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Jüdisches Volksblatt · 1899-06-16 · 18 (16.6.1899) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
18 (16.6.1899)
Date
1899-06-16
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 18 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 16. Juni 1890 Seite 5 alten oder im neuen Testamente, das geringste erwähnt von den Engländern? Jawohl, fugte er, Mr. Marko auf die Schultern klopfend, hinzu, wo siebt etwas von diesen Engländern, die jetzt soviel Spectakel in d'^ttzelt machen? Wo — frage ich!?" $ '".v Die ^feSniic in der Wiener Mnsgemeinde. IV. Mit lrndrVger Genugthuung haben wir zu constatieren, dass i»»ve b/s/- .-erigen Auseinandersetzungen das Interesse weitester'^Nsgeweckt. Wir erhielten diesbezüglich mündliche wie schrff,^^ Aeußerungen pro und eoritra. Und nicht am wenigstes ^^g^etztere Gattung ist es, welche uns beweist, dass wir beitm, auf den Kopf getroffen haben... ^'n Ar'" "lls zngegangenen den unseren entgegenstehendli-„h^...'iichten betrifft, so haben wir davon jene unseres Freundes Hermann P l a s ch k e s deshalb veröffentlicht, weil dieselbe den Gegenstand in erschöpfender Weise behandelt und uns an der Hand derselben Gelegenheit geboten wird, auch die übrigen Einwände zu widerlegen. Zunächst sei uns gestattet zu bemerken, dass der Artikelschreiber weder für die oberen 5000 noch ohne Kenntnis der Verhältnisse geschrieben, das dürfte dem geehrten Opponenten schon aus dem vorigen Artikel klar geworden sein. Im großen ganzen gibt unser Freund ja auch die Berechtigung unserer Ansicht zu, nur über das „Wie" sind wir nicht einig. Darüber werden wir aber einig werden, denn wir stehen nicht auf dem Standpunkte unbeugsamen Autoritätsglaubens. Was nun die materielle Seite anbelangt, so meint Herr P. dass wir „schon bei den statistischen Aufstellungen geradezu Unmöglichkeiten angeben, denn in der That stellt sich der Gesammtverbrauch von Großvieh für ganz Wien auf nur 5000 bis 5500 Stück". Mit dieser Zahl hat Herr P. unsere Angaben — bestätigt, wofür wir übrigens noch einen anderen Beweis geben werden. Zunächst ist es eine bekannte T h a t s a ch e, dass der Fleischconsum bei Juden im allgemeinen 1 bis 2mal größer ist als bei Nichtjuden. Dann aber kommen bei Koscherfleisch hauptsächlich die Vorder viertel in Betracht. Endlich gibt es in Wien zahlreiche christliche Metzger, die wegen ihrer jüdischen (Engrosvder Detail) Kundschaft schachten lassen, aber relativ wenig von den geschachteten Stücken für jüdische Kundschaft verwenden, so dass thatsächlich von dem G e s a m m t g e w i ch t des geschächteten Großvieh höchstens ein Drittel für jüdische Kundschaft Verwendung findet. Die Thatsache aber, dass von Juden vorzugsweise das minderwertigere Borderviertelfleisch consumiert wird, macht es auch erklärlich, dass die Metzger die relativ kleinen Ausgaben für Schlachtbillete und Aufseher zahlen können ohne Schaden zu erleiden und dass diese Ausgaben mehr wie ausgewogen werden durch die stellenweise bedeutend höheren Preise der Hinterviertelstücke. Möge man daher die von uns vorgeschlagene Preiserhöhung von 5 Kreuzer per Kilo bestehen lassen oder ablehnen, möge man den Preis der Schlachtbillete auf nur 1 Gulden, respective 30 Kreuzer normieren — die Hauptsache bleibt für uns, dass diese Frage selbst endlich einmal geregelt werde, ganz abgesehen von den Erträgnissen, die aus einer Herabsetzung des Censirs resultieren. Was die technischen Einzelnheiten anbelangt, wie z. B. den Verkauf von Koscher- und nicht koscherem Fleisch in einem und demselben Geschäftslocal, so muss derselbe eben getrennt geschehen und unter Aufsicht stehen. Die Art derselben zu bestimmen, ist Sache des Cultusvorstandcs resp. des Rabbinats. Dass übrigens unsere Statistik auf Nichtigkeit Anspruch machen darf, belegen wir mit folgender Thatsache, die wir von authentischer Seite erhielten: Es werden wöchentlich geschlachtet an Großvieh im Schlachthanse: St. Marx 450—500, Gnmpendorf 250—300, Meidling 150—200 und Hernals ebenfalls 150—200, also zusammen 1000—1200 Stück. Da nun die jüdische Bevölkerungsziffer im Verhältnis zur christlichen sich wie 1 zu 8 stellt und, wie gesagt, nur ein Drittel des geschächteten Fleisches für jüdische Kundschaft Verwendung findet, so ist das Zahlenverhältnis nach beiden Seiten hin richtig. Soviel über die Einwände, welchen unsere Vorschläge begegneten. Was nun die Ausführung mit Bezug auf die von der Orthodoxie zu verlangenden Garantien anbelangt, so freuen wir uns, diesbezüglich sagen zu können, dass die beiden vom Vorstände deputierten Herren mit solchen Vorschlägen hervorgetreten sind, deren Annahme wenigstens d i e Garantie bietet, dass bei den unter Aufsicht stehenden Schächtern und Metzgern in der That k o sch e r es Fle i s ch zu haben sein wird. Wir müssen mit den Einzelnheiten znrückhalten, da wir durch deren Bekanntgabe eine nutzlose Discnssion Hervorrufen würden, die den Bemühungen der Herren, zu einem gedeihlichen Verhältnisse zu gelangen, hinderlich sein könnte. Ob es möglich sein wird, der Verwaltung der Schiffsynagoge solche Vorschläge zu machen, die von deren Standpunkte ans acceptabel erscheinen, hängt lediglich von der Auslegung der Gemeindestatnten ab. § 44 besagt: „Die Abgrenzung der Competenz der Genleinderabbiner untereinander wird durch den Cultusvorstand bestimmt..." Gesteht daher der Cnltusvorstand den speciell für die Beaufsichtigllng der Cultus- und rituellen Anstalten designierten Rabbinern eine auch von ihm — dem Vorstande — nicht anzutastende Autorität zu und würde er z. B. dem Rabbiner der Schiffschul und : einem von diesem vorgeschlageuen Dajan die Aufsicht über - die Schächter und Aufseher autoritativ übertragen also das gleiche Verhältnis wie in München — dann wäre i die Möglichkeit gegeben, dass diejenige Ordnung in den Koscher-! fleisch-Berkauf käme, die von fast allen interessierten Seiten als wünschenswert erscheint. Aber auch, wenn man der Schiffschul die seitherige, st i l l s ch w e i g e n d anerkannte Autonomie beließe, müsste die Cultnsgemeinde eine ähnliche Institution für das Gros der Gemeinde zu schaffe» sich angelegen sein lassen, und sie dürfte vor keinem Hindernisse zurückweichen, so nnübersteiglich es auch im ersten Momente erscheinen mag. Nirgends stoßen die Gegensätze derart aufeinander wie beim Koscherfleischwesen, nirgends sind so vielseitige Interessen im Spiele. Aber mit etwas gutem Willen von allen Seiten werden die Hindernisse beseitigt, die sich entgegenstehenden Interessen vereinigt werden können. Möge der gute Wille vorhanden sein, der Weg lvird sich dann zeigen. YVhere there is a will — tliere is a way! * * * Diese Artikel, die uns von geschätzter Seite zukamen, haben in weiten Kreisen eine rege Discnssion hervorgerufen. Es sind uns zahlreiche Zuschriften zugekommen, die leider wegen ihres unvollständigen Inhaltes zur Veröffentlichung nicht geeignet sind. Wir sind jedoch gern bereit, jeder uns Ankommenden ausführlicheren Zuschrift in dieser Frage vollinhaltlich Raum zu geben, und würden uns freuen, die Discnssion als noch nicht abgeschlossen betrachten zu können. Die Redaction. Eine Zeitsrage. Von Dr. M. S. Es gibt gewisse Fragen, die ihrem Wesen wie ihrer Natur nach eine ganz besondere Behandlung verdienen würden. Nicht als ob sie vielleicht das Licht der Oeffentlichkeit irgendwie zu scheuen hätten, aber Tradition und Herkommen haben diese auf ein ^solch hohes Postament gestellt, dass man es bisher wenigstens nicht wagte, sie von ihrem erhabenen Standorte herabzuzerren, um sie auf dem Boden der Alltäglichkeit der Kritik des Erstbesten preiszugeben. Zu diesen Fragen gehört nicht zum wenigsten auch — der Rabbiner der Gegenwart. In früherer Zeit tvar der Rabbiner eine Art Heiliger, zu dem alles ehrfurchtsvoll emporblickte. Er galt als unantastbar, und sprach man von ihm, so geschah dies nur in Ausdrücken überschwenglichen Lobes und höchster Bewunderung. Nicht selten bildete sich ^sogar um seine Person ein ganzer Sagenkreis, in dem ihm alle möglichen und unmöglichen Dinge zugeschrieben wurden. Die neuere Zeit nun, sie hat ihn zwar erbarmungslos seines Heiligenscheines beraubt, doch der Sagenkreis scheint gleichwohl um ihn stehen geblieben zu sein. Freilich ein Sagenkreis in ganz anderem Sinne, welcher dem Betroffenen alles andere eher als den Ruf eines Heiligen einzubringen vermag. Wenn es etwas gibt, das so recht drastisch den Uebergang zu zeigen imstande ist, _ 72 _ So oft er darüber nachdachte, wie sein Moriz am Schmerzenslager eines Kranken stehen und das abgehärmte Geschöpf durch Trostesworte aufrichten würde, erfüllte seine Seele ein Gefühl unermesslichen Glückes und freudigen Stolzes: O! Dieser arme Jude wusste die Bedeutung eines edlen, mitfühlenden Arztes wohl zu schätzen. Gar oft rief er den hellen, sonnenklaren Tag sich ins Gedächtnis zurück, an welchem das Weltall in wonnigem Frühlingsgefühle schwelgte, und nur er allein an dem Sterbebette seiner Sali bittere Thränen weinte. An diesem denkwürdigen Tage hatte niemand für ihn ein Wort des Trostes, der Beruhigung, als der behandelnde Arzt und, als jede Hoffnung geschwunden, als die heißgeliebte Sali ihn verlassen und er allein zurückblieb, allein in seinem trostlosen Stübchen, Schinerz und Verzweiflung im Herzen, war der edelmüthige Arzt der einzige, der ihn tröstete, indem er den bedauernswerten Säugling in die Arme des verzweifelnden Vaters legte und die Erziehung des kleinen Geschöpfes sorgsam überwachte. Das war der Grund, der ihm den Beruf eines Arztes für seinen Sohn als Ideal vorschweben ließ. „Der herrliche Beruf des Arztes" sagte er sich, „ist, selbst dein hilflos hinsiechenden Wesen Trost, Beruhigung und Labung zu spenden und dafür geliebt zu werden, wie der Kautschukjude seinen Arzt liebte." Thatsächlich hatte er Freude an seinem Sohne. Der Junge war stets der Primus in der Classe; sein ausdauernder Fleiß brachte» ihn vorwärts auf den Schwingen edlen Strebens. Da nahte die Zeit, wo Moriz nach Absolvierung der Mittelschule das kleine Provinzstädtchen verlassen und die Universität in der Residenz beziehen sollte. — Jeder entschwundene Tag schnürte das Herz des armen Vaters zttsaunnen, und mit schmerzlicher Sorge dachte er an das Scheiden seines Einzigen. Aber nicht etwa die Trennung war es, die ihn mit Traurigkeit erfüllte; wusste er doch, dass es eine Nothwendigkeit sei, dass es so und nicht anders sein musste, weil das Wohl seines Sohnes es erheischte; es kränkte ihn bloß, dass er nicht lesen und schreiben konnte. Der Gedanke, mit Moriz nicht direct verkehren zu können, dass ein anderer ihm die Empfindung ausdrückenden Schriftzeichen vorlesen und die Gefühle des Vaters wieder ein anderer an den Sohn übermitteln werde, dieser Gedanke ließ ihn nicht ruhen und drückte ihn stets empfindlicher. Da entwand sich seiner Seele ein genialer Gedanke, welcher alle seine Sorgen mit einen» Schlage beseitigen sollte: er muss das Schreiben erlernen! Und dieser gebrochene Greis schloss sich stundenlang in sein Stübchen ein, und lernte dort von seinem nachbarlichen Glaubensgenossen die edle Kunst der Aneinanderfügung verkrüppelter Buchstaben. Er strengte seinen durch langjährige Sorgen ermüdeten Geist, seine durch harte Arbeit erschlafften und abgemagerteu Hände ab, denn „er musste doch das Schreiben erlernen", und — durch seine Beharrlichkeit ist es ihm gelungen. (Schluss folgt.) Ein negatives Privilegium. Erzählung von Eduard Kulte. (Schluss.) Und mit diesem Entschlüsse folgt er der Einladung zur Gratulation. In dem Salon des Hotels, wo Arons Eltern die geladenen Gäste empfangen hatte, herrschte Freude und Fröhlichkeit. Sogar Fanny hatte es dem Bräutigam versprochen, an diesem so schönen Feste, das dev Hochzeit vorausgeht,' alle Traurigkeit aus ihrem Herzen zu bannen, und sie war seinem Wunsche soiveit nachgekommen, wenigstens äußerlich nichts davon zu verrathe». Sie hatte sich zusaonnengenomnien und bestand wacker die Probe. Auffallend war es, dass Jonas Gottlieb nicht anwesend war unter den Fröhlichen. Eine Stunde verfloss nach der anderen, und er war immer noch nicht da. Dass er nicht kommen sollte, das war für Aron ausgeschlossen, es wäre denn, dass er plötzlich erkrankt sei, oder sonst ein unüberwindliches Hindernis ihn zurückhielte. Aber was konnte dies sein? Aron gab seiner Besorgnis Ausdruck, und schon wollte er einen Boten in die Wohnung des Freundes senden, um zu erkunden, was vvrgehe, als einer von den Hvtelbediensteten eintrat, mit der Meldung, der Herr Bräutigam möchte ans einen Augenblick hinauskommen, es sei ein Herr da, der ihn dringend zu. sprechen wünsche. Aron gieng hinaus auf den Corridor. Jonas Gottlieb stand da, blaß wie der Tod, keines Wortes mächtig. Die beiden standen einander sprachlos gegenüber. Endlich fasste sich Gvttlieb: Ich habe Ihnen eine Mittheilung zu machen, Sie können Fanny nicht heiraten! Aron war bis in den Tod erschrocken und taumelte. Sie hat ein Kind gehabt und Sie sind ein „Koin". Arvn stürzte zur Erde nieder. Rasch waren Bedienstete des Hotels herbeigceilt und trugen zum Schrecken der ganzen Gesellschaft den Bewusstlosen in den Saal. Man legte ihn auf ein Ruhebett und ließ Aerzte holen. Sie erklärten, es sei ein Schlagaufall, aber auf der rechten Seite. Es könne alles noch gut werden; man könne aber im Augenblicke über den weiteren Verlauf nichts seststellen. Was ist da vorgefallen? was ist da vorgefallen? — So schwebte es auf den Lippen aller. Fanny kniete nieder am Kopfende des Ruhebettes und beugte ihr Gesicht über den Kranken. Mein Gott — sagte Rosa — wenn er da nicht erwacht, wenn er ihre» Äther» nicht fühlt, daun ist kein Leben mehr in ihm. Arme Fanny! i&uanmt

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