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Jüdisches Volksblatt · 1899-04-28 · 11 (28.4.1899) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
11 (28.4.1899)
Date
1899-04-28
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 "Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 28. April 1899 Nr. 11 Es ist erfteiflich,-zu coustatieren, dass man in der ( letzten Zeit die"^jüdischen Männer" zu würdigen und die ihnen gehörige vüsäünttö Aufmerksamkeit uachzubolen beginnt. Wir haben es ohne Weisel dem von den Protest-Rabbinern verhassten Zionisiinrs W verdanken. Die großen PiiMlichkeiteu, die das russische Judenthum hervorbrachte, ttwrbVfl Menig in Westeuropa gewürdigt. Sogar unser nationalster HistöEer Prof. Grätz fand für sie keine Worte und bloß die'einzelnen Silben ihrer Familiennahmen sind in der „Geschichte der Juden" zu finden. .. Am schlimmstem-aber-ist es doch, dass sie sogar in der russisch-jüdischen Literatur keine genügende Würdigung fanden. Besonders wurden unsere-^nationalen Propheten wenig behandelt. Das lässt sich aus der Entwicklungsgeschichte der russischen Juden leicht erklären. Die nationale russisch-jüdische Presse musste aus Mangel an Anhängern ihre Existenz anfgeben und die Assimilation wurde das Steckenpferd. Und nun waren die Assimilanteu an der Tagesordnung, alles Jüdische wurde verdrängt und die „jüdischen Männer" wurden in ihren Gräbern nicht gestört. Die vorliegende Biographie behandelt das Leben und die literarische Thütigkeit einer Persönlichkeit, die uns — seitdem es anders wurde — sehr, sehr lieb ist. Peretz Smoleuskh. . Smölensky ist einist der edelsten Kämpfer der jüdischen Nation, für den der Kampf für die Verbesserung der Lage seiner Nation als das Höchste galt. Er arbeitete unermüdlich, wacker, unerschrocken/ ohne Hemmnisse und persönliche Leiden zu berücksichtigen. Ms schtieb, schrieb und schrieb — und das jüdische sich noch vor'Jahrtausenden in der Wüste durch Hartnäckigkeit auszeichnende Volk musste ihn hören. Bei jedem-Volke find solche Männer selten, und auch bei uns ist er Melder.seltensten in unserem Jahrhundert. Er war ein Mann/Wr auch wusste, was er wollte. Dies vorliegende Bild, obwohl es sich auf die Biographie von Brainin und Zeitungsaufsätze stützt, ist doch einigermaßen ganz selbständig abgefasst-Man sieht aus jeder Zeile, dass der Autor" ihn "liebt' " Unsere russisch lesende Jugend wird jetzt eine gute Quelle habech^ etwas" über Smölensky zu erfahren, obwohl mau. imme^^mvlensky selbst kennen muss. Aber, wollen wir hoffen; dassZämyWsnoch geschehen wird. Es geschieht ja bei uns jetzt so vieles^ Zutreffend ist, was Dr. Gottlieb am Ende des. Büchleins»«. .Smolens.ky sagt. Er war kein Verkünder neuer> weltbewegender Ideen, aber er war groß bei seinem Volke. -BebsihMhahnte er neue Wege, eröffnete einen neuen geistigen, .nmlLurellM Horizont. Und dabei das Stolze, Aufopfernde, föinem Wesen! Die Charakt«risrexlM-der Smölensky'schen künstlerischen Werk iD--nicht grün^chWaber doch ziemlich gut. Bloß das Porträt sollte mit mehr SAtzfalt besorgt werden. Auf diesem Bilde sind gänzlich „jene schön gereimten Lippen, die man nur bei Dichters sindE v^Wvuyden. - Al. . i'-. i r i} Tfl t. . i % \ \ Nus der VörjeMvelt. Eine geringfügige Begebenheit, welche sich auf dem Gebiete des localen Börselebens in der verflossenen Woche zutrng, verdient trotz ihres etwas schablonenhaften Zuschnittes einigermaßen beachtet zu werden. Können auch die bethejligten Personen nicht den Anspruch auf hervorstechende Originalität erheben, so gewährt diese kleine Episode; dennoch einen erschöpfenden Einblick in die engen Beziehungen, die, zwischen dem ., spielenden' Privatpublicum und einigen jobbernden Freibeutern am Schottenring bestehen. Die fast typisch gewordenen Figuren der subtilen Tragikomödie sind männiglich bekannt.. Auf der einen Seite der leichtgläubige, gewinnsüchtige Committent — in dem vorliegenden Falle eine Kunde weiblichen ^Geschlechter — auf der anderen der Commissionär, welcher die präcis.est gefassten Ordres erhält, und der ebenso genau das stricte Gegentheil dessen vollführt, wozu er den Auftrag empfangt. Der grelle Contrast zwischen dey, Auffassungen zweier beruflich grundverschiedener, im Principe des Berdienens -jedoch vollkommen übereinstimmender Menschenclassen ist gleichfalls keine neue Erscheinung. Actuell bleibt jedoch stets der melodramatische Einschlag derartiger kleiner Ereignisse, an welcher das nüchterne: Alltagsgetriebe achtlos vorüberhastet, und die nur für, ganzflüchtige Momente die Ocffentlichkeit beschäftigen. Recht benierkenswert in den Darstellungen, welche. über das durchaus unbiblische Gebaren des Herrn , Goliath bekannt wurden, ist immerhin die erschütternde Vertrauensseligkeit, die ihm aus dem vorwiegend w e i b l i ch e n K r e i s e seinem ■ Clientel entgegengebracht wurde. Der gute Mann war geradezu einer Flut von Depots ausgesetzt, die, aus zarten Händen ihm stürmisch anfgedrängt, er nicht, hesser als zu seinem eigenen Vvrthcil verwenden konnte. Hetr Goliath blieb eben ein riesiger Gegner der festen Tendenz in Eisen werten, er erblickte in ihren f o r t g esetzt steigenden Preisen einen unleugbaren Beweis der großcapitalistischen Corrnplion, und unbekümmert um die Marktlage, respectierte er zunächst seine eigene Meinung, die ihn ganz wider Willen schließlich mit dem gestrengen Herrn Dr. Bobies in Verbindung brachte. Diese Relation mochte Herrn Goliath gewiss nicht besonders erwünscht dünken, allein seine hartnäckige Weigerung, die ihm als Deckung übergebenem Wertpapiere zurückzuerstatten und ebenso seine Abneigung - gegen die Auszahlung der Differenzen, konnte keinen änderen Effect, als die-Erstattung der Strafanzeige mit sich bringen.. Zn bedauern ist - nur, dass einige, in ihren materiellen Interessen tief geschädigte Damen es für geboten erachtet haben, sich den Schritten gegen diesen „Banquier" ohne Casse und ohne Bücher nicht anzuschließen, um.ihre Namen und ihre Beziehungenzum officiellen Cours-. blatte auch fürderhin in den Deckmantel der Verborgenheit zu hüllen. Gegen Auswüchse des legitimen Effektenhandels, die in Herrn Goliath ihren bezeichnendsten Repräsentanten finden, kann jedoch nur ein solidarisches Vorgehen a l l e r G i ä n b i g e r als wirksame Remednr angewendek werden. Derartige Elemente müssen, wenn die Börse nicht weiter verunreinigt weiden soll, von derselben mit aller Energie ferngehalten werden, und Ausgabe der maßgebenden Factoren ist es, dieses Parasitenthum gründlichst auszurotten. . Doch nicht allein in den Niederungen des so verpönten und doch üppig blühenden Börsenspieles wäre eine rücksichtslose Reinigungs-Action unbedingte Nothwendigkeit; auch in die stolzer! - Höhen verwaltungsräthlicher Conventikel müsste die purificierende Kraft emporreichen, die sich nur schüchtern und zaghaft hervorwagt und die mit der Macht des Besitzenoch immer einen harten Kampf besteht. Die Nordbahn, das älteste und erträgnisreichste Verkehrs- Unternehmen der Monarchie, bietet zu dieser Betrachtung den allergeeignetsten Anlass. In einer animierten Stimmung, welche sich offenbar nach einem opulenten Diner einstellte, hat es dem Regenten dieses Schienenweges beliebt, die Lücken des Aufsichtskörpers, durch Männer zu ergänzen, denen eine ebenso hervorragende Vergangenheit als profundes Verständnis für Tantiemen nachgerühmt werden kann. Zwei verflossene Minister, die Herren Kittner und Guttenberg, welchen außer ihrer Pension auch noch die angenehme Erinnerung an ihre frühere amtliche Thütigkeit zur Verfügung steht, sind auserkoren, die reichen Erfahrungen, welche sie nicht gemacht haben, zu Nutz und Frommen der Nordbahn zu verwerten. Es darf jedoch keinesfalls übersehen werden, dass diese Verwaltungsrathsstellen nrit einem jährlichen Einkommen von je f ü n f z e h n t a u s e n d Gulden dotiert sind, welcher Betrag den Günstlingen des blaublütigen Millionärs mit rührender Pünktlichkeit in drei Raten zufließt. Man kann daher mit aller Beruhigung die Nordbahn als V e r s o r g u n g s a n st a l t f ü r e u t l a s s e n e Nt i n i st e r begrüßen, namentlich dann, wenn letztere noch über Beziehungen zu. denjenigen Kreisen verfügen, deren Zustimmung zur Erledigung gewisser Fragen der Tarifpolitik erforderlich erscheint. Erfreuliche Auspicien bieten sich daher den hohen Staatsfunctionären, die mit dem blauen Bogen in der Hand, sich der Bürden ihrer verantwortungsvollen Geschäfte entledigen, und welche frohen Muthes einer Zukunft entgegensteuern, deren Reize sich in dem leichtfasslichen Begriffe fettester Sinekuren vereinigen. Da soll noch einer behaupten, dass Oesterreich kein glückliches Land sei; sie mögen es uns nur nachahmen, draußen in den verschiedenen Staaten des Continents, deren Gesetzgebung es strenge untersagt, dass Minister, gleichviel ob er activ oder außer Dienst, bei einer Gesellschaft, die zu öffentlicher Rechnungslegung verpflichtet ist, irgendwie einen Posten bekleiden. Etwas unangenehmer machen . sich,.die Räthe her Krönt bemerkbar, die noch'' in vöflkommeü unerschütterter Gesundheit '•.litl.ir. .. — 42 — J 1 L’, ist, in einer so" delicaten Angelegenheit, so offen und freimüthig geäußert haben. Allein W^hab^'wirklich Mitleid mit dem armen Teufel von Dichter, der sich-Wrrgeb'en's bemüht, das Herz dieser spröden Schönen zu - erobern,- ich wollte-die günstige Gelegenheit benützen und diesen Schritt zu seinen GunsteiMtffM Wie Sie gesehen haben, ohne den mindesten Erfolg. . ^b.Das Trauölge beider Sache ist — erlaubte sich Baron Kvhn zu Gewerken — dass^das.Aräulein, wenn es einen solchen Mann versteht, ich MiMMnen sylcheü Geist/ wie es nach dem vorgelesenen Gedichte zu urtheilen der Ver^chguähte" zu sein scheint, jedem anderen noch viel weniger Hoffnung machen oarf,'die Gunst dieses Fräuleins zu erringen. Das ist^nicht so ausgemacht — sagte Fanny, ohne aufzublicken — wie der Herr: AsM. , Darauf entstynd eine allgemeine Pause. Nach kurzem standen die beiden Mädchen ans und mit Kopfnicken leise grüßend, entfernten sie sich und verschwanden bald in dem Menschengewoge seinen Augen, mit denen er ihnen, so lasige.es möglich, nachgespäht hatte. - v IX. "Äron Kohn blieb noch lange sitzen; er wußte nicht, wie ihm geschehen war. Für den unbekannten Dichter, dessen Gedicht er da zufällig kennen gelerut/Hatte-. er sogleich große Sympathie. Ein Gedicht an die Geliebte, das so ganz im allgemeinen gehalten war und gar nichts Persönliches berührte, das kann nur. ein sehr hochstehender Mensch gemacht haben. Es inuss eine Natur stzin.-wie der Vetter Wolf gewesen ist. Wie stark aber auch seine Sympathie für den unbekannten Dichter erwacht sein «lochte, so gewährte es ihm, 'er wusste selbst nicht warum, eine gewisse Befriedigung, dass Fanny sich dem poetischen Bewerber gegenüber unzugänglich erwies. Der Anblick dieses Mädchens hatte ihn in einen Taumel von Liebestrunkenheit versetzt. Ob sie den Dichter verschmähe, weil sie ihr Herz bereits an einem anderen verschenkt, . dG. hieht, e.r^für »Wahrscheinlich, denn die letzten Worte, die sie sprach, ließe"« -veiMuthM5-b'äss "nicht für jeden anderen alle Hoffnung abgeschnitten feii.ba&.vtt, ^orte auf ficf) beziehen sollen, das wagte er nicht einmal denken, viel weniger sich mit einem so hochfliegeudonr GchEttL^Mich zu beschäftigen. Die Macht'lnMnttJ'sich über die Erde zu lagern. Aron Kohn erhob sich, um nachhlÄä^AstJM^. Plötzlich begann es zu regnen; zuerst.fielen nur vereinzeltsHtMn«HrApfett nieder, - allmählich aber wurde-der Regen stärker, und wer *(o vorsichtig gewesen war seinen Regenschirm mitzunehnleu, -der.spannte ihm-Mts?. Mon Kohnwar nicht einer von den Vorsichtigen 'gewesen; er nahw'dkhev ckit'großer Freude das Anerbieten eines jungen -Mannes an, det ih'U'Unter den Schutz seines Regenschirmes nahm. Aron siulsste sich ihm ^Mäsigen, weil sie so'fester aneiuaiidergeschlossen sicherer >gehen könnten nyo'^.eHE.gegeil den Regen, der in strömendem' Gusse herabfiel, geschützt wärem' So kameii sie aus dein Prater bis in die Jägerzeile, wo "der U'nMästMMk Vlgeu Kdhn den Vorschlag Mächte, mit ihm in — 43 — eines der Kaffeehäuser zu gehen und dort das Ende des Gewitters abzuwarten. Kohn' nahm den Vorschlag an. Sie giengen in ein Kaffeehaus sind bald saßen die beiden Nach den Formalitäten des gegenseitigen Vvrstellens im lebhaften Gespräche beieinander. Samuel Feigengold war ein junger Mann, den man rasch liebgewinnen konnte. Er war nicht gerade schön, aber ein interessanter Kopf, mit einem offenen, frischen und fröhlichen Gesichte, dem man es nicht angesehen, dass sich hinter der hohen Stirne die tiefsten Frage", über Welt und Men'schenschicksal eine Wohnstätte anfgeschlägen. Es ist sehr merkwürdig — bemerkte Samuel — durch welche Umstände manchmal Menschen zusammengeführt werden, die sich ohne diese wahrscheinlichHnemals kennen gelernt hätten. Aron hatte rasch begriffen und sagte: Zum Beispiel dieser Regen und Ihr Regenschirm. Gewiss' rsetzte Samuel fort — ich habe Ursache diesem Regen und meinem Schirnie dankbar zu sein.. Die Probe aber für den Wert eines solchen'zufälligen Zusammentreffens liegt im Auseinändergehön.- Sie meinen wohl — sagte Aron — ob man beim Auseinandergehen den Wunsch hat, wieder zusammenznkommen. 'So ist es — sagte Samuel — wenn dieser Wunsch nicht gegenseitig -ist-,"-so ist die Bekanntschaft wertlos; denn Wert verleiht allem, was sich in der Welt ereignet, nyr die Dauer. Ich weiß nicht — sagte Aron — ob ich es wagen darf vorauszusetzen, dass unsere Bekanntschaft von Dauer sein werde; denn ich traue - mir durchaus nicht die Kraft zu, einen Mann von Geist, wie Sie es zu sein scheinen, auf die Länge der Zeit festzuhalten. Seien Sie-aber versichert, dass ich mich glücklich schätze, Sie gefunden zn habe». " Sie haben einen großen Vorzug, Herr Kohn, vor tausenden anderen —; sagte SaiNttel' — eine Eigenschaft, die mich immerfort an Sie fesseln wird. Sie hüben die Fähigkeit, verständnisinnig und liebevoll in alles einzugehen .Mh den Faden genau . da. anzilknüpfen und weiter zu spinnen, wo ihn det'.Hstdere loslässt oder abreißt, während die meisten Menschen, , jpder einzelne egoistisch nur mit sich selbst beschäftigt, das meiste von dem, wqs der andere sagt, gar nicht, hört'-oder nicht versteht, oder falsch aufsasst und verdreht,! so dass eingesittetes, ans«- der Grundlage gegenseitigen .ElstgegenkuWNWs geführtes Gespräch höchst selten ist. ' - ' - - Erlcniben Sie mir,. Herr Feigengold — sagte Aron — die Ein- . - Wendung, dass es so schlimm iitt allgemeinen doch nicht stehen kann; denn- .!, -MM eS.-.:so, dann,.iMe.,Zq,..^dfp-Perkehr unmöglich. , . . Pardon sagte Samuel — Sie haben mich missverstanden. Sie sprechen vom Verkehr/ das ist allerdings leidlich geregelt. Ich-habe nicht V j.. dje'EbLiü ztt wissen, welchem Stände Sie angehören. — 7 v 1 ^Dem Handelsstande ---- warf Aron dazwischen und Samuel setzte i.77 / .»foi;t,::/.'Also gut! Dem Handelsstande. Dahaben , wir den Käufer und Verkäufer. Jeder von beiden sucht seinen Vortheil. Es handelt sich da

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