Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1899-07-07 · 21 (7.7.1899) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
21 (7.7.1899)
Date
1899-07-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2432763-2432764-2432785--0192-2433711
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 21 Wien, Freitfil' .1(Mischt1* Volksblatt 7. Juli ISO!) Seite ll MI teil z> he, eri nt e idi lin ns bei ter 'CII Od ieii ms eine ist aber auf feinen Fall zu leugnen, dass sie bis jetzt nei ms einzige Band bildeten, welches die Inden znsaminenhielt mb kennzeichnete; stehen sie nun nicht in Widerspruch mit der iivdernen Cnltnr, und sind sie sogar geeignet, die Durchführung neTer ans hygienischem und socialem Gebiet unerlässlichen Maßen, regeln zu erleichtern, ja zu verbürgen, so liegt kein Grund sid einer wünscherswerten Beseitigung vor. Bon diesem Standnnkte müsste jeder e i n s i ch t s v v l l c P o l i t i k c r die heßZache betrachten; für uns Inden kommt aber noch ein besonderer Gesichtspunkt in Betracht, und das ist der jüdischnationale. Alle die oben erwähnten Personen sind nüt richtigem liclBlicke betrachtet zu Beginn ihrer Laufbahn durch und durch jüdisch-national, wenn ihnen diese Gesinnung auch nicht immer um Bewusstsein kommt und mir in latenter Form als potentielle Energie in ihnen aufgespeichert bleibt. Es bedarf nur einer günstigen Gelegenheit, und sofort zeigt sich, toelch einen fruchtbaren Boden für jüdische Ideale diese Schichten abgeben. Während diejenigen Männer, welche sich der Bedrängnis ihres Volkes annehmen, bei den degenerierten Sprösslingen nscrer „Aufgeklärten" nur dumpfer Gleichgiltigkeit und ödem nidisferentismns begegnen, finden sie hier ganze Massen, welche bauliche noch Herz und Sinn haben für alles Jüdische, und derer, schlummernde Kräfte nur der leisesten Anregung bedürfen, um dWsicb sofort in lodernde Flammen der Begeisterung umznsetzeu. är»Erst gegen Ende des geschilderten Entwicklungsganges nehmen idslsie, ans dem Wege über den I'ndisserentismns zur crassesten ei» Assimilation gelangend, ihren negierenden Standpunkt ein. Was ilsilalso sonst nur die antisemitische Hochflut benirkt, die ve» nationale Gesinnung ist hier schon vornherein gegeben. Die de» Aufklärung wandelt daher ans falschen Pfaden und begeht einen n> derbeil Fehler, rvenn sie alle Jnstitntiouen unbesehen in Bausch überhaupt die Gewissenspflicht eines jeden charaktervollen Mannes ist, der, auf dem Boden der individuellen Freiheit und demzufolge des Minvritätenschntzes stehend, überzeugt ist von der Unzulänglichkeit der herrschenden Parteien und ebenso von der Dringlichkeit vieler Reformen, tvclche durch diese Parteien nicht zu erlangen sind, auf active Politik nicht zu verzichten, sondern seinen ganzen Einfluss anfznlneten, um die n rasen, die sich für die Gesellschaft alt C\ Reformen ins Leven nvtlyvcndig ergeben. Wien, ll. Juli. fJ u d k n r e i u e So m m erfrische n.) Nach Angaben der „Antisemitischen Correspondenz" ergänzen wir nufere Liste noch wie folgt: „Bansin bei Heringsdorf, BtitherS Strandschloss bei Swinewnude, Insel Wilna bei Rügen, Angnstnsbad bei Radeberg, Ligan bei Dresden, Jvhanneser Curhans bei Zellerfeld (Harz), und Peternothasen bei Swinemünde." Weitere Ergänzungen folgen promptest. Graz, 2. Juli. (B ö f e Bube it.) In der letzten Freitagssitznng des Cillier Gemeinderathes kamen allerlei cr- Dinge über unsere „Herren Jungen" zur Sprache. Das Stadtamt legte einen Bericht bezüglich der windischeu Schuljugend vor. Darin heißt es u. a.: „Die Verrohung der von der Volksschule in die Stadt kommenden männlichen Schuljugend nimmt von Jahr zn Jahr überhand und hat derzeit einen Grad erreicht, der dringender Abhilfe bedarf. Nicht genug, dass die, die Schule besuchenden Knaben auf dem Wege zn und von der Schule in einer, öffentliches Aergernis erregenden Weise in den Straßen der Stadt sich Herumbalgen, Steine werfen und die Passanten belästigen, haben vor kurzem mehrere Burschen wiederholt in und auf die evangelische teil und Bogen vertvirst, und nicht vielmehr einzelne darunter I Kirche und das dazu gehörige Wohnhaus Steine geworfen, so ei„ eii! st nijl m nt I d H'll dis Ol ch! kl ichi P an is gei ll! tili eil eiil z>! lei tatfl rd >te| bei töte bilden vielmehr ein Eharakteristikum der Inden, j dass ein Schaden am Gebäude entstanden und Leben und ein Band der Zusammengehörigkeit, und solange dieses nicht! Gesundheit der Bewohner bedroht waren..." Bemerkt wird durch ein anderes Band, wie beispielsweise das vom Volksj ferner, „dass diese Diseiplinlosigkeit der Knaben seit zwei verein erstrebte Politische, oder das von den Zionisten erstrebtes Jahren auffallend zugenonunen hat." — — „Wie Die Alten territoriale ersetzt ist, ist es kategorischer Imperativ sämmtlicher snngen, so zwitschern die Jungen", und bekanntlich fällt der Jüdisch-Nationalen, alles Lebensfähige aus dem gewaltigen Apfel nicht weit vom Stamme. Dieses Klirren christlicher Schisfbrnche in Sicherheit zn bringen, und zn retten, was noch Fensterscheiben ist gewiss za bedauern, aver vielleicht zieht man al> >el :ilf 9il Ml tiil tel eiil bei >)! chl rf)| di! ml F| eia töl eil Kll;]| 4 te( tel 4 eil si .ml je« 1(| n| 1* Del ml Oll ,\ eil gerettet iverden kann. Man muss sich daher zum Schutze der jenigen vereinigen, welche, der Roth gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, allmählich auf diese abschüssige Bahn der Selbstverleugnung getrieben werden. Es ist dies umsv nothwendiger, weil der Schutz dieser Leute gleichzeitig die wirksamste Belämpsnng der Assimilation ist, da er deren Führern die Haupttrnppe entzieht. Wegen des fortwährenden enormen Zuströmeus von Landjuden in die Cultttreelitren bleibt diese Frage auch stets aetuell. Es muss demnach eine Form gefiniden werden, welche es diesen Personen ermöglicht, nach ihrer Ueberzengung zu leben, ohne dabei die Grundpfeiler ihrer Existenz zu untergraben. Und zwar wird sich dazu am meisten eine solche Form empfehlen, welche sich auch den allgemeinen Bedürfnissen am besten anpasst. Die Lage ist nun, um kurz zu resümieren, folgende: Ein vollständiger Ruhetag in der Woche ist unbedingt erforderlich. Diese Forderung wird auch allseitig anerkannt. Es ist aber schädlich für ein großes Gemeinwesen, wenn an ein- und demselben Tage sämmtliche Arbeit ruht. Eine große Anzahl von Geschäftsleuten wird dadurch individuell getroffen, speeiell die jüdischen nehmen daran Schaden in moralischer und materieller Hinsicht zugleich. Das Judenthum wird aber dadurch ans die schiefe Ebene der Assimilation gedrängt. Am besten scheint die Angelegenheit also in der Weise beigc'lc'gt werden zu können, dass der Christ am Sonntag, der Jude ani Samstag und eventuell der Mohammedaner am Freitag allein, und nicht auch an anderen Tagen gezwungen sein soll, sich „auszuruhen!" Allein nichts wäre gefehlter als eine solche schablonenhafte Lösung der Frage. Alan kann mit anderen Mitteln dieselben Wirkungen erzielen. Jeder soll gesetzlich verpflichtet sein, einen . Tag der Woche dem besagten Zwecke zn widmen, aber er soll aus freiem Ermessen die ihm hierzu passend erscheinende Zeit wählen können. Es sollte sich jeder ohne Unterschied der Confessivn im vorhinein für einen bestimmten, gesetzlich normierten Zeitraum, sagen wir z. B. für ein halbes Jahr, behufs leichterer Durchführung der Cvntrole verpflichten müssen, an einem bestimmten Tage immer den Geschäftsbetrieb ansznsetzen. Es brauchte dann die Arbeitseinstellung sich nicht gerade ans den Sonntag, Samstag oder Freitag zn beschränken. Auch jeder andere Tag der Woche könnte diese Rolle übernehmen. Werden aber nur diese drei Tage nach Maßgabe der Religionszugehörigkeit dazu verwendet, so kann niemand etwas dagegen einwenden. Das zu erreichen, wäre Ziel der Agitation. Bei der eolvssalen Majorität der christlichen Bevölkerung bliebe dem Sonntag immer noch sein festtäglicher Charakter gewahrt. Eine Anzahl von Leuten, die ans irgendwelchen Gründen einen anderen Termin als Sonntag für ihre n Ruhetag designiere», wird sieh immer finden. Diese wird dafür sorge», dass nicht der gestimmte großstädtische Verkehr bei einem bestimmten Glockenschlag periodisch in totalen Starrkrampf fiele. Die städtischen Inden endlich selbst würden ihrer Mehrzahl nach zwar den Sonntag beibehalten, aber die Minorität derselben, welche Wert auf die traditionelle Sabbathruhe legt, wäre nicht zu gewaltsamen Aendernngen gezwungen. Das trauliche jüdische Familienleben müsste nicht, wie es jetzt häufig geschieht, zerstört und in andere Bahne» gelenkt werden, und der Kampf ums Dasein wäre für diese Minorität, zu welcher noch beinahe sämmtliche Landjuden zu zählen sind, in vielem erleichtert. Groß sind die Schäden, welche das Judenthum durch manche Auswüchse der Emancipation erlitten hat, aber mit der Ursache wird auch die Wirkung fallen. Jedenfalls ist es die unabweisbare Pflicht sämmtlicher jüdischer Organisationen, alle Kraft aufznbieten, um diesen wunden Punkt der internen Juaeiisrage einer günstigen Erledigung znzuführen, wie es' die Moral ans der Geschichte. . . . Laibach, 2. Juli. (D i s Laib ach er Jüdinnen und Frau L u c i e D r e y f u s.) Hiesige jüdische Damen sandten der heldenmüthigen Frau des Capitäns Dreyfns ein Sympathie^ Telegramm und .empfiengen darauf eine Dankesänßerung. Das gibt der antisemitischen Presse zn folgender Liebenswürdigkeit Veranlassung: „Nichts ist bezeichnender für die Auffassung, ivelche ganz Israel dem Process D r e y f n s als einem eigentlich jüdischen entgegenbringt, als dass selbst die kleine Schar der Laibacher Jüdilinen ihrer cohnnationalen Schwester, der Frau des Capitäns Dreyfns zur erreichten Revision des Processes beglückwünschten. Gelungen ist aber, dass die genannte Dame ihre Stammschwestern mit einem Handschreiben beehrte, das bis heute nicht entziffert, beziehungsweise übersetzt rverden konnte, obwohl man die sprachkundigsten Personen zn dieser Arbeit heranzog. In was für einer Sprache mag wohl Mad. Dreyfns erwidert haben? Hat es denn niemand mit Hebräisch versucht? Was mag das wohl für ein Gemanschel gewesen sein?" Triest. 4. Juli. (S e. M a j e st ä t . . .) Um die Gründung des „Austria-Vereines" in Grado gcbürend zu feiern, war der ganze christlich-sociale Heerbann anfgeboten worden. 250 Personen beiderlei Geschlechtes, mit Kind und Kegel, waren ausgezogen, die Koryphäen der Partei zu begrüßen und einen vergnügten Sonntag-Nachmittag zn feiern. Der Chef der Partei hatte seinen Adlatus, Herrn Schneider als würdigen Vertreter gesandt, mit dem Aufträge, der Versammlung seinen Gruß zu entbieten. In halbstündiger italienischer Rede feierte Schneider den Herrn und Meister und dessen Verdienste um die Partei und erklärte bezüglich der Ereignisse in Wie n, dass, tu e n n alle wahren Christen ohne Ausnahme, fest zusammenhallen, so werde diese kritische Zeit auch vorübergehen. Es wurden telegraphische Grüße gesandt an Dr. Lueger und an Se. Majestät den Kaiser. Dieses „wenn" lässt tief blicken. Dentsch-Brod. (Zum Polna er M o rd e.) An der Stelle, an welcher seinerzeit die ermordete Agnes Hruxa im Walde Vrzezina aufgefunden wurde, ist mm ein steinernes Kreuz errichtet worden, an welchem ein Bild angebracht ist, das eine Gruppe von drei Inden und ein auf dem Boden liegendes Mädchen darstellt. Zwei Juden halten das Mädchen, während der dritte das ans einer Halswunde des Mädchens hervvryuelleude Blut in einem Gefäße auffäiigt. Zn diesem Kreuze finden miaufhörlich Wallfahrten aus der Umgebung statt, wodurch die G ä h r u n g unter d e r Bevölkerung gegen d i e I n d e n st e t i g w ä ch s t. Bielitz. (O b e r l e h r e r w a h l.) Der Cnltnsvorstand der israelitischen Gemeinde von Bielitz trat am 2. d. M. zur Wahl eines neuen Oberlehrers an Stelle des erkrankten Herrn Leopold Blüh zusammen und wählte dazu mit 14von 19 Stimmen Herrn Jacob Gvldberg, bisher Lehrer an der israelitischen fünfrlassigen Gemeindeschule. Trarrtetttttt, 2. Juli. (G e m e i u d c w a h l e tu Wie nicht anders zn erwarten, drangen auch int 1. und ü. Bezirk die Liberalen durch. Die Trautenaner Zeitung schreibt zu diesem Ergebnis: Die ofsicivsen, jiidenliberale» und ezechisehen Blatter werden über den Ausfall der Wahlen triumphieren oder daraus die Folge ableiten, die radieale Bewegung befinde sich im Rückgang. Wir bemerken dazu bloß, dass die Zahl der deutschnatioualen Stimmen gegen die Wahl vor drei Jahren sich verdreifacht hat, trotzdem vor drei Jahren vom Rathhanse ans noch nicht jener Druck ausgeübt wurde, wie diesmal." — Der Trost, welchen sich das Blatt mit süß-saurer Miene spendet, ist wahrhaft rührend. Lemberg. (Eine jüdische B ü r g e r s ch u l - Direction.) Der hiesige Gemeinderath hat in seiner Sitzung vom 12. d. M., Dank den eifrigen Bemühungen des Universität sprosessors und Herrenhanemitaliedes, Herrn Dr. Anroii Malecki beschlossen, Frau Karvlina Oberhard, eine Jüdin, zur Erneininiig als Tirccloriu dcr hiesigen coimnnnalen Czacki- Mädeheiibnrgcrschiile dem hohen LandeSschnlrathe vorznschlagen. Wer die Verhältnisse der genannten Mädchenschule, welche ausschließlich von jüdischen .Kindern besucht wird, kennt, weiß, dass nur eine jüdische Directorin dort zum Wehle der Schule wirken kann. Lemberg. (A siatis ch e s ans G a l i z i c n.) Herr E r n e st T. B reite r, Redaetenr des „Monitor", veröffentlicht nachstehenden v s s f e i, e n Brief: An Seine Excellen; den Hochgeborenen H e r r n T r. I g n a tz E d l e r v. Rn b e r f. f. Jiistizminister. Am 1 6. und 17. Juni 1899 ist gegen den Gefertigten vor dem k. k. Bezirksgerichte Sect. Itt m Lemberg /. (I. Z. (J. 10421/:,8 eine öffentliche Verhandlung wegen einer angeblich an der Ehre des k. k. Staatsanwaltes in Stryj, Herrn Adolf Czerwinski nach 8 487 und 488 St.-G.-B. begangenen Ehrenbeleidigiuig durchgeführt worden. Während dies-'r unter außergewöhnlichen Umständen dnrchgcführten Gerichtsverhandlung find zwei Tlmt suchen festgesreilt worden, welche wegen ihrer Außerordentlichkeit eine besondere Beachtung und Untersuchung allenfalls verdienen und zwar: 1. Die vom k. k. Kreisgerichte zn Stryj einvernomm.men und auch beeideten Zeugen und Gerichtssachverständigen haben zweifellos bestätigt, dass alle drei letzten Notariatsaere, welche während seiner Krankheit und vor seinem am ll. April 1865 zn Wolcniow erfolgten Tode, der g. s. Julius I a n i s z e. w S k i am ll 1. Deeember 1884 Rep. Z. 2715, am 19. Jänner 1885 Rep. Z. 2750 und am 14. Februar 1885 Rep. Z. 2812 (ein Testament) angeblich errichtet und eigenhändig gefertigt haben sollte, a n g e n s ch e i n l i ch st gef ä l s ch t e v f f e n tl i eh e U r k u n den sind und dass die erst- und letzterwähnten Documente, neben den von selbst ins Auge springenden äußeren Falschurigsmerkmalen, a n noch s i ch t b a r e Spure n v v n Radierungen a n sich trage tt. Diese gefälschten öffentlichen Urkunden hat der k. k. Notar Herr Ladislaus M a n a st e r s k i unter Mißbrauch seines öffentlichen Amtes und nachher mittelst falscher beschworener Zeugenaussage vor Gericht in Gemeinschaft mit den anderen, mit ihm im Einverständnisse handelnden, sogenannten Testamentszeugeu bemäntelt. Die im Juli 1898, vom k. k. Kreisgerichte zu Stryj hierüber zu G. Z. Br. 591/98 eingelcitete Strafuntersuchung musste vor ihrer Beendigung deswegen eingestellt werden, weil der k. k. Staatsanwalt in Stryj, Herr Adolf Czerwinski, welcher dem Herrn Ladislaus Manasterski bereits noch am llO. April 1898 St. 554/98 ein Unschuldigkeitszeugnis ausgestellt hat, gegenwärtig am 16. Deeember 1898 seinen Antrag auf Einleitung dieser Strafuntersuchung zurückzog. 2. Im Verlaufe dieser nämlicher zn G. Z. Vr. 591/98 geführten Strafuntersuchung wurde durch das k. k. Bezirksgericht in Zurawno am 16. Juli 1898 zn G. Z. Hs. 116 der Notariatskanzelist Herr Joseph U e b e r a l l als Zeuge einvernommen. In Verfolgung des im „Monitor" Nr. 15 am 17. April 1898 erschienenen Aufsatzes: „Ein musterhafter ostgalizischer k. k. Notar und ein musterhafter ostgalizischer Advocat", hat dieser Zeuge mit genauester Bestimmtheit denn, unter Angabe der Actendatums, der Rep. Zahl und Namhaftmachung der Zeugen, solche gefälschte Notariatsacte zu. Gerichtsprotoroll anfgezählt, welche der genannte k. k. Notar Ladislaus Manasterski auch in Rohatyn unter Missbrauch seines öffentlichen Amtes gutgeheißen hat. Ans bis nunzu unaufgeklärten Ursachen ist dieses Berhörsprotokoll ans den gerichtlichen Unters nchungsacten zu G. Z. Br. 591/98 beiseite geschafft worden, und mit der weiteren Erhebung dieser Thatumstände befasst sich weder die k. k. Notariatskammer, noch die k. k. Staatsanwaltschaft in Stryj, oder die k. k. Staatsanwaltschaft in Brzexany, in deren Bezirke diese verbrecherischen Thathandlungen eben vollbracht sind. Sobald min, wegen irgendeiner Radierung in den Handelsbüchern jeder Handlnugsangestellte, und fiir eine ähnliche Manipulation an einem Dienstbuche jede arme Dienstperson in Galizien zu einer strengen strafrechtlichen Verantwortung gezogen werden, so ist es ganz selbstverständlich, dass die Straflosigkeit, welche bis nunzu dem k. k. Notar Ladislaus M a n a st e r s k i zntheil wird, ein allgemeines Aufsehen und öffentliches Aergernis im ganzen Lande mit Recht hervorrief, wenn man erwägt, dass diese, durch ihn anfgenommeiien falschen Notariatsacte von den Eheleuten W i d a j e w i c z zur Verübung eines in Millionen reichenden Betruges benützt worden sind. Geruhen demnach Euere Excellenz mich zu entschuldigen, wenn ich mir die Freiheit nehme, aus publicistischer Pflicht diese Vorkommnisse ans diesem Wege öffentlich zur Sprache in der Hoffnung zu bringen, dass hierdurch zur Aufklärung in dieser dunklen Angelegenheit beigetragen werden dürste, wobei hinzugesügt wird, dass über diese und andere strafbare Handlungen eine ganze Reihe von Zeugen vorhanden ist. Mit vorzüglicher Hochachtung E r u e st T. Breiter Redaetenr des „Monitor". Gtamslark. (Vergiftung einer jüdischen Familie.) In einem unserer Stadt nahegelegenen Dorfe wurde eine jüdische Familie, bestehend ans sechs Personen, vergiftet. Der bisnnn noch nicht eruierte Thäter hat nämlich das Wasser, welches zum Kochen diente, vergiftet. Bis auf das jüngste Kind konnte man kein Mitglied der Familie retten. Gssegg. (Das j ü d i s ck - c o n f e s s i o n e l l e L e b e n in Sla von ien.) Bis znm Jahre 1848 finden wir nur spärliche Spnreii des jüdisch-confessionellen Lebens in Slavoinen , t

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.