Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 11 (28.4.1899)
- Date
- 1899-04-28
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Sr. 11 Wien, Freitapr Jüdisches Volksblatt Seite 7 2S. April 18<J9 ihre Portefeuilles verwalten, unter denen namentlich das des Krieges einen ziemlich gruseligen Ruf genießt. Das Gerücht, welches von der Verm ehr«n g der Kanonen und der Einführung eines neue n, s chnellfeuernden Cavallerie-Gewehres berichtete, erhält sich constant auf der Oberfläche des Tagesgespräches und gibt zu nichts weniger als fangninischen Vermuthungen reichlich Gelegenheit. Steigt das Budget des Kriegs-Departements, so fallen in der Regel die Curse der Renten, und thatsächlich vollzog sich in den ersten Tagen dieser Woche ein namhafter Rückgang in den Preisen der Staatspapiere, welches Vorkommnis wohl geeignet ist, allerlei Bedenken wachzurufen. Wenigstens nach der Richtung hin, dass die Möglichkeit der Einbringung neuer Steuer-Vorlagen nicht ausgeschlossen ist, ergeben sich deutliche Anzeichen. Charakteristisch für unser Jahrhundert bleibt es gewiss, dass die Friedenspalme nur in der Atmosphäre waffenstarreuder Kriegsbereitschaft gedeihen kann, allein die Börse findet sich mit dieser fragwürdigen Berechtigung dieser Antithese nicht ab. Sofort gelangten umfassende R e n t e u p o st e n aus Kreisen zum Verkaufe, denen nichts weniger als speculative Absichten zuznmuthen sind. Das halbe Percent, um welches die Renten fielen, spricht mit deutlicheren Worten, als alle Beschwichtigungsversuche, die von officieller und officiöser Seite unternommen worden. Der bewaffnete Friede ist eben ein Zustand, der die schwersten finanzil'llen Opfer erheischt, und diese vermag nur ein wirtschaftlich gesünderer Körper als der Oesterreich-Ungarns zu ertragen. öo: eas. Aus den jüdischen Organisationen. (Jüdischer BolkSverein.) Derselbe hielt am Donnerstag den 27. d. M. im Hotel Continental eine zahlreich besuchte Versammlung ab. Nach Eröffnung derselben durch den Präsidenten Herrn Hermann Eltbogen begrüßte der Genannte die Erschienenen, unter welchen sich Herr Hofrath K a r e i s, die Cultusvorstände Dr. Spitzer, Dr. Berger und Ingenieur o. Mieses befanden, gedachte der jüngst verstorbenen Baronin Hirsch in marinen Worten und ertheilte sodann dem Herrn Rabbiner Dr. N e u m a r k das Wort zum Vortrage: „Ethik und Nationalismus im I u d e n t h u m e". Der Redner, lebhaft begrüßt, besprach mit Geist und Geschick unter gespanntester Aufmerksamkeit der Zuhörer das schwierige Thema, ändern er, die Begriffe der Ethik und des Nationalismus definierend, die Fragen aufwarf, ob Ethik national ist und ob Nationalismus ethisch sei. Indem der Vortragende das bekannte Buch von Prof. Lazarus einer Besprechung unterzog, gelangte derselbe zum Schluffe, dass die Gebote der Ethik allgemein sind, rndess sich die Gebote der Völkerethik, der Nationalismus, auf Grundlage der Cultur und des Charakters der einzelnen Völker ausbauen. Diese beiden Pöstultate sind die wichtigsten Momente zur Entwicklung des Judenthums, das eine nach innen, das andere nach außen. Wir werden auf die geistvollen Ausführungen des Redners noch zurückkommen. Der Vortragende schloss unter starkem Beifall der Anwesenden. (Constitnierende Versammlung des Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis.) Im Sitzungssaale der Wiener israelitischen Cultusgemeinde fand Donnerstag, den 27. April die constitnierende Versammlung des Vereines sür unentgeltlichen Arbeitsnachweis statt. Der Einberufer, Herr Dr. Alois K l e n, p e r e r, begrüßte namens des vorbereitenden Crmites die Erschienenen und erörterte sodann, indem er einen kurzen Rückblick auf die Gründe zum Entstehen des Vereines warf, und des Zusammenwirkens der Vereine „Bnei Brith" und des Vereines zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender gedächte, die Zwecke und Ziele des neuen Vereines. Sobald die Statuten genehmigt sein werden, was unmittelbar bevorstehe, werde sich der Verein an alle Cultusgemeinden und humanitäre Vereine um Unterstützung und Förderung wenden. Der Zweck des Vereines sei nicht, Almosen zu gewähren, sendet» arbeitsfähige Existenzen vor der Gefahr zu behüten, Almosen Nehmen zu müssen; der Verein wird für den Arbeitsnachweis sowohl manueller als auch geistiger Arbeiter, ohne Unterschied des Alters und des Geschlechtes sorgen und stets vollste Gerechtigkeit üben (Beifall). Herr Baurath Stiaßny besprach nachmals eingehend die Tendenzen des Vereines, dankte ganz besonders Herrn Kais. Rath Lichtenst a d t für die ersten Intentionen zur Gründung, erwähnte die besondere Wichtigkeit der Organisation in dieser Richtung. Der Redner schloss mit der Mittheilnng, dass der Cultusvorstand für heuer eine namhafte und für weiterhin steigende Subventionen bewilligen werde (Beifall). Namens der Cultusgemeinde begrüßten die Cultusräthe Herren von Gvldschmiedt und Salo Cohn den Verein nnv sicherten ihm die Unterstützung der Gemeinde. Sodann beantragte Herr Dr. Edmund K o h n die Wahl nachstehender 15 Herren zu Functionären auf bie Dauer von 5 Jahren: Fabrikant Siegfried Engel, Secretär Adolf Frankl, Privatier Carl G o l d m a n n, Procurist Emil Horner, Dr. Alois Klemperer, Dr. Gustav Längsten, Kais. Rath Johann Lichtenstadt, Banquier Sigmund R o s e n f e l d. Bauräth Wilhelm Stiaßny, Oberbaurath Sigmund T a u s s i g, Dr. Bela T a u s s i g, Fabrikant T e! t s ch e r, Eduard Wiener, Privatier Albert Winterb erg und Fabrikant Julius Wolf. Nach der perAcclamation einstimmig erfolgten Wahl der genannten Herren schloss der Vorsitzende die Versammlung. Kerichtigurrg. An die geehrte Redaction des „Jüdischen Volksblatckes" in Wien. Unter dem Titel „Ein Interview mit Dr. Max Nordau" veröffentlichen Sie in Ihrer Nummer vom 7. d. M. einen Bericht über eine Unterredung, die Herr Dr. Salz mit mir gehabt haben will. Es ist richtig, dass Herr Dr. Salz mich in Paris besucht und mir zu meinem größten Erstaunen auseinandergesetzt hat, dass er, der als politischer Zionist in Vertretung politischzionistischer Wähler an zwei ausdrücklich politisch-zionistischen Congressen theilgenommen, nun plötzlich ein Feind des politischen Zionismus geworden ist. Dagegen ist die Darstellung des ganzen Verlaufes der Unterredung vollkommen unrichtig und manche Einzelheiten sind schlechthin erfunden. Ich habe z. B. niemals von „drei gekrönten Häuptern"' gesprochen, deren Hilfe uns sicher sei, es ist eine bare, dreiste. Unwahrheit, dass ich gesagt hätte, man müsse dem jüdischen Volkes allerlei Versprechen, es ist eine ebenso dreiste Unwahrheit, dass ich über eine „famose" oder nicht famose „Wahlordnung", von der ich kein Sterbenswörtchen weiß, „ausweichende Antworten" gegeben haben soll. Wenn Herr Dr. Salz sich unterstanden hätte, vor mir von „rücksichtslos reclamevollen Versprechungen" zu sprechen, die „man" den „Volksmassen" mache, so würde selbst die Rücksicht eines höflichen Hausherrn auf einen Besucher mich nicht abgehalten haben, ihm sofort mit einer Entgegnung zu dienen, die seinem Besuche ein jähes Ende bereitet hätte. Herr Dr. Salz hätte ehrlicher gehandelt, wenn er, statt wirkliche Aeußerungen bis zur Unkenntlichkeit zu entstellen und andere, die ich nie gethan, frei zu erfinden, wenigstens andeutungsweise wiederholt hätte, was ich ihm über sein Gehaben auf dem 1898er CongrM gesagt habe. Mit der Bitte, dieser Erwiderung jn jZhren' Blatte Raum geben zu wollen, bin ich Ihr hochachtungsvofi,. ergebener; ) '' . Dr. Paris, 13. April 1899. J #t.. Max Nordau. Nordau übermittelte vorstehendeMexzchtigung der Redaction der „Welt" mit dem Ersuchen, dieselbe zu übergeben, doch ist uns diese durch ein Missverständnis,zu spät zugekommen. Wir nehmen an der Veröffentlichung, keinen Anstand, müssen jedoch die Beantwortung Herrn Dr. S a l z überlassen. Briefkasten. f).: Anonyme Zuschriften finden keine Beachtung. R—y in K. Der „Karmel" befindet sich I., Börseplatz 6. Sam. S. in Rzes^ow. Die Wohlthätrgkeits-Stiftung der Baronin Hirsch befindet sich IX., Wasagasse 8. L. G, Luhatschowitz. Hierüber können wir keine Auskunft geben. M. Engel. Vorzüglich! Wir bitten um Fortsetzung. Besten Gruß. Arwan in P. Sie wollen von uns die Auskunft, welche Bewandtnis es mit dem „nur Muth" des Kirchenfürsten habe. Das wird wohl niemand erfahren, denn die Journale ergehen sich bloß in Combinationen. Uns will es scheinen, dass dieser Ausdruck bei den kath. Seelsorgern nicht selten ist, und haben wir denselben schon einmal vernommen. Als der Frauenmörder Hugo Schenk justificiert werden sollte, schritt er mit einem ciimschen Lächeln festen Schrittes in den Tod, während sein Complice Schlossarek angesichts des Nichtpflockes zusammenknickte. — Pater Koblitschek, der dem Delinquenten die Tröstung der Religion spendete, rief ihm in diesem Momente zu: „Muth, Much, mein Sohn." Seit der französischen Revolution ist dieser Ausdruck typisch geworden. . . Ludwig B. in B. Manuscripte werden nur auf ausdrücklichen Wunsch erst dann retourniert, wenn denselben das Retourporto in Briefmarken beiliegt. Wegen des großen Einlaufes ist es nicht möglich, die Manuscripte sofort zu sichten," jedoch muss alles innerhalb 6 Wochen erledigt sein. I., Naglergasse 2 übernimmt Arbeiten nach Manuscrlpt, SteriogVamm und Dlctat in jeder Anzahl und Sprache. EfTectuienn® billigst und raschest. GENERALVERTRETUNG 120.000 im Qebraneh«. der besten Schreibmaschine SMITH PREMIER. Telephon 11971. 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