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Jüdisches Volksblatt · 1899-03-24 · 6 (24.3.1899) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1899)
Issue
6 (24.3.1899)
Date
1899-03-24
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Wien, Freitag Jüdisches Volksblatt 24. März 1899 Nr. 6 Unterstützung finden müsse. Auch die Einreichnng eines Gesuches an die „Jewish Kolonisation Associationmit Gewährung einer Beihilfe für Machnaiut wurde von vielen Seiten befürwortet. Zum Schluffe theilte Herr Prag aus London mit, dass auch auf dem Grundstücke der „Bnei Jehudah" die Arbeit mit 50 Colonisten begonnen habe, während von anderer Seite die Errichtung einer neuen großen Colouie mit 100 Familien in Aussicht gestellt wurde. Die Uebersicht der Vereine ergab, dass die Einnahmen des deutschen Vereines „Esra" im Vorjahre von 7600 auf 11.545 Mark gestiegen sind, aus London wurde berichtet, dass die Situation der „Chovevi Zion" sich sehr gebessert hat; ebenso war aus Russland von gesteigerten Einkünften zu berichten. Die Pariser mussten einen ungünstigen Rapport erstatten, denn unter dem Drucke der „Affaire" sind ihre Einnahmen zurückgegangen. Mit Vornahme von Neuwahlen schloss die bedeutungsvolle Sitzung. (Paris.) Auf Antrag des Central-Consistoriums hat der Kriegsminister und ebenso der Marineminister verfügt, dass allen jüdischen Soldaten, die Passah feiern wollen, der nöthige Urlaub auf ihr Ersuchen gewährt werde. So selbstverständlich diese Bewilligung ist, so hat sie doch in der gegenwärtigen Zeit einige Bedeutung als Symptom dafür, dass der Antisemitismus in der Regierung wenigstens noch nicht allzustark ist. (London.) Der „Board of Guardians“ veröffentlicht eine Zusammenstellung der von ihm nnterstützten Personen nach ihren Berufen, und ist diese Liste deshalb hochinteressant, weil sie zeigt, wie viele Berufe seitens der armen Juden in London ausgeübt werden. Da findet sich eine Schauspielerin neben 5 Buchhändlern, 4 Droschkenkutscher und ein entlassener französischer Polizist, kleine Kaufleute und Hausierer neben studierten Personen und Journalisten und vor allem Handwerker ans 46 Gewerben, neben der Zahl der einfachen Arbeiter, des Dienstpersonals :c. Im ganzen erhielten 2510 Personen Unterstützung aus den Cassen des „Board of Guardians“. (London.) Zum erstenmale wohl hat sich eine Dame als Elektrotechniker ausgezeichnet. Frau Prof. W. A y r t o n, geb. Marks, eine Jüdin, hielt am Dienstag in der hiesigen Ingenieur-Gesellschaft einen Vortrag über den elektrischen Bogen, der sehr beifällig ausgenommen wurde. In der Discussion wurde die Dame ersucht, den Gegenstand in einem Buche zu bearbeiten. — In der „Jewish College Literary Society“ fand am Sonntag den 12. d. M. ein Vortrag von Israel Abrahams über „Hebron" statt, an den sich eine lebhafte Discussion anschloss. — Dr. G a st e r sprach am Tage vorher über die jüdischen Secten und speciell über „Chassidim und Reformer". (Berlin.) Im antisemitischen Lager haben die beiden Reden des Grafen Pückler gegen die Juden große Begeisterung hervorgerufen, eine Begeisterung, welche sich sogar zu großartigen Handlungen verdichtet hat. Haben doch die bayrischen Autisemiten, die bei der Reichstagswahl 67 Stimmen hatten, sich zu einer vier Zeilen langen' Depesche aufgeschwnngen, in der sie dem Grafen ihre Zustimmung aussprechen. Der Bericht-- erstatter verschweigt nun, ob das Geld zu dieser theuren Depesche aus den Taschen der Herren Antisemiten aus München geflossen ist, oder ob vielleicht der Herr Graf das Geld dazu vorgestreckt hat, wie dies seinerzeit bei den Lorbeerkränzen von Ahlwardt gewesen ist. In Berlin haben auch zwei antisemitische Versammlungen stattgefunden, in deren einer nach einer Rede des ehemaligen Abgeordneten Prof. Förster ebenfalls eine Zustimmungsadresse für den gräflichen Judenhetzer beschlossen -wurde. In der anderen Versammlung ist der so lange aus der - Oeffentlichkeit verschwundene Abgeordnete Böckel wieder aufgetreten, um dem Grafen Pückler Concurrenz zu machen. Dass diese Versammlungen doch nicht mehr als ein momentanes Emporflackern des Antisemitismus bedeuten, beweist die schlechte Lage der -antisemitischen Zeitungen, die eine nach der anderen eingehen. So kündigt jetzt die „Heimat" in Hannover an, dass sie im April aufhört zu erscheinen. - (Bukarest.) Leider ist über die Situation der Juden in unserem Lande noch immer nur Ungünstiges zu berichten., Rumänien ist immer ein blinder Nachahmer französischer Sitten gewesen, und seitdem in Paris -der Ruf „Tod den Inden" modern geworden ist, glauben unsere hiesigen Antisemiten, sich gar keinen Zwang mehr auferlegen zu brauchen.- Früher bemühte man sich wenigstens aus Scheu vor dem -gebildeten Europa, seine Jndenfeindlichkeit hinter dem Kampfe gegen die „Fremden" zu verbergen, aber jetzt spricht man ungeniert seinen Hass gegen die Israeliten aus. Die Auswanderung nimmt daher imnier mehr zu, und die reicheren Familien gehen zuerst, denn bei uns macht nicht einmal, wie in Nussland, das Geld die Situation erträglicher. Die armen Juden freilich müssen bleiben, tvenn sie nicht von der Regierung selber unter allerlei Vorwänden abgeschoben werden. So hat sie damals, als die Welt durch den Mord an der Kaiserin Esisabeth -in Aufregung war, 200 jüdische junge Leute als Anarchisten über die Grenze schaffen lassen und in den letzten Tagen wieder, eine Anzahl Journalisten unserer Religion ausgetvieseu.- Der Deputierte C o g o l n i c e a n u interpelliert destvegen die Regierung, aber diese lehnt die Antwort ab und der Ministerpräsident Stourdza erklärt: „Mögen die Juden sich ganz ruhig verhalten, sonst weise ich sie alle aus." Diese Erklärung beleuchtet am besten die Verhältnisse unseres Landes mit seiner „liberalen" Verfassung! (Braila.) Herr William Tr au b er hat in Ausübung seines wahrhaft philantropischen Wirkens die Initiative zur Gründung eines israelitischen Spitales in Braila ergriffest und wird in seinem Bemühen von den angesehensten Persönlichkeiten der Stadt aufs kräftigste unterstützt. Möge es dem Genannten gelingen, für sein neues Werk der Menschenliebe recht Viele zu gewinnen, damit die Anstalt bald ihre Thätigkeit beginnen kann als ein Beweis hochherziger Gesinnung der Prailaer Judenschaft. Schulfragen. Indischer Unterricht an den Wiener Schulen. H. Cvnfession oder Religion, richtiger gesagt: Katechismns oder Bibel, darin sollte der Unterschied zwischen dem nichtjüdischen dogmatischen und dem jüdischen nationalhistorischen Unterricht sich documeutieren. Es ist nicht genug, wenn der Lehrer den Gegenstand, den er lehren soll, so gut kennt, wie etwa ein gut begabter Vorzugsschüler, sondern er muss in den Geist dieses Gegenstandes vollkommen eingedrungen sein, so dass er den Ursprung, die Geschichte und den Entwicklungsgang desselben auf das Genaueste kennt. Am allernothweudigsten ist das bei dem jüdischen Religiousuuterricht, um den ganzen Entwicklungsprocess von der Bibel bis zum Talmnd und weiter bis zum letzten Rabbinismus zu begreifen und begreiflich machen zu können. Ist dieser allgemein anerkannte Grundsatz bei der Anstellung jüdischer Religionslehrer beobachtet worden? Freilich war man bestrebt, sehr gebildete, absolvierte öffentliche Lehrer zu diesem Berufe anzustellen, aber wie war es mit ihrem jüdischen Wissen bestellt? Das wollen wir an der Hand einiger Thatsachen, die uns von bestinformierter Seite mitgetheilt wurden, etwas näher beleuchten. Ein von der Cnltnsgemeinde zur Ertheilung jüdischen Religionsunterrichtes angestellter Lehrer S. sah sich gezwungen, nachdem er schon die Stelle hatte, um doch wenigstens hebräisch lesen zu können, beim Herrn Br. Unterricht zu nehmen. Ein gottseliger Religionslehrer in der Bürgerschule Brigittenau war gewiss von den besten Intentionen beseelt, als er bei seinen Schülern Uebungen im lauten Vorbeten einführte, aber leider war sein hebräisches Wissen so minimal, dass er drei Jahre hintereinander die Kinder den Fehler sagen ließ: „TJ? VOtb’ “l'Sx statt des richtigen erst durch Zw fall von einem Fremden aufmerksam gemacht, wurde die Sache corrigiert. Diese paar Facten allein, und wir könnten noch recht viele anführen, wenn wir wollten, mögen als Jllustrationsfacten dienen, in welchem Geiste der Religionsunterricht in unseren Schulen gehalten wird. Die Hauptschuld an diesen Uebelständen liegt in dem verkehrten System, welches sich in unseren Schulen leider eingebürgert hat. Freilich, zur Ertheilung eines bloß ceremoniell-cottsessionellen Unterrichtes genügt vielleicht ein Lehrer, dessen Können sich bloß auf das Lehrbüchel beschränkt, das er in der Hand hat, aber wir wiederholen, dieses System ist nicht jüdisch. Der jüdische Religionsunterricht muss unbedingt Hand in Hand mit der Geschichte der Entwicklung des jüdischen Volkes gehen. ' Das' Hanptfundament ebenso, wie der Weiterbau muss auf streng national-jüdischer Basis - ausgeführt sein und darf sich nicht in geisttödtenden Formeln und Dogmen verlieren. Und solange die Reform des Unterrichtssystems im oben angedeuteten Sinn nicht dürchgeführt werden wird, wird stets eine Kluft zwischen Lehrern und Schülern, zwischen Schule und Haus bestehen,, werden wir immer neue Klagen hören, ohne Abhilfe-schaffen-zu können. Auch wird unsere Schuljugend den jücnschen Religionsunterricht als lästigen Ballast betrachten, den sie sich beeilt, nach erhaltenem Zeugnis so rasch als möglich über Bord zu werfen. Also das Losungswort muss lauten: Ein anderes Lehrsystem, andere Lehrbücher und ein tüchtiges Lehrermaterial'. , Werfen wir einen Blick in die Lehrbücher, aus denen unseren Kindern die Hiebe zum jüdischen Glauben, die Anhänglichkeit an das jüdische Volk beigebracht werden soll, und wir werden finden, dass sie allem anderen eher, als genannten Zwecken entsprechen. Nehmen wir z. B. — weil wir gerade davorstehen — das Osterfest an. Welchen Eindruck soll der Schüler von diesem Feste haben, tvenn er nicht mehr davon weiß, als dass er, weil die Juden aus Aegypten ausgezogen, sich acht volle Tage einer anderen Speiseordnung unterwerfen muss, brechen muss mit Gelvohnheiten, die ihm das ganze Jahr lieb geworden sind, ohne einen vernünftigen Grund hierfür zu haben. Ganz anders würde der Schüler das Osterfest begehen, wenn der Lehrer es verstände, ihm die eigentliche wahre Bedeutung desselben'klar zn machen, ihn zu der ethischen Höhe der Anschauung emporzuheben, damit er einsehe, welch ein wichtiger Abschnitt im jüdischen Volksleben dieses Fest ist, welch' ein colvssaler Unterschied zwischen ägyptischem Helvtenthnm und' der Menschwerdung der Juden durch dieses Fest gekennzeichnet werden soll. Ja, wenn man dem Schüler all dieses in sachlicher, anschaulicher, fesselnder Form wird beigebracht haben, dann wird er dessen' sind wir sicher, auch tvillig alle rituellen Vorschriften mit Vergnügen auf sich nehmen, weil ihm die Begründung derselben klar sein wird.' Im Geiste, des Unterrichtes muss das Schwergewicht desselben liegen und nicht in der tobten Formel —- — Wenn man die jüdische Jugend dein jüdischen Volke erziehen und Erhalten will, dänn muss man in ihr die Liebe zur jüdischen Tradition und Geschichte in ebenderselben Weise zn wecken trachten, wie' dies bei allen anderen Völkern geschieht. Auch wir haben unsere „Edda-Sage" in unserer Geschichte, auch wir besitzen in unserem Moses eine Gestalt, wie sie gar kein Volk in seiner Geschichte aufweisen kann. Auch unsere sonstigen Helden und Führer halten ganz gut einen Vergleich mit den von ihren Völkern hochverehrten anderen Nationalhelden aus. Aber wird unseren Kindern etwas derartiges gelehrt? Wie will mmr aus unseren Kindern gute Juden machen, wenn man sie nicht schon in - ihrer zartesten Jugend gewöhnt, unsere alten Kämpfer für das - Judenthum genau so zu verehren, wie der Deutsche seinen Hagen, Siegfried, Hermann n. s. w.? Das ist richtiger jüdischer Religionsunterricht, das ist es, was uns noththut.- Die Inden in Böhmen. (Von einem Deutschböhmen.) HI.*) Es mag, nach dem Vorhergesagteu, so manchem nicht einleuchtend erscheinen, weshalb denn gerade die Inden in Böhmen an ihrer Eitelkeit und an ihrer Autisemitenfurcht festhalten, trotzdem überall die Thatsache zutage tritt, dass ein furchtloses, nngeschcntes Hervortreten den Inden mehr Achtung verschafft, als das bislang gebräuchliche „Nichtzuerkennengeben". Die Lösung des Räthsels liegt in dem Umstande, dass in Böhmen die Provinzpresse eine große Macht repräsentiert, die zu fürchten der Jude allen Grund hat. Diese Provinzpresse hat im deutschen wie im czechischen Böhmen zum weitaus größten Theile die Juden nicht übermäßig angegriffen; theils weil die Nachwirkung der kurzen liberalen Aera dieser Presse einige Zurückhaltung auferlegte, theils, weil geschäftliche Vortheile diese Presse zur Nachsicht zwangen. Aber auch dort, tvo die Juden von dem Localblatte auf das Allerrüdeste behandelt werden, z. B. in Nilinburg, Jungbunzlan rc. fürchten die Juden nur „noch mehr", und diese Furcht ist nicht unbegründet. Denn solch ein Provinzblatt kann den Juden nicht nur den Aufenthalt, souderu das Leben verleiden. Eine Wehr dagegen gibt es nicht, weil einmal selten ein zweites Blatt da ist, und zum anderen, auch das „liberalste" Blatt, einer solchen Abwehr nur ungerne Raum gibt. Um nun Ruhe zu haben, liest man jüdische Blätter nur insgeheim, zahlt nationale Steuern, auch gegen jede Ueberzeugung, wählt deutschradical, trotzdem man überzeugt ist, den eigenen Metzger zu wählen. Sehr mit Unrecht, wie ich glaube. Denn es verlangt ja einerseits vom Juden niemand, er solle antinational wählen, andererseits kein Mensch, er müsse national sein. Es gibt meines Erachtens nur ein Mittel, das gesunkene Ansehen tviederzngewiunen, sich Respect zu verschaffen : Wenn m a n d e n Ko p f n i ch t in den Saud st e ckt, sondern seinen „Makel" offen und ehrlich herumträgt. Das ist auch das Universalmittel, sich allen Angriffen zu entziehen. Wenn in Raudintz oder Pilsen oder Kolin sich Alt-und Jungczechen und Radicale gegenüberstehen, was hat der Jud dabei zu thun? Und wenn sich in Trantenau Wolf mit Hallwich, in Rumburg Pergelt mit Schnitzer, in Teplitz Pfersche mit Pacher herumschlagen, was hat denn der Jude die Schläge auf sich zu nehmen? Wenn die Wahlvorbei ist, schimpft ja doch die unterlegene Partei nur auf die Juden. Wird ein Liberaler gewählt, ist der Jud „daran schuld", wird er nicht gewählt, haben die Juden „ihre Pflicht nicht erfüllt". Dazu kommt das an Verbreitung stetig zunehmende Schlagwort der Antisemiten, Juden sind weder Deutsche noch Czechen, können es nicht sein. Wenn der Percentsatz jener Liberalen, welche die Inden als Deutsche ansehen, ein großer wäre, könnte man das Martyrium der deutschseinwollenden oder czechischseinwollenden Juden noch verstehen. Aber wie die Dinge heute bestehen, sind ja in beiden Lagern jene Leute nur sehr vereinzelt. Die Allerliberalsten lassen sich die Inden allenfalls gefallen; sie als gleichwertig anzusehen, fällt ihnen doch nicht ein. Es ist noch nicht lange her, dass ein „czechischer" Pnblicist in Wiener Kreisen um Unterstützung bat, weil ihn die Czechen hinansgeworfen hatten, und wenn man heute dem Dr. Schlesingerz. B. zumuthen sollte, in einem Aufrufe der Judenfrage auch nur mit einem Worte Erwähnung zu thun, würde er sich gegen solch eine Zumnthung energisch verwahren. Diejenigen Inden, die heute noch deutsch sind, e n t w ü r d i gen sich geradezu, denn es dankt ihnen niemand'-ihr Deutschthum, es ist niemand da, der es wünscht, dass sie sich als Deufsche gerieren sollen. Im Gegentheil! Die Liberalen wünschen, dass die Juden in der Tarnkappe -zu den Wahlen giengen, damit man sie nicht „Judenknechte" schimpft; i die Stimmen nehmen sie gerne, aber die Männer, die sie abgeben, tvollen sie beileibe Nicht. Leugne einer das, wenn er kann. Auf der anderen Seite aber haben die Juden für erfüllte Pflicht nur Spott und Hohn. Nach jeder Wahl müssen die Juden Unflat in Haufen erdulden; man hat aber noch keinen Dank an die „Stammesgenossen jüdischer Confession" gelesen. Im Gegentheil. A b l e u g n e n will man es stets, dass die Juden das Resultat miterkämpft haben! Und tvas die „Warnnug" jener Ehrlichen anbelangt, die da meinen, der Jude müsste national wählen, weil sonst noch Schlimmeres Nachkommen könnte, so meine ich, - dass das ein Trugschluss sei! Was kommen soll, wird kommen, man verschiebt es nur, man verhindert es nicht. Und wenn 'heute die Deutschradicalen und die czechischen Radicalen ihren Willen rascher durchsetzen, weil sich die Juden neutral verhalten, so wird höchstens ihr Hass gegen die Inden nicht so groß werden. Was sie in ihrem Programm haben, werden die Juden eben dann zn bekämpfen haben und sie tverden es umso rücksichtsloser können, weil auch die Deutschnatioualen wie die Czechischradicalen keine Herrgötter'sind und weil die .Neutralität 'in nationalen Fragen der Deutschen oder Czechen ihnen eine mächtige Waffe in die Hand gibt. Diese Erkenntnis' r eift in Böhmen langsam aber sicher. Das beweist ja das Geschrei über die nationale Sammlung der Juden, tvie sie das „Jüdische Volksblatt" anstrebt. Man jammert nur, weil man Verluste fürchtet; man schimpft nur, lveil die Kraft der Einigkeit leicht unbequem werden könnte. Die Inden in Böhmen werden sich trotzdem, vom Rechten nicht abhalten lassen. Wenn sie es erst dahin gebracht haben, dass ihnen das Wort „Jud" nicht mehr als Schimpf, sondern als Ehrentitel erscheint, als Ehrentitel im jüdisch-nationalen Sinne, dann werden sie sich auch ihrer Kraft betvusst tverden. *) Siehe Nr. 1 und Nr. 2 des „Jüdischen Volksblatt". * 'V W'E

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