Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 20 (30.6.1899)
- Date
- 1899-06-30
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 Wien, Freitag Jüdisches Voiksblatl 30. Juni 1809 Nr. 20 beiechtigung oder die Existenzmöglichkeit ist fraglich. Wenn ein Mensch gesund ist, kann sein Leben niemandem eine Frage sein. Ist er tobt, so ist sein Leben gleichfalls keine Frage mehr. Eine Frage kann es nur sein, wenn er wohl lebt, aber in krankhaftem Zustande. Und hier liegt eben der Unterschied zwischen einst und jetzt, zwischen Juden und Judenthmn! Bis zu Ende des vorigen Jahrhunderts war die Möglichkeit einer I u d e n s r ag e ausgeschlossen. Denn in den Augen der anderen Völker waren die Inden bürgerlich und politisch förmlich tobt. Verfolgungen, Confiscationen ihres Hab und Gutes, sowie gänzliche Austreibungen waren von der Gnade oder Ungnade des Herrschers abhängig, und niemand bat mit ihren Rechten gerechnet. Das Judenthum war wieder bei den Juden keine Frage. Das war lebendig uitb gesund. Die Juden in Polen und Nllssland, in jenen Ländern, in denen die Zeituhr wenigstens um ein halbes Jahrhundert gegen die mitteleuropäische Zeit zurücksteht, geben uns heute noch ein Bild der vergangenen Zeit. Der Jude ist verachtet, verfolgt, besitzt keine politischen, keine bürgerlichen Rechte, ist nur eineArtMittel zu gewissen Zwecken, existiert nur eines anderen wegen, doch immer nur in seinem Verhältnisse zur Außenwelt. Rach innen aber lebt er und ist er gesund. Judenthum gibt ihm alles, was dem Juden fehlt. In deinselben Maße, ja vielleicht noch mehr, verachtet er die ganze Welt um ihn, und ist fest überzeugt, dass sein Gott die ganze Welt nur seinetwegen erschaffen und ihm die wahrste Religion gegeben. Sein Gott duldet auch fremde Völker aus der Erde, und er, der Jude, muss bis zu einer bestimmten Zeit dulden und leiden. Er lebt mittlerweile in seiner religiösen Ueberzeugung, in seiner Vergangenheit, und hofft auf eine baldige, große Zukunft, wo er wieder herrschen wird. In seinem Hause, in seiner Synagoge, ist er seines Gottesrechtes sich völlig bewusst, fest überzeugt von seinem Glauben und Denken, und sein Judenthum ist bei ihm sicherlich keine Frage. Fürwahnsinnig würde er den halten, der ihn fragen wollte: Wofür u u b womit b ist Du Jude? Er ist es, weil es sein ganzes Inneres ist, weil er durchdrungen ist, von alledem, durchdrungen von dem Glauben, dass sein Leben, seine Lehre das wahre Gotleswort sei. Wir wollen die Richtigkeit dieser Ueberzeugung nicht untersuchen. Wir constatieren nur. dass die innere Seele der Juden in jener geschwundenen Zeit so beschaffen war, und dass dieser Zustand unter dem Drucke der äußeren Verhältnisse sich zu einer psychologischen Rothwendigkeit herausbildete. Und wenn der Begriff Rationalität ist — die Summe der Vergangenheit vereint mit den Hoffnungen in die Zukunft — so war die jüdische Nationalität bei den Juden jener Zeit lebendig und gesund. Da kommt die neue Zeit. Die allgemeine Aufklärung, der Drang, zu kämpfen für menschliche Rechte, bringt auch die I u d e n r e ch t e in den Kamps. Von nichtjüdischer Seite wird dieser Kampf geführt; geführt im Namen des Menschen und der Menschheit. Die Religion verliert ihren mächtigen Einfluss auf die Entwicklung des bürgerlichen und politischen Lebens, die freiheitlichen Ideen gewinnen die Oberhand, und die Juden s i n d zur Frage geworden: Ihre Existenz wird anerkannt, und ihre Rechte als Menschen und Bürger werden gefordert. Die Juden selb st erwachen gleichfalls. Der Strom der Zeit reißt sie mit, die Aufklärung, die Bildung dringt auch ins Ghetto hinein, die religiöse Frömmigkeit verliert auch hier ihre Strenge, die Juden trachten sich auszubilden, sich zu reformieren, allen anderen sich gleichzustellen, schütteln vieles von sich ab, um zu verdienen die künftigen Rechte, die sie erwarten. Dieser Drang wirkt und bringt ihnen Wahrheit, Aufklärung, die Aufklärung bringt sie zur Assimilation, die Assimilation verleitet sie zur Verwerfung dessen, was Ihnen eigen war, und das I u d e n t h u m wird zur Frage bei den I u d e u s e l b st. So wie jeder kranke Mensch sich immer fragt, tastend mit der Hand: Wo liegt das Herz, wo die Lunge'? — was dein Gesunden gar nicht einfällt — so haben die Juden augefangen zu suchen nach dem Judenthum: Wo liegt das Judenthum? So entwickelte sich eine äußere I u d e n s r a g e ilnd eine innere Frage nach dem I u d e n t h u m. Vom Tage. Unerhörte Frevelthaten der Inden: So lautete die Spitzmarke nachstehender Notiz im „Deutschen Volksblatt" vom 20. d. M. Unerhörte Frevelthaten der Inden. „Aus L e in b e r g wird uns llnterm 2',. d. M. geschrieben: Die hiesigen Juden scheinen es durchaus daraus abzuzieleil, blutige Excesse hervorzurufen. Gestern haben sie hier zwei Schandthateu verübt, welche llnter der christlichen Bevölkerung einen Schrei des Entsetzens hervorgerufen haben. Alls einen katholischen Leichenzug eröfsneten die Juden in der Spitalgasse ein förmliches Steinbombardement. Ein Stein traf den in der Droschke fahrenden Priester im Ornat und schlug ihnl das Gebetbuch aus der Hand. Das ivar beit Juden noch zu wenig, von einem offenen Fenster schütteten sie noch ein Schaffe! mit Abwaschwasser auf die Leidtragenden aus. Die Theilnehmer des Leichenzuges zeigten eine ivahrhaft christliche Demuth, indem sie aus Rücksicht auf den Todten und seine Familie diese Schmach erduldeten. An demselben Tage verübten die Juden eine noch schrecklichere Missethat. Um l l Uhr nachts gieng durch die Alembeckgasse ein Priester mit dem Allerheiligsten zu einem Sterbenden. 9tuf einmal öffnet sich das Fenster im ersten Stockwerke des Hauses Nr. Hi, ein jüdischer Kopf guckt heraus, betrachtet eine Weile den auf dem Versehgange befindlichen Geistlichen und gießt p l ö tz l i ch a u f i h n d e n Inhalt eines ^Nachtgeschirres, worauf das Fenster in aller Eile zugemacht wurde. Ein Polizeiagent wurde in das betreffende Haus beordert, um die Namen jener Leute zu notieren, ivelche die Wohnung mit jenem Fenster inne haben. Die jüdischen Insassen des Hauses waren jedoch bereits auf deu Beinen und stürzten den Polizeiagenten von der Stiege herunter. Eine Abtheilung von zehn Polizeisoldaten wurde nun entsendet und man schritt zur Verhaftung der ganzen jüdischen Familie S t e i n b a ch, ivelche die Wohnung mit jenem Fenster einnimmt. Die Familie besteht ans einem Juden, einer Jüdin und vier jüdischen Bengeln. Die Kunde von diesen schrecklichen Verbrechen versetzt die Gemüther in große Aufregung, und wenn dem schwer beleidigten christlichen Gefühle nicht die volle Genugthuung verschafft wird, kann es leicht zu sehr traurigen Folgen komme n." Auf die Anfrage, die wir sofort an unseren Vertrauensmann in Lemberg richteten, erhielten wir nachstehende Antlvort „Lemberg, 29. Juni 1899. Sehr geehrte Redaction! Die im „Deutschen Volksblatt" vom 26. Juni 1899 Nr. 3764, enthaltene Notiz unter dem Titel „Unerhörte Frevelthaten der Juden" ist dem Lemberger „Dzicnnik polski“ entnommen. Auch das „Slowo polskie“ und der ,,Kurjer lwowski" haben unter Angabe der Quelle diese Nachricht wiederholt. Allein die von den letzteren beiden Blättern nachher unmittelbar bei der Polizeidirection eingehvlten Informationen haben ergeben, dass die betreffende Nachricht vollständig aus der Luft gegriffen ist, da der Polizei von einem solchen Vorfall nichts bekannt ist und in dem bezeichneten Hause eine Familie Steinbach überhaupt nicht wohnt. Der „Dziennik polskie“ sah sich infolge directer Aufforderung des „Slowo polski“ genöthigt, diese Richtigstellung zu wiederholen. ' glaubte sie aber bloß ans den angeblichen Vorfall in der Alembeckgasse einschränken zu sollen, während er die Nachricht über das „Bombardement" in der Spitalgasse aufrecht erhielt, weil es in der genannten Richtigstellung nicht direct geleugnet ivvrden sei. Aus der sehr vagen und allgemeinen Fassung dieser Nachricht ist aber zu entnehmen, dass auch an ihr kein Wort ist, wenigstens ist hier sonst nichts darüber bekannt. Wenn etwas derartiges vorgekvmmen wäre, so würde man — besonders während der aufgeregten Wahlwoche und unter dem Eindrücke des Einzuges von l 8 Inden in den Gemeinderath — es nicht bei Zeitungsnotizen bewenden lassen, sondern die Juden würden es gebüßt haben. Nun ist aber, wie gesagt, außer der Notiz im „Dziennik“ und nach ihm in zwei bis drei Zeitungen nichts darüber gehört lvorden." Die Richtigstellnttg des „Slowo polskie“ und des „Dziennik polski“ hat das „D Lutsche Volksblatt" in gewohnter gesindelhaftcr Gemeinheit unterschlagen. Der Neichthmn der Inden, über den die Herren Schneider c tulti (pianli sich nicht genug den Mund zerreißen können, wird drastisch illustriert durch den Ausweis der Baron Hirsch-Stiftung zur Befördrr mg des Volksschulnnterrichtes in Galizien. Die 50 Volksschulen der Stiftung wurden im ablaufeudeu Schuljahr (1898/99) non 8074 Kindern besucht. Davon mussten bekleidet iverden 5250, d. i. über 65 Percent, mit Schulbüchern und Requisiten versehen 6847, d. i. über 84 Percent, und während der Wintermonate verköstigt 3048 Schüler, d. i. über 37 Percent der gesammten. Wenn mau bedenkt, dass die große Masse der galizischeu Juden ihre Kinder in keine anderen Schulen schickt als in die von Jude n geleiteten Stiftungsschnlen, des ferneren, dass viele der Schulen sich in größeren Städten befinden, wo die Armut naturgemäß nicht so groß ist, wie etwa gleich schon im nächsten Dorfe, dann wird man wohl mit dem größten Grade der Wahrscheinlichkeit annehmen können, dass diese Ziffern ein klares Bild vom „Reichthnm" der galizijchen Juden entwerfen. Darnach sind ni e h r als z w e t Drittel der galizischen Juden nicht i m st a n d e, ihre Kinder zu b e k e i d e n, geschweige denn, sie mit S ch u lbn ch ern oder Requisiten zu versehen, und mehr als e i n D r i t t e l i st nicht in ber Sage, ihren Kindern im Winter ei n Mittagessen zu verabreichen. So sieht es mit dem „Reichthnm" der Inden ans. Die Zustande in der Wiener Cnltusgemeinde. Betrachten wir nun den anderen, offenbar wichtigsten Vorschlag, den der Vorsteher der Orthodoxen macht. Er meint, dass die Wiener Judenschaft lvöchentlich 1000—1200 Stück Großvieh und ebensoviel Kleinvieh consnmiere. Würde man mm Schlachtbillete einführen und zwar per Iffz fl. für das Großvieh und 50 kr. für Kleinvieh, so ergäbe dies ein jährliches Einkommen van 100.000 Gulden. Ziehe man davon das Gehalt für 15 Schächter im Betrage von 30.000 fl. ab, so würden für die Cnltusgemeinde noch immer 70.000 fl. als Ueberschnss bleiben. Allerdings würde sich dadurch der Preis von Koscher-Fleisch um 5 kr. per Kilo erhöhen. Dies die Berechnungen und Vorschläge des geehrten Artikelschreibers. Vom Standpunkie des consnmierenden Publicnms milss gegen diesen Vorschlag aufs atlerentschiedenste Stellung geilvinmen werden. Die Gründe dafür we den wir später entwickeln. Vorerst aber wollen wir zeigen, dass die Voraussetzungen des geehrten Artikelschreibers einfach unrichtig sind, dass sie im Widerspruche stehen mit der officiellen Statistik. In Wien ist einmal in der Woche, am Montage, großer S. I. Nnppoport. „Sie sind im Jrrthnm, liebe Freundin" — so beginnt der achte Brief M. Hess' in „Rom und Jerusalem" — „wenn Sie glauben, nur unsere sogenannten Aufgeklärten hätten sich mit der Cultnr und der Wissenschaft der Zeit vertraut gemacht; unter den frommen Juden dagegen herrschte noch greifbare ägyptische Finsternis, die der Wiedergeburt unserer Nation mindestens ebenso nachtheilig sei, wie der moderne Jndisferentismus. Seitdem ich mich der Sache meines Volkes widme, habe ich, theils durch persönlichen Umgang, theils durch ihre Schriften, fromme Juden kennen gelernt, sowohl der älteren wie jüngeren Generation, besonders der jüngeren, welche keinem Aufgeklärten an wissenschaftlicher und literarischer Bildung nachstehen, dabei aber die nationale Vergangenheit und Zukunft unseres Volkes besser zu würdigen wissen, als jene aufgeklärten Köpfe, welchen der philosophische Geist und der historische Sinn fehlt." — „Das orthodoxe Judenthum hat in England, Frankreich, Italien, Deutschland, Ungarn, Polen und Böhmen so gut seine literarisch - wissenschaftlichen Vertreter, wie das aufgeklärte. Zeitungen, Zeitschriften und gelehrte philosophische Werke werden von unseren frommen Stammesgenossen häufig in der heiligen Sprache unserer Väter herausgegegeben, sie sind durchgängig vom Geiste echter Humanität beseelt, wie die Nation, der sie angehören. Die hebräische Literatur ist in unserem Jahrhundert der nationalen Wiedergeburt, dank den vortrefflichen Arbeiten der Lnzzatto, Rappoport, Frankel, Krochmal u. a., wieder zu neuem Leben erwacht." Ich möchte diesmal bei einer dieser Persönlichkeiten, bei S. I. Rappoport verweilen. Anlass dazu gibt mir ein über ihn neuerschienenes Buch'). Das, was wir gewöhnlich Wissenschaft des Judenthums nennen, datiert erst vom Anfänge unseres Jahrhunderts. Ich ') S. I. Rappoport) seine Zeit, sein Leben und seine wissenschaftliche Thätigkeit, ein Culturbild von Dr. S. Bernfeld. Verlag. „Achiasaf“, Berlin 1899 (hebräisch). möchte fast behaupten, sie verdiente es d a m a l s, so genannt zu werden. In unseren Tagen ist die sogenannte Wissenschaft des Judenthums zu einem Mittel zur Erlangung des Doctorgrades herabgesunken. Was uns am meisten an der jüdischen Wissenschaft interessiert, ist ihre Entstehnng, d. h. ihr Zustand, als noch Persönlichkeiten ersten Ranges sie repräsentierten, zur Zeit, als sie noch nicht ins Seichte, Matte verfiel, sondern das Resultat einer organisch entwickelten, tiefdurchdachten und aufrichtig empfundenen Weltanschauung war. Jene Geister, die an diesem Ban arbeiteten, wussten, wozu sie das thaten, wozu ihr Forschen, Ordnen und Grübeln nothwendig war. Oder viel richtiger, sie brauchten sich nicht mit dem Beantworten all dieser Fragen abznquälen, weil es bei ibnen natürlich war. Rappoport und Lnzzatto wussten, dass sie Söhne eines alten, ehrwürdigen Volkes waren, das seine politische Selbständigkeit wohl verloren, aber nichtsdestoweniger dasselbe Volk geblieben ist und bleiben will. Vom Stolze der Liebe zu ihrem Volke und seiner Sittlichkeit getrieben, suchten sie in ihrer Jugend etwas Näheres über jene großen Geister zu erfahren, die wie „Jenersäulen der Schmerzenskarawane Israels voranzogen in der Wüste des Exils". Sie fanden wenig darüber vor, was ihnen zur Orientierung in diesem Labyrinth dienen konnte. Und nun suchten sie selbst das Versäumte nachzuhvlen. Salomo Jehuda Rappoport wurde am 1. Juni 1790 in Lemberg geboren. Der eultnrelle Stand dieser Epoche ist genügend bekannt, und es ist nicht nothwendig, noch mehr Worte über ihre Charakterisierung zu verlieren. Rappoport starb bekanntlich als Rabbiner in Prag, hatte sein Leben lang mit ökonomischer Roth und Winkelmännern zu kämpfen. Er wurde verfolgt und gehetzt, und trotz alledem sind seine Leistungen auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte hervorragend. In dem Buche Bernfelds befindet sich ein ganzes Capitel über das freundschaftliche Verhältnis zwischen Rapp v - Port und Luzatto (Seite 42—77. Es berührt sympathisch, dass Herr Dr. B e r n f e l d seine einstigen leichtsinnigeil Urtheile über Lnzzatto änderte und ganz warm über die außerordentlich interessante Persönlichkeit L n z z a t to s schreibt. Lnzzatto ist meiner Ansicht nach eine der hellsten und lichtvollsten, ja der glänzendsten Erscheinungen, die das historische Judenthum in unserem Jahrhunderte hervorbrachte. Solche Leute werden immer von den nationalistischen Eintagsfliegen als „Hitzköpfe" bezeichnet. Sogar ein Heiliger und Großer vom Range Ronsseans entzog sich nicht dieses Wortes. Marionetten können nie an Muskeln und Muskelbewegnngen glauben, sie müssten sonst den Glauben an sich selbst verlieren. Es scheint mir, dass Herr Dr. B e r n f e l d, der ganz gewissenhaft das Material zur Anfhellnng der doppelseitigen Beziehungen dieser zwei großen Geister ausammelte, es nicht recht genug beherrscht. Einen Mann wie Lnzzatto, der ganz seiner Lebensanschanung lebte, und so vieles den modernen Juden voraus hatte, konnte jede Kleinigkeit peinlich berühren. Sich-einsam-fühlen ist mit Sensibilität identisch. Rappoport war ein Mann voll ernsten Strebens, tiefen und gesunden historischen Verständnisses. Er war aber mehr Rationalist, ein Gegenpol Lnzzattvs. Rappoport war Jude, weil er Jude war, Lnzzatto war Jude im Resultate, im Resnme. Es wirkt fast überraschend, wie wenig Neues die modernen nationalen Schriftsteller (Mathias Acher ausgeschlossen) uns verkündeten. Nicht nur Moses Hess, der mit dem prophetischen Blicke der Aufrichtigkeit uns das Nationaljudenthum auseinandersetzte und der von Max Nordan und anderen Aposteln buchstäblich ansgebentet wird, sondern auch Rappoport und hauptsächlich Lnzzatto sprachen schon von der puren Unmöglichkeit der Assimilation des jüdischen Volkes. Ihr Nationaljudenthnm ist uns lieber, heiliger und auch aristokratischer, denn das war das volle Selbstbewusstsein der Individualität, ihres Jchs, während das heutige Nationaljudenthum mehr ein znsammengepeitschtes ist. —■ Die Verdienste Rappvpvrts sind schon von solchen cvmpetenten und autoritativen Männern wie Geiger, Graetz, Steinschneider u. a. bewundert worden. Und wie gieng seine Arbeit vor sich. Jmnier in kleinen Nestern vergraben, ohne Bücher und Mittel zum Leben, verfolgt und unsicher... «