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Jüdisches Volksblatt · 1899-06-23 · 19 (23.6.1899) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
19 (23.6.1899)
Date
1899-06-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 19 Wien, Freitag JCulisehes Volksblalt Nb J’.üii IS99 Seite 9 schoben wird. Ein Redner bemerkte in seiner Philippika gegen die Partei Wolf Folgendes: Es wäre hoch an der Zeit, dass unsere Nationalen, anstatt über die Christlich-Sociale», bei jeder nur denkbaren Gelegenheit zn schin psen, endlich daran denken würden, ihr Stadtregiment zu den dringendsten socialen Reformen zn gebrauchen. Ta geschieht aber nichts, da ist alles todt. Wie ticftranrig die Lage vieler Arbeiterkalegvrien ist und wie wenig Befähigung die Grazer Stadtväter zur Svcialrefvrm haben, beweist eine Versammlung von Grazer Gcmeindearbeitern, die Sonntag hier tagte. Der Referent schilderte die geradezu schauerlichen Lvhnverhältnisse bei den von der Evmmnne angestellten Arbeitein. Ter Lohn beträgt für gewöhnliche Taglvhner 74 Kreuzer, für Anfseher 1 Gulden. Die Arbeiter haben tvied erholt um Ausbesserung petitioniert, aber umsonst. Ein weiterer Evmmentar ist wohl überflüssig. Polna, 18. Juni. (R i t n a lm o r d - M ä r ch e u.) Vergangenen Mittwoch hat der Untersuchungsrichter, Landesgerichtsrath Otto B a u d r i ch in Kuttcuberg die strafgerichtliche Untersuchung, welche gegen Ludwig Hülsner wegen des Verdachtes, die Anezka Hruza aus, Klein-Vernic bei Polna ermordet zu haben, durchgesührt lvurde, nach siebenwöchentlicher Dauer beendet. Die Acten sind bereits der Siaatsanwaltsehast behufs Autragstelluug und Ausarbeitung der Klage abgetreten worden. Tie Verhandlung gegen Hülsner wird im Arigust in Kutteuberg siattfindeu. — Ta H ü l s n e r Jude ist, lvurde anlässlich dieses Falles bekanntlich viel von einem sogenannten Ritualmorde gesprochen. Wie es sich hiermit verhält, lässt sich vorläufig (sic!!) in keiner Weise bestimmen. Hülsner, eiir schlecht bcleurnundetcs Snbjcct, wurde aber sofort von der jüdischen Presse eifrig in Schuh genommen und dürste in derselben auch anlässlich der Verhandlung der Ank.age gegen ihn begeisterte Vertheidiger finden — wie die gef am mte antisemitische Presse in rührender Uebereiustimmnng schreibt. Dass sich das „Jn-Schutz-uehmen" lediglich auf die U n t e r st e l l il n g des R i t n a l m v r d e s bezieht, lvird natürlich verschwiegen, und dass die antisemitische Presse schon ganz bestimmt weiß, dass der Staatsanwalt die Klage ans Mord auch erheben wird, ist ebenfalls recht bezeichnend. Ncch bezeichnender aber ist eine Notiz der „Egerer Nachr." vom 17. d. M., worin sie das „Deutsche Volksblatt" sogar noch übertrumpften. Sie schreiben nämlich: Ter „Blutmord" in Polna an der Agnes Hruza scheint einen überraschenden Verlauf zu nehmen. Der verhaftete Jude Leopold H ü l s n e r soll nicht allein diese That gestanden, sondern auch bekannt haben, im vorigen Jahre znm Passahfeste ein anderes Mädchen ermordet zu haben. Als Mitschuldige werden ein jüdischer Schächter und Rabbiner genannt. „Nichts Gewisses weiß man nicht". Aber wir fürchten sehr, es gibt eine zweite Auflage Tisza-Eszlar, woran die ofsiciöse Presse jedenfalls nicht ganz unschuldig wäre. Bndweis. (Israelitische Cultnsgemeinde.) In den Vorstand der israelitischen Cultnsgemeinde tvurden gewählt: Aus dem bitten Wahlkörper die Herren Ignaz Fautl, Sigmund Ferda, Heinrich Fischer, Dr. I. Kohn; ans dem zweitenWahlkörPer Ludwig Lederer, Alex Koppert, Salvmon Stern, Alfred Taussig; aus dem ersten Wahlkörper Samuel Ehrlich, Dr. Josef Freiend, Victor Fürth, Otto Ullmaun. Die Coustituierung des neugewählten Vorstandes erfolgt Mitte September nach Ablauf der dreijährigen Functionsdauer des gegenwärtigen Vorstandes. Lemberg. (G e m e i n d e r a t h s w a h l e n.) Die soeben endgiltig dnrchgeführten Wahlen des hundertköpfigen Gemeinderathes unserer Landeshauptstadt forderten das Resultat von zusammen achtzehn jüdischen Mitgliedern für diese Körperschaft zu Tage. Wer nun glaubt, dieses Ergebnis wäre glatt und leichter Dinge zustande gekommen, der täuscht sich bitter; vielmehr erheischte das Zustandekommen desselben vielfache anstrengende Arbeit, verbunden mit aufopfernder Thütigkeit seitens der jüdischen Wählerschaft. — Das „äußere Bild" unserer nunmehrigen Stadtrepräsentanz dürfte unserer jüdischen Bürgerschaft mit Hinweis auf das Achtzehn-Männer-Resultat insofern befriedigend erscheinen, als besonders deren „einmüthiges Zusammengehen" diesmal quasi von Erfolg gekrönt war. — Jndess muss die Sache, voin ernsteren ökonomisch-praktischen Gesichtspunkte betrachtet, in einem minder günstigen Lichte erscheinen, zumal alles auch noch seine Kehrseite hat. Es werden nämlich aus eingeweihten bürgerlich-jüdischen Kreisen, sowie von Seiten derer, die Gelegenheit haben, mit denr Stadtmagistrate öfters in Berührung zn kommen, über das „Gebühren der jüdischen Gemeinderäthe" vielerlei Klagen laut. — Man wirft ihnen unter anderem vor: Ueberhebnng, Verschlossenheit, hohes verclansuliertes Diplomatenthnm-Spielen, sobald es gilt, jüdischerseits irgendwie ihre Verwendung und Einsetzung in Anspruch zu nehmen, Klagen, die leider nicht ganz ohne Grund sind. Der schwerste aller Borwürfe ist jedoch — allerdings trifft er nicht bei allen Herren zu — Mangel an Ernst und Wille zur Vertretung der Interessen der jüdischen Steuerzahler, und, was alles übersteigt, das Nichteinhalten von „Versprechungen" jüdischen Parteien gegenüber. — Eingeweihte behaupten mit aller Entschiedenheit, dass man Vorstellungen beim Stadtamte in ehrlichen bantechnischen und gewerblichen Angelegenheiten nur mit Zuhilfenahme christlicher Gemeinderäthe dnrchznsetzeu pflege, ja es behaupten sogar solcher Räthe, die ans rein antisemitischen Kreisen bervorgegangen sind, dass man sich an die jüdischen Gemeinderäthe nur sehr ungern wendet, weil man daselbst auf Entmnthignng und Erfolglosigkeit stößt! — Es ist wohl traurig, aber wahr! Die neu eintretenden Gemeinde- Väter mögen sich daher stets vor Augen halten, dass ihre Wahl nur durch Aufgebot allseitiger Bemühungen bewirkt wurde, dass die Herren nicht' als Nepräsentationöstücke, auch nicht zur Berlretnng eminent jüdischer Fragen, die dorthin gar nicht gehören, in die Gemeindestnbe entsendet werden. Sie wurden einzig und allein nur zu dem Zwecke von ihren Glaubensgenossen auserkoren, uni deren materielle Interessen, die ohnehin unter dem Drucke der schweren ökonomischen Verhältnisse und dem Bopcolt zn leiden haben, physisch zn vertreten und deren Rechte in Schutz zn nehmen. Mögen die Herren, eingedenk dieser Facta, ihren Brüdern jederzeit ein offenes O b r schenken, und sich ihren gerechten Wünschen unter keinen Umständen entziehen, dann, erst dann werden sie ihrer Mandate vom höheren hnmanitären Standpunkte würdig sein! Unserem ehrwürdigen Rabbinaie erlauben wir uns zu empfehlen, der Heilighaltung des Samstags und insbesondere der Förderung des jüdischen Wissens unter der breiten Bvlksmasse unserer großen Gemeinde mehr Sorgfalt znznlvendcir als den Wahlen! Auf dem Gebiete der jüdischen Bolkserziehnng ist wahrlich noch so vieles zn verbessern und nachznholen, dass es kaum etwas Edleres und Wichtigeres für ein Großrabbinat überhaupt geben könnte. — Tie Beeinflussung der Wahlen, wenngleich gut gemeint, bringt das Nabbinat in eine schiefe Stellung und trägt zur Herabsetzung des Ansehens desselben bei. f —r. Lemberg. (E i n C nlt nrb il d ans „Oesterreich i sch - A s i e n".) .,<Uo8 1 'rzoniyski“ berichtet folgende empörende Facten: Kanin 4 Wochen sitzt Herr P i e t r n s k i ans dem Bezirkshauptmannsstuhl in M o s c i s k a, und schon hat er solche Hcldenthatcn vollbracht, dass er sich kühn mit Herrn H a l c c k i messen kann. Ans Przemyslany, wo er die Funetionen eines .Bezirkscvnnnissärs verrichtete, wurde er nach Mvseiska versetzt. Dieses augenscheinliche Glückskind zählt kaum 30 Jahre, und im Bewusstsein seiner vollen Freiheit, in der er feine Znchtruthe, des Vormundes zn fürchten hat, hüpft er übermiithig wie ein wilder Esel, und vollbringt Missbrauche, die ein russischer Czynownik ans dem tiefsten Sibirien nicht wagen möchte. Ta kaufte nämlich die Köchin dieses Allgewaltigen einige Pfund Fleisch beim jüdischen Fleischhauer M a r g l. — Wie schon die Tinge im allgemeinen stehen, befand sich im Fleische auch etwas Knochen. Der Herr Bezirkshanptmann besichtigt das Fleisch und in sein Gesicht tritt die Zornesröthe. Sofort ladet er Mar gl vor sich, und als dieser erscheint, ruft n ihm wutbentbranut entgegen : „Du wagst es, m i r, dem Starosta, Fleisch mit Knochen zu senden! — und bevor Margl Zeit hatte, ein Wort zn seiner Rechtfertigung vorzubringcn, hat der Herr Starosta ans Grund eines Patentes dass Urtheil gefällt: „Ich vernrtheile den Fleischhauer Mar gl dafür, dass er für nrich Fleisch mit Knochen lieferte, zu drei Tagen Arrest". Alle Vorstellungen und Bitten um die Bewilligung zur Einbringung eines Recnrses, ließ der erzürnte Allgewaltige nicht zu, und beauftragte den Amtsdiener, die sofortige Einliefernng M a r g l s an das Bezirksgericht, allwo der Arme seine Verwegenheit, den Herrn Starosta nicht befriedigt zu haben, abgebüßt hat. — Eine recht nette Geschichte, nicht wahr? Wer hat sich besser ausgezeichnet, H a l e c k i oder P i e t r n s k i? Nun eine zweite Heldenthat dieses Herrn Starosten: Ein Junge namens Nathan Beer offerierte dem Allgewaltigen von Mosciska Hühner. Befragt um den Preis, verlangte der Junge 65 kr. per Stück. Dieser Preis brachte den Satrapen zur Raserei. — Er dachte nämlich, dass in Mosciska alles u m s o n st erhältlich sei, und nun wird gar Geld verlangt. — Sofort beauftragte er den Amtsdiener, den Jungen in den Arrest zu bringen. Der Junge war über das Vernommene so entsetzt, dass er fürchterlich zn brüllen begann, worauf der Herr Starosta ihm eigenhändig einen Knebel tit den Mund stopfte. Dem schlauen Jungen gelang es, der „Eseorte" zn entweichen und mit Rücklassung seines ganzen Vorrathes an Hühnern nachhause zu entkonnnen. —■ Diesen Borrath hat Herr Pietruski nicht confisciert und sandte er nach einigen Tagen die Hühner dem Flüchtlinge ins Haus nach. — Das genannte Blatt bemerkt lveiter: „Fürwahr! Nur in Galizien kann es Vorkommen, dass ein Starosta sich mit einem Jungen wegen Hühner herumbalgt". — Bei alldem leidet Herr Pietruski an Größenwahn und fordert von allen, ehrfurchtsvoll begrüßt zu werden. Als der im vorgeschrittenen Alter stehende Herr S. ans Sadowa Wisznia an den Herrn Starosta vorbeigieng, ohne sich ehrfurchtsvoll zu verbeugen, wurde er mit den Worten apostrophiert: „Du alteL Ross, siehst Du nicht, wer da kommt?" Am ii&elfteit sind die Bauern daran, welche sich erfrechen, „unrasiert" vor dem Gewaltigen zu erscheinen. Diesen wird mit Arrest gedroht, aber auch jeder, wenn noch so glatt rasierte Bauer wird ausnahmslos mit „Du" angesprochen. — Es ist unbegreiflich, wie man einem Menschen ohne den mindesten Takt und die erforderliche Würde ein so verantwortungsvolles Amt übertragen konnte. Budapest. (Demission eines Rabbiners.) Wie die „Ungarische Wochenschrift" meldet, wird der seit kaum 1Jahren in Essegg installierte Qberrobbiner Dr. A r in and K a r m i n k a nach den Herbstfeiertagen seine Stelle verlassen. Die Gründe sind nicht klar zu ersehen, es scheint, dass die Demission durch innere Gemeindeverhältnisse veranlasst ist, denen Herr Dr. K. sich nicht gewachsen fühlte. Pressbrrrg. (I ndis ch e S chule n.) Manschreibt uns über dieses auch für Wien actuclle Thema: Der soeben verstorbene Rabbiner Jsr. Hildesheimer s. A. hat bekanntlich gleich seinem deutschen Gesinnnngsgenossen S. R. Hirsch ungemein viel für die Errichtung jüdischer Volksschulen gewirkt. Die in Deutschland befindlichen jüdischen Volksschulen, vor allem jene in Frankfurt a. M. und Hamburg, sind wahre Musterinstitute, und auch in anderen Gegenden Deutschlands findet man deren, die es mit jeder Schule einer anderen Confessivn ansnehmen dürfen. Nun erschien dieser Tage im „Westnngarischen Grenzbvten" eins Notiz, ans der zu entnehmen ist, dass in den orthodoxen jüdischen Schulen Ungarns eine zeitgemäße und erfreuliche Aettderung bezüglich Erlernung der nllgarischen Sprache eingetreten und, was die Hauptsache, dass die orthodoxe Gemeinde keine Opfer.' scheue, um in enltuveUer Beziehung ihre Schulen auf die Höhe der Zeit zn bringen. So ließ sie mit einem Kostenanfwande von 80.006 sl. ein neues Schulgebäude cillfführeu, tvorin die Knaben-Bürgernnd die beiden Volksschulen nntergebracht werden und dass vom nächsten Schuljahre an eine neue Mädchen-Bürgerschule eingerichtet werden soll. Es sind diese Aenßernngen umso beachtenswerter, als der „Wesiungarischc Grenzbote" sonst nicht gar judcnEenndlich genannt zn werden verdient. In Oesterreich aber, spccicll in Wien, sollte man sich an den in ungarischen Gemeinden herrschenden Sinn für die jüdische Schule ein Beispiel nehmen. —v. Ausland Berlin. < Z u r C r i m i n a l st a t i st i k.) Die soeben erschienene osfieielle Erinnnalstatistik für das deutsche Reich pro 18117 beschäftigt die hiesigen Tagesblätter. Wir entnehmen derselben folgende Taten : Wegen Mordes sind 101 Personen im Jahre 1807, 108 im Jahre 1800 und 116 im Jahre 1805 rechtskräftig vernrtheilt worden. Inden sind in allen drei Jai'ren wegen Mordes nicht vernrtheilt worden. Wegen Todtschlagec sind 174 respeetive 102 und 170 in bett Vorjahren bestraft worden. Inden tuitrbeit auch wegen Tvptschlages nicht vernrtheilt. Wegen Kindesmordes wurden 185 respeetive 178 und 107 Personen bestraft. Jüdinnen wurden dabei im Jahre 1807 zwei vernrtheilt, während in den beiden vorausgegangenen Jahren keine Jüdin zur Verurtheilnng gelangte. Kolberg. (D a s n e n e j ü d i s ch c C u r h o s p i t a l), welches am 8. d. M. unter überaus großer Betheilignng seitens der staatlichen und städtischen Behörden, der evangelischen und katholischen Geistlichkeit, sowie Abordnungen der größeren jüdischen Provinzial-Gemeinden lind solchen non Berlin eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben wurde, verdient es, bezüglich seiner inneren Einrichtung in den weitesten Kreisen bekannt zu werden. Die Entstehung des Spitales ist ans eine Broschüre Rabbiner Dr. G o l d s ch m i d t s-Kolberg im Jahre 1890 znrückznführen, welcher die Räume des alten Spitals als eng, gedrückt, zn wenig luftig und in keiner Weise den Anforderungen unserer Zeit entsprechend bezeichnet. Bald darauf bildete sich in B e r l i n ein Comite, welches die Angelegenheit in die Hand nahm, und einen solch mächtigen Erfolg erzielte, dass der Neubau im vorigen Jahre begonnen und heuer beendigt werden konnte. Außer der Synagoge, einem von Säulen getragenen, großen, gewölbten Räume, enthält der dreistöckige Ban Zimmer für 100 Hospitaliten. Daneben eine geräumige Wohnung für den Director, Bureaus und Sitzungszimmer. Ein besonderes Gebäude enthält Badeanstalt und Wirtschaftsränme; hinter den: Hospital befinden sich große Gartenanlagen. — Mit der Einweihung fand gleichzeitig die 25jährige Jubelfeier des Hospitales statt. Warschau. (Z u r ü ck g e w i e s e n e S p e n d e.) Der hiesige Bankier Joseph Landau hat unter anderen großer ] Spenden zum Andenken an seinen verstorbenen Vater auch denji. Vereine zur Unterstützung armer polnischer Schriftsteller Spende von 500 Rubel gemacht. Der Vorstand des VereiiM wies nach einer kurzen Berathung diese Spende als eine v v n eine m Juden k o m m e n d e zurück. Petersburg. Als ein Beispiel, das die große Armuth der russischen Juden so recht deutsch illustriert, kann der kürzlich eingegangene Bericht der podolischen Behörden dienen. Die Inden dieses Gouvernements haben als Lichtstener 35.000 Rubel jährlich zu entrichten, allein nach den officiellen Angaben sind sie dazu außer Stande, denn die Rückstände dieser Steuer aus den letzten Jahren betragen 48.872 Rubel. Bekanntlich werden diese Gelder zur Erhaltung der Schulen verwendet. Der ofiiecielle Bericht selber bemerkt dazu: „Es gibt sehr wenig wohlhabende Inden in Podolicn, fast alle sind fürchterlich arm." — Bei der letzten Versammlung des Comites für Geschichte und Ethnographie, welches die Gesellschaft für Verbreitung von Bildung unter den Juden eingesetzt hat, wurden von Herrn I. B. Levin einige interessante Schriftstücke vorgelegt. 1807 hatte der Kaiser Napoleon einen Aufruf an die Juden Polens erlassen, in dem er ihnen volle bürgerliche Gleichberechtigung versprach, wenn sie die französische Armee unterstützen und gegen den. Czaren kämpfen wollten. Zaddik Salomon Schneersohn und sein Sohn, an die man sich von jüdischer Seite mit der Anfrage wendete, was zu thun sei, haben nun ihren Anhängern den dringenden Rath ertheilt, dem russischen Kaiser treu zu bleiben und den Verlockungen der Landfeinde nicht zn folgen. Ten Briefwechsel hierüber legte eben Herr Levin dem Comite vor. Wilna. In unserem Gouvernement nahe der Eisenbahn Liban-Romvw liegt eine jüdische Ackerbaucolonie, Brovvdy-Mlyn, die schon un Jahre 1850 gegründet wurde. Die. Cölonisten haben sich vollkommen an den Ackerbau gewöhnt und die jüngere Generation kennt gar keine andere Beschäftigung, hah es auch zn ziemlicher Geschicklichkeit in der Landwirtschaft gebracht. Die Cvlonisten verkaufen ihre Prodncte i^ den umliegenden Städten und könnten sich ganz gut befinden, doch' ist der Grund und Boden für die wachsende Bevölkerung zn klein, so dass eine Auswanderung geboten erscheint. Sie würden ein gutes Material für eine neue Colonie abgebeu. Nikolajeff. Da unsere Stadt unter Militmverwaltnng steht, so hat der Kriegsminister den Generallientenant Türkin hierhergesandt, um die Vorgänge bei den Jndenexcessen zn untersuchen. Bis jetzt sind 34 Personen, die des Diebstahls während des Tumultes angeklagt sind, zur Abnrtheilnng gekommen, fast lauter fremde Arbeiter ans Kiel. Davon sind 32 Männer zn 3 Monat Gefängnis, eine Frau zn vernrtheilt, und ein Knabe seiner Jugend halber freigelassen worden. Paris. Der Jahresbericht des Rvthschild'schen Hospitales weist eine erhebliche Steigerung in der Ansdehnnng und Thätigkeit in der Anstalt ans. Die Zahl der Betten stieg von 70 auf 104, und mehr als 10.000 Personen wurden von den Aerzten des Spitales als Außenpatienten behandelt. Die Ein-

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