Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 21 (7.7.1899)
- Date
- 1899-07-07
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Wien, Freitag •Jüdisches Voüohbitt. 7. Juli 1899 Nr. 21 uüeferno sind wir noch Juden? fragt unwillkürlich der denkende Jude. H o l d h e i m und seine Anhänger schnitten den Faden ganz einfach ab, ihnen gilt die T a u f e als Lösung. B arneis und Dr. Hirsch suchen die Lösung in der Religion und begründen eine moderne Orthodoxie. Und die. welche in der Mitte standen, wie Dr. Philipps o u und seine Anhänger erdichteten eine M i s s i o n. Wir seien nach göttlicher Fügung vertrieben und zerstreut worden, um die Völker einer besseren Humanität zu belehren. Z u n z und Geiger, die den ersten zwei Parteien nicht angehöreu k ö n n e ii und die Missionsidee als Unsinn betrachten, flüchten zu der literarischen Vergangenheit unseres Volkes, um den Halt für ihr Leben in alten Pijutim und Midraschim zu finden. Das sind durchwegs Lösungsversuche der Judent b u m s f r a g e. Und was sehen wir? Das Volk selb st theilt sich in zwei Hauptgruppen. Die Wenigen, die um einer erdichteten Mission oder um einiger Alterthumsdocumente willen keine Märtyrer sein wollen, sind dein Rathe H o l d h e i m s gefolgt, und haben in der Taufe die Consequeuzen der Assimilation gefunden: die anderen sind ins Lager der H irsch'scheu Orthodoxie gegangen und haben eine Art modernen Chassidismus begründet — ohne dass die Judenfrage nach außen oder die Frage des Judenthums nach innen gelöst worden wäre. Denn nach a u ß e n blieben die Juden — Juden, trotz allen ihren Formen, nach innen aber ist das Band täglich lockerer, täglich schwächer geworden. Vom Tage. Stariislau liegt in Galizien, und Asien beginnt bei Galizien. Und was man in Asien für nur erlaubt hält. Vas scheint in Stanislan an der Tagesordnung zu sein. Dieser Tage wurde in Stanislan ein j n d i s ch e r A r z t von einem H a u p t in a n n e misshandelt, weil dieser Jude die unerhörte Verwegenheit besaß, sein Bier in demselben Locale zu trinken nne der Herr Hauptmann. Ter Herr Hanptmann kann eben die Inden nicht leiden und so hilft er sich denn ans eigene Faust und mit Gewalt. Das ist natürlich nicht der erste und einzige ähnliche Fall. Es ist noch nicht gar zu lange ber, da einer von jenen Mnthigen, die so tapfer Krieg im Frieden spielen, beim Officiersrennen seine Peitsche schwang und pathetisch die Worte sprach : Jeder I u d, der mir nahekommt, wird d u r ch g e p e i t s ch t. Der Held ließ natürlich seinen Worten gleich die That folgen. Das ist nur ein Beispiel. Man könnte deren noch mehrere anführen. In Galizien braucht eben das Faustunrecht nicht erst proclamiert zu werden, es ist schon praktisch durchgesührt. Und in der allgemeinen Zerrüttung ist der Jude einfach vogelfrei. Menschenworte sind nicht stark, um das Empörende dieser Zustände zu kennzeichnen. Es wäre auch ganz unnütz. Es wird solange nicht besser werden, bis nicht diesen Herren einmal Gleiches mit Gleichem vergolten ivird. Man wird sie und den Staat nicht eher zur Raison bringen können, bevor sie nicht selbst spüren werden, dass auch Juden zuhauen können — und noch ganz gründlich obendrein . . . * * * Vor einiger Zeit druckte die „Bozener Zeitung" aus der deutsch-nationalen „Marburger Zeitung" einen Artikel ab, der nur so von Ausfällen und Jnvectiven gegen die Einrichtungen und Andachtsübungen der katholischen Kirche strotzte, und dessenthalben Redacteur und Verleger zu längeren Freiheitsstrafen verurtheilt wurden. Es war damals ausgefallen, dass die Marburger Staatsanwaltschaft den Artikel unbeanständet passieren ließ. In der vorgestrigen Nummer nun wiederholt die „Marburger Zeitung" ihre Ausfälle gegen die katholische Kirche. Sie nennt dieselbe ein En gros-Weltverdummungsgeschäft re. Die katholischen Blätter sehen darin eine Beleidigung der kirchlichen Einrichtungen ärgster Art und fordern die Bestrafung, indem sie beifügen: „Wie empfindlich sind dagegen gewisse Staatsorgane, wenn sich ein Nation lebt, die wie keine andere alles Sein durch die Brille des hässlichsten Eigennutzes in jeder Abstufung betrachtet, die in Indien ein Volk aus purer Selbstaufopferung auch wider dessen eigenen Willen mit den Segnungen der Cultur beglückt! Nichts von alledem. Es heißt, sie wären rücksichtslos, gewaltthätig, schlau. Doch weil dieser riesenhafte Wucher, diese geheimen Schliche einer geriebenen Diplomatie in großem Maßstabe geschehen, sind die Zuschauer betäubt, ohne Urtheil über die eigentlichen Triebfedern zu solch erstaunlichen Vorgängen. Die große Kraft schützt sie vor Verunglimpfungen. Zum Schlüße gedenkt der Herr Autor noch des Zionismus. Welches Volk, das nicht einmal wie die Juden der „äußersten Decadence" angehörte und angehört, brachte solche Ideen auf, zweitausend Jahre nach der Vertreibung von seiner Scholle! Sieht dies so aus als wären ihm Krämersinn, Wuchergeist und Schleichwege zu Fleisch und Blut geworden, diese geradezu mit der Muttermilch eingesogen? Wieviele Juden schmachten in Russland. Rumänien, Persien u. s. w. unter dem Joche unmenschlicher Drangsale und im Banne moralischer Roth in den auch culturell am höchsten stehenden Ländern! Dennoch entfliehen sie diesen Bedrängnissen nicht durch Massenabfall, sondern suchen vielmehr durch eine ideale Regeneration sich ihren Ruf zu retten, durch — den Zionismus. Und wenn letzteren der Schreiber jenes Artikels nach seiner Auffassung abthut mit der Frage: „Und wünscht sich nicht jeder in seiner Heimat zu sterben?" so sage ich ihm: ja! — Doch die vielgeschmähten Juden wünschen dann in Ehren zu sterben! Katholik eine ruhige, vorurtbeilslvse Kritik in Bezug auf den Protestantismus und dessen Urheber erlaubt!" — Eine ruhige, v o r u r th e i l s l o s e Kritik! Gewiss! Aber — : Wer sind denn diejenigeu, welche nicht müde werden, gegen die jüdische Religion und deren Urheber zu Hetzen? Wer hat die Märchen von Blntritnal, Brilttnenvergiftung rc. erfunden? Und wer zerrt täglich und stündlich alles in den Koth, was nur im Entferntesten mit dem Jndenthnm und seinen Bekennern im Zusammenhänge steht!? Vermag die katholische Presse nur Gerechtigkeit zu fordern, weil es einmal auch i h r an den Leib geht? Nun, nachdem sie am eigenen Körper spürt, wie tief böswillige Verlenmdnngen schmerzen, wäre es wahrhaftig auch für sie Zeit, sich des Satzes zu erinnern: „Was Du nicht nullst......!" Die Juden und die Sonntagsruhe.*) Von I. Zollschan. Nach hartem Ringen und Kämpfen wurde jetzt endlich die vollständige Sonntagsruhe dnrchgesetzt; von wem, darüber schweigt die Chronik. Einstweilen sind jedenfalls die Socialdemokraten mit Austerlitz, und die Antisemiten mit Axmann an der Spitze, bereit, sich den Ruhm, dieses Palladium erstritten zu haben, streitig zu machen. Die Nothivcndigkeit und den Nutzen dieser Institution zu betonen, ist für uns Inden wohl am meisten überstüssig, für uns, die wir schon vor mehr als drei Jahrtausenden diese Nothwendigkeit erkannt und mit der 9 6 ständigen Sabbatruhe zu einem grundlegenden Theile unserer Verfassung gemacht haben. Jetzt erst gelangen allmählich auch nichtjüdische Gemeinwesen langsam zu dem Bewusstsein, wie nothwendig es für den Bediensteten ist. nach sechstägiger angestrengter Arbeit einen Tag der Erholung widmen zu können. Schrittweise bricht sich diese Erkenntnis Bahn, nach den Arbeitern kamen jetzt die Handlungsgehilfen an die Reihe. Aber diese Institution theilt das Schicksal aller anderen Reformen, welche einen halbwegs populären Anstrich genießen. Alle demokratischen und freisinnigen, liberalen und psendoliberalen Parteien raufen sich nach Herzenslust um die Palme der Priorität, jede eifrigst nur darauf bedacht, sich die Gunst ihrer Wähler nicht zu verscherzen. Im Vollgefühle des errungenen Sieges treten sie jetzt vor die Wählerschaft, weisen darauf hin, dass nur „ihr Verdienst" ihnen diese Errungenschaft erworben habe, und bestreben sich so, den Stimmenfang en masse zu betreiben. Jede ist nur erpicht auf ihr ebenes Interesse; das Interesse einer Minorität, ja das des Staatsganzen überhaupt, soweit es mit ihrem persönlichen in Collision kommen könnte, ist ihnen gleichgiltig. Denn, wer hier noch in Betracht gezogen werden sollte, das ist der Geschäftsmann, den diese Verfügung in erster Linie und zum Theile sehr schwer trifft. Selbstverständlich gilt das nicht vom Großhändler, dessen Knndenfrequenz in der Regel nicht abhängig ist von dem guten Posten oder von einem bestimmten Datum, und dessen umfangreichem Personale diese Verfügung ja vor allem zugute kommt. Am meisten leidet darunter der kleine Geschäftsmann, der kein oder nur ein sehr geringes Personal beschäftigt. Thatsache ist nämlich, dass mit Ausnahme jener Kaufleute, die nur Nahrungsmittel führen, die meisten die Hanptlosung gerade am Sonntag erzielen, ja dass sie speciell in den Straßen placiert sind, die, wie z. B. die Umgebung der Kirchen, am Sonntag den größten Verkehr aufweisen. Es ist nicht schwer zu begreifen, dass diese durch einen Federstrich beinahe brodlos gemacht wurden und einer Krise entgegensehen*). Aber wie immer die Sache sich verhalten mag, das ist zwar bedauerlich, aber man kann nicht durch eine Unzahl von Ausnahmsgesetzen die ganze Institution ad absurdum führen. Der Theil muss sich dem Ganzen uuterordnen, wenn das Allgemeininteresse es verlangt. Doch da sitzt eben der Haken. Was verlangt das Interesse der Allgemeinheit? Dass jeder einen Tag in der Woche der Ruhe und Erholung zu widmen hat. Das ist vernünftig. Ist es aber auch vernünftig und unbedingt erforderlich, dass an einem und demselben Tage das ganze Verkehrsleben einer Millionenstadt ins Stocken geräth? Heißt es nicht vielmehr aller Logik ins Gesicht schlagen, in einem so colossalen Gemeinwesen mit seinen tausend unvorhersehbaren Bedürfnissen jeden Geschäftsverkehr plötzlich, mit einem Schlage zu unterbinden, ohne dass dies im religiösen Gefühle besonders tief begründet wäre, und ohne dass die nicht direct davon begünstigten Theile der Bevölkerung darnach verlangten? Doch der österreichische Staat hat Bolksbeglücker in Hülle und Fülle, die schon zu rechter Zeit in Activität treten werden! Was uns als Juden aber ja kümmert, das ist der Umstand, dass die Juden, wie es schon gewöhnlich geht, hier doppelt zu leiden haben. * * * Die Zähigkeit, mit welcher die Juden sich Jahrtausende hindurch trotz des größten Druckes erhalten haben, ist begründet in der Zähigkeit, mit der sie an ihrer Religion festhielten. Eines der auffallendsten Merkmale der mosaischen Religion, das den Juden an jedem Orte und zu jeder Zeit kennzeichnete, war die Beobachtung der Sabbathruhe. Es ist *) Wir stehen nicht an. diesen Artikel, der uns von geschätzter Seite zukommt, zu veröffentlichen und die Frage selbst zur allgemeinen Discussion zu stellen, ohne uns jedoch mit den in dem Artikel vertretenen Anschauungen vollständig identifieieren zu wollen. Wir bemerken gleichzeitig, dass dieser Artikel uns schon v orige Woche zukam, somit keineswegs auf den in der Sonntagsnummer des „Neuen Wiener Tagblatt" veröffentlichten Brief, der einen ähnlichen Gedanken ausspricht, zurückzuführen ist. Die Redaction. *) Zur Illustrierung dessen mag die Thatsache dienen, dass jetzt schon Petitionen um Einschränkung der erweiterten Sonntagsruhe bei der Statthnlterei eingelaufen sind. pin So fön imi Bl jiii 1« (lli 1 bekannt, durch welchen Pallisadenzann von Vorkehrungen dieMae Vorschriften vor Verletzung geschützt sind.. Und in den fromm« >ac jüdischen Gemeinden werden heute noch die darauf bezügliche Verbote mit einer so peinlichen Minutiosität beobachtet, und di Uebertreter werden in solchem Maße Gegenstand der allgemeinerer Verachtung, dass der Eingeweihte nicht darüber staunt, wem :eg es in den meisten Fällen die größte Ueberwindung kostet, sicHd» von diesen Ueberliefernngen losznreißen. Man mag sich nun in religiöser Hinsicht ans welche Standpunkt immer stellen, jedenfalls tvird es niemandem ei» fallen, den socialen Wert derjenigen jüdischen Vorschriften welche sich auf die Einhaltung der Sabbathruhe beziehen, übersehen. Sie mögen in ihren Auswüchsen manchem lächerlit Vorkommen, der Kern bleibt davon unberührt. Welchen ethische, Wert dieser in der Woche einmal gesetzlich vorgeschriebe» allgemeine Ruhetag hat, zeigt eben am besten der Umstant dass ihn heute auch der Staat vorschreibt. Im Principe ist e ja allerdings egal, welcher Tag der Woche dafür verwend, wird; aber mag auch der Freigeist diesen Standpunkt ein nehmen, das Volk besteht nicht aus Freigeistern. Man mns mit den Thatsache« rechnen, wie es i st, nicht wie es nach de Meinung einzelner sein soll. Zur Herbeiführung von sociale! Reformen wird man immer am besten solche Mittel anwende» welche im Volke dazu autorisiert sind, und dazu gehört noä weit mehr als die Staatsgewalt, die Religion. Da nun mosaische zu diesem Zwecke den Samstag vorschreibt, so unin cs für ihre Bekenner am besten, wenn sich eine Form fänd nach welcher sich das Nützliche der Sonntagsruhe mit ber Angenehmen des „Oneg Schabbolh“ verbünde, die es als den Inden ermöglicht, ähnlich wie es in Galizien bereits de Fall ist, die Sonntagsruhe ans Samstag zu verlegen. Ooe man müsste andererseits znin selben Schlüsse kominen, wie jeni berühmt gewordenen amerikanischen Rabbiner, die in conseqnentei Würdigung des Zeitgeistes die ganze Sabbathfeier sammt allem liturgischen Beiwerk ans den Sonntag verlegt haben. Vom rein praktischen Standpunkte scheint das allerdings sehr angezeigt da aber nicht ailznnehinen ist, dass sich eine solche Nenernnz bei uns, geschweige denn in Ungarn und Polen leicht Bah bräche, so muss man sich schon wohl oder übel in die bestehen den Verhältnisse fügen und die vorhandeiien Uebelstünde mildern trachten. Und diese Uebelstünde sind nicht gering. Denn was obei von den Kanslenten im allgemeinen erwähnt wurde, gilt für di jüdischen in noch höherem Grade, weil bei diesen auch noc! andere Momente in die Wagschale fallen. Ihr Schaden ist «ich bloß materieller Natur. Die Leute kamen und kominen ans ihrer frommen Ge meinde in die Stadt, suchen sich einen Posten oder machen sic! ein Geschäft, eröffnen eine Werkstätte. Gute Inden, wie sind, die noch an den Traditionen festhalten, sperren sie Samstag. Aber das Leben ist theuer, und die Concnrrenz i groß, sie können nicht reüssieren. Sie sehen sich, von wenig« Ausnahmen abgesehen, fast alle vor die Alternative gestellt ihren Erwerb anderwärts zu suchen, oder ihren Standpnnl anfzngeben. Der eine Theil, der sich vor dieser Nothwendigke zu flüchten sucht, greift zu ganz individuellen Beschäftigungen welche es ihnen erlauben, den Samstag der Beschaulichkeit widmen, sie werden Hausierer, Reisende, Agenten, Vermittle, aller Art rc. rc., kurz Mitglieder jener Kategorie, welche mai mit der Bezeichnung „Luftjuden" abzuthun Pflegt. Dass durcl diese Kategorie das Judenthum bei der Außenwelt nicht vie an Achtung gewinnt, ist bekannt. Schweren Herzens und mit innerem Widerstreben, abe von der Noth gezwungen, entschließt sich der andere Thei einen Posten mit Preisgebnng des Sabbath anzunehmen, resp den Laden zu öffnen. Die Macht der Gewohnheit stnmpst ak die zur Führung der Geschäfte nothwendigen Dinge werde als unerlässlich mit in den Kauf genommen, im Stnrmschrit werden alle Hindernisse genommen, man macht eine vollständig! Häutung durch, und nach einiger Zeit ist das ganze unbequem Rituale abgestreift — nur schade, dass auch so manches Stü gesunder Moral, mit aus dem Fleische gerissen, an der alte Haut hängen geblieben ist. An manchen von diesen Bräncheii die oft nur leere Formsache sind, mag nicht viel liegen, abe sehr oft geht mit der Schale auch der Kern verloren, und wo dann als Bodensatz zurückblcibt, ist jene schrankenlose Selbst sucht, durch welche so viele einflussreiche Männer der Sach des jüdischen Volkes ganz entfremdet wurden. Damit will durch ans nicht gesagt sein, dass die Preisgebnng des Sabbaths di alleinige Ursache dieser Erscheinung ist, aber unter anderem auch sie einer der ersten Schritte dazu. Auch spreche ich nich von demjenigen, bei dem der ganze Wandlungsprocess ein Sache der ruhigen Neberlegnng ist, sondern vom gewöhnliche Durchschnittsmenschen, der ohne vorherige Absicht, unter dei Zwange der socialen Verhältnisse, in den Strudel der Assimila tion hineingerissen wird, unvorbereitet, und betäubt von bei verworrenen Getöse, die Besinnung verliert, und dann da Modell abgibt zu der in unseren Witzblättern stereotyp gc wordenen Figur des jüdischen Assimilanten. Eine an sich nicht kleine, wenn auch im Verhältnis zu Gesammtheit verschwindende Zahl, ist aber ihrem Vorsatz tre geblieben und hat, theils vom Glück begünstigt, theils nute großen Opfern es zustande gebracht, sich dieses Zwanges z erwehren. Durch die letzte Verordnung aber, die ihnen außer dci Samstag auch noch den Sonntag-Vormittag entzieht, sind völlig außer Stande, ihren glücklicheren Nebenmenschen Cvu currenz zu bieten, und auch sie sannnt ihrem Personal sehei sich jetzt vor die schwere Frage des „Entweder — oder" gestelll Das Bilb kann sich jeder allein weiter ansmalen, es ist nicht schwei Das eine ist jedenfalls sicher, dass die Inden diese Äei ordnung bedeutend härter fühlen als ihre arischen Schicksale genossen, weil sie moralisch und materiell daran Schade nehmen. Der Kampf ums Dasein, so schrecklich er sonst ain wüthen mag, erreicht stets seinen Höhepunkt, wenn er no> verschärft wird durch das Hinzutreten von Ideologien; vv diesen selbst mag man mm beliebig viel oder wenig halte«