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Jüdisches Volksblatt · 1899-06-02 · 16 (2.6.1899) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
16 (2.6.1899)
Date
1899-06-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 16 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt?. Juni 189:) Seite 3 gegangen. Was zunächst die rechtliche Seite anbelangt, so ist uns der Einspruch absolut unverständlich, denn er involviert einen Eingriff in die persönliche Freiheit. Mit welchen Gründen und mit welchen Mitteln will denn der Vorstand — oder sei es wer da wolle — es verhüten, dass heute irgendein Metzger oder Fleischselcher ein Geschäft oder eine Filiale seines in irgendeinem Bezirke bestehenden Hauptgeschäftes in Ottakring oder sonstwo etabliert, und mit welchem Rechte darf er es? Wir sind in der That neugierig, jenen Paragraphen des Gemeindestatuts zu erfahren, der dem Cultusvorstande eine solche Macht zngesteht! Ist aber eine solche Bestimmung nicht vorhanden oder bedarf es dazu erst sophistischer Wortklaubereien, dann müssten wir doch gegen ein solches Verfahren energisch Protest einlegen und gegen jeden Schritt, der in dieser Beziehung seitens des Gemeindevorstandes geschieht, entschieden uns verwahren. So wenig der Gemeindevorstand ein Recht besitzt, den Verkauf von außen kommender Selchwaaren oder Geflügel zu beschränken, so wenig hat er dazu ein Recht innerhalb der Stadt Wien, und wir finden es geradezu unbegreiflich, wie sich der Cultnsvorstand dergestalt dem Gelächter a n s s e tz e n konnte. Was nun den Kern der Angelegenheit anbelangt, so bedauern wir zunächst, dass in dieser doch so sehr wichtigen Frage eine, Geheimniskrämerei platzgegriffen, die geradezu unerklärlich genannt werden muss. Schon im November v. I. fanden, wie uns mitgetheilt worden, zwischen zwei vom Vorstände deputierten Herren nnd Vorstandsmitgliedern der Adas- Jisroel-Gemeinde Verhandlungen statt, um den Wünschen der Ortodoxen auf dem Wiener Platze, deren Zahl mindestens 7.,— ’/g der ansässigen Juden beträgt, gerecht zu werden. Wie weit die Verhandlungen gediehen, wissen wir nicht, wir gehen aber wohl nicht fehl, wenn wir behaupten, dass, allerdings ohne die Schuld der beiden entsandten Herren ein greifbares Resultat weder erzielt ist noch in absehbarer Zeit erzielt werden dürfte, weil eben seit dem soeben besprochenen Eingriff des Vorstandes in die ganz fraglos bestehenden Rechte der unter Aufsicht der Schiffsynagoge bestehenden Metzger das Verhältnis ein sehr gespanntes ist, titbcnt ein Streitobject geschaffen wurde, das zu beseitigen der Cultu sv orst and, wie es den A n s ch e i n h a t, gar n i ch t w i l l e n s i st u n d w o f ü r der Majorität des Vorstandes jedes Verständnis fehlt. Wir bemerkten bereits, dass bis zum Jahre 1871 ein annehmbares Verhältnis bestanden und haben auch die Ursachen bezeichnet, die dessen Aufhören zuwege gebracht haben. Es wäre daher unter den heutigen Umständen kaum denkbar, den damaligen status quo wieder herznstellen, umsoweniger, als die Adas-Jisroel-Gemeinde heute Herr in ihrem eigenen, kleinen Hause ist und sich wohl stets des bekannten Sprichwortes erinnert, dass es besser sei, der erste in einem Fürstenthume zu sein, als der zweite in einem Königreiche. Damit soll aber nicht gesagt sein, dass jene Gemeindemitglieder, die nicht zu ihr gehören, mit Gewehr bei Fuß warten sollen, bis es dem Cultusvorstande beliebt, anstatt der wiederholten geheimnisvollen Andeutungen endlich mit präcisen Vorschlägen zur Regelung der auch nach einer anderen Seite hin wichtigen Frage hervorzutreten. Die Angelegenheit stellt sich nämlich nicht nur als eine rein rituelle dar, sondern sie hat Judengemeinde stammte, schaffte Bücher herbei, aus denen Hans die Leidenswege seines Volkes kennen lernte. Hans war gestern nicht ins Bett zu bringen. Mit glühenden Wangen und heißen Augen las er von den Juden in Spanien, von der heiligen Inquisition, von den Kreuzzügen und von Russland. Er las so laug, bis ihm seine Mutter nach häufigen Mahnungen, doch einmal aufzuhören, endlich kurz entschlossen die Lampe auslöschte. Seine Mutter spricht ein Gebet mit ihm. Nach dem Worte „Amen" sagt er so.nst immer: „Gute Nacht". Heute aber sagt er: „Die Zunge haben sie ihr aus dem Hals gerissen und das Kind haben sie ins Feuer geworfen —" Und als die Mutter fragt: „Wem denn?", da ist Hans schon eingeschlafen. Mitten im Dunkel der Nacht hört die Mutter ein furchtbares Aechzen von Hansels Bett. „Nicht — schlachten — nicht schlachten" — presst das Kind hervor — und schwer athmet die kleine Brust. Die Mutter springt erschreckt hinzu. „Hans, Hans, was ist Dir?" ruft sie und packt ihn an der Hand. Hans ist ausgemacht. „Nicht schlachten soll sie der schwarze Mann!" ift das erste Wort, das er schlaftrunken spricht. Und wie er dann seine Mutter erkennt, lehnt er sich an sie und beginnt zu weinen. „Mama, mir träumt immer so schlecht. Immer von Blut und von Mord und von Sterben. Und immer schlägt man die Juden todt." „Aber Hans, mein Kind, schau — Du bist doch ein so glückliches Kind. — Wir alle haben Dich lieb — der Papa — und ich — und alles hast Du, was Du willst — schöne Kleider — und Bücher — geh, mein Kind, schlaf ruhig wieder ein —" Ja Mama, aber in den Büchern steht ja, wie man die Juden quält. Wie soll ich da ruhig schlafen? Weißt Du was, Mama? Kauf mir ein Buch, in dem man liest, wie es die Juden gut haben — und wie glücklich sie sind — und dass man ihnen Ruhe lässt mit ihren Kindern. — Kaufst Du mir so ein Buch, Mama? Und die Mama verspricht ihm ein Buch zu kaufen, in dem man vom Glücke der Juden lesen kann. Und Hans wird vom Glück der Juden träumen. eine mindestens ebenso weittragende finanzielle Bedeutnng, wie wir gleich Nachweisen werden. Ja, wir wagen sogar die Behauptnng und werden diese mit Ziffern nnterstützen, dass, genau wie in anderen Grvßgemeinden, so anch in Wien das Schlachtwesen der Cultusgemeinde, wenn rationell betrieben, ein ganz bedeutender finanzieller Factor werden kann und werden wird. Eines nur möchten wir den wohllöblichen Vorstande heute schon zu bedenken geben, nämlich einmal ganze Arbeit zu thun, einmal zu zeigen, dass er nicht nur bessern will, sondern auch die Mittel und Wege in Händen hat, seinen Willen auch Nachachtung zu schaffen; dass er nicht auf halben Wege stehen bleibt, sondern einmal zeigt, dass er auch Ordnung zu schaffen, den Mnth besitzt. Bis jetzt hat der Cultusvorstand nur da Mnth gezeigt, wo er geglaubt, sich Leuten gegenüber zu finden, die sich leicht ins Bockshorn jagen lassen — im vorliegenden Falle hat er sich allerdings geirrt, wie man schon sehr bald sehen wird — aber ein 'seit 30 Jahren eingewurzeltes Uebel zu beseitigen. „Die Botschaft hört' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube". Soweit wir die Stimmung in hiesigen orthodoxen Kreisen zu benrtheilen in der Lage sind, wird die Schiffsynagoge ihre mit vielen Opfern geschaffenen Institutionen niemals an die Cultusgemeinde abtreten; sie wird im Gegentheil, ihren geistigen Einfluss auf immer weitere Kreise auszudehnen bestrebt sein und hat zu diesem Zwecke die bereits erwähnte Gründung der „orthodoxen Vereinigung" veranlasst. Dem neuen Vereine dürfte zweifelsohne der größte Theil der auf traditionellem Standpunkte stehenden Wiener Juden beitreten und damit ein Factor vorhanden sein, mit dem der löbliche Cultusvorstand rechnen muss, umsomehr, als die neue Vereinbarung bereits ihr eigenes publicistisches Organ hat. Es wird ihm daher auch sehr bald klar werden, dass er mit jener übereilten Kundgebung in ein Wespennest gestochen, und sich die Stiche und Beulen selbst zuzuschreiben hat. Wir unserseits können diese Opposition nur mit ungetheilter Freude begrüßen. Uns ist jeder Factor willkommen, der dazu beiträgt, dass unsere Cultusinstitutionen „zeitgemäß" reformiert werden, dass endlich einmal dem alten f y st e m l o f e n S y st e m und der Herrschaft eines „auserwählten Kreises" ein Ende bereitet werde und zwar gründlich! Doch wir wollen vom löblichen Cultusvorstande nicht gar so schlecht denken. Wir wollen ihm, noch bevor er seinen Beschluss der weiteren Oeffentlichkeit preisgegeben, mit einem Beispiele aufwarten, das für den Fleischverkanf in Wien nicht nur einen wahrhaft „idealen Zustand" schafft, sondern auch den Gemeindefinanzen, trotz ihres bekanntermaßen glänzenden Zustandes, ein erklekliches Stück überflüssiges Kleingeld einznbringen ermöglichen soll. Wie man uns nämlich mittheilt, soll in München ein solch wahrhaft idealer Zustckttd herrschen. ' Dort soll der Gemeindevorstand mit ausdrücklicher Gutheißung der Rabbinats die Aufsicht über das Koscherfleisch gänzlich dem Rabbiner der orthodoxen Religionsgesellschaft übertragen haben, und man soll mit diesem schon seit vielen Jahren bestehenden Verhältnisse allerseits sehr zufrieden sein. — Dieses auf Wien zu übertragen, dazu bedurfte' es allerdings einer Selbstverleugnung aller einschlägigen Factoren, deren wir dieselben, offen gesagt, kaum fähig halten. Aber, vielleicht täuschen wir uns. Vielleicht gilt auch vom Vorstande und den übrigen maßgebenden Kreisen der Wiener Cultusgemeinde das Wort, das sie besser sind, wie ihr Ruf. Und nun bie finanzielle Seite. Wergeben unsere Ansicht auf Grund von Informationen, die wir von den verschiedensten, in der Sache interessierten Persönlichkeiten erhielten, erklären uns im Uebrigen mit Vergnügen bereit, solche zu rectificieren, wenn sich das als begründet Herausstellen sollte. Auf dem Wiener Platze wohnen circa 150.000 Juden, deren Fleischconsnm — ohne die kolossale Menge von importiertem Geflügel — wöchentlich mindestens 1000 b i s 1200 Stück Großvieh und mindestens ebensoviel Kleinvieh beträgt, also per Jahr mehr als hunderttausend Stück. Rechnet man nun, dass nur an 4 T a g en in der Woche geschächtet wird, und dass jeder Schächter in sechsstündiger Arbeitsz eit nur je 25 Stück Groß- und Kleinvieh zu schächten imstande wäre (in der That ist seine Leistungsfähigkeit eine viel größere), so bedürfte es dazu 10 Schächter (10 X 50 X 4 X 52 104.000). Da aber zu gewissen Zeiten ein größerer Andrang stattfindet, es auch nothwendig ist, für etwaige Krankheitsfälle Hilfskräfte zur sofortigen Verfügung zu haben, so nehmen wir anstatt 10 Schächter deren 15 an, deren jährliches Gehalt, auf 2000 fl. sich belaufend, einen jährlichen Bndgetposten von 30.000 fl. ergibt. Nehmen wir weiter an, dass die von den Metzgern bei der Cultusgemeinde zu lösenden Schlachtbillete nur l‘/2 fl. für das Stück Großvieh und 50 Kreuzer für Kleinvieh betragen, s o ergebe das ein Einkommen von rund hunderttausend Gulden oder ein jährliches Plus von 70.000 Gulden! D i e G e s a m m t - A u s g a b e n per Kopf der jiidischeu Bevölkerung würden sich auf noch nicht 75 Kreuzer belaufen, nnd das Koscherfleisch könnte fast zu gleichen Preisen wie das Nichtgeschächtete verkauft werden! Wie die Leser bemerken werden, haben wir einerseits nur die n i e d r i g st e n Zahlen in unsere Berechnung einbezogen, anderseits aber das Gehalt für den Schächter so hoch gestellt, wie es kaum irgendwo besteht*). *) In München, das rund 10.000 jüdische Einwohner zählt, werden von 2 Schächtern und einem Hilfsschüchter pro Woche 70—80 Stück Großvieh und 90—100 Stück Kleinvieh geschlachtet, was aus das Jahr 9000 Stück ergibt. Nach diesem Nun entsteht aber die Frage: Sollen und dürfen die Metzger ohne Aufseher verkaufen? Wir sind geneigt, die Frage zu verneinen, nnd entsteht dann die weitere Frage: womit diese Aufseher bezahlen? Darauf antworten wir: Der Preis von Kvschcrfleisch soll in Zukunft um nur 8 Kreuzer**) pro Kilo höher sein als der Fleischpreis in den übrigen christlichen Metzgereien. Von diesem Gewinne wird an die Gemeinde von jedem Metzger per Monat 100 fl. bezahlt. Die Gemeinde ihrerseits stellt die „Anfseher" an und honoriert sie entsprechend. Ein Gchalt von 100 fl. für die von den „Maschgichim" zu leistende Arbeit ist ein sehr anständiges Honorar, denn es handelt sich um höchstens 4—6 Stunden Verkaufszeit und die hierzu bestimmten Beamten könnten noch in anderer Weise Beschäftigung finden. Was nun die mit dem obigen eng zusammenhängende Frage der Selchereien und Wurstwarenfabrication anbelangt, so ziehen wir ans verschiedenen Gründen vor, darüber für heute stillschweigend hinwegzugehen. Es handelt sich dabei um eine reine Vertrauensfrage, und wir sind nicht dazu da, in derartigen Angelegenheiten ein Urtheil abzugeben. Das ist Sache des Oberrabbiners. Ziehen wir das Resumo unserer Betrachtung, so ergibt sich, dass die vom Vorstande als der Regelung bedürftige bezeichnete Angelegenheit des Koscherfleischverkaufes nach beiden Seiten hin sich als eine Nothwendigkeit darstellt. Zunächst nach der rituellen Seite, indem dem Verlangen und den Bedürfnissen der auf traditionellem Standpunkte stehenden Gemeindemitglieder entsprochen werden m u s s, und bei einigem guten Willen und ohne Verletzung berechtigter Interessen auch geschehen kann. Nach der f i n a n c i e l l e n Seite hin bedeutet die von uns vorgeschlagene Lösung E n t l a st u n g d e r Cons u m e nt e n und eine Erstarkung der Finanzen der Cultusgemeinde, wodurch es ermöglicht werden soll, die schon längst nothwendige Reform des Armenwesens mit Änssicht auf Erfolg und ohne besondere Inanspruchnahme der Gemeindemitglieder durchzuführen. In der Sache selbst stellt sich die minimale Erhöhung des Preises von Koscherfleisch als eiiw i n d i r e c t e Steuer dar, die für die Frage des Wahlrechtes höchst bedeutend wäre. Diese 5 Kreuzer per Kilo, welche lediglich ein Aequivalent für die Schlachtbilerte sowie für die an die Fleischaufseher zu zahlenden Gehalte sind, bilden — ähnlich wie in Russland — eine Ar t Ar men st euer, auf deren Hereinbringung in der veranschlagten Höhe man unbedingt rechnen kann, da eine Abnahme des Koscherfleischconsums bei billigerem Preis doch kaum zu erwarten ist. Dass wir — was vielleicht vielen nicht recht. einleuchtend erschienen sein mag — gerade dieses Thema zu unserer ersten Besprechung gewählt, hatte seinen Grund in dem zufälligen Zusammentreffen mehrerer Umstände, namentlich jenes der Gründung der „Freien Vereinigung", wovon wir aus journalistischem Anstande Notiz zu nehmen die Pflicht hatten. Vor allem aber lag uns daran, an einem pendenten, vom Cultusvorstande selbst als verbesserungsbedürftig bezeichneten Gegenstand den Nachweis zu erbringen, dass „vieles faul im Staate" ist; dass die an der Regierung befindlichen autokratischen Elemente beseitigt werden müssen; dass eine Systemänderung vom Grunde herauf zur absoluten Nothwendigkeit geworden ist, und dass diese nicht me hr hinausgeschoben werden darf, wenn nicht neben dem materielle n auch der moralische Bankerott der Wiener Cultusgemeinde eintreten soll. Inland. Wien. (P r e s s f e h d e.) Der „Mainzer Israelit", wohl das verbreitetste Organ der gesammten deutschsprechenden orthodoxen Judenschaft, greift in seiner letzten Nummer das hiesige Organ der Orthodoxen, die „Wiener jüdische Presse" in ziemlich heftiger Weise an, anscheinend aus nicht besonders^tichhältigen Gründen. Wir constatieren die Thatsache, ohne uns natürlich in die Sache selbst mischen zu wollen, können uns aber doch wohl nicht der Bemerkung enthalten, dass dieser Kampf zwischen zwei streng orthodoxen Blättern etwas sonderbar aussieht. Wien. (W a s i st unser?) In der Pressburger Handelsakademie hat jüngst ein jüdischer Schüler, anstatt des Wortes „Magyarorszag“ — ungarisch, sich des Ausdruckes hozänk — (unser Vaterland) bedient, worauf Professor Stierling vor der ganzen Classe diesem Schüler zurief: „Reden Sie doch kein blödes Zeug! Die Juden haben kein Vaterland." Nach Berichten ungarischer Blätter wird sowohl von Seite des Schulstuhles als auch von Seite der israelitischen Cultusgemeinde über diese Aeußerung eines Professors an das Unterrichtsministerium Bericht erstattet werden. Bei dieser Gelegenheit wollen wir hier an einen, dem früheren entgegengesetzten Fall, der sich in Lenrberg zutrug, erinnern, In der 7. Classe des dortigen deutschen Gymnasiums hat vor einiger Zeit ein jüdischer Schüler bei Besprechung der polnischen Literatur den Ausdruck „unsere Literatur" gebraucht, worauf seine jüdischen Mitschüler, welche die Mehrheit der Classe bildeten staunend riefen: „„unsere""?? Auf eine Bemerkung des Professors erklärten sie decidiert, dass, wenn ein Jude den Ansdruck „unsere Literatur" gebraucht, dies nur auf die jüdische Literatur sich beziehen könne. Der Professor suchte sie zn überzeugen, dass die Inden, nur ans die Literatur des Vaterlandes, in welchem sie wohnen, das Wort „unsere" anwenden können. Wir citieren dieses Factum bloß, um uns Verhältnis müssten in Wien mindestens 135.000 Stück geschächtet werden. In Anbetracht der hier in Blüte stehenden Selchereiindustrie dürfte diese Zahl aber wahrscheinlich noch überschritten werden. Das Gehalt der Münchener Schächter beträgt zwischen 2000 nnd 2500 Mark nebst einigen Nebeneinnahmen, da sie während ihrer freien Zeit anderweitig im Gemeindedienst thätig sind. **) Heute ist derselbe, wie man uns mittheilt, um circa 10—15 Kreuzer höher.

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