Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1899-06-30 · 20 (30.6.1899) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
20 (30.6.1899)
Date
1899-06-30
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2432763-2432764-2432784--0184-2433702
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite i Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 30, Juni 1800 Nr. 20 bei dem B e r g a n i - Blatte — eitt Ausrufnngszeichen (!) den jüdischen oder jüdisch klingenden Namen beiznfügen. Zwar wird behauptet, dass der augenblicklich in Europa weilende Besitzer des Blattes, der greise Oswald O t t e \u dorffer, ein ausgesprochener Judeufrennd sei und dieser plötzlichen judenfeindlichen Richtung seines Blattes entschieden fernstehe. Immerhin aber ist eine solche befremdliche Stellungnahme znm mindesten unerklärlich, und im Zeichen der Zeit, das von unseren amerikanischen Glaubensgenossen nicht unbeachtet bleiben darf. Unter diesen Gesichtspunkten gewinnt eine Schilderung an Interesse, die wir im Juni-Hefte der bekannten amerikanischen Monatsschrift „Israel" finden und worin die verschiedenen, die jüdische Bevölkerung betreffenden Fragen einer Betrachtung unterzogen werden. Zunächst wird die Frage aufgeworfen : I st der Antisemitismus in den Bereinigten Staaten im Wachsen begriffen? Diese Frage besprechend, bemerkt das Blatt: Die jüdische Bevölkerung New-Porks ist größer, als die irgend einer anderen Stadt. ans der Erde, ein Factum, das übrigens schon seit 10 Jahren bekannt ist. Die Zahl der Inden New-Porks beträgt über 400.000 oder mehr als ein Neuntel der Gesammt- Levölkerung. Obzwar nicht aus officiellen Zählungen beruhend, dürfte diese Zahl Anspruch ans Genauigkeit machen. Sie basiert auf einer von Dr. S. A. I s a ac s bergsstellten Statistik, die allgemein als richtig anerkannt wird. Dr. I s a a c s beziffert die Zahl aller in den Vereinigten Staaten lebenden Inden auf 1,200.000 oder 2% der Gesammtbevölkerung, so dass also auf die Stadt New-Pork ein volles Drittel kommt. Dabei ist die Bevölkerung stetig im Wachsen begriffen. Die Zahl der jüdischen Einwanderer, welche jährlich allein im Hafen von New-Pork landen, beträgt mehr als 100.000, deren weitaus größter Theil auch hier verbleibt. Die Majorität kommt aus Galizien. Das Minus der Wintermonate wurde durch das Plus der letzten drei Monate mehr wie ausgeglichen: wenn die officiellen Zahlen cs nicht bestätigten, man würde es für übertrieben halten: 80 0 0 betrug die Durchschnittszahl der letzten Monate n u r ans Galizien, und dabei liegen den Hasenbehörden bereits Consulatsberichte aus allen österreichischen Kronländern vor, dass die Zahl der Auswanderer im laufenden Jahre, sich "her noch weiter vergrößern als verringern werde. Hingegen nimmt die Einwanderung aus Russland beständig ab. Unter den Juden New-Porks findet man alle Nationalitäten vertreten, und wenn man die Judenquartiere besucht, bört man alle möglichen. Sprachen und Dialecte — vorzugsweise natürlich den „Jargon". Die meisten arbeiten für größere Confectionsgeschäfte nach dem sogenannten S ch w i tz s y st e m. Ihre Werkstätten — zugleich Wohnungen — befinden sich in den großen Familieuhäusern — sogenannten Tenementhäusern — dort leben sie — wenn man das leben nennen kann. Lohnsclaverei wäre der richtige Ausdruck. In einem aber fühlen sie sich erhaben über die reicheren Glaubensgenossen: in Bezug auf ihre ausgesprochene Religiosität. Alle diese armen, schwer arbeitenden und abgehetzten Juden gehören zur Orthodoxie und benutzen jede freie Almute zum Talmudstudium. Von ihrem mageren Verdienste erübrigen sie noch für die Erhaltung ihrer Gotteshäuser und zur Salarieru ig eines Rabbiners. Man darf rnhig behaupten, dass der weitaus größte Theil dieser armen Juden hier kaum besser daran ist, als in der Heimat. Aber sie fühlen sich hier wenigstens als Menschen und haben begründete Hoffnung aus bessere Zeiten. Denn, eines ist zweifellos: ein großer Theil der New-Aorker Juden kommt zu gewissem Wohlstand, und zwar verhältnismäßig schneller als, unter gleichen Bedingungen, Nichtjuden. Man braucht nur die Hauptstraßen von Dvwntown (die in der Nähe des Hafens liegenden Straßen des Geschäststheiles in der unteren Stadt) zu besuchen, und man wird unter den tausenden Firmaschildern überwiegend solche mit jüdischen Namen finden. Und durchfliegt man die Niesenspalten der New-Aorker Tagesblätter, so findet mau auch dort die Reclameinserate jüdischer Firmen in der Majorität. Dabei suchen sie ihre Geschäfte, wo immer möglich, in eigenen Häusern mtterznbringen, wie sie auch überflüssige Capitalien meistentheils in Grundstücken anlegen, obgleich der Zinsfuß ein relativ niedriger ist. Der Gewinn an der Steigerung der Grundwerte entschädigt sie dafür. Äon außen ziemlich einfach, sind die jüdischen Gotteshäuser im Innern von ausgesuchter Pracht und Schönheit, namentlich der bekannte Tempel Emanuel in der 5. Avenue dürste in dieser Beziehung unerreicht dastehen. Die Gemeinde ist auch eine der reichsten in ganz Amerika — vielleicht auf der Erde. Von den unzähligen Theatern in der Metropole ist mindestens ein halbes Dutzend, in denen jahraus jahrein jüdische Stücke im Jargon aufgefübrt werden. Aber auch in ihren Privatverhältuissen huldigen die Juden New-Porks einer gediegenen Pracht. Äon außen wird man solch einem „Mansion“ es nicht ansehen, welch jüdischem Krösus dasselbe gehört. Lediglich die Vornehmheit des ganzen Stadtviertels — wie z. B. die 5. und Madison-Aveuue in ihrem oberen Theile — sowie die Nähe des New-Uorker Niesenparks, des Centralpark, lässt auf die innere Einrichtung schließen. Einige allerdings bieten auch in ihrem Aenßern eine architektonische Sehenswürdigkeit ersten Ranges. — Man kann rnhig sagen, dass ein großer Theil der hiesigen Juden ihre Bestrebungen von R e i ch t h u m u n d Erfolg gekrönt sehen, und darunter befinden sich eine große Zahl solcher, die vor JO—15 Jahren fast ohne einen Cent in der Tasche ans Europa herüberkamen. Geschäftlicher Scharfsinn, Ausdauer und Glück sind die drei Factoren, welche bei den meisten Juden znsammenwirken, um solche Resultate zu zeitigen. Mit Bezug auf die religiöse Seite checken sich die Inden in drei Parteien. Die große Majorität gehört — wie bereits bemerkt — der strengsten Orthodoxie an. Daun kommen die bereits amerikanisierten, der „Reform" huldigend, und schließlich eine klcine Minorität, Anhänger der sogenannten „Ethischen : Cultnr". Außer diesen aber gibt es noch tausende, die sich ' rühmen, Atheisten zu sein. Sie verspotten Rabbiner, Synagogen,! Gebetbücher und alle jüdischen Traditionen und Gebräuche. Und doch — so seltsam es auch klingt — selbst bei diesen kommt es vor, dass sie ihr ererbtes Jndenthum nicht ganz verleugnen. Unter 100 Fällen wird in 00 der Vater eines neugeborenen Knaben znm Rabbi eilen, um denselben zur Brismilah einznladen und sich seinen Rath wegen des Mohel zu erbitten. Derartige Bemerkungen kann man täglich machen. Viele, die äußerlich über manches spötteln, thnn es mehr ans Renommisterei; innerlich fühlen sie sich doch als Juden. In der Politik spielen die New-Porker Juden eine Hauptrolle, nicht minder in der Finanzwelt, Advocatiir, im Beamtenthum, Handel und Industrie; überhaupt stehen sie in fast allen Theilen des öffentlichen Lebens in erster Reihe. Ihr Einfluss ist umso größer, als ihre b e s o u d e r e u und unbestrittenen Fähigkeiten von aller Welt anerkannt werden. Dass mm trotz, oder besser gesagt, wegen all dieser Umstände der Antisemitismus auch im freien Amerika sich breit zu machen beginnt, ist eine Thatsache, die nicht mehr zu lengrien ist. Nicht wenige der armen Inden der Ostseite müssen täglich bei der Polizei Schutz suchen gegen die sie chicanierenden oder verfolgenden „.Jew-Caiters“, wie man hier die Hetzer benennt. Dieses aus der niedrigsten Classe der Ro\v<lies, meist Irländern, sich recrntierende Gesindel ist übrigens auch bei anderen Gelegenheiten stets bei der Hand, um Unfug zu treiben, Natürlich haben dis armen Juden, Hausierer, Marktweiber rc. am meisten von diesen Faullenzern zu leiden. Es ist eben ein Gesindel der allerschlimmsten Sorte, wie es jede Großstadt und namentlich jede Hafenstadt in Massen in den engen Gassen und Schlupfwinkeln birgt, und nicht der Antisemitismus allein ist es, wovon es lebt. Die Gerichte gehen übrigens in der allerschürfsten Weise dagegen vor, weil die Fälle sich jeden Tag mehr häufen und manche Polizei- und Bezirksgerichte kaum andere Fälle zu erledigen haben. Hier also würde die Polizei ein verhältnismäßig leichtes Spiel haben. Aber auch in anderen, sogenannten besseren Kreisen kommt der Judenhass zum Vorschein, und dort ist die Sachlage schon ernster zu nehmen. Endlich aber lind vornehmlich in den „Arbeiter-Bereinigungen" und den verschiedenen sogenannten Tradcs-Unions, das sind die organisierten Arbeiterschaften. Dort sind die jüdischen Arbeiter deshalb gehasst, weil sie „unter dem Tarif" arbeiten. Auch um die officielle Arbeitszeit kümmern sie sich nicht, wie um noch manches andere, was die „Vereinigungen" ihren Mitgliedern vorschreiben. — Wie im gesellschaftlichen Leben, so auch in geschäftlicher Hinsicht accomodieren sich die von Europa übersiedelten Juden nur sehr schwer den hiesigen Sitten und Gebräuchen, und dadurch mache» sie sich verhasst. Ja, so groß ist das Vornrtheil gegen die Juden, dass vor den Geschworenen-Gerichten die Fälle sich häufen, wo nichtjüdische Geschworene sich vom Dienst entbinden lassen, mit der Erklärung, sie wären nicht i mstände, vor urt Heilslos g e g e n I u d e n zu entscheiden. Diese wenigen Fülle illustrieren schon zur Genüge, wieso und wodurch der Antisemitismus ckn relativ kurzer Zeit derart anwachsen konnte. Und dabei gehören die Juden New-)chorks zu den friedliebendsten Menschen, die nian sich denken kann. Sie sind nüchtern, sparsam und zählen zu den religiösen Elementen, letzteres Factum darf, wie in England, so auch in Amerika, nicht übersehen werden. Zank, Streit und Körperverletzung kommen nur sehr selten bei ihnen vor, hingegen sind Betrug. Fälschung, Schmuggel rc. schon öfters zu treffen. Im allgemeinen stehen die jüdischen Kaufleute New-Uvrks in ebenso hoher Achtung bei aller Welt wie die nichtjüdischen. Der letzte Mayor von New-Uork, Mr. Strong, der Chef eines der größten amerikanischen Mannfactnrwaren Geschäfte, ließ sich jüngst in öffentlicher Versammlung dahin aus, dass unter den Hunderten seiner Mischen Kunden er kaum jemals einen Verlust zu erleiden hatte. Und noch eines darf nie vergessen werden, wenn von den New-Ivrker Juden die Rede ist: Es sind ihre ebenso zahlreichen wie aufs beste dotierten Wvhlthätigkeits- Anst alten, ihre technischen und Handelsschulen, ihre Lesesäle und Bibliotheken, die aller Welt offenstehen. Von jüdischen Tagesblättern erscheinen drei mit hebräischen Buchstaben im Jargon, ebenso eine große Anzahl Wochenschriften in englischer Sprache. Im allgemeinen kann gesagt werdeil, dass die 400.000 in New-Pork lebenden Juden mit aller Welt sich gut stehen. Hie und da kommt es vor, dass allzu eifrige Missionäre in den Judenquartieren Bekehrungen vorzunehmen suchen, und dann allerdings wird ihnen meist eine „böse Viertelstunde" bereitet. Auch gibt es unter den Chassidim einige Rabbis, die Hass gegen Nichtjndeu predigen. Aber die tveitere Außenwelt erfährt davon selten etwas, es bleibt in der Regel innerhalb des New- Pvrker Ghettos. Die befonueneren jüdischen Elemente verwerfen alle derartigen Manifestationen, und es darf ruhig behauptet werden, dass, wenn auch die Judenfrage in New-Mrk mehr mid mehr an Wichtigkeit zunimnit, irgendwelche e r n st e r e Störungen uirter den verschiedenen Bevölkerungsclassen dadurch nicht entstehen werdeil. Sophia. (Antisemitismus.) In Bur gas ist eine neue antisemitische Zeitung, „Gvlgotha", gegründet worden, welche den Antisemitismus durch allerlei niederträchtige Lügen wie Blutmärchen u. s. w. schürt. Der Antisemitismus nimmt hierzulande immer größere Dimensionen an. Bukarest. Wie sich allmählich heraus stellt, sind die Excesse gegen die Juden in Jassy von langer Hand vorbereitet worden. Es steht nur nicht fest, vb die Liberalen oder die Cvnservativen die eigentlichen Anstifter gewesen sind. Von den Liberalen weiß man, dass das eben gefallene Ministerium Stvnrdza, welches ihrer Partei angehörte, den „Patriotismus" in jeder Weise protegierte. Von den Conservativen weiß mall, dass der gegenwärtige Minister der öffentlichen Arbeiten, Dr. Jstrati, Präsident der geheimen autisenlitischen Liga ist. Wie man sieht, kommt für die Inden nichts dabei heraus, vb Liberale oder Conservative am Ruder sind, beide Parteien sind gleich antisemitisch. Gegenwärtig haben allerdings die Conservativen ein Interesse daran, die Schuld den Liberalen in die Schuhe zu schieben, und man erfährt daher ans den Ergebnissen der Untersuchung allerlei erbauliche Dinge über die betheiligten liberalen Beamten. Das Erbaulichste dürfte sein, dass der Präfect von Jassy und der Polizeipräfect jeder Geldbeiträge zu dem Fonds geleistet haben, der gesammelt wurde, um die Excesse zu veranstalten. Man brachte nämlich eine Summe von 15.000 Francs zusammen und warb damit eine Knüppelgarde, der man mit allerlei Versprechungen und mit Hilfe des genügenden Quantums Schnaps den Math einflößte, über die Inden herzufallen und sich sogar der einschreitendeu Polizei zu widersetzen. Nach einer sehr niedrig gegriffenen Zählung haben die Excedenten folgenden Schaden angerichtet: 217 jüdische Wohnhäuser und 84 Läden sind total ausgeplündert und verwüstet. Drei Synagogen sind zerstört, die Gesetzesrollen zerrissen und aller Schmuck und alles Silber gestohlen. Eine große Anzahl von Inden sind körperlich angegriffen worden, einige darunter so schwer verletzt, dass man an ihrem Aufkommen zweifelt. Man behauptet, dass unter den Tnmnltttanten, abgesehen von den Professoren und Studenten der Universität, Lehrer und Geistliche sich befunden haben, ja die Untersuchung soll sogar ergeben haben, dass mindestens 00 Soldaten in der Verkleidung als Bürger und Bauern an den Excessen theilgenommen. Auch in der Provinz haben Jndenexcesse, wenn auch von geringerer Bedeutung, stattgefundeu' So in Galatz, Verlad, Piatra, Bozen Braila und Plojesti. Man kann begreifen,- dass unter solchen Umständen unsere Glaubensgenossen wieder eine Massenanswanderung planen. Es heißt, dass 1000, andere sagen sogar 2000 Familien ans der Moldau nach Amerika answandern wollen, und dass bereits die ersten Schritte für eine derartige Emigration unternommen sind. — (Sitte Blntbeschuldigung hat auch in der letzten Z'it in Rnmänien eine böse Rolle gespielt. Der Process kam am 19. Mai vor dem Gerichte zu Hushi zur Verhandlung und endigte mit der Freisprechung des angeklagten Inden. Märcn B nt na rin, ein Weinschänker, war angeklagt, vor Ostern dem Kinde des Jonitza Fabacaru Blut abgezapft zu haben. Durch christliche Zeugen wurde constatiert, dass der besagte Fabacaru mit seinem Kinde an dem fraglichen Tage bei Butnariu solange getrunken habe, bis sie beide vollkominsn bewusstlos unter dem Tische gelegen haben. Alle Zeugen haben bestätigt, dass das Kind keine Spur einer Wunde aufwies. Die eigene Mutter hat ansgesagt, dass das Kiitd sittulvs betrunken war und am anderen Tage nur über Leibschmerzen I geklagt habe. Trotz dieser Aussagen besaß der Staatsanwalt Jonescu-Dolj die Dreistigkeit, die Klage aufrecht zu erhalten mit der Behauptung, es existiere unter den Juden eine Secte, die Christenblut brauche. Zum Beweise berief er sich ans die Bücher von Drumont und auf die Schrift des getauften Juden Neofit ans dem Jahre 1809. Der Bertheidiger N. M. Eis man hat eitergisch diese Behauptungen bekämpft und mit seiner Darlegung des wahren Sachverhaltes ist es ihm auch gelungen,« die Freisprechung zu erzielen. Das Charakteristische undzugleichScandalösean diesem Processe ist aber, dass ein Staatsanwalt, der berufene Vertreter der Gerechtigkeit, das hundertmal widerlegte Märchen vom Ritualmord ausbettten kann. St. Petersburg. Allmählich werden Nachrichten bekannt, aus denen hervorgeht, dass in einer ganzen Anzahl von kleinen Orten der südruffischen Plätze eine starke Gährung gegett die Jttden vorhanden ist. In ll turnt, im Gouvernement Kieff drohte am 28. Mai ebenfalls ein Jndenexcess, der nur durch die entschlossene Haltung der Polizei und das sofortige Einschreiten des Militärs im Keime erstickt wurde. Ebenso muss in Berevnigavatoje im Gouvernement Cherson das dort seit Wochen stationierte Militär noch verbleiben, weil mau in dem Dorfe und in seiner Umgebung ein neues Aufleben der Judettschlägereien befürchtet. Auch in Nowopraga bedrohten die Bauern die Inden, so dass diese sich telegraphisch nach Cherson wendeten, um den Gouverneur um seine Hilfe zu bitten. Derselbe sendete einen Beamten, der viele Verhaftungen vornahm. Endlich musste in Kachovka, einer der jüdischen Colonien, Militär stationiert werden, da man eine Revolte der benachbarten Bauern befürchtete. Aus vielen Dörfern dieser Gegend sind die Juden in die Städte geflüchtet. — Die Maigesetze haben dadurch, dass sie die Inden aus den Dörfern vertrieben, den Wollhandel in Südrusslattd schwer getroffen. Die Bauern und Gutsbesitzer, die seitdem für ihre Wolle nicht mehr die früheren Preise erzielen kounteit, haben schon öfter an die Minister petitioniert u ud endlich jetzt die Verfügung dnrchgesetzt, dass überall die Jahrmärkte am 0. und 22. Juni neuen Stiles gehalten werden sollen und an diesen Tagen die Inden überall freien Zutritt zn den Jahrmärkteit haben. Berlin. (V e r b o t e tl e V e r e i n s g r ü tt d tt tt g.) Den deutschnationalen Radfahrerverbaitd, dessen Gründung, gleich dem deutschnationalen Handlungsgehilfeitverband und einzelnen Jngeudbünden, ans a tt t i s e m i t i s ch e tt Kreisen erfolgte, betrachtete die Magdeburger Polizei als politische Bereinigung. Sie stützt sich in dieser Ausfassnng auf den § 0 der Satzungen des Vereines, in welchem als Ziel derselben bezeichnet wird: „Für ein wahres unverfälschtes Dentschthnm eiuzntreten, die Liebe und Begeisterung für Volk uub Vaterland in den Kreisen der Radfahrer zu entflammen", und auf tz 2, in welchem zur Propaganda für die „dentschnativnale Sache" anfgefordert wird. Die Ortsgruppe Magdeburg des Vereines hat infolgedessen ans dem kürzlich in Magdebttrg abgehaltenen Verbandstage den Antrag gestellt, diese Sätze ans dent Statttt zn streichelt, da der Name „dentschnativnal" mtd die vorgeschriebene Abstammttng zur Geitüge besage, was der Verein wolle. Paris. Die Führer der Pariser Spectakelmacher rüsten sich zur Reise nach Rennes, der Stadt, in welcher der letzte Act des Dreyfns-Drainas sich abspielen soll. Rennes ist einer der Hanptplätze des französischen Antisemitismus, und es haben

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.