Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1899-05-19 · 14 (19.5.1899) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
14 (19.5.1899)
Date
1899-05-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2432763-2432764-2432778--0127-2433639
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 14 Wien, Freilag .Indisches Volksblatt 19. .Mai 1809 Seite;me der tnb der ms die heitre die ehr sen md ohl em )in ich en. md net en, ase oll Dank der ,Errungenschaft der neuen polizeilichen Vorschriften sind die Einkünfte der Länderbank (aus den Boryslawer Gruben) durch die theilweise Betrieb s e i n st e l l u n g der mit dem C a r t e l l c o n c u r r i e r e n d e n Schächte g a n z b e f r i edigend..." Eine nette Socialpolitik, die der österreichische Staat betreibt. Wenn sonst irgendwo socialpolitische Gesetze eingeführt werden, schreien die Großunternehmer und wehren sich mit Händen und Füßen. In Asien, pardon in Galizien, ist das atlders. Da freuen sich die Herren M a r ch w i c k i mtd P a l m e r, da ntacht man mit der Socialpolitik ein gutes Geschäft... „zum Schutze des Lebens und der Gesundheit der Arbeiter." Aber die Läuderbank dürfte ein wenig vorzeitig triumphiert haben. Vorläufig wird sie höchst m a h r s ch e i n l i ch n o ch draufzahlen müssen. 9!ach Erlass der „neuen Gesetze" des Hofrathes Zechner forderte die galizische Berghauptmannschaft in dienstfertiger Eile sämmtliche galizischen Grubenbesitzer auf, bei sonstiger sofortiger Einstellung des Betriebes neue, den eben erlassenen Vorschriften angepasste Betriebspläne vorzulegen. In Drohobycz und Boryslaw kamen die Grubenbesitzer, soweit sie es vermochten, dieser Aufforderung nach. Nur die Besitzer der Gruben „Spölka ogrodlowa“ und „Stric“ in Dzweniacz, Ladislaus v. L u c k i, k. k. Landesgerichtsrath außer Dienst und Leib L aut erm a n n, recurierten gegen diesen Auftrag an die Berghauptmannschaft in Krakau. Selbstverständlich fiel die Entscheidung der Berghauptmannschaft zu Ungunsten der beiden Grubenbesitzer aus. Nun ergriffen dieselben gegen diesen abweisenden Bescheid die Beschwerde an den V e r w a l t u n g s g e r i ch t s h o f. Der Verwaltungsgerichtshof entschied in seiner am 28-. April d. I. abgehaltenen Verhandlung unter dem Vorsitz des Senat spräsidenten Dr. Alter, die angefochtene Entscheidung der Berghauptmannschaft sei als gesetzlich unbegrüttdet a u f z u heben. Aus dieser Verhandlung soll nur ein Moment hervorgehoben werden. Der Vertreter der Berghauptmannschafr, Herr Z a r a n s k i, stützte seine Vertheidigung einzig und allein auf zwei Memoranden des galizischenLandmarschalls Stanislaus Baden i — an das Ackerbauministerium, in denen der Landmarschall die neuen Bergpolizeivorschriften ohne Intervention des R e i ch s r a t h e s, der einzig berechtigten gesetzgebenden Körperschaft, trotzdem der Reichsrath in seiner im D ecemb er des Jahres 1898 gefassten Resolution die Aufforderung an das A ck e r b a u m i n i st e r i u m ergehen ließ, die bereits concessionierten Schächte durch die n eue n Vo rs chr ifte n nicht t a tt g ie ren zu lassen, approbierte. Diese Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofe erklärt ntdirect auch die neuen Bergpolizeivorschriften vom 10: September 1897 als ungiltig. Denn sie sagt wesentlich : Administrative Verordnungen können weder die Wirksamkeit positiver Gesetze ausheben, noch die auf Grund positiver Gesetze früher erworbenen Bergrechte außer Wirksamkeit setzen. Neue Länderbank-Moral. Die Folgen dieser Entscheidung sind klar. Die Länderbank, welche den reichen Gewinn ans dem Boden Boryslaws schon in den Taschen fühlte, sieht die Beute, die sie so scrupellos und brutal erhaschte, wieder entschlüpfen, sie steht nun wieder einer Reihe von Concurrenten gegenüber, gegen die sie nicht aufkommen kann. Aber die Länderbank hat eine dicke Haut und einen harten Schädel. Und wenn sie auch gerade nicht Wände durchsauberste Currentschrift — ja, er versteht sogar, Thora und Propheten mit den wichtigen „Troy" zu „kennen" ohite Vocale und Zeichen. "Natürlich ist der Rebbe dieser Leuchte seines Cheder ganz besonders zugethan, es ist der Stern, der ihm einen weithin leuchtenden Glanz verleiht, ein Magnet, der nicht nur anzieht, sondern der auch belebend und aneifernd wirkt. Auf der anderen Seite des Raumes in einer Ecke steht ein Waschtisch, darum herum ebenfalls eine größere ÄÄzW Knaben, scheinbar beschäftigt, ihre Aufgaben zu wiederholen, in der That aber sich über alles mögliche unterhaltend oder sich mit Allotria die Zeit vertreibend. "Nur der Stock des Rebbe ist imstande, von Zeit zu Zeit Ruhe in das Stimmengewirr zu bringen, bis später an sie die Reihe des Unterrichtes kommt. Das Alter der angehenden Talmudgelehrten variiert zwischen I- und 14 Jahren; der Jüngste ist ein hübscher, sauberer Junge, der eben angefangen, Alel-beth zu lernen. Während der ersten Wochen wird der Kampf mit den euriosen Schriftzeichen vom Rebbe dadurch unterstützt, indem er ihm erzählt, dass ein Engel für jeden Fortschritt eine Kupfermünze vom Himntel fallen lasse; und in der That kommt von Zeit zu Zeit ein Geldstück angerollt llnd bleibt gerade vor dem kleinen Burschen liegen. Rach und nach aber wird diese Anerketuumg seltener und hört endlich gänzlich auf, und der Glaube des Kleinen an die himmlische Gnade würde einen argen Stoß erleiden, hätte der Rebbe nicht gesagt, dass das Dach repariert worden und das Geld nun nicht mehr hindurch fallen könne. Auch bei anderen Knaben zeigt sich von Zeit zu Zeit solch ein himmlisches Wunder, namentlich wenn es sich um die Lösung einer „herben Kirsche" handelt. Auch denjenigen Knaben, deren Ettern mit Bezahlung des Stundengeldes etwas langsam sind, verspricht der Rebbe eine klingende Anerkennung. Ost aber bleibt das Geld auch ans, weil der Vater mit den Fortschritten seines, rennen kann, so hofft sie in Galizien mit guten Worten und anderen Dingen noch manches zu erreichen. So gieng sie denn sofort ans Werk, Gegenmittel zu ergreifen. Am 29. April, einen Tag nach der erwähnten Verhandlung beim Verwaltnngsgerichtshofe, nm 11 Uhr Bormittags, sprach ein junger Proenrist der Länderbank bei dem galizischen Landsmannminister Jedrzejowicz, dem Schwager des Landmarschalls Stanislaus Baden!, vor, nm Seiner ExeellenzdemHerrn galizischenLandsmannministcr die Situation klarznlegen. Bald darauf begab sich Herr Jedrzejowicz hieher nach Wien, allwo zwischen ihm, Herrn Hosrath Zechner und der Länderbank Conferenzen behnss Regelung der „Frage" stattfanden. Diese Mittheilungen stammen aus absolut zuverlässiger, christlicher und nnbetheiligter Quelle, wir haben nicht den geringsten Grund, an ihrer Wahrheit zu zweifeln. Das Resultat dieser Conferenzen ist uns vorläuflg noch nicht bekannt. Neue Thatsachen. Es sei hier eines Umstandes erwähnt, der einen klaren Beweis für die in Galizien herrschenden rechtlosen Zustände liefert. Der Vorstand des Revierbergamtes in Drohobycz, welchem B o r y s l a w untersteht, ist ein Herr Ad olf W eb er, der Schwiegersohn des G r u b e n d i r e c t o r s der galizischen Creditb a n k, L e o n a r d Wiszniewski. Nach § 4 der Instruction für die Berghauptmannschaften (Manz'sche Sammlung) soll ein Beamter, der in nahen verwandtschaftlichen Beziehungen zum Grubenbesitzer oder Director steht, nach einem anderen Bezirke versetzt werden. Dieser Bestimmung wurde vor Jahren,als HerrW i s z n i e m shjMch einfacher Grubendirector war, auch Folge geleistet, und Herr Weber kam doch von Drohobicz nach Stanislau. Inzwischen aber wurde der Schwiegervater, Herr Wiszniewski, Petroleumraffinerie-Besitzer, Brauhauspächter, Grubenbesitzer, Bezirks-Obmannstellvertreter, schließlich Landtags-Abgeordneter — und siehe, im Jahre 1890 kam auch der Schwiegersohn Weber trotz der ganz klare tt entgegen leuchten den Gesetzesbestimmung nach Drohobycz zurück. Bei anderen Beamten wurde sonst diese Bestimmung stricte eingehalten, wie z. B. bei Herrn Dr. Max Tamb or in Teplitz, Jaroslav Ho ul in Pilsen u. f. w. Nur bei Herrn Adolf Weber wird eine Ausnahme gemacht. Warum? Herr Adolf Weber ist seit 1 896 Vorstand des Bergrevieraintes Drohobycz, welches die 1896 und 18 9 7 erlassenen neuen Vorschriften für das Boryslawer Gebiet durchzuführen hat, sein Schwiegervater i st D i r e c t o r d e r B o r y s l a w e r G r u b e n der galizischen Creditbank, deren Director Herr M a r ch w i c k i ist; Herr M a r ch w i c k i war noch bis vorvierWochenVerwaltungsrath der Wiener Länder bank, welche gleichfalls Gruben in Boryslaw besitzt und der galizischen Creditbank auf die Boryslawer Gruben einen Vorschuss von über 15 0.0 0 0 G uld e n g egeb en h a t, welcher Vors ch tt s s nach der Miltheilung e i n e s h e r v o r r a g e n d e tt galizischett Kaufmannes eig e n tl i ch 3 9 0.000 G u l d e n betragen soll, und . , Natürlich soll damit gar nichts gesagt sein. Das alles ist nur eine zufällige Verkettung zufälliger Umstände, die Herren March w i c k i und Consorten sind selbstverständlich Ehrenmänner, die Läuderbank ist selbstverständlich ein Ehreninstitut und Galizien ist und bleibt die Perle Oesterreichs. Eine Berichtigung. Wir erhalten folgende Zuschrift: Lentberg, 10. Mai 1899. An die geehrte Redaction des „I ü d i s ch e tt V v l k s b l a t t es" tu W i e n. was natürlich nur in des Rebbe begründet Sprösslings nicht zufrieden ist, der mangelnden Aufmerksamkeit sein kann. Die Unterrichtsmethode und die dem Jargon innewohnende Vermischung jüdischer und anderssprachiger Ausdrücke führt oft zu den drolligsten Scenen, namentlich wenn der Rebbe nicht imstande ist, einen jüdischen Begriff in gemeinverständliche Worte zu kleiden. „Was 'heißt ' K'#z'!i'ppTchis bist waschi*)?" fragt eilt Schüler. „Kezappichis bichvasch ist Kezappichis bidwasch“, o lautet des Rebbe Antwort, indem er ans die letzten Worte den Ton legt. „Aber was i st den Kezappichis bidwasch?" wiederholt verwirrt der Fragesteller. „Die Kinder Israel murrten", erzählt der Rebbe, „so dass ihnen der Allmächtige Manna vom Himmel regnen ließ, und dessen Geschmack war Kezappichis bidwasch. Versteht ihr nun!'?" Der Junge besinnt sich einen Augenblick und schüttelt seufzend den Kopf. „Unsere Vorfahren dienten den Aegyptern 210 Jahre, bis sie von iMosche-Rabenu hinausgeführt wurden. Sie durchschritten das Rothe Meer und wanderten in der Wüste. Dort war es, wo sie zu murren begannen, worauf ihnen der Allerhöchste vom Himmel Manna regnen ließ, und der Geschntack dieses Mauna — so erklärt der Rebbe mit erhobener Stimme — war — Kezappichis bidwasch! Jetzt werdet ihr begreifen!" Der Knabe sitzt einen Augenblick in Gedanken versunken mtd schüttelt wiederum traurig mit dem Kopse. „Unser Erzvater Jacob mit seinen Kindern und Kindeskiudern — 70 Seelen int Ganzen, wie die heilige Schrift erzählt — zog hinab nach Aegypten. Als Josef *) In Hvnig getauchter Kuchen. Unter Bezugnahme auf den in der Nummer 12 Ihres geschätzten Blattes vom l. M. unter dem Titel „Die Katastrophe von Boryslaw" eingeschalteten Satz: „Der Vorstand des Revierbergamtes in Stanislau, Ober-Bergcommissär Podgürski äußerte sich offen, die neuen Vorschriften feien übertrieben und ungerecht. Diese seine Meinung veranlasste ihn, die neuen Vorschriften nicht mit der von oben geforderten Strenge durchzuführen, weshalb er bald von seinem Posten enthoben wurde." wird die geehrte Redaction aus Grund des £ 19 des Pressgesetzes ersucht, nachstehende Richtigstellung aufzunehmen : Es ist unwahr, dass ich während meiner activen Dienstleistung offen, oder vor irgend einer Person die neuen Vorschriften als übertrieben und ungerecht bezeichnete und infolgedessen dieselben nicht mit der von oben geforderten Strenge durchführte. Wahr ist vielmehr, dass ich die Durchführung der neuen Vorschriften vollkommen objectiv, wie jede andere Amtsangelegenheit behandelte, und dass ich infolge genauer und. gewissenhafter Erfüllung der mir obliegenden Dienstpflichten die über mich plötzlich aus Dienstesrücksichten verhängte Versetzung in den bleibenden Ruhestand als eine noch vollkommen unerledigte und rätselhafte Frage betrachte, zumal mir während meiner ganzen tadellosen Dienstleistung weder ein Vergehen vorgeworfen wurde, noch vorgeworfen werden durfte. Achtungsvoll Z d i s l a v P o d g ö r s k y, k. k. Bergrath i. R. Selbstverständlich mussten wir diese Berichtigung aufnehmen. Doch wer den zweiten Passus derselben liest, der wird sich eines verwunderten Lächelns kaum erwehren können. Wir wollen mit der Logik des Herrn Bergrathes nicht zu streng ins Gericht gehen. Die Berichtigung spricht ja zur Genüge. Es wird sich ein jeder sein Theil, das ja schließlich doch auf die galizischen Oberbehörden fällt, denken, und das wird derart sein, wie über Galizien überhaupt zu denken allgemach zur Gewohnheit wird. Inland. Wien. (Der Rechenschaftsbericht der Cultusgemeinde.) In die Redaction kommt uns ein Blättchen geflattert, das circa 70 Druckzeilen enthält und dazwischen eingestreut eine kleine Tabelle, also offenbar eine Rechnungslegung. Wir haben es im ersten Augenblick für den Jahresabschluss des Frauenwohlthätigkeitsvereines in einem kleinen ungarischen oder böhmischen „Jischuow“ gehalten — da plötzlich stellt sich heraus, dass es der Rechenschaftsbericht der Cultusgemeinde Wien für das Jahr 1898 ist. Irgendein Ich (das soll wahrscheinlich der Präses sein) gibt sich „die Ehre, zu berichten, dasssichdieFinanzläge der Gemeinde seit dem Jahre 1896 in absteigender Richtung bewegt", eine Ehre, um die ihn wahrscheinlich kein Mensch beneiden wird. „Die sich bewegende Lage" der Gemeinde hat nun ganz merkwürdige Uraber gestorben war, wurden die Kinder Israels zu Sclaven gemacht und mussten dem Pharao 210 Jahre dienen. Endlich wurden sie durch Mosche Rabbenu hinausgeführt, durchschritten das Rothe Meer und wanderten in der Wüste 40 Jahre. Als sie aber nach dem Auszuge aus Aegypten zu murren begannen, weil sie kein Brot hatten, da ließ der Ewige Manna vom Himmel regnen, und ■ dieses Manna -^-' buft der Rebbe mit starker Stimme dieses Manna war — Kezappichis bidwasch! Jetzt wirst Du doch endlich wissen, was ist Kezappichis bidwasch!?" Ganz verblüfft schauen die Knaben einander an. dann auf den Rebbe; der aber, welcher gefragt, sieht traurigen Gesichtes auf den Lehrer und — schüttelt den Kopf. Der Rebbe entschließt sich zu einer letzten großen Anstrengung, holt tief Athem, schaut auf den Knaben, als wollte er ihn durchbohren und beginnt endlich '. Im Anfänge schuf Gott Himmel und Erde. Er schuf den ersten Menschen und nannte ihn Adam. Rach Adam kam Noa, Abraham, sein Sohn Isaak. Isaaks Sohn hieß Jacob und dieser hatte 12 Söhne. Der Vorjüngste, mit Namen Josef, wurde an ismaelitische Händler verkauft und kam nach Egypten. Dann kam eine Hungersnot und in der Folge zog Jacob mit seinen Kindern und Kindeskindern — 70 Seelen im ganzen, wie die heilige Schrift erzählt — nach Aegypten. Als Josef aber gestorben war, wurden die Kinder Israels zu Sclaven gemacht und mussten dem Pharao 210 Jahre dienen. Endlich ivurden sie von Mosche-Rabbenu hinausgeführt, sie durchschritten das Rothe Meer und wanderten in der Wüste 49 Jahre. Als sie aber nach dem Auszuge aus Aegypten zu murren begannen, weil sie kein Brot halten, da ließ der Ewige, gelobt sei er, Manna von Himmel regnen und damit sättigten sie sich so lange sie in der Wüste waren. Dieses Manna mm — so schließt der Rebbe mit Aufwand seine ‘~.4 Ifer, WM

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.