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Jüdisches Volksblatt · 1899-07-07 · 21 (7.7.1899) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
21 (7.7.1899)
Date
1899-07-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 7. Juli 1899 Nr. 21 Nr. Nur wenige Ansiedelungen von Juden in den Dörfern waren bis zu diesem Zeitpunkte wahrnehmbar. Das Freiheitsjahr 1848 bezeichuete auch für die Juden in Slavonien den Anbruch einer schönen utib freiheitlichen Aera. Die ersten Ansätze von jüdischen Gemeinwesen bildeten sich namentlich in den Städten dieses Landes. Doch die zahlreichen Einschränkungen und Ausnahmsgesetze lasteten noch ein Jahrzehnt lang auf denjenigen Inden, die sich Slavonien als Heimstätte erwählten. Tie erste bedeutende Gemeinde wurde im Jahre 1850 in der Landeshauptstadt Essegg gegründet. Aus schwachen Anfängen rang sie sich zu einem schönen und wohlgeordneten Gemeindewesen empor. Im Jahre 1900 wird diese Gemeinde ihren vierzigjährigen Bestand feiern können. Welche Wandlungen, welche Fortschritte, welche Fülle von lebensfähigen Jnsthutionen, welche Summe von gemeinnütziger humanitärer Wirksamkeit repräsentieren die verflossenen vier Jahrzehnte. Bon 14 Mitgliedern schwang sich die Anzahl der Gemeindemitglieder auf beinahe 400 empor. Ein herrlicher Tempel und eine Schule wurden errichtet, Wohlthätigkeits-Vereine aller Art gegründet, der Gottesdienst auf modern fortschrittlicher Basis zu einem wahrhaft mustergilligen gestaltet, so dass die Judenschatt Eiseggs durch ihren fortschrittlichen Sinn, durch ihre Humanitären Bestrebungen einen mächtigen iu allen politischen und socialen Fragen in Betracht kommenden Factor bildet. All diese Schöpfungen verdanken ihre Gründung dem auch in der wissenschaftlichen Welt wohlbekannten ersten Oberrabbiner weiland Tr. Samuel Spitzer. Seine Anregungen fanden kraft seiner geistigen Autorität und seines liebenswürdigen Wesens die gehörige Beachtung und thatkräftige Unterstützung seiner ihm mit vollsten Vertrauen ergebenen Gemeinde. Sein Werk wurde durch eifrige und umsichtige Gemeindevorstünde gefördert und ausgebaut. Große Verdienste um die Gemeinde erwarb sich namentlich der vierzehn Jahre lang verdienstlich wirkende Gemeindevorsteher, Herr Samuel Kältenbaum. Die Consclidierung der finanziellen Verhältnisse, die Verbesserung des Loses der Gemeindeangestellten, die Ausgestaltung und Verschönerung des Gottesdienstes bezeichnen hauptsächlich seine Wirksamkeit. Die rege Antheilnahme am Gemeindelebeu, die Erweckung des Gemeinsinnes documeutierte sich hauptsächlich durch die Stiftung zahlreicher Wohlthätigkeits-Legate. Doch das Jahr 1897 bildet eineu wichtigen Markstein im Leben der Gemeinde Essegg. Durch die Wahl des neuen Vorstehers Dr. Hugo Spitzer, eines Sohnes des verstorbenen Oberrabbiners, trat die Cultnsgemeinde in eine neue Phase ihrer Entwicklung. Nene Statuten wurden ausgearbeitet, den Wohltliätigkeits-Jnstitutionen eine breitere Basis und größerer Wirkungskreis gegeben, die Creierung eines croatisch-slavonischen Gemeindebuudes in Angriff genommen, welch letzterem voraussichtlich schon in nächster Zukunft wichtige Aufgaben zufallen werden. Die rege Thütigkeit auf allen Gebieten ist auch daraus ersichtlich, dass behufs Hebung des Volksschulunterrichtes auf nationaler und religiöser Grundlage vier Präparandisten- Stistungen zu je 200 fl. (jährlich) gegründet wurden. Die hier auszubildenden Lehrer sollen in religiös-wissenschaftlicher Hinsicht eine solche gründliche Ausbildung erhalten, um dereinst als Religionsweiser in den Landgemeindenden unbestreitbar hierzulande tief gesunkenen religiösen Sinn günstig beeinflussen zu können und die kommende Generation zu einer glaubensstarken, dem väterlichen Glauben treu anhäugenden, zu machen. Diese Institution wird voraussichtlich schon in nächster Zukunft von günstigem Erfolge begleitet sein. Im Schoße der Gemeinde Essegg selbst gibt sich das lebhafte Bestreben kund, eine neue-jüdische Volksschule zu erbauen, in welcher auch der Pflege der hebräischen Studien ein weiter Raum gegönnt werden soll. Hoffentlich wird das mit Umsicht Ersonnene in kürzester Zeit verwirklicht werden. So bricht sich nun auch in den Gemeinden Slavoniens die Ueberzeugung Bahn, dass das Judenthum nur dann seiner Mission voll und ganz gerecht wird, wenn es den geheiligten Traditionen der Väter treu, in der Trias: Thora, Awoda und Gemilath - Chassodim seine höchsten erstrebenswertesten Ziele und Güter erblickt. Ausland Berlin. (Stiftung nach Dr. Ludwig B amberg e r.) Die Erben des verstorbenen Dr. Ludwig B a mberger haben der jüdischen Gemeinde in Berlin scheukungsweise ein Capital von 1.0.000 Mark unter nachstehenden Bedingungen überwiesen: 1. Es sollen vor Schluss der großen Sommerferien aus den Zinsen des unangetastet zu erhaltenden Capitals durch den Vorstand der genannten Gemeinde an fleißige und begabte Schüler und Schülerinnen der unter der Verwaltung oder der Aufsicht der Gemeinde oder eines ihrer Organe stehenden Schulen und Lehranstalten — mit Ausnahme d er R el ig i on s s ch u l e n — Bücher als Prämien vertheilt werden. Die Aushändigung der Bücher soll in der Regel durch den Leiter der Schule oder Lehranstalt oder durch die von den hiermit beauftragten Lehrern oder Lehrerinnen geschehen. Sollte der Gemeindevorstand nicht in der Lage sein, die angeschafften Bücher für den gedachten Zweck zu verwenden, so soll er berechtigt sein, die Mehrexemplare dem Magistrat zu Berlin für die öffentlichen Coinmunalschulen zur Verfügung zu stellen. 2. Als Prämien sind Bücher aus dem Gebiete der Geschichts- und Naturwissenschaften sowie der Dichtkunst zu tvählen, welche, von wissenschaftlichem oder künstlerischem Ernst getragen, geeignet sind, die Liebe zum deutschen Vaterlande, zur Freiheit, zur Humanität, zur Wissenschaft und zur Kunst zu fördern. Bornrtheilslose historische Schriften sind zu bevorzugen, 3. In jedes einzelne der als Prämieil vertheilten Werke ist eine Buchmarke einzuklebeu mit einem Bildnis Dr. Bambergers und folgender Inschrift: „Aus der Stiftung des Dr. Ludwig Bamberger, geb. am 22. Juli 1828, gest. am 14. März 1899." Diese Schenkung hat in der Repräsentanten- Versammlung, der sie zur Genehmigung vorlag, nur getheilte Aufnahme gefunden. Zwei Vertreter der sogenannten conservativen Partei machten geltend, dass die Clausel des Vermächtnisses, dass die Religionsschulen ausgeschlossen sein sollen, einen antireligiösen Charakter besitze und einen Stich gegen das Judenthum enthalte, dass fast die ganze Familie des Dr. Bamberger zum Christenthume übergetreten sei, dass letzterer selbst sich stets ablehnend den Juden gegenüber verhalten habe und somit das Vermächtnis der jüdischen Gemeinde nicht zur Ehre gereiche. In namentlicher Abstimmung wurde die Schenkung »ach längerer heftiger Debatte mit 17 gegen 4 conservative Stimmen a n g e n o m m e n. In derselben Sitzung gelangte auch die Schenkung der Stadtgemeinde Berlin an die jüdische Gemeinde, das in der Exercierstraße neben der Reuterstiftung gelegene 6419 Quadratmeter große, zur Errichtung einer Alterversorgungsanstalt überwiesene Terrain, zur einstimmigen Annahme. Dem Magistrat soll in einem besonderen Anschreiben der Dank der jüdischen Gemeinde für die hochherzige Schenkung zum Ausdruck gebracht werden. Dresden. (Der verkappte Schmu hl.) In den „Dresdner Nachrichten" vom 2. Juli war folgende Mittheiluug. die in ihrer unübertrefflichen und unfreiwilligen Komik allgemein Heiterkeit, erregen dürfte. Die Notiz lautet folgendermaßen: Es dürfte noch in aller Erinnerung sein, welche Entrüstung es hervorrief, als einem Juden Schm uh l und seiner Familie gestattet wurde, den guten dentschen Namen Götze anzunehmen. Verschiedene Herren mit Namen Götze protestierten sehr energisch gegen diese von keinem Standpunkte aus zu rechtfertigende Namensänderung, und man hätte meinen sollen, dass die Negierung über die Anschauungen des Volkes auf diesem Gebiete nicht mehr im Zweifel sein könne. Die Regierung handelt in solchen Angelegenheiten als Vertreterin des Volkes, und hat entschieden die Pflicht, dieses Mandat im Sinne der Mehrheit des Volkes auszuüben. Daran scheint die Negierung aber gar nicht zu denken, denn es wird von einer neuen Namensänderung berichtet, wo ebenfalls ein S ch m u l seines allerdings recht charakteristischen Namens überdrüssig geworden ist. Dem Gastwirt Michael Schmul in Ocwieca, Kreis Zuin, ist nebit seiner Frau und fünf minderjährigen Kindern die Führung des Namens „Steinhardt" gestattet worden, ebenso auch dem Gastwirtssohn Aoolf S ch m u l in Ocwieca. Der Name Steinhardt ist durchaus deutsch, und der Zweck der Aenderung besteht natürlich nur darin, den Glaube» zu erwecken, als ob die Familie Schmul germanischen Ursprungs wäre. Man darf begierig sein, zu erfahren, auf welche Weise der Regierungspräsident in Bromberg, zu dessen Bezirk Znin gehört, das Eingehen auf die S ch m u l'schen Wünsche rechtfertigen könnte. Dass die deiltsche und wohl auch polnische Bevölkerung seines Bezirkes sowohl als auch im ganzen Reiche dieses Entgegenkommen missbilligt, bedarf weiter keiner Versicherung. Frankfurt. (Tr au er fei er für Dr. Hildesheimer.) Zum Andenken hes verstorbenen Rabbiners Dr. Hildesheimer fand am 30. Juni in der überfüllten neues Gemeindesynagoge am Börneplatze eine Trauerfeier statt. Dieselbe begann nach dem Nachmittags-Gottesdienste mit der Necitierung einiger Psalmen durch den Cantor Lew y, worauf Herr Rabbiner Dr. H o r o w i tz in einstündiger Rede die hohen, geistigen und sittlichen Eigenschaften des seltenen Mannes, sein großes elastisches und jüdisches Wissen, seine Verdienste um die jüdische Wissenschaft und das positive Judenthum, seine Unermüdlichkeit im Lehren, seine Duldsamkeit, seine großeartige Wohlthätigkeit und Menschenliebe, die er allen ohne Unterschied zutheil werden ließ, schilderte. Mit einem Gebete für das Seelenheil des Heimgegangenen schloss der Redner, woraus durch abermalige Recitierung von Psalmen die Füer beendigt wurde. Petersburg. Der Generalstab hat die Verfügung erlassen, dass die jüdischen Soldaten gleichmäßig unter alle Regimenter der ganzen Armee vertheilt werden sollen, während bisher die Regimenter sehr ungleich mit ihnen bedacht sind. Welcher Zweck mit der Neuerung verfolgt wird, ist noch nicht bekannt. — In den jüdischen Colonieu unb bei Nikolajeff ist infolge der vollständigen Missernte des Getreides eine Hungersuoth ausgebrochen. Da die locale Wohlthätigkeit ganz außerstande ist, durchgreifende Hilfe zu gewähren, hat sich unter dem Vorsitz des Bürgermeisters von Nikolajeff, Herrn Dezenko, ein Comite gebildet, das eine Sammlung veranstaltet. Von den Erträgen derselben sollen die jüdischen Armen in Nikolajeff die Hälfte, in Beranejevatoje und in Nahartow je ein Viertel erhalten. London. Hier fand in der vorigen Woche eine internationale Conferenz zur Verhütung des Mädchenhandels statt, zu der Delegierte aus den verschiedensten Städten des Continents und Großbrittaniens hiehergekommen waren. Die Tageszeitungen haben über den Verlauf des Congresses kurze Berichte gebracht, dabei aber begreiflicherweise übersehen, den Antheil, den jüdische Vereine und Persönlichkeiten an dem Congresse hatten, gebührend hervorzuheben. Demnach ist es gerade gegenüber den fortwährenden Beschuldigungen unserer Hasser, dass jüdische Händler vorzugsweise das schändliche Gewerbe des Mädchenhandels trieben, wichtig zu betonen, dass an den Maßnahmen zur Bekämpfung desselben, Inden in erster Linie betheiligt sind. Unter den vom Comitö zur Cvnfereuz eingeladeuen officiellen Rednern befanden sich Lady Battersea, die Vicepräsidentin der jüdischen Gesellschaft zum Schutze von Frauen und Mädchen, und der Oberrabbiner. Lady Battersea gab ein Bildchen der Thätigkeit ihres Vereines, dessen Arbeit keineswegs nur Jüdinnen zugute kommt. Vielmehr werden die nichtjüdischen Frauen und Mädchen, die den Beamten der Gesellschaft begegnen, befreundeten christlichen Vereinen überwiesen. Der Oberrabbiner begrüßte gerade von seinem jüdischen Standpunkte aus die Conferenz, wie dies vor ihm der Bischof von London und der Erzbischof von Westminster von ihren religiösen Gesichtspunkten aus gethan haben. Gerade die jüdische Religion Perhvrresciere das schreckliche Laster ain meisten, denn die ersten Erfordernisse eines religiösen Lebens seien für das Judenthum Reinheit und Heiligkeit. Deshalb hat sich schon vor 15 Jahren der jüdische Verein zum Schutze von Frauen und Mädchen gebildet, der zunächst den Mädchenhandel in der eigenen Gemeinschaft bekämpfen will. Aber die Vertreter des Vereins wissen sehr wohl, daß ohne eine Vereinigung der Kräfte aller der das Ziel austrebeudeu Vereine die Wirksamkeit des einzelnen immer Stückwerk bleiben müsse. Der Oberrabbiner unterstützte daher den Vorschlag von Professor Burkhard aus Berlin, nach dein eine internationale Organisation geschaffen werden soll, welche in der Lage ist, fremde Regierungen und deren Polizei zu beeinflussen. In der Diskussion, welche diesen Reden folgte, erkannte Lord Kinnaird das überaus nützliche Werk des jüdischen Vereins an, der thätiger gewesen ist als die „National Vigilance Association“ selbst, obwohl diese der größte englische Verein ist. Mr. W. A. Corte, der Secretär der oben genannten Gesellschaft betonte, daß die Leistungen des jüdischen Vereins nicht hoch genug geschätzt werden könnten, und bedankte sich bei demselben für eine Spende von 4000 Mark zu den Kosten des Kongresses. Auch in der folgenden Discussion haben die Leistungen, Methoden und Erfahrungen des jüdischen Vereins noch wiederholt eine wichtige Rolle gespielt. London. Bei dem hiesigen Franencongress ist die Zahl der jüdischen Theilnehmerinneu, nicht blos aus England, eine sehr große. Unter den Deutschen nennen wir nur Frau Anna Simson aus Breslau und Frl. Alice Salamon aus Berlin. Frau Lina Morgenstern war durch Krankheit gehindert zu erscheinen. Auch unter den amerikanischen Delegierten sind mehrere Jüdinnen. Von den englischen Glaubensgenossinnen, die theilnahmen, seien genannt Lady Battersea, Baronin Leopold Rothschild, Lady M v n t a g lt e, Miss Lilly Montagu e, Miss d'Av i gdo r und Mistress und Miss Adler, die Gattin und die Tochter des Oberrabbiners. Am nächsten Sonnabend wird auf Wunsch der Gräfin Aberdeen die Präsidentin des Congresses über die Ziele und Aufgaben des internationalen Franencougresses predigen, wie dies die christlichen Geistlichen am nächsten Sonntag in allen Kirchen thnn werden. Einzelne Rabbiner haben übrigens schon jetzt über dieses Thema gepredigt, z. B. der Rev. Morris Joseph iu der Bockeley Street Synagogue. Paris. (Antisemitische Forschnnge n.) Es wäre mit seltsamen Dingen zugegangen, wenn die Antisemiten, die schon in Miller and und Galliffet das jüdische Blut erkannt haben, nicht auch iu dem derzeitigen Cabinetschef Waldeck-Roussean einen Judensprössling und dazu noch deutscher Herkunft herausgefnuden hätten. Der Beweis liegt für sie auf der Hand: Waldeck-Rousseau war Mitglied von G a mb e t t a s großem Ministerium; Gambetta liebte es, sich mit Dentschen, wie Schüller und R e i n a ch, zu umgeben, also war Waldeck auch ein Deutscher oder stammte aus einer deutschen Familie, die nach der Einwanderung sich durch Hinzufügung des Namens Rousseau französisch vermummt hatte. Soviel über die deutsche Herkunft. Nun ist Waldeck (von Wald köret und com Ecke) ein sehr beliebter Ortsname in Deutschland; da aber die Juden die Gewohnheit haben, sich derartige Namen beizulegen, und von zehn Individuen, die sich Waldeck nennen, neun Juden sind, so liegt der Wahrscheinlichkeitsschluss nahe, dass auch der französische Ministerpräsident zu jenen nenn jüdischen Waldecks gehört. Wen diese Logik nicht überzeugt — dem ist nicht zu helfen! Paris. Von verschiedenen Seiten laufen jetzt Beschwerden bei der Polizei ein, dass harmlose Passanten von antisemitischen Krakehlern belästigt werden, noch häufiger sind freilich die Fälle, in denen die jüdischen Geschäfte durch Placate bezeichnet werden, so dass die Besitzer von der durch und durch antisemitischen Gesellschaft gemieden werden und in ihrem Erwerbe Schaden erleiden. In einzelnen seltenen Füllen werden die Attentäter bekannt und bestraft, meist bleiben sie straflos. Die Antisemiten bemühen sich offenbar, die Praxis von Algier auch hierher zu übertragen, doch können wir hoffen, dass ihnen die Polizei unter dem neuen Präfecten L e p i n e den Spass verderben wird. Vorläufig ist es in Paris doch noch nicht wie in Algier möglich, die jüdischen Geschäfte öffentlich zu denuncieren und die Kunden, die in denselben kaufen, gesellschaftlich zu bvycottieren, oder sie gar mit Gewalt vom Eintritt in die Läden abzuhalten, wie dies iu Algier noch immer vorkvmmt. Uebrigeus werden auch dort die Verhältnisse sich allmählich bessern; wenn die Juden selbst die neue Praxis befolgen, in jedem juristisch greifbare» Fall zu klagen, und die Gerichte anzurufen. Erst neuerdings sind Max Rögis und Laffite in drei Processen verurtheilt worden und haben außer kleinen Gefängnisstrafen und den Kosten noch Geldbuße anferlegt erhalten, die zusammen mehrere tausend Francs ausmachen. Consequent fortgesetzt, werden diese Prvcesse die Antisemiten bald zwingen, eine gelindere Tonart auzuschlagen. New-Nvrk. Die Zeitungen verzeichnen einen originellen Fall, der zeigt, wie wenig ernst die ethische Gesellschaft hierzulande zn nehmen ist. Ein Jude, der eine Dame ans diesem Verein heiratete, wurde von dem Vorsitzenden der Gesellschaft mit ihr vermählt, durch eine Ceremonie, die mit dem Gesang Ave Karin riugeleitet wurde. Mit Recht spotten die Zeitungen über diese Vermischung der Religionen in der angeblich religionslosen Gesellschaft. New-Nork. (Eine „Bekehrung* im Ghetto.) Auf der Ostseite New-Uorks, in den engen dichtbevölkerten zwijchen der Brvwery, Houston, Cannon-Street und dem East Broadway, spielt sich seit einiger Zeit ein Glaubenskrieg ab, der täglich an Heftigkeit zuninnnt. Jenes Viertel ist das Ghetto NewDorks, das allein dem alles nivellierenden Einflüsse der Zeit gegenüber widerstand, während die Umgebung nach und nach eine modernere Physiognomie angenommen hat. Dieses Gebiet hat sich der „Wanderprediger und Evangelist" Wilson W. D u n l a p ans Philadelphia als Schallplatz seiner „Jude n- Missionen" auserkoren. Es erscheint daselbst fast täglich ein Gefährt, das lebhaft an die fliegellden Zelte der mittelalterlichen Quacksalber erinnert: Die Juden-Mission. In der Mitte sitzt t seinem drohen Da D kann, L e m! O e st < mit b< kehrun haudfe .Kindei An dc Bevöl! ein in eines in jen dentsck dem ( jenige, gezeich sich m cation vorrac Erreg größei 18. 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