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Jüdisches Volksblatt · 1899-06-30 · 20 (30.6.1899) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
20 (30.6.1899)
Date
1899-06-30
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 20 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 30. Juni 1809 Seite 3 Fleischmarkt. Der gesammte Auftrieb auf diesem Markte beträgt nach der officiellen Statistik durchschnittlich per Woche 4500 Stück Großvieh und sogenanntes Beindlvieh für ganz Wien, das ist für eine Stadt mit nahezu 1 y.2 Millionen Einwohner. Geschlachtet werden per Woche durchschnittlich 1000 Stück, von den Juden aber c o n s n m i e r t nur höchstens 600 Stück. Das kommt daher, dass die Groß-Schlächtereien sich größtentheils im Besitze von Juden besinden, die mehr schlackten lassen, als der Bedarf für Inden ansreicht, einerseits, weil sie als Juden sich nicht nachsagen lassen wollen, dass sie „schlagen", andererseits, weil sie ihre Schächter nicht unbeschäftigt lassen wollen und können. Allein 400 Stück geschlachtetes Großvieh verkaufen die jüdischen Großschächter in der Groß-Markthalle als Nicht-Koscher- Fleisch. Mit Kleinvieh steht die Sache überhaupt anders. Kleinvieh (Kälber) werden für Juden in den fünf Sommermonaten wöchentlich 8OO Stück geschlachtet. Im Winter sinkt dieser Consum auf die Hälfte, und zwar deshalb, weil im Winter nnd Frühlinge für die Hälfte des gesammte» Bedarfes bereis geschlachtete Kälber nach Wien kommen. Man sieht aus diesen vollständig authentischen Daten, dass die wichtigsten Voraussetzungen des geehrten Artikelschreibers falsch sind. Ebenso verhält es sich mit der von ihm als nothwendig angenommenen Zahl von Schächtern. Wien hat heute mindestens 50 Schächter, die alle mehr oder weniger beschäftigt sind. Wollte man diesen Stand vermindern, so könnte das höchstens um 10 sein, wobei es noch sehr fraglich ist, ob man mit 40 Schächtern auch wirklich das Auslangen finden könnte. Und nun zu dem Nefvrmvorschlage selbst, der sich als eine indirecte Steuer, auf das Koscher-Fleisch documentiert. Könnte man die Steuer einführen, ohne das consumierende Publicum, das ja größtentheils den mittleren und ärmeren Schichten angehört, zu treffen, so ließe sich vorerst dagegen nicht viel einwenden. Allein selbst in diesem Falle muss man sich fragen, ob die jüdischen Fleischhauer, welche ja dann die Steuer allein zu tragen hätten, imstande wären, das auszuhalten. Wie die Verhältnisse heute liegen, muss jeder Objective diese Frage rundwegs mit Nein beantworten. Der größte Theil der jüdischen Fleischhauer befindet sich in keineswegs glänzenden Verhältnissen, sie wären einfach gezwungen, das zu werden, was sie früher waren, nänilich Fleischverschleißer und nicht Fleischhauer, also Zwischenhändler und nicht mehr selbständige Gewerbetreibende. Dass dem so ist, gibt ja auch der geehrte orthodoxe Artikelschreiber zu, denn er nimmt von vorneherein an, dass die Steuer das Publicum tragen werde, dass der Preis im Consum sich um 5 kr. per Kilo erhöhen werde. Dagegen aber würde das Publicum sich wehren, und zwar in der ausgiebigsten Weise. Es würde einfach kein Koscher Fleisch mehr kaufen. Das Ende wäre: Der Cultusvorstand hätte aus dieser Steuer keine Einnahme, die jüdischen Fleischhauer wären ruiniert, und die Juden wären gezwungen, bei christlichen Fleischhauern ihren Bedarf zu decken. Der Cultusvorstand muss sich bei der Regelung dieser Frage von Vorneherein mit dem Gedanken vertraut machen, nicht nur keine neue Einnahmsqnelle sich zu schaffen, sondern eventuell sogar ein Opfer zu bringen. In diesem Falle wird die Frage in der kürzesten Zeit zu bestehen aufgehört haben. Denn als weiteres Princip hat der Cultusvorstand lediglich sich an die Frage zu halten: Wie hoch darf der Preis der Schlachtbillette sein, damit 1.. der Fleischpreis im Consum sich nickt erhöhe, 2. die Fleischhauer die Steuer ertragen können, nnd 3. die Cultnsgemcinde ein nicht zu großes Opfer bringe. Der nachstehende Vorschlag dürfte diesen Principien unbedingt gerecht werden: Die Schlachtgebür möge beim Großvieh 50 kr., beim Kalb 10 kr. per Stück betragen. Nach den oben erwähnten, authentischen Ziffern ergibt sich eine jährliche Einnahme von rund 25,000 ff. für Großvieh, von 3000 fl. für Kleinvieh, zusammen rund 28.000 fl. Nimmt man den niedersten Stand von 40 Schächtern an, so ergibt sich ein Schächtergehalt von 700 fl. jährlich. Entschließt sich der Cnltusvorstand, jährlich noch 5000 fl. zu opfern, so erhöht sich das fixe Einkommen der Schächter auf 828 fl. jährlich und stellt sich mit ihren Nebeneinkünften auf 1000—1200 fl. Damit kann man leben. Wir sind überzeugt, dass dieser Vorschlag bei nur einigem guten Willen von allen Seiten acceptiert werden kann, wenigstens von Seite des Publicums und der jüdischen Fleischhauer. Wie sich der verehrliche Cultusvorstand dazu stellen kann und wird, wissen wir nicht. Aber eines wollen wir dem Vorstand denn doch zu bedenken geben. Es will uns und vielen anderen scheinen, dass es in unserer Gemeinde wahrhaftig wichtigere Dinge zu regeln gibt, als diese Frage. Die Wiener jüdische Bevölkerung wartet seit nunmehr drei Jahren auf die bereits versprochene Erweiterung des Wahlrechtes. Noch ist nichts geschehen. Welche Stimmung selbst in den derzeitigenWählerkreisen herrscht, das hat die letzte Wahl gezeigt. Wenn der Cultusvorstand nicht bald sein Wort einlöst, dann mag er sicher sein: Er hat zum längsten in seiner jetzigen Zusammensetzung bestanden." Inland. Das nenerschienene Buch von Dr. Bernfeld enthält viel Material nnd zeigt von wirklichem Interesse des Biographen an der von ihm behandelten Persönlichkeit. Doch scheint es mir, als wenn schon eine zu starke bibliographische Schwüle in diesem Buche vorherrschend wäre. Es wird darin zu viel mit Büchern herumhantiert. Es fehlt der freie, selbstherrschende Ton. Was ist heutigentags aus der jüdischen Wissenschaft geworden? Ein Registrieren von Grabsteinen, eine automatische Beschäftigung mit Tvdten- Und die jüdische Geschichtsschreibung? Eine Geschichte der jüdischen Kirche, die mit der Refvrmbewegnng, mit dem Ansmerzen Zions aus den Gebetbüchern, ins dritte Reick trat-— Stünde ein Rappoport ans seinem Grabe auf, wie würden ihn die jüdischen ... Synagogen, die Referate in den „Vereinen für jüdische Geschichte und Literatur" anekeln. Wie würde er die Achseln zucken- J. M. Wien. Dem soeben erschienenen Berichte der Baron Hirsch-Stiftung entnehmen n>ir, dass die 50 unterstützten Schulen zur Zeit von 7640 Kindern besucht werden. 136 Lehrer und 50 Lehrerinnett unterrichten an diesen Anstalten, ferner noch 52 Lehrer für Hebräisch. Außerdem bestanden in 34 Plätzen Abendclassen für Erwachsene, die von 1007 Personen besucht werden. Der Gesammtaufwand betrug 176.556 fl. Ferner lässt die Stiftung 300 Knaben verschiedene Handwerke erlernen, größtentheils bei Meistern des betreffenden Handwerkes, nur 20 Knaben werden in der sehr primitiven Schlofferschnle in Rzeszow ansgebildet. Auch sind einige galizische Knaben in Ahlem untergebracht, um dort die Landwirtschaft zu erlernen. Auch die neue Stiftung der Baronin Hirsch, welche dieselbe mit einem Capital von 3 Millionen ansgestattet und speciell für Mädchen bestimmt hat, wird demnächst in Kraft treten. Zunächst sollen Haushaltnngs- und Dienstmädchenschnlen geschaffen werden. Floridsdorf. (U n s e r B ü r g e r m e i st e r, der n e u e st e I n d e n g e n o s s e.) Man schreibt uns: Die traurigen Vorkommnisse, welche über die Cassagebarung der hiesigen Feuerwehr zutage kamen — wobei Juden allerdings nicht betheiligt waren — lassen unsere patentierten Ehrlichkeitspächter nicht schlafen. Die christliche Gemeindesparcasse soll, weil Advocat Dr. Naftali Scharr in deren Verwaltnngsrathe sitzt, verjudet sein, und da wird nun mit Verdächtigungen nur so umhergeworfen. Die christliche Bevölkerung habe nun mal kein Vertrauen zu Instituten, an denen Juden nnd Juden- "genossen betheiligt sind. Wenn in der hiesigen Gemeindesparcasse nicht binnen kurzem gründlich aufgeräumt wird, dann wird das christliche Volk sein sauerverdientes Geld christlichen Institutionen zuwenden und — nun kommt die Hauptsache — ihre Darlehen durch christliche Advocaten anderweitig besorgen lassen. Auch gegen unseren Bürgermeister Schwaiger wird gesetzt, weil er den Christlich-Socialen nicht zuwillen ist. Bis jetzt wurde er von ihnen stets in den Himmel gehoben, nun er aber nicht mehr will, wie sie wollen, ist er Judengenosse und wie sonst die schönen Epitaphe lauten. Mährisch-Schönberg. (Antisemiten unter s i ch.) Die Wiener Christlich-Socialen haben das Bestreben, der hier sckon seit längerer Zeit bestehenden deutschnationalen Bewegung Boden abzugewinnen.,, und halten zu diesem Zwecke hier häufig Versammlungen ab, ui denen die Wiener Größen als Redner auftreten. So hatte am vergangenen Sonntag der christlich-sociale Verein wiederum eine Versammlung einberufen, in welcher P r o ch a z k a und Dr. Schlesinger aus Wien Reden hielten. Nach den langathmigen Ausführungen, wie man sie eben bei Herrn Dr. Schlesinger gewohnt ist, kam diese Leuchte der antisemitischen Partei endlich zu dem Resultate, dass an den derzeit in Oesterreich herrschenden Verhältnissen und ganz besonders an der Einführung des § 14 nur — die Juden die Schuld tragen. Mit dieser Erklärung gaben sich die anwesenden Christlich-Socialen und Deutschnationalen auch vollständig zufrieden und die Versammlung fand ungestört ihr Ende. Prag. (Eine T r a u n n g nach a l t j ü d i s ch e m R i t u s.) Eine Trauung nach alijüdischenl Ritus fand diese Woche im Hofe des Lämmel'schen Stiftungshauses in der Geistgasse statt. Die Tranung, zu der sich auch zahlreiche Gäste, sowie zahlreiche Neugierige eingefnnden hatten, wurde im Hofe unter freiem Himmel vollzogen. Die Braut, Fräulein Josefine Löwy aus Prag, war mit dem goldgestickten Decktuche bedeckt, der Bräutigam, Herr Moriz Kurzweil aus Pressburg, hatte die weißen Sterbegewänder angelegt. Herr Oberrabbiner Dr. E h r e n f e l d vollzog den Trauungsact und richtete an das Brautpaar eine ergreifende Ansprache. Seit mehr denn 50 Jahren hat hier keine Trauung nach altjüdischem Ritus stattgefunden. Nachod, 25. Juni. (N a ch o d e r Entschädigungsansprüche.) Die Frage, wer für den den geplünderten Juden anlässlich der jüngsten Excesse zugefügten Schaden verantwortlich ist, will noch immer nicht zur Ruhe kommen. Nach den Begriffen eines gesunden Menschenverstandes, wie nach dem von Recht und Billigkeit glaubte man von vornherein, dass die Gemeinde Nachod zur Schadloshaltung verpflichtet sei, aber bekanntlich hört in Geldsachen die Gemüthlichkeit auf. Das Bezirksgericht hat der Gemeinde ja auch den Gefallen insoferne gethan, als es sich für „nicht competent" erklärte, weil darüber nur die politische Behörde zu bestimmen habe. Diesem Freundschaftsdienst hat nun aber das Königgrätzer Kreisgericht einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht, indem es erklärte, dass nach ß 15 der Staatsgrnndgesetze über die richterliche Gewalt vom 21. Deeember 1807 in allen Fällen, wo über strittige Rechte von Privatpersonen von einer Verwaltungsbehörde entschieden wurde, dass es den hieran Betheiligten offen stehe, Abhilfe im ordentlichen Rechtswege zu suchen. — Nachdem nun das Nachoder Bezirksgericht der Gemeinde die Ermittlung des Schadens auferlegt hat, wird es in den sauren Apfel beißen müssen, ihr auch die B ezahlung zu dictiereu. Zn verwundern ist nur, wie sich in einem solch klaren Falle eine Gemeinde nicht schämt, auch nur eine Minute zu zögern, ihrer verfl.Pflicht und Schuldigkeit nachzukommen. Man klagt bei Brand- und sonstigen Unfällen über die Hartnäckigkeit der Versicherungsgesellschaften, und hier ist es eine Gemeindebehörde, die noch dazu bei einem Gerichte Uttterstütznug findet, wenn auch nur, um den armen Beschädigten das Geld noch ein paar Monate länger zurückzuhalten. —m. Trauteirau, 24. Juni. (Häuslicher Z w i st.) „Trautenauer Wochenblatt" und „Trantenauer Zeitung" liegen sich in den Haaren — bildlich natürlich — aber die Juden werden von beiden brüderlichst und gleichmäßig in den Koth gezogen. Das „Wochenblättchen", so schreibt sein Concurrent, zeigt ein wahrhaft mitleiderregendes Bild jüdisch-liberaler Verrottung, vielmehr aber ordinärster Vernaderung und Niedertracht rc. rc. Die „Zeitung" aber commentiert sich wie folgt: „Wir sind heute genau so gegen allen (Lueger'schen) Dreschflegel- Antisemitismus wie damals, nnd wir missbilligen diesen in dem gleichen Maße, wie beispielsweise die jüdisch-liberale Verrohung, die ihren bewährtesten Vertreter in dem hiesigen, jeden Montag erscheinenden „Pressrcvolver" findet. Wir sind Antisemiten im Sinne des Programmes der deutschvölkischen Partei, wonach der schädliche Einfluss des Jndenthnms auf allen Gebieten des Lebens zu bekämpfen ist. Dabei behaupten tvir aber keineswegs, dass es unter den Inden nicht auch einen kleinen Percentsatz anständiger, ehrlicher Menschen gibt (tvahrhaft rührend, dieses Zngesrä idnis. Red.), al er a!s „Volksgenossen" können wir die Inden nicht anerkennen, nachdem sie ein eigener- Volksstamnt sind. — Vielleicht gibt's irgendwo einen Edison, der einen Riesen-Jsolierschemel erfindet, auf dem alle Deutschvölkischen Böhmens Platz finden können. Dann wäre i h n e n geholfen, den Czechen, und vielleicht auch uns. Lemberg 27. Juni. (Der Statthalter gegen das Börse- und Hazard spiel.) „Bekanntlich hat Statthalter Graf Pininski einen Kampf gegen das in Beamtenkreisen cnltivierte Börse- und Hazardspiel begonnen. Vor einigen Tagen hielt nun dec „Club der politischen Beamten" eine Versammlung ab, in der beschlossen wurde, einen eigenen „Verein zur Bekämpfung des Spieles in jeder Form" zu gründeit. Die Initiative des Statthalters ist gewiss sehr lobenswert, doch kann man leider nicht von ihr sagen, dass sie den Nagel auf den Kopf trifft. Nicht in den Beamtenkreisen allein wird die Spielwutb geschürt, sondern die adeligen Casinos in Lemberg und Krakau sind ihr Herd, und nur lvenige Beamte gehören zu ihren Mitgliedern. Das Kartengeld trägt den Instituten zehnmal größere Einkünfte ein als sämmtliche Einschreibegebüren und Beitrüge ihrer Mitglieder. Dort werden manchmal junge Leute in einer Nacht ruiniert, über sie sollte die administrative Behörde ein wachsames Auge haben, dann hätte das Land einen wirklichen Nutzen. Die blirgerlichen Beamtenkreise jedoch durch die eingeleitete Action als dem Hazardspiel ergeben zu brandmarken und d i e e i g e n tlichen Spielhöllen mit Stillschweigen zu übergehen, nmss als eine Ungerechtigkeit die interessierten Kreise peinlich berühren." — Was da gesagt wird, ist zwar nicht neu und nicht nur in Galizien, sondern in der ganzen „gesitteten" Welt gang und gäbe. Neu ist nur, dass es gerade die christlich-sociale Presse ist, die diese Denunciation mit der ihr eigenen Beflissenheit in die Welt setzt, allen voran das bekannte Wiener Dennnciantenblatt. Wenigstens sind an dem vorliegenden Falle „jüdischer" Gepflogenheit — wie der oft gebrauchte Ausdruck lautet — die Juden unschuldig — und das ist unser Trost. Stanislan. (Berliner Besuch.) Am 23. d. M. inspicierte die hierortige Baron Hirsch-Stiftungsschule Herr Ludwig K o h n, Oberamtmann aus Berlin. Derselbe soll seitens der J.-A.-C.-Gesellschast behufs Berichterstattung über die Stiftungsschnlen wie auch über die Verhältnisse der Juden in Galizien delegiert worden sein. Vorher besuchte Herr K o hn die Baron Hirsch-Schulen im Kolomeaer Bezirke. Von dort aus gratulierte er dem Herrn Dr. M. Fried län der als dem geistigen Schöpfer dieser Schulen zu seinem Werke. Nachdem er auch die hiesige Anstalt besichtigt und dem Unterrichte beigewohnt hatte, äußerte er Folgendes: „Was ich hier gesehen, übertrifft alle meine Erwartungen, ich muss gestehen, dass die Schulstiftnng die einzige ist, die den Intentionen des selige» Baron Hirsch entspricht." Von hier begab sich Herr Kohn nach Boryslaw, um sich über die Lage der jüdischen Arbeiter augenscheinlich zu überzeugen. Salzburg, 24. Juni. (Eine missglückte ch r i st l i ch - s o c i a l e B e r s a m m l u n g) hat das idyllisch gelegene H a l l e i n zu verzeichnen. Darob großer Aerger bei den — Deutschnationalen, die sich auf eine ordentliche „Hetz" vorbereitet hatten. Das „Salzburger Tagblatt" nennt den Dr. Geßmann „einen Juden, der seine christlich-sociale Wuth über die Abgeordneten Schönerer und Wolf ausgießt. Der eine sei aus gekränktem Ergeiz und Eigensinn, der andere zufolge Bestechung mit deutschen Markstücken Hetzer geworden". Ausland Die Indenfrage in Amerika. Wer in den letzten Monaten Gelegenheit hatte, die Aeußerungen der leitenden Tagesblätter über die Vorkommnisse in der großen amerikanischen Republik zu studieren, dem konnte es nicht verborgen bleiben, dass eine Strömung die Oberhand zu gewinnen droht, die mit natnrnothwendiger Bestimmtheit zum ausgesprochensten Antisemitismus führen muss. Die letzte derartige Neuigkeit in dieser Beziehung kommt von einer Seite, die am allerwenigsten ein Recht hätte, judenfeindliche Allüren hervorzukehren; im Gegentheile, sie hätte alle Veranlassung, auf Seite der jüdischen Bevölkerung sich zu stellen, falls von irgend einer Seite ein Angriff auf dieselbe erfolgte. Wir meinen die „New-Aorker Staatszeitung", eines der größten nnd einflussreichsten deutsch-amerikanischen Blätter. Obzwar demokratischen Principien huldigend, scheintAes doch völlig int Fahrwasser der antisemitischen Hetzpresse zn segeln. Es begleitet jedes von Juden begangene Vergehen mit den von dieser Presse gewohnten Commentaren und vergisst niemals — genau wie

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