächter, Beifall und Heiterkeit auf der Gallerie. Im weiteren Verlaufe der Sitzung gebraucht F. die Worte: „Mein lieber Oberranzmeyer". O.: „Ich bin nicht Ihr lieber O., ich bin auch kein Statthaltereirath". Bürgermeister: „Herr F., ich dulde nicht, dass Sie hier eine Sprache führen, wie mit Ihren Wirtshauscollegen". (Beifall und Heiterkeit). Hierauf beginnt das Trifolium Feichtinger, W i l l s i n g e r und Sommer schreiend eine längere Hnisono-Rede, einen jener Scandale, welchen die Herren in fast jeder Sitzung mindestens einmal inscenieren. Besonders W. macht sich vernehmbar. Bürgermeister: „Herr W., hören Sie doch endlich einmal auf zu schnattern". F.: „Der Ausdruck „schnattern" ist unparlamentarisch, ich rufe den Herrn B ü r g e r m e i st e r zur Ordnung". (Schallendes Gelächter). Herr Knmar ruft: „Wir fahren auch nicht auf der Tramway". Feichtinger: „Ja, die Herren haben auch Geld, besonders die eine reiche Heirat gemacht haben". (Gelächter und Bravos auf allen Seiten). Endlich gelingt es dem Bürgermeister, Ordnung zu machen nnd die Sitzung zu Ende zu führen. Es geht doch nichts über die Gemüthlichkeit! —v. CNi, 7. Juli. (Schcichtverbo t.) In der heutigen Gemeinderaths-Sitzung wurde die Eröffnung des neuen Schlachthauses auf den 15. d. M. festgesetzt. Gleichzeitig wurde ein neues Schlachthansreglement genehmigt. Zn demselben beantragte Gemeindeansschuss Pallot einige Ergänzungen, respective Abänderungen, darunter die folgende, welche ein S ch ä ch tverbot involviert. Es sei in den im Schlachthanse geltenden Bestimmungen anfzunchmen, dass alle Fleischhauer, die in der Stadt Cilli ein Verkanfsgewölbe oder einen Verkanfsstand haben, verpflichtet sind, in dem Schlachthanse zu schlage n. Die Bestimmung wurde angenommen. Aber unklar ist doch, was eigentlich damit bezweckt werden soll. Im Schlachthanse n u r zu schlagen —? Ob der Gemeinderath zur Anfnahnie einer solchen Bestimmung, die ja eine Einschränkung der Gewissensfreiheit einer staatlich anerkannten Religionsgesellschast involviert-, berechtigt ist, werden ihm die Regiernngsvrgane schon klar machen, wenn eine Beschwerde dagegen erhoben wird. Wie aber i n das Schlachthausreglement eine Bestiinmnng anfgenommen werden kann, die sich auf den Fleischverkanf außerhalb desselben bezieht, ist geradezu absurd! Oder soll damit eine Pression ansgeübt, vielleicht gar denjenigen Metzgern, die trotzdem Fleisch von „nichtgeschlagenem" Vieh verkaufen, die Benützung untersagt werden —? Wir sind begierig, ob und wie der Gemeinderath das ansführen will oder wie er sich demgegenüber zu stellen gedenkt. Vielleicht wird er — was die Schweizer „Thierschützer" vor einiger Zeit beabsichtigten — die Einfuhr von nichtgeschlagenem Fleisch verbieten. Das wäre der Gipfel der Unver—frorenheit. \ ,.r. wzx*'' ' -;V-.