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Jüdisches Volksblatt · 1899-05-26 · 15 (26.5.1899) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
15 (26.5.1899)
Date
1899-05-26
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 15 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 20. Mai 1899 Seite 3 ausschließlich sich vor Augen halten, dass es gilt, eine H i l f s a c t i o n nicht nur zu unternehmen, sondern auch glücklich durchzuführen. Da i st e s n o t hw e n d i'g, dass alle jüdischen V e r e i n i g u n g e u O e st e r r e i ch s sich z us a m m e n s ch l i e ß e n, ein g r o ß e s C o m i t e bilden, u m mit vereinter Kraft und energischer Klugheit d i e m o r a l i s ch e n und materiellen Mittel für eine u m f a f s e n d e H i l f s a c t i o n e i nz u l e i t e n : Der Verbandstag der Bnai b’rith hat sich bereits bemüht, diesen Weg eiuzuschlagen. Es unterliegt keinem Zweifel, dass denk Nnfe nach Einigkeit in dieser Sache von allen Seiten Folge geleistet werden wird. Möge nun die Initiative von welcher Seite immer ergriffen werden. Die Sache muss beachtet und dem R a f Folge geleistet werden. Die ,Wiener Abendpoft" als Sachverständige in Rilnalmorden. Tie Abendausgabe der amtlichen „Wiener Zeitung" ist der pikante Theil des sonst ziemlich langweiligen Amtsorganes. Hier werden all die Politischen und nichtpolitischen Dinge menschlich behandelt, die das Hauptblatt auf seinem amtlichen Wege als zu wenig vornehm links und rechts liegen lassen muss. Darum ist die „Abendpost" manchmal interessant. Sie citiert Zeitungsstimmen, bringt Noten, die ihre bestimmte Adresse haben, und äußert ab und zu auch eine Meinung über das und jenes, natürlich immer reserviert, immer vornehm. Die Journalisten der „Abendpost" sind sozusagen in den Hvfrathston hineingewachsen; jeder Satz ein Fürst Kaunitz, man sieht förmlich die weiße Spitzenmanchette, in der die schreibende Hand steckt. Manchmal wird diese Hand vor lauter ängstlicher Noblesse zaghaft, zitterig, und dann kommteinStiefel, oder wie man in der Hofrathssprache sagt, ein „Schnitzer" heraus, z. B. vor einigen Tagen, wo die „Abendpost" infolge der Aenßerilngen der antisemitischen Blätter die Versicherung brachte, dass kein Anlass vorhanden sei, anzunehmen, dass es sich hier um einen Nitnalmord handle. Der ahnungsvolle Hofrathsschmock! Also muss es doch Ritualmorde geben, wenn hier keiner vorliegt, nicht? Ist man in der Thai in der Redaction der „Abendpost" noch so dumm, an die Möglichkeit jüdischer Ritualmorde zu glauben oder ist nur das Deutsch der Abendpostschreiber so mangelhaft geworden, dass sie ihre Gedanken nicht mehr gehörig auszudrücken vermögen? Am Ende verträgt doch das Etat der „Abendpost" eine Auffrischnng der Kräfte; ein absolvierter Bürgerschüler kann ja nicht soviel kosten. . . Hinaus aus dem Deutschen Schulverein. In Troppan fand am 21. Mai die diesjährige Hauptversammlung des Deutschen Schulvereines statt. Was die „liberalen" Parteiblätter über diese Versammlung bringen, sind wohl viele Worte, doch wenig Thatsächliches, Die „Neue Freie Presse", die sich ihrer neuesten Thätigkeit, allem was deutschnational ist, nachzulaufen, vollauf bewusst ist, nennt das Ereignis eine „bedeutsame nationale Kundgebung" und ist vergnügt, dass sie den gläubigen Lesern melden darf: „Von besonderer Wichtigkeit für den ungestörten Verlauf des Schulvereinstages war, dass die deutschvolklichen Ortsgruppen ihre Haltung in der Frage der Mitgliederaufnahme aufgegebeu haben und einen Standpunkt einnahmen, der es ermöglichte, im Schoße des Schulvereines zwischen den einzelnen Parteien eine Einigung zu erzielen." Diese blumenreiche Sprache, aus der man das Erzwungene sofort hört, lässt das Schlimmste vermuthen und thatsächlich erfahren wir aus den Organen der So zu einem großen Ghetto Ward die Stadt Jeruscholajim, Allwo käuferlos ein Weltmarkt Schimmelte vonalten Hosen. In ihrer Ohnmacht und Verkümmerung regte sich in ihnen die Sehnsucht nach den Fleischtöpfen der westlichen Welt, welche ihterseits hinwiederum nach ihren Juden zu schielen begann; war sie sich doch seither durch die Stockung des Handels, die erschreckliche Ueberhandnahme der Kunst und Dichtung, wie nicht minder gewisser Hautkrankheiten (sie!) der Unentbehrlichkeit des jüdischen Elementes als eines Gährungselementes und Sauerteiges im Völkerleben nur zu sehr, bewusst geworden. Der Zündstoff häufte sich im Schoße Neu-Jsraels immer dichter an und entlud sich schließlich gegen das Haupt Munkels, welcher zur Strafe dafür, dass er nicht müde geworden, goldene Lustschlösser vorzuspiegeln, in den Kerker geworfen, zum Tode verurtheilt und mit ausgestreckten Händen und mit ausgestreckten Füßen an ein Kreuz festgebunden wurde. Während der Schwarm der Hebräer das Kreuzgerüst umstand, waren Abgesandte der europäischenVölkerschaften gelandet, ihnen dieEinladungzurRückkehr nach dem Abendlande zu überbringen, wo ihnen unter der einzigen Bedingung, dass sämmtliche auf Christen lautende Wechsel an dem Tage der Wiederkehr vernichtet würden, vollständige Gleichberechtigung zugesichert wurde. Sie waren über diese Botschaft außer sich vor Wonne und konnten sich nicht genug beeilen, mit der schleunigst zusammengerafften Habe zum Meeresstrande zu stürzen und daselbst die papierene Riesenschuld der Christen in Rauch aufgehen zu lassen. Munkel blieb allein in schauriger, grabesstiller Oede hilflos auf den: Kreuze hängen, schnöde verlassen von dem kaum wiedergefundenen Weibe, welches sich nach seinem vermeintlichen Kreuzestode unter die Fittige eines überaus reichen Muselmannes begeben hatte, lind vergessen von beii Bürgern seines jungen Reiches — bis auf einen, dem ewigen Juden, welcher ihn mitleidig aus den Banden erlöste. Wie er au Ahasvers Seite in die heilige Stadt eiugezogen war, also verließ er deutsch-radicalen Partei, dass diese Herren „die Haltung nicht aufgegebeu", sondern ihre Forderung ganz nach Wunsch durchgesetzt haben und dies als einen Sieg ohne Kampf bezeichnen. Es wurde nämlich der 8 5 der Statuten dahin abgeändert, dass „fortan die Vorstände der Ortsgruppen ohne Angabe von Gründen über die Aufnahnle und Ablehnung neuer Mitglieder zu entscheiden haben. Wer wohl unter den „a b g e l e h n t e n" Mitgliedern zu verstehen ist, sagen die radicalen Blätter auch mit vollstem Freimuth: Die Juden. So feig und erbärmlich das Benehmen der sogenannten Liberalen im allgemeinen, und anlässlich dieses Falles im speciellen ist, so unanständig ein Vorgehen ist, nach welchem ein Theil der Mitglieder, die ihren Pflichten nachgekommen sind, ungefragt und ungescheut in seinen Rechten verkürzt wird, bloß um, wie sich der Fortschrittsmann und Ober-Obstructionist Dr. Groß ausdrückte, „thatkrästige Elemente dem Vereine zuzusühren", noch weit feiger, erbärmlicher und unanständiger wäre es von den Juden, die heute ihr Heil darin erblicken, das Deutschthun) zu stützen und es als eine Ehre empfinden, als Mitglieder irgendeiner „liberalen" Ortsgruppe des Deutschen Schulvereines geduldet zu werden — wenn sie mit dem Austritte aus diesem „D e u t s ch e u S ch u l v e r e i n e" n o ch einen T a g z ö g e r n. Es muss gewiss eine ganz respektable Anzahl der mehrere Tausende zählenden Mitglieder Juden sein, wenn man ihrer gedenkt. In Mähren und Böhmen sind es ganz gewiss nur die Juden, welche einem Vereine ihre Geldmittel in so ausgiebigem Maße zur Verfügung stellen, dass er ein Einnahme-Budget von 202.0(10 fl. aufweisen kann, aber kein einziger Lehrer j ü d i s ch e r C o n f e s s i o n wird in den Schulen, die mit diesem Gelde errichtet und erhalten werden, angestellt, keiner jüdischen Schule mit ..deutscher Unterrichtssprache" wird eine Unterstützung gewährt, und hierzu kommt nun noch diese craffe Missachtung jedweden Anstandsgefühles, wie es in Troppau zum Ausdrucke kam. Wollen die Juden diesen Schlag würdig erwidern, dann gibt es für sie nur eine einzige Aufgabe, die ihnen Pflicht sein muss, wenn anders sie in schmachvoller Demüthigung noch nicht bis zur Selbstentmannung gelangt sind. Diese Ausgabe ist: H in auZ aus dem b eutf cf) en Schulverein! Bei dieser Gelegenheit können wir nicht unterlassen, auf die Thatsache hinzuweisen, dass manche Cultusvorstände den Aufruf des „allgemeinen hebräischen S p r a ch v e r e i n e s" einfach nicht annehmen wollten und zurückgehen ließen. Dieser genannte Verein hat es nämlich sich zur Aufgabe gemacht, möglichst viele unentgeltliche Sprachkurse zu errichten, um die Kenntnis der hebräischen Sprache, Literatur und jüdischen Geschichte zu verbreiten. Wäre da nicht jüdisches Geld besser angebracht, als es dorthin zu werfen, wo 1 man es zur Stärkung der Feinde des Judenthums verwendet und hierbei sich noch Intra muros über die opferfreudigen, trotz der Fußtritte sich immer noch drängenden d e u t s ch n a t i o n a l e n Juden sich höchstens lustig macht. Unseren mährischen und böhmischen Stammesgenoffen möchten wir dringend dieses Thema zur Erwägung empfehlen. Inland. Brünn. (Z u r W a h l des Dr. F o ch l e r.) Den hiesigen czechischen Blättern zufolge, ganz besonders nach der „Morowaska Orlice“, erklären die czechischen Führer, in Leipnik hätten die Czechenbei der engeren Reichsrathswahl sich nicht der Wahl entsie an seiner Seite auf einem einsamen, gespenstigen Geisterfahrzeuge. Von der düsteren Verzweiflung, von welcher sein Herz voll war, gieng ihm der Mund über. Er predigte allerorten mit flammender Beredsamkeit das Evangelium des Todes. Das schüchterne, verschämte Leid der Seelen ward zur offen schwärenden Wunde, die große Völkerseuche des Pessimismus hielt ihren Einzug in die Lande und verschonte selbst das Thierreich nicht. Da fasste Munkel den großen Entschluss, dem siechen Dasein für immer ein Ende zu machet«, und berief zu diesem Zwecke nach Anwendung verschiedener Mittel, welche sich 'als diesem gigantischen Ziele nicht gewachsen erwiesen hatten, einen allgemeinen Weltcongress der Seinsverächter ein. Auch die Thierwelt wurde zu demselben eingeladen, zumal Munkels immer reger Geist jüngst eine gemeinsame Verständigung sämmtlicher Lebewesen durch die Erfindung einer allgemeinen Sprache, eines ganz aus Naturlauten gebildeten Volapük ermöglicht hatte. Natürlich durfte bei einer solchen Berathnng ewiger Juden der ewige Jude par excellence nicht fehlen. Da indes seine Adresse unbekannt war, wurde der altehrwürdigste Gärtner der Todessehnsucht in den öffentlichen Blättern aller Länder aufgefordert, der Versammlung durch seine Anwesenheit die höhere Weihe zu ertheilen. Er erschien denn auch und wurde durch Acclamation zum Alterspräsidenten gewählt. Das Ereignis der Versammlung war die metaphysische Auseinandersetzung eines deutschen Gelehrten, welche darin gipfelte, dass das aus dem geheimnisvollen All-Einen Wille)), aus dem Willen zu leben hervorgegangene Sein durch die Aufhebung seiner Ursache, beziehungsweise durch das All- Eine Wollen, nicht zu leben, aufgehoben werden müsse; wenn der Wille in seiner Allgemeinheit die Kraft zu schaffen besaß, so könne ihm nach dem Gesetze der Logik, vorbehaltlich seiner Gesammtheit und Einheit das Zerstörungsvermögen nicht fehlen. Demgemäß stellte er den einmüthig von aller Welt angenommenen Antrag, dass zu einer bestimmten Stunde eines bestimmten Tages alle | halten, sondern für Dr.Fochler ihreStinune abgegeben, weil sie dadurch den Leipniker Inden, die bei jeder Gelegenheit das D e n t s ch t h n m nnterst ü tz e n, sowie auch der Regierung, die sich den czechischen Forderungen gegenüber ablehnend verhalten, eine gründliche Antwort Kben wollten. Die Inden haben von ihrer Unterstützung der Deutschen nichts anderes zu erwarten, als die Stärkung der radicalen Elemente und damit des Antisemitismus innerhalb der deutschen Parteien (Hödillg. (I n st a l l a t i o u eines Rabbiner s.) Unser nengewählter Rabbiner, Se. Ehrwürden Herr Dr. Ludwig Lazarus, wurde am Rüsttage znmWochenseste feierlichst installiert. Mit dem Schnellzuge anlangend, wurde derselbe von dein fast vollzählig erschienenen Gesammtausschusse herzlichst begrüßt, in dessen Flamen Herr Cultnsvorsteher Wilhelm L e ch n e r das Wort ergriff. Abends versammelte sich die Gemeinde im festlich dccorierten Gotteshause, vor welchem die Schuljugend Spalier biloete, und hier richtete Vorstand-Stellvertreter Dr. Korner an den jungen Seelsorger eine Ansprache, darauf hinweisend, dass der Rabbinatssitz seit nahezu 150 Jahren vacant war, weshalb nun vieles nachzuholen, eventuell gutzumachen sei. Dr. Lazarus dankte für die so herzerfrenende, wohlwollende Ausnahme und legte das Gelöbnis ab, nunmehr unter Gottes Beistand nach besten Kräften znm Wohle der Gemeinde wirken zu wollen. Die eigentliche Antrittsrede wurde erst tagsdaraus in Anwesenheit auch andersgläubiger Honoratioren gehalten und fand das in derselben entwickelte Programm begeisterte Aufnahme. Möge es Herrn Dr. Lazarus mit Gottes Hilfe gelingen, seine guten Vorsätze auszuführen, und kann er der allgemeinen Förderung und des himmlischen Segens versichert sein, wie ihm auch aller Herzen freudig entgegenschlagcn. Nachod. (Erhöhtes Strafausmaß für die N a ch o d e r Verbrecher.) Der k. k. Staatsanwalt M a t o u s des Königgrätzer Strafgerichtes meldete gegen das geringe Strafausmaß, das über einige Theilnehmer an den Nachoder Excessen verhängt wurde, die Berufung bei dem Ober-Laudesgerichte an. Dieser Berufung wurde bis jetzt in folgenden Fällen stattgegeben: Wenzel Kluger, eiuer der Haupträdelsführer, erhält statt 10 Monaten eine Kerkerstrafe von zwei Jahren. Johann D i t e erhält statt 8 Monate 15 Monate; die Strafe der Anna Pfiffen wurde von 4 auf 6 Monate und jene der Francisca A n d r z von 2 auf 4 Monate erhöht. Graz. (E i n A n t i s e )n i t.) Ein O b e r g y m u a s i a ls ch ü l e r wurde vom Einzelrichter des Bezirksgerichtes Stadt Graz vom Gerichts-Secretär Ritter von C o l l zu einer Geldstrafe von fünfzig Gulden eventuell f n n f Ta g e n A rre st verurtheilt, weil er am 15. März d. I. ohne jede Veranlassung einen jüdischen Mitschüler in der Schöuaugasse mit den Worten „frecher Saujud" beschimpfte und demselben zweimal in das Gesicht gespuckt hatte, so dass ein in der Nähe stehender Arbeiter sich zu einer sehr abfälligen Aeußerung gegen den fanatischen Jüngling veranlasst sah. Der Angeklagte war vollkommen geständig und entschuldigte sein Benehmen nur dadurch, dass er aus nationaler Begeisterung so gehandelt habe und durch den Genuss von Bier hochgradig aufgeregt gewesen sei. In der Urtheilsbegründung hob der Richter als besonders erschwerend die Rohheit des Angeklagten hervor. Budapest. (V e r e i n s n a ch r i ch t e n. — Von der Ofe)) er israelitische)) Gemeinde. — Diebstahl.) Der israelitische Mädchenverein zu L i p t 6 - S z e n t - M i k l ö §, dessen Zweck es ist, arme Schulkinder zu unterstützen, bat in feiner am 21. d. M. stattgehabten ordentlichen Generalversammlung die Wahlen in das Präsidium vorgenommen und wurden zur Präsidentin Fräulein Katharine Schick, zur Vice-Präsidentin Lebewesen sich in der Verneinung des Daseinswillens, in der Selbstverneinung begegnen mögen. Der wichtige Augenblick kam heran, ohne dass jedoch zur allgemeinen Verblüffung die große Seifenblase Welt zerplatzte. Das Liebesglück Eldos und Doras, welche nach langer Trennu))g öurch ein zufälliges Zusammentreffen von Umständen gerade an dem entscheidungsschweren Tage unverhofft sich wiedersahen, hatte Verwirrung und Zwietracht in den pessimistischen Chorus getragen. Wie die Sonne den nebelhaften Schleier der sich über sie lagernden Wolken sieghaft zerreißt, so hatte die Liebe den Hass überwunden. Kam es doch sogar dahin, dass Munkel selbst auf der Höhe seines geistigen Schaffens, auf welches er sich in tiefer Einsamkeit zur Uebertäubung der eben erlebten Tragikomödie zurückgezogen hatte, inmitten seines Fluges durch den Aether, welchen er in unerschöpflichen) Wissensdurste und unheimlichem Drange nach vollkommener Unterjochung der Natur auf einem mit den bedeutendsten physikalischen Errungenschaften ausgestatteten Luftschiffe durchsegelte, sein Leben als ein verfehltes bezeichnete, weil es nicht von dem Sterne der Liebe erhellt wurde. Als ihm aus der Stermenwelt durch sein Zauberfernrohr das Erdenleben in seiner vollen Reinheit und lauteren Schönheit leuchtete, da beugte er sich über Lurleis schöne Leiche, die er auf seiner Luftfahrt in einem Nonnenkloster am Libanon gewahr geworden und mit Blitzesschnelle in seine Riesengondel gehoben, und seufzte sinnend, wie im Traume: „W a r u in k onnten w i r nicht lieben?" Der holdselige Anblick Eldos und Doras, der anmuthigen Priester von Amor und Psyche, zwingt dem lieblosen und liebeleeren Munkel das Geständnis ab, dass das Leben seinen eigentlichen Wert und Inhalt erst durch die Liebe erhalte, und in Lurleis müden Augen blitzt, bevor sie nach der wilden Lebensirrfahrt am Libanon in klösterlicher Stille die Ruhe sucht, im hohen Dome zu Köln vor dem Bilde der von siebe» Sperren durchbohrten water dolorosa ein Strahl des Neides auf. In diesen Schicksalen, welche den Homunkulus und das seiner wür-

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