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Jüdisches Volksblatt · 1899-06-16 · 18 (16.6.1899) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
18 (16.6.1899)
Date
1899-06-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 Wieii, Freitag Jüdisches Volksblatt 10. Juni 1899 Nr. 18 Es ist übrigens geradezu erlogen, dass der Schächter ans Goltsch-Jenikan verhaftet und dem Kreisgelichte eingeliefert wnrde. Das ganze Telegramm ist also nichts Anderes, als eine lediglich im Dienste der Jndeiihetze aufgezüchtete Ente, welche das Blatt ohne besondere Prüfung, wenn nicht gegen sein besseres Wissen, ausgenommen hat. . . . Das „Deutsche Volksblatt" hat also ans den geltend gemachten Gründen die Beschlagnahme selbst veranlasst, und ich gestehe, wenn in Zukunft wieder solche Dinge in dem Blatte stehen, dann werde ich es wieder confiscieren; aber gewiss nicht ans Gehässigkeit, sondern getreu der beschlvorenen Pflicht, dem Unrechte dort zu steuern, wo ich ihm begegne." Vieles, woran man Jahrtausende daran geglaubt, hat die Wissenschaft als einen Wahn erkennen lassen; mit ihrer Blendlaterne hat sie in die verborgensten Winkel der Unwissenheit und des Aberglaubens hincinaelenchtet; vor ihrer rücksichtslosen Wahrheitsverküudigung wich der Tross der Dunkelmänner zurück, die einst Galilei gezwungen, seine Lehre von der Bewegung der Erde zu widerrufen; er aber empörte sich gegen die Borniertheit und Stupidität seiner Verfolger und schleuderte ihnen, wie eine lodernde Fackel, die Wahrheit ins Gesicht: E pur si muove! Anderthalb Jahrtausende alt ist das Blutmäichen, die Schneider und Genossen haben es jederzeit eifrig verbreitet und die alten Weiber haben cs ihnen gläubig nacherzählt. S i e sind jener Congregation vom Jahre 1083 congenial. Wird aber der Staatsanwalt von Cis und Trans sie endlich verstummen machen können mit der überzeiigenden Wahrheitsformel „Und sie bewegt sich doch"? Wenn ja, dann wollen wir unseren Kindern dereinst eilt Märchen erzählen: Es war einmal . . . das Blutmärchen. Inland. Lemberg, ll. Juni. (Jude n und — Nichtjnde n.) Die „Gazeta Lwowska" meldete dieser Tage, dass innerhalb der letzten zwei Wochen ans ganz Galizien im ganzen nenn Concnrse jüdischer Firmen mit einer Gesammtpassiva von 90.000 fl. aiigemeldet wurden. Wie viel nichtjüdische Firmen in dieser Zeit fallierten, verschweigt sie wohlweislich. Aber etwas anderes — fälscht sie, indem sie in der gleichen Nummer einen christlicheil Defraudanten, Constantin R i e b e n b a u e r, der als Kanzlist eines Bezirksgerichtes 2000 fl. veruntreute, znm Inden steinpelte. Gger, 10. Juni. (Ein Pfarrer als H a a rk ü n st l e r.) In einem kleinen Dorfe in der Nähe Egers war ein neuer Pfarrer eingekehrt. Als er das erstemal Religionsunterricht ertheilre, erregten die Haarfrisuren einiger Schülerinnen bei ihm Aergernis, sie trugen nämlich sogenannte Ponnyfrisuren. Er erklärte die Frisuren für gegen die gute Sitte verstoßend und gebot den vier jungen Mädchen, sich die auf der Stirne liegenden Haare abzuschneiden. Als sie das nächstemal doch wieder mit der verpönten Frisur erschienen, nahm der Herr Pfarrer Kamm und Scheere und schnitt ihnen die Haare weg. Die Sache soll, wie man hört, von den Eltern der Mädchen vor Gericht zum Austrag gebracht werden, urid man wird aowarten, ob der Herr Pfarrer seinerzeit genug Haare auf den Zähnen hat, um sein Vorgehen als berechtigt zu beweisen. Jedenfalls scheint er die Mode-Journale mit Erfolg studiert zu haben, denn Ponnyfrisuren sind nicht mehr in der Mode — wie unser Correspondent bemerkt. Graz, 31. Juni. Orig.-Bericht. (Genleinderaths- Sitzung). Entgegen den Sitzungen im Wiener Gemeinderathe sorgen unsere christlich-socialen Stadtväter für heitere Abwechslungen in dieser ernsten Zeit und der Erfolg ist ihnen stets sicher. Auch die gestrige Sitzung hat unserem Feicht i n g e r einen vollen Heiterkeitserfolg eingetragen, um den ihn seine Wiener Collegeu in der That beneiden können, das umsomehr, als es sich um — Gasangelegenheiten handelte. Wir greifen diese und noch eine andere Scene, wo sich *nriniwfMcaarwgap» einer wissenschaftlichen Untersuchung zu unterziehen. Thatsächlich hat auch eine stattliche Reihe von Gelehrten aller der genannten Zweige dem Rufe der edlen Dioscuren Folge geleistet. Vor allem aber giengen sie selbst mit gutem Beispiele voran, indem sie, jeder in seiner Sphäre, eine Anzahl Arbeiten veröffentlichten, welche gewissermaßen verbildlicht wurden für alle diejenigen, die durch eigene Studien zum Ausbau der neuen Wissenschaft beitrugen. Fassen wir das Wesen der Völkerpsychologie kurz zusammen, so hat sie aus den einfachsten Erzeugnissen der menschlichen Geselligkeit den umfassenden Organismus des Volksgeistes zu erklären, gleichwie die individuelle Psychologie aus den einfachsten Erscheinungen der Seele und den Gesetzen, nach benen sie sich mit einander verbinden und im Bewusstsein auf- und niedertauchen, das verwickelte Getriebe des ausgebildeten Bewusstseins sich entwickeln lässt. Es ist also zu zeigen, wie sich die einfachen, elementaren Kräfte des menschlichen Bewusstseins zu complicierten Gesammtkrästen und Gebilden des Volksgeistes zusammensetzen, so dass wir allmählich alle bedeutsamen Formen und Erzeugnisse des Zusammenlebens der Menschheit, wie Familie, Staat, Stände, Religion, Literatur u. s. w., nach- und nebeneinander entstehen, sich gegenseitig fördern und auch hemmen sehen. Die dritte große That Steinthals ist seine E t h i k, in wel her er die beiden grundverschiedenen Richtungen der rein idealistischen und rein naturwissenschastlichen Anschauungen in einem höheren Dritten verschmilzt. Erschafft eine durchaus ideale Ethik, welche aber allen Angriffen dadurch einen Riegel vorschiebt, dass sie ganz innerhalb der Mechanik bleibt, dieser nirgends widerspricht und keinen transcendenten, noch transcendentalen Schritt thut. „Die idealen Gefühle, wie ich hier ihr Wesen bestimme", sagt er in der Widmung an Lazarus, „sind eine Feichtinger und Genossen mit Ruhm bedeckt haben, heraus. Also in der gestrigen Sitzung referierte G.-R. Dr. Neckerm a lt n in eingehender Weise über einen Antrag des G.-R. F e i ch t i n g e r und Genossen wegen Beiziehung der Herren Hess, W o l f & & o. und Ditmar als Sachverständige bei Uebernahme der von der Firma Oswald & C o. zu litfernden Beleuchtungskörper für das neue Theater. Die Erfolge seiner Wiener Parteigenossen ließen G.-R. Feichtinger nicht schlafen und er wünschte, dass auch in Graz nur antisemitische Lieferanten als würdig und reell befunden werden. Nach vollständiger Begründung der Entschließung des Theaterbaucomitös empfiehlt der Referent die Ablehnung des F e i ch t i n g e r'schen Antrages. Der Antragsteller bemerkt darauf, man sehe, dass die Gemeinde den „Herren aus Asien" doch Freundin sei. Die den Christen vorgezogene Firma heiße nicht Oswald & C o. sondern P o l l a k L Oswald. — Im Verlaufe der Debatte ersuchte der Vorsitzende wiederholt den G.-R. Fei ch t i u g e r, doch nicht so zu schreien, worauf dieser erwiderte: „Ich Hab' schon eine solche Stimm', aber man versteht mich wenigstens! Der Jud Pollak wird halt die Gemeinde übers Ohr hauen." Der Antrag wurde mit Majorität abgelehnt. — Später nahm F. daran Gelegenheit zu einigen witzig sein sollenden Clown-Spässen, wovon nur zu bemerken ist, dass er die Frau eines wegen Errichtung eines Portals petitiouiereuden Hauseigenthümers in bekannter antisemitischer Flegelei in die Debatte zog und darüber zur Ordnung gerufen wurde. Graz. (Aufgehobenes C o n f i s c a t i o u s - Erke it u t u t s.) Gegen die Confiscation der Broschüre „D e r Jude des neunzehnten Jahrhunderts" von I. Seidl wurde von der Verlagsbuchhandlung Styria die Beschwerde erhoben, die Beschlagnahme jedoch, wie wir seinerzeit meldeten, genehmigt. Das Obcr-Landesgericht hat llunmehr das Erkenntnis des Landesgerichtes, entsprechend den Ausführungen der Vertheidigung, welche Verjährung geltend machte, aufgehoben. Budapest. (Eine Deputation der A l t o f tt c r israelitischen C n l t u s g e m e i n d e), bestehend aus den Herren Gemeindevorsteher Samuel Ehrlich, Samuel Goldberger de Buda, Oberrabbiner Dr. Elias Adler und Julius Ullmann, trug heute dem Bürgermeister Halmos die Bitte vor, es möge zur Restaurierung des Altvfner israelitischen Tempels aus städtischen Mitteln ein entsprechender Beitrag bewilligt werden. Budapest. (Ein antisemitischer Bürgerin eiste r.) Wegen verschiedener „Jncorrectheiten" ist gegen Herrn Georg Szöll, Bürgermeister der Comitatsstadt Mako, die Disciplinaruntersuch ung eingeleitet worden, die jetzt seine Suspendierung und die Einleitung des Disciplinarverfahreus gegen den gesammtcn städtischen Beamienkörper im Gefolge hatte. Szöll vertrat die Stadt M a k o zweimal im Reichstage auf Grund des antisemitischen Programmes. Ausland Berlitt. (S ch u l f r a g e n.) Als ob es mit dem clericalen Ansturm auf die Volksschule noch nicht genug sei, wird jetzt von gewisser Seite auch der Versuch gemacht, das Bestreben, den jüdischen Religionsunterricht in den Simultanschulen zu verbessern, als „einen Ansturm seitens der Rabbiner" hinzustellen, um den jüdischen Religionsunterricht dem christlichen gleichzustellen! Und gerade ein conservativer Cultusminister war es, der auf den mangelnden jüdischen Religionsuiiterricht in den Berliner Gemeindeschnlen hingewiesen und Abhilfe verlangte. Mau weiß wirklich nicht, wenn man solches liest, worüber man mehr staunen soll: über den Unsinn, der in derartigen Behauptmigen liegt oder in der gchässigen Art und Weise, die jüdischen Morallehren der Bibel als minderwertig hinzustellen, derselben Bibel, aus der von christlichen Pfarrern ebensogut wie aus dem neuen alltägliche, leicht nachweisbare psychologische Thatsache; die Freiheit, wie ich sie fasse, bewegt sich ganz energisch, ganz gesetzlich in dem Mechanismus des Bewusstseins, und obwohl ganz der Erfahrung anheimfallend, bietet sich ein Ausblick ans ein dem Einzelnen unfassbar Erhabenes. Wo Anlass zu Schmerz oder Freude ist, soll der Mensch auch solche fühlen, wenn nicht jener wie diese sittlichen Gewinn bringt, dessen eigene Schuld ist es." Bezeichnend für Steinthals lautere, ideale, echt jüdische Lebensanschauung ist seine Aeußerung über Leid und Lust: „Es ist eines' Ethikers geradezu unwürdig, mit besonderem Interesse von Freude und Elend, Glück und Unglück zu reden. Ich weiß mich frei von der „unbesonnenen Begeisterung", die „überall das Missgeschick der einzelnen Zeiten und einzelnen Menschen himvegsieht." Rur, meine ich, wer eine Ethik aufbauen will, darf dieselbe so wenig auf Thränen wie auf Jauchzer gründen. Auch ich wüsste, wenn es hier darauf ankäme, eine Variation des nie verstummenden Liedes vom unsäglichen Schmerz und nie versiegenden Kummer der Menschheit und des Menschen anzustimmen, vom Kummer, welcher den Willen lähmt, und vom Schmerz, welcher wahnsinnig macht, von brennenden Wunden, die nicht heilen wollen und vor jeder Freude frisch bluten, indem sie immer Besorgnis zwischen Lippen und Becher drängen — ich kenne das und weiß keinen Trost zu bieten und habe auch keine anderen Mittel als die allbekannten: „Artechou kai upechou, halte Dich aufrecht und entsage", stemme Dich gegen das Leid, lass Dir die Vernunft nicht schwinden, halte Dir Sinn und Herz offen für alles Wahre, Schöne und Gute, und die Hand, willig der Liebe. Selbst leidend, hilf d e nr L e i d e n d e n w i e D u k a n n st, vereinzelt und vereint!" J. 1.4 Prödlitz. Testament gelehrt wird, wo die jüdische Geschickte im Unterrichtsplan neben jener der ersten Epoche des Christeuthums ihren Platz hat. Und da wundert man sich »och . über das Nichtverschwindenwollender judenfeinlichen Bewegung im protestantischen Deutschland. Protestantische Clericale und katholische Clericale sind völlig gleichwertig. London. (Richter und B o r b e t e r). Vor einem Londoner Gerichtshöfe spielte sich neulich folgende kleine Scene ab, die lebhaft an den »jüdischen Nenjahrstrvmpeter", „Herrenschneider" rc. erinnert. Richter zum Zeugen: Sie heißen Mr. Jacobs und sind Schächter. Zeuge: Um Verzeihung, Ew. Gnaden, ich bin Schächter nur für das Vieh, für Menschen bin ich — Chasan. London (Zweckesse n). Jedes Land hat seine Sitten, Frankreich seine Wohlthätigkeitsbazars, Deutschland seine Ditto Aufführung und Oesterreich seine Blumencorsos rc. England hat seine Diners, wenn der „große Klingelbeutel" geschwungen werden muss. In der vorigen Woche gab es in der jüdischen Gemeinde deren zwei, und da überall Leute mittafelten, die das bei ihnen sich vorfindeude überflüssige Kleingeld gerne hergeben, wenn es gilt Gutes damit zu stiften, so war der pekuniäre Erfolg auch ein entsprechender. Für die „Boro-Jewish-Sdiools“, eine Stiftung der verstorbenen Baronin Mayer von Rothschild wurden 3850 Pfund Sterling gezeichnet, und bei dem Diner für das Jüdische Lniigenkrankenspital 2720 Pfund, also zusammen 280.000 Gulden. — Aber damit war die Reihe noch nicht erschöpft. Der dieswöchentliche Sonntag führt in London den Namen Hospital-Sonntag, weil an demselben — zuerst im Jahre 1873 — für den allgemeinen Hvspitalfonds „geschnorrt" wird; ebenfalls eil gros. Man hoffte 50.000 Pfund znsammenzubringen, um damit die Million, seit der Gründung des Fonds, zu erreichen. Eingeleitet wurde die Sammlung mit dem Check eines Mr. Herring von zehutanseno Pfund. Man kann also beruhigt sein, das Geld wird zusaimnengc—schnorrt. Bei dieser Gelegenheit aber eine Frage an — die es angelst. Wir finden wöchentlich in Prager Blättern Ankündigungen über Ablösung von Kranzspenden bei Beerdigungen, deren Summen regelmäßig in die Hunderte gehen. Indische Kranzbindereien gibt es bekanntlich wenige oder gar keine. Sollten wir nicht auch bei uns in Wien an die Einführung dieses schönen Brauches gehen, namentlich, da doch Tvdtenkränze eine absolut nnjüdische Einrichtung sind, während Geldgcben für die Armen — das Gegeutheil! Bukarest, 10. Juni. (D i e jüdischen Schulkinder.) Man schreibt uns: Ueber die traurigen Verhältnisse der jüdischen Schulkinder in „türkisch Hohenzvllern" ist schon viel geschrieben worden, und es ist geradezu scandalös, wie ein Land sich in solcher Weise selbst ruiniert, indem es tausende von Kindern der Verdilmmung anheimfallen lässt, nur weil es Juden sind. Als ob die Juden nicht gerade so gut Steuern aller Art inclusive der Blutsteuer bezahlen, und mehr bezahlen, wie die im Lande geborenen Rumänen oder naturalisierten Fremden. Und als ob es mit den alten Chicanen noch immer nicht genug wäre, hat mau im vorigen Jahre ein Gesetz geschaffen, das bestimmt, es dürfen nur 20 jüdische Kinder in Gymiiasinm und Handelsschule Ausnahme finden und auch nur gegen entsprechende Taxe, die bis 90 Frcs. beträgt. Aber schon die in diesem Monate abzuhalteuden Examen stellen bedeutende Geldanforderungen. Von den circa 400 jüdischen Schülern der hiesigen Volksschulen, die ihr Examen machen, wird eine Taxe von je 32 Frcs. verlangt, weiche seitens der jüdischen Gemeinde bezahlt wird. Die meisten der Schüler erhalten auch gute Noten. Aber was nützen sie ihncn, da der Weg, um weiter zu studieren, ihnen abgeschnitten ist. Nim wurde im vorigen Jahre eine jüdische erste Gymnaslalclasse errichtet, improvisiert, und der Unterricht von einigen jüdischen Studenten gratis ertheilt. Der Erfolg ist ein vorzüglicher, was die Prüfung erweisen lvird. Wie und womit nun aber die Consequenz ziehen und auch die zweite Classe jetzt gründen? Und es lvird geschehen, weil es geschehen muss! Und was im nächsten Jahre? Und wer soll die jährlichen Prüfnngstaxen bezahlen? Es ist. wie gesagt, ein Jainmer, wenn man sieht, wie Rumänien sich derart ruiniert und entkräftet. Man erinnert so oft an das Wort, dass man aus der Geschichte lernen müsse. Möchte Rumänieil an Spanien denken und was es geworden, indem es die Juden austrieb. Ob sich, nicht ein rumänischer E m i l i o C a st e l l a r findet, der seinen Landslenten einen Spiegel Vorhalt? Gott gebe es! Algier. (L e i ch e n s ch ä u d u n g.) Wie weit es der Antisemitismus in unserem Lande glücklich gebracht hat, möge folgendes Factum darthun. In Telngh, einem kleinen Städtchen mit einer mir tveuige Familien zählenden jüdischen Gemeinde, starb das Kind eines Inden und musste in Ermanglnng eines jüdischen Begräbnisplatzes ans dem Cvminuiialfriedhvse beerdigt werden. Wenige Tage nachher haben einige Antisemiten aus der Umgebung das Grab geöffnet, den tobten Körper ans dem Sarge entfernt und ihn ans ein nahes Feld geworfen. Die sofort avisierte Polizeibehörde aber bezeigt keine Eile, die Thäter — die man im Uebrigen mit ziemlicher Gewissheit kennt — zu verfolgen. Pretoria. (O h m P a n l und d i e I n d e n.) Bekanntlich ist der Präsident der Bvereii-Repnblik ein ungefähr eben so großer Freund der Inden wie der Engländer, wenngleich er auch einzelnen tvnaugebeiide» Juden gegenüber sich stets sehr freundlich zeigt. In einem Gespräche, das er jüngst mit einem der angesehensten Glanbensgenosseii, Sam. Marko in Prätoria, führte, bemerkte Onkel Paul witzig: „Es ist wahr, Ihr Juden besitzt kein eigenes Land, aber Ihr seid mir doch sehr theuer, denn die Bibel zeigt ans jeder Seite die Größe des jüdischen Volkes. Wir Christen sind Eurem Volke sehr verpflichtet, aber — fügte er hinzu, indem er seine breiten Schultern hiuaufzog und mit den Augen zwinkerte — wo steht in der Bibel, im

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