Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1899)
- Issue
- 7 (31.3.1899)
- Date
- 1899-03-31
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 7 Wien, Freilag Jüdisches Volksblatt 31. Marz 1899 Seite 3 Cs ist doch merkwürdig, und ist dies nur durch die Indolenz und Sorglosigkeit unserer Reichen zu erklären, dass dieser Vorschlag, der sich aus den galizischen Verhältnissen mit solch natürlicher Nothwendigkeit ergibt, in manchen Kreisen so freiud annknthet. England (um nicht von Russland und Deutschland zu sprechen), ein Industrie-Land pur excellence, dessen jährlicher Getreideertrag zur Deckung seines eigenen Bedarfes für kaum zwei Monate hinreicht, hat zur inneren Colvnisation der armen Juden gegriffen, und im Getreide- Exportlande Galizien soll das nicht möglich sein! — Noch weniger als über die Möglichkeit der Colvnisation braucht man wohl über die B e f ä h i g u n g der galizischen Inden zur Feldarbeit viel Worte verlieren. Die Erfolge, welche mit demselben M e n s ch e n m a t e r i a l e anderswo (Palästina, Russland u. a.) erzielt werden, sprechen beredt genug. Die Schwierigkeiten des Anfanges, die auch in den gedachten Colonien zu überwinden waren und zum Theile auch erst zu überwinden sind, sprechen gewiss nicht dagegen. Dazu kommt noch, dass die Verhältnisse in Galizien (ans vielfachen, hier nicht zu erörternden Gründen) für die Colvnisation, ungleich besser liegen, als andere in Palästina. Und nun denke man an die Colonisatious-Ansstellungen in Berlin, Hamburg, Köln a. Rh., Breslau it. a. Was hier noth thut, ist einzig und allein Geld und Energie, oder kürzer ausgedrückt : guter Wille. Der alte Kaut wird noch immer Recht behalten: Ein guterWille ist und vermag alles! Schwieriger ist die Frage nach dem Wie? Flic eine innere Cvlonisation, wenn sie anders der nnabweislichen Forderung einer percentnell angemessenen Betheilignng der galizischen Inden am Ackerbane des Landes auch nur zum Theile entsprechen soll, müsste man größere, znsammeuhängende Complexe ins Auge fassen. Dies ist ans cnlturellen, besonders aus cuttueU en und politischen Gründen geboten: Juden st ä d t e gibt es in Galizien viele, Inden d ö r f e r sollen die Aufgabe der Zukunft sein. An eine Besitznahme von bereits bestehenden Dörfern kann selbstverständlich nicht gedacht werden, es kann sich nur um neue Ansied langen handeln, zu denen die obengedachte „Hilfsvercinignng" durch Parcellierung größerer Güter den Grund legen ivird. Bei Auswahl der Cvlonisten müsste vor allem anderen die Rücksicht auf das möglichst rasche Selb st ändig werden derselbe» maßgebend sein: Es sind zunächst nur solche Colonisien herauzaziehen, die noch einen gewissen (vom Statut der Vereinigung festznsetzenden) Betrag mitbringen oder irgendwie (schuldeurein) aufzntreiben imstande sind und vorOdeneu die Tilgung des Kaufpreises durch Ratenzahlungen au die Vereinigung nach einigen Jahren erwartet werden kann. Etwa so. Der Colvnist bekommt von der „Vereinigung" nichts als das Grundstück, während er für die Bewirtung desselben das nöthige Capital nachweislich besitzen muss. Die Größe der Parcelle wird nach der Familienkopfzahl in Combination mit der Zahl ihrer arbeitsfähigen Glieder und der Größe des nachweislichen Capitals bestimmt. Diejenigen hingegen, welche nichts als ihre Arbeitskraft mitbringen, werden, ioweit sie zur Feldarbeit für geeignet befunden werden, in den unter Verwaltung der Vereinigung zu verbleibenden größeren Besitzungen als Feld-Lohnarbeiter verwendet; im Bedarfsfälle selbstverständlich auch von den Cvlonisten. Aber auch für diese Lohnarbeiter müsste ein Modus gefunden werden (etwa durch Zurückhaltung von 10 Percent des Lohnes, als obligates oder freilvilliges Ersparnis), der ihnen eine spätere Belehnung mit Grundbesitz in Aussicht stellt. Dieser Modus, der a n s ch e i n e n d gegen die Aermsten der Armen eine Ungerechtigkeit enthält, ist sowohl durch die Rücksicht ans die Fonds der Bereinigung, wie durch das ausgesprochene Ziel der Cvlvnisations-Action: einen Theil der armen jiidischen Bevölkerung zu tüchtigen Landarbeitern heranznzicheu, genügend gerechtfertigt. Nicht ein Eden auf Erden soll die Vereiiiignng den galizischen Juden schaffen, sondern den ruhenden Händen Arbeit, den unkundigen die A n s b i l d u n g zur Arbeit' und den tvirtschaftlich noch nicht ganz ruinierten, für die noch die Möglichkeit einer selbstständigen Existenz besteht, Darlehen (Schenkungen sind p r i n c i p i el l ausgeschlossen nnd nur in seltenen Ausnahmsfällen zulässig) bieten. Mit einem A b f a l l e muss immer gerechnet werden, die Tendenz des Verwaltungsstatuts muss aber auf die möglichste Jntacterhaltung der der Vereinigung zur Verfügung stehenden Mittel gehen. Es muss mit der Wahrscheinlichkeit gerechnet werden, dass die Colvnisation (ebenso wie die ganze H i l f s a e t i o n überhaupt) zunächst nur t h e i l w e i s e, in den von Roth am härtesten heimgesuchten Bezirken, wird in Angriff genommen werden können. Und so wird es nur im Interesse der Hilfsaction selbst liegen, dass mit den Mitteln möglichst sparsam umgegnngen wird. (Schluss folgt.) Inland. Wien. (Der Vorstand de r „O e st e r r e i ch i s ch- I s r a e l i t i s ch e n U n i v n") beschäftigte sich in seiner am 23. d. M. stattgefundeueu Sitzung u. a. auch mit dem vom Abg. S ch n e i d e r im niederösterreichischen Landtage eingebrachten Anträge ans Abänderung der Dienstbvten-Ordnung in dem Sinne einer Erschwerung der Aufnahme christlicher Dienstboten bei jüdischen Dienstgebern. Nach eingehender Disenssion wurde beschlossen, eine Verwahrung gegen die Zulassung und Verlesung dieses Antrages n i ch t einzubringen, und zwar ans folgenden Gründen: Die Begründung des Antrages enthält allerdings eine Reihe der nichtswürdigsten Schmähungen und niedrigsten Verleumdungen gegen die jüdischen Dienstgeber und insbesondere gegen die jüdischen Hausfrauen. Die Inden sind es aber nicht allein, welche in diesem tvllwüthigen Schriftstücke angegriffen werden. Es werden in gleich unqnalificierbarer Weise d i e h ö ch st e n Autoritäten des Staates, die o b e r st e n Justizbehörden, die Gesetzgebung und V e rw a l t u n g b e s ch i m p f t und verunglimpft, deren U r t h e i l e, Entscheidungen und Verfügungen h e r a b g e w ü r d i g t nnd dem öffentlichen Spotte ausgesetzt. Es wäre die Pflicht des Landmarschalls gewesen, diesen Missbrauch der Immunität spontan dadurch zu verhindern, dass er den Antrag mit seiner ungeheuerlichen Begründung zur Verlesung nicht zngelassen hätte. In jedem anderen Parlamente der Welt wäre diese Censur von Seite des Vorsitzenden zweifellos erfolgt. Da es sich hier nicht bloß um die Ehre der Juden, sondern zum mindesten auch in dem gleichen Maße um die Ehre und das Ansehen aller staatlichen Autoritäten handelt, war der Vorstand der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" der Ansicht, dass eine Remedur gegen die ungeheuerliche Begründung des Antrages Schneider zunächst Pflicht und Aufgabe jener Factoren wäre, welche über die Achtung vor dem Gesetze zu wachen haben. BriittN. (Zn unserer L u e g e r - A f f a i r e.) Neber die in der Vorwoche mit so glänzendem Erfolge abgehaltene Versammlung des Jüdischen Volksvereines berichten sämmtliche hiesigen Blätter. Natürlich auch das „Deutsche Blatt", das sich über den Umstand nicht zu fassen weiß, dass diese Versammlung gerade „in unserem herrlich schönen Deutschen Hanse" stattfand. Nachdem das genannte Organ in seiner Art darüber raisonnicrt, schließt es seine Drohungen mit der geradezu elastischen Bemerkung, dass, wenn die Verwaltung des Deutschen Hauses nicht bald zur Einsicht kommen sollte und jüdischnationale Versammlungen und Feste daselbst untersage, der Verein sämmtliche — jüdische Mitglieder verlieren werde. Diese Drohung ist wohl der beste Witz, den das Blatt den Lesern leisten konnte. Prag. (Deutsches Jndenthnm.) Noch wogt der Kampf zwischen Deutschen nnd Czecheu in unserer Stadt unentschieden hin und her. Die Juden aber haben jetzt Schonzeit, soweit's geht. Doch wie nutzen sie die? Während in Wien der Grund gelegt wird zur Gesundung der bisherigen jüdischen Vogel Strauß-Politik, halten die Inden in Prag den deutschen Liberalismus noch immer krampfhaft umfasst, so krampfhaft, dass er nicht leben und, was noch viel ärger ist, nicht sterben kann. Der gute Herr Breznovsky hat so Unrecht nicht, wenn er das Tentschthum Prags mit dem Prager Jndenthnm ideutificiert. Denn die deutschen Volksschulen bevölkern mit erdrückender Majorität unsere Kinder, die deutschen Mittelschulen verbürgen, soweit es auf die Prager ankommt, den strammen Ariern eine „Verjudnng" der Caiola-Feniiiumdea, der Hörerschaft nämlich; die Lehrkanzeln haben eine solche Bürgschaft, nach der Ansicht unserer Antisemiten, nimmer nöthig. Soweit geistiges und gesellschaftliches Leben unter der „deutschen Minorität" Prags bliiht, sind es einzig und allein und immer wieder die Juden, die hierzu,..ihre Leute nnd ihr Geld stellen. Und der Dank? Still! Ihr dürft zahlen, zahlen und wieder zahlen. Ihr dürft dem Schulvereine zahlen, Ihr dürft Jahresabonnements zur Erhaltung unseres Mnsentempels zahlen, Ihr dürft in den mannigfachen Corporationen und Vereinen zahlen, Ihr dürft auch für Bälle und sonstige Feste snbscribieren und ins Casino dürft Ihr gehen. Was wollt Ihr noch mehr? Wenn aber den alten Herren die Gewohnheit, hinter dem verschlissenen Mantel des Deutschthums mit ihrem Jndenthnm Verstecken zu spielen und sich's dahinter recht wohl fühlen zu lassen, nun einmal schwer ans den Gliedern geht, so weiß doch die edel angelegte akademische Jugend, was der idealen Forderung nach dem Ausleben seines eigenes Ich noththut? Die erst recht nicht. Sie weiß aber wenigstens, warum sie sich deutsch geberdet. Da ist die herrliche Lesennd R e d e h a l l e der „deutschen" Studenten. „50.000 fl. bares Vermögen sollen wir den „Germanen" so ohneweiters überantworten? Eine Bibliothek von über 40.000 Bänden, seit einem halben Jahrhundert zusammengescharrt, die reichste Stndentenbibliothek Mitteleuropas, sollen wir den Antisemiten schenken? O nein; noch sind w i r in der Majorität da; noch können wir die Statuten nach unserem Gutdünken ändern." — Und so ward denn vor zwei Jahren zur Abwehr der arischen Ueberflutnng beschlossen, dass, wenn auch nur ein Drittel sämmtlicher Mitglieder einen Inden der Ehre ivürdige, ihn als Deutschen anzuerkennen, auch die restliche Zweidrittel-Majorität sich diesem Ausspruche zu fügen habe und die Aufnahme in die „Halle" nicht verweigern dürfe. Anstatt gegen einen solchen Diebstahl an deutschem Gnte zu wettern, lallte damals der Sprecher der Gegenpartei irres Zeug. Doch unserer Jugend bringt jenes Glücksgefühl des beatus possideus keinen Nutzen, nnr schreckliche moralische Versumpfung. Und so kam es, dass bis jetzt nugerächt geblieben ist der Schimpf, welcher der „Halle" am Akademikertage z u Leitmeri tz angethan ward durch Wolf sammt werten Gesippen. Die Ohrfeige ward ruhig eingesteckt, man hörte sie ein wenig unter der „Markomannia" nachvibrieren, doch mehr durfte man nicht thnn; wv bliebe da die deutsche Gemeinbürgschaft, das lväre ja der reine Berrath am deutschen Volke! Dann kamen Heuer die großartigen Festtage anlässlich des 50jährigen Bestandes der „Halle", Reb Mayer, der Raschi Kohl, wie der Obmann im Liede heißt, und all die anderen Redner ivussten helle Begeisterung für „Dentschthnm und Freiheit" in der jüdischen Stndentenwelt zu wecken. — Nicht lange wird die Herrlichkeit dauern. An inneren. Gebrechen krankt die „Halle" schon lange. Bon anßenher aber wird sie das Ende ihrer Collegin, des „Deutsch-akademisch e n Juristen-Vereines", finden, und nur die unglaubliche Zersplitterung der Kräfte im Gegnerlager schiebt die Sache ein wenig hinaus. Und die hiesigen Universitäts-Professoren? Die wissen sich eins mit ihren Hörern. Sie besuchen den „Halle"-Commers, den antisemitischen Germanen-Commers, die vorjährige Magnificenz sandte auch dem Vereine der jüdischen Hochschüler zu seinem Commers ein herzliches — Schreiben; jährlich aber wiederholen sich im „Strafprocess-Collegium" die antisemitisch angehauchten Witze (z. B. jener der früher bedingungslos möglichen Folterung von „Zigeunern, Landstreichern, Juden und anderem Gesindel"), die immer gröhlenden Wiederhall und blutleere Verlegenheit in den Bänken finden; selbst ein allseits hochverehrter Lehrer vermag der hebräischen Schrift in Rechtsnrknnden hauptsächlich deshalb keinen Geschmack abzngewinnen, „weil da jede Fliege Unheil anrichten kann". Dafür rächt sich, natürlich unbewusst, die medicinische Facnltät wieder, indem dort ein erst vor kurzer Zeit gefeierter Professor seine jüdische Sprache, sein jüdisches Gehaben auf die unverfälschteste Weise zur Schau trägt. Nichtsdestoweniger gibt es in Prag auch Inden, die es sehr ehrlich mit dem Jndenthnm meinen. Da erfüllt insbesondere der Centralverein für jüdische Angelegenheiten auf sehr anerkennensivcrte Weise seine Pflicht, so gut er sie eben mit Rücksicht auf das Dentschthnm erfüllen kann. Durch Darbietung gehaltvoller Vorträge hervorragenderer Inden sucht er im Publicum das sonst allzu geschwächte Bewusstsein der jüdischen Gemeinschaft wach zu erhalten. Und dieses wird ja vonnöthen sein. Prag ist für die nationale Bewegung nicht verloren, wenn auch noch nicht reif. Schon aber liegen sich in den höheren Classen der Mittelschulen nationale und deutsche Judenbuben während der 10 Uhr-Pausen in den Haaren, und wenn auch das Gros der Jugend, spcciell der akademischen, sich noch fernhält, so wird die reale Bedeutung einer jüdisch-politischen Organisation auf nationaler Grundlage auch hier in nicht allzu langer Zeit erkannt nnd gewürdigt sein. Prag. (Die „Prager Gemeinde-Zeitung" nnd die Ä n t i s e m i t e n.) Die Arbeit, welche das Organ der Casinotenpartei, die „Prager israelitische Gemeinde-Zeitung", im Aufträge der Deutschliberalen Böhmens geleistet, indem es die Gründung des „Jüdischen Volksblatt" perhorrescierte, hat eigentlich nnr den Dentschradicalen willkommenen Anlass geboten, über die Liberalen und die mit denselben noch verbündeten Inden loszuziehen, nnd damit statt der beabsichtigten Wirkung das gerade Gegentheil erzielt. Der „Deutsche Volksbvte" wendet sich neuerdings „an die Adresse der Liberalen" nnv bedauert dieses Blatt in sozusagen ironischem Tone die liberale Partei, welche durch die „Prager israelitische Gemeinde- Zeitung" den Inden in herzbewegenden Worten das Unglück vor Augen führt, das entstehen könnte, wenn die Inden ihre fernere Unterstützung den Dentschliberalen versagen würden. Dux. (Juden hinaus!) In der am 18. d. stattgefilndenen Hauptversammlung des Deutschen Turnvereines wurde der Beschluss gefasst, den Verein auf „arische Grundlage" zu stellen und gleichzeitig dem nordwestböhmischen Gaue beizutreten. Diese Beschlüsse waren umso leichter zu fassen, als hier überhaupt kein Jude dem genannten Vereine angehört. Die Juden in HnLgnrien. Laut statistischer Uebersicht vom Jahre 1893 wohnten im Fürstenthnme Bulgarien 26.307 Juden, toelche zumeist in den Städten ansässig sind, und zwar ungefähr 7000 Juden in Sofia, je 3000 in Philippopel und Roustschouk die übrigen in Varna, Bourgas, Lom u. s. w. Seit dem Jahre 1893 hat sich die jüdische Bevölkerung um b i läufig 3000 Seelen vermehrt, hauptsächlich durch Einwanderung zahlreicher Familien aus Rumänien, der Türkei und Oesterreich. Mit Ausnahme von 3500 Eskenasim, welche die von ihren Ländern mitgebrachte Sprache beibehielten, ist die übrige jüdische Bevölkerung sephardisch und spricht einen Jargon, welcher der türkischen, italienischen und französischen Sprache entnommen ist und „spaniolisch" genannt wird. Dagegen ist die Sprache des Landes nur der gelehrten Jugend, bezw. jenen Personen, welche eine Schule dortselbst besucht haben, bekannt. Die Schulen werden von der Alliance Israelite geleitet, welche die Directoren und Hauptlehrer beistellt nnd eine jährliche Subvention gewährt. Der Lehrplan dieser Schulen wird von der bulgarischen Negierung fallweise genehmigt und ist demjenigen der christlichen Volksschule ähnlich, bis auf den Unterschied, dass die jüdischen Kinder vier Sprachen lernen müssen, nämlich bulgarisch, spaniolisch, recht oberflächlich hebräisch und sehr gründlich französisch. Nach Absolvierung der jüdischen Volksschule werden dieselben im bulgarischen Gymnasium zur Fortsetzung ihrer Studien ausgenommen, wo sie stets als Vorzngsschüler gelten; jährlich verlassen 10 bis 15 Studenten, mit Reifezeugnissen versehen, diese Lehranstalten. Von diesen Schülern besuchen sodann einige die Hochschule in Sofia, andere gehen an ausländische Universitäten, ein Theil tritt in Comptoirs ein. Auf diese Weise gibt es bereits 50 bis 60 junge Leute mit absolviertem Gymnasium, 15 bis 20 mit znrückgelegtenUniversitütsstudien, meist Mediciner und Juristen. Dadurch beginnt die jüdische Gesellschaft sich schnell zu emaneipieren und der Geist der Reformation wird rege, wenngleich die Neuerungen nicht ohne Erschütterung durchgeführt werden können, da die reichen Inden mit ihren alten Ideen der allerdings kraftvollen Jugend große Opposition machen. Die jüdischen Gemeinden befinden sich noch im Anfangsstadium der Organisation. Hierzu kommt noch, dass Bulgarien seit drei Jahren ohne Ober-Rabbiner ist. Diese Person spielt daselbst eine sehr große Rolle, da derOber-Rabbiner als der Vertreter sämmtlicher in Bulgarien wohnenden Inden der Regierung und dem Fürsten gegenüber gilt. Er wird von der Negierung besolde! und genießt dieselbe Ehre, wie der Metropolit. Die Unwissenheit nnd der Eigensinn, tvelche immer in einem noch nicht ganz civilisierten und halborientalischen Lande herrschen,