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Jüdisches Volksblatt · 1899-04-14 · 9 (14.4.1899) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
9 (14.4.1899)
Date
1899-04-14
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 11. April 1890 Nr. 9 welches den Juden die Niederlassung in Kurland gestattete. Die Gesellschaft zur Verbreitung von Bildung unter den Inden will zur Erinnerung an diese Feier eine große jüdische Gewerbeschule errichten, welche den Namen des Czareu Paul führen soll, welcher jenes Gesetz erließ. Gibt die Regierung die Erlaubnis zur Errichtung dieser Schule, so hat ein angesehener Bürger von Mitau, ein gewisser Rapenheim, 90.000 Rubel für dieselbe versprochen. Perieslaw. (Gouverne m ent P v l t a w a) Unser Rabbiner Dr. W. S ch e f t e l hat den Versuch gemacht, jüdische Farmen zu gründen. Er pachtete zu diesem Zwecke einen größeren Complex Bodens in der Nähe der Stadt, siedelte dort 15 arme jüdische Familien an, denen er alle nothwendigen Mittel zur Betreibung der Milchwirtschaft, Schafzucht und Gemüsegärtnerei in die Hand gab. Zur Heranbildung jüngerer Arbeitskräfte wird einer jeden Familie ein Lehrling aus der Talmud-Thora-Schule beigegeben. Sollte dieser Versuch gelingen, dann wird in viel größerem Maßstabe au der Gründung solcher Farmen gearbeitet werden. Bukarest. Wir haben abermals eine Judeudebatte in der Kammer gehabt und wenigstens moralisch ist dieselbe zum Nachtheile des Ministeriums ausgeschlagen, wenngleich dasselbe noch seine Majorität zu sehr in der Hand hat, als dass es, und noch dazu gerade in der Judeufrage, zum Falle kommen sollte. Aber es verdient bemerkt zu werden, dass außer dem verdienstvollen Cagaiuiceann, der jederzeit warm für die Rechte der Juden eintritt, diesmal auch der Deputierte Flüva und mehrere andere bedeutende Abgeordnete warm für die Juden und gegen das Ministerium ausgetreten sind. Es handelte sich um den Fall der armen jüdischen Arbeiter von Bukarest, die unter dem Vorwände, dass sie Anarchisteil seien, ausgewiesen wurden. Tie beiden genannten Deputierten giengeu dem Ministerium sehr scharf zu Leibe, während der Abg. Scortzescu den Nachweis erbringen konnte, dass die Ausgewiesenen weder Anarchisten noch Socialisten sind, sondern arme Arbeiter, die sechzehn Stunden des Tages gearbeitet haben, um sich und ihre Familien zu ernähren. Zudem sind es lauter ehemalige Soldaten, die ihre 3 Jahre in der rumänischen Armee abgedient haben. Dabei ist der Minister mit so empörender Grausamkeit verfahren, dass die armen Teufel per Schub über die ungarische Grenze gebracht worden sind, ohne die geringste Rücksicht auf die Familien derselben zu nehmen, die jetzt ohne Existenzmittel dem größten Elende preisgegeben sind. So stark war der Eindruck dieser Redner auf die Kammer, dass der Ministerpräsident Sturdza sich verpflichtet glaubte, zu entgegnen, und zu diesem Zwecke die unerhörte Dreistigkeit hatte, die offieielle Bevölkerungsstatistik zu fälschen. Er gab folgende Zahlen zum Besten: In zwei Jahrzehnten 1876—96 haben sich die christlichen Rumänen vermehrt von 5,155.360 Seelen auf 0,641.201, also um 11,2 pro mille und Jahr, die Juden dagegen von 191.016 Seelen auf 543.711, also um 33 pro inilic und Jahr. Aus diesen Ziffern folgerte dann Sturdza, dass, da die Juden sich auf natürlichem Wege unmöglich so schnell vermehren konnten, eine jährliche Zuwanderung von 14.000 Israeliten stattfinden müsse, und da man nicht in der Lage sei, diese zu verhüten, müsse man sie durch solche Ausweisungen Paralysieren. Die Schlüsse sind aber hinfällig, denn die Ziffern sind gefälscht und in Wirklichkeit leben in Rumänien nicht 543.711 Juden, sondern nur höchstens 300.000 Seelen, so dass nicht von Zuwanderung, sondern von Auswanderung die Rede sein kann. Solcher gefaschter Daten bedient sich aber unser Ministerium ebenso scrupellos, wie es die Juden, die durch viele Generationen hindurch im Lande wohnen, Fremde schilt, während seine drei leitenden Mitglieder selber Fremde sind, nämlich Sturdza Russe, Pherehides Grieche und Haret Armenier. Am schlimmsten ist der Grieche Perehides, wie übrigens auch der ärgste Judenfresser in der rumänischen Kammer, Politimos von Dambowitza, Grieche ist. Bukarest. Dasselbe Rumänien, das in seinem eigenen Lande die Juden so grausam bedrückt, ist wenig blöde, wenn es ihm gelingt, sich die Dienste reicher Juden im Auslande zu gewinnen. So ist Landau in Warschau, der bekannte Großbauquier, vor einigen Tagen zum Generalconsul von Rumänien in Warschau ernannt worden. Dass sich noch immer Juden finden, die diesem Staate dienen! Saloniki. Am 2. Februar ist hier ein Maun verstorben, der in seinen Leistungen wie in seinem Leben an die berühmten Persönlichkeiten der jüdischen Gelehrtengeschichte erinnert. Juda Nahama, der im 72. Jahre seines Lebens stand, hatte sich in seiner Jugend eine außerordentliche Gelehrsamkeit aus talmudischem Gebiete erworben, jedoch damit nicht zufrieden, studierte er auch die Sprachen des gebildeten Europa, und war so in der Lage, die neue Entwicklung zu verfolgen, die die jüdische Wissenschaft in diesem Jahrhundert nahm. Er stand in lebhaftem Briefwechsel mit Zunz, Nappaport und Luzzatto, und sein Briefwechsel mit diesen Heroen der jüdischen Literatur, von dem vor vier Jahren der erste Theil erschien, bot viel Interessantes. Auch als Schriftsteller prodncierte Nahama Bedeutendes, z. B. eine Geschichte der Völker Asiens und Afrikas, und vor mehr als 30 Jahren gab er eine Zeitschrift in spagnolischer Sprache heraus, die freilich nicht von langem Leben war. Leider giengeu vor 4 Jahren bei einem Brande seine wertvolle Bibliothek und die Manuscripte einer von ihm verfassten Geschichte der Juden Salonikis zugrunde. Nahama war trotz seiner großen Gelehrsamkeit von Beruf Kaufmann und sehr erfolgreich in seinen Geschäften, so dass er sich ein hübsches Vermögen erwarb. Er war auch iu vielen Ehrenämtern thätig, speciell als Vicepräsident des Comitos der Alliance israelite universelle in Saloniki für die Verbreitug von Bildung unter den Juden thätig. Belgrad, lieber die Berkehrsformen, welche die Antisemiten in der Hauptstadt Serbiens cultiviereu, wird uns aus Belgrad folgendes Geschichtchen gemeldet, das gleichzeitig als eine drastische Probe der daselbst herrschenden „gesellschaftlichen" Zustände gelten kann. Ljnba Zivkovic, Advocat in Belgrad, und Pera Todorovic, Redacteur der Zeitung „Male Novino;‘ — zu Deutsch „Kleine Nachrichten" — huldigten zwar gemeinsam den Thesen des Antisemitismus, waren jedoch erbitterte politische Gegner. Zivkovic hatte nun bei seinem Widersacher Todorovic eine Forderung einzntreiben und benützte diese Gelegenheit, um bei letzterem, obwohl derselbe bemittelt und creditfähig ist, eine Pfändung vorznnehmen. Der Redacteur kam noch rechtzeitig nach Hause, um dies zu verhindern, wobei sich ein heftiges Rencontre zwischen beiden entwickelte, welches die Veranlassung war, dass die „Herren" vor dem Polizeicommissariate erscheinen mussten. Hier spielte sich nun folgende, überaus gemüthliche Scene ab. Der Redacteur bemerkte zum anwesenden Polizeicommissär, dass es eine Lumperei sei, wenn ein Advocat ohne wirklichen Grund, ohne vorherige Berständigung, einem ins Hans fällt, von dem er weiß, dass er vollkommen creditfähig ist, um ihn zu pfänden. Als der Advocat dies hörte, riet er, zum Redactcur gewendet: „Was haben Sie gesagt?" — „Mit Ihnen rede ich nichts," erwiderte verachtungsvoll der Redacteur. — „Sie sind ein Schwein," schrie der Advocat ans Leibeskräften. — „lind Du bist hundertmal ärger als ein Schwein," entgegnete der redegewandte Journalist. Der Rechtsfreund benützte hierauf einen günstigen Moment und versetzte dem Redacteur eine schallende Ohrfeige. Dieser wandte sich rasch um und gab hierauf dem etwas erregten Advocateu zwei tüchtige Fanstschläge auf die Nase. Die anwesenden Polizeibeamten schritten nunmehr ein und trennten die Kämpfenden von einander. Der Redacteur erwischte jedoch noch rasch einen auf dem Schreibtische stehenden metallenen Briefbeschwerer und schleuderte ihn dem Advocateu an den Kopf. — Das erwähnte Blatt „Male Novaie*1, welches in seinem diesbezüglichen Berichte den Advoccitcit immer „Aaskäfer" nennt, behauptet zum Schlüsse mit besonderem Wohlbehagen, dass der genannte Redacteur bereits vor einigen Jahren die willkommene Gelegenheit hatte, den besagteil Advocateu auf der Straße kräftigst durchzubläuen. — Ländlich, sittlich. London. Auf der so schrecklich verunglückten „Stella" befanden sich auch einige Juden. Zwei derselben, Advocat Edward Abinger und Jsaac Heilbrvnu wurden gerettet, während der dritte, Mr. Abraham Cohen, der Schwager von Heilbronn, sein Leben eingebüßt hat. London. Im West-London-Theater wird jetzt ein Theaterstück gegeben: „Der Schild David, eine zionistische Episode". Das Stück enthält die Bewerbung und die Ehe eines Juden, Phebus Calourt mit einem Christenmädchen, das zum Judenthnm Übertritt. Der Stern Davids ist ein schöner Schmuck in Form eines Mögen David. Boston. Die jüdische Handwerkerschule in unsere Stadt hat ihr neues Gebäude bezogen. Die Eröffnungsfeier fand am 20. März unter großer Betheiligung der vielen Freunde der Anstalt statt. Bei dieser Gelegenheit wurde auch ein ausführlicher Bericht über die Thätigkeit der Schule erstattet, dem wir entnehmen, dass mehr als 500 Mädchen im Alter von 6—18 Jahren in dieser Schule ihren Unterricht empfangen. Sie werden dort im Hand- und Maschinennäheu, Stopfen und Ansbessern, Schneidern, Kochen und Haushalten unterrichtet, außerdem in Religion. Es ist beabsichtigt, in den neuen Räumlichkeiten noch Cnrse für Waschen, Krankenpflege und Kinderpflege eiuzurichten, sowie einen Küchengarten, in dem die Kinder, welche in der Anstalt unterrichtet werden, etwas vom Gemüsebau lernen können. Falls die nöthigen Mittel aufgebracht werden können, ist als fernere Erweiterung die Schaffung höherer Classen in den allgemeinen Fächern in Aussicht genommen, die etwa einer Fortbildungsschule nach deutschem Muster entsprechen würden. New-Ä)ork. Die Bereinigten Staaten haben zu ihrem Vertreter auf dem 12. Cougress der Orientalisten, der im Octvber in Rom stattfinden wird, Professor Morris Jastrow ernannt. Algier. Die Behörden von Algier haben eine neue Beleidigung der Inden iu Algier beschlossen. Sie haben der fast nur von Juden bewohnten Straße me de la Ly re den Namen rue du Marcpiis-de-Mores gegeben, um so die Juden stündlich mit den Namen ihres Todfeindes zu ärgern. Freilich ist gegen diese Herausforderung Beschwerde bei dem Generalgouverneur Laferriere erhoben worden, doch ist bei der Freundschaft desselben mit den Autisemiteu der Erfolg dieser Beschwerde sehr zweifelhaft. — Ganz Algerien gehört aber doch nicht der Gesellschaft der Negis und Drumout, das beweist der jüngste Vorfall in Bvue. Hier versuchte Negis Ende März auch seine Hetzereien an den Manu zu bringen, allein der Stadlrath erließ eine geharnischte Proelamativu gegen den Judenfresser und suchte bei dem Prüfecteu die Ausweisung desselben nach. Noch an oemselben Tage wurde wirklich Negis ansgewiesen und die Ruhe ist erfreulicherweise nicht gestört worden. Man sieht, Boue ist eine Oase in der Wüste des algerischen Antisemitismus. Schulsragen. Der jüdische Religionsunterricht in Höhmen. Sie haben, geehrter Herr Redacteur, einen wunden Punkt aus dem Leben der israelitischen Cultusgemeinde Wien gebracht; nun bitte ich, auch etwas über den Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen (Volks-, Bürger- und Mittelschulen) Böhmens zur Veröffentlichung zu bringen. Wahrlich, es ist gar nicht zu schwer, Pessimist zu werden und über dieses Thema nicht grau in grau zu schreiben. Wien hat das vor uns voraus, dass hier zumindest für den Religionsunterricht genügende Zeit bestimmt ist, was bei uns auch nicht der Fall ist. An unseren öffentlichen Schulen bestimmt der Bezirks¬ oder Laudesschulrath die Zahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden und zwar als Maximum 2 Stunden wöchentlich, 1 Stunde für die Knaben und 1 Stunde für die Mädchen! Doch gibt es auch Schulen, an denen alle 14 Tage n u r 1 Religions st unde ist — ja in der Nähe von Prag soll der Religionslehrer aus Prag einmal in 4 Wochen zum Religionsunterrichte fahren. Es klingt das unglaublich; noch unglaublicher klingt es, wenn ich Ihnen mittheile, dass es noch Schulen gibt, wo gar kein Religionsunterricht ertheilt wird, weil die einzelnen Orte zu weit — 4 bis 5 Stunden — vom Wohnsitze des Rabbiners entfernt sind und niemand die Auslagen dafür bestreiten will. Ist es dann ein Wunder, wenn eine uationslose Jugend beranwächst? Unsere Cultusvorstände haben wohl andere Sorgen, die Eltern kümmert es auch nicht, soll der Religionslehrer etwa unentgeltlich von Dorf zu Dorf wandern und sich der so verwahrlosten, geistig verkommenen Judenkinder annehmen? In erster Reihe" ist es heilige Pflicht der Eltern, für diesen Unterricht zu sorgen, dann wären die Cultusgemeinden als Repräsentanten des Judenthumes an der Reihe. Was das Kind zuhause von religiösen Gebräuchen sieht? — Schweigen wir darüber. Der erste schwere Fehler ist der Mangel der nöthigen Zeit zur Ertheilung des jüdischen Religionsunterrichtes. Ein zweiter Fehler ist der Mangel an einem einheitlichen Lehrplane. Hier herrscht vollständiger Anarchismus — hier gilt iscli Kol liajoschor bcünov jaase. Jeder Religionslehrer unterrichtet was und wieviel oder wie wenig er will. Der eine gibt der biblischen Geschichte vor allem den Vorzug, der zweite lässt Gebete übersetzen, der dritte lehrt Religion, Glaubens- und Pflichtenlehren. Bibel im Urtexte und Uebersetzen ist ein veralteter Standpunkt — sodann werden nur gewisse Capitel herausgeholt aus dem Buche — und als Extract der Jugend vorgesetzt. Hie und da wird an Mittelschulen auch ein kleiner Auszug aus der hebräischen Grammatik gelehrt. Von jedem etwas — zusammen nichts! — Ein dritter großer Fehler liegt in dem Mangel an pädagogisch gebildeten Religionslehren. Unsere Rabbiner, sollcen eigentlich die Religionslehrer sein, doch verschmähen die Herren Doctoren es, kleinen Kindern die ersten religiösen Begriffe beizubringen. Ja, am Obergymnasium, wo er tradieren und sich auf den Professor hinausspielen kann, da ertheilt er ihn schon, die Schüler der Volks-, Bürger- und unteren Mittelschulclaffen überlässt er anderen. Wir haben wohl noch eine große Zahl pädagogisch gebildeter Lehrer, die sogenannte alte Garde, die ist aber auf dem Aussterbeetat. Einen Nachwuchs gibt es nicht, da es keine jüdischen Volksschulen gibt und die wenigen noch bestehenden bereits proscribiert sind und über stacht stürzen können. Wohin soll sich solch ein jüdischer Lehramtszögling wenden? Die öffentlichen Schulen sind ihm ja alle verschlossen. Ein Theil unserer Religionslehrer ist aber nicht nur aller pädagogischen, sondern auch allgemeinen Bildung bar. In der Nähe von Prag ist der Schames einer dortigen Synagoge zugleich Religionslehrer der öffentlichen Volksschule, in anderen Gemeinden sind es hie und da die Herren Cantoren; doch sind diese zumeist gute Sänger und Musiker — aber keine Religionslehrer. Wie viele abgekrachte Geschäftsleute erfassen die Anstellung als Chasan, Kore, Schochet und Religionslehrer als rettenden Anker in der Noth?! Eine Norm zur Befähigung als Religionslehrer gibt es bei uns und in Oesterreich nicht, der Landesschulrath bestätigt den, den der Cultusvorstand ihm präsentiert. Das sind doch traurige Zustände! Zum nicht geringen Theile schädigend ist die kärgliche Entlohnung. 50 kr. für eine wöchentliche Unterrichtsstunde und 8 bis 0 kr. per Kilometer Wegentschädigung, wenn der Schulort mehr als 1'5 Km. vom Sitze des Religionslehrers eutstrnt ist. Unter solchen Umständen sind keine glänzenden Resultate zu erwarten und sind selbe auch nicht eingetrosfen. Der israelitische Landeslehrerverein in Böhmen hat nun in Erwägung aller dieser Umstünde nach langer und gründlicher Berathung den Entschluss gefasst, statistisches Material durch Aussendung von gedruckten Fragebogen zur Ausfüllung an die Herren Religionslehrer am Lande zu sammeln und dieses Material, gut geheftet, sollte dem Landesschulrathe und dem böhmischen Landtage unterbreitet werden. Da geschah etwas Merkwürdiges: Der israelitische Gemeindebuud in Böhmen hat auf einmal sein, jüdisches Herz entdeckt, er fiel dem Vorstande des Landeslehrervereines in die Arme: Halt, Religionsunterricht ist Sache der Cultusgemeinde und — L’elat c’est moi — das Judenthum sind wir. Die letzte Sitzung des israelitischen Gemeindebundes brachte ein Comuniquü zur Welt, lautend: „Weiters gelaugt zur Verlesung ein Gesuch?! des Landeslehrervereines um Abhilfe von Mängeln betreffs des Religionsunterrichtes. Der Gemeindebuud hat in dieser Angelegenheit eine Deputation an den Ministerpräsidenten entsendet, welche günstige Erledigung erzielte." Wir sind wirklich recht begierig, zu erfahren, worin diese günstige Erledigung besteht, was der Ministerpräsident hier thuu soll und will? Ist das vielleicht auch schon ein Erfolg, wenn z. B. ein Rabbiner, der von der Schulbehörde angestellt ist — am 1. August 1808 das Gesuch um Anweisung der Webentschädigung und Remuneration überreicht hat — bis April 1899 noch keine Erledigung erhalten hat? Solch ähnliche Mängel und Unzukömmlichkeiten gibt es massenhaft. Der Landeslehrerverein hat z. B. einen Lehrplan für den Religionsunterricht ausgearbeitet; doch ruht derselbe in irgendeinem Bureau des Unterrichtsministeriums aus ad calendas graecas. Urgenzen werden

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