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Jüdisches Volksblatt · 1899-04-28 · 11 (28.4.1899) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
11 (28.4.1899)
Date
1899-04-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 1 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 28. April 1890 i'r. 11 wäre nöthig gewesen, die würdige Feier also einznleiten. Der Gottesdienst selbst, welcher eine sehr grosse und andächtige Gemeinde versammelte, machte aus alle Anwesenden einen erhebenden Eindruck. Tie Gesänge des Cantors Heller leiteten die Rede des Religivnslehrers Dr. M. Grünseld ein, welcher in einfachen, zu Herzen gehenden Worten, die wahrhaft allumfassende Wohllhütigkeit der Verewigten pries. Unauslöschlich werde ihr Bild svrtleben in der Geschichte unseres Volkes. Die Jugend, welche besonders zahlreich erschienen war, hat solche große Vorbilder in unserer Zeit, in welcher der Name des Jndenthnms so häufig geschmäht wird, wahrlich sehr nvthwendig. Schon ans diesem erziehlichen Momente war die gottesdienstliche Feier ein Gebot der Pflicht, ein Kiddusch Ha-Schem. Wenn sich unsere, des Jndenthnms häufig schämenden Jünglinge nicht an solchen Vorbildern emporranken sollen, wie kann man sich wundern, wenn sie, die nichts als Beschimpfungen zu hören bekommen, in Hellen Schaaren unser Lager verlassen? Die wackeren Männer, welche allen gegnerischen Meinungen sich entgegenstellend, diese würdige Tranerfeier zustande brachten, haben sich ein Verdierkst um das Judenthnm erworben und gewiss, alle guten Menschen werden ihnen dafür Dank wissen. Der Gottesdienst selbst und das „hohe Lied", das auf die wackere Frau in diesent angestimmt wurde, werden den Besuchern, welche das Gotteshaus in allen seinen Räumen füllten, unvergesslich bleiben. Nur wenn ein Volk seine großen Todten ehrt, ist es wert, sortznbestehen. Iwri. Prag. (A ufgelöste jüdische Versa m m l u n g.) Zum erstenmale seit dem Bestände der zionistischen Bewegung hatten die Anhänger derselben für den 24. d. M. eilte öffentliche, jüdische Versammlung in Prag einberusen, in welcher die Ziele des Zionismus sowie die Colonisation von Palästina zur Discussion gelangen sollten. Als Referenten in dieser Versammlung, zu welcher mittelst deutscher und czechischer Einladungen lebhafteste Propaganda gemacht worden war, fungierten Herr Dr. Leopold K a h n, Hof- und Gerichtsadvocat, und Herr Pork-Steiner, Schriftsteller, beide ans Wien. Lange schon vor Beginn der für 8 Uhr anberanmten Versammlung hatten sich hunderte im großen Saale der Productenbörse eingefunden, und bald war der /Raum von einer nach 3000 Köpfen zählenden Menge so dicht gefüllt, dass mehrere hundert Personen nicht mehr Einlass fanden. In drei Parteien zerfielen die Theilnehmer: die weitaus größte Zahl stellten die Anhänger der zionistischen Bewegung, während die beiden anderen Parteien, Svcialdemokraten und czechische Juden, die Minderheit bildeten; als die beiden letztgenannten Fractionen am Beginne der Versammlung Geschäftsordnungsanträge stellten, wobei ihre Anhänger sie lärmend unterstützten, begannen die tumultuösen Scenen, die sich später in verstärktem Maße wiederholten, und den Regierungsvertreter bewogen, die Auflösung der Versaulmlung auszusprechen. Den eifrigen Bemühungen des Dr. Kahn sowie eines anderen Theilnehmers der Versammlung gelang es aber, durch einen warmen Appell an die Anwesenden Ruhe zu ermöglichen, worauf der Regierungsvertreter über eindringliches Bitten des Einberufers die Wiedereröffnung der Versammlung gestattete. Zur Geschäftsordnung stellte ein Socialdemokrat den Antrag, die Discussion sofort nach dem ersten Punkte der Tagesordnung: „Die Ziele des Zionismus" einzuleiten, welcher Antrag unter lebhafter Unruhe auch angenomnien wurde. Sodann erst wurde zur Wahl des Vorsitzenden geschritten, und Herr Rabbiner Dr. Neumark als solcher gewählt; derselbe ersuchte in deutscher und czechischer Sprache die Versammlung, den Referenten ruhig anzuhören, und ertheilte sodann Herrn Dr. Kahn das Wort, welcher die zionistischen Bestrebungen, Tendenzen und Ziele darstellte. Der anrechnen. Thorheit wäre es und offenbares Unrecht zugleich, wenn man die Wuthausbrüche auch der edelsten Deutschen und Franzosen im Jahre 1807 oder 1870 als Grundsätze der deutschen und französischen Ethik citieren wollte Der gerade zu den erleuchtetsten Männern seinerzeit gehörende Simon ben Jochai wird am wenigsten gedacht haben, seines herben Grames und heftigen Grimmes hartes Wort zu einem Lehrsatz zu stempeln. Gegen die Urheber solcher Worte muss man gerecht sein, die Worte selbst aber muss man ebenfalls gerecht richten. Man hat auch wegen eines anderen Ausspruches von Simon ben Jochai: Ihr seid Menschen genannt, aber die anderen Völker heißen nicht Menschen" Zeter und Mordio geschrien. Doch höre man nach dem Grundsätze: Audiatur et altera pars, was Lazarus dazu zu sagen hat. Er lässt sich folgendermaßen vernehmen: „Sehen wir den Zusammenhang, in welchem der Satz sich findet, so schwindet jede Härle; es handelt sich nämlich um die reinheitsgesetzliche Frage: ob die Grabstätte des Nichtjuden verunreinigt? Darauf sagt Rabbi Simon, an der betreffenden Stelle des 4. Buches Mos. 19,24 heiße es: „Wenn ein Mensch stirbt u. s. w., hier bedeute Mensch nur Israelit; denn nur für diesen gelten die Reinheitsgesetze, weil sie ritualer Natur sind, sowie sie auch für den Israeliten außerhalb Palästinas keine Geltung haben. — Gesetzt aber, der Spruch wäre allgemein gedacht, sagen wir nicht in heutiger Zeit allgemein in allen europäischen Sprachen, wenn jemand grausam handelt, dass er unmenschlich handle? Nennen wir nicht den in wilder Rachsucht Wüthenden einen U nm ensche n? Sagt dies etwas anderes als: er verdient nicht Mensch zu heißen? denke man an die römischen Verfolgungen und Grausamkeiten. Nur eine Thatfache sei erwähnt: Titus hat am Geburtstage des Domitian, seines Bruders, 2500 und des Vespasiän zur „Feier" desselben wiederum eine große Zahl der gefangenen jüdischen Flüchtlinge schlachten lassen. Diese römische „Wonne des Menschengeschlechtes!" Menschen wehrlose Gefangene, Unschuldige schlachten, schlachten zur Vortrag wurde ziemlich ruhig entgegeugeuommeu und währte ungefähr eine Stunde. Als aber, nachdem der erste Redner geendet, der Vorsitzende dem zweiten Referenten, Herrn 2) o r k- S keiner, das Wort ertheilen wollte, erhob sich ein unbeschreiblicher Tumult, der sich auch dann nicht legte, als der Vorsitzende, auf den ihm unbekannt gebliebenen Beschluss aufmerksam gemacht, dem ersten der vorgemerkten Redner, Herrn Dr. O. Bond y, das Wort zur Discussion ertheilte. Da Die Wogen der Erregung immer höher und höher giengen, sah sich der Regierungsvertreter veranlasst, diesmal aber endgiltig, die Versammlung aufznlösen, und hatte die zahlreich aufgebotene Sicherheitswache Mühe, den Saal zu räumen. Die Erregung aber pflanzte sich bis auf die Straße fort, und erst lange nach Schluss der Versammlung trat auf dem Platze vor der Börse Ruhe ein. Nachod. (Zu den Excessen.) Die „Arbeiter- Zeitung" hat mit großer Entschiedenheit die Vermuthnug zurückgewiesen, dass sich organisierte Arbeiter au den Nachoder Excessen betheiligt haben. Nmi erfuhr ich durch einen politisch indifferenten Nachoder Studenten, dessen Vater sich mit unter den Geplünderten befindet, dass derselbe mit eigenen Ohren ans der stürmenden Menge den Ruf hörte: „Wer vom „Lidumir“ (socialdemokratischer Arbeiterverein) da ist, hält mit! Vorwärts!" und das erste Lied, welches beim Ansrauben der Lande s'schen Kleiderhandlnng auf der Harmonika gespielt wurde, war — „rudi prapor“ (Das rothe Banner), d. h. das Bundeslied der czechischen Socialdemokratie!! — Die weitere Behauptung der „Arbeiter-Zeitung", als wäre die Plünderung nur Rache gewesen, da die Kanflente auf Seite der Fabrikanten standen, ist auch unwahr. Die jüdischen Kaufleute hatten in keiner Weise ihre Sympathie für die Fabrikanten geäußert, ja sogar — ans Furcht vor den Arbeitern — sich mit kleinen Beträgen an der Strikegeldersammlnng betheiligt. Zur Rettung des Mehlhündlers Lewith, des Schnlwarenhändlers S ch u l h o f und des Schaittwarenhändlers Straß genügte es, dass die christlichen Hanseigenthümer T n r e k, R e tz a k und B a r t o n (Fabrikant) vor die Thüren traten und sich barsch Angriffe verbaten. Gewiss, Abgeordneter H y b e s ch und andere socialdemokratische Führer bemühten sich redlich, ihren Anhang zu meistern, aber sie haben — wenn es auch die „Arbeiter-Zeitung" nicht gestehen will — die Massen und deren Rasseninslincte nicht in der Hand. Halt, noch etwas! Da ein gut Theil der Nachoder Arbeiter c z e ch i s ch n a t i o n a l eingeschworen ist, ist es nicht interesselos, dass der mittellose Kleiderhändler Landes von ihnen nicht verschont wurde, trotzdeni er einen czechisch-jüdischen „Kaperverein" (nach dem „Erfinder" Dr. Kaper in Prag) gegründet und seine tentschen Glaubensbrüder stets erbittert bekämpft und bei den Czechen denunciert hatte. Nachod. (Nachträgliches z u den E x c e s s e n.) Wegen Verdachtes an den Plünderungen theilgenommen zu haben, sind bisher 109 Personen verhaftet worden, von welchen 84 dem Kreisgerichte eingeliefert worden; ferner wurden bei diesen 109 Personen Hausdurchsuchungen vorgenommen und bei 76 derselben Gegenstände gefunden, welche ans den Plünderungen herrühren. Obgleich in den Fabriken bereits gearbeitet wird, ist die Stimmung nach allgemeinem Berichte eine sehr erbitterte und namentlich eine gegen die hiesigen Juden gerichtete Bewegung recht deutlich zu fühlen. Tarrrow. Unter außerordentlich lebhafter Betheiligung sehr vieler Delegierter ans verschiedenen Städten Galiziens fand am 25. und 26. d. M. hier die zweite ordentliche Generalversammlung des galizischen Vereines zur Colonisiernng Palästinas „Ahawath-Zion" statt. Ueber die Feier eines Geburtstages! — Ist es zuviel, wenn man solcher rohen Grausamkeit den Ehrentitel des „Menschen", versagt?" Die Wissenschaft hat allen Grund, dem jugendfrischen ehrwürdigen Greise dafür dankbar zu sein, dass er das objective und immanente System, den inneren, durchgehenden Zusammenhang aller ethischen Gedanken, welche in ihrer Gesammtheit die sittliche Weltanschauung des Judenthums ausmachen, geoffenbart hat. Ich gebrauche diesen Ausdruck nicht ohne Absicht, denn sein Werk ist eine wirkliche und wahrhaftige Offenbarung. Es eröffnet neue Perspectiven, es zeigt das Judenthum in einem ganz neuen Lichte, rn welchem es weder Freunde, noch Feinde bisher gesehen haben. Und nichts ist darin erkünstelt, nichts in das Judenthum hineingeschaut, was nicht aus demselben hinausschaut. Wie wäre es denn auch anders möglich? Lazarus, der sein ganzes Leben dem Suchen der Wahrheit geweiht, ist nicht der Mann, der sich durch übereifrige Äpvlopeten irre machen lässt. Der Vater der Völkerpsychologie konnte fürwahr seinen Lebensabend nicht würdiger zubringeu, als indem er paleriui rura bebauend, der Menschheit die in ein Dunkel gehüllte jüdische Volksseele erschloss. Es ist bei einem so gewaltigen, weit ausgreifenden Unternehmen selbstverständlich, dass dem historischen Interesse nur in allgemeinen, großen Zügen Rechnung getragen, die Fortbildung, Bereicherung, Klärung und Vertiefung des Gesetzes durch den Talmud nur an vereinzelten Aussprüchen desselben erhärtet werden kann. Der systembildende Denker muss, wenn ihm nicht der Blick für die harmonische Einheit, den einheitlichen Gesammtgeist getrübt werden soll, die rein geschichtliche Kleinarbeit, wenn ich so sagen darf, einer künftigen Zeit und Kraft überlassen. Wenn die Könige bauen, haben die Kärrner zu thun. .1. Gerhard. Hinter dem Pseudonym Gerhard verbirgt sich der Name eines hervorragenden Wiener Schriftstellers. Unsere Leser werden aus diesem Feuilleton den Inhalt des Wertes von Professor Lazarus kennen lernen und imstande sein, eine in der nächsten Nummer folgende Kritik besser zu beurtheilen. Die Redaetion. gefassten Beschlüsse, die sehr weittragende Bedeutung haben' werden wir in der nächsten Nummer berichten. Hlanow. Ein unerhörter Vorfall ereignete sich in der letzten Woche in unserer Stadt. Bauern ans Rnssisch-Polen entführten das zwölfjährige Töchterchen eines Inden und brachten es in das nahegelegene Dorf B i c l i n. Als der Vater des Mädchens sein Kind znrückhaben wollte, wurde er mit Prügeln bedroht und wollten die fanatischen Bauern das Kind gewaltsam taufen. Nur der energischen Jnterveution des hiesigen Gendarmerie-Wachtmeisters Johann Ludzinsky gelang es, das Kind ans den Händen der Bauern zu befreien. Lemberg. (Zum H a nd we rkertag e in Iarosl a n.) Ja der Sitzung des Handwerkertages, die in der abgelansenen Woche in Jaroslau stattfand, beantragte Stroz y n s k i ans Krakau, die Mitglieder des Handwerkertages mögen sich der christlich-socialen Partei anschließen und officiclt ihren Beitritt erklären. Dieser Antrag rief stürmische Opposition hervor, es kam zu lärmenden Scenen, so dass der Antragsteller seinen Antrag znrückziehen musste. Graz. (Eine kostspielige A tt r e ltt p e l II tt g. — Confisciert e Druckschrift.) Der gewesene Gemeinderath und Spediteur Joseph Otto hatte sich dieser Tage vor dem Bezirksgerichte wegen Excedierens zu verantworten. Otto, der Mitglied der sogenannten antisemitischen Gewerbepartci ist, hatte nämlich in einer Tiroler Weinstube einen jüdischen Studenten ohne Veranlassung angerempelt und gröblich beschimpft. Bei der Verhandlung bestätigten sämintliche Zeugen die Richtigkeit der Anklage, ganz besonders auch die vollständige Grundlosigkeit der Beschimpfungen. Für sein rüdes Benehmen erbrachte der Angeklagte auch im Gerichtssaale einen Beweis, indem er die Aenßernng machte, es sei überhaupt uuschlau von „diesen Inden" ein Local zu besuchen in dem er verkehre, was ihm eine scharfe Rüge des Vorsitzenden eintrug. Otto wurde zu zweihundert Gulden Geldstrafe vernrtheilt, welche Buße zumindest sehr empfindlich für den Vernrtheilten sein dürfte. — Die k. k. Staatsanwaltschaft verbot die Weiterverbreitnng der in 8er hiesigen Verlagsbuchhandlung „Styria" erschienenen Broschüre „Der Jude im 19. Jahrhundert oder warum sind wir Antisemiten". Diese Broschüre, die ein Pamphlet allerordinärster Sorte mit wüsten und verlogenen Schimpfereien auf die Inden ist, war schon seit Wochen durch den Buchhandel in Verkehr gesetzt und thatsächlich mehr als 7500 Exemplare verkauft. Die Polizei fand demnach bei der vorgenommenen Saisierung nur einige Dutzend Exemplare vor und demgemäß hat auch die Beschlagnahme einen nur problematischen Wert. Szegedttt. (Ein neuer Temp e l.) In kurzer Zeit wird sich den neuen Prachtbauten auf der Tißa-Lajos-Ringstraße ein mit diesen Palästen rivalisierender Prachtbau anreihen, nachdem die hiesige jüdische Gemeinde einen neuen Tempel mit einem Kostenaufwande von 200.000 Gulden errichtet. Infolge der ausgeschriebenen Concurrenz waren 10 Pläne eingelangt und erkannte das aus angesehenen Mitgliedern der Cultnsgemeinde, Fachmännern und hervorragenden Architekten bestehende Preisrichter-Collegium den ersten Preis in der Höhe von 3000 Kronen dem vom hauptstädtischen Architekten Leopold Bau in Horn eingereichten Plaue, welcher auch zur Ausführung gelangt. Der genannte Architekt hat bereits sich durch hervorragende Tempelbauten in verschiedenen größeren Provinzstädten des Landes einen ehrenvollen Namen gemacht. Eperies. (I e s u i t e n - P r e d i g t e n.) Jüngst weilten fünf Jesuitenpatres in unserer Stadt und hielten Predigten in ungarischer, deutscher und slovakischer Sprache in der hiesigen römisch-katholischen Hanptpfarr- und in der Franziskaner-Kirche. Anfangs bewegten sich ihre Reden in dem Rahmen der religiösen Belehrung; als sie aber die übrigen Confessionen zu schmähen begannen, blieb das gebildete Publikmn den Predigten fern, und nun konnten sich die Herren Jesuiten vor dem aus Banernweibern, Mägden und beschäftigungslosen Taglöhnern bestehenden Publikum ungezwungen benehmen. Die hier in großer Zahl vertretenen Protestanten nannten sie Heiden und beschuldigten sie nnehrenhafter Handlungen. Die frommen Herren drohten den Mägden mit dem Verluste des Seelenheils und mit den größten Qualen der Hölle, wenn sie bei Juden weiter bleuen w ürde n. Viele Mägde verließen thatsächlich ihren Dienst. Die Hausfrauen bestürmten nun das Stadthaus mit Klagen und!var auch die Aufregung über das Treiben dieser fünf Jesuitenpatres unter sämmtlichen Confessionen ziemlich stark. Ehe noch die Behörde dem fanatischen Treiben entgegentreten konnte, hatten sich diese würdigen Gottesmänner schon ans dem Staube gemacht. Ausland Berlin. (Der antisemitische A m t s Vorst e h e r. —■ E i n Erlass des PreußischenCultusministers.) Graf Pückler in Klein-Tschirne, der antisemitische Amtsvorsteher, der — wie bereits gemeldet — eine Anzahl aufreizender Flugblätter veröffentlicht hat uttb der bau», um der Suspension von» Amte zu entgehen, sein Amt niederlegte, ist wegen Aufreizung zum Classenhasse vor die Strafkammer in Glogan für den 13. Mai citiert. — Der Cnltnsminister hat an die ihm unterstehenden Schnlcvllegen der preußischen Monarchie folgende Verfügung, betreffend den jüdischen Nelig ionsnnterricht, erlassen : „Der Erlass vom 18. Jänner 1876 stellt fest, dass weder die jüdische Religivnslehre unter die Gegenstände der Abiturientenprnfnng aufzunehmen, noch ein Urtheil über die Semestralleistungen in das Maturitätszeugnis zu setzen ist. Im Anschlüsse daran tvird in diesem Erlasse auch bemerkt, dass es selbstverständlich dem jüdischen Religionslehrer unbenommen bleibt, jedem Schüler, der es wünscht, über seine Gesammtleistung in der jüdischen Religionslehre ein Schulzeugnis, selbstständig und ohne dass im MatnritÜtszengnis irgend Bezug

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