Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 19 (23.6.1899)
- Date
- 1899-06-23
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 23. Juni 1890 Nr. 19 nahmen des Spitales stiegen dementsprechend im letzten Jahre auf 315.000 Francs, während die Ansgaben 263.000 Francs erreichten. Paris. (B e r n a r d Lazare.) Die in Paris domiciliereude „Liga der Menschenrechte" hat nach der Berlantbarung des Ürtheiles des Cassationshvfes in der Asfaire D r e y s u s an viele, die in der Sache mitgewirkt haben, Dankesknndgebnugen versendet. L a z a r e richtete an den Präsidenten der Liga ein in der „Aurvre" abgedrucktes offenes Schreiben, in dem er herrorhebt, dass die Liga an so manchen verdienten Mann vergessen habe, wie z. B. an Leblois, F o r z i n e t t i. Mathieu D r e y f n s und schließlich L a z a r e selbst. „Ich gehöre", sagt L a z a r e, „jener Rasse an, die nach Renan zuerst die Idee der Gerechtigkeit in die Welt einführte. Der Glaube an die Herrschaft dieser Gerechtigkeit hat alle meine Glanbensgenossen beseelt seit den Propheten und den armen Dichtern, welche die Psalmen sangen, bis zu jenen, die, wie M a r x und L a s s a l e, die Rechte des Proletariates erstritten . . . Für meine Glaubensgenossen will ich, dass man es erzähle: Der Erste, der sprach, der Erste, der ausstand für den jüdischen Märtyrer, war ein Jude, ein Jude, der in seinem Blut und Fleisch die Leiden fühlte, die der Unschuldige duldete; ein Jude, der wusste, welchem Volke der Parias, der Enterbten, der Unglücklichen er angehörte, und der ans diesem Bewusstsein den Willen schöpfte, zu kämpfen für das Recht und für die Wahrheit." London. Der diesjährige Bericht des Russo-Jewish- Comittees in London ist kürzlich erschienen und wirft ein interessantes Licht auf die mühsame aber unablässige Thätigkeit dieses Comites für die russischen Juden, die in England wohnen. 766 Fälle von Unterstützungsgesnchen wurden theils allein, rheils gemeinsam mit dem Board of Guardians erledigt und dafür ca. 53.000 Mark ausgegeben, während im Vorjahre die gleiche Summe für 584 Fälle verbraucht wurde. Stellungen wurden 210 Personen vermittelt gegen 107 im Vorjahre. Besonders gepflegt wurden die Uuterrichtscourse im Englischen für Erwachsene und für Kinder, deren Besuch eine starke Zunahme auswies. In allen Stunden derselben zusammen waren anwesend: 71.001 Personen gegen 57.684 im Vorjahre. Der Manuel der englischen Sprache, den das Comitö im Jargon hat abfassen lassen, erfreut sich großer Beliebtheit und hat sich sehr nützlich gezeigt. Die Situation in Russland ist nach dem Berichte, ohne dass wesentliche Verschlimmerungen vvrgekommen sind, doch weit davon entfernt, eine ernstliche Besserung zu zeigen. Cypern. Die jüdische Ansiedelung entwickelt sich normal weiter, freilich hat auch sie alle die Schwierigkeiten durchzur machen, mit denen alle landwirtschaftlichen jüdischen An- siedelungeu verbunden sind, ob man sie nun in Palästina, ^Argentinien, Nordamerika oder Cypern anlegt. Nicht alle \ vlönisten sind gewillt die Schwierigkeiten, die der Uebergang r!vn städtischen bis zum ländlichen Leben mit sich bringt, auszityalten. Darum haben von 17 Colonisten 3 das Dorf verlassen, um nach London zurückzukehren. Auf dem Lande von zweien derselben sitzen jetzt Schüler von Mikweh Israel, also gelernte Ackerbauer aus Palästina, der dritte hat sein Terrain verkauft. Die Colonisten klagen, dass 40 Acres Land für jeden zu wenig sind, umsomehr, da nicht alles cultivierbar ist, dennoch bedürfen sie bei der Ernte vieler Hilfskräfte, jeder Colonist muss circa 25 eingeborene Arbeiter engagagieren, aber leider nimmt der zu zahlende Lohn 1 Mark per Mann, 30 Pfennig per Mädchen den besten Theil des Ernteertrages dem Colonisten weg. Die Gerstenernte ist in Quantität wie Qualität schlecht, doch soll der Weizen besser stehen. Eine Mähmaschine ist in England bestellt, doch käme sie zur Gerstenernte zu spät, vielleicht trifft sie rechtzeitig sür die Weizenernte ein. Erfreulich ist, dass hier die Frauen fleißig Mitarbeiten, wenn sie auch sich manchmal nach den Fleischtöpfen Londons zurücksehnen. Sie fabricieren unter anderem Sahnenkäse, der in Nikosia bei den englischen Einwohnern guten Absatz findet. Eine große Unbequemlichkeit war es bisher, dass man kein Fleisch, außer Geflügel, erhalten konnte, jetzt hat man indessen einen Vertrag mit einem Fleischer in Nikosia geschlossen, der einmal die Woche koscher schlachtet. Der bisherige Administrator der Colonie, Mr. Walter, S. Cohen, ist nun nach London znrückgekehrt und die Colonisten werden zu zeigen haben, was sie, ans sich allein angewiesen, leisten können. Hoffentlich haben sie recht gute Erfolge. Melbourne. Wir haben jetzt auch in unserer Colonie eine jüdische Toctorin, Frl. Constanze Ellis, die jetzt ihre Examina beendet hat. Sie hat dieselben übrigens ungewöhnlich gut bestanden, zum Stolze ihrer hiesigen Glaubensgenossen. Philadelphia. Hier hat sich am 9. April eine Scene abgespielt, bei der man sich in das Mittelalter versetzt glaubte. In einem hiesigen Verein der Liberal League fand ein Neligiousdisput statt zwischen vem Rev. Dr. I. E. Smith und dem Rabbiner I. Leonard Berg, bü dem es sich um die Göttlichkeit des Stifters der christlichen Religion handelte, die der eine behauptete, der andere bestritt. Ganz nach mittelalterlichem Muster erklärte der Protestant: Das neue Testament ist in allem die Erfüllung des alten und die Juden können die Göttlichkeit Lhristi nur leugnen, wenn sie sich zu einer riesigen Verschwörung zusammeuthuu, die sich über die ganze Welt erstreckt." Der Rabbiner bestritt dies, befleißigte sich aber eines anständigen Tones, der vortheilhaft von dem seines Gegners abstach, aber sicher hätten beide, Rabbiner und Prediger besseres mit ihrer Zeit anfangen können. Caracas. Auch hier in unserem weltfernen Winkel hat sich endlich eine jüdische Gemeinde gebildet, die erste im Staate Venezuela. Das Verdienst, den Anstoß dazu gegeben und die wenigen Juden unseres Landes in eine Gemeinde vereinigt zu haben, gebürt den Herren Gebr. P a r i e n t e, die ebenso, wie die meisten hier wohnenden Juden aus Marocco stammen. Man hat daher auch die Sepher Torah ans Marocco kommen lassen und den dortigen Ritus angenommen. Die Zustande in der Wiener Cultusgemeinde. Die Artikel, die wir unter diesem Titel zur Beleuchtung der Koscher fleischfrage berichten, haben erfreulicherweise weiteste Beachtung gefunden. Es hat sich in breiten Schichten der jüdischen Bevölkerung, selbst in solchen, die dieser Frage bislang mehr oder weniger gleichgiltig gegenüberstanden, eine Meinung gebildet, die ihren nur kleinsten Ausdruck in den nachstehenden Artikeln und Zuschriften findet. Wir bringen diese Artikel ebenso, wie wir die ersten brachten, weil wir es für ebenso pflichtgemäß als opportun halten, eine Frage, über die das Urtheil der Allgemeinheit noch nicht feststeht, von allen Seiten zu beleuchten, ohne vorerst s e l b st zu derselben Stellung zu nehmen. Die Redaction. Löbliche Redaction! Sie haben in den letzten Nummern Jl.res geschätzten Blattes unter dem Titel: „Die Zustände der Wiener Cultusgemeinde" eine Reihe von Artikeln gebracht, die sich eingehends mit der Regelung der Koscherfleisch-Frage befassten. So gleichgiltig sehr viele Juden dieser Frage an sich gegenüberstehen, so haben doch die erwähnten Artikel infolge der seltsamen Art ihrer Auffassnng bei vielen diese Gleichgiltigkeit verscheucht. Denn die Artikel haben die Sache selbst unr von einer Seite, von der der orthodoxen-jüdischen, beleuchtet. lli.b das geht denn doch nicht! Wir sind Nationaljuden, und achten und schätzen die Ueberlieferuug unserer Väter als nationales Erbe, wir feiern unsere Feste mit Andacht und Begeisterung als nationale Erinnerungstage. Allein deshalb können und dürfen wir, die wir doch die überwiegende Majorität des jüdischen Volkes sind, nicht zulassen, dass uns unter dem Scheine des Rechtes der Wille einer kleinen Minderheit anfoctroyiert werde, der uns den ohnehin so bitteren Kampf ums Dasein noch erschweren soll. Doch ich will nicht länger mit leeren Worten herumwerfen, sondern ans die Sache selbst eingehen, und Punkt für Punkt den Artikel widerlegen. Wenn man die Vorschläge, welche der geehrte Verfasser der Artikel macht, aller langathmigen Zuthaten entkleidet, so ergibt sich Punkt für Punkt Folgendes: Vorerst meint der geehrte Herr, es dürfe der Schiffsynagoge — als Repräsentanz der orthodoxen Gruppe — nicht gewehrt sein, Filialen ihrer, angeblich einzig ritnelleu Fleischbank in allen Bezirken Wiens zu errichten, welche Meinung sich auf die Behauptung, dass die Zahl der Orthodoxen ein Viertel oder ein Drittel aller in Wien lebenden Juden erreiche, stützt. Dies er Forderung könnte ja nun die große Masse der jüdischen Bevölkerung in Wien gleichgiltig gegenüberstehen, wenn sie nur das Fleisch in den „rituellen" Fleischbänken um denselben Preis bekämen wie in den anderen. Allein bei näherer Erwägung wird man auch hier einen anderen Standpunkt einnehmen. Denn welche Folgen würde die Errichtung solcher Filialen haben? Einerseits wäre das ein Misstrauensvotum gegen sämmtliche jüdische Fleischhauer, indem man damit documentiert, dass diese, die doch gesetzlich verpflichtet sind, sowohl rituell zu schächten, als auch Koscherfleisch zu führen, eigentlich gar kein Koscherfleisch haben; anderseits würde man damit indirect eine Pression auf das jüdische Publicum ausüben, nur in diesen Fleischbänken zu kaufen, und den jüdischen Fleischhauern dadurch eine ebenso unnöthige als schädliche Concurreuz schaffen. U n n ö th ig deshalb, weil die jüdische Bevölkerung mit dem Koscherfleisch der jüdischen Fleischhauer ganz zufrieden ist, was ja die einfache Thatsache bezeugt, dass sie es kauft und gerne kauft und schädlich deshalb^ weil es nicht angeht und den Programmen aller modern denkenden Juden widerspricht, einen Zweig des ohnehin schwachen jüdischen Gewerbestandes zu schädigen, während wir ihn doch gerade stärken sollten. Die Orthodoxen haben an ihrer jetzigen Fleischbank vollkommen genug. Denn ihre Zahl beträgt nach genauester Schätzung kaum 10 Percent der jüdischen Bevölkerung. Und wenn Ihnen schon so sehr an der Regelung der Frage ehrlich gelegen ist, so mögen sie vorerst zusehen. ob in ihrer Fleischbank wirklich rituelles Fleisch verkauft wird. Bei Darlegung seiner Reformvorschläge meint der geehrte Verfasser, es möge wie in München die A u fs i ch t über die g e s a m m t e F l e i s ch g e b a h r u n g dem Rabbinate der orthodoxen Religionsgeuossenschaft übergeben werden. Nun besteht vorläufig in Wien keine autonome orthodoxe Neligionsgenossenschaft, und es ist keine Aussicht vorhanden, dass eine solche gesetzlich anerkannt werden dürfte. Allein, selbst wenn sie bestünde, dürfte der Vorstand es wirklich wagen, das freie Selbstbestimmungsrecht der großen Majorität der jüdischen Bevölkerung unter den Willen einer kleinen Minorität zu beugen? Das Wohl und Wehe eines ganzen Standes, den Preis des uothwendigsteu Nahrungsmittels von dem Willen nicht einer Körperschaft, sondern eines einzigen Mannes, des Rabbiners der orthodoxen Gemeinde, abhängig zu machen? Wir glauben, ein Stnrm der Entrüstung würde diesen Vorstand noch schneller hinwegfegen, als ihn die Gunst einer kleinen Clique hinsetzte. Und würde ferners der Vorstand es mit seiner „Würde" vereinbar finden, sich einer ihm gesetzlich zllstehenden Instanz zu berauben, sich freiwillig und vollständig eines Machtbefugnisses zu entäußern? Auch dagegen würden wir uns auf das Entschiedenste verwahren. Denn luir bekämpfen den Cultusvorstand nicht, weil er zuviel, sondern weil er zu wenig Machtbefugnisse hat. Wir würden es nie und nimmer, unter keinen Umständen zulasseu, dass der von uns gewählte Vorstand sich soweit vergesse, einer Minorität die absolute Macht einzuräumen, die Majorität mit indirecten Steuern zu belegen, die bekanntlich ja immer den Armen am schwersten treffen. (Fortsetzung folgt.) Au die verehrliche Redaction des „Jüdischen Volks bl att" Wien. Sehr geehrter Herr R e d a c t e u r! In den drei letzten erschienenen Nummern Ihres sehr geschätzten Blattes, waren Artikel unter dem Titel: „Die Zustände in der Wiener Cultusgemeinde" enthalten, in welchen die Regelung der Koscher-Fleischfrage besprochen wurde. Da die unrichtige Darstellung der Sachlage leicht bei Laien den Glauben erwecken könnte, als wäre in Wien nur in einigen, einer bestimmten Secte gehörenden Fleischbänken, Kvscherfleisch erhältlich, erlaubt sich der gefertigte „Verein der israel. Fleischhauer und Fleischverkäufer in Wien", die Unrichtigkeiten und gänzlich unsachgemäßen Aenßerungeu dieser Artikel richtigzustellen: Schon lange befasst sich der Vorstand der löbl. Israel. Cultusgemeinde in Wien mit der angeblich brennenden Frage, wie man den Koscherfleisch-Berkauf auf andere Bahnen bringen könnte, um, wie wir als sicher aunehmeu, bei dieser Gelegenheit sich einen Bortheil für ihren Säckel zu sichern. Bei der von der löbl. Israel. Wiener Cultusgemeinde veranstalteten Enquete und den darauffolgenden Berathungen mit den Delegierten des Vereines der Israel. Fleischhauer und Fleischverkäufer hat es sich gezeigt, dass auch wir jüdische Fleischhauer mit einer Regelung der Koscherfleisch-Frage nicht nur einverstanden, sondern selbe anch wünschen, ohne jedoch eine neue Steuer dadurch zu schaffen, welche nicht nur schwer auf uns Gewerbetreibenden lasten, sondern auch das arme jüdische Publicum sehr schwer treffen würde. Bis heute ist in Wien kein Mangel an Koscherfleisch gewesen, da bei jedem jüdischen Fleischhauer ohne A u s u a h m e Fleisch von rituell geschächteten Thiereu erhältlich ist und, weil nicht theuerer, auch von demjenigen Theile der jüdischen Bevölkerung gekauft wird, der nicht gerade auf „Koscher" reflectiert. Durch die geringste Vertheuerung des Koscherfleisches oder überhaupt einer Bertheuerung des Fleisches von geschächteten Thiereu, würde dieses Publicum seinen Bedarf dort decken, wo es diese für ihn überflüssige Steuer nicht bezahlen muss. Es war daher von der löbl. Israel. Cultusgemeinde in Wien durchaus gerechtfertigt und eine Erfüllung ihrer Pflicht, den ohnehin hart bedrängten jüdischen Gewerbetreibenden ihren Schutz zu gewähren, die Regelung dieser Frage so in Angriff zu nehmen, dass nicht durch Ertheilung von Concessionen an eine bestimmte Secte eine neue empfindliche Schädigung sowohl der Fleischhauer wie des Publicums heraufbeschworen werde. Wir wollen und kommen auch sowohl dem Wunsche der löbl. Israel. Cultusgemeinde in Wien als auch dem unserer geehrten Kunden in jeder Richtilug gerne entgegen, jedoch darf die Regelung dieser Frage unser Gewerbe in gar keiner Weise schädigen. Wie wir uns die Regelung der Koscherfleisch-Frage vorstellen, damit den Wünschen Aller Rechnung getragen werde, haben die Delegierten des Vereines der Israel. Fleischhauer bei der Conferenz mit dem löbl. Vorstände der Wiener Israel. Cultusgemeinde genügend dargelegt und kann jeder ans dem damals geführten Protokolle die einzig richtige Lösung dieser Frage erfahren. Auf diese Weise, wie der geehrte in Dunkel gehüllte Artikelschreiber und Ni cht sachverständige seine nnfachgemäßen und gänzlich aus der Luft gegriffenen Ansichten und Daten kundgibt, würden einzelne orthodoxe Schächter und einzelne orthodoxe Fleischverschleißinhaber Nutzen ziehen, ohne hierdurch den richtigen Zweck im geringsten Maße zu erreichen, ja es müssten ungesunde Zustände entstehen, welche gerade die Angelegenheit nur noch verwickelter gestalten würden. Auch wären nahezu hundert jüdische Familienväter, nämlich die jüdischen Schächter, in ihrer Existenz bedroht. Es geht doch nicht an und darf nicht gestattet sein, zugunsten eines Orthodoxen-Vereines, dem nur eine verschwindend kleine Mitgliederanzahl angehörte, eine Lage zu schaffen, durch welche viele um ihre Existenz ringende Gewerbetreibende tief geschädigt und in ihrem Bestände bedroht werden, was mir eine unnütze, aber gerechtfertigte Erbitterung Hervorrufen rvürde! Indem wir überzeugt sind, dass auch Ihr sehr geschätztes Blatt, nicht eine gewisse Secte, sondern das jüdische Volk zu vertreten sich zur Aufgabe stellte, danken wir bestens für die Veröffentlichung dieser Zeilen und zeichnen rc. Für den Vorstand des „Vereines der Israel. Fleischhaner und Fleischverkäufer in Wien." S i e g m u u d K o r n m e h l G o t t l i e b H e r r tu et n in Schriftführer. Obmann. Die Judenschasl ans der Erde. Von Dr. E. H. 1. Schon in der letzten Zeit des Bestandes eines jüdischen Staates gab es eine weitverzweigte Diaspora; seit dem endgiltigeu Verluste der politischen Selbständigkeit — ich sage mit Absicht: der politische», nicht: der nationalen, denn diese kann nicht geraubt werden, solange ein Volk sich nicht selbst aufgibt, — ward die Zerstreuung das Los der gesammten Judenschaft. Verschiedene Verhältnisse brachten zu allen Zeiten Schwankungen in der Ansiedlung unserer Glaubensgenossett hervor; religiöse und nationale Verfolgungen, Fragen der materiellen Existenz durchbrachen gar oft die Stabilität derselben, und doch ist die Sicherheit und Dauer des Aufenthaltes so wichtig für das Gedeihen und Wohlergehen des Einzelnen wie eines Volkes. Witt mau die Vertheiluug der Juden auf der ganzen Erde, wie sie heute vorliegt, statistisch feststellen, so stößt man auf große Schwierigkeiten, die einerseits in der mangelhaften oder gänzlich fehlenden zisfermäßigeu Darstellung der wichtigsten