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Jüdisches Volksblatt · 1899-04-14 · 9 (14.4.1899) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
9 (14.4.1899)
Date
1899-04-14
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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8eit,e 2 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 11. April 1809 Nr. 9 Forscher und Gelehrte schon längst bewiesen. Die gemeinsame Geschichte der Vergangenheit, das gemeinsame Hoffen in die Zukunft bestimmt' eine große Gruppe von Individuen als ein zusammengehöriges Ganzes, als eine Nation. Und wenn es heute angeblich noch viele Inden gibt, die sich nicht als Juden, sondern als Angehörige einer anderen Nation fühlen, so hat die Geschichte der letzten Jahrzehnte auf der ganzen civilisierten Erde, die gewaltige Reaction aller Völker gegen dieses Ausgehen bewiesen, dass dieser Versuch, sich dem doppelten Einflüsse, der durch jahrtansendjährige Inzucht herangebildeten Rasseneigenschaften, der durch eine gemeinsame jahrtausendalte Geschichte eingewurzelten Gefühlsrichtung zu entziehen, vergeblich war und wohl auch für die Zukunft vergeblich bleiben wird. Und wenn Herr Dr. Kronawetter aus dieser Geschichte so wenig gelernt hat, dass er noch heute nicht sieht und hört, trotzdem er Äugen und Ohren hat, dann begreift man das Schicksal, das die einstens mächtige Partei, die hinter ihm gestanden, betroffen. Jene Juden aber, welche noch immer mit Doctor Kronawetter den gleichen Standpunkt theilen, jene wollen wir an der Hand unserer eigenen, sowie der Geschichte der gesammten Menschheit von der Vergeblichkeit ihres Liebewerbens überzeugen und sie zu Nationaljuden machen. Nicht gegen die Reformjuden kämpfen wir, wie Herr Dr. Kronawetter meint, sondern nur gegen die Assimilaton. Nicht religiös-fanatisch sind wir, auch keine nationale Costümierung befürworten wir. Chauvinismus auf religiösem und nationalem Gebiete ist uns fremd und wird uns immer fremd bleiben. Nur zeigen wollen wir, dass der natürliche Gang der Geschichte der Menschheit, die bis jetzt sich immer in nationalen Kreisen bewegte und durch nationale Eigenheiten gekennzeichnet war, nicht durchbrochen werden dürfe, wenn wir nicht uns und den anderen unsäglich schaden wollen. Nur zeigen wollen mir, dass die durch eine gemeinsame Geschichte bestimmte Empfindungsrichtung einer großen Gruppe von Menschen nur dann zum Guten sich wenden und wirklich aufnahmsfähig für die Cultur aller Menschen werden kann, wenn sie diesen ihren natürlichen Boden nicht verlässt, sondern durch denselben und auf demselben sich bildet und cultiviert. Und die Bestätigung dieser Anschauung finden wir in der Geschichte der Menschheit. Denn wenn Herr Dr. Kronawetter meint, er glaube an keine nationale Kunst oder Cultur, so kämpft er nicht gegen Anschauungen, sondern gegen Thatsachen, er spricht seinem geschichtlichen Verständnis oderseinen geschichtlichen Kenntnissen das Todesurtheil. Will jemand etwa leugnen, dass die Werke des großen Kosmopoliten Goethe echt deutsch seien? Meint etwa jemand, dass die Werke des Philosemiten und Kosmopoliten Zola nicht echt französischen Charakter trügen? Erkennt nicht das Auge selbst des ungeübten Laien in den Werken des großen Dostojewsky, des Freundes Fr. Nietzsches, den russischen Volkscharakter? Und treten diese nationalen Eigenheiten nicht noch viel stärker und prononcierter in der Tonkunst der gesammten Menschheit hervor? Ja, weiß denn Dr. Kronawetter nicht, dass selbst die große sogenannte internationale proletarische Classenbewegung unserer Zeit gerade durch nationale Eigenheiten ihre ganz bestimmten, wesentlich verschiedenen Richtungen bekam? Und ist denn nicht gerade die nationale Structur dieser Bewegung in Oesterreich der classische Beweis dafür, dass unter In t e r n a 1 o n a l i s m u s nicht das Aufgehen der Völker untereinander, sondern das friedliche Leben der Völker nebeneinander, der friedliche Wettkampf von Volk zu Volk zu verstehen sei, also der richtig verstandene sociale Nationalismus! Und sollte gerade uns Juden das vermehrtsein, was d i e o r g a n i s i e r t e A r b e i t e r s ch a f t O e st e rreichs schon vor zwei Jahren als unbe - dingt nothwendigerkannteund thatsächlich auch durchsü h rte — eine nationale Orga - fahrung zu einer Weisheit umgemünzt, dabei aber nie die Fühlung mit den Zeitströmungen und den Forderungen des Lebens verloren. Die Wurzeln seiner Kraft, die ihm eine so magische Gewalt über die Gemeinde verlieh, lag aber im Gotteshause, entsprang der wundersamen Macht seiner Predigt. Er sprach nicht mit Pose, auch mit keiner vehementen, überzeugenden Beredsamkeit; er donnerte nicht und blitzte nicht; aber wenn der ehrwürdige Greis zitternd die Kanzel bestieg und die Blüten seiner Weisheit wahr und echt durch den Tempel flatterten, dem Dümmsten verständlich, dem Weisesten aus der Seele gelesen, da lauschte alles gespannt und athemlos, als spräche Moses selbst zu dem versammelten Volke. Dabei wusste er immer tief ans Gemüth zu greifen, mit Schwung die Zuhörer mitzureißen und aus den verstocktesten Spöttern und Zweiflern andächtige Gläubige zu machen. Wie ein Meister, dem die Mutter Natur die herrliche Gabe verliehen, einem spröden Instrumente die weichsten Töne zu entlocken. Dann standen die Männer unten in den Bänken tief ergriffen von seinen Worten und oben hielten die Frauen und Mädchen vor den vergitterten Fenstern die Sacktücher vor die verthränten Augen. Ein Wimmern und Weinen durchzog das Haus; ein convulsivisches Schluchzen und Stöhnen, ein unterdrücktes Jammern erklang und brach sich an den Spitzpfeilern des hohen Gewölbes. — Die hohen Feiertage erhielten durch diese Predigten die rechte Weihe; sie bildeten den Stolz und das große Ereignis des Ghettos. Noch tage- und wochenlang weckten sie ein Echo und bildeten den Gesprächsstoff. Alles war der Begeisterung und des Lobes voll. Einer seiner Predigten ferne geblieben zu sein, war ebenso eine Sünde, als die Versagung eines hohen Genusses. Darum war, als er starb, das Ghetto verwaist; es nisation? Eine gewaltige Geschichte, eine Cultur, aus der die gesummte Menschheit die Anfänge ihres geistigen und moralischen Lebens gezogen, kennzeichnet uns Juden als ein Ganzes, als ein Volk! Schier ist beides in den letzten Jahrzehnten bei uns in Vergessenheit gerathen. Es wieder unserem Volke in Erinnerung zu bringen, uns auf die Größe unserer Vergangenheit zu besinnen, das Verständnis unserer Eigenheiten uns wieder klar zu machen und unsere Geschichte und Cultur fortzusetzen, auf dass wir in achtunggebietender Stellung theilnehmen können an der Entwicklungsgeschichte der Gesammtmenschheit — das ist Nationaljudenthum. Und mit dieser unserer Ueberzeugung haben wir nicht nur die Consequenzen aus der ganzen Weltgeschichte gezogen, wir treiben auch Realpolitik. Denn dies ist der einzige Weg, der imstande ist, uns eine Stellung zu sichern, die der Bedeutung unserer eigenen Geschichte und Cultur sowohl, wie dem Culturniveau der anderen Völker entspricht. U.ld dieses Ziel zu erreichen, das ist unsere innere Arbeit. Ueber unsere äußere Arbeit werde ich das nächstemal sprechen. Kohelelh. Vom Tage. (Die Behandlung der Polnaer Mordthat,) die angeblich von einem Juden verübt sein solle zeigt wieder die ganze Stllpidität und bodenlose Perfidie, mit der man von allen Seiten ans die Juden loshaut. Sogar ein öffentliches, vom Staate erhaltenes I n st i t u t darf es in Oesterreich schon wagen, der verbohrten Roheit des Radau- Antisemitismus Handlangerdienste zu leisten. In der Nachricht, die das k. k. T e l e g r a p h e n - C o r e s p o n d e u z - B u r e a n ansgab, heißt es: „Als mnthmaßlicher Mörder wurde der israelitische Schuhmacher Hülsner verhaftet/' Was fällt dem k. k. Telegraphen-Correspondenz-Bureau ein, dass es bei der Verhaftung eines „muthmaßlichen Mörders" nach der Confession oder Nationalität desselben fragt? Die gemeine Hinterlist, die in diesem Hinweise auf den Juden Hülsner liegt, und die, wie ja selbstverständlich, sofort ihre Früchte trug, erfordert ein Exempel. Es geht nicht an, dass ein auch vom Gelde der Inden erhaltenes Institut noch unter den Augen der Behörden und bis jetzt ohne Rüge es wagt, die Geschäfte eines Schneider und G r e g o r i g zu besorgen. Hat denn die österreichische Regierung alles Schamgefühl schon verloren, dass sie dergleichen zulässt? Schämen sich denn nicht die Mitglieder der Regierung ack pevsonam vor Europa, als die moralischen Helfershelfer der P u r s ch t, V e r g a n i und C o n s o r t e n zu erscheinen? Und haben denn diese weisen Herren schon allen Verstand verloren, dass sie die Brandfackel von ihrer Seite in die Bevölkerung schleudern lassen? Die Regierung möge auf ihrer Hut sein! Die Zeiten, wo man straflos alles gegen die Juden unternehmen zu dürfen glaubte, sind vorüber! Es könnten Dinge passieren, über die man sich in Oesterreich noch wundern dürfte. Natürlich treten die Folgen dieses unqualificierbaren Vorgehens bereits zutage. Donnerstag schrieb die ehrenwerte „Deutsche Zeitung", die Juden in Polna hätten das Mädchen ermordet. Heute, am Freitag, druckt das „Deutsche Bolksblatt" einen angeblichen Bericht der Prager „Vecerni Listy“ ab, in welchem bereits das Ritualmärchen auft getischt wird. Man könnte, wenn man wollte, über die Blödhnt dieser Bengel, die sie für jedeJdiotenanstalt reif macht, lächeln. Allein man müsste nicht aus Fleisch und Blut sein, um bei solchen gesindelhaften Gemüthsausbrüchen des „Deutschen Volksblatte" ruhig zu bleiben. Aber es ist noch nicht aller Tage Abend. Es wird sich schon noch Gelegenheit finden, Abrechnung zu halten, und dass sie gut ausfällt, soll unsere Sorge sein. Wir erhalten soeben von der Polnaer Cultusgemeinde folgenden Brief: P o l u a, 1:>. April 181K>. Euer Wohlgeboren! Nachstehend erhalten Sre den wahren nnd ausführlichen Sachverhalt der hiesigen Affaire. Mitwoch den hatte seine Stütze, seinen Hüter verloren, wie eine Herde Schafe, denen der Hirt fehlt. — Schon lange Jahre sind seit seinem Tode vergangen; die Zeit ist anders geworden ' und auch die Menschen des Ghettos. Nur selten ertönt noch ein sehnsüchtiger Nus, ein verlorener Schall, der die Erinnerung an den heiligen Rabbi wachruft. Doch wenn der Fremde den vielhundertjährigen, altehrwürdigen Friedhof, den „Gutort", wie ihn das Ghetto philosophisch benennt, der draußen auf dem grünen, weiten Hügel gelagert ist, besucht, dann wird ihm der Grabstein des heiligen Todten als erste Sehenswürdigkeit gezeigt und ihm zugleich das Gebot eingeschärft, zumindest fünf Schritte weit von dem Todtenhügel stehen zu bleiben und nicht näher zu treten, da man sonst die Ruhe des heiligen Rabbi störe und sich dann seine Ungnade zuziehe. Man hört die schönen Thaten, die der Rabbi vollbracht, und wie er ein Heil und Segen des Ghetto gewesen. Besonders aber die Sage, dass er durch einen heiligen Spruch die alten, schindelgedeckten Häuser des Ghettos gegen Feuersgefahr geschützt und dass thatsächlich seit der Zeit niemals ein Feuer das Ghetto heimgesucht. Der Glaube der Leute an die Wirksamkeit dieses Segensspruches geht sogar so weit, dass die wenigsten Bewohner der „Gasse" versichert sind. Merkwürdig und wunderbar ist es immerhin, dass seit diesem jahrzehntealten Segensspruche des Rabbi kein Feuer das Ghetto berührt, sonst würde heute die „Gasse" mit ihren uralten, morschen, aus Holz gebauten Häusern schon längst in Schutt und Asche liegen. Und die Leute beharren felsenfest bei dem Glauben, dass für das Ghetto niemals eine Feuersgefahr zu fürchten sei, denn „die Hand des heiligen Rabbi sei schützend erhoben über das Ghetto". 20. März, während der Osterfeiertnge, wurde hier ein 1 »jähriges Bauernmädchen aus dem benachbarten Orte Klein Wernitz namens Agnes Hruza ermordet aufgeftmden. Dieselbe ging hieher 'in eine Nähschule. Der Weg führt an einen Wald vorbei. Den Erhebungen zufolge sollen :r Personen verdächtig sein, von welchen einer Jude ist, davon sind 2 entlassen worden, und der Jude Namens Hilsncr ist dem Kreisgericht Kuttenberg eingeliefert worden. Gewissenlose Hetzer benützen diese Gelegenheit um das Volk an einen ' Ritualmord glauben zu machen. Infolge dessen sind am Sonntag nnd Montag den und to. d. in der Judengasse und auch in anderen Gassen bei den Juden über 70 Fensterscheiben eingeschlagen worden. Es wurde vom Vorstand die Bezirkhauptmannschaft um Schuh gebeten, und es kamen der Comisär und >8 Gendarmen, und ivurde seither die Ruhe nicht gestört. Hochachtend F r i e d r. S e m l e r. Es ist merkwürdig, dass die jüdischer» Organisationsbestrebuuge» erst dann vvn den Blättern, welche diesen fremd gegeuubersteheu, ausgenommen und beurtheilt werden, wenn sie sich selbst bereits im Volke so verbreitet haben, dass sie füglich auf die Unterstützung dieser Factoren verzichten könnten. Es ist der beste Beweis für das stetige Wachsen und die bereits erreichte Position der jüdischen Bewegung, dass die „Conservative Correspondenz" einen „Die Ziele des Zionismus" betitelten Artikel erhält und mit dem Wunsche abdruckt, dass er zu einer Discnssion in christlichen Kreisen Anlass geben möge. Alls der Tendenz dieses Artikels ist zu entnehmen, dass keine politisch aburtheileude, sondern eine sachlich erwägende Erörterung gewünscht wird. Der Artikel selbst schildert die Entwicklung der zionistischen Bewegung und deren jetzigen Stand, bespricht dann die politischen und ökonomischen Folgeerscheinungen der Colonisationsbestrebungen für Asien und Europa. Nachdem versichert wird, dass der Zionismus beabsichtigt, „die Souveränitätsrechte des Sultans streng respectieren zu wollen und so die Befürchtung zerstreuen zu können, als solle der Türkei zu den „vielen sonstigen „Fragen" noch eine jüdische Frage geschaffen werden", schließt er mit den Worten: „Für die im Elend verkommenden jüdischen Massen im Osten zu sorgen, gebietet die Nothwendigkeit. Erinnern sich He Juden ihrer Stammesherkunft und der sich aus dieser ergebenden Verpflichtung, so wird deshalb niemand annehmen, dass sie unpatriotisch seien. Werden vielmehr die westeuropäischen Länder von dem dauernden Zuströmen erwerbsloser armer Juden befreit und wird so der brennendste Theil der Judenfrage durch den Zionismus praktisch gelöst, so wird man es der Bewegung Dank wissen, wie man ihren theoretischen Zielen schon heute die Billigung nicht versagen kann." Immerhin anerkennenswert, dass ein Blatt wie die „C. C." diesen Anschauungen einige befürwortende Zeilen widmet. Staatsdienst und Judenschast. Von Dr. E. H. Unter den Argumenten, welche die Antisemiten für ihren Judenhass ins Treffen führen, figuriert auch der Vorwurf, dass sich die Juden nicht zu schwerer Handarbeit herbeilassen wollen. Thatsächlich ist das Contingeut, welches dieselben zur schweren Handarbeit in Haus nnd Feld, in Gewerbe und Industrie stellen, ein geringes und bildet einen auffälligen Gegensatz zur unverhältnismäßig großen Zahl der geistigen Arbeiter im Judenthume. Die Thatsache steht jedoch im bekannten unmittelbaren Cansalnexus mit der Eigenart des jüdischen Volkes einerseits und mit den allgemeinen wirtschaftlichen nnd socialen Verhältnissen andererseits. Es ist ein wunderbarer Zug des jüdischen Bolksgeistes, dass der Jude sich nöthigenfalls die größten Entbehrungen auferlegt, um nur seinem Sohne höheren Unterricht, womöglich sogar akademische Bildung angedeihen zu lassen. So kommt es, dass die Candidaten für die sogenannten liberalen Berufe in so großer Zahl Juden sind, wie dies mit der Ziffer der den verschiedenen Confessivnen angehörenden Bevölkerung durchaus nicht im Einklänge steht. So waren im Wintersemester 1890—1891 an der Wiener Universität 6220 Hörer inscribiert, von welchen 9402 der katholischen, 300 der griechisch-orientalischen, 363 der evangelischen Religion angehörten; 63 Studenten waren confessionslos oder gehörten einem anderen Ritus an. Die übrigen 2092 Universitätshörer waren „Israeliten", tvie ihre osficielle Bezeichnung lautet, und diese Sprache der Ziffern ist beredt genug. Das war im Winter 1890/91. Im letzten Jahrzehnt ist die Sache nicht anders geworden; die jüdischen Universitätshörer haben fast die relative Majorität an der Wiener Alma mater erlangt. Nun lassen es aber die wirtschaftlichen Verhältnisse der Gegenwart als selbstverständlich erscheinen, dass fast alle jene, die eine höhere Bildung genossen haben, auch trachten müssen, dieselbe zur Erlangung einer entsprechenden Lebensstellung zu verwerten, dass daher im Durchschnitte 98 von 100 derjenigen, welche die akademische Laufbahn eingeschlagen haben, auch einem der gelehrten Berufe sich zuwenden müssen, d. h. also ein Brotstudium betrieben haben. Da ist es nun freilich kein Wunder, wenn der Aerztennd Advocatenstand einen zur bezügliche» Gesammtbevölkerungsziffer in vielleicht geradezu umgekehrtem Verhältnisse stehenden Percentsatz an jüdischen Mitgliedern anfweist, wenn ferner die Journalisten sich zum überwiegenden Theile aus der Judenschaft recrutieren und wenn endlich die Staatsbeamtencarriore, die ja infolge der socialen Stellung, die sie verleiht, auch den Ariern als höchst erstrebenswert erscheint, obgleich sie mit Ausnahme der, gewöhnlichen Sterblichen ohnehin meist verschlossenen höheren und höchsten Kategorien gewiss nicht als besonders lohnend und dankbar bezeichnet werden kann, ganz besonders auch von den akademisch gebildeten Juden anfgesucht wird. Für diese ist es aber in vielen Fällen ein dornenvoller Pfad, wenn er ihnen nicht überhaupt gleich von vornherein verrammelt wird.

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