Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 8 (7.4.1899)
- Date
- 1899-04-07
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 8 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 7. April 1800 ►Seite 3 Versammlung sein Urtheil gesprochen, und das Volk hat jetzt die Aufgabe, das Urtheil zu vollstrecken. Mögen die Führer auch tausendmal diese Sache als Localangelegenheit proklamieren, das jüdische Volk hat den richtigen Jnstinct und weiß, dass jeder derartige Fehltritt, jedes Vergehen und jede Missethat auf Kosten des ganzen Volkes gemacht wird. ( Wenigstens behandeln unsere Feinde, die Antisemiten, die Sache so! sticht der Jude macht den Fehler, sondern die Juden, alle Juden. Und alle Juden, die Juden im allgemeinen, sind deshalb verpflichtet, den Fehler gut zu machen. In der Zeit, wo die antisemitische Agitation, die quasi zur Herrschaft angewachsen ist, offen die Juden als vogelfrei zu erklären fordert, wo ein Schneider öffentlich im Landtage sagt, die Juden seien keine Menschen, es müsse ein S ch u s s g e l d auf sie ausgesetzt werden, wo Lueger und Consorten die Confiscation des jüdischen Besitzes, die Vertreibung aller Juden predigen, in dieser Zeit gibt es keine jüdischen Localangelegenheilen, alles, alles wird zum allgemein-jüdischen Interesse, mit allem muss sich das ganze jüdische Volk beschäftigen. Auf alles muss das ganze jüdische Volk sein Auge richten, auf die Affaire des mährischen Lueger-Fonds insbesondere. Die Affaire ist einmal aufs Tapet gebracht worden, und es wäre wahrlich traurig, wenn es nur dabei bleiben sollte, wenn die Judenschaft in Mähren nicht mit aller Kraft und Macht gegen die „verirrten Führer" energisch auftreten sollte, um von einem Irrwege auf eine richtige jüdische Bahn zu gelangen. Die Affaire ist ausgerollt, .und schon schlagen antisemitische Blätter hier und dort Capital daraus. Das Brünner „Deutsche Blatt" weiß schon Hetzartikel in dieser Sache zu veröffentlichen — und die Juden schweigen. Der „Deutsche Volksbote" in Prag tischt die Angelegenheit seinen Lesern als köstliche Speise auf, es erhebt sich allerorten im antisemitischen L ager der Ruf: D e r I u d e i st e b e n f ü r G e l d z u allem zu haben — und die Juden schweigen noch immer. Das Curatorium begnügt sich mit dem gemachten Vertrauensvotum, das Volk mit einer Protestversammlung. Man wagt es nicht, öffentlich, auch nicht einmal mit eine r Zeile, zu einer Rechtfertigung aufzutreten, und man glaubt, mit Stillschweigen die Sache in Vergessenheit zu bringen. An Euch, Juden in Mähren, an Euch, Männer, die Ihr ein jüdisches Herz besitzet, an Euch alle, denen das Wohl des jüdischen Volkes am Herzen liegt, an Euch alle, in deren Adern noch warmes, jüdisches Blut fließt, an Euch geht der Ruf: Gebt diese Sache nicht auf, bis sie nicht gut gemacht ist! Drängt auf eine neue, ehrliche Generalversammlung, schickt dahin Männer mit Verstand und Gefühl, mit klarem Kopfe und warmem Herzen, schickt dahin Juden, deren Augen noch nicht geblendet von äußerem Glanze, deren Ohren nicht verstopft mit alten Phrasen, und deren Herzen nicht vergiftet von Interessen und schmutzigen Geschäften. Schickt dahin Juden, die den Mund öffnen können, um Wahrheiten zu sagen, die den Muth haben, offen und ehrlich, mit Leib und Seele für unser Volk einzutreten — und es fehlt uns nicht in Mähren an ehrlichen, begeisterten Juden — schickt hin diese Männer, um einfür allemal dieser Affaire ein Ende zu machen und die Ehre unseres Volkes, ihre eigene Ehre zu retten, um unseren Feinden zu zeigen, dass wir noch leben und lebensfähig sind, dass wir einen Volkswillen -besitzen und ihn zum Ausdrucke bringen können. Rur eine solche ehrliche und ehrenhafte Generalversammlung — und unsere Ehre i st gerettet. Gerettet nicht nur für Mähren, sondern für ganz Oesterreich, nicht nur für Oesterreich, sondern für die ganze civilisierte Welt, wo- Juden sind, wo Ehrgefühl herrscht, wo Volkswille besteht und wo für eine ehrliche Volksbewegung ein Herz schlügt. * Rach § 14 der Statuten des mährisch-jüdischen Landesmassafonds muss eine außerordentliche Generalversammlung einberufen werden, wenn 15 Gemeinden darauf beantragen, wir können nicht glauben, dass diese 15 Gemeinden sich nicht finden sollten, nur der Anfang muss gemacht werden. Wenn nur 3 Delegierte einen Aufruf veröffentlichen, so werden die restlichen 12 bestimmt sich finden. Rur eines sicheren Sammelpunktes bedarf es, wo die einzelnen Kräfte sich treffen und vereint die Action beginnen können. Der einzelne Delegierte, die einzelne Gemeinde kann gemaßregelt werden, schon bei dreien ist das unmöglich. Drei Delegierte mögen sich finden, die an unsere Redaction die Erklärung einsenden, dass sie bereit wären, die Action einzuleiten. Wir sichern jedem einzelnen die vollste Discretion nach jeder Richtung hin, so wie die Aufbewahrung ihrer Erklärungen zur eventuellen Rückgabe zu. Die Redaction des „Jüdischen Volksblatt" kann der Sammelpunkt werden, von wo die Äction mit vereinten Kräften begonnen, zum gedeihlichen Gilde gebracht werden soll. Inland. Wie«. (Zur Sprachenfrag e.) Von wohlunterrichteter Seite geht uns folgende Mittheilnng zn: Graf Thun zitiert für seine Ministerpräsidentschaft. Er glaubt, in der Absicht der deutschen Vertrauensmänner, das national-politische Programm, welches ani nächsten Sonntag festgestellt werden soll, geheimzuhalten, den deutlichen Beweis dafür zu erblicken, dass es beit Deutschen unbedingt darum zn thun sei, das Ministerium Thun zu stürzen. Der Liebe Müh'umsonst! Zwar not der Entschluss des Abgeordneten Dr. v. Grabmayr, sein Referat in der Vertranettsmüuner-Conferenz trotz des ihm von den Tiroler Ultraradicalen ertheilteu Misstranensvotnms beiznbehalten, lindernden Balsam auf das wunde Herz des Grafen Thun geträufelt, aber er vermag ihm nicht die gewiinschte Beruhigung zu verschaffen, dass ihm die Deutschen die Rolle des österreichischen Koloman v. Szell zngestehen werden. Sein Plan, die Sprachenmisere durch einen kühnen Schachzng mittelst des § 14 zu beseitigen, steht seit geraumer Zeit fest; er braucht aber zur Ausführung seines Entschluses die officielle und feierliche Formulierung der Forderungen der deutschen Opposition, nicht etwa, um erst darnach sein Project zu modificieren, denn dieses steht längst fest; er braucht das Programm der Linken vielmehr gleichsam zum documentarischen Nachweise, dass er mii der geplanten Verordnung auf Grund des § 14 die Forderungen der Deutschen zum großen Theile in Wirklichkeit umgesetzt hat. Er muss es schwarz auf weiß haben, wenn man ihm glauben sott. Wien. (Zur religiösen Nefo rmfragc.) Man schreibt uns : Das Judenthum als Confession beschränkt sich heute leider fast nur noch einzig nnd allein ans den öffentlichen C u l t ll s. Umsomehr muss dieser so erhebend nnd nachhaltig als nur möglich gestaltet und alles sich noch so sehr eingelebte Alte ansgemerzt werden, das geeignet ist, auch das Gotteshaus zu profanieren, wenn wir doch noch ein religiöses Volk bleiben wollen. Das hat das Ziel aller Reform im Judenthum zn sein. In der That ist bereits vieles darin geschehen. Unsere Prediger nnd Cantoren leisten manches Verdienstliche zur Erbauung und Andacht. Es ist auch das Versteigern der Alioth, wie es noch in den orthodoxen Synagogen üblich ist, abgeschafft worden; aber ein Stück dieses Schacher geistes am Altäre besteht noch in den Tempeln, welches die Gedanken ihrer Besucher vom Hehren ab wieder in das Weltliche lenkt — es ist dies das Schnobern, wodurch sich die niedrigste nnd hässlichste menschliche Eigenschaft, das Protzenthum, breit macht, an der Stätte, wo nur Demnth und das Gefühl der Gleichheit vor Gott am Platze sein sollen. Man kann mit dem festesten Vorsatze in das Gotteshaus treten, alles Gemeine draußen zn lassen, und muss doch wieder an Geld und Geschäft denken, wenn darin vom Altäre herab dem Reichen Lvbeshymnen gesungen und alle irdischen und himmlischen Seligkeiten ans die Häupter seiner Lieben bis in den dritten und vierten Verwandtschaftsgrad erfleht werden, weil er eine Geldspende für ein Wohlthütigkeits-Jnsiitnt verkünden lässt, als ob diese lumpigen paar Gulden, die er an demselben Tage auch für eine Loge im Theater oder für eine andere Passion verausgabt, ihn um eine Stufe hoher zum Throne Gotten stellten, als den Armen. Und das Gefühl der Empörung, lvelches doch in der Stunde der Andacht fern bleiben soll, muss jeden überkommen, der so manchen dieser Schnöderer als gemeines Subject im Leben und die nicht ganz einwandfreie Provenienz seines Reichthums kennt. Wenn, wie es ja vorznkommen pflegt, auch ein Christ sich just im Tempel befindet, wenn so ein Protze die Stufen des Altars hinaussteigt, nnd diesen Mann und sein Thun zufällig kennt, muss er nicht das Judenthum für eine heidnische Religion halten, deren Priester die Reichsten sind? Was für ein Chilul-haschem! Viele Reiche, die auch einmal das Gotteshaus besuchen möchten, schreckt der Gedanke daran zurück, dass sie von den Tempeldienern erspäht, mit einer Aliah „beehrt" und zum Schnobern moralisch gezwungen sein würden. Will man an Sabbathen und Feiertagen ein andächtiges Publicum im Tempel haben, so muss mit dem Usus des Schnoderns gebrochen, dürfen überhaupt die Alioth nm an ehrwürdige, wenn auch arme Greise und an sogenannte Chiubim vertheilt werden, dass an der Stätte des Altars mit dem Heiligsten keine Protzerei getrieben werde. Aber ivie soll das Geld wieder hereingebracht werden, welches bisnuu das Schnobern den Gemeinde - Instituten einbrachte? Auf die einfachste Weise. Man versende alljährlich vor den Jeme-noraim ein Verzeichnis sämmtlicher Wohlthätigkeits-Jnstitute der Gemeinde mit einem warmen Appell an das jüdische Herz, und jeder, der geben kann nnd geben will, wird sich beeilen, dasjenige Institut, welches ihm am bedürftigsten oder seiner persönlichen Auffassung nach am unterstütznngswürdigsten scheint, zu bedenken. Und jedes Jahr soll auch an sämmtliche Mitglieder der Cnltnsgemeinde ein Ausweis aller Spenden mit den Namen der Spender versendet werden, so dass auch der Ehrsucht Genüge geschehe, die sich veröffentlicht sehen will. Man kann sicher sein, dass ans diese Weise den Instituten zehnmal mehr zn flösse, als durch das Schnobern. Unschätzbar wäre aber der moralische Gewinn für die Religion. Erst nach Auflassung des Schnoderns wird der Geist Gottes die Tempel erfüllen und ihre Besucher erheben voll den Schlacken des Lebens zu einer hehren, reineren Gedankenwelt, dass die Schmach von uns abgewälzt werde, das Gold sei unser Gott und der Capitalismns seine Religion. St. Pölten. (Politik in einem Gesangv e r e i n.) Der hiesige Mannergesangverein hat sich offlciell zum Antisemitismus bekannt und in seiner letzten Generalversammlung den Beschluss gefasst, in Hinkunft nur „Arier" in den Verein aufznnehmen. Dieser für einen Gesangverein ganz besonders wichtige Beschluss gilt hoffentlich nicht nur für „ausübende", sondern auch für „unterstützende" Mitglieder, denn unsere strammsten „Arier" sind bei Entgegennahme von Geld nicht sehr serupnlös in Bezug ans seine Herkunft. Pvdersam. (I n d e n h i n a u s!) Der hiesige Turnverein fasste in seiner letzten Hauptversammlung den bekannten Entschluss, dass Mitglieder des Vereines nur „Deutsche arischer Abstammung" werden können. Einen gleichen Beschluss nahm auch der „Deutsche Turnverein" in Fischern-Neustadt an — hier mit allen gegen eine Stimme. Nicht dnrchgedrungen mit dieser Entschließung sind die Radicalen in T e t s ch e n. Doch werden die Inden hoffentlich selbst ans die „Ehre" verzichten in Tnrnvereinen als geduldete Mitglieder zn gelten. Ausland Dir Inden in Bulgarien. (Schluss.) In der letzten Kammer-Session hat der Deputierte A b r a s ch e w, welcher der Regiernngspartei angehört, zwei von noch elf Deputierten gefertigte Anträge eingebracht, die folgenden Inhaltes waren: 1. Den Juden in Bulgarien den Schutz zu entziehen und die Einwanderung der Juden zn untersagen. 2. Offene Geschäfte und Gewerbe auf Dörfern den Juden zn verbieten. Die Majorität der Kammer hat im Principe diese Anträge genehmigt, und so ist zu erwarten, falls die Inden sich nicht einigen, dass ihnen das Schicksal ihrer Glanbensbrüder in Russland nnd Rumänien bevorsteht. Mit diesem officiellen Antisemitismus steht derjenige der Massen in inniger Verbindung. Im Jahre 1893 hat in der Stadt Wratza der bekannte Proccss gegen Juden wegen Verwendung von Christenblnt zur Mazzes-Bereitnng stattgefnnden. Nur dem Einflüsse ausländischer Philanthropen, besonders aber dem energischen Eingreifen S t a m b u l o rv's ist es zu danken, dass damals zehn Personen vor der ungerechten Verurtheilung zum Tode bewahrt wurden. Alljährlich zur Osterzeit werden gegen die Juden Beschuldigungen wegen Gebrauches von Christenblut erhoben nnd enden stets mit Prügeleien und Verfolgungen. Ganz besonders gefährlich waren die Excesse des Vorjahres. In der Stadt Vamboli war plötzlich das Gerücht aufgetancht, ein Christenkind sei von Inden gestohlen worden. Daraufhin drang die Bevölkerung wie auf Commando in die jüdischen Quartiere, alles verwüstend, die Geschäfte plündernd nnd die Bewohner misshandelnd. Gleichzeitig entstanden in den anderen Städten wie Bonrgas, T.-Bazardzik und Sofia antisemitische Unruhen. Dieselben erreichten ihren Höhepunkt in der Stadt Sliwno. Dortselbst drang nach völliger Verwüstung nnd Plünderung des jüdischen Quartiers der Pöbel sogar in die Synagoge, raubte die heiligen Gerüche und warf, was er nicht entwenden konnte, in den Koth der Straße. Auf die Nachricht über diese Vorgänge constituierte sich ein Comite, bestehend ans denk Ober-Rabbiner und den angesehensten jüdischen Bürgerir, und wandte sich um Schutz an die Regierung. Dieselbe sagte zwar den Ersatz des materiellen Schadens zu, hat jedoch ihr Versprechen noch nicht eingelöst. Der Process gegen die des Kinderraubes beschuldigten Jkkden nimmt aber seinen ungestörten Fortgang. Diese Bedrückungen sind die Ursache, dass sich die Juden nicht auf dem Lande ansiedeln, sondern die Städte aufsuchen. Auch in die Armee ist der Antisemitismus bereits eingedrungen und die wenigen jüdischen Offlciere verlassen sie infolge schlechter Behandlung: in den Cadettenschulen wird strenge darauf gesehen, dass keine Juden Aufnahme finden, obgleich jüdische Soldaten ihrer Pflicht bei Slivnitza an der Seite der anderen Soldaten voll und ganz entsprachen. In den Staatsdienst wird ebenfalls Juden der Eintritt verwehrt; in die bulgarische Nationalbank und Staatscasse ist die Aufnahme jüdischer Beamter offlciell ausgeschlossen. Eine Ausnahme bilden nur ungefähr zehn Juden, die im Telegraphendienste thätig sind. Dagegen ist in den Stadtvertretungen überall mindestens ein jüdisches Mitglied, eine Ueberliefernng aus der Zeit der türkischen Herrschaft. Die Inden blieben bis vor kurzem den politischen Parteien ferne, bei den Wahlen gaben sie ihre Stimme stets für den Regierungs-Candidaten ab, indem sie das System unterstützen nnd die Person in Bezug auf ihre Würdigkeit nicht in Betracht zogen. Die Regierung wusste übrigens der Inden sich auch dadurch zu versichern, dass sie vor den Wahlen dort, wo Juden ausschlaggebend sind, wie z. B. in den Hauptstädten, denselben große Versprechungen machte. Nun aber ist ein Umschwung eingetreteu nnd vielfach schlosseki sich die Inden der Opposition au, welche unter Führung Dr. R a d o s l a w o w s und Dr. G r e k o w s, die beide für freisinnig gelten, die Regierung überwältigten. Durch die Neuschaffung der Statuten ist den Inden Gelegenheit geboten, ihre Rechte energisch zn wahren. Sie müssen sich politisch selbständig constituieren, kräftig den Kampf führen und nicht erlahmen, bis sie in den vollen und gesicherten Besitz ihrer Rechte gelangt sind. ^Warschau. Zum Andenken an den vor zwei Jahren verstorbenen Präsidenten unserer Cnltusgemeiklde Ludwig N a t h a n s o h » haben dessen Erben einen Nathansohu- Fonds gegründet in der Hohe von 6000 Rubel. Anspruch auf Unterstützung aus diesem Fonds haben arme Handwerker, jedoch nur katholischer Religion nnd polnischer dt at i o n a l i t ä t. Ein schönes rHDH für einen Präsidenten einer jüdischen Cultusgemeinde! Petersburg. Der „Regiernngsbote" publiciert die Ergebnisse des Recrutiernngsgeschäftes im Jahre 1898. Es stellten sich im ganzen 953.195 Recruten im Alter von 21 Jahren, darunter 51.410 Inden, d. h. 5*4%. Davon wurden genommen 267'988 Nichtjuden — 29'72"/„, dagegen 16.595 Juden — 32'28"/„ der zur Stellung gelangten Personen dieses Glaubens. Dazu kamen noch 312 Inden aus Transkaukasien und den Militärdistricten von Ter nnd Kusan. Die Juden stellten also percentnell eine viel größere Zahl Soldaten als die Nichtjnden, nnd trotzdem sind die Behörden unzufrieden und behaupten, dass 8244 in den Listen stehen, die sich nicht gemeldet haben. Es ist immer wieder die alte Klage, die aus der mangelhaften Listenführuug herkommt. Ein jüdischer Arzt, Grünkrng, erhielt nach vieljähriger Thätigkeit den Wladimir-Orden, mit dem der Adel verbunden ist, allein vie Adelskanimer von Smolensk verweigerte die Eintragung Dr. Grünkrugs in die Liste, der Senat aber ordnete als höchste